Donnerstag, 27. November 2014

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25. November 2014

Jeder Stadt einen Operndolmuş

"Selam Opera!" heißt ein Berliner Projekt, das Musiktheater in Kiezcafés, deutsch-türkische Begegnungsstätten und Altenheime bringt. Die Komische Oper Berlin als Organisatorin versteht sich dabei als lernende Institution, die sich intern umbauen will. Der Band Selam Opera! Interkultur im Kulturbetrieb liefert nun ein Sammelsurium von Texten, die über das Modellprojekt hinaus reichen und zu dem Thema einiges zu sagen haben. Mehr von Elena Philipp.

Er ist ein Schriftsteller, der politisch immer wieder für heftige Kontroversen sorgt. Zuletzt, als ihm in Oslo der Ibsen-Preis verliehen wurde. In den Gesprächen, die Thomas Oberender mit Peter Handke über das Schreiben fürs Theater geführt hat, bleibt die Politik zwar eher außen vor. Punktuell lässt Handke sich allerdings gar zu weltpolitischer Programmatik hinreißen: "All diese nützlichen Tätigkeiten machen die Welt kaputt." Auch verrät der Autor der "Publikumsbeschimpfung", was er heute vom gemeinen Theatergänger hält. Vor allem aber hörte Wolfgang Behrens den Jargon der Eigentlichkeit raunen.

Nicht weniger als siebzehn Shakespeare-Rollen verkörperte er im Laufe seines Lebens. Im Juli dieses Jahres starb Gert Voss, der "wahnhafte Figuren-Logiker". Im Buch Gert Voss auf der Bühne nähern sich seine ehemaligen Weggefährten nun seinem Können, versuchen es zu beschreiben, zu erklären. Und verraten, welcher Regisseure Voss am meisten prägten – noch vor Peter Stein und Luc Bondy. Thomas Rothschild berichtet von der Lektüre dieser Werkschau und Würdigung.

Wer auf den Grund von Christoph Marthalers Theater schauen will, muss nur lange genug in ein Bierglas schauen. So ulkte man, als Marthaler mit dem "Wurzelfaust" oder "Kasimir und Karoline" seine großartigen ersten Arbeiten vorlegte, in denen das Sitzen, Schauen, Zeit vergehen lassen eine große Rolle spielte. Aber so leicht ist seiner Arbeit natürlich nicht beizukommen. In dem TdZ-Arbeitsbuch gibt der Regisseur Einblick in seine Denk- und Produktionsweisen. Die Interviews sind begleitet von Materialien aus seinen Arbeitsbüchern, die während der Proben entstehen. Mehr von Simone Kaempf.

Neulich in London, wo seine Inszenierung "Ein Volksfeind" die Briten vom Hocker riss; gerade in Moskau, wo die Schaubühne und ihr Intendant Thomas Ostermeier zur Zeit gastieren. Nur im eigenen Land mäkeln die Kritiker und der Regisseur fühlt sich nicht verstanden: er, der unter Revolte heute versteht, wenn man aufbaut, statt niederzureißen. Dieses und noch mehr kann man in einem Gesprächsbuch lesen, das der Theaterkritiker Gerhard Jörder herausgegeben hat: Ostermeier Backstage. Wann das Papier für ihn zu knistern begann, sagt André Mumot.

Gestählt als Dramatiker und Texter im freien Theater, gehört Thomas Melle mittlerweile zu den Stammkandidaten im Rennen um den Deutschen Buchpreis. Nach seinem furiosen Romandebüt "Sickster" vor drei Jahren legt er mit seinem Neuling 3000 Euro jetzt eine weitere bittere Bestandsaufnahme aus den existenziellen Notstandgebieten der Wohlstandsgesellschaft vor. Eva Biringer hat das Werk gelesen.

Welche Aufgaben hat das Theater? Darf Kunst nützlich sein? Ja, sie muss! "Wir müssen Duchamps Pissoir wieder zurück ins Badezimmer stellen, so dass es von Nutzen sein kann." Das fordert die Bildende Künstlerin Tania Bruguera. Sie ist eine der zahlreichen Künstlerinnen, deren Positionen das u.a. von Florian Malzacher herausgegebene Arbeitsbuch Truth is concrete. A Handbook for Artistic Strategies in Real Politics versammelt, entstanden aus einem Marathoncamp für politische Strategien in der Kunst beim Steirischen Herbst in Graz. Esther Boldt hat es gelesen und ist höchst inspiriert.

Roland Schimmelpfennig ist einer der meistgespielten, produktivsten, höchst bepreisten Dramatiker unserer Zeit, wurde häufig von Jürgen Gosch auf die Bühne gebracht, in Mülheim ausgezeichnet, und mit der Inszenierung seines eigenen Stückes "Der goldene Drache" 2010 zum Theatertreffen eingeladen. 2013 wurde ihm von der Universität des Saarlandes die Poetik-Dozentur für Dramatik angetragen. Wie er seine poetologischen Ansichten in Worte fasste, kann man nun in dem Buch Ja und Nein. Vorlesungen über Dramatik nachlesen. Inwiefern es darin zur Sache geht, sagt Thomas Rothschild.

Was kommt 15 Jahre nach dem "Postdramatischen Theater"? Damals beschrieb Theaterwissenschaftler Hans-Thies Lehmann das "neue" Theater, das weder Textvorlage noch Handlung kennt; inzwischen ein Standardwerk der Theaterwissenschaft. 15 Jahre später nun: Tragödie und dramatisches Theater. Die eigene Gegenposition? Dirk Pilz las die 700 Theorieseiten und hat einige Fragen.

Auf den Zeitungsseiten der Literaturkritik gab es jüngst mal wieder eine Welthaltigkeitsdebatte, in der den Werken der jungen Schriftsteller fehlende vorgeworfen wurde. Junge Stücke untersucht nun ein von den Theaterwissenschaftlern Andreas Englhart und Artur Pełka herausgegebener Sammelband nicht nur, aber auch in dieser Hinsicht und kommt zu weniger alarmierenden Schlüssen – und einem Schluss mit Nis-Momme Stockmann, der seine Autorengeneration gewohnt flammend verteidigt. Es las und schreibt Christian Baron.

Rüdiger Schaper ist einer von zwei Kulturchefs beim Berliner Tagesspiegel. Früher war er Berliner Kritiker der Süddeutschen Zeitung. Und Fan von Frank Castorfs Bewegttheater in der Volksbühne. Inzwischen glaubt er an die ewige Wahrheit der antiken Stücke. Und geht oft lieber ins Museum als in die Spielhäuser. Jetzt hat Schaper (*1959), der inzwischen der Generation der Kritiker-Väter angehört, eine subjektive Theatergeschichte geschrieben. Von Schlingensief bis Aischylos. Eva Biringer, Generation Kritiker-Tochter, hat sie gelesen.

Auf den Tag genau vor fünf Jahren starb der Regisseur Jürgen Gosch, der schmerzlich vermisste, dessen späte Werke wie der Düsseldorfer "Macbeth" (ein böses Blutspiel aus einer nackten Männerrunde heraus) zu Richtgrößen des Gegenwartstheaters wurden. Jetzt legt der Theaterwissenschaftler Tobias Hockenbrink eine erste Werkschau zu Jürgen Gosch vor. Welche Entdeckungen er macht, sagt Sophie Diesselhorst.

Es gibt in der Theaterwissenschaft ja regelmäßig Opfer zu beklagen. Diesmal ist das Konzept der Interkulturalität dran. Es besagte in etwa: Treffen sich zwei, entsteht etwas Drittes. Doch dieses Konzept ist entgültig abgespielt, zu Gunsten eines neuen Modells: dem der "Verflechtungen von Theaterkulturen". So heißt auch der neue Sammelband The Politics of Interweaving Performance Cultures: Beyond Postcolonialism, der jetzt vom Berliner Forschungskolleg unter Erika Fischer-Lichte herausgegeben wurde. Friederike Felbeck hat ihn gelesen.

Am 23. April jährt sich zum 450. Mal der Geburtstag von William Shakespeare. Daten wie dieses kurbeln natürlich immer auch kräftig die Buchstabenproduktion an. Als ob Shakespeare-Bücher nicht schon viele Regalkilometer füllen würden! Und doch: Neue profunde Bücher gibt es u.a. von Frank Günther, Hans-Dieter Gelfert und Isaac Asimov. Den anschwellenden Tsunami der aktuellen Jubiläumsliteratur hat Rainer Nolden gesichtet.

Sie war die Charlie in der Uraufführung von Plenzdorfs "Die neuen Leiden des jungen W." und die Eva in Rudi Strahls Erfolgskomödie "In Sachen Adam und Eva". In Andreas Dresens "Wolke 9" brillierte sie auf dem Filmfestival in Cannes. Neuerdings sieht man sie an den Münchner Kammerspielen, aber eigentlich ist sie durch und durch Berlinerin, ein langjähriger Fixstern des Maxim Gorki Theaters: Ursula Werners Autobiographie Immer geht's weiter hat Georg Kasch gelesen.

Der Selbstmord seines Bruders hat Lukas Bärfuss zu seinem neuen Prosawerk inspiriert – Koala wurde der Bruder bei den Pfadfindern genannt, und in Ermangelung sinnigerer Erklärungen für sein Leben und das für ihn, den Erzähler, plötzliche Ende sucht Bärfuss in der Geschichte und Symbolik des niedlichen, für seine ausgeprägte Faulheit bekannten Bären nach einem Zusammenhang. Die Suche führt unter anderem nach Australien sowie in einen lebendig-arhythmischen Erzählgestus – mehr von Sophie Diesselhorst.

Auch einer der sehr beliebten, fast schon modischen Begriffe: Ereignis. Die Theaterwissenschaftler sind ganz vernarrt in ihn, die Philosophen auch. Jetzt hat sich Anna Häusler unter dem Titel Tote Winkel mit Rainald Goetz und Einar Schleef befasst und sie ihren "Ereignis-Lektüren" unterzogen, ohne auf die boomende Ereignis-Forschung einzugehen. Kühn? Unbedarft? Lesenswert? Kai Bremer weiß mehr.

Der Kapitalismus, der doofe. Können wir den überhaupt doof finden, wo er doch so alternativlos ist? (Denn darauf scheint man sich inzwischen geeinigt zu haben.) Ja, wir können! Und zwar spätestens nach der Lektüre von Kritik von Lebensformen von Rahel Jaeggi. Denn (kapitalistische) Lebensformen sind zwar vielleicht nicht immer frei gewählt, aber stets von Menschen gemacht. Warum also Lebensformen-Kritik wichtig ist und gegen "Unsichtbarkeit" hilft, das schreibt Dirk Pilz.

Yasmina Rezas neues Buch Glücklich die Glücklichen grast, wie üblich bei der französischen Dramatikerin und Literatin bei Bürgers im Boudoir, wenn es, genauer gesagt die Autorin, nicht gleich die Bettdecken lupft, um ein wenig darunter zu schauen. Short cuts, Monologe, Minidramen offerieren unverklemmte Selbstoffenbarungen, die nach dem Geheimnis eines geglückten Lebens fahnden, ohne über der Aussichtslosigkeit des Unterfangens den Humor zu verlieren. Shirin Sojitrawalla las die Novität mit Vergnügen.

Wäre es nicht mal Zeit für eine René Pollesch-Anthologie? Naja, immerhin hat der Rowohlt Theaterverlag nun mal wieder einen Band mit den neuesten Stücken des ubiquitären Diskursdompteurs herausgebracht. Kill your darlings ist nach Polleschs Volksbühnen-Erfolg mit Fabian Hinrichs benannt und enthält neben dem Text dieses Stücks sechs weitere aus den Jahren 2008 bis 2012, außerdem Diedrich Diederichsens Laudatio anlässlich der Verleihung des Else-Lasker-Schüler-Preises für Polleschs dramatisches Gesamtwerk. Eva Biringer hat sich bei der Lektüre abwechselnd wie ein Lawinenopfer und wie eine Surferin gefühlt.

Schon wieder ein Buch über Shakespeare? Jawohl! Und was für eines! Geschrieben hat es Neil MacGregor, einer der berühmtesten Museumsdirektoren der Welt. Auf faszinierenden (Um)wegen führt der Leiter des Londoner British Museum uns Heutige in Shakespeares ruhelose Welt an der Schwelle der Moderne. Es sind Wege, die über Dinge und anderes Versunkenes aus der Zeit vor fast 500 Jahren führen und die MacGregor als Zeichen einer Kultur im Wandel aufzuspüren und zu deuten vermag. Mehr von Dirk Pilz.

Für das Theater ist Georg Büchner meistens der fesche Sozialrevolutionär, mit dem sich gut die Verhältnisse bejammern lassen. Nur spricht sehr wenig dafür, dass sein Werk tatsächlich frühsozialistisch ist. Das Büchner-Gebirge ist vielmehr christlich. Das zumindest behauptet Hermann Kurzke in seiner Biographie – die Dirk Pilz gelesen hat.

Er hat sie gegründet, die vermeintliche "Unglücksschmiede des deutschen Theaters", wie Gerhard Stadelmaier das Institut für Angewandte Theaterwissenschaften in Gießen einmal nannte. Ihm hat die Theaterwelt so viele Postdramatiker zu verdanken, René Pollesch genauso wie Rimini Protokoll. Doch Andrzej Wirth, der Wilson-Verehrer und Professor, war auch ein klassischer Intellektueller mit beeindruckender Lebensgeschichte. Beides, das Fachliche und das Biographische, vereint nun das von Thomas Irmer herausgegebene Buch Flucht nach vorn. Am 19. November wird es am HAU Berlin vorgestellt. André Mumot hat es schon jetzt gelesen.

Vergessen Sie die Welt da draußen, vergessen Sie so viel wie irgend möglich. Und dann kommen Sie in dieses Buch herein, ein Buch, das nicht nur Buchstaben und Fotografien versammelt, sondern Kunst sein will, Vergessens-, und also Erinnerungskunst: While You Are With Us Here Tonight. Tim Etchells, Chef der britischen Live-Art-Truppe Forced Entertainment, hat es entworfen, Nachtkritikerin Sophie Diesselhorst betrachtet.

Der "Tatort"-Kommissar Felix Murot, gespielt von Ulrich Tukur, hat einen Hirntumor, weshalb ihm die Welt immer wieder zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmt. Im Zwischenreich der Zeiten und Welten ist auch Tukurs Schauernovelle Die Spieluhr angesiedelt, die sich an E. T. A. Hoffmann und Edgar Allan Poe ebenso anlehnt wie an Woody Allen. Ein Regieassistent verschwindet, in Gemälden spukt es gewaltig – und nebenbei wird die Identitätsverhedderung von Schauspieler und Figur umkreist. Nikolaus Merck hat sich als Leser und Anspielungsentschlüssler betätigt.

Schwierig zu sagen, was das Theater der Gegenwart eigentlich ist. Und schwierig, es in einem Überblickstext darzustellen. Andreas Englhart hat es mit seinem Buch Das Theater der Gegenwart versucht, Thomas Rothschild hat es gelesen – und Andreas Englhart auf die Kritik reagiert.

Der Mann ist die menschgewordene Verostung des Westens. Keine Peinlichkeit, keine Blödigkeit scheuend, dabei ein Künstler, vor allem ein Unterhalter von höchsten Graden: Leander Haußmann. Einst Ost-Rocker im mecklenburgischen Parchim, Nachwuchshoffnung des gesamtdeutschen Theaters in Weimar, vorletzter Schiller-Theater-Heroe in Berlin, Frank-Castorf-Buddy, Ostalgiseur des deutschen Kinos, Westalgiseur obendrein, TV-Prime-Time-Erneuerer und Bücherschreiber jetzt. Heute erscheint Leander Haußmanns Buh. Mein Weg zu Reichtum, Schönheit und Glück. Wolfgang Behrens hat die Erinnerungen des 54-Jährigen gelesen.

Was war das für ein Gezeter und Geschrei, als die Nachtkritik erfunden wurde! Der Untergang des Theaters!, ach was: der Kultur! Mindestens. Das war 1828, und einige haben sich noch immer nicht wieder beruhigt. Wie kann das sein? Erstaunlich viel und erstaunlich Erhellendes hat Meike Wagners mediengeschichtliche Studie über Theater und Öffentlichkeit im Vormärz nicht nur darüber zu sagen. Vor der Folie heutiger Krisenszenarien in Zeitungs- und Theaterlandschaft rollt sie noch einmal auf, wie entstand, was gerade einen existenziellen Umbruch erfährt. Esther Slevogt weiß mehr.

Die Stadttheater? Sind Musterschüler des neoliberalen Wirtschaftens. Die Freien Theater? Die kapitalistische Avantgarde. So kann das nicht weitergehen, findet der Dramaturg Bernd Stegemann. Er hat deshalb eine gehörig wutgeladene Polemik verfasst, die er nicht unbescheiden Kritik des Theaters nennt. André Mumot hat sich durch das Buch gekämpft.

Stimmt ja, dass die Freien Theater ziemlich eifrige Kapitalismusmitmacher sind. Aber nicht nur, und nicht gern. Wie und wozu in der Freien Szene künftig Theater entwickelt werden kann, damit beschäftigt sich ein Aufsatzband, den Tobias Prüwer gelesen hat.

Ganz schlimm, dieses Buch, das ein Roman sein will. Palermo heißt es, Uwe Eric Laufenberg hat es verfasst und versucht darin, seine Erlebnisse als Kölner Opernintendant zu verarbeiten. Wirklich schlimm! Eva Biringer hat es gelesen.

Besser hat es der Leser dagegen mit Martin Walsers Theaterroman Die Inszenierung, obwohl er mit Klischees nicht spart. Katrin Ullmann weiß Bescheid.

 

cover roeggla besser ware keine 180Buch der Monate Juli/August

Kathrin Röggla: besser wäre: keine. Essays und Theater.
Verlag S. Fischer, Frankfurt am Main 2013
von Eva Biringer

Buchhinweise Juli/August 2013

Botho Strauß: Lichter des Toren. Der Idiot und seine Zeit.
Diederichs Verlag, 2013
Martin Mosebach: Der Ultramontane. Alle Wege führen nach Rom.
Sankt Ulrich Verlag, 2012
Mario Perniola: Vom katholischen Fühlen. Die kulturelle Form einer universellen Religion.
Matthes & Seitz Verlag, 2013
Sinn und Form: 65. Jahr, viertes Heft, 2013
Akademie der Künste Berlin, 2013


coverbickerwaswirerbenBuch des Monats: Juni 2013

Björn Bicker: Was wir erben.
Verlag Antje Kunstmann, München 2013
von Elena Philipp

Buchhinweise Juni 2013

Thomas Jonigk: Melodram.
Literaturverlag Droschl, 2013
Denis Hänzi: Die Ordnung des Theaters. Eine Soziologie der Regie.
Transcript Verlag, 2013
Frank-Patrick Steckel: Übersetzungen der Dramen William Shakespeares
Laugwitz Verlag, 2013

beackerwozu theater

Buch des Monats: Mai 2013

Dirk Baecker: Wozu Theater?
Verlag Theater der Zeit, 2013.
von Ulf Schmidt

Buchhinweise Mai 2013

Kaminski ON AIR: Der Ring des Nibelungen.
Die Theateredition, 2013
Halina Hackert: Sich Heimat erschreiben.
Zur Konstruktion von Heimat und Fremde in Einar Schleefs "Gertrud".
Kulturverlag Kadmos, 2013
Christoph Menke: Die Kraft der Kunst.
Suhrkamp 2013

 

cover internetauftritteBuch des Monats: April 2013

Ulf Otto: Internetauftritte. Eine Theatergeschichte der neuen Medien
Transcript, Bielefeld 2013.
von Christian Rakow

Buchhinweise April 2013

Dieter Dorn: Spielt weiter! Mein Leben für das Theater.
C.H. Beck, München 2013
Bertolt Brecht: Notizbücher. Band 1: 1918-1920.
Herausgegeben von Martin Kölbel und Peter Villwock.
Suhrkamp, Berlin 2013
Robert Hunger-Bühler:
Herzschlag-Zeit. Haiku.
Edition Howeg, Zürich 2013

cover blubacher gruendgensBuch des Monats: März 2013

Thomas Blubacher: Gustaf Gründgens. Biografie.
Henschel Verlag, Berlin 2013
von Georg Kasch

 

Buchhinweise März 2013

Carmen-Maja Antoni, Brigitte Biermann: Im Leben gibt es keine Proben.
Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2013
Rimini Protokoll: ABCD. Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik.
Verlag Theater der Zeit, 2012
M. Agejew: Roman mit Kokain.
Manesse Verlag, Zürich 2012

cover karin beier buch gro 280

Vorabdruck: März 2013
Wolfgang Höbel: Karin Beier. Den Aufstand proben. Ein Theaterbuch, Köln 2013.
von Wolfgang Höbel.

 

 

covernagelBuch des Monats: Februar 2013
Ivan Nagel: Shakespeares Doppelspiel. "Der Kaufmann von Venedig" neu gelesen
Insel, Berlin 2012.
von Esther Slevogt.

 

cover meyerhoff wann wird es

Buch extra: Februar 2013
Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war.
Roman. Alle Toten fliegen hoch, Teil 2. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013
von Nikolaus Merck 

 

Buchhinweise Februar 2013

Bertolt Brecht, Helene Weigel: "ich lerne: gläser + tassen spülen". Briefe 1923–1956
Herausgegeben von Erdmut Wizisla. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
Alexander Karschnia und Michael Wehren (Hg.): Kommando Johann Fatzer
Neofelis Verlag, Berlin 2012
Pussy Riot: Pussy Riot! Ein Punk-Gebet für die Freiheit. Mit einem Vorwort von Laurie Penny, aus dem Englischen von Barbara Häusler. Edition Nautilus. Hamburg 2012.
Wiktoria Lomasko/Anton Nikolajew:  Verbotene Kunst. Eine Moskauer Ausstellung. Gerichtsreportage. Aus dem Russischen und mit einem Nachwort von Sandra Frimmel
Matthes & Seitz, Berlin 2013

 

coverbeckettbriefeBuch des Monats: Januar 2013
Samuel Beckett: Weitermachen ist mehr, als ich tun kann.
Briefe 1929 - 1940. Suhrkamp, Berlin 2013.
von Dirk Pilz

 

Buchhinweise Januar 2013

Gerda Baumbach: Schauspieler. Historische Anthroplogie des Akteurs.
Band 1: Schauspielstile. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2012
Maria Happel: Das Schnitzel ist umbesetzt. Was bisher geschah …
Amalthea Verlag, Wien 2012
Frank Noack: Jannings. Der erste deutsche Weltstar.
Collection Rolf Heyne 2012

 

cover derandereraum

Buch des Monats: Dezember 2012

Benjamin Wihstutz: Der andere Raum. Politiken sozialer Grenzverhandlung im Gegenwartstheater. diaphanes, Zürich 2012.
von Dirk Pilz

 

Buchhinweise Dezember 2012

Jan Knopf: Bertolt Brecht. Lebenskunst in finstern Zeiten.
Carl Hanser Verlag, München 2012
William Shakespeare: Hamlet. Illustriert von Eugène Delacroix.
Mit einer kunsthistorischen Einleitung von Anja Grebe.
Lambert Schneider Verlag, Darmstadt 2012
Elisabeth Plessen: Peter Zadek und seine Bühnenbildner.
Akademie der Künste, Berlin 2012

 

coverhandkeversuchstillerortBuch des Monats: November 2012
Peter Handke: Versuch über den Stillen Ort.
Suhrkamp, Berlin 2012
von Dirk Pilz

 

Buchhinweise November 2012

Michael Strauven: Jedermanns Lieblingsschurke. Gert Fröbe. Eine Biographie.
Rotbuch Verlag, Berlin 2012
Annemarie Matzke, Christel Weiler, Isa Wortelkamp (Hg.):
Das Buch von der Angewandten Theaterwissenschaft. Alexander Verlag, Berlin/Köln 2012
Sibylle Berg: Vielen Dank für das Leben. Roman. Carl Hanser Verlag, München 2012

 

coverschlingensiefautobiokleinBuch des Monats: Oktober 2012
Christoph Schlingensief: Ich weiß, ich war's.
Kiepenheuer & Witsch, Köln 2012.
von Christian Rakow

 

Buchhinweise Oktober 2012

Luc Bondy: Toronto. Gedichte. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012
Yasmina Reza: Nirgendwo. Aus dem Französischen von Eugen Hemlé, Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel. Carl Hanser Verlag, München 2012
Christine Bähr: Der flexible Mensch auf der Bühne. Sozialdramatik und Zeitdiagnose im Theater der Jahrtausendwende. transcript Verlag, Bielefeld 2012

 

holtrop cover

Buch des Monats: September 2012
Rainald Goetz: Johann Holtrop. Abriss der Gesellschaft. Roman.
Suhrkamp, Berlin 2012
von Wolfgang Behrens

 

frontierestitelBuch extra: September 2012
Frontieres liquides – territoires de l'art. Emergences de la scene europeenne
Herausgegeben von der Union des Theatres de l'Europe und Alternatives theatrales als Sonderheft (Hors serie) N°9, Brüssel 2012
von Herwig Lewy

Buchhinweise September 2012

Ivan Nagel: Schriften zur Politik. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
Karel Čapek: Wie ein Theaterstück entsteht. Aus dem Tschechischen von Otto Pick und Vincy Schwarz. Mit 47 Zeichnungen von Josef Čapek. Berlin 2012
Jens Roselt, Ulf Otto (Hg.): Theater als Zeitmaschine. Zur performativen Praxis des Reenactments. Theater- und kulturwissenschaftliche Perspektiven. Bielefeld 2012

 

cover dresen kleinBuch des Monats: August 2012
Adolf Dresen:Der Einzelne und das Ganze. Zur Kritik der Marxschen Ökonomie.
Herausgegeben von Friedrich Dieckmann. Verlag Theater der Zeit, Berlin 2012,Als von Esther Slevogt

 

Buchhinweise August 2012

Gerhard Stadelmaier: Liebeserklärungen. Große Schauspieler, große Figuren. Wien 2012
Genia Enzelberger, Monika Meister, Stefanie Schmitt (Hg.): Auftritt Chor. Formationen des Chorischen im gegenwärtigen Theater. Maske und Kothurn. Heft 1/2012.
Bernhard Greiner: Die Tragödie. Eine Literaturgeschichte des aufrechten Ganges.
Grundlagen und Interpretationen. Stuttgart 2012

 

marx handbuch drama 180Buch des Monats: Juli 2012
Peter W. Marx (Hg.:): Handbuch Drama. Theorie, Analyse, Geschichte.  Verlag J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2012
von Dirk Pilz

Buchhinweise Juli 2012
Maximilian Schell: Ich fliege über dunkle Täler. Erinnerungen. Hamburg 2012
Martina Groß / Hans-Thies Lehmann (Hg.): Populärkultur im Gegenwartstheater. Berlin 2012
Ludger Schwarte: Vom Urteilen. Merve Verlag, Berlin 2012,

 

Schon wieder eines dieser furchtbaren Selbstlobbücher? Es ist ja inzwischen Mode geworden, dass sich (vor allem) Intendanten Bücher machen lassen, in denen die Untergebenen das Großwerk des Herrn Intendanten preisen und alles immer so klingt, als gäbe es da immerfort nur supertolles Theater. Auch Matthias Lilienthal, neun Jahre Chef am Berliner HAU, wird jetzt mit einem Theaterbuch geehrt. Aber oh Wunder: In Import Export ist sogar Platz für leise Kritik. Elena Philipp hat das Buch studiert.

Um ein Auto geht es auch im Buch des Monats, um einen Bugatti Brescia Typ 22. Und um Mord. Um Liebe. Um Kunst! Dea Loher hat einen Roman geschrieben, es ist ihr erster: Bugatti taucht auf. Es ist ein Buch in drei Teilen, das sich auf tatsächliche Ereignisse bezieht. Das aber ist nicht entscheidend. Sondern? Dirk Pilz hat es gelesen.

Wie man Dramen schreibt? John von Düffel weiß das, und er weiß es auch zu erklären. Und wie man bei all den Dramen und Premieren den Überblick behält? Ein Kalender weiß Bescheid, der das Jahr nicht im Januar, sondern mit dem kommenden Montag (dem 25. Juni) beginnen lässt und für alle Theaterfälle Rat bereithält. Sonst noch? Was ist mit dem guten alten, ganz und gar nicht toten Gott? Er tritt im Theater auf. Es berichten Georg Kasch, Esther Slevogt und Kai Bremer.

 

boateng9. Mai 2012: In welchem Land leben wir eigentlich? In keinem Land der deutschen (oder österreichischen oder schweizerischen) weißen Mehrheit. Sondern in einem Land, das von Migrationsgeschichten geprägt ist. Das weiß man. Aber will man es auch wissen? Und was bedeutet das überhaupt, zum Beispiel für die Theater? Michael Horeni hat ein Buch über drei Fußballer geschrieben, Die Brüder Boateng, das sich mit genau dieser Frage beschäftigt: Was heißt es, in Deutschland groß zu werden und nicht weißer Hautfarbe zu sein? Nikolaus Merck hat das Buch gelesen und an die Debatte um Blackfacing und das postmigrantische Theater gedacht.

Buchhinweise Mai: Wie man Dramen lesen kann oder soll? Es gibt Unmengen Bücher darüber, jetzt aber eines, das sich durchaus zu lesen lohnt, weil es das Bekannte ein bisschen anders aussehen lässt. Und sonst? Gedichte lesen! Die von Tadeusz Różewicz, der ganz und gar zu Unrecht viel zu wenig gelesen wird. Und einen in Schweden lebenden Dichter lesen, Ulrich Schacht mit Namen, dessen eben erschienenen Notate genügend Stoff bieten zum Widerspruch, zum Nachdenken und Innehalten. Mehr dazu in den Buchhinweisen von Christian Baron und Dirk Pilz.

 

cover meesesuhrkamp2012

12. April 2012

Macht und Mutti

Ist das Kunstfaschismus oder Kasperletheater? Es gibt jetzt einen dicken Band, der Schriften des Malers, Pamphletschreibers, Bühnenbildners, Regisseurs und selbsternannten Ritterkreuzträgers Jonathan Meese versammelt: Sechshunderfünfzig Seiten ausgewählter Texte zur Diktatur der Kunst. Diktatur? Kunst? Oder einfach Quatsch? Lesen ist gut. Lesen lassen in manchen Fällen aber vielleicht noch besser. Zum Beispiel von Dirk Pilz.

Buchhinweise April: Die Kunst? Ja, die Kunst! So verschieden, so schwer zu fassen. Nehmen wir beispielsweise Christoph Schlingensief, Pier Paolo Pasolini und Mark Z. Danielewski: alle sehr verschieden, alle sehr Künstler und sehr eigen. Oder etwa nicht? Mehr in unseren Buchhinweisen.

 

kulturinfarkt26. März 2012

Stalinistische Sachlichkeit

Nun ist jenes Büchlein erschienen, das schon vor seinem ersten Verkaufstag genau das bekommen hat, was es wollte: allerlei Aufmerksamkeit und vielerlei Erregung. Der Kulturinfarkt nennt sich das Werk, verfasst von vier Herren, die sich so ihre Gedanken über den Zustand der Kultur und ihrer öffentlichen Förderung gemacht haben. Das ist schön. Nur, sind's auch irgend sinnige und hilfreiche Gedanken? Nikolaus Merck hat gelesen und berichtet. Eine aktuelle Übersicht zu den Reaktionen zum Buch gibt es auch.

 

ettetragoedie 997. März 2012

Buch des Monats

Buch des Monats? Ach was: Buch des Jahres, mindestens. Der Literaturwissenschaftler Wolfram Ette hat eine 700-seitige Kritik der Tragödie geschrieben, die man unbedingt lesen muss. Denn es ist ein Buch über Schuld und Schicksal, Theologie und Religion, Kunst und Geschichte, über Theater und die frappierende Wirkmacht von Missverständnissen. Die der Herren Aristoteles und Nietzsche zum Beispiel. Wirklich, ein großes, epochemachendes Buch, sagt Dirk Pilz.

Buchhinweise März: Schon wieder ein Buch über den Schriftsteller Thomas Brasch? Ja, aber ein besonderes, nämlich eines von seiner Schwester Marion Brasch, das Roman sein möchte. Außerdem stellen wir eine Biographie über den Dramatiker, Schauspieler, Theaterdirektor und Brötchenpreisbekämpfer Johann Nestroy vor, und eine Studie über die heftig umstrittene Frage, wie es um die Partizipation von Postmigranten an der deutschen Kultur bestellt ist. Das alles in unseren Buchhinweisen.

 

akluge 5buch15. Februar 2012

Lebensläufe sammeln

Es ist des Lobens kein Ende: Alexander Kluge, seit gestern 80 Jahre alt, kann noch immer nicht lassen, was er besonders gut kann: nämlich Bücher schreiben, wobei das für ihn vor allem heißt, Lebensläufe zu sammeln, was wiederum vor allem heißt, die Augen, den Blick des Gegenübers zu suchen, also neugierig zu bleiben. Das neue Buch von Alexander Kluge heißt Das fünfte Buch. Neue Lebensläufe. Dirk Pilz bedankt sich.

Buchhinweise Februar: Wir vermissen Jutta Hoffmann, die große, wunderbare Jutta Hoffmann, die vor zwölf Jahren letztmalig auf der Bühne stand und jetzt nicht mehr spielen mag. Immerhin gibt es nun ein Buch, das sich der Schauspielerin Jutta Hoffmann widmet. Sehr schön. Auch schön, dass die Tragödie trotz aller Unkenrufe noch immer nicht tot ist. Und Theaterkritiker gibt es auch noch, oh ja!, aber wozu gibt es Bücher über Theaterkritiker, die es früher gab? Lesen Sie unsere Buchhinweise!

 

pohl brasch

26. Januar 2012

Erlebt und erfunden

Dramatiker war er, Drehbuchautor, Regisseur, DDR-Flüchtling und Freund von Klaus Pohl, der jetzt sein Leben erzählt, in einem Roman, der das Gewesene ins Kleid der Fiktion hüllt. Ein Roman über Thomas Brasch also, unser Buch des Monats. Aber Kinder der Preußischen Wüste ist mehr als eine bloße Biographie-Erzählung, es ist auch Parabel über einen Künstler in einem Land, das Künstlern misstraute, weil sie im Gewand der Fiktion die Wahrheit zu sagen vermögen. Simone Kaempf weiß mehr.

Buchhinweise Januar: Na klar kann man vom Theater was lernen. Es weiß halt nur keiner, was genau. Und keine Frage: Theater ist so oder so immer auch politisch, irgendwie jedenfalls. Oder etwa nicht? Und überhaupt, gibt es nicht genügend Gründe, das Theater zu verachten, zu hassen gar? Solche Fragen zu stellen! Antworten gibt es in den Bücherhinweisen von Rainer Nolden und Dirk Pilz.

cover-tschechow

30. Dezember 2011

"Erlaube mal, ich bin doch Arzt!"

Gemeinsam mit Konstantin Stanislawski gründete Wladimir Nemirowitsch-Dantschenko 1897 das Moskauer Künstlertheater. Diese Einrichtung sollte das Theater auch außerhalb Russland revolutionieren, nicht zuletzt dank der Stücke Anton Tschechows, die von dort aus Furore machten. Das Erinnerungsbuch an diese Zeit Tschechow oder die Geburt des modernen Theaters ist nun zum ersten Mal in deutscher Sprache zu lesen. Was Rainer Nolden mit einiger Begeisterung tat.

Buchhinweise Dezember: Erinnerungen an einen großen, zu Unrecht vergessenen Theaterintendanten, Walter Bruno Iltz. Die Enttarnung eines Helden von Paulus Manker; Überlegungen eines Schauspielers, Philosophen und Theologen, der sich in das Grenzgebiet von Theater und Religion begeben hat: Das Theater des Ritus. De arte liturgica; und die ungewöhnliche Shakespeare-Studie des französischen Philosophen und Antropologen René Girard Theater des Neides: letzte Bücher des Jahres über letzte Dinge. Gelesen und empfohlen von Nikolaus Merck und Dirk Pilz.

 

cover_wunsiedel23. Dezember 2011

Aura und Trauma

Wunsiedel wäre eine oberfränkische Kleinstadt wie jede andere, würden nicht einmal im Jahr die Schauspieler der Luisenburg-Festspiele einfallen und die Aura der freien Kunst und der großen Stadt verbreiten. Jedenfalls für die jungen Wundsiedeler. Einen Schauspieler, der bei den Festspielen sein erstes Engagement hatte, lässt Michael Buselmeier in seinen Roman Wunsiedel in das Dorf zurückkehren. Matthias Weigel, der wiederum dort aufwuchs, hat das Buch gelesen, das sich streckenweise wie ein Beitrag zur aktuellen Stadttheaterdebatte liest.

Theaterbuch Dezember: Trickster, Hipster, Sickhead. 2010 war "Axolotl Roadkill", jetzt ist Sickster – der neue Berlin-Roman! Keine Personen, sondern metaphysikfreie "Eigenschaftssplitter" driften darin durch die Großstadt, verdingen sich als "Worthuren" und spülen sich nach Feierabend die Marketingsprechblasen mit Alkohol aus dem Hirn. Wie spannend es sein kann, wenn ein Bühnenautor ins Prosafach wechselt, zeigt Thomas Melles furioser Debütroman und unser Theaterbuch des Monats. Mehr von Christian Rakow.

 

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Theaterbuch November

Wo war hinten?

Ihn auf der Bühne spielen zu sehen, ist immer ein Ereignis der besonderen Art. Trotzdem kann man froh sein, dass Josef Bierbichler gelegentlich von ihr heruntersteigt, holzhackt, seine Wirtschaft am Starnberger See betreibt – oder eben ein Buch schreibt. Mittelreich ist sein zweites. Mittelreich heißt: nicht reich, nicht arm. Wie sich vom ländlichen Mittelstand die Welt ansieht. die große und die kleine Welt. Und: Gestorben wird in dem Buch auch recht häufig. Sophie Diesselhorst hat den Roman gelesen – und ist beglückt.

cover_eva-matthesBuchhinweise November: "Kauf dir doch mal ein Parfüm", lautete eine der wenigen Regieanweisungen, die Peter Zadek Eva Mattes gab, als sie 1977 die Gertrud in "Hamlet" spielte. Probenluft lässt einen die Schauspielerin in ihren Erinnerungen "Wir können nicht alle wie Berta sein" schnuppern. Wolfgang Behrens mochte den Ton, der jede Kränkung vermeidet besonders gern.

 

 

 

cover_wilfried-minksBuchhinweise November 2011: Auch in dem reich ausgestatteten Band Wilfried Minks. Bühnenbauer schaut man dem Theater ins Herz, hinein in die Räume, die Wilfried Minks, einst der bedeutendste Bühnenbildner der Bundesrepublik, geschaffen hat. Wolfgang Behrens vergaß beim Blättern und schauen und Staunen die Stunde.

 

 

cover_kaethe-reichelBuchhinweise November 2011: Am Ende gibt es Verschwörungstheorie und allerhand obskurantistisches Zeugs. Aber vorne, vorne im Buch Dämmerstunde, in dem die große Brecht- und Besson-Schauspielerin Käthe Reichel ihre Kindheitserzählung aufgeschrieben hat, findet man Geschichten, die sich wohl am besten unterm Weihnachtsbaum lesen lassen – als atheistisches Krippenspiel. Das jedenfalls empfiehlt Wolfgang Behrens.

 


Heute wird im Deutschen Theater Berlin die große Wolfgang-Langhoff-Biographie von Esther Slevogt vorgestellt: Den Kommunismus mit der Seele suchen. Als Gäste diskutieren der Regisseur Thomas Langhoff und Gregor Gysi mit der Autorin über Kunst und Politik unter Hammer, Sichel und Ährenkranz. Im Vorabdruck lesen Sie, wie sich die Theater-Intelligenzija um Langhoff im Nachkriegs-Berlin niederlässt. Mit dabei in der Langhoff-Villa in Weissensee: Bertolt Brecht, Paul Dessau, Hanns Eisler und im Souterrain: das Proletariat. Hier entlang.

Er ist ein unerschrockener Provokateur der Opern- und Schauspiel-landschaft: der Regiekünstler Hans Neuenfels. Mit Ratten, Fröschen und Getier aus dem Bestiarium zerrt er Bühnenklassiker vom marmornen Ewigkeitsthron ins moderne Versuchslabor. Jetzt hat er mit Das Bastardbuch seine Lebenserinnerungen vorgelegt. Es gibt handfeste Theateranekdoten darin, natürlich. Aber das Buch ist auch eine große Studie in existentialistischer Angstbewältigung. Als solche hat sie Wolfgang Behrens gelesen.

Wie Gert Voss von seinem Leben und seiner Schauspielkunst erzählt. Wie Thomas Oberender über die Kunst spricht und über allerlei anderes. Wie die Suhrkamp-Lektoren 1968 einmal versuchten den Suhrkamp Verlag zu vergesellschaften. Lesen Sie hier.

Das Buch des Monats aus der weiten Welt der Theaterbücher ist Barbara Honigmanns Roman Bilder von A.: ein wunderbares Kleist- und autobiographisch inspiriertes Lebensbuch, ein Buch auch über Ost-Berlin und das Deutsche Theater. Esther Slevogt stellt es vor.

Einmal im Monat empfehlen wir in leserfreundlicher Kürze drei dem Theater thematisch verbundene Bücher, die der Erwähnung und des Nachdenkens wert sind. Diesmal ein Band über das Herz des Theaters, die Probe, eines über das ostdeutsche Theater und seine soziale Sendung  nach der Wende und eines über Krise und Heilung. Krise? Heilung? Probe? Lesen Sie hier.

Soeben ist er 60 Jahre alt geworden, aber es drängt ihn zu neuen Ufern. Der Theaterregisseur Jossi Wieler wird ab der kommenden Spielzeit die Intendanz der Stuttgarter Staatsoper übernehmen. Pünktlich zum Start in diese nächste Werketappe hat der Theaterwissenschaftler Hajo Kurzenberger einen Sammelband Jossi Wieler – Theater vorgelegt, der den Regiekünstler eingehend vorstellt und würdigt. nachtkritik.de-Redakteurin Simone Kaempf hat sich den Band angeschaut.

Theaterbuch Juni 2011: Oskar Wälterlin und sein Theater ... von Thomas Blubacher

Theaterbuch April 2011: Der verbrannte Schmetterling von Peter Iden

Theaterbuch März 2011: Alle Toten fliegen hoch. Teil 1: Amerika von Joachim Meyerhoff

Theaterbuch Dezember 2010: Der Theatermann Gustav Manker von Paulus Manker

Theaterbuch September 2010: Christoph Schlingensief. Art Without Borders, herausgegeben von Tara Forrests und Anna Teresa Scheer


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