"Nihilistische Tendenzen" ausmerzen

Berlin, 7. Dezember 2016. Die Entlassung der Leiterin des Polnischen Instituts in Berlin Katarzyna Wielga-Skolimowska stößt bei Kulturschaffenden der Bundeshauptstadt auf Unverständnis. In einem Offenen Brief (hier vollständig), den die stellvertretende Direktorin und Programmleiterin des Jüdischen Museums Berlin Cilly Kugelmann an den polnischen Botschafter aufgesetzt hat, ist von "Bestürzung und Irritation" angesichts der Personalentscheidung die Rede.

Dem Schreiben schließen sich unter anderen der Leiter der Berliner Festspiele Thomas Oberender, die Intendantin des Berliner Maxim Gorki Theaters Shermin Langhoff und die ehemalige Intendantin des Berliner Hebbel-Theaters Nele Hertling an. Frau Wielga-Skolimowska habe es mit ihrer Arbeit geschafft, "dass sich polnische Kultur ins Bewusstsein der Berliner" eingeschrieben hat, heißt es in dem Schreiben.

2013 hatte die Theaterwissenschaftlerin und Kulturmanagerin Katarzyna Wielga-Skolimowska die Direktion des Polnischen Instituts in Berlin übernommen. Ihr Vertrag lief noch bis Sommer 2017, wie die taz (2.12.2016) berichtete.

Politische Säuberung

Über die Hintergründe der Abberufung von Katarzyna Wielga-Skolimowska schreibt die taz (5.12.2016): In einer "internen Bewertung" vom 17. Oktober 2016, die der taz vorliege, habe der polnische Botschafter Andrzej Przyłębski die Arbeit des Polnischen Instituts unter Wielga-Skolimowska "scharf kritisiert". Die taz zitiert aus dem Gutachten Przyłębskis: "Die blinde Nachahmung nihilistischer und hedonistischer Trends führt zivilisatorisch zu nichts Gutem (...). Polen muss sich dem widersetzen. Auch durch die im Polnischen Institut präsentierte Kultur."

Weiter heißt es im taz-Artikel zu den Forderungen des Botschafters: "Auch solle es das Polnische Institut mit polnisch-jüdischen Themen nicht übertreiben (...)." Przyłębski verlange, vermehrt Gäste ans Institut einzuladen, "die die Situation (in Polen) verstehen und in überzeugender Weise darüber reden können". Das seien gemäß seiner Bewertung in der "Regel aber keine Bildenden Künstler oder Avantgardemusiker". Przyłębski plädiere dafür, "mehr Autoren und Verlage einzuladen, die sich mit 'historischer Prosa' beschäftigen", so die taz.

(taz.de / chr)

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