Mittwoch, 20. August 2014

Anzeige

    

@nachtkritik

test

Anzeige

    

test


| Drucken |

Ich schau dir in die Augen ... – René Pollesch stellt die alten Fragen neu

Um Kopf und Körper

von Anne Peter

Berlin, 13. Januar 2010. Wieder möchte man den nichtexistenten Preis für den schönsten Stücktitel des Jahres am liebsten schon im Januar vergeben. Und wiederum hätte ihn René Pollesch verdient. Überschrieb er vor einem Jahr das um Spieltische arrangierte Orgasmus-Würfeln im Volksbühnen-Foyer mit Du hast mir die Pfanne versaut, du Spiegelei des Terrors!, nennt er seine erste Produktion im Jahr 2010 nun, in Anlehnung an einen im Ventil-Verlag erschienenen Sammelband mit "Texten zu Subjektkonstitution und Ideologieproduktion", "Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang!".

Diese Mischung aus "Casablanca"-Romantik und Adorno, bei gleichzeitiger Unerschrockenheit der Kampfansage an unsere bequeme Welt der Täuschungen! Entsprechend reißt Fabian Hinrichs, der diesen Neunzigminüter in der Berliner Volksbühne bewundernswerter Weise im Alleingang bestreitet, bei dem Wort "Verblendung" stets die Arme zur kämpferischen Hab-Acht-Stellung hoch.

Der Verblendungszusammenhang war ja schon immer das, woran der Autorregisseur mit Vorliebe zuppelte, in das er Löcher piekste und was er seinem Publikum schwungvoll vor den Augen wegzog. Der Verblendungszusammenhang, dem es hier zu begegnen gilt, besteht nach Pollesch einmal mehr darin, dass wir an Konstrukten wie "Sinn", "Seele", "Liebe", "Ursprung" festzuhalten gewillt sind, auch wenn uns die poststrukturalistische Theorie seit Jahrzehnten Anderes vorphilosophiert.

Fremdleben mit Dosengelächter?

So ist, laut Pollesch, der Sinn abwesend, die Seele nichts als "eine Außenbeziehung des Körpers mit sich selbst"; verlieben tun wir uns nur, weil wir von der Liebe gelesen haben; und was den Ursprung betrifft, so ist auch dieser eine Chimäre, schließlich wird man "aus einem Geist geboren und nicht aus einer Mutter!" Und dann wäre da noch eines von Polleschs Lieblingsbeispielen: die "weiße, männliche Hete", die natürlich nicht etwa für das Publikum in toto sprechen, geschweige denn die gesamte Menschheit repräsentieren kann. Hier liefert Jean-Luc Nancys Buch "singulär plural sein" weitere Stichworte.

Das "interpassive Theater" hat der fleißige Theorieaufgabler Pollesch jüngst bereits bei Calvinismus Klein in Zürich diskutieren lassen. Einige Textbrocken sind nach Berlin herübergeschwappt: Interpassives Theater wäre, erklärt Hinrichs die Interpassivitätstheorie des Wiener Philosophieprofessors Robert Pfaller, "der Schauspieler geht am Ende der Vorstellung mit Ihrem Partner nach Hause. Dann müssen Sie das nicht tun." Frei nach diesem Prinzip des delegierten Genießens bestellt Hinrichs denn auch immer wieder "Dosengelächter" aus der Tonabteilung, da müssten wir die Lachmuskeln eigentlich gar nicht mehr selbst betätigen.

Oder lieber mitklatschen und mitstöhnen?

Es geht hier also um Polleschs (derzeitige) Leib-und-Magen-Fragen. Und doch ist das Pollesch-Theater diesmal ganz anders. Was zum großen Teil dem famosen Präsenz-Bolzen Fabian Hinrichs zu verdanken ist. Und der Bereitschaft Polleschs, sich mit ihm auf neue Wege zu begeben. Hinrichs weiß mit seiner seltsam sehnigen Körperlichkeit und einer böse parodierenden Alleinunterhalter-Verve den leeren Volksbühnen-Raum mit dottergelbem Großvorhang (Bühne: Bert Neumann), in den immer wieder 80er-Jahre-Hits hineinschallen, stets zu füllen. Zwischendurch stimmt er Lieder zur Gitarre an und fordert zum Mitsingen auf, ebenso wie zum Mitklatschen, Mit-Arm-Schwingen, Mitstöhnen. Was ziemlich komisch ist. Allerdings kann es auch passieren, dass Hinrichs einem die elektrische Zahnbürste ins Gesicht hält... – Interaktivität at its worst.

Nachdem er mehrere Jahre, bis 2005, an Castorfs Volksbühne engagiert war und dabei auch in Pollesch-Stücken spielte, fiel Fabian Hinrichs in den letzten Jahren im Theater vor allem als Protagonist in Laurent Chétouanes eigenwilligen Körper-Sprech-Performances auf. In dessen Regie war er ein Solo-Hamlet, war Büchners Lenz, Hölderlins Empedokles und – auch das – Goethes Iphigenie.

Diesmal ist Platz für eigene Notizen

Jetzt wirft er Iphigenie-Reclam-Heftchen ins Publikum, während er jene berühmten Zeilen deklamiert: "das Land der Griechen mit der Seele suchend". Hinrichs streckt die Beine zum Riesenschritt und klagt im hohen Ton, vollführt typische Chétouane-Gestik. Denselben Ton mit derselben artifiziellen Betonung legt er jedoch auch für die Pollesch-Sätze an. Und wenn er davon spricht, dass wir nichts sind "als Erfahrungen der Körper", dann umgestet er seine nackten Glieder auf Chétouane'sche Weise, reibt an der eigenen Haut, streicht über Bauch und Beine. Hinrichs steht insofern mit seiner ganzen Schauspieler-Biographie auf der Bühne, und Pollesch lässt diesmal auch die spezifische Spielweise des Schauspielers mit in sein Theater hinein – was einen ungewohnten Kontrast ergibt, ein reizvolles Experiment.

Vielleicht lässt gerade diese Sprechweise, die nicht mehr atemlos und immer an der Grenze zur Hysterie von einem Gedanken zum nächsten springt, dem Zuschauer mehr Gelegenheit, selbst mit Fragen dazwischenzukommen? Zum Beispiel danach, ob Pollesch der interpassive Ansatz inklusive Dosengelächter tatsächlich zum bejahenswerten Modell gereicht? Und wo das abgelehnte interaktive Theater, diese "widerliche Kunstform der Geselligkeit", in schrecklichster Reinform eigentlich stattfindet? Sind das Spitzen gegen den Authentizitätskult um Jürgen Goschs Tschechow-Arbeiten, wenn es heißt "Nicht dieses russische Gebräu am Samowar, der auch nur innen warm macht. Das ist gar nichts, da drinnen"? Oder zielt Pollesch mit seiner Interaktivitätskritik vornehmlich auf den medialen Verblödungszusammenhang um Bohlen und Co.?

Wie füllt man ihn?

Früher schrieen die Pollesch-Performer in Hochgeschwindigkeit von ihren Sitzsäcken aus als Heidi-Hoh-Kollektiv gegen "die Interessen der Firma" an. Dann begannen sie hochkomisch übers Boulevard-Glatteis zu slapsticken. Und jetzt? Was ist das für ein Theater? Schwer zu sagen, möglicherweise ist es weder interaktiv noch interpassiv. Fürs erste hat man jedenfalls Lust, darüber nachzudenken.

 

Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang!
von René Pollesch
Regie: René Pollesch, Bühne und Kostüme: Bert Neumann, Dramaturgie: Aenne Quiñones.
Mit: Fabian Hinrichs.

www.volksbuehne-berlin.de

 

Mehr über René Pollesch und Fabian Hinrichs lesen Sie in den entsprechenden Glossareinträgen. Dort finden Sie auch eine Linkliste aller die beiden betreffenden Nachtkritiken.

 

Kritikenrundschau

In der Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel (15.01.2010) freut sich Rüdiger Schaper über ein "kleines, aber singuläres Theaterereignis", über einen Abend von "einer anrührenden Komik und verblüffenden Intelligenz". Schaper hörte: ein "anderer Pollesch-Ton und Gestus. Leise, nachdenklich, suchend und tastend …". Pollesch verzichte auch auf die "sonst so ausgiebig ventilierten ökonomischen Wirtschafts- und Entfremdungsszenarien", vertraue allein auf Fabian Hinrichs, "der seine Haut zu Markte trägt". Wenn Hinrichs singe: "Und wir sind vielleicht endlich von den Dingen befreit, die wir lieben", weht es Schaper traurig an. Denn dazu zähle wohl auch das Theater, von dem nur noch der "Phantomschmerz" übrig sei. Pollesch beschreibe "diesen Phantomschmerz so genau", er begebe sich in ein "so fein gewebtes Zwiegespräch mit seinem Patienten, dem Schauspieler", dass das Theater durch die Hintertür wieder hervorschaue. Manchmal wirke Hinrichs wie ein "verträumter Inspizient des Nachts im Theater, der zu seiner Überraschung auf Zuschauer trifft" – die "Dinge haben ein geheimes Eigenleben, sie warten auf die Rückkehr der Komödianten". Der Abend hänge an einem "einzigen Faden" – mit dem spinne Fabian Hinrichs die Zuschauer ein. "Man beobachtet ihn mit Sorge, wie er da tut und schafft und ackert. Aber immer mit Lust und Gewinn."

In der Wiener Zeitung (15.1.2010) schreibt Joachim Lange: Der Pollesch-Monolog scheine Fabian Hinrichs "in die gelenkigen Knochen gefahren zu sein". Mit einem "betont dilettantischen Anlauf" renne Hinrichs "anfangs" aus dem Publikum auf die Bühne, um sich "dort ganz übermütig auszutoben und auszuziehen". Und dann "Sein und Schein, also den Verblendungszusammenhang, so ganz im Lebens-Allgemeinen" und "bezogen auf die Bühne und den Schauspieler im Speziellen", zu seinem Thema zu machen. Dabei flüchte er vor dem Text "immer wieder von der Bühne". Doch der hole ihn immer wieder ein, schüttele ihn und kümmere sich nicht um die "mitgelieferte Infragestellung". Da gewinne der Abend seine "größte Dichte und Wirkung".

Es sei nicht auszumachen, schreibt Dirk Pilz in der Berliner Zeitung (16.1.2010), ob Pollesch die Interpassivitätstheorie Robert Pfallers "wirklich durchdrungen hat, aber sie gefällt ihm offenbar". Entscheidend sei, dass er die von ihm gepredigten Überzeugungen nun nicht mehr "in den publikumsfreundlichen Mantel des Witzigen" hülle – "Jetzt ist augenscheinlich Schluss mit lustig, denn Hinrichs mimt zwar den Entertainer, (...) spricht und gestikuliert aber so unerschütterlich ernst, als komme er eben aus einem katholischen Predigerseminar". "Pollesch erlaubt seinem grandiosen Solisten die Kanzel-Sprache, womit ironischerweise das Pollesch-Theater gleichsam zu sich selbst findet: Es gibt keinen unerschrockeneren, verbisseneren, hehreren Prediger im Gegenwartstheater als René Pollesch, außer vielleicht Peter Stein." Seinen "wesentlichen Dreh" erhalte der Abend "durch Hinrichs Spielkunst: Das, was er predigt, und die Weise, in der er seinen Körper einsetzt, driften aufs Schönste auseinander. Die Pollesch-Worte und das Hinrichs-Spiel treten folglich in einen sich gegenseitig kommentierenden Dauerwettstreit." Fazit: "eine rasante Selbstreferenz-Show, die den Pollesch-Text als das nimmt, was er auch ist: eine trubelig-verschwurbelte Theorieblödelei. Toll."

 

Als er "nach fast 3 jahren abstinenz" die renovierte Volksbühne besuchte, habe Bert Neumanns Raum auf ihn "überwältigend schön, beruhigend, anmachend und wahrhaftig", schreibt Christoph Schlingensief in seinem Schlingenblog (14.1.2010). Dieses Haus habe "mit seinen durchhalteparolen schon seit ewigkeiten" den "immensen druck (...) des: ich mach dich fertig" ausgeübt. "und ich dachte immer es lag an den angestellten. aber seit gestern abend weiß ich, dass das gebäude gesprochen hat. das gebäude wollte höchstleistung sehen, es wollte, dass etwas passiert, was woanders nicht möglich ist, weil der raum schon so toto und kaputt (...) alles kleinkocht und funktionalisiert. die volksbühne scheint aber tatsächlich ein lebewesen zu sein, dass es jetzt verstanden hat, dass es auch mal lieb sein muß, dass es um die liebe zu denen geht, die da auftreten. und wie der raum dann plötzlich mit fabian hinrichs verschmolzen ist, war ein großer moment". Angesichts der Kritiken, in denen "von zitaten, von auflösung von irgendwem und vorbildern, von glück, dass nicht so schnell gesprochen wurde" zu lesen ist, fragt sich Schlingensief, "warum theaterkritik so wenig chancen hat, einfach mal über die macht des raumes" zu schreiben, "über die luftballons zu schreiben, die plötzlich am boden feststanden, und dann wie von geisterhand anfingen zur gitarre ihren platz zu verlassen". Froh ist Schlingensief auch, dass "dieser funktionalisierungswahn mit text, bedeutung, einfall und verwertung endlich mal als miese absprache zwischen uns und einem die welt in keinster weise beeinflussenden medium wie theater thematisiert oder besser: erlebbar macht, glaubwürdig und zart". Beeindruckt hat Schlingensief vor allem auch Fabian Hinrichs, "fast nackt, dürr, durchtrainiert und gesundgehungert", alles sei "plötzlich reiner raum-körper ... raum/zeit/körper ...." gewesen. "danke, danke, danke! an diesem abend stimmte wirklich alles! Da habe ich richtig Lust bekommen auch mal wieder an die Volksbühne zurückzukehren, ... jetzt wo der Raum bemerkt hat, dass er seine Körper auch mal wieder lieben muß".




Kommentare (260)

1. Der neue Pollesch: Chetouane meets Pollesch
chetouane meets pollesch!
leo , 14. Januar 2010 - 07:07 Uhr
2. Der neue Pollesch: Jochen Distelmeyer war da!
Und: the original Jochen Distelmeyer war im Publikum! Rote Hose, pinker Schal! Das genügt als Beweis, dass an diesem Abend gigantisches Theater stattgefunden hat.
J. Jünger , 14. Januar 2010 - 07:35 Uhr
3. Der neue Pollesch: Triumvirat der Großkunst
Ich würde sogar sagen: Es bildete sich ein Triumvirat der Großkunst. Vor Stückbeginn ging Hinrichs (im Karohemd) durchs Publikum, begrüßte Distelmeyer und herzte gleich anschließend auch Christoph Schlingensief, der eine Reihe weiter saß. An diese Dreierverbindung müsste man mal ein Kabel anschließen - die Energie könnte sicher mindestens 250 Millionen Hirne ein Jahr lang warm halten!
Peter André Älter , 14. Januar 2010 - 07:42 Uhr
4. Der neue Pollesch: triumphal!
Ein triumphaler Abend ! Hinrichs/Chétouane befreien Pollesch aus der Boulevard-Zwinge.
Stimmt , 14. Januar 2010 - 09:05 Uhr
5. Der neue Pollesch: Theorie falsch verstanden
leider hat pollesch die interpassivitätstheorie komplett falsch verstanden, eigentlich erstaunlich, da er mittels medienaufrüstung seit jahr und tag interpassives theater betreibt. wenn der schauspieler mit dem zuschauer weggeht, ist das übrigens interaktiv, aber egal. dass es keine seele und keine liebe gibt, nun ja, eine binse ist eine binse ist eine binse. fehlt nur noch der übermensch. vielleicht weiss pollesch aber was nach dem tod passiert ? genug jünger hat er ja schon.
TRIUMPH !!! , 14. Januar 2010 - 10:00 Uhr
6. Der neue Pollesch: Titel des Jahres
ich stimme der nachtkritik in vollem umfang zu. bis auf in einem punkt. der titel des jahres 2009 war definitiv "Wenn die Schauspieler mal einen freien Abend haben wollen, übernimmt Hedley Lamarr"
groß , 14. Januar 2010 - 10:50 Uhr
7. Der neue Pollesch: Auf Aussagenebene nicht zu fassen
@ 5. der schauspieler geht ja mit ihrer abendbegleitung fort. insofern ist das tatsächlich interpassiv (sie treten ihre lust an der abendgestaltung an ihn ab).
aber vielleicht geht es pollesch ja eher um die zersetzung der klaren unterscheidung von interaktiv (ich muss teilnehmen) und interpassiv (ich deligiere) - um ein drittes zu denken? jedenfalls ist das interaktive spiel von hinrichs bei gleichzeitiger permanenter betonung, dass das interaktive abzulehnen sei, doch ein deutliches zeichen dafür, dass man diesen abend über die aussagenebe allein nicht zu fassen kriegt.
ein versuch , 14. Januar 2010 - 11:03 Uhr
8. Der neue Pollesch: zu Distelmeyer
jochen d. ist auch nur einer mit gitarre, der mal ins theater geht, vielleicht fand der das gar nicht gut, was da über die seele gesagt wurde? könnte sein, muss nicht. quatsch triumvirat der großkunst, triumvirat der großkunst ist es, weil es in der volksbühne stattgefunden hat und es funktioniert!!
eine unbekannte aus dem publikum , 14. Januar 2010 - 11:09 Uhr
9. Der neue Pollesch: Immer diese Naserümpferei
Man wird sich ja wohl auch mal auf ein Kunstwerk oder einen Künstler ein- und sich in der Folge durchaus auch mal begeistern lassen dürfen. Immer diese Naserümpferei! Ihr armen Stacheligel!
Herz ist Triumpf , 14. Januar 2010 - 11:10 Uhr
10. Der neue Pollesch: körperliche Aktivität delegieren
noch ein Versuch: Fabian Hinrichs demonstriert doch immer wieder, dass es im Theater nicht um Interaktivität gehen kann. Zum Beispiel fordert er zum Mitsingen "und alle!" auf, er zeigt den Zuschauern über die Geste des "heranwinkens" oder "lockens", dass sie die Bühne betreten sollen. Aber keiner traut sich, keiner macht mit. Die Zuschauer delegieren ihre körperliche Aktivität, ihre körperliche Teilnahme an den Schauspieler. Sie partizipieren über den Geist bzw. über die Imagination, wir sind hier nicht beim mechanisch-rhythmischen Mitklatschen im Musikantenstadl. Und wir können uns auch nur über Geist und Sprache kommunikativ über den pluralistischen Sinn dieser Aufführung auseinandersetzen. Mich hat das neben anderen sofort an Jacques Rancière erinnert, der da sagt, das Theater eröffne traditionell eine Dramaturgie der Schuld: der Zuschauer werde passiv gemacht und müsse über die Aufführung zu kollektiver (politischer) Aktivität bewegt werden. Und dass das eben ausbleibt, dass das Theater nicht zwangsläufig eine Befreiung oder politische Revolution auslöst, das ist zwar traurig, entspricht aber den Tatsachen im Hier und Jetzt. Eine Theateraufführung kann die Geschichte nicht wieder-holen, sie kann aber über die Sprache auf das Verweisen, was sich entzogen hat: das Religiöse und das Politische. Aber vielleicht ist das ja gerade das, was uns beruhigt, dieses Entzogene, weil es uns das Denken ausserhalb totalisierende Sinnsysteme erlaubt. Und dann kann ich vielleicht individuell wieder dran glauben und/oder das leben, diese Liebe leben, ohne dabei dieser großen Erzählung von "der Liebe" zu folgen. Eine Gemeinschaft kann ja immer nur über ihre Ent-Werkung, das heisst über ihr immer wieder neu hergestelltes Mit-Sein hervorgebracht werden. Es geht um das nackte Vertrauen, welches immer auch verspielt (siehe Krise des virtuellen Finanzkapitalismus) werden kann. "Schau mir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang!", das verweist ja vielleicht auch nur darauf, dass wir ganz ohne Verblendung auch nicht leben können, weil wir eben keine Kakerlaken oder Hunde sind. Und dass wir das Theater vielleicht genau deswegen brauchen, um zum Beispiel über diesen Begriff der "Verblendung" immer wieder neu nach-denken zu können. Sonst wäre diese Rede von der Verblendung ja auch wieder nur ideologisch. So. Und jetzt gehen wir nicht nach Hause, sondern holen uns noch Wein, Bier und Schokolade und fragen uns, ob eine weisse männliche Hete, das ist ein Lude wie du, für beispielsweise die Erfahrungen einer weissen weiblichen Hete sprechen kann, die er als "Nutte wie du" be-zeichnet.
Rosa L. , 14. Januar 2010 - 14:14 Uhr
11. Der neue Pollesch: menschenfeindlichster Ort
Theater ist der menschenfeindlichste Ort den ich kenne! Volksbühne mit Schlingensief und Distelmeyer hin oder her, dass spielt doch keine Rolle ob die da sitzen oder nicht.
Vaterunser , 14. Januar 2010 - 20:05 Uhr
12. Der neue Pollesch: ein punktgenauer, hinreißender Text
liebe frau peter,
was für ein hinreißender text, der das polleschige so punktgenau zusammenfasst, die verschiebungen überzeugend markiert und der lust und vorfreude kitzelt, so dass man sofort in den zug nach berlin steigen möchte. moskau ist jetzt in berlin! vielen dank! paul gast
paul gast , 15. Januar 2010 - 08:58 Uhr
13. Der neue Pollesch: cleverer Kommentator
@ paul gast: Ja. Genau. Vor Berlin wird nicht die Notbremse gezogen. Da rasen wir voll rein in den Crashtest! Und Sie sind ein verdammt cleverer Kommentator. Sag ich jetzt mal so. Einfach clever. So clever wie Pollesch. Aber das wissen Sie selber am besten. Sie beide.
Rosa L. , 15. Januar 2010 - 11:35 Uhr
14. Der neue Pollesch: im Grunde konservativ
und noch ein versuch: das theater per se ist interpassiv. denken, fühlen, lachen, weinen wird seit aristoteles delegiert. pfaller, aber auch zizek, verweisen auf das bürgerliche theater, auch auf klagefrauen, lacan beschreibt den griechischen chor als delegiertes wissen/ahnen/leiden. nur selten wird theater als gesamgesellschaflicher raum gesehen, wo masse publikum auf masse chor trifft (schleef, lösch ?) und dabei weder interpassives noch interaktives theater passiert. der denkfehler ist, wenn ein schauspieler, die zuschauer zum mitklatschen auffordert sei das interaktiv, dabei macht er das publikum nur wiederum passiv. wenn der zuschauer den schauspieler zum singen, klatschen etc. bringen würde, das wäre interaktiv, solche formen gibt es zB. im impro theater. pollesch perpetuiert so aber nur die form der konservativen 4. wand, sein theater ist ja seit je neoliberaler interpassiver tradition verhaftet, denken wird delegiert, dem zuschauer wird ein denksimulacrum vorgeführt, ein surrogat, der zuschauer muss selbst nicht denken und geniesst die delegierte theorie, statt lachkonserven eben diskurkonserven. seltsam auch dafür pfaller zu bemühen, der eben asketisches leben und erleben als neoliberal einordnet, dieses asketische vernünftige leben, das es ja auch bei polleschs theater gibt (kein sex, keine nacktheit, keine gefühle,keine liebe, keine trauer, keine einfühlung auf der bühne) scheint progressiv, verrichtet aber nur die disziplinierungsarbeiten des neoliberalismus und ist, paradox genug, eigentlich konservativ.
Diskursiver Versuch Teil 3 , 15. Januar 2010 - 11:51 Uhr
15. Der neue Pollesch: die Selbstgefälligkeit der Bescheidwisser
@ 14.: Sie müssen nicht selbst denken? Aber ich muss selbst denken, weil ich das einfach nicht verstehe! Der hat eine ganz anders geformte Walnuß als ich. Und ich will jetzt aber wissen, wovon der da eigentlich fantasmasiert! Oder wovon diese Pappfigur Fabian Hinrichs da eigentlich spricht. Was für eine widerliche Kunstform der Geselligkeit. Die glaubt, einen Sinn zu teilen! Wenn ich die Drecksarbeit immer nur an die Anderen delegiere und meine Leistung darauf beschränke, ein moralisch schlechtes Gewissen zu haben, dann muss ich natürlich nicht denken. Nein. Dann besteht meine eigenständige Leistung darin, brav den Konsens zu bestätigen, dass die Welt nunmal schlecht und/oder nicht fair sei - und gut is. Diese Selbstgefälligkeit der immer schon Bescheidwisser verkürzt den Denkprozess auf die Form des katholischen Ablasshandels. Ich zahle für die Theaterkarte. Und du vergibts mir meine Sünden. Ich werde mich und andere verlorene Seelen retten, indem ich mir von nun an die eigene körperliche Lust versage und nur noch zuschaue. Porno. Geh doch ins Kulturbordell! Ja. genau. Der Neoliberalismus ist asketisch vernünftig. Und deswegen fordert der Sie hier auch ständig zum Exzess auf. Genießen Sie gefälligst, aber nur im Theater, wo Sie das alles delegieren können: Sex, Nacktheit, Gefühle, Liebe, Trauer. Diese widerliche Latte des konsumistischen Manifests. Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz muss schließlich bedient werden. Der Kunde ist König.
Rosa L. , 16. Januar 2010 - 00:47 Uhr
16. Der neue Pollesch: Sonderforschungsbereich 447
Liebe Nr. 14, liebe Nr. 15,
was ist das hier, Ihr insgeheimer Wettbewerb um den verquasteten Scheiß, der je auf nachtkritik geschrieben wurde??? Hat der Sonderforschungsbereich 447 - Kulturen des Performativen wieder freies Wochenende, oder was ist da los? Den Promifaktor-Verdacht als Qualitätsmerkmal des Abends muß sich Frau Peters nachtkritik schon gefallen lassen, der ist ziemlich pubertär. Dass daraus aber solche Kommentare erwachsen, zeigt nur, welche Interpretationswucherungen noch der bescheidenste Premierenabend zuläßt.
Sarah Z. , 16. Januar 2010 - 08:37 Uhr
17. Der neue Pollesch: Qualitätsmerkmal Promifaktor?
Wieso muss sich Frau Peters Nachtkritik den Promi-Faktor-Verdacht als Qualitätsmerkamal gefallen lassen?
@16 , 16. Januar 2010 - 13:37 Uhr
18. Der neue Pollesch: auch ohne die Stars denken
@ Sarah Z.: Warum nehmen Sie denn jetzt an, dass Nr. 14 und ich hier einen Sinn teilen würden? Das ist ja widerlich. Ich kann ja immer nur für mich sprechen. Das ist angewandte Wissenschaft. Mein Geist macht meinem Körper immer was vor. Und dann kommt mein Körper diesen virtuellen Finanzkapitalgeschäften immer nicht nach.
Aber was meinen Sie denn jetzt eigentlich mit dem Promifaktorverdacht als Qualitätsmerkmal des Abends? Ist doch nichts Neues, dass da in jeder Premiere immer irgendwelche Promis sitzen. Ich kann auch ohne die denken. Jeder kann das. Ohne die Stars denken, die uns, dem spektakulären Starsystem nach, immer nur diese eine Marktgesetzversion des Lebens vormachen sollen. Und ausserdem: Anne Peter schreibt doch gar nicht über die Promis.
Nach Felix Ensslin ist das Theater nicht nur dazu da, das imaginäre Symbolische zu öffnen, welches die kapitalistischen sozialen Formen erlauben [das heisst, diesen Befehl des "Genieße!" zu befolgen und damit die Regeln des Systems wiedereinzusetzen]. Zitat: "Dadurch ist die Kunst utopisch, nicht nur durch die Einschreibung einer noch ausstehenden Zukunft, sondern indem sie das radikal öffnet, was in all seinen täglich zugänglichen Optionen und normalistischen Wahlmöglichkeit, grundlegend verschlossen ist: den Raum 'Zwischen zwei Toden', aus dem heraus jeder Widerstand, jede Schöpfung, jede neue symbolische Form hervortreten muss." (Felix Ensslin, Zwischen zwei Toden: Vom Spiegel zur Wiederholung)
Um das einfacher zu beschreiben: Fabian Hinrichs verschwindet immer mal wieder hinter dem gerafften gelben Vorhang als symbolische vierte Wand. Und dann ist da eine Leere, und ich frage mich: Wie gehts denn jetzt weiter? Ja, ich bin da vielleicht wie das Kind, welches den Kasper wiedersehen will. Aber im Erwachsenentheater rufen wir den Kasper nicht mehr zurück. Wir warten. Und wenn er dann nicht wiederkommt? Dann müssen wir eben selbst ran. So funktioniert die Wieder-Holung in der Differenz.
Rosa L. , 16. Januar 2010 - 14:15 Uhr
19. Der neue Pollesch: begründungsfreies Meinen
ich fands langweilig
karl arsch , 16. Januar 2010 - 23:05 Uhr
20. Der neue Pollesch: wirklich großartig
Und ich fands großartig. Wirklich großartig.
S. , 17. Januar 2010 - 14:03 Uhr
21. Der neue Pollesch: hervorbringen und hervorgebracht werden
@ karl arsch: Ich hab mal irgendwo gelesen, dass Langeweile immer auch etwas über den Sich-Langweilenden aussagt. Ja. Niemand sollte im melancholischen oder sogar masochistischen Modus steckenbleiben. Niemand sollte sich von der symbolischen Ordnung disziplinieren und kontrollieren lassen, die den Raum ausmacht, in dem wir uns zugleich hervorbringen und hervorgebracht werden. Statt dich also immer wieder als derselbe (der arsch?) innerhalb dieses Raums zu wiederholen, solltest du dich lieber mal wieder neu produzieren. Also diese Papp-Anziehpuppen für Kinder. Bloß, dass dein Körper nicht aus Pappe ist. Also vergiss den nicht beim Markieren.
Rosa L. , 18. Januar 2010 - 00:09 Uhr
22. Der neue Pollesch: peinliche Zuschauerzurechtweisung
Ach, hier darf eine wirklich nicht lesen, wie schlecht ist das denn… Furchtbar eingebildet und dumm, da sehe ich einen interessanten Theaterabend und lese hier nur die peinlichsten, weil überheblich und geistlosen, selbstgefälligen Zuschauerzurechtweisungen zu so einem Abend - seid wann muss denn derart ekelhaft der Zuschauer nacherzogen werden - nichts wie weg aus diesem Portal!
Michaela Koromp , 18. Januar 2010 - 08:55 Uhr
23. Der neue Pollesch: Was ist verkehrt am offenen Forum?
@22. Jetzt hört's aber mal auf. Läuft hier gerade eine Kampagne gegen das offene Forum von Nachtkritik, oder was ist da los?
In diesem Forum gibt es: Freude über den Pollesch-Abend (und seine Gäste), Freude über die Kritik von Frau Peter, vereinzelte Gelangweilte, zwei Gegenthesen zu Pollesch Interpassivitätsdiskurs sowie weitere vier "Versuche" zur Deutung dieser Pollesch-Arbeit. Was, um Himmels Willen, soll daran verkehrt sein?!
Einer von Vielen , 18. Januar 2010 - 09:24 Uhr
24. Der neue Pollesch: Nachdenken statt Nacherziehung
@ Michaela Koromp: Vielen Dank für Ihr Kompliment. Äusserst vergnüglich, wie Sie mir hier das Lesen absprechen wollen. Was sagen Sie denn nun zu diesem "interessanten Theaterabend", ausser mich als eine Zuschauerin unter vielen herauszugreifen und als "eingebildet und dumm", als "peinlich, weil überheblich und geistlos, selbstgefällig" zurechtzuweisen? Nein, nacherzogene werden muss hier eben gerade nicht, es geht ums eigenständige Nach-denken. Wo leben Sie denn, wenn Sie hier schon Denkverbote errichten wollen? Nur autoritäre Charaktere buckeln nach oben und treten nach unten.
Rosa L. , 18. Januar 2010 - 09:31 Uhr
25. Der neue Pollesch: Alptraumraum nachtkritik-Forum
@einer von vielen - wenn es denn so wäre, wäre es möglicherweise eine Pinnwand für kleine Kommentare des Staunens, der Begeisterung oder der Verwunderung oder auch der Ablehnung - es käme vielleicht ein Kaleidoskop von Stimmen und Stimmungen zusammen, die vielleicht anregen oder Interesse für eine Aufführung schaffen, so ist es aber leider nicht, nicht eine Vielzahl von Stimmen entsteht hier, sondern einige wenige selbsternannte Ewig-alles-kommentierer, beprokeln sich hier Tag ein Tag aus mit ihrem elenden Geschwafel von der Fortschrittslinie im Theater, wo angeblich die wirklich Selbstbefreiung durch das richtige betrachten, des angeblich richtigen fortschrittlichen Theaters und das harte schmähen der immer falschen Produkte stattfindet.
Wer gehoben, wer abgesetzt gehört, wer es einmal konnte und nun nicht mehr und so fort - Diese Verhinderer jeder Öffnung hin zu einer Sprache über Theater die mal jenseits dieser quälenden Selbsbespiegelung dieser untätigen Theatermaniejacks verkleben dieses Forum, diejenigen, die sich ununterbrochen an ihrem Geschwätz, in schamloser Weise allein selbst befriedigen und dieses Forum zu einem jeden Gedanken und jedes Empfinden Müllen alles zu und machen das hier zu einem Alptraumraum.
Pollesch ist so derartig heiter und verspielt, so ohne Arg und kleinlicher Feindseligkeit, dass ich es unerträglich finde, wenn für sein Theater hier Lanzen gebrochen werden auf eine Art und Weise, die Nicht-Versteher, von den selbsternannten Spezialisten derart geschuhriegelt werden, dass einem vor jedem Nachtkritikbesuch nur noch Angst und Bange werden kann, weil es scheinbar zu allererst der Tummelplatz einer modernen Art von Volkserziehern ist, die unter dem Vorwand eines angeblichen Befreiungsdiskuses, das genaue Gegenteil davon betreiben, nämlich dreistesten Ich-Sprech, der ewig und drei Tage bemüht ist alles und jedes in die eigene Sülze zu verwandeln. Was, um es deutlich zu sagen kein Problem wäre; wäre es so unter anderem, aber es ist eine Monokultur die hier ihr Reservat eröffnet hat und eine große nervtötende Karikatur der Theaterkritik kritzelt.
Michaela Koromp , 18. Januar 2010 - 11:52 Uhr
26. Der neue Pollesch: keineswegs nur Miesmacher
Liebe Michaela Koromp, ach, es ist doch genau die Pinnwand, von der sie sprechen. Eine Wand, auf der einzelne mehr, andere weniger hinterlassen. Rosa L. (formerly known as Jeanne d'Arc und George Sand) muss man nicht mögen, kann man überlesen (auch weil's immer so lange Postings sind). Ich persönlich finde das eine oder andere Anregende darin.
Aber dass in diesen Foren nur die Miesmacher aktiv wären, ist schlichtweg falsch. In vielen Fällen konnten einseitige Beurteilungen der Kritik (insbesondere der Nachtkritiken selbst) durch Stimmen aus dem Forum relativiert werden, oft nutzen die Theater das Forum selbst, um noch einmal den einen oder anderen Gedanken der Produktion zu stärken bzw. überhaupt erst zu lancieren. Das ist oft sehr lesenswert. Man lernt mittlerweile sogar die Regeln dieses Diskurses verstehen. Wenn auf einen Verriss mal keine Abwehrschlacht im Forum folgt, kann man sich sicher sein, dass die Produktion innerhalb des Hauses auch nicht viel gilt. usw.
Jedenfalls ist das Ganze hier weitaus Bunter als es die Richter-Kritik der letzten Tage scheinen lassen will.

PS. Übrigens scheinen mir die Stimmen, die den Pollesch/Hinrichs-Abend so wie Sie als grandioses Theatererlebnis einstufen in diesem Forum zu überwiegen. Ich reihe mich hier gern ein.
Einer von vielen , 18. Januar 2010 - 12:24 Uhr
27. Der neue Pollesch: Ist doch gar keine Monokultur
holterdiboing, frau Koromp, da wird aber der pfeil gespitzt. ich verstehe ihr problem überhaupt nicht: es sind hier einige, die haben spaß daran, sich gedanken über ästhetische fragen zu machen und sind ordentlich verkrampft dabei. na und? sie sagen ja selbst, dass es kein problem wäre, wenns keine monokultur wäre. aber warum ist es eine monokultur? weil die leute, die eigentlich nur eine kurze heitere meinung an die pinnwand kleben wollen, hier halt seltener schreiben. da können die anderen doch gar nichts für. und: warum soll ich nur bewundern, staunen, ablehnen und nicht auch mal einen gedankengang machen? er kann falsch sein, verquast, irre, dumpf, erzieherisch. aber - what the fuck - wo ist das problem? jeder will hier offenbar, dass das forum so aussieht wie er es möchte. ja, dann macht halt ein eigenes forum. hier schreiben die nachtkritik-kommentatoren, die bilden ihren slang aus, anderswo kann es ja ein Koromp-forum geben, da dürfen die kommentare nur mit höchstens 4 wörtern an die wand gepinnt werden. fänd ich auch voll ok und echt schnuckelig.
Fallobst , 18. Januar 2010 - 12:27 Uhr
28. Der neue Pollesch: Warum lest ihr alle nur die Kommentare?
warum wird denn hier andauernd über die kommentare gesprochen?? ich versteh das überhaupt nicht. warum lest ihr sie denn alle offenbar so viel?? ich lese auf nachtkritik vor allem die kritiken, die presseschauen und blogs. und das alles ist sehr gut, hilfreich, vielstimmig, kenntnisreich. DANEBEN gibt es auch kommentare, die manchmal interessant sind, manchmal belanglos, manchmal auch einfach nur eitel und dämlich, aber so ist das, wenn menschen ihre meinung hinschreiben, sollen sie ruhig auch. aber so zu tun, als sei nachtkritik nur ein plattform für kommentare, ist einfach quatsch. ich bin jedenfalls froh, dass es hier nicht nur kommentare gibt, sondern vor allem kritiken.
ein Nutzer , 18. Januar 2010 - 12:59 Uhr
29. Der neue Pollesch: langweilig? was denn?
@ karl arsch: Da es Frau Michaela Koromp offenbar sehr am Herzen liegt, dich hier gegen mich in Schutz zu nehmen, möchte ich dir meine Haltung erklären. Ich musste mich einfach an deinem selbstgewählten Namen abarbeiten. Warum bloß nennt der sich selbst einen "arsch"? Aber nichts für ungut, erziehen wollte ich dich damit nicht. Ich dachte nur, dass es irgendwie blöd ist, wenn einer sich immer nur als den "arsch" sieht. Und deswegen wollte ich dich fragen, was genau du denn an dem Abend als langweilig empfunden hast. Das war ein Angebot der Anerkennung deiner eigenen Meinung. Dass du eben kein "arsch" bist und bleiben musst. Erst wenn du MIT mir sprichst, dann kommen wir aus dieser großen Erzählung raus, dass wir keinen Sinn teilen können, weil wir verschiedene Sprachen sprechen. Weil du der "arsch" bist. Und ich total abstrakt oder so. Ja. Vielleicht kannst das alles viel besser formulieren.
Rosa L. , 18. Januar 2010 - 17:21 Uhr
30. Der neue Pollesch: immer diese Beleidigungen
ich denke, hier wird so viel über die kommentare gesprochen, weil hier kaum jemand seine Meinung sagt ohne den Vorredner persönlich zu beleidigen, als Dummschwätzer oder Theaterwissenschaftsidioten abzutun. Und dadurch enden alle Kommentarespalten hier auf Nachtkritik irgendwann dabei, dass es um das posten selbst geht, um eine bestimmte Wendung des Vorredners, um Gegenattacken um das Forum und nicht um die künstlerischen Arbeiten usw. Und im übrigen scheint mir, geht es darum auch in der Richterkolumne auf Kultiversum. Die Frage: Warum schlagen im Anonymen Leute, die sich im Nicht-Anonymen - also in einem Gespräch - zumindest respektvoll behandeln würden - hier immer so rough aufeinander ein, und wieso wird das als so unglaublich frei und spannend angesehen - soo wahnsinnig spannend ist das doch gar nicht. Und @Roas L: Natürlich ist es auch seltsam, wenn Sie jetzt immer im Pollesch Slang Pollesch bejubeln. Das ist halt seltsam, wenn man sich hier zu Pollesch äußert, und als Antwort nur Pollesch Sätze um die Ohren gehauen bekommt. Natürlich war der Abend großartig. Weil der Schauspieler großartig war. Aber wieso werden die Gedanken nur noch angerissen? Was ist eigentlich so geilmachend an diesen Diskurssampeln? Wenn man die selben Bücher gelesen hat, die die Grundlage der jeweligen Pollesch Arbeit sind, dann würde man manchmal gerne mehr Eigendenk- Eigenverarbeitungsanteil eines Autors sehen und nicht nur diese angerissenen zur Pointe verdichteten Versatzteile. Aber - und da bin ich mir tatsächlich nicht ganz sicher - ist das ja auch die große Ansage: Es geht nur noch um das reine Entertainment, auch als Antientertainment oder eben Entertainment für die Diskursfamilie - und alles andere wird als sentimental denunziert. Darüber würde ich wirklich mal gerne reden - aber mit wem?
keiner von allen , 18. Januar 2010 - 18:04 Uhr
31. Der neue Pollesch: zwischen Körper und Geist
@ keiner von allen: Das weiss ich auch nicht. Ich weiss auch nicht, was mich an diesen Diskursen immer so geil macht. Ich versteh das einfach nicht. Warum diese Pollesch-Texte immer wieder so ein Synapsenfeuerwerk in meinem Geist auslösen. Vielleicht, weil die nicht schon vorgekaut sind. In eine Soße gegossen. Nein. Das ist ein Sample. Das ist anregend. Manche Sachen kapier ich erstmal gar nicht und denke stundenlang weiter drüber nach, wobei Fabian Hinrichs schon längst weitergespielt hat und ganz woanders ist. Und dann komme ich wieder rein, mit meinen unabhängig weitergesponnenen Gedanken. Und dann ist da wieder so ein Bruch. Ja genau. Nein. Ist doch wieder anders. Dieser widerliche Sinn, der verschiebt sich immer wieder. Ich krieg den einfach nicht zu fassen. Das schwankt permanent zwischen Affirmation und Negation. Und dadurch werde ich un-heimlich frei im Denken. Das ist wiedergewonnene Lebensenergie, mit der ich weiterschreiben muss. Und das ist der Sinn, dass wir alle an diesem Text weiterschreiben. Und den nicht abschließen mit einer vereindeutigenden "Moral von der Geschicht". Es geht nicht um das verborgene Wesen der Dinge. Es geht nicht um die unwandelbaren Ideen, von denen wir nur die Schatten sehen. Es geht um die Lebewesen, die Körper. Die aber nur be-zeichnet werden können, wenn der Geist dazwischen geht. Immer wieder dazwischen geht. Der will das nämlich verstehen. Diesen Körper. Genauso wie ich. Ist eine Andere. Ich versteh das einfach nicht. Diesen Widerspruch zwischen Körper und Geist. Und das ist nicht Entertainment. Und das ist auch nicht dieser widerliche Ernst der kathartischen Reinigung. Nein, das ist tragisch und komisch zugleich. Weil der Geist verstehen will, und der Körper nicht gedacht werden kann. Der kann nur an andere Körper andocken. Unter den fliegenden Raumschiffen des Geistes. Da wird nichts als sentimental denunziert. Da wird denkonstruiert, was wir als sentimental bezeichnen. Sentimental ist nicht die Moral. Sondern das, was wir hören. Die Stimme. Die Musik. Und da steckt dann vielleicht das Gefühl. Wenn Fabian Hinrichs wie wild drauf lostrommelt, dann muss ich lachen, dann erwacht die anarchische Lust. Wenn dann so ein Kitschsong eingespielt wird, dann muss ich fast heulen. Schön. Und zugleich spüre ich die Manipulation. Das ist alles kein einheitlicher Sinnzusammenhang, das ist Differenz. Das ist die unerfüllbaren und deshalb immer weitergetriebenen Suche nach dem Ganzen, nach dem Eins und Alles. Zwischen Melancholie und Disco. +++ Sorry, schon wieder so lang und ohne Absätze. Automatisches Schreiben.
Rosa L. , 18. Januar 2010 - 20:33 Uhr
32. Der neue Pollesch: was der Künstler doch nur möchte
könnten sie mal aufhören, diese künstler andauernd so willentlich einzuschätzen? interpassivität meint doch nur eine abwehrhaltung des künstlers, der nicht mehr gedeutet, sondern sein will. der möchte doch aus seiner moderne-funktion raus und indem Sie das dauernd ausdeuten, wird das alles so ekelig interaktiv, so deutungsvoll und bereitstehend.
345 , 18. Januar 2010 - 21:37 Uhr
33. Der neue Pollesch: Problem mit dem Selbstbild
du bezichtigst deine vor- und nachredner der selbstdistinktion, weil du selbst wahrscheinlich theorie nur so kennengelernt hast und nur so brauchst. dein eigenes vokabular ähnelt so sehr dem vokabular in richters blog und rosas vokabular polleschs vokabular so wenig und für dich stellt sich das umgekehrt dar. ich bin noch immer der meinung, das da ein problem mit dem selbstbild im spiel ist
@ keiner , 18. Januar 2010 - 21:38 Uhr
34. Der neue Pollesch: at its best
@ Rosa L - wow, danke, ich glaube, ich kann Sie jetzt verstehen! Vielen Dank für den Beitrag. Nachtkritik at its best.
keiner von allen , 19. Januar 2010 - 00:10 Uhr
35. Der neue Pollesch: das Rad des Ixion
Es wäre zu begrüßen, wenn sich diese Synapsenfeuerwerke etwas beruhigen würden, damit die Übertragung der Transmittersubstanz, die Ausschüttungen der Hormone kurzzeitig paralysiert werden und das Rad des Ixion zu rotieren aufhört.
Kurz ausgedrückt: hier werden die Dispute der Pollesch-Stücke in wilder Manier fortgesetzt.
Die Gespräche in "Rotkäppchen" oder "Cappuccetto Rosso" oder "Little red riding hood" - das war ein kleiner polyglotter Ausflug - erinnern an WG-Grundsatzdebatten in der Küche, vor allem die von Caroline Peters vorgetragenen Texte.
In diesem Forum wird zu viel sinnlos palavert, Sophie Rois z.B. setzt ihre Energie sinnvoll ein, auch wenn sie mal absichtlich-theatralisch einen Lautsprecher auf den Boden wirft.
Nach "Cappuccetto Rosso" lagen auf dem Tisch ein Haufen Kuscheltiere. Wenn es nicht diesen Überschuss an Stofftieren gegeben hätte, so hätte ich ihr eins geschenkt.
Flohbär , 19. Januar 2010 - 04:50 Uhr
36. Der neue Pollesch: wie Peymann, nur moderner
@rosa l.: was verstehen sie denn bei ihrem körper nicht ? die seele als kapitalistische erfindung ? so. so. deswegen gibt es diesen begriff in allen kulturen seit jahrtausenden. für mich ist pollesch das gleiche kulturbordell, es ist genauso moralinsauer wie peymann, nur eben moderner. pollesch repräsentiert die technoide wissens- und spaßgesellschaft, den interpassiven diskurs, interpassives denken als ware, diesen vorgang haben sie ja schön beschrieben, wie ihen fast kathartisch einer abgeht bei der denke. huch. pollesch ist ein produkt, dass in schönster neoliberaler form seine arbeiter ausbeutet, indem es ihnen suggeriert, sie eben nicht auszubeuten. nike verkauft turnschuhe ja auch mit revolution. protestantische ethik at its best. haben sie sich schon mal gefragt, warum pollesch der liebling von spiegel, bild und harald schmidt ist ?
max weber , 19. Januar 2010 - 09:53 Uhr
37. Der neue Pollesch: ein geschliffener Diamant
Jetzt aber bitte mal wieder zurück zur Inszenierung. Das bewundernswerte an diesem Pollesch ist doch - das beschreibt die Kritik sehr richtig - die Begegnung mit einem Theater, das bei Pollesch bisher überhaupt nicht vorkam. Das auratisch, Texte zelebrierende Theater, das Hinrichs mit Chétouane entwickelt hat. In den grellen Anfangssoaps (Heidi Hoh) und in den Boulevardkrachern (L'affaire Martin) ging es doch immer auch darum, Text durch Spiel und Tempo zu entkräften. Hier wird der Text genüsslich zum Diamanten klar geschliffen. Reizvoll, wirklich.
Wenn ich diesen Abend mit Hinrichs erlebe, kann ich überhaupt nicht auf die Idee kommen, dass der Pollesch da ein (neoliberaler) Schauspielerausbeuter ist. Wenn er so auf die Formvorstellungen seiner Schauspieler einzugehen vermag, dann ist er genau das nicht.
Auch ein Versuch , 19. Januar 2010 - 10:15 Uhr
38. Der neue Pollesch: eine Bitte
Ein toller Abend. Und kann mir jemand sagen, wie dieser Song hieß und von wem, der sinngemäß vom Glück handelt dass zu verlieren was man liebt?
Songsucher , 19. Januar 2010 - 11:57 Uhr
39. Der neue Pollesch: der Bruch zwischen Sprache und Körper
@ 345: Sie schreiben, dass der Künstler nicht mehr gedeutet, sondern sein will. Stimmt denn das? Geht es nicht eher darum, dass Fabian Hinrichs nicht als Figur gedeutet werden will, die immer nur Ideen verkörpern soll, aber selbst keinen Körper hat? Ansonsten könnte Fabian Hinrichs sich ja auch einfach im Hundekorb zusammenrollen und den ganzen Tag nur schlafen, fressen, Gassi gehen und scheissen, sorry. Der kann sich nach David Foster Wallace nämlich auch gehen lassen: "Dann geht der Mensch und die Sache kommt." Aber: Ich (und vielleicht auch Fabian Hinrichs) kann mich gar nicht so gehen lassen, weil ich als menschliches Subjekt über ein Bewusstsein von mir selbst verfüge, ich kann mich selbst zum Objekt machen, mich selbst von aussen betrachten. Da ist immer schon ein Bruch zwischen Körper und sprachlicher Bedeutungszuschreibung. Und dann sage ich mir mit David Foster Wallace: "[...] wie sehr es von dir abhängt, was du bist, dass du jede Sekunde deines restlichen Lebens die Wahl hast, dass du dich immer und immer wieder als Mensch denken, als Mensch erschaffen musst [...]." Und nicht als Ratte. Aber auch nicht im Sinne irgendeiner großen Erzählung (und auch dieser allumfassende Weltgeist ist eine große Erzählung), sondern immer nur über den Vorgang des Spielens selbst. Wir erfinden die Regeln während des Spiels. Und wir verändern sie wieder, indem wir immer weiter spielen. Das ist Lebens-Kunst.
@ Flohbär: Sie wollen Caroline Peters ein Kuscheltier schenken? Dadurch entlarven Sie für mich nur ihr stereotypes Denken über die Geschlechter, wonach Frauen keine erwachsenene Frauen sind, sondern für immer kleine Mädchen / Lolitas bleiben. Immer schön klein halten, die schicken Mädels in den Matrosenkostümen. Und übrigens, Denken ist auch Energieverschwendung.
@ max weber: Nein. Die Seele ist keine kapitalistische Erfindung. So ein Quatsch. Es geht darum, dass dieser Begriff der "Seele" suggeriert, dass es eine unsterbliche Seele gebe, die überzeitlich existiere. Darin spiegelt sich dieses transzendentale Denkmuster, nach welchem wir uns Körper und Geist in einer Einheit vorstellen. René Pollesch und Fabian Hinrichs dagegen demonstrieren, dass Körper und Geist getrennt voneinander gedacht werden müssen. Und dass auch sie beide nicht denselben Sinn teilen. Dass Pollesch den Text schreibt und Hinrichs den beim Lesen und Sprechen schon wieder verändert. Und deswegen auch diese Pappfigur am Ende. Wir können nicht nicht re-präsentieren. Wir wiederholen Zeichen, die vorher schon als Zeichen gebraucht und gesetzt wurden. Wir können nicht zum schwarzen Loch, zur Leere des zugleich Alles und Nichts zurück. Aber deswegen ist Pollesch doch nicht gleich moralinsauer! Der ist eine intelligente Party! Und ausserdem haben Sie mich nicht verstanden. Es geht eben gerade nicht um die Katharsis, weil es nicht um geteilte Gefühle bzw. um einen geteilten Sinn geht. Das können Sie schon allein daran erkennen, dass Anne Peter diese Inszenierung anders wahr-nimmt bzw. be-schreibt und interpretiert als die Kommentatoren. Aber alle wieder-holen diese Aufführung. Auch Sie schreiben daran mit und weiter.
Rosa L. , 19. Januar 2010 - 13:07 Uhr
40. Der neue Pollesch: immer das nächste Wolken-Unten
So ein hübsches Blendwerk ist mir lange nicht begegnet. Der Mann sieht nicht nur gut aus und spricht ausgezeichnet, er wirkt intelligent und hat eine verführerische Portion Humor - überhaupt, so macht Theater doch vergnügen, wenn ich als Zuschauer von einem Spieler davon getragen werde - ein Teil der Magie besteht natürlich in der vielschichtigen Undurchsichtigkeit, die wie bei einem Fall durch Wolkenschichten immer das nächste Wolken-Unten als neuen Grund zeigt, der aber wieder keinen Halt zu bieten geneigt ist, sonder mich weiterreicht zur nächsten Wolke zur nächsten Illusion. Das ist Zauberhaft und beste Unterhaltung ! Auch weil es Unheimlich ist, denn wir wissen doch spätestens nach dem Bodennebel hört die Reise auf. Die Wörter und Sätze, die Sinn und Erklärungsgespinste, die Poesie, das Handwerk und die Regeln brauchen Atem und eine Bühne.
Kerstin Reinhold , 19. Januar 2010 - 16:26 Uhr
41. Der neue Pollesch: Konsum als Wille und Vorstellung
zuerst möchte ich mich für den tollen Abend mal ganz kräftig bedanken ! Danke ! So, jetzt noch eine Kleinigkeit: so viel Theater sehe ich gar nicht, aber es ist mir immer so, als kennte ich es eh schon, die ganzen Attitüden, das Licht, die Musik, die unvermeidlichen, schlechten Kostüme, die Theater haben ja kein Geld. Kostümfilme haben wenigstens zwischendurch mal ne schöne Ausstattung, wo sich richtig Mühe gegeben wurde… egal. Jetzt aber da war ich dann doch überrascht, das hatte auch was von Varieté, nur wurde halt nicht mit Bällen und Ringen jongliert, und die Dressurnummer mußte mit keinem Pudel, weder mit noch ohne Seifenkern, abgehalten werden, sonder die Materialen kamen aus einer intimen Kommode, die wahrscheinlich von den Machern zurechtgezimmert worden ist. Konsum als Wille und Vorstellung. Cool, nochmals Danke!
Pekunia , 19. Januar 2010 - 16:54 Uhr
42. Der neue Pollesch: wie die Brigitte
Ja, das war sehr nett, also wirklich nett, nicht blöd-nett, oder sanft-nett, sondern richtig-nett. So körperlich. Geschmeidig. Glaz. Brüchig. Wenn der Vergleich gestattet ist - wie ein gutes neues Magazin. Wer will den Stern lesen? oder Brigitte. Du stehst am Bahnhof in der Zeitschriftenabteilung und da stößt du auf ein neues Magazin und blätterst es durch und sagst: Hallo, das sind ja geile Bilder, abgefahren, und wow, die Texte will ich echt mal lesen, nicht 'ne neu Diätkur oder was über neues Turnschuh-Design - ne, da geht's ab! Ich glaube nicht, das ich was spezielles kapieren musste, ausser vielleicht, zahl nicht so viel für falsche Aussagen, und überfriss dich nicht deinen ausgeleierten Merkmalen.
Eddy Gerber , 19. Januar 2010 - 18:31 Uhr
43. Der neue Pollesch: Antwort an den Songsucher
@ Songsucher: Meinen Sie vielleicht diesen Song?: "Und wir sind vielleicht endlich von den Dingen befreit, die wir lieben." Total traurig, dieser Song. Den hab ich jetzt wirklich nicht verstanden. Keine Verlustgefühle? Kein Schmerz? Keine Trauer? Keine Wut? Kein gar nichts? Nee, so funktioniert das aber nicht. Nur bei totalen Rationalisten funktioniert das so. Wie haben Sie den denn verstanden?
Rosa L. , 19. Januar 2010 - 21:44 Uhr
44. neuer Pollesch: interaktionistischer Substanzdualismus
@rosa l.: was sie für eine halbbildung Sie vom stapel lassen ist wirklich erstaunlich. die seele als einheit von körper und geist ? wer behauptet das ? gerade die trennung in die entitäten von körper und geist, die sie ja so begeistert, ist die alte konservative vorstellung von seele: der körper stirbt, die seele/der geist lebt weiter, auch bekannt unter interaktionisitischer substanzdualismus, sie können sich damit sofort beim vatikan bewerben. pollesch bezieht sich vielleicht auf die churchlands, 2 neurowissenschaftler, die sich auf ontologische neurobiologische aussagen zurückziehen, also den geist biologisch/körperlich interpretieren und den begriff seele als antiquiert bezeichnen. die frage ist ja nur, wieso wissen wir was pollesch mit seele meint, wenn er von seele spricht, aber egal. ihre eine entität von körper und geist, die sie so kritisieren, wäre also avantgarde im sinne der churchlands. da kommt dann auch ernst mach oder neueste philosophen wie jaegwon kim oder davidson ins spiel. wenn es also die seele nicht gibt, gibt es keinen dualismus, dann ist das geistige erleben biologisch, also keine geist-körper diskrepanz. sie hingegen sind schwer im konservativen esoterisch-theologischen bereich mit ihrem körper-geist dualismus. verstanden ? wahrscheinlich nicht, die diskussion ist sinnlos, weder sie noch pollesch, verstehen etwas von philosophie, der nicht einmal den pfaller begriffen hat, das ist alles oberflächlich, falsch gedacht und plumpe angeberei. ende des seminars.
diskursiver versuch. letzter tei , 20. Januar 2010 - 10:15 Uhr
45. neuer Pollesch: the shitty love in me
@Rosa L.: Furchtbar traurig. Denn wie Sie ja selber sagen, so völlig gefühlsfrei wäre mensch ja nur als komplette RationalistIn. Darin liegt doch auch die Traurigkeit dieser Worte. Im Eingeständnis, der Entfernung zu dieser Freiheit. Zu wissen, dass mensch eben völlig eingebunden in der eigenen Gefühlsterror-Maschine. Und da kann ich noch so sehr dekonstruieren und denaturalisieren. Diese beschissene Liebe in mir bleibt so wirkunsmächtig, dass ich am liebsten manchmal den ganzen Tag nur kotzen möchte. Weil ich gerne zu mehr in der Lage sein möchte als zur Auseinandersetzung mit meiner Innenwelt. Im Fall der Liebe fällt mir das dann aber zunehmend schwer. Fokus nur noch da. So sehr, dass eine Befreiung davon doch sehr verlockend klingt. Und gleichzeitig aber eben auch sehr traurig...
Aber von wem ist der Song denn?
Songsucher , 20. Januar 2010 - 10:54 Uhr
46. neuer Pollesch: ... the champions, my frie-he-n-d
@Songsucher: Ich tippe mal der Text ist von Pollesch, die Musik von Hinrichs. Beide hatten zuvor einen Freddie Mercury-Guten-Morgen-Tee genippt. Überhaupt: Queen und Prince, auch so'n coller Gag des Abends.
Oder die Musik war doch von Jochen Distelmeyer?
Musikfreund , 20. Januar 2010 - 12:27 Uhr
47. Der neue Pollesch: das Stenoblöckchen hingeworfen
Sie sind leider nicht ernstzunehmen wie Sie einem da Ihr stenoblöckchen hinwerfen. Sie klingen wie 17. das hätte auch ein zehnjähriger zusammengoogeln können. ich kann Ihnen leider nicht einmal vorwerfen, daß Sie pfaller nicht verstanden haben, denn Sie sagen ja nichts anderes über ihn, als daß ihn ein anderer nicht verstanden hätte.
@ diskursiver versuch , 20. Januar 2010 - 13:29 Uhr
48. Der neue Pollesch: alles gegoogelt
Sie hören sich an, als hätten Sie kräftig bei dirk pilz gegoogelt. die übrigen samples Ihres kommentars sind sicher auch im netz zu finden. man hatte beim lesen gleich den verdacht von künstlicher intelligenz. spannender turing-test.
ps @ diskursiver versuch , 20. Januar 2010 - 13:55 Uhr
49. Der neue Pollesch: Menschen und Nicht-Menschen
@ 44.: Ach, so laufen heutige Seminare ab. Da werden keine Fragen mehr gestellt, da wird bloß noch frontal behauptet. Und keine Widerrede. Das ist nicht Humboldt. Das ist ein Wissenstrichter zum Gänsestopfen.
Um meine Position deutlicher zu machen und mögliche Missverständnisse aufzuklären: Es ging mir um die hierarchisch-wertende Begriffsopposition zwischen Körper und Geist/Seele, wonach der Geist den Körper organisiere. Und dass die Seele erst nach dem Tod den Körper verlasse. Aber wir wissen alle aus Erfahrung, dass der Körper auch ein Eigenleben führt, und das kann auch der Vatikan nicht verhindern. Das führt nur zu Exzessen wie der Pädophilie von Seiten katholischer Priester, welche sich an kleinen Jungs vergehen. Kurz: Der Körper ist nicht vollends durch den Geist kontrollierbar. Das ist die alte Frage nach der Freiheit des Willens.
Ich würde daher nicht sagen (und ich bin mir auch nicht sicher, ob Pollesch das tut), dass der Geist rein biologistisch erklärt werden kann. Denn der Mensch hat immer die MÖGLICHKEIT, sich zu ent-scheiden. Ich muss mich, um menschlich zu sein, als Nicht-Mensch erkennen. Das Nicht-Menschliche wäre auf der einen Seite der totale Rationalismus. Und auf der anderen Seite der totale Biologismus.
So wie ich das verstanden habe, geht es bei Pollesch um das Aufzeigen des Paradoxes, dass es keine endgültige Lösung geben kann, sondern das der Spiel-Raum des Mensch-Seins situativ offen bleiben muss. Dass es kein Inneres ohne ein Äußeres geben kann, dass es kein Immaterielles ohne materielle Manifestation geben kann. Und dass das Ich oder das Selbst sich zwischen diesen sprachlichen Konzepten verorten muss.
Schließlich, dass die Seele weiterlebt, das ist nicht Erkenntnis oder Wissen, das ist Glauben. Und nicht jeder muss dran glauben.
@ Songsucher: Der Song ist wahrscheinlich eine Eigenkomposition von Fabian Hinrichs.
Rosa L. , 20. Januar 2010 - 14:17 Uhr
50. neuer Pollesch: die Geburt des ICH bin nicht DU
@ 44.: Zusatz: Nein. Der Geist wird nicht rein biologistisch erklärt. Hier zeigt sich's: "Man wird ja sowieso aus einem Geist geborn und nicht aus einer Mutter!" Und das heisst für mich, erst sobald das Kind in die Symbolwelt der Sprache eintritt, kann es sich selbst gestalten, erlangt es ein Bewusstsein für sich selbst. Dann zeigt es nicht mehr auf den roten Punkt im Spiegel, sondern auf den roten Punkt auf der eigenen Nase. Ja. Genau. Das ist die Geburt des ICH bin nicht DU, und wir teilen auch keinen Sinn, sondern wir teilen uns mit. Erst über das Mit-Sein entsteht die MÖGLICHKEIT einer Gemeinschaft. Zitat Jean-Luc Nancy: "Ein Gegeneinander gehört wohl wesentlich zur Gemeinschaft: das heißt zugleich eine Konfrontation und eine Opposition, ein Vor-sich-selbst-Hintreten, um sich herauszufordern und zu erproben, um sich in seinem Sein zu teilen mit einem Abstand, der auch die Bedingung dieses Seins ist."
Rosa L. , 20. Januar 2010 - 22:52 Uhr
51. neuer Pollesch: wie bei Thomas Mann in Lübeck
das seltsame an diesem pollesch ist, dass er den totalen konsens erzeugt, aber keiner wirklich weiß, was da auf der bühne verhandelt wird - so muss theater auch im bürgerlichen zeitalter gewesen sein, zumindest hat thomas mann die theaterpremieren in lübeck so beschrieben: all die familien treffen ein, es gibt eine ausgefeilte begrüßungschoreografie, wer begrüsst mit handschlag, er nur mit kopfnicken, anschliessend schaut man auf etwas, alle sind sich einer meinung, det war jetzte aber doll , aber keiner könnte sagen, was er da eigentlich gesehen hat - keiner kann sagen, was da verhandelt wurde.
engelbert , 21. Januar 2010 - 01:31 Uhr
52. neuer Pollesch: Es ist, wie es ist
Wir müssen. Weil wir wollen.
Es wäre gut, wenn Herr Pollesch etwas Deutsches Liedgut einbringen würde. Wie wäre es mit „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ von Heino?
Es ist nun einmal so. Wir müssen. Es ist, wie es ist. Nur deshalb ist es so. Das ist die Sprache von uns.
Pollesch braucht auch Roy Black. Es ist nun einmal so.
Wir sind die Stärkeren.
Wir müssen.
Jahn Hoffer , 21. Januar 2010 - 04:10 Uhr
53. neuer Pollesch: Volkstheater für Intellektuelle
also, ich würde den pollesch nicht mit herrn mann vergleichen. ich glaube, auch er wurde, ob seinder langen redetiraden wegen, immer ein wenig überschätzt. er ist ein sammler, ein sprachsammler. manchmal genial, manchmal einfach nur nippes-sammelwut-nervig. aber so richtig ein sprach-künstler, ein kreativer, intellektueller kopf - das ist er leider nicht. er hat ideen. und er hatte tolle schauspieler, die das umsetzen wollten und konnten. ohne schauspieler ist er nicht soooo literarisch wertvoll - meine meinung, wohlgemerkt. aber das ist doch schon mal was. viel gequatsche um nichts, aber das nichts ist doch auch unterhaltsam. ein wenig volkstheater für intellektuelle. aber so richtig den als genialen wortkreateur hinzustellen...das halte ich dann doch für zu gewagt...dazu ist er zu dünn..und , leider, auch zu selbstverliebt in seine sätzesammlung auf dem ikearegal und in der vitrine...was solls. wir schätzen ihn trotzdem. manche lieben ihn sogar...
männeken , 21. Januar 2010 - 07:55 Uhr
54. neuer Pollesch: es geht um das Weiterdenken
Eine Binsenweisheit, aber offensichtlich notwendig zu äußern, werter Engelbert: Wenn sich am Ende eines Abends alle einig sein können, was da ablief, dann war es definitiv keine Kunst, dann war es der "Tatort" und der Mörder ist gefasst.
Im Übrigen hat die Nachtkritik eine so gehaltvolle Beschreibung gegeben, dass man nun auch in die Details dieses Pollesch einsteigen und einzelne Aspekte weiter denken kann. Genau das geschieht in den (diskursiven) Versuchen. Dass dieser Abend des Nachdenkens wert ist, das und nur das bezeugt die rege positive Aufnahme, die die Inszenierung hier findet.
Und, männeken, dass Pollesch kein "intellektueller Kopf" ist - da zieh ich meinen Hut. Sie müssen mindestens Friedrich Kittler sein, um das sagen zu können.
Palmström , 21. Januar 2010 - 08:38 Uhr
55. neuer Pollesch: wo ist der Konsens?
@ engelbert: Waren Sie nicht derjenige, der in den nachtkritik-Kommentaren zu Falk Richters "TRUST" vehement Pollesch gegen Richter ausgespielt hat? Und jetzt ist Pollesch plötzlich doch wieder doof? Mir kommts hier langsam vor wie im Kindergarten. Da helfen Argumente auch oft wenig. Da heisst es immer gleich: Mama, der ist doof! Weil, der nimmt mir immer mein Pokemon weg! Na, engelbert, dann erzählen Sie doch erstmal, was da Ihrer Meinung nach bei Pollesch eigentlich los war. "Wann fing das an? Was ist passiert?" Und so weiter. Wenn Sie sagen, Pollesch ist wie bei Thomas Mann und ich aber zum Beispiel sage, Pollesch ist wie bei RWF, dann ist das schonmal kein Konsens, oder?
Rosa L. , 21. Januar 2010 - 13:13 Uhr
56. neuer Pollesch: Berührungen
das Phänomen berührt worden zu sein und zwar an der richtigen Stelle (!), auch wenn diese nicht exakt lokalisierbar ist, hat selbst oder gerade dann Erfahrungswert, wenn solche Berührung nicht durch einen Erklärungsschredder zweckanalysiert worden ist.
shoerly , 21. Januar 2010 - 13:37 Uhr
57. neuer Pollesch: interessanter als Falk Richter
keine falschen Anschuldigungen, der angesprochene "engelbert" bin ich, ich finde pollesch interessanter als Falk Richter - ich habe mich hier aber unter diesem Namen nicht geäußert, sondern unter sechs oder sieben verschiedenen anderen Namen - gesehen habe ich den Abend aber noch nicht, falls ich ihn je sehen sollte (was ich gerne würde) sagen ich als ur-engelbert bescheid.
ur-engelbert , 21. Januar 2010 - 14:54 Uhr
58. neuer Pollesch: noch ein Schnipsel
@ shoerly: Tipp: Lieber Pollesch lesen statt Flachmanntrinken. Schonmal was von diesem Pollesch-Textschnipsel gehört?: "Man muss etwas abschließen, um es zu wiederholen." Und wenn man etwas nicht abschließen kann, dann sind wir bei Benjamin. Schonmal was vom "Engel der Geschichte" gehört? Und das ist eine Geschichtskonstruktion wie du.
Rosa L. , 21. Januar 2010 - 14:58 Uhr
59. neuer Pollesch: mehr gute Einlassungen!
Schade insgesamt ist die Kommentarleistung, wenn sie sich halbnackt und stellenweise schlecht bekleidet um die eigene Achse dreht. Über meine Schicksalslinie kommt das nicht rüber - bitte bitte mehr richtige gute Einlassungen, mein Vater ist ein übler Bursche und ich kann ihn genauso wenig stoppen, wie die Kommentare hier, aber sie ähneln sich in ihrer Penetranz.
Pre-Sidentin , 21. Januar 2010 - 16:47 Uhr
60. neuer Pollesch: jenseits familiärer Gespräche
Kind schweig still und lass die Familie aus dem Spiel, lese Pollesch und trinke dazu Milch. Diskussionen sind wichtig immer, scheinheilig oder nicht, dass interessiert jetzt nicht. Alles was wichtig ist wird auch gesagt. So ist das.
Pre-Sident , 21. Januar 2010 - 19:59 Uhr
61. neuer Pollesch: Vorschläge müssen fetzen
@ jan hoffer: von Heino bin ich nicht überzeugt, auch von keiner Heinokopie, auch Liedgut klingt schon so labberig und frustriert - Vorschläge müssen fetzen, also, diese Schnarchkamellen, mit der landläufig abgenutzten Quäke, ach wie geil ist spießig blöd, kommen nur noch in Köln gut an. Wenn überhaupt. Ansonsten prickelndes Gesülze.
neuer Kahn , 21. Januar 2010 - 21:35 Uhr
62. neuer Pollesch: Dazugehörigkeit
dass engelbert hier schreibt, dass er pollesch besser findet als richter ohne dass er pollesch geehen hat, zeigt genau an, worum es der pollesch family geht: einen style, zu dem sie gehören wollen. er findet es gut, ohne es zu kennen, das ist so krank und das zeigt auch, wie banal das reden hier über theater ist: ich will auch so hip sein wie die da auf der bühne, auch, wenn ich sie nicht mal gesehen habe - this is sick
engelbert , 21. Januar 2010 - 23:40 Uhr
63. neuer Pollesch: selbstproduzierte Höhe
@engelbert, das ist zu trennen - diesen nicht gesehen zu haben, heißt nicht zugleich, überhaupt nichts gesehen zu haben. Dann, hier zu schreiben hat natürlich nichts mit gesehenem oder nicht gesehenem zu tun, hier treffen sich keine Zuschauer, noch nie, die würden nie verstehen, was das hier alles soll. Und der Banalität entrinnt das Theater auf und vor der Bühne auch sonst nicht - die Höhe muss du immer selbst mit produzieren, aber doch nicht hier, sonst droht neben der landläufigen Banalität auch noch krasse Naivität - was kein großer Schaden wäre, aber auch nicht sonderlich witzig. Und was ist so schlimm daran hip zu sein, oder es sein zu wollen, oder es sich wenigstens einzubilden? Auch sick -sein ist kein Makel, wissen wir doch, das es reine Gesundheit gar nicht gibt…
ur engelbert , 22. Januar 2010 - 05:56 Uhr
64. der nicht mehr so neue Pollesch: Fantasma benötigt
@ Songsucher: Ja. Genau. Man möchte in die alten Denkmuster zurückfallen und das psychologisieren. Aber man könnte das auch mit Slavoj Zizek sezieren, wonach die Liebe bzw. das Begehren immer eine fantasmatische Stütze benötigt. Ansonsten kann es passieren, dass mitten im Akt plötzlich der Film reisst und man sich fragt: Igitt, was ist denn das für ein widerliches Ding da neben mir? Davon möchte ich doch lieber befreit sein. Und das heisst, es gibt keine sexuelle Beziehung. Oder in Zizeks Worten: "Die Realität wird durch das Minimum an Idealisierung erzeugt, deren das Subjekt bedarf, um das Grauen des Realen zu ertragen." Oder auch: Wenn Hamlet Ophelia plötzlich wie ein Alien betrachtet. Und da schwebt dann schon die rot leuchtende fantasmatische Venussonde vom Bühnenhimmel herab. Und darunter liegt der Körper von Fabian Hinrichs. In Pollesch' Worten: "Wenn schon eine Geschichte, dann eine von klammern, stöhnen, von kratzen, von der Bestie, von, ohne die Schmerzwörter zu gebrauchen, von sitzen stehen liegen gehen." Ja. Genau. Geh doch!
Rosa L. , 22. Januar 2010 - 12:46 Uhr
65. neuer Pollesch: womit man sein Geld so verdient
Gähn, Jeanne D'Arc/George Sand/Rosa L.:
Ihr Seminargeschwafel, das ich sehr gut kenne, in Verbindung mit Umgangssprache ist unerträglich langweilig. Jeder halbwegs gebildete Mensch kann diese Sprache sprechen. Anscheindend verdienen Sie mit Ihrem äh Akademismus kein Geld.
Flohbär , 22. Januar 2010 - 15:54 Uhr
66. neuer Pollesch: was ein Bär hin und wieder werden muss
Hin und wieder muss auch ein Bär "..." werden. Aber man soll sein Fell nicht zuvor verteilen. Hab ich gehört.
123 , 22. Januar 2010 - 17:17 Uhr
67. neuer Pollesch: wo die Komik liegt
ich denke mal, das Zeug spricht sich selbst, braucht auch nicht wirkliche Hörer, das läuft einfach so ab - so ganz für sich. In seiner Selbstgenügsamkeit liegt ja die Komik. Ich sage, die Komik, nicht weil es wirklich komisch wäre, sondern weil es einer ähnlich Dynamik der Nicht-Sensibilität folgt .
ur-engelbert , 22. Januar 2010 - 18:04 Uhr
68. nicht mehr brandneuer Pollesch: Voll up to date
@ Flohbär: Tatsächlich, haben Sie wirklich Slavoj Zizeks "Liebe deinen Nächsten? Nein, danke!" gelesen? Herzlichen Glückwunsch, Sie sind voll up to date. Und ich dachte, Sie wären als Berg-Gorilla im Borkmann-Nebel steckengeblieben.
Rosa L. , 22. Januar 2010 - 22:59 Uhr
69. Neuer Pollesch: kleiner Tip
Kleiner Tip: Rosa L. = René Pollesch!
poste dich selbst! , 26. Januar 2010 - 00:29 Uhr
70. Neuer Pollesch: eitle One-Man-Show der Marke Hinrichs
wer sich den hamlet von hinrichs/chetouane vor zwei jahren angeschaut hat, guckt sich dieses eitle one man show nur gelangweilt an! und traurig: Hinrichs ist eine marke geworden.
isabelle , 26. Januar 2010 - 08:41 Uhr
71. Neuer Pollesch: Hinrichs Schattierungen
Wenn Sie mit der These, Hinrich ist eine Marke geworden, anzeigen wollen, dass bei ihm keine Entwicklung mehr stattfindet, dann kann ich dem nicht zustimmen.
Der "Hamlet" mit Chétouane war großartig, das ist wahr, aber doch ganz anders gelagert: eine auratische Textmesse, der Hinrichs mit untschwelligem Witz einen ganz eigenen Glanz verliehen hat.
Hier bei Pollesch kommt er eher vom anderen Ende her; er mimt den Conferencier und mischt dann den hohen Chétouane-Ton unter. Beides reizvoll, beides ganz eigen.
Wenn sich so viele Schattierungen unter einer "Marke Hinrichs" abspielen, dann lass ich mir das gern gefallen.
Markenforscher , 26. Januar 2010 - 09:04 Uhr
72. Neuer Pollesch: Form, die denkt
@ 69.: Ja. Genau. Gleichheit und Brüderlichkeit zwischen Realität und Fiktion. Moi et toi. Das ist eine Sättigung herrlicher Zeichen, die im Licht ihrer fehlenden Erklärung baden. Und das ist Virginia Woolf: "Es ist schrecklich / die Gabe zu besitzen / alles zu fühlen / zu fühlen mit einer solchen Intensität." Nouvelle Vague. Eine Form, die denkt. Fortsetzung folgt.
Rosa L. , 26. Januar 2010 - 11:08 Uhr
73. Neuer Pollesch: Verwechslungen
wer Rosa L, diesen Platzhirsch im Nachtkritiksegment: Diskurse die die Welt nicht braucht, für Pollesch hält, sollte zur Strafe noch mal alle Einträge von ihm, diesem Rasa L, nachlesen und hier einen Besinnungsaufsatz schreiben: warum ich nicht mehr verwechseln möchte. Es gibt neue Fan-Seiten, besucht die. Jeder muss zu dem halten, der ihm sein Wunschprofil zurückspiegelt, also rennt und bekennt euch.
Wie bei einer Neueröffnung von Mediamarkt, können die Massen geködert werden mit Sonderangeboten von Markenware - du identifizierst dich nicht mehr mit dem Schauspieler, so heißt es, und er macht dir nichts mehr vor, wovon du annehmen willst, das es echt wäre oder so, nein, du glaubst nur, du hast jetzt das echte in echt gesehen, von dem du ja schon wusstest das es echt nicht echt war und sein wird, sondern eine abgefahrene Show, an die du nicht echt glaubst und die dir nichts echt vormacht!
mucki , 26. Januar 2010 - 11:16 Uhr
74. Neuer Pollesch: Wohin mit dem Hass?
@ mucki: Ja. Genau. Pollesch ist Gott. Und für das Absolute ist das Leben selber ein Spiel. Na, mucki, Sie haben doch nur drauf gewartet, dass Sie mir hier eins in die Fresse hauen können, oder?
Übrigens, Jochen Distelmeyer hat in seinem neuen Song "Wohin mit dem Hass" meines Erachtens nur in anderer Form thematisiert, worum es hier gehen könnte. Ein Sänger/Autor/Regisseur/Schauspieler usw. kann die Gefühle, hier den Hass, den er empfindet, selbsttätig formen und gestalten, wohingegen die Masse in der Kunst nur ein "Ventil" für die eigenen angestauten Aggressionen sucht, welche vom Künstler bereits vorgeformt sind. Letztlich aber wird die Masse vom Künstler allein gelassen. Das "Elend der Massen" ist immer wieder das, wonach in der Kunst gesucht wird, weil es das Drama garantiert, die Tragödie. Die Tragödie, die du bist. Und nicht das Elend der Anderen.
Die Kunst ist oft unfreiwilliges Vorbild für den rasenden Aufstand der Massen. "Macht kaputt, was euch kaputt macht!", ist das nicht das Motto aller blutigen revolutionären Umstürze, gepredigt durch einen Führer, mit welchem sich die Masse identifiziert? Und was kommt dann? Der König wird wieder eingesetzt. Das Chaos muss in eine neue Ordnung überführt werden. Die vielleicht noch mehr von einem Polizeistaat hat als vorher.
Entscheidend für die politische Gemeinschaft ist also jeder einzelne, das Denken jedes Einzelnen, welches sich in jeder Situation neu ent-scheiden kann und muss. Es geht darum, Texte zu gebrauchen, um alternative Möglichkeiten spielerisch zu erproben. Es geht nicht darum, Hass zu predigen. So seh ich das. Und das ist vielleicht nicht Pollesch. Aber das ist selber denken.
Rosa L. , 26. Januar 2010 - 12:44 Uhr
75. Der neue Pollesch: der ganze Glibberkram dazwischen
also, hab ich doch gesagt, jeder kann es sehen - aber was rede ich denn, welcher Jeder? Jeder Jeder, jedes mal ist das, … das ist …auch so ein Ding. Lesen. Genau, das ist es was mich ansaugt, die Buchstaben und der ganze Glibberkram dazwischen. Mahlzeit. Und jetzt noch ein Besinnungsaufsatz - Ein Forum mit eingebauter Gebetsmühle, …ja, hat auch heitere Aspekte, aber ach…
mucki , 26. Januar 2010 - 22:48 Uhr
76. Der neue Pollesch: die Sprache der bösen Kinder
@ mucki: "Besinnungsaufsatz", "zur Strafe" und "Gebetsmühlen". Nein. Diese Sprache verstehe ich nicht. Das ist die Sprache der bösen Kinder, der bemitleidenswerten Opfer einer fehlgeleiteten (katholischen) Erziehung. Oder: Die sich mit der obszönen Unterseite der Macht identifizieren. +++ Kommen Sie eigentlich gerade vom Babybauch-Ultraschall oder vom Kardiologen-EKG? Oder warum sprechen Sie von "Glibberkram"? "Le glissement du sens", das ist etwas anderes, das ist eine Metapher des Dekonstruktivismus. +++ Und nochwas: Dieses vollkommen talentfreie Eindreschen auf das Schlagzeug durch Fabian Hinrichs, das war einfach toll. Hab mich weggeschmissen vor Lachen.
Rosa L. , 27. Januar 2010 - 00:49 Uhr
77. Neuer Pollesch: talentfrei genießen
wie wär's mal mit talentfrei genießen, einfach ohne das verkrampfte, angestrengte Getue auf der sicheren Besserwisserseite mit eingebauter Befreiungsrhethorik zu stehen, wobei sich selbst immer riesen EigenlobBoni ausgezahlt werden, in Form von: schaut doch mal was ich schon so alles von der Neue Menschen Befreiungsdiskuspampe begriffen habe, von den verschlungenen Zizekwegen mit Selbstauslöser. Das wirkt auf die Dauer nämlich nicht sonderlich verführerisch, im Gegenteil es tendiert zum pavlovschen Diskursaffen, der beinahe stumpfsinnig bei jedem aufleuchten der Theaterlampe begeistert seine Diskursklapper dreht, deren Töne ja bekanntlich zum Vertreiben und Erschrecken gebraucht werden und nicht zum Mithampeln.
mucki , 27. Januar 2010 - 08:13 Uhr
78. Neuer Pollesch: Mit den Händen denken
@ mucki: "Besserwisserseite"? "Befreiungsrhetorik"? "EigenlobBoni"? Ist das der Hohn, Spott und Neid, von dem Jochen Distelmeyer singt? Ich muss mich nicht an Pollesch anbiedern, um mich als Teil einer völlig vermarkteten Jugendbewegung zu fühlen: "Dein cooles streetfighter-Image gehört zum kulturellen Rahmenprogramm dieses Kongresses der Welthandelsbank. Und da kannst du noch so wild wünschen mit einem Molotow in der Hand. Du bist einfach nur ein RAHMENPROGRAMM!" (Pollesch, "Betten sind Orte erhöhter Wachsamkeit")
Und ausserdem hat Pollesch ein ganz anderes Leben. Und ausserdem kann ich selber denken. Nicht mit den Fäusten, ist nicht so mein Ding. Aber mit den Händen: "Die einen denken, sagt man, die anderen handeln. Aber die wahre Bestimmung des Menschen ist es, mit seinen Händen zu denken." (JLG) Das heisst, das Denken lebt von seiner Schöpfung. Die Lust am Text. Das bin ich.
Übrigens, schonmal über Foucault nachgedacht?: "Glauben wir nicht, daß man zur Macht nein sagt, indem man zum Sex ja sagt." Das war und ist der große Irrtum der Oldschool-Hippies im Lager der nackten Körper. Du kannst dir Liebe nicht kaufen, ist dir das eigentlich klar?
Rosa L. , 27. Januar 2010 - 13:02 Uhr
79. Neuer Pollesch: Abend groß, pennälerhaftes Geblubber klein
ich freue mich unendlich, dass hier - gerade im pollesch-kontext - einmal über dies wahnsinnig abiturientenhafte diskursgequatsche gesprochen wird. der abend mit fabian hinrichs ist großartig, aber natürlich streitbar, wie jede gute kunst. wären wir uns alle einig, wäre es eben kunsthandwerk. aber dies penälerhafte geblubber der klassenbesten, die allen beweisen wollen, dass sie agamben gelesen haben, tut wirklich wenig zur sache und ist auch auf dem theater vollkommen uninteressant geworden. diskurs war 90er diskurs-anführer pollesch ist schon viel weiter und hat dies längst begriffen. in seinem solo um fabian hinrichs geht es um lust, um subjektivität, die nicht mehr mit diskurs klar kommt, um schwanz und kopf, die miteinander streiten und wie langweilig wäre es denn, wenn hinrichs auch noch toll schlagzeug spielen könnte?
heidi diskurs , 27. Januar 2010 - 13:09 Uhr
80. Neuer Pollesch: Lob der Pappfigur
Und vielleicht wird hier genau das hinterfragt, ob ein Schauspieler, der vermeintlich nur noch sich selbst spielt, sich nicht eigentlich komplett vermarktet. Vielleicht ist diese Pappfigur der Rolle ja doch etwas Schönes, weil ich darüber Facetten meines Selbst ausprobieren kann, ohne vorgeben zu müssen, dass ich das jetzt bin. Was bin ich denn? Ich bin viele. Ich bin eine Andere. Mehr weiss ich nicht. Aber ich kann es fühlen.
Rosa L. , 27. Januar 2010 - 13:16 Uhr
81. Neuer Pollesch: öde Diskursrösser
diese Diskursrösser sind selber super Performer, aber du genießest sie am besten mit der Leselampe - zitiert sind sie so öde und gleich wie Theaterfotos - sie zeigen schon das da irgendwas ist, was Theater oder in diesem Fall Geist sein soll, nur schaut der aus dem Bild nicht heraus, sondern bleibt in seiner verkürzten Attitüde zwangsläufig stecken - das ist für den, der's gesehen, gelesen hat, auch mal ne' Stütze, aber mehr nicht. ich gehe jetzt nach Kanada. Gehört hier nicht hin, aber, ich sag's nur.
mucki , 27. Januar 2010 - 13:33 Uhr
82. Neuer Pollesch: Polleschs eigene Geschichte?
@ heidi diskurs: Ach so, um Schwanz und Kopf. Die miteinander streiten. Um die Nutte, die du bist. Oder ich. Wovon man nicht reden. Break. Musik. Und eigentlich spricht Pollesch ja von toten Mutter-Körpern und Dämonenlöchern. Ist das jetzt eigentlich seine eigene Geschichte?
Rosa L. , 27. Januar 2010 - 13:36 Uhr
83. Neuer Pollesch: Schlagendes Lob von einem, der's wissen muss
Greetings from heaven above: This chap Hinrichs ain't no bad drummer at all.
Jeff Porcaro , 27. Januar 2010 - 13:42 Uhr
84. Neuer Pollesch: playing bad drummer
@ Jeff Porcaro: Ja. Der tut nur so, als ob er schlecht spielen würde. Der spielt ja ne Rolle. Oder?
Rosa L. , 27. Januar 2010 - 13:52 Uhr
85. Neuer Pollesch: Thread hat's in die zitty geschafft
So, dieser Threat hat es jetzt auch in die zitty geschafft. Schaut man hier:
http://www.zitty.de/kultur-buehne/54348/
Heidi Hoh , 27. Januar 2010 - 13:55 Uhr
86. Neuer Pollesch: Zum Gemetzel des anonymen Mobs
Bei diesem Interviewauszug mußte ich irgendwie auch an nachtkritik, die kommentatoren und schlingenblocks denken, leider. jeder manipuliert so schlecht er kann.

Computerpionier Jaron Lanier über die entwürdigenden Folgen von Internetwerbung, Mobbing im Netz und die Geburt einer unmenschlichen Digital-Religion

FRAGE: Herr Lanier, Sie behaupten, im Internet verwandelten sich normale, vernünftige Menschen in einen Mob. Meinen Sie das wirklich ernst?

Lanier: O ja, erst heute habe ich ein anonymes Forum gelesen, in dem die Leute das Ansinnen der "New York Times" kommentierten, künftig Geld für Online-Artikel zu verlangen. Die ersten Kommentare waren noch in Ordnung. Doch bald wuchs sich das Ganze zu einem teuflischen Gemetzel aus. Das ist keine Ausnahme, sondern ein typisches Muster im Netz.

FRAGE: Wie kommt es dazu?

Lanier: Die Anonymität spielt eine große Rolle. Wer anonym ist, muss keine Konsequenzen fürchten und erhält dennoch unmittelbare Genugtuung. Da wird ein biologischer Schalter umgelegt, und es entsteht eine richtige Meute. Das lässt sich auch in anderen Lebensbereichen beobachten. Wann immer sich Menschen mit einem starken gemeinsamen Glaubenssystem zusammenschließen, tritt meistens das Schlechteste zutage.
Rückspiegel , 27. Januar 2010 - 14:12 Uhr
87. Neuer Pollesch: wider die reine Internet-Präsenz
Vielen Dank, Rückspiegel. Die reine Internet-Präsenz erscheint auch mir zweifelhaft. Die reine Präsenz ist, aber sie gestaltet nicht. Die Re-Präsentation dagegen wieder-holt: "Das Vergangene ist niemals tot. Es ist nicht einmal vergangen." Und das ist keine TV-Castingshow. Das ist Theater.
Rosa L. , 27. Januar 2010 - 15:19 Uhr
88. Neuer Pollesch: Das anonyme Übel
@ rückspiegel - hab's auch gelesen und genau das gleiche gedacht - hier stimmt was nicht - die Anonymität ist von Übel!
yes , 27. Januar 2010 - 15:29 Uhr
89. Der neue Pollesch: multiple Persönlichkeit
Also ich hab's jetzt auf vierzehn Identitäten geschafft, allein in diesem Treat - mir macht das verdammt viel Vergnügen und ich kann nicht begreifen, was daran von Übel sein soll. Das Stück habe ich ehrlich gesagt nicht gesehen, aber wozu auch? hier schreiben klappt doch auch so. Du brauchst keine Eintrittskarte! und am liebsten widerspreche ich mir selbst !
Melanie Krug , 27. Januar 2010 - 18:39 Uhr
90. Der neue Pollesch: unübel ganz ohne Klarnamen
@ "Rückspiegel" und "yes"

Angesichts der letzten Einlassungen zur "Anonymität", die, ungeheuer komisch, freilich selbst anonym bleiben, angesichts
einiger Überraschungen, die ich erlebte qua "Genaulesen", hat
sich mein persönlicher Wunsch nach "Klarnamen" deutlich
abgekühlt, den ich ansonsten im Laufe der vergangenen zwei
Monate in diversen Threads geäußert habe. Beides kann gut
und richtig sein: davon bin ich mittlerweile überzeugt; und "123"
und "Flohbär" sind eher Beispiele dafür (!!). Ich sehe zwar immernoch die Tendenz solcher Chats, in anonyme Gemetzel
abzudriften, sehe aber noch viel mehr mittlerweile, daß "man"
daran auch arbeiten kann, ja, daß "man" das auch in den Griff bekommen kann. Wenn "123" und "Flohbär" diejenigen sind, für die ich sie halte, wer weiß, ob ein "Gespräch" zwischen denen unter Klarnamennennung jemals so frisch, fromm, fröhlich und
frei hätte sich entspinnen können; ich wage das zu bezweifeln,
um nur diese recht häufig sich meldenden TeilnehmerInnen als
Beispiel für viele andere Teilnehmer zu nehmen: "Erich Bahr",
"Flamenfreund", "TheaterEnttäuschter" : die haben doch alle ganz sachlich und recht unübel gewirkt !!
Arkadij Horbowsky , 27. Januar 2010 - 19:24 Uhr
91. Neuer Pollesch: Internet gebiert Ungeheuer
@ Melanie Krug: Quod erat demonstrandum. Ihr Kommentar ist tatsächlich eine äusserst erhellende Auseinandersetzung mit der Inszenierung. Nein. Sie hören und/oder sehen nichts mehr, Sie müssen sich nicht in jeder konkreten Situation immer wieder neu entwerfen. Nein. Ihr unverrückbares Weltbild steht ja bereits fest. Brave new Verblendungszusammenhang!
@ Arkadij Horbowsky: Entschuldigen Sie, dass ich mich hier einmische, aber meines Erachtens ging es hier nicht um Klarnamen. Es ging darum, dass das Internet auf der einen Seite eine alternative Möglichkeit der Kommunikation und Vernetzung bietet, auf der anderen Seite aber auch Ungeheuer gebiert, insofern man sich im Internet nicht an dieselben Spielregeln wie an die einer face-to-face-Begegnung hält.
Rosa L. , 27. Januar 2010 - 23:04 Uhr
92. Neuer Pollesch: linksresignative Kommerzscheiße
Pollesch und andere spaßgeile linksresignative Kommerzscheisse muss aufhören. Wir meinen: Rene Pollesch, du hast die Volksbühne zerstört. Wir fordern: Burning down the House !
Theater Armee Fraktion , 28. Januar 2010 - 08:21 Uhr
93. Neuer Pollesch: Narrenaufmerksamkeit
aber was wäre dieses Forum ohne die vielen Identitäten? Wenn ich die Beiträge sammelte, die auf mich geantwortet haben, dann würde sich zeigen, wie viel Leben ich in die monotone Bude bringe. Und in gewisser Weise sind wir alle Verwandte, denn der Umstand, dass gerade wir es sind, die unablässig hier absondern und immer wieder unsere Meinungszeune streichen um auch etwas vom vermeintlichen Glanz von Deutungsmächtigen abzubekommen, bezeugt ein ähnliches Profil - hier wird irgendetwas abgearbeitet, was an anderer Stelle sich nicht abarbeiten lässt. Hier flackert etwas Aufmerksamkeit, etwas Bedeutung, die identisch nicht zu erringen ist. Natürlich ist es eine Narrenaufmerksamkeit und natürlich dient sie nur der Simulation von Öffentlichkeit, aber dennoch gewährt sie auch Befriedigung. Und es stimmt, ich bin der verblendetste unter allen.
Melanie Krug , 28. Januar 2010 - 08:44 Uhr
94. Neuer Pollesch: Eure Glücksmomente
wenn schon gleich wieder was verbrannt werden soll, dann weiß ich gleich, wie verlockend dieser Gesellen unspaßiges und im Kern rechtsoptimistisches Phantasma ausschaut. Eure Glücksmomente holt euch an Sylvester, und davon müsst ihr ein Jahr leben, wer sich bemüht, der schafft das auch.
mucki , 28. Januar 2010 - 08:59 Uhr
95. Neuer Pollesch: Differenz von Geist und Körper
@ Melanie Krug: Nein. Ich streiche keine Meinungszäune, schon gar nicht mit eu. Es geht nicht um Meinung im Sinne von BILD dir deine Meinung, sondern um Haltung. Die Bilder kontrollieren das, was wir wahr-nehmen sollen. Das Bild fixiert, die Schrift mobilisiert. Auch das Schauspiel kann eine Schrift sein, indem es Sinn und Bedeutung erst über die Bewegung im Raum herstellt und nicht ein von vornherein festes Konzept bzw. eine Idee von Welt nur illustriert oder bebildert. Das ist die sich immer wieder aufschiebende Differenz zwischen Geist und Körper: "Indem ich denke also bin ich, ist das Ich von ich bin nicht mehr dasselbe wie das Ich von ich denke. Warum? Weil es zu beweisen gilt, dass es einen Bezug gibt zwischen dem Körper und dem Geist, zwischen Denken und Existenz." (JLG) Das ist der Bruch als Bezug. Und deswegen können wir gar nicht alle von vornherein miteinander verwandt sein. Dagegen können wir auf der einen Seite so etwas wie die gute alte "Seelenverwandtschaft" herstellen, indem wir uns mit-teilen. Oder wir können unsere Körper vereinigen, ohne dass wir uns deswegen gleich erzählen müssen, verliebt, verlobt, verheiratet zu sein. In dieser Lücke des Begehrens entsteht das Tragische. Die Sucht nach Glanz und Ruhm ist vergänglich, aber die Suche nach der Wahrheit ist unvollendet. "Die Wahrheit" gibt es nur im Absoluten. Es ist die Grausamkeit als Einheit der Notwendigkeit und des Zufalls. Die symbolische Realität dagegen entsteht im sprachlichen Bezug auf den Anderen. Wenn es doch so einfach wäre. Aber es ist kompliziert, weil der Sauhaufen der Gesetzgebung dazwischen steht.
Rosa L. , 28. Januar 2010 - 11:55 Uhr
96. Neuer Pollesch: rechtsoptimistisches Fantasma?
Ach, mucki. Was ist denn ein "rechtsoptimistisches Fantasma"? Du kannst dir die Liebe nicht kaufen, ist dir das eigentlich klar?
Rosa L. , 28. Januar 2010 - 12:01 Uhr
97. Neuer Pollesch: Kein Kniefall vor dem Schicksal
Und nochwas, mucki. Das mit dem tabula rasa-Abrennen, das find ich auch nicht so toll. Aber dein Spruch "Eure Glücksmomente holt euch an Sylvester, und davon müsst ihr ein Jahr leben, wer sich bemüht, der schafft das auch.", der erinnert mich paradoxerweise sehr an das konservative und staatsmännische Diktum des Okeanus aus der neuen Prometheus-Übersetzung von Kurt Steinmann: "Wer auf die Knie fällt vor dem Schicksal, ist klug." Nein. So eben gerade nicht. Dass das Schicksal unabänderlich sei, das ist (Selbst-)Täuschung. Wers glaubt, wird selig.
Rosa L. , 28. Januar 2010 - 13:09 Uhr
98. Neuer Pollesch: Plädoyer fürs Falschmachen-Dürfen
@ Rosa L.

Liebe Rosa L. !

Ich bin jetzt ziemlich genau zwei Monate mit der einen oder anderen Beteiligung bei nachtkritik de. dabei: ich sehe da keine "Einmischungsprobleme" durch Sie ! Was ich derweil allerdings sehe, ist, daß sich einige TeilnehmerInnen in diversen Threads
immer wieder einige Gedanken zur "anonymen" oder "andersartigen" Kommunikationsweise machen: Wir sahen es in diversen Wendungen mal als Heckenschützenthema", mal sahen wir "Pitbulls" oder "Schmierfinken", im Chat zur Frankfurter Stockmann-Premiere können Sie das weitergeführt sehen: da steht ein Begriff wie "Restauration" neben dem,
was "Flohbär" und "123" so miteinander "bereden".
Meine - auch bereits geäußerte (ich versuchte, das Thema da zu verorten, wo ich es für sinnvoller halte als in diesem Pollesch-Thread !!, im
"Andere-über-nachtkritik de.-Chat") Befürchtung geht nunmehr einfach dahin, daß allerlei Restriktionen bei nachtkritik de. eingeführt werden könnten, meineserachtens sind auch schon einige regelungswütige Vorschläge unterbreitet worden, die
in meinem Falle, obgleich ich mich ziemlich face-to-face bewege (soweit möglich), auch eine ärgerliche Einschränkung darstellen würden, über meinen Fall hinaus aber, so fürchte ich, "das Kind mit dem Bade" ausschütten würden.
Was die Benutzung, Einschätzung, Bewertung dieses Forums angeht, sind wir, das alles hier ist jung und keineswegs einheitlich "durchgesetzt", alle LERNENDE, ÜBENDE, es bedürfte eher größeren Langmutes, eines Plädoyers fürs FALSCHMACHEN-DÜRFEN.
Ich schaute gestern einfach auf zwei Theaterzeitschriftencower und phantasierte ein wenig: Ach, wenn Sie, "Projekt Prospero", so mit "Luxuselend" kommunizieren, und ich nannte mir dann spleenig (!) dazu zwei mir aus den Chats vertraute "Nicknames", dann will ich das mit den "Klarnamen" zum Beispiel gerne überdenken, und "Face-to-Face" geht es bei "Euch" ja auch zu: also, wozu jetzt allgemein Pitbullmeuten aufmachen, wo anderenorts sehr schöne, feine, fast fröhliche Sachen vor sich gehen !!
Arkadij Horbowsky , 28. Januar 2010 - 13:44 Uhr
99. Neuer Pollesch: Rosa überspannt den Bogen
diese Verbindung knüpft sich mir nicht. Ein rasanter Bogen, aber ein - denke ich - überspannter. Der Spass am Knallen und Krachen, der legitimierte Exzess und das übermächtige Schicksal, wie soll das verbunden sein? Und was das rechtsoptimistische Phantasma betrifft, soll das wirklich beschrieben werden? Sind die Rachefeldzüge und Bestrafungsaktionen, die gerne in realen Vernichtungstaten ihre Befriedigung suchen, nicht bekannt und ist der Glaube damit Optimismus zu verbreiten nicht eine gigantisch hohle Blase?
mucki , 28. Januar 2010 - 14:26 Uhr
100. Neuer Pollesch: Was bitte heißt hier face-to-face?
@ Arkadij Horbowsky: "Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache." (Ludwig Wittgenstein) Ich zitiere das hier deswegen, weil es verdeutlicht, was mir beim Lesen Ihrer Kommentare leider passiert: Ich verstehe Sie einfach nicht. Wir teilen keinen gemeinsamen Sinn, ausser indem wir versuchen, uns mitzuteilen. Das kann auch scheitern. Was zum Beispiel meinen Sie mit "'face-to-face' geht es bei 'euch' ja auch zu". Wer bitte ist jetzt "euch"? Ich, du, er, sie, es, wir, ihr oder sie?
Rosa L. , 28. Januar 2010 - 14:36 Uhr
101. Neuer Pollesch: Virilio-Zitat
@ mucki: Wie jetzt? In Form exzessieren? Womöglich noch mit roten Slips? Trotzdem scheisse, sorry.
Aber ich glaub, ich hab Sie jetzt verstanden, was Sie mit dem "rechtsoptimistischen Fantasma" meinen. Das ist eben das Problem einer gnadenlosen Kunst:
"War die angeblich alte Kunst bis ins 19. Jahrhundert und bis zum Impressionismus noch +anschaulich+, so ist die Kunst des 20. Jahrhunderts insofern zur reinen Schau geworden, als sie nach denselben Prinzipien funktioniert wie der +Verblüffungseffekt+ der Massengesellschaften, die der Meinungsmache, der Propaganda der MASSENMEDIEN gehorchen, die sich durch genau denselben Hang zum +Extremismus+ auszeichnen wie der Terrorismus oder der totale Krieg." (Paul Virilio, "Die Kunst des Schreckens")
Rosa L. , 28. Januar 2010 - 15:10 Uhr
102. Neuer Pollesch: die Geste der Radikalität
welche Kunst ist hier gemeint? wenn jemand die Volksbühne niederbrennen möchte (92), weil Pollesch dieses Theater angeblich zu Grunde gerichtet hat - wohingegen eher anzunehmen ist, daß er der Strohalm ist, an dem sich dieses Theater zur Zeit aufrecht halten kann - dann hat das mit allem möglichen zu tun, bloß nichts mit Kunst.
Und wenn das alles so ungeheuer identisch wäre, wie diese ZITAT es nahelegt, heißt, einem Schicksal gleichkommt - um diesen Faden noch mal aufzunehmen - wer ist denn da nun der Kniebeuger? Wer verneigt sich hier vor einer zeitgeistimmanenten Geste der totalitären Radikalität und … soll dieser Zwang etwa auch seine Gültigkeit für das 21. Jahrhundert gewahrt haben?
mucki , 28. Januar 2010 - 15:48 Uhr
103. Pollesch in Berlin: so what, Rosa!
@ Rosa L.

Vielen Dank für den Hinweis auf den Sprachspielbegriff beim späten Wittgenstein , - der war ziemlich zentral bei meinem
Philosophiestudium, insofern kann ich an dieser Stelle die Biographie Wittgensteins von Ray Monk wärmstens empfehlen:
Da Sie, wie "Flohbär" gelegentlich schreibt, wohl wirklich qualitativ und numerisch identisch mit "George Sand" sind, werden Sie die Passagen über Wittgensteins Weiningerlektüre gewiß brennend interessieren ... . Daß sag ich Ihnen aufs Gesicht zu, die eine oder andere Teilnehmerin hier, der eine oder andere Teilnehmer, versteht sehr
gut, was ich da hin und wieder von mir gebe, manches bleibt sogar gewollt im Halbdunkel, warum denn nicht ?, manches wird sich auf Ewigkeiten dem Zugriff des Verstehens entziehen, und es greift dann vielleicht das, was bei dem Philosophen Hermann Schmitz "Logik der unendlichen Unentschiedenheit" heißt, so what, Rosa, ??, versuchen Sie, mit Ihren Verständnislücken zu leben, tue ich auch: punten Sie sich noch ein bißchen an Cambridge heran: ... ein Besuch
da lohnt (ich selbst war zu Besuch am Woolfson College). Ihr von Ihnen dauerhaft Unverstandener
Arkadij Horbowsky , 28. Januar 2010 - 17:28 Uhr
104. Pollesch in Berlin: Spektakel der schockhaften Bilder
@ mucki: Vielleicht habe ich Sie missverstanden, aber das Virilio-Zitat war nicht affirmativ gemeint. Also nicht im Sinne von: Kaufhäuser oder Theater abbrennen! Da es aber auf der Bildebene als auch in unseren Köpfen keine klare Trennung zwischen Realität und Fiktion gibt, kritisiert Virilio eine Form der Kunst, welche nur noch präsentiert, ohne den eigenen Re-Präsentationsmechanismus offenzulegen. Durch die reine Präsenz, durch das Spektakel der schockhaften und pornographisch-voyeuristischen Bilder, wird die Lücke zwischen Ästhetik und Ethik geschlossen. Damit wird jede Verantwortung einer relationalen Beziehung zwischen menschlichen Subjekten geleugnet. Und natürlich ist das Theater auch weiterhin eine relationale Beziehung, meines Erachtens auch und gerade hier, bei Hinrichs/Pollesch. Indem Pollesch die Interaktivität dekonstruiert, hebt er sie ja nicht auf. Wir könnten den Begriff der Interpassivität auch gar nicht ohne den Begriff der Interaktivität denken. Ausserdem ist da ja trotzdem was, zwar nicht ein von vornherein geteilter Sinn, aber ein Sinn, der sich über den Prozess der Aufführung herstellt. Und da ist auch eine Beziehung zwischen Körpern. Wenn Hinrichs zum Beispiel auf dieses Schlagzeug eindrischt, dann spür ich das. Da passiert was zwischen Körpern. Das ist nicht das Musikvideo auf youtube, sondern das ist Rockkonzert.
Schließlich, Hinrichs spielt hier doch ohne Zweifel mit den Zuschauern, und zwar indem er offenlässt, was er eigentlich von mir als Zuschauer will. Für mich verweist er mich hier auch auf meine Verantwortung als zum reinen Zuschauen Verdammte und damit auf die Notwendigkeit des eigenständigen Mitdenkens gegenüber dem reinen Konsum von Bildern. Hier wird keine platte Einbahnstraßen-Propaganda serviert, sondern eher eine Form von praktisch-experimenteller Analyse.
Rosa L. , 28. Januar 2010 - 18:09 Uhr
105. Pollesch in Berlin: eine Art Trauer
Fortsetzung @ mucki: Entscheidend ist: Es kommt auf den Kontext drauf an. Darauf beziehen sich die Formen der jeweils aktuellen Theaterästhetik. Pollesch thematisiert auch das. Der ist mitnichten ohne Geschichtsbewusstsein, wie immer wieder behauptet wird. Bei mir bewirkte es jedenfalls eine Art Trauer, als Hinrichs davon sprach, dass wir heute auf dem Theater nicht mehr die Revolution ausrufen könnten. Oder so ähnlich. Weil das eben nicht mehr stimmt, weil das keine Verbindung zum umgebenden politischen Kontext mehr hat. Wo ist denn heute die sogenannte Arbeiterbewegung auf der Straße? Oder hat sich da vielleicht was verändert im Kontext der Globalisierung? Vielleicht ist "der Feind" heute ja gar nicht mehr so leicht auszumachen. Vielleicht ist diese übergeordnete Moral des "es gibt kein richtiges Leben im falschen" in der aktuellen Lebensrealität gar nicht zu gebrauchen. Vielleicht soll uns das Elend immer nur Angst und/oder ein schlechtes Gewissen machen, aber nichts an den Strukturen ändern, welche die ungebremste Gier doch erst ermöglicht haben. In Polleschs Text heisst es einmal: "Aber der Gefängnisinsasse, der ist ein offenes Buch, in dem ich lesen kann." Oder so. Das heisst, der kann uns schon noch was erzählen, seine eigene Geschichte erzählen, aber vielleicht nicht auf der Theaterbühne, wo er immer nur die Radikalität der Masse behaupten soll, die es in seinem realen Leben ausserhalb des Theaterraums aber gar nicht gibt. Sad but true.
Rosa L. , 28. Januar 2010 - 20:11 Uhr
106. gar nicht neuer Pollesch: Lasalle sagt, was ist
@ Arkadij Horbowsky: Elite als Hohlform interessiert mich nicht. Und ich will auch nicht nach Cambridge. Mich interessiert nur Rosa: "Wie Lassalle sagte, ist und bleibt die revolutionärste Tat, immer 'das laut zu sagen, was ist'."
Rosa L. , 28. Januar 2010 - 21:19 Uhr
107. Neuer Pollesch: Ist das nicht Kitsch?
aber, um was geht es dann eigentlich, wenn das Empfinden von Trauer im Kontext der Einlassung meint, dass diese bedeutsame Empfindung (nämlich die Trauer) als Ernte des Abends hergehalten wird - noch dazu Trauer über den Verlust von naiver Aufbruchs- und Revolutionsfreude - was ja an sich auch, berühmt und berüchtigt, als Nostalgie bezeichnet wird - dann frage ich mich, wo der Unterschied zum herkömmlichen Kitsch liegen soll - sag dir worüber du trauerst und du sagst dir wer du sein willst.
Zählt also die Empfindung die ich habe oder zählt das weshalb und wodurch ich sie habe und muss es da gewisse Entsprechungen geben - wenn ja warum?
Oder wie funktioniert das?
Interpassivität ist ja ein uraltes Ding und eines der fruchtbarsten und Interaktivität stabilisierendsten Dinger überhaupt - bloß nannten sie es lange lange nicht so.
muck , 29. Januar 2010 - 15:22 Uhr
108. Neuer Pollesch: bla bla
bla bla bla, bla bla bla, ist das nicht fachistoid, was du da schreibst? bla bla bla, bla bla bla
@ muck , 29. Januar 2010 - 15:50 Uhr
109. Neuer Pollesch: neue Einsatzräume des Politischen
@ muck: Für mich ist das weder Kitsch (kitschig ist eher die Soul(sic!, hier steckt sowas wie Seele und nicht in den Worten)-Musik) noch Nostalgie. Nein. Das ist das Bewusstsein darüber, dass alles Lebendige früher oder später stirbt. Was aber nicht heissen muss, dass es für immer tot ist. Insofern die Gegenwart sich noch in der Vergangenheit des politischen Widerstands gemeint fühlt, können neue Einsatzräume des Politischen eröffnet werden. Kommt auf jeden einzelnen Menschen drauf an. Da fängt alles an. Und da hört auch alles auf. Wenns fatal läuft.
Rosa L. , 29. Januar 2010 - 15:50 Uhr
110. Neuer Pollesch: Gott sei's getrommelt
@ 108

Ne, empfinde ich nicht als "faschistoid", was "muck" da schreibt. Frau "L.(!) - S.(?) - D.(??)" gibt nur sehr merkwürdige Statements ab: "Elite als Hohlform" ??? Tur mir leid, aber Frau L. kommt doch mit dergleichen: Von "Elite" war nicht die Rede, und "Hohlform" als Assoziation zum Punting-Nachen (der mir nur in den Sinn kam, weil mir mein damaliger englischer Gastgeber den Weg zum Lieblingscafe Wittgensteins zeigte und mir die englische Punting-Tradition näher brachte, da der Weg entlang eines Punting-Gewässers führt) würde ich andererseits wieder garnicht übel finden. Nur Rosa L. will mir doch erklären - mit Wittgenstein -, daß wir den Sinn nicht teilen, was auch ohne Wittgenstein gut und gerne ginge; so sieht es immerhin beinahe so aus, als könnte ich via Wittgenstein plötzlich doch noch zum gemeinsamen Sinn vordringen, oder wieso ansonsten die Mühe ??
Von meinen "Verständigungsproblemen" mit Frau L. aber mal ganz abgesehen: Ich kann das Befremden über die genannte Beinahe-Trauer Frau Ls. aus sehr verwandten Gründen wie die von "muck" genannten sehr gut verstehen: ich trauere dergleichen Revolutionen mitnichten nach. Gewerkschaften zum Beispiel wurden einst einmal unter recht revolutionären Vorzeichen durchgesetzt: heute gibt es in einem Theater wie Lübeck alleine vier beteiligte Gewerkschaften, wenn irgendetwas entschieden werden soll; anderenorts - wie bei LIDL - werden notorisch Betriebsratsbildungen verweigert: Dagegen kann sich eine jedwede Frau L.,S.,D. auflehnen, dagegen anarbeiten, und das wäre auch eine sinnvolle Aktivität: Wer dergleichen Aktivitäten entfaltet, ganz ohne Revolution, der trauert auch nicht gar so fix, wenn nur der "Begriff" fällt: glauben Sie mir !
Und dann dieses "Schließlich, Hinrichs spielt mit dem Publikum, indem er offen läßt, was er von ihm will ... ." Was will denn so einer ? So'n Schauspieler ?? Nehmen wir an, der Herr Hinrichs verfiele in der nächsten Vorstellung auf das Beiseitesprechen, weil auch er in dieser Zeit nur den einen Sinn mit Rosa L. teilt: er interessiert sich jetzt buchstäblich, in meinem Gedankenexperiment, für Rosa L., nur für sie, und spricht beiseite in etwa: "Rosa, bist Du mal wieder in der Vorstellung ?? Ich möchte jetzt, daß Du den Raum verläßt !" Hätte Herr Hinrichs jetzt aufgehört zu spielen, weil er plötzlich nicht mehr offen läßt, was er so vom Publikum will ? Wäre es jetzt das reine "Musikantenstadl", wenn Rosa L. jetzt wirklich daraufhin den Raum verließe ?? Oder hätte es eine Wirkung von "Musikantenstadl", wenn irgendeine andere Person, garnicht Rosa L., fast wie "daraufhin" den Raum verließe ??? Ach ja, was so ein Schauspieler nur so alles will, wollen muß ? und vom Publikum ??.
Frage mich andererseits, ob diese ganze Interpassivitätsdiskussion sonderlich sinnvoll abläuft: Was macht "man" dann mit älteren Theaterformen wie dem "Forumtheater" nach Augusto Boal (hat ja auch mit Revolution zu schaffen ...) oder mit jenem legendären Peymann-Abend, der mit einem klingelnden Telefon auf der Bühne begann ... : Theoretisch hätte jemand wie Fabian Hinrichs einen solchen Abend komplett parallelläufig zu dem jetzigen Polleschabend damals schon umsetzen können. Und: das ist auch ein "Rockkonzert": never ever. Das Volk der Mäuse sagt zu Josephine: "Dein Gesang ist nur das übliche Pfeifen der Mäuse" - Josephine: "Ich pfeif drauf !" / Rosa L. sagt: "Fabian, das ist ein Rockkonzert !" Ich sage: "Gott sei`s getrommelt !!"
Arkadij Horbowsky , 29. Januar 2010 - 17:42 Uhr
111. Pollesch in Berlin: wer die ganze Diskussion angefangen hat
man muss doch mal sagen, dass carl hegemann diese ganze interpassivitätsdiskussion vor jahren angefangen hat.
laura , 29. Januar 2010 - 19:30 Uhr
112. Pollesch in Berlin: depressive Episoden
@110. Gott trommeln. - Vertreiben Sie hier ihre depressiven Episoden? Gott ist ein liebenswürdiger Versager, der es gut gemeint und schlecht gemacht hat. Und sich deshalb kaum noch meldet.
123 , 29. Januar 2010 - 19:53 Uhr
113. Pollesch in Berlin: die gleichen Gefühlswallungen
also, worauf ich hin deuten wollte, war, dass - und ich verstehe mich dabei als Bewunderer der pollesch'n Theaterpraxis - wenn die Ausdrucksformen der Anerkennung, sich nicht so wahnsinnig von den Anerkennungsformeln der Anerkenner von abgelehnten Veranstaltungen unterscheiden, und deshalb gefragt werden muss, wenn total unterschiedliches Theater die nahezu gleichen Gemütswallungen produziert, worum, wird dann eigentlich genau gestritten, dann betrifft das die Interpassivität im Kern - denn es ist dann megaegal was die Leute auf der Bühne treiben, ich benutze eh nur das was ich für mich benutzen kann, ob die das mit der Behauptung X oder y machen spielt keine Rolle. Und es hat auch immer nur die selbe Wirkung, sie können meinem Ideal näher oder von ihm ab kommen.
mucki , 29. Januar 2010 - 23:19 Uhr
114. Pollesch in Berlin: Emanzipation des Zuschauers
@ Arkadij Horbowsky: Fabian Hinrichs hat niemanden dazu aufgefordert, den Saal zu verlassen. Das Experiment der Erprobung bzw. Dekonstruktion von Interaktivität hätte so nicht funktioniert. Aber er hat versucht, die Zuschauer zu sich auf die Bühne zu locken bzw. zum Mitmachen zu aktivieren. Bloß konnte ich schlecht vom zweiten Rang springen. Und auch die da unten auf ihren Seesäcken sind Fabian Hinrichs nicht gefolgt. Die wollten - wie ich - dann wohl doch lieber weiter nur zuschauen, sind sich Ihrer Zuschauerposition aber vielleicht bewusster geworden. Denn der Zuschauer ist nur solange passiv, wie er eine Aufführung ohne Selbstreflexion konsumiert, dass heisst ohne eigenständig mitzudenken. Dagegen wird der Zuschauer hier auf seine aktive Verantwortung für die eigene Wahrnehmung hingewiesen. Oder: Wie wir lernen, die Bilder, welche wir uns von der Welt machen bzw. machen sollen (Mediendiskurs), immer wieder zu hinterfragen. Jacques Rancière nennt das die Emanzipation des Zuschauers, wonach die Wirkung einer Theateraufführung auf jeden einzelnen Zuschauer nicht kontrolliert werden kann: "The collective power that is common to these spectators is not the status of members of a collective body. Nor is it a peculiar kind of interactivity. It is the power to translate in their own way what they are looking at."
Rosa L. , 29. Januar 2010 - 23:41 Uhr
115. Pollesch in Berlin: diagnostizierte Krankheitsverläufe
@ Rosa und @123

Danke der Nachfrage, 123, warum sollte ich mir auf diese Weise depressive Episoden vertreiben wollen, denken Sie denn, daß jemand das so oder so ähnlich, im Stile des "de profundis at te clamavi", mit Aussicht auf Erfolg versuchen sollte oder Verwandtes ?? Wenn das nicht der Fall sein sollte, was ich vermute, warum von mir wiederum vermuten, ich befreite mich an dieser Stelle in ziemlich hoffnungsloser, dummer Weise ?!
Sie sprachen auch bei Dea Loher von mittleren Depressionen, und es stimmt, die Medizin hat bei der Entwicklung von Wirkstoffen gerade in diesem Bereich allemal erwähnenswerte und erfreuliche Fortschritte gemacht. Nun mag es sein, daß statistisch einmal als "mittlere Depression" diagnostizierte Krankheitsverläufe selten selbstmörderisch enden: das Problem nur: draußen tobt die Dunkelziffer ... . Ich bin gläubig, und ich komme durchaus auch als "Depressionskandidat" in Betracht, aber mit meinen Einträgen hier hat das, soweit ich das sehe, weniger zu schaffen.

Rosa L., Ihre Antwort überzeugt mich keineswegs: Es hätte dem "Experiment der Erprobung bzw. Dekonstruktion von
Interaktivität", warum bestreiten im übrigen, Laura, daß Carl Hegemann hier eine fruchtbare Linie aufgetan hat, die beispielsweise in diesen Abend um einen "Einzelnen" mündet,
von dem mir meine "Pollesch-Freundin" , eine Schauspielerin,
nur Gutes berichtete (sie saß unten auf einem Sack), und der wohl auch einiges Spannendes mit dem Volksbühnenraum
gemacht hat, denke ich, nicht geschadet, es um eine "Beiseitesprechepisode" zu erweitern, wo immer "man" dann überhaupt ansetzt in so einem Raum, beiseite zu sprechen; das wäre ja schon eine Aufgabe für einen Schauspieler, und Herr Hinrichs würde da auch eine ordentliche "Lösung" finden,
würde bei dieser Findung aber gerade wohl auch nicht mehr sonderlich viel Anderes vom Publikum wollen (außer das, was sehr schön und wichtig ist und von Herrn Michalzik in seiner Theaterverführung vollkommen zurecht hervorgehoben wird: das
Glänzen in den Augen der Zuschauerinnen und Zuschauer ...), und es wäre dann halt schon komisch, wenn gerade das dann sein Spiel wäre, irgendwie nichts vom Publikum zu wollen; den Eindruck mag sein Spiel mit sich bringen, sogar annährend gesetzmäßig, wenn er so oder ähnlich wirklich rückhaltlos
spielt; und Fabian Hinrichs kann so spielen, keine Frage, kann sich aber kurzerhand in einem Beiseitesprechen z.B. auch fragen, was das ist "rückhaltlos" und hiernach wieder Publikum auf die Bühne bitten etc. . Warum soll sich diese Interaktivitäts-Interpassivitätsbefragung derlei Offenheit nicht zutrauen ?
Sehe da immernoch keine besonders guten Argumente. Und, Laura, wie gesagt, es gab da in der Theatergeschichte schon zahlreiche verwandte Ansätze wie die des Herrn Hegemann, was seine Arbeit nicht schmälert. Ich habe da auch ganz konkret zwei Beispiele genannt, stegreifartig, und dazu gefragt.
Antwort habe ich darauf noch nicht erhalten !

Depressiv werde ich über diesen Gegenstand, jetzt ohne weiteres Getrommel, wohl nicht.
Arkadij Horbowsky , 30. Januar 2010 - 13:11 Uhr
116. Pollesch in Berlin: in Bezug auf Realität denken
@ Arkadij Horbowsky: Ich frage mich, wo Sie mit Ihren Bandwurmsätzen hin wollen. Zum Beispiel mit diesem Begriff des "Beiseitesprechens". Das kommt doch von Brecht her, da gibts einerseits einen Dialog zwischen Menschen auf der Bühne, worüber eine ganz eigene Realität hervorgebracht wird und eben gerade nicht Realismus im Sinne der einfachen Nachahmung von Realität ausserhalb des Theaterraums. Durch das sogenannte "Beiseitesprechen" als Verfremdungseffekt soll das Publikum zusätzlich aus der Illusion herausgerissen werden, dass das Spiel auf der Bühne mit ihrem eigenen Leben identisch sei. Nach Brecht kann diese Differenz zum eigenen Leben insofern einen Erkenntnisgewinn bewirken, als dass damit auf den Konstruktionscharakter und damit auf die Veränderbarkeit von Welt hingewiesen wird.

Gleichwohl funktioniert diese Form des Beiseitesprechens meines Erachtens im Fall Hinrichs nicht, weil die Aufführung im Grunde ein einziges Beiseitesprechen ist. Sie funktioniert nur über die dialogische Beziehung zwischen einerseits Hinrichs und sich selbst bzw. Polleschs Text und andererseits zwischen Hinrichs und jedem einzelnen Zuschauer. Menschliche Subjekte können sich nur über den Dialog mit dem Anderen (Texten und/oder menschlichen Subjekten) formen. Sowohl der Akteur als auch jeder einzelne Zuschauer können die Dialogizität des Theaters dazu gebrauchen, das eigene Leben zu bearbeiten. Wesentlich dabei ist das "mit den Händen denken", das heisst, dass in Bezug auf Realität und Alltagspraxis gedacht werden muss. Ansonsten wärs tatsächlich ne Nullnummer.
Rosa L. , 30. Januar 2010 - 14:34 Uhr
117. Pollesch in Berlin: weil es eine widerliche Drecksarbeit ist
@ mucki: Um Bewunderung gehts hier doch gerade nicht. Es geht nicht um den bewusstlosen Showeffekt des reinen Spektakels. Nee, mitdenken ist angesagt. Und das heisst eben auch, deine gewohnten Denkmuster zu verlassen, weil dich das da vorn irgendwie irritiert und nicht deinem simplen Weltbild entspricht. Und wahrscheinlich hast du die Interpassivität auch nicht verstanden. Denn dabei ist es überhaupt nicht "megaegal", was die da vorn treiben. Im Gegenteil, das ist voll wichtig, weil die da vorn stellvertretend das ausleben, was du dich vielleicht nie trauen würdest, weil das eben eine widerliche Drecksarbeit ist.
Rosa L. , 30. Januar 2010 - 15:22 Uhr
118. Pollesch in Berlin: ist alles gut, was Trauer auslöst?
halt, von mir ist doch gar nicht die Rede, ich habe von meinen Wahrnehmungen und Empfindungen und Gedanken in diesem Zusammenhang gar nicht gesprochen. Allein Rosa L. hat von ihrer Trauer gesprochen, "Bei mir bewirkte es jedenfalls eine Art Trauer, als Hinrichs davon sprach, dass wir heute auf dem Theater nicht mehr die Revolution ausrufen könnten." Diese Bekundung einer Empfindung, die natürlich mit bestimmten gedanklichen Vorstellungen verbunden ist, soll doch die gute Wirkung dieses Theaters unterstreichen - und ich meine nun das Trauer auch von anderen Zuschauern in anderen Zusammenhängen empfunden wird und sie unterstreichen damit ebenfalls die Vorzüge der Darbietung, die sie gesehen haben. Deshalb frage ich Henne-Ei-mäßig was zählt. Wenn Trauer empfinden eine Art Gütesiegel bedeutet, ist dann alles was Trauer auslöst gut? Wenn nicht, wenn wir zwischen guter und schlechter Trauer unterscheiden wollen, richtiger oder falscher, wie können wir das, mit welchen Kriterien denn herausbekommen?
Und Schauspielerei wurde natürlich schon immer gerne auch abfällig als Drecksarbeit nahe der Prostitution und Kriminalität
betrachtet, klar - gerade weil dieses sogenannte Ausleben, ja eben immer ein fake ist und deshalb ja auch gerne verachtet wird… (bewundert natürlich auch) echt schlecht Schlagzeug spielen und dabei dennoch cool eingrooven das hat wohl schon so manch einer ausgelebt - ich kenne mindesten 35 von ihnen. Das schmälert nichts, ich sag's bloß. Ich meine wie kann man überhaupt vor einem Schlagzeug stehen und nicht seiner Natur freien Lauf lassen?
mucki , 30. Januar 2010 - 16:36 Uhr
119. Pollesch in Berlin: im Sinne der Melancholie
@ mucki: Natürlich gehts um dich. Immer. Auch im Theater. Ohne dich funktioniert nichts. Und jetzt bitte nicht auf diesem Begriff der "Revolution" rumreiten. Vielleicht hieß es auch bloß "politisch sein". Jedenfalls ging es da meines Erachtens um Trauer im Sinne der Melancholie, das heisst, sich der Vergangenheit bewusst zu sein und sich vor diesem Hintergrund auf die Zukunft hin zu entwerfen. Es geht darum, sich trotz des Scheiterns immer wieder neu zu denken. Und im heutigen Kontext ist die Entwicklung umsetzbarer Alternativen zum aktuellen Bankensystem vielleicht realistischer als ein naiver Revolutionsglaube.
In Bezug auf den Begriff der "Drecksarbeit" im Theater geht es - um mich zu korrigieren - natürlich nicht um "Drecksarbeit" als zu bewundernden Selbstzweck, sondern darum, dass darüber das Mensch-Sein erprobt werden kann. Und zwar indem das politisch Korrekte über eine "Ästhetik des Risikos" (Hans-Thies Lehman) unterbrochen wird. Denn wir alle sind fasziniert vom Bösen, dass in jedem/r von uns schlummert. Exemplarisch dazu lässt sich bei Jean-Luc Godard ("Histoire(s) du cinéma") eine Aussage finden, welche sich mit Hinrichs Akrobatiknummer an der "Venussonde" in Verbindung bringen lässt. Zitat:
"Während der Akrobat sich in den Fängen eines höchst instabilen Gleichgewichts befindet, formulieren wir einen Wunsch. Und dieser Wunsch ist seltsam zwiespältig und nichtig. Wir wünschen uns, dass er stürzt. Und wir wünschen uns, dass er sich hält. Und dieser Wunsch ist notwendig. Wir können nicht umhin, ihn zu formulieren, in aller Widerprüchlichkeit und Aufrichtigkeit. Er bildet in naiver Weise unsere Seele in diesem Augenblick ab."
Also: Vielleicht können wir uns erst darüber bewusst werden, was es heisst, ein Mensch zu sein, indem wir uns zunächst als Nicht-Mensch erkennen. Die Hoffnung zeigt sich im radikalen Zweifel.
Rosa L. , 30. Januar 2010 - 18:22 Uhr
120. Pollesch in Berlin: auf erfrischende Weise neuartig
"Liebe ist gar nie Liebe, als ein eigener Zustand..., ein körperliches Antreffen von Phantasien ist es, ein Phantastischwerden ... von
"Josephines Pfeifen", Säcken, Volksbühnenraum, Drumeinlagen mit einem Menschen als Mittelpunkt." (frei nach Musil "Die Schwärmer")

Natürlich "Alltag", Frau L., natürlich die Befragung der Üblichkeiten in unseren Selbst-, Welt- und Fremdverhältnissen:
nur, warum reite ich nun tatsächlich ein wenig auf meinen Musil- und Kafkazitaten herum (das Beiseitesprechen ist eine Konvention, verwandt dem Chor, dem Monolog, die wahrlich älter ist als Bert Brecht, obschon der Hinweis auf seine Verfremdungstheorie an dieser Stelle nicht übel ist, "Beiseitesprechen in einem einzigen Beiseitesprechen und dennoch kenntlich, ein Kunststück doch, also reizvoll, oder ?") ?

Das ist nicht neu; das wird auf der Bühne immer schon getan; an dieser Stelle, durch die Pollesch-Inszenierung, wird diese
Bühnenüblichkeit, die Frage nach der menschlichen Person, der Person, den Personen"vor"..., auf der Bühne, der praktischen Reflexion des Menschen seiner selbst (Schlegel, Frühromantik !!) auf erfrischende Weise konzentriert neuartig ,
theaterabendtauglich (!) ins Visier genommen.

Es scheint mir zu diesem Zwecke ein guter Schritt gewesen
zu sein, daß Pollesch an dieser Stelle ein Solo spielen läßt,
denn tatsächlich wird das theamatisiert, was auch bei Musil
so schön in den Raum gestellt wird:

"Einer ist ein Narr, zwei sind eine neue Menschheit."

Die Neigung, Dritte oder Drittes auszuschließen, wäre für so einen Ansatz, denke ich, eher letal: insofern bleibe ich dabei:
mein "Gedankenexperiment" (die Beiseitesprache in den
"leeren Raum", irgendwo zu Rosa L. hin möglicherweise) ist für den Theaterabend nicht verpflichtend, er lief und läuft auch ohne es; es ist aber wohl auch so abwegig nicht, wie es allenthalben
bei Ihnen, Frau L., den Anschein erweckt. Vielleicht meldet sich Laura noch mal und kann mehr über Carl Hegemann, den
ua. Leipziger Dozenten und Berliner Dramaturgen und TdZ-
Artikelschreiber, schreiben und seinen Begriff der "Interpassivität".

Üben Sie Nachsicht mit meinen "Bandwurmsätzen", ich übe ja auch Nachsicht mit Ihren Verweisen auf Ranciere, Foucault,
Agamben, Lehmann oder Godard.

Kommen Sie meinem "bulgarischen Hintergrund" doch ein wenig entgegen, zitieren Sie JULIA KRISTEVA !!
Arkadij Horbowsky , 31. Januar 2010 - 09:42 Uhr
121. Pollesch in Berlin: intelligente Verschiebung ins Widerliche
@ Arkadij Horbowsky: Laura? Warum Laura? Vielleicht können ja auch Sie uns etwas zu Carl Hegemann erzählen. Oder ich. Ja. Genau. Carl Hegemann ist nach Aussage seiner intelligenten Tochter Helene Hegemann (und Töchter sind die am wenigsten Verblendeten, was den falschen Schein des Ruhms angeht!) ein Sauvater. Was dieser über eine ebenfalls intelligente Verschiebung ins widerliche Universelle möglicherweise selbst bestätigt. Zitat aus der "Theater Heute 06/09":
"Praktiken der Kunst im außerästhetischen Bereich zu etablieren aber ist - wie Schiller sagt - keine Kunst, sondern 'Betrug'." Und weiter: "Die Kunst kann als Kunst ihr Reich oder ihren Bereich nicht verlassen, sie verwandelt sich beim Überschreiten der Grenze in Kriminalität oder Wahnsinn." Kurz: Sie sind der Ausnahmezustand, stupid! Und kommen Sie mir jetzt nicht mit Julia Kristeva, (...)
Rosa L. , 31. Januar 2010 - 12:53 Uhr
122. Pollesch in Berlin: Kunst im außerästhetischen Bereich
Liebe Rosa L. !

Ich hatte Augusto Boal und eine "Inszenierung" Herrn Peymanns, die, glaube ich, "Das gibt` s nur einmal" oder so ähnlich hieß, an dieser Stelle ins Spiel gebracht, mit konkreter Fragestellung
verbunden: Sie haben das keineswegs auch nur annährend aufgegriffen, sondern schlichtweg ignoriert, so wie sie schon desöfteren den Kern von Aussagen und Fragen Ihrer diversen Threadgegenüber entweder auf diese Weise ignoriert oder sich zu einem Feindobjekt zurechtgestutzt haben, angeblich Ironie bzw. Humor übend. Ich darf Frau Laura erwähnen, wann immer ich lustig bin: Sie hat sich hier gemeldet und Herrn Hegemann profiliert: Da ich davon ausgehe, daß mein jeweiliges Gegenüber dergleichen nicht ohne Grund oder aus bloßem Getue und Gehabe heraus tut, denke ich, Frau Laura könnte noch das Eine oder das Andere dazu schreiben, mich tät das interessieren; ich habe zwar einige Sachen von Carl Hegemann gelesen, aber ich bin da kein Fachmann, insofern ist das einfach nur als Ermutigung zu lesen für Personen, die an dieser Stelle, zu diesem Threadthema etwas von Herrn Hegemann beisteuern können. Ich werde auch Julia Kristeva zitieren, wenn ich es für geeignet halte, ob Sie das nun von vornherein abwehren oder nicht: - der Zusammenhang "Körper-Körpersprache-Lalllaute- Spracherwerb" ist bei Julia Kristeva wirklich zentral, insofern ist es in der Tat nicht auszuschließen, daß etwas von ihr gerade hinsichtlich diverser Polleschstücke
produktiv werden könnte-.
Entschuldigen Sie, aber daß Sie sich zutrauen, so in die "Retorte" von Familiengeschichten zu greifen, sich hier nicht entblöden, von
"Sauvätern" und dergleichen zu schreiben, das bespricht allerdings Bände über Sie, selbst wenn Sie jene Tochter selbst wären. Was hat persönliche "schmutzige Wäsche" hier verloren, Rosa L. ?? Haben Sie die vergangenen Wochen verschlafen, wo hier über derlei Beschimpfungen diese wunderbare Einrichtung der diversen nachtkritik de-Stränge
immer wieder drohte in Mißkredit zu geraten ???
Sie können mich noch so sehr als "Ausnahmezustand" beschimpfen, es ist Ihr gutes Recht, zu vermuten, ich sei Ihnen irgendwie nicht gewachsen oder dergleichen mehr, seien Sie versichert: Ich versuche mein Bestes und werde es wohl auch dann noch tun, wenn Sie wieder aufhören zu "antworten" und meine Beiträge einfach überlesen, was Ihnen und allen freisteht-.
Sie sprachen ein wenig weiter oben vom Nicht-Menschen: auch hier ist der "Schwärmer"-Zusammenhang greifbar: Der "Mit-Nicht-
Mensch", der ist in diesem Drama einfach explizit. Wollte jemand eine Dissertation über "Motivforschung" betreiben im Wandel der (frühromantischen Wellen ...) Zeiten, so wäre die Trias Schlegel-Musil-Pollesch bestimmt nicht die übelste Quelle. Anstatt weitere Bandwurmsätze zu produzieren, habe ich diesen Denkansatz hier in den Raum gestellt: das hat freilich etwas Unbefriedigendes, das ich auch empfinde, aber,
was hat das mit der Etablierung von Praktiken der Kunst im außerästhetischen Bereich zu tun (frei nach: "Ich verzeihe dem Schauspieler alle Fehler des Menschen, dem Menschen keinen des Schauspielers" ): Sie, Frau L., Sie sind es, die hier von Sauvätern und dergleichen spricht, Sie
schlagen über die Stränge, also belehren Sie mich nicht, der ich das nicht tue, es sei denn Sie wollen mir das "entblöden" vorrechnen, ich weiß, daß Kunst, Philosophie und Lebenswelt von Eigengesetzlichkeiten geprägt sind und sich nicht einfach ineinander überführen lassen, also noch einmal: belehren Sie andere, oder noch besser: Fangen Sie wirklich bei sich an, dann werden Sie möglicherweise persönliche Diffamierungen demnächst unterlassen.
Arkadij Horbowsky , 31. Januar 2010 - 16:36 Uhr
123. Pollesch in Berlin: außerhalb des Theaters eine Fangopackung
@ Arkadij Horbowsky: Da ich diese Peymann-Inszenierung mit dem Titel "Das gibts nur einmal" nicht kenne, kann und möchte ich dazu auch nichts sagen. Zum Begriff des "Sauvaters": Der ist doch nun wirklich liebevoll gewählt. Carl Hegemann wird wissen, worum es geht. Vielleicht haben mich auch einfach nur diese Schweine(hälften) auf der Volksbühnenhomepage dazu inspiriert, woran sich sogleich die nächste Assoziation, nämlich Fassbinders "In einem Jahr mit 13 Monden", anschloss. Ausserdem ist der - milder formuliert - "Rabenvater" Hegemann ja mittlerweile auch der breiten Öffentlichkeit bekannt, und zwar seitdem Helene Hegemann ihr erstes Buch "Axolotl Roadkill" veröffentlicht hat.
Das Hegemann-Zitat von den "Praktiken der Kunst im außerästhetischen Bereich" ist ganz einfach zu verstehen. Es geht dabei aber nicht um das generelle "Fehler verzeihen", sondern um den situativen Kontext. Denken Sie zum Beispiel an Marcel Duchamps Pissoir, welches nur im Kontext der Ausstellung im Museum zu "Kunst" wird. Und auch die Aktion des Schauspielers, welcher seine Kollegin auf der Bühne mit Matsch beschmiert, ist nur im Rahmen der Theaterraums Kunst. Ausserhalb des Theaterraums ist das vielleicht ne Fangopackung. Oder einfach nur widerlich. Zitat Pollesch: "Was für eine katastrophale Form der Gemeinschaft! Was für eine widerliche Kunstform der Geselligkeit, die glaubt, einen Sinn zu teilen!"
Musik, bitte.
Rosa L. , 31. Januar 2010 - 23:37 Uhr
124. Neuer Pollesch: Die Theorien von A.C. Danto
@ Rosa (schon ulkig, daß @ 123 da mitschwingt)

Liebe Rosa !

Vielen Dank für die "Fangopackung": Ob Sie es mir nun glauben oder nicht, Ihr "Rockkonzert" ist auf ebendiese Weise keines: das habe ich auch geschrieben ! Ich kenne auch "Readymades" und weiß sehr wohl, daß diese den Augangspunkt der Kunstphilosophie A. C. Dantos darstellen (was Sie also sahen demnach, hörten, spürten war eben allenfalls "über" ("aboutness" bei Danto) "Rockkonzert(e)", und genau damit arbeiten schon diverse Kafkatexte (ua. "Josephine ...", Sie können aber gut und gerne zur Zuschauersituation noch
"Auf der Galerie", quasi zum "Ekeltheater" noch "Forschungen eines Hundes" (Musikerepisode, Aufstellen der Vorderbeine, quasi ein "Die sind ja nackt ...!") hinzunehmen)), seines Buches "The transfiguration of the commonplace" (bei Suhrkamp als
"Die Verklärung des Gewöhnlichen").
Auch im "Kunstforum" nimmt Danto "Guernica" zum Ausgangspunkt (das Pissoir wird in diesem Zusammenhang "zitiert", d.h. auch abgebildet) für einen streitbaren Artikel über die "Philosophische Entmündigung der Kunst", lesenswert, wenngleich ich die Position nicht teile (was hier ebensowenig in den Polleschthread gehört wie - seien Sie bekannt oder unbekannt noch und nöcher, offenbar ist es ja wohlfeil für Sie, Herrn Hegemann an dieser Stelle, wie war noch Ihr Begriff dazu ?, zu bashen - Ihre Auslassungen zu Carl Hegemann oder Ihre beleidigenen Worte an mich ("Ausnahmezustand, stupid" vor der Folie von Verbrechen und Wahnsinn, wollen mich wieder als "Bandido", für Sie ließe sich das einrichten ...)).

Gut, Sie kennen also doch den einen oder anderen
Faßbinderfilm, "Berlin Alexanderplatz" schon nachgeholt ???
Arkadij Horbowsky , 01. Februar 2010 - 11:14 Uhr
125. Neuer Pollesch: Hinrichs einzigartig-super- spitzenklasse
Auf jeden Fall war Polleschs Abend großartig und Fabian Hinrichs war einzigartig superspitzenklasse und die Texte sind Denksport u. Vitamine fürs Gehirn
Mylady, Aisha , 01. Februar 2010 - 12:52 Uhr
126. Neuer Pollesch: ungeformter Todestrieb am Schlagzeug
@ Arkadij Horbwosky: Ja. Genau. Die Fangopackung als Metapher. Und wissen Sie, was Picasso sagte, als ein Deutscher ihm 1937 Fragen zu seinem Meisterwerk GUERNICA stellte? Er sagte: "Guernica ist Ihr Werk. Ich habe es nicht geschaffen!"
Und natürlich ist Fabian Hinrichs kein Rockkonzert. Nein. Da zeigt sich eher der ungeformte Todestrieb, dem Fabian Hinrichs auf seinem Schlagzeug freien Lauf lässt. Oder weniger schmerzvoll formuliert: "Die Empfindung, die ich von der Existenz habe, ist noch kein Ich. Es ist eine gedankenlose Empfindung. Sie entsteht in mir, aber ohne mich." (JLG)
Ergo: Ich bin nicht nur Körper, sondern ein MENSCH, der sich erst über das Denken und die Sprache ALS MENSCH hervorbringen kann. Alles andere ist Auschwitz und Lager.
Rosa L. , 01. Februar 2010 - 12:56 Uhr
127. Neuer Pollesch: wider die totale Individualität
ach rosa, merken sie nicht wie sie und ihr st. pollesch das neoliberale geschäft der zerschlagung jeglicher solidarität betreiben ? wahrscheinlich nicht. auf dem individuellen hochamt sieht man natürlich keine sozialen gemeinsamkeiten, keine gefühle, keine gemeinschaft, keine politik. klar, da bleibt dann auch konsequenterweise nur ein verkrampft peinlicher monolog mit schlagzeug und requistienzauber über, theater als kabarett, wow, wie modern. wenn es nur leute wie Sie gebe, hätten wir keine straßen, keine krankenhäuser, keine schulen, dafür endlich die totale individualität.
Adam Smith sagt Dankeschön , 01. Februar 2010 - 13:23 Uhr
128. Neuer Pollesch: ex negativo öffnet sich was
@ 127.: Huch, vielleicht haben Sie da ja auch was falsch verstanden. Vielleicht gehts in dem Abend ja doch um sowas wie Solidarität. Aber um eine erst herzustellende, nicht um eine von vornherein gegebene, um nicht zu sagen aufgezwungene.
Und um Ihre dualistische Weltsicht ein wenig abzumildern, empfehle ich Ihnen, unter dem Begriff "soziale Plastik" (Beuys) zu recherchieren. Es geht um Lebens-Kunst. Nicht um das Einander-Ausspielen bzw. um das Getrennt-Denken von Kunst und Sozialem. Gerade das wäre ja das Fatale. Denken Sie doch mal weiter als nur bis zum nächsten Vorgartenzaun. Dieses Pollesch-Zitat von der "katastrophalen Form der Gemeinschaft" macht doch was auf, das öffnet doch was, wenn auch ex negativo. Jedenfalls versteh ich das so. Denken wir doch mal an die Lagerpolitik, die von Auschwitz über Guantanamo bis hin zum Asylantenheim reicht. Geht es da wirklich darum, dass ein Sinn von Gemeinschaft geteilt wird? Wie widerlich ist das denn? Zeigt sich darin wirklich eine politische Gemeinschaft, die von Kommunikation und Konfrontation getragen ist? Oder gehts hier nicht vielmehr schon oder nur noch um die Macht des Souveräns? Ja. Es ist alles nicht so einfach, aber ein Pollesch-Abend hinterlässt mich persönlich gerade nicht resignativ. Und es gibt nicht nur Pollesch, das dürfte auch allen klar sein.
Rosa L. , 01. Februar 2010 - 14:08 Uhr
129. Neuer Pollesch: falsches Gefühl als neoliberale Implikation
an dieser stelle eine ganz allgemeine kritik am phänomen des diskurses über den körper ohne seele und seele und liebe und falsches gefühl als neoliberale implikation erfolgreicher globaler kommunikationsstrategien.
von zizek stammt die these, dass hollywood immer schon schneller und präziser als jede ideologie und ihre kritik ist, weil es selbst maßgeblich dazu beiträgt sie zu schaffen.
mir ist aufgefallen das es in neueren erfolgreichen holywoodfilmen (gamer, surrogates und avatar) ganz maßgebliche beziehungen zur interpassivitätstheorie und der frage des dezentierten ichs gibt und bin daher geneigt mich "Adam Smith sagt Dankeschön" in dem sinne anzuschließen als es ein neoliberales geschäft gibt solidarität oder wie immer man es nennen darf zu zerschlagen. ist es nicht ebenso ein theama der neoliberalen ideologie geworden, sich dem körper/seeleprinzip abzuwenden und den körper als leiche zu denken und somit zu tranzendieren (zombie, avatar etc.) und letztendlich eine noch endpolitisiertere und noch individuellere denkweise der einzelnen individuen befördert als es unter dem postulat von seele und individuellem gefühl ohnehin schon der fall war um so noch erfolgreicher zu werden?
peter zuschneid , 01. Februar 2010 - 14:29 Uhr
130. Neuer Pollesch: Die Wirkung zählt
na klar, so sehe ich das irgendwie auch, nur noch lockerer - so lange das Erleben hallo sagt, ob im aktiv oder im passiv Modus, ganz egal, willige ich ein - die gute alte Trauer wird dabei nicht stören und was immer wir hernehmen um uns zu entspannen: die Wirkung zählt.
mucki , 01. Februar 2010 - 17:44 Uhr
131. Neuer Pollesch: immer schön bequatschen
Seit ihr immer noch zu Gange mit die Meinung, gut so! Alles immer schön bequatschen, auch die Geschichte mit dem Animationstheater (zobie, avatar etc.) finde ich eine gelungene Meinung, die sich sehen lassen kann, denn: ins Kino gehen wir alle gerne und besonders in das schnelle.
shoerly , 01. Februar 2010 - 21:42 Uhr
132. Neuer Pollesch: Zu Solidarität und Fürsorge
@ peter zuschneid: Sie meinen also, dass über diesen Abend die Solidarität zerschlagen wird. Und was verstehen Sie unter diesem Begriff der Solidarität? Vielleicht ist das ja auch nur eine ideologische Setzung bzw. Vorannahme, dass wir alle gleich sozial denken würden. Und was ist dann mit dem Verbrecher à la Raskolnikow, der meint, für die Idee einer "neuen Menschheit" eine alte Frau mit zuviel Geld töten zu dürfen? Also würde ich sagen: Man muss Körper und Geist zunächst auseinanderdenken, um sie dann möglicherweise wieder zusammendenken zu können.
@ mucki: Ja. Genau. Und dieser Holocaust, diese KZ-Mechanik, die hatte ja auch echt ne tolle Wirkung. Kleiner Tipp: Mit den Händen denken, das heisst nicht Manipulation, sondern vielleicht sowas wie Sorge oder Fürsorge.
Rosa L. , 01. Februar 2010 - 22:56 Uhr
133. Neuer Pollesch: Wo ist das Zusatzmodul für Entspannung?
wie geht's denn auf einmal wieder dahin, eben waren wir noch in der Solidaritätsdebatte mit einem Zusatzmodul für Entspannung, und nun, peng, Holocaust. Wenn alles und jedes jederzeit mal derart kurzgeschlossen werden kann, dann wird durch solche Instrumentalisierung eine Banalisierung betrieben, die ich nicht für ratsam halte, wenn von KZ-Mechanik einfach mal so losschwadroniert werden kann, dann zeigt das wenig Verstand für das worum es hier geht und noch weniger für den Holocaust.
mucki , 02. Februar 2010 - 08:26 Uhr
134. Neuer Pollesch: Pollesch-Zuschauer sind auch Sinn-Teiler
rosoe, wieso sehen sie denn immer nur das negative bei solidarität ? schauen sie, durch solidarisch steuereinahmen wird die volksbühne erhalten, pollesch bekommt staatliche, städtische gage, sie dürfen ihn dafür wie einen guru anhimmeln und bei solidarität von raskolnikow und kz schreiben. dass bei pollesch 400 leute (vorsicht masse !) den gleichen sinn teilen und so tun als würden sie pollesch verstehen, ist da natürlich das beste. was ist repräsentativer als repräsentativ ? genau, die kritik am repräsentativen. ist ja auch nicht der erste der links beginnt und rechts endet.
Adam Smith sagt Dankeschön , 02. Februar 2010 - 09:47 Uhr
135. Neuer Pollesch: was ein Trommeln so alles sein kann
Rosa !

"Alles andere ist Auschwitz und Lager" ...: puh, war das jetzt mehr Ihre Ironie oder Ihr Humor ?
Alles andere ist zum Beispiel auch Hund, Katze, Maus, Grünling, Blaumeise und Rotkehlchen.
Im Danto-Artikel, der bei "Guernica" anhebt, Sie können sich das vermutlich schon denken, wird freilich eben jenes Zitat gebracht: "Sie haben das gemacht !"
Spannend schon, was die Drumeinlage so auslöst: Bei "muck" las ich eher so etwas wie: "Da muß man doch einfach lostrommeln, so wie jetzt bei Schnee die Schlitten ("Rosebud") herauskommen", las geradezu "Lebenshunger" mit, und bei Ihnen, Rosa, lese ich "Todestrieb". Tatsächlich scheint der Dostojewskij-Terminus der "Rückhaltlosigkeit" diese beiden (extremen) Enden anzusprechen, und Raskolnikow ist schon eine Gefahr spezieller Art: der liebe, nette Mörder von nebenan ... .
Warum meinen Sie wohl, warum Gorkij sich mit Händen und Füßen gegen die Dramatisierung der "Dämonen" und "Die Brüder Karamasow" an Ssurows bzw. Stanislawskijs Bühne wehrte (im übrigen ist das wohl immer gut, das im Hinterkopf zu behalten: Romandramatisierungen in Rußland vor etwa 100 Jahren; mitunter tut man hier ja, als sei dergleichen jetzt und hier die neueste Regietheaterunart): Gorkij, ein überaus verletzlicher-sensitiver Mann, fürchtete um die Selbstmordquote in Moskau ...; davon dürfte der Hinrichs-Abend dann allerdings, ob das eher für oder gegen ihn spricht, egal zunächst, doch noch ne Elle weit entfernt sein, aber wohlgemerkt: die Spannweite durch das Drumming, erstaunlich. Ja, fast sogar noch erstaunlicher, daß keiner auf die Bühne kam für eine Einlage, wenn da auch ein Drum stand: dann hat das die Aktivitäts-Passivitäts-Spannung tatsächlich weiter erhöht !!
Arkadij Horbowsky , 02. Februar 2010 - 11:17 Uhr
136. Neuer Pollesch: Theresienstadt und Ackermann
@ mucki: Ach so, "wir" waren also in einem Zusatzmodul. Nee, Sie waren das. Und ausserdem fällt bei Pollesch ja auch dieser Begriff "Theresienstadt", im Zusammenhang mit der sterbenden Mutter. Ja. Genau. Das ist tatsächlich grausam grotesk, aber es verdeutlicht möglicherweise, worum es hier geht.
Und wenn Sie jetzt immer noch meinen, dass ich übers Ziel hinausgeschossen bin, dann hab ich statt des Holocausts noch ein anderes Beispiel. Den guten alten Josef Ackermann auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Der tut auch immer so, als ob alle einen Sinn teilen würden, indem er sagt: "Alle in unserer Branche müssen einsehen, dass die Gesellschaft gewisse Übertreibungen nicht mehr akzeptiert." Aber hintenrum meint er damit wohl eigentlich diesen Satz aus Falk Richters "TRUST": "Lass uns einfach alles so lassen, wie es ist. Es ist zu kompliziert, das jetzt alles zu ändern. Lass uns nicht alles durcheinander bringen." Das heisst bei Ackermann dann wohl im Klartext: Moralische Reue ja, aber die Regulierung des Bankensystems, das wäre jetzt echt zuviel verlangt.
Übrigens, ich empfinde Ihre gedanklichen Kurzschlüsse als ebenso faszinierend, Pollesch endet also rechts? Na sowas aber auch. (...)
Rosa L. , 02. Februar 2010 - 11:35 Uhr
137. Neuer Pollesch: hirnloses Trommeln
@ Arkadij Horbowsky: Ja. genau. Der Auschwitz-Witz war alles oder nichts: Ironie, Galgenhumor, Schmerz.
Und bei Ihrer Begeisterung fürs hirnlose Trommeln sollten Sie nicht vergessen, dass eine politische Gemeinschaft sich wohl kaum über das hirnlose Trommeln herausbildet. Darüber formieren sich bloß Marschordnungen. Dieses Trommeln ist sowas wie das Reale, welches in die symbolische Realitätskonstruktion des sensiblen Gitarrenspiels mit dem Lied für alle von Fabian Hinrichs einbricht. Aber wo ES war, soll ICH sich über den Geist immer wieder neu hervorbringen. Nothing but drums, that ain't enough, boy! Und vielleicht ist auch deswegen keiner auf die Bühne gekommen, weil man zum Trommeln, Klavier- oder auch Schauspielen vielleicht eben doch ein gewisses Maß an Talent braucht.
Rosa L. , 02. Februar 2010 - 12:40 Uhr
138. Neuer Pollesch: Hilfe, die autopoietische Feedbackschleife!
@ Adam Smith sagt Dankeschön: Dieser letzte Satz "Übrigens, ich empfinde Ihre gedanklichen Kurzschlüsse als ebenso faszinierend, Pollesch endet also rechts? Na sowas aber auch." von mir an Arkadij Horbwosky war natürlich für Sie bestimmt.
Und was meinen Sie jetzt eigentlich damit, dass bei Pollesch die Masse von 400 Leuten den gleichen Sinn teilt? Oh Gott, ist das jetzt diese Rede von der autopoietischen Feedbackschleife? Ist denn eine Gemeinschaft wirklich von vornherein bzw. allein aufgrund dieser Interaktivitätsprämisse zwischen Akteur und Zuschauer gegeben? Oder kann das Verständnis nicht auch scheitern? Sie sagen ja selbst, dass das Verstehen vor allem von einem Verstehen-Wollen abhängt. Wer Pollesch verstehen will, der muss mit- und weiterdenken. Man kann aber natürlich auch nur so tun als ob man ihn versteht. Ich würde also sagen: Pollesch wird von jedem einzelnen anders verstanden. Und das ist wunderbar.
Rosa L. , 02. Februar 2010 - 13:43 Uhr
139. Neuer Pollesch: totaler Individualismus im Kollektiv
und dass alle verstehen, dass man ihn nur einzeln bzw. nicht komplett verstehen kann ? leider kommen sie nicht umhin, zu akzeptieren, dass sich die zuschauer einen (gedanken)raum teilen. und interaktiv ist an dem abend leider gar nichts, nicht mal richtig interpassiv. das macht das DT und BE besser. und wie ja so richtig analysieren, produziert pollesch individuelle denkmuster, schön. so verkauft nike auch seine turnschuhe. was ist schließlich kollektiver als totaler individualismus ? sehen sie denn keine werbung ? mensch rosie, wieso können wir nicht mal weiter denken als nur moralisch so wie pollesch. warum zB ist nacktheit auf der bühne immer nur porno, immer nur ausbeutung, warum nicht mal eine neue, progressive biopolitik denken, wo nicht der onkel rene sagt, wie böse alles ist ? es können doch nicht alle -wie wuttke, rois, schütz und co- komplett linksresignativ als theaterleichen im tv enden. rosie, wir sind 2 von millionen, wir sind nicht allein.
Adam Smith sagt Dankeschön , 02. Februar 2010 - 15:35 Uhr
140. Neuer Pollesch: zurück zu den Gefühlen
ist mir doch klar, das alle Beiträge Selbstläufer sind, aber sie können ab und an wenigstens so tun, als würden sie sich auf etwas beziehen, und als fände tatsächlich ein Hauch von Dialog statt - aber (ich gebe zu, das einzig wirksame Mittel ist mit noch größerer Eigenidiotie zu antworten, dann fügt sich, dank ein gewissen allgemeinen Unschärfen wieder alles ins Bild) mir ist es komplett fremd in diesen Schemen zu … ja wie sagt man da…, denken will ich es erst gar nicht nennen, zu dialogisieren, wer rechts ist, ob der Holocaust droht, der Ackermann durchschaut wird und Trust Zitate irgendwohin platziert sind.
Wir waren eigentlich bei den Gefühlen, und die Frage war, inwieweit ist der Auslöser für Theatergenuss austauschbar und soll der Theatergenuss sich an bestimmten Standarts orientieren, oder nicht. Ist die Trauer :och, wir können nicht mehr sagen, bald kommt die schöne Revolution, zu ersetzen mit der Trauer : och, wir können nicht mehr sagen Soll ich sagen in dieses sterbliche Leben oder in dieses lebendige Sterben?
mucki , 02. Februar 2010 - 16:10 Uhr
141. Neuer Pollesch: auf Nicht-Zuschauer einlassen
ach hundertsiebenundzwanzig, jede pore ihrer schreibe schwitzt aus, daß Sie den abend nicht gesehen haben. das ist so lästig, sich auf die nicht-Zuschauer auch noch einlassen zu müssen.
@ 127 , 02. Februar 2010 - 20:58 Uhr
142. Neuer Pollesch: Fragen an Adam Smith & Rosa L.
läppischer versuch, hier umzuschreiben. das ist so julius streicher. ich frage mich, warum sich rosa l. von Ihnen dadurch provozieren läßt, daß Sie hier bloß niederlegen was Sie an Ihren favoriten so schätzen.
@ adam smith , 02. Februar 2010 - 21:27 Uhr
143. neuer Pollesch: Adam und Frau
der adam ist ernsthaft und die frau ist gebranntmarkt? die zusammenfassung kann nur von einem typen sein... oder esther slevogt
@ nachtkritik , 03. Februar 2010 - 00:04 Uhr
144. neuer Pollesch: Propaganda, Ranciere, Schmitt, Agamben,
@ Adam Smith sagt Dankeschön: In meiner Sicht sind die Zeiten vorbei, in denen das Theater kollektive Denkmuster im Sinne einer politischen Agitation produzierte. Und damit wird die Annahme obsolet, dass die Wirkung einer Inszenierung kontrolliert werden könnte. Politische Propaganda würde den heutigen Kontext meines Erachtens zu sehr vereinfachen. Vielleicht kriegt man den Zuschauer heute eher, wenn man ihn nicht für dumm verkauft, wenn man nicht davon ausgeht, dass ihm alles erklärt bzw. dass er erst über seine Lage aufgeklärt werden müsse. Ich würde vielmehr davon ausgehen, dass jedem einzelnen Zuschauer die eigenständige Reflexion zugetraut werden kann. Art is everyday. Wir lernen, indem wir etwas als etwas wahr-nehmen, indem wir den Dingen Bedeutung zuschreiben.
Ich würde daher weniger davon ausgehen, dass alle Zuschauer einen Gedankenraum teilen, denn das hieße ja, dass alle dasselbe denken müssten. Ist dagegen nicht eher anzunehmen, dass jeder etwas anderes denkt? Natürlich immer bezogen auf und mobilisiert über die Inszenierung. Jeder übersetzt auf seine Weise, was er gesehen und gehört hat. Zitat Rancière: "Intellectual emancipation [...] means the awareness and the enactment of that equal power of translation and countertranslation." Für mich liegt demnach in der Kommunikation nach der Aufführung die Möglichkeit des politischen Moments, und zwar indem man sich darüber austauscht, wie etwas zu verstehen sein könnte.
Und seit wann ist Biopolitik progressiv? Sind Sie etwa ein "rechtsdrehender" Carl Schmitt-Leser?
Zur Nacktheit, Pollesch hat in einem Interview mal gesagt, dass ein Schauspieler sich bei ihm durchaus ausziehen dürfe (und ist Hinrichs etwa nicht nackt?), insofern er es selbst auch wolle. Aber nicht, weil der Regisseur es will oder weil der Voyeurismus oder die Skandallust des Publikums dies gebieten würden. Es sei denn, es ginge um genau diese Themen.
@ mucki: Wenn das Theater standardisiert wäre, dann wäre es komplett langweilig. Pollesch ist eine Form unter vielen anderen ästhetischen Formen. Diese Offenheit der Formen macht für mich das Besondere des zeitgenössischen Theaters aus.
Schließlich, dieser Begriff "Theresienstadt" soll mitnichten den drohenden Holocaust thematisieren, sondern vielmehr ein Geschichtsbewusstsein eröffnen, welches bis in die heutigen politischen Strukturen hineinreicht. Die einer politischen Gemeinschaft inhärente Gefahr liegt darin, dass der Souverän über den Ausnahmezustand entscheidet, nach welchem das nackte Leben aus der Ordnung des Rechts ausgeschlossen wird. Das ist die fatale Trennung von Körper und Geist. Und wer möchte schon rechtlos gefoltert werden?
Rosa L. , 03. Februar 2010 - 00:41 Uhr
145. neuer Pollesch: schlummern im Fremden Reize?
danke. Also wenn das so ist, das diese Formoffenheit besteht, was ich eh annehme, denn wer wollte behaupten, das wir uns im Korsett bestimmter Normen zu bewegen hätten, wie vermittelt sich dann der Genuss, also welche Rolle spielen unsere Empfindungen dabei? Kurz, kann das Zulassungsprinzip (Offenheit, Vielfältigkeit) nicht auch auf rasant bescheuerte Aufführungen ausgedehnt werden. Wozu sich um darum bemühen, das eigene Empfinden immer als das zentrale zu betrachten? Wäre es nicht denkbar, sich vorzustellen, dass auch im fremdem, verschlossenem, unzugänglichem Reize schlummern, die einem selbst einfach bloß nicht zugänglich sind. Klar, jeder muss so empfinden, aber vorstellen läßt sich doch, dass damit nicht die Fülle der Möglichkeiten ausgeschöpft ist.
mucki , 03. Februar 2010 - 10:17 Uhr
146. neuer Pollesch: bei Rosa ist man immer der Blöde
Liebe Rosa !

Sie sind schon komisch: Habe ich da irgendeinen Piep gesagt, daß ich auf "hirnloses Trommeln" stehe, oder habe ich nicht vielmehr angedeutet, wie offensichtlich schon dieses Trommelelement zu allerlei Spannung Anlaß gab ?? Und ging dieser Thread nicht sogar so los,
daß es da so ungefähr hieß: "Distelmeyer gesichtet,
Schlingensief war auch da etc.". Das steht jetzt aber plötzlich wieder in einem merkwürdigen Gegensatz-Verhältnis zu Ihren Annahmen über fehlendes Talent
im (Premieren-) Publikum. Wer weiß, vielleicht trommelt ja jemand bei der nächsten Vorstellung, oder wird es keine mehr geben ? Und dann sitzt da vielleicht auch einer mit Laptop auf so nem Sack und postet ein Abendprotokoll 1:1 von dem Abend her ins Forum ... !
Ein hirnloser Vorschlag ?? Naja, auf diese Rolle haben Sie mich nun irgendwie abonniert; vielleicht nicht zu unrecht: ich fürchte selbst, daß die Entgegnungen auf Sie immer blöder und unfruchtbarer ausfallen könnten,
insofern: Beim nächsten Thread wird es vielleicht besser, "Mädchen in Uniform" startet ja am 25.2. im
Deutschen Schauspielhaus Hamburg ..., spätestens wohl da, so long..
Arkadij Horbowsky , 03. Februar 2010 - 11:15 Uhr
147. Pollesch: Stoppt den Diskurssch(w)eiß!
Ich will nicht mehr über Pollesch, ich will über Anne Tismer reden! Und all die Kontinente, die hier gestern noch zur Rettung im Angebot waren: Kukident zum Beispiel. Stoppt den Diskurssch(w)eiß! Es lebe der Unsinn!
Adam, the Ant , 03. Februar 2010 - 12:51 Uhr
148. endloser Pollesch: jeder sollte mal Klo putzen
@ mucki: Und wie bezieht sich das jetzt auf diese Pollesch-Inszenierung? Vorstellen kann man sich vieles, um nicht zu sagen alles. Ob man das dann aber auch selbst ausleben will oder doch lieber anderen überlässt (was über diesen Begriff der "Drecksarbeit" suggeriert wird), das muss der Entscheidung jedes einzelnen Zuschauers überlassen bleiben. Das Theater kann die Nacht des UNENDLICH Möglichen des Mensch-Seins eröffnen, wobei allerdings das Gaffertape nicht vergessen werden sollte. Das heisst, der Rahmen des aktiv Möglichen muss auf den Theaterraum beschränkt bleiben. Und schon das Denkmögliche ist ein Handeln, insofern es mich zum Handeln ausserhalb des Theaterraums zwingt. Dazu Massimo Cacciari:
"Meiner Meinung nach ek-sisitiert Kunst aufgrund der IN-SECURITAS, die sie zum Ausdruck bringt. Sie ist nichts anderes als die Selbstoffenbarung, das sich-Sehenlassen einer Macht, die der Ordnung (dem Nomos, dem Logos) überlegen ist, mittels derer wir bislang unser Dasein bestimmt haben, - und die uns verpflichtet, für noch nicht gedachte Probleme und niemals versuchte Wege CURA zu tragen SORGfältig zu werden."
@ Arkadij Horbowsky: Es ist einerlei, ob da nun potentielle Talente im Publikum saßen oder nicht. Es geht doch allein darum, ob die nun aktiv werden oder eben doch passiv bleiben. Und das ist vielleicht das generelle Problem der Freiheit der Kunst. Sie kann immer nur (Denk-)Anstöße geben, mehr aber auch nicht. Der Künstler ist nicht der Schuldige bzw. Verantwortliche, weil er entweder zu wenig oder zuviel Aufklärungsarbeit im gesellschaftlichen Kontext leisten würde. Zwischen Anarchie und Fortführung der Tradition geht es immer nur um den Künstler im Zentrum. Aber stimmt denn das? Jeder kann Künstler sein, indem er seinen Alltag bewusster gestaltet.
Und nicht vergessen, die Rede von der kathartischen Reinigung ist auch nur Verblendungszusammenhang. Um wirklich zu erfahren, worum es hier geht, sollte jeder mal die Klos putzen. Und dann wollen wir mal sehen, ob ihn diese "Drecksarbeit" wirklich befreit, wovon er sonst immer nur in einem vermeintlich geteilten Sinn redet.
Rosa L. , 03. Februar 2010 - 12:55 Uhr
149. von P. zu T.: mit unausgewrungenen Schweisstüchern
wunderbar, Adam, so sehe ich das auch, wenn sich die Schweisstücher der Diskursnassen nur auswringen ließen. Aber nein sie benutzen sie in unredlicher Weise weiter und und wollen ihre Trunkenheit unbedingt unter Beweis stellen -
shoerly , 03. Februar 2010 - 13:45 Uhr
150. endloser Pollesch: im Alter kreativ?
was bedeutet das im alter kreativ werden und töpfern? ist das lächerlich im alter kreativ zu sein?
pink lara , 03. Februar 2010 - 20:45 Uhr
151. vielfältiger Pollesch: danach Hände eincremen
nein überhaupt nicht, töpfern im alter ist sehr gut sogar. allerdings: immer mit schürze und die hände danach sehr gut eincremen. auch pollesch sagt das irgendwo an einer stelle, wie war das noch? ein simulat irrt sich gewagt, wenn er keine gute creme auftragt. in der gruppe macht es besonders viel laune.
moritz , 04. Februar 2010 - 06:18 Uhr
152. neuer Pollesch: der große Zirkus der Ungerechtigkeit
@ mucki, meines Erachtens hast Du dich total vergaloppiert, diese Trauergeschichte ist süß aber nicht lecker. Diejenigen, die auf einen Tip warten, wie denn der Große Zirkus der Ungerechtigkeit endlich in flächendeckendes Wohlbefinden aufgelöst werden kann, sollten einfach erst mal mit Schneeschippen anfangen sich die Zeit zu vertreiben, einfaches Zeitunglesen ist auch immer praktikabel. Du aber solltest eine Ecke passiver werden, auch genusstechnisch gesehen, es geht immer noch ne' Stufe drunter und dann folgt ein Aufstieg neuer Art. Vertrau mir, schau mir in die Augen mucki!
Colli , 04. Februar 2010 - 08:31 Uhr
153. neuer Pollesch: wider die Geschmackserziehung
@colli : Schäm dich. so, du denkst du kannst mir mangelden Einsatz vorwerfen - wer ist denn für den Hausdienst eingeteilt? Aber zur Debatte, ich bin wirklich tief irritiert, denn ich fühle mich immer agitiert, auch gerade von denen, die behaupten, genau das nicht zu wollen, deswegen muss ich gerade hier gegen diese Tendenz zur allgemeinen Geschmackserziehung ankämpfen, auch der dumme, einfältige, genussschwache Wiedergänger und Beinahezombie sollte mit seiner verqueren Theaterleidenschaft, seinen sentimentalen Ausdünstungen, seiner rudimentären Neugierde für's Erotische ungestört seine Trollparty feiern. Gefahr ist einfach nicht im Verzug, nicht im Theater - hab ich mich klar ausgedrückt?
mucki , 04. Februar 2010 - 10:23 Uhr
154. neuer Pollesch: Text als Trophäe?
Wenn jemand berühmt ist, ist das keine entscheidung mehr, ob man die sachen, die man sieht, mag oder bescheuert findet. man hinterfragt den Popularismus des ganzen, und merkt das nicht. Ich versuche damit zu sagen, wer polleschs inszenierung als entertainemt bezeichnet, ist vielleicht nicht hingerissen, möglicherweise stattdessen damit beschäftigt, das hier vor ihm blöd zu finden und nix darüber hinaus. Manche fragen aber sind so merkwürdig naiv. Da funtkioniert das „entertainment“ anders, nämlich als persönlicher hirnfick in einem als zuschauer. Als hirnfick deshalb, weil die naiven, alten kinderfragen mit krasser lektüre und massiven problemen durchsetzt werden. Von allein der erwähnung des wortes kommunismus fühlen sich manche leute beleidigt. Beleidigung schwillt zu empörung an, und wenn neben sich dann interessierte leute sitzen, findet man die ganze veranstaltung vor einen als anmaßung. Das ist werung, aber auseinandersetzung nicht mehr. Als Enternainment kann man auch die moves von kindern bezeichnen. Wenn die kinder eigenheiten von leute kopieren, um die zu verstehen, die leute sich aber geärgert fühlen, wenn die sich „nachgeäfft“ fühlen..
Meine frage: wenn hinrichs die fette bücherkiste anschleppt und bücher in die menge schmeißt, kriegt man gottfried benn zu fassen. Was macht pollesch, wenn er selber texte anreißt, mitten im satz aufhört zu fragen und was neues im eigenen kopf blühen läßt? Gottfried Benn in die luft schmeißen? Auf mich wirkt das mit den büchern als entwertung benns. Die gelben bücher, mit denen die scheiß lehrer einen in der schule gequält haben. Schinken macbeth, das zwar nur 100 seiten hatte, aber so schwer zu lesen war, dass dieses gelb der bücher entsprechende assoziation hervorruft, wann hinrichs ne ganze kiste davon nach vorne schleppt. trotzdem sind das immerhin alte fragen in den büchern. Denkt pollesch, benn schreibt dogmen? Stigamta? Ist euch das wurscht, was pollesch denkt, sagt mir, was ihr mit den büchern anfangt, wenn ihr eins fangt. Wie fass ich denn dieses gelbe buch an? Als trophähe? Von dem schönen abend?
Andere frage: wie geht denn hinrichs (er redet langsam) mit dem text um, und sogar bert neumann im bühnenbild (gelb im vorhang, riesenufo… bilder bilder Verzichte darauf ein schlagzeug zu verdräschen, weils fabian hinrichs kurz mal vormacht). Das würde mich sehr interessieren, ob es ein charisma gibt, dem man sich nicht entziehen kann, das pollesch ausströmt und hinrichs und neumann gefangennimmt, oder inspiriert: entweder man entwertet seine arbeit oder man himmelt ihr nach und kriecht seiner belesenheit und intelligenz in den po
pink lara , 04. Februar 2010 - 11:01 Uhr
155. Neuer Pollesch: direkt durch den Körper hindurch
@ pink lara: Ich würde nicht sagen, dass Pollesch Benn entwertet. Er hinterfragt bloß das seit dem 19. Jahrhundert vorherrschende literaturzentrierte Theater, welches sich in einer nihilistisch-abkapselnden Sprachverliebtheit vom gesellschaftlichen Kontext ablöst. Kunst hat für mich aber nur dann eine Wirkung, wenn sich die Sprache nicht vollkommen von ihrem Bezug zum Materiellen, zum Körperlichen abgrenzt. Denn das wäre dann ja die vollendete Interpassivität. Wenn das Denken und das Sprechen nicht mehr mit dem Handeln, auch dem Handeln ausserhalb des Theaterraums, in einen Zusammenhang gebracht wird. Nach Austins Sprechakttheorie ist Sprache aber immer schon wirklichkeitskonstituierend: How to do things with words, oder: Der Sprechakt ist eine dialogische und soziale Praxis. Das heisst, indem wir bestimmte Sprechakte performativ wieder-holen, formen wir unser Selbst- und Weltverständnis: Entweder im Sinne einer konventionellen Fixierung oder im Sinne eines Bruchs mit der herkömmlichen Setzung von Regeln und Normen.
Bei Benn könnte die Problematik möglicherweise darin liegen, dass er seine eigene Verstrickung in den Nationalsozialismus und die Unfassbarkeit des Holocausts aus seinen expressiven Gedichten ausblendete. Da wird in einem durchaus zu hinterfragenden Dualismus die Kunst von der empirischen Wirklichkeit getrennt und nicht mehr zusammengedacht. Ein solcher Rückzug aus einer abgelehnten Realität ist für den Nachkriegskontext der 50er Jahre vielleicht psychologisch verständlich, wenn nicht sogar prototypisch, weil viele in dieser Zeit wohl nur noch vergessen wollten, was geschehen war. Eine Verarbeitung bzw. kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus erfolgte erst eine Generation später. Und hier verdeutlichte das Montageprinzip vielleicht am Deutlichsten, dass die reine Abbildung von Welt immer schon eine (Selbst-)Täuschung ist. Von nun an wurde der Schnitt (mit der Vergangenheit) nicht mehr unsichtbar gemacht, sondern er ging direkt durch die Körper hindurch.
Das Schöne am Theater von Pollesch ist, dass es mir kein schlechtes Gewissen macht, dass es - bei all diesen ernsten Themen, die da möglicherweise immer auch mitschwingen - einen un-heimlichen Spaß macht. Es ist die anarchische Spielfreude der Akteure, nicht der pathetische Ernst des Predigers, den Hinrichs hier dekonstruiert.
Rosa L. , 04. Februar 2010 - 13:19 Uhr
156. Neuer Pollesch: Du bis eine Konstruktion: HisTOIre. TOI
@ pink lara: Und noch was, es geht nicht darum, herauszufinden was der Künstler denkt. Es geht nicht darum, dass du den entweder entwertest oder ihm vor lauter groupiehaftem Anhimmeln in den Allerwertesten kriechst. Nee, sorry, aber das ist nicht der neue Führer oder Heiland, der wird dich nicht erlösen. Es geht immer nur im dich selbst. Selber DENKEN. Es geht darum, was DU zu Pollesch, Benn usw. denkst. DU bist eine Geschichtskonstruktion: HisTOIre. TOI.
Rosa L. , 04. Februar 2010 - 14:43 Uhr
157. Neuer Pollesch: Sinnsucher im Theaterkunstkosmos
ach so ! na klar, es gibt ein richtiges theater im warmen. das dachte ich mir auch. gleichwohl, pink lara hat ganz recht, die frage, wie ist in einer Zuschauermeute, wenn auch einer kleinen, - wir reden ja nicht von der massenbegeisterung für avatar- aber für die bescheidene gemeinde der sinnsucher im theaterkunstkosmos, doch erheblich großen, wie also ist rene und fabian dieses schöne stück glamour gelungen, das besonders jene in bann zieht die benn lesen und von sich schmeiss können? - das geheimnis sollte gewahrt bleiben, denn die ereignisse von solcher güte und solchem charm sind selten. und nur für die aufrechterhalter des gleichmaaßes, (wo eben für jeden etwas dabei sein soll, für die bildungsbeauftragten und bildungsauftragsverwalter) wird es anstrengend. aber es gibt viele die sich ihren ur eigenen sinn darin suchen können, so wie es ihnen gefällt, das hat dann nicht immer den selben einnehmenden wert, ja, begeisterung kann auch quälend sein, nichts ist unerträglicher als der begeisterte zuschauer - aber dennoch nur zu, produziert sinn und noch mal sinn!
illona , 04. Februar 2010 - 15:10 Uhr
158. Neuer Pollesch: abstrakte Neudenke mit Selbstauslöser
@mucki : sonnenklar, aber das sind nicht mal Windmühlen gegen die du da angaloppierst, so weit ich das hier verfolge, bis auf zwei drei Ausrutscher ins blöken, die aber auch auflockernd wirken, geht es hier doch nett zu, jeder hilft sich so ein wenig, die Eindrücke, die Zuneigung, erträglich zu machen, in gute Konversation aufzulösen. Klar, Rosa nimmt hier gewichtigen Platz ein und weiss sicher am besten wie das alles richtig zu meistern ist, eben ganz im Sinne des Erfinders, aber auch du hast bis jetzt schönen Wind gemacht und Rosa hat sich zu tollen Emotionen hinreißen lassen, wie in einem guten Hollywoodfilm, irgendwann, müssen die Emotionen kommen, das ist nicht alles nur abstrakte Neudenke mit Selbstauslöser und historischem Zusammenklang und Echoventilator, da werden nicht nur Lektüremuster gelegt für ein Avantgardebingo, nein das läuft alles auf Fluktuation hinaus und auf lauter kleine Pläne für die neuen Listen. Demzufolge Mucki, wühl in den Tiefen deines Gemüts wie es hier ohne verquälte Fragestunde weiter gehen kann.
colli , 04. Februar 2010 - 18:55 Uhr
159. klassischer Pollesch: Pollesch als Reclam
@colli: colli, du bist hinreißend, was wäre ich ohne dich? gut, ich bohre und krame und suche und schwups Boing, die Gemütstiefe ist kein bisschen dunkel, da wird es hell und heller, gelb ,satt hell gelb, also, diese Heftchen, diese nicht wirkliche Bücher sein wollenden Dinger, mit den klitzekleinen Buchstaben, die mit dem notwendigen Ramsch bestückten, was so durchgenommen gehört, für jedermann - also am Geld muss es nicht liegen wenn du dir was nicht einverleiben kannst, von den Grundlagen, aber du musst sie eben auch wegschmeißen können. Genau betrachte zeigt sich an den Dingern selbst ihr weggeschmissen sein - du wurschtelst die Dinger durch und weg. Ich denke mal, wenn die ersten Pollesch Stücke so gelb raus kommen, als Hosentaschenheft, und die Schüler vergleichend lesen müssen um einen Vergleich zu ziehen, zwischen Botho Strauß, als Zeitgeistheld der 80er und Rene als einem ebensolchen der 00er Jahre - kann ja nicht mehr lange dauern - dann ziehen Scharen von Solisten los um sich der Schülerneugier erkenntlich zu zeigen, um noch mal ein respektable Beispiel aus der Kunstwendezeit anzustimmen.
mucki , 04. Februar 2010 - 22:23 Uhr
160. klassischer Pollesch: heilige Geist des Texts
@ mucki: Was für ein Zufall, gerade hab ich mich noch über Botho Strauß unterhalten. Festzuhalten ist, das Problem liegt nicht am Reclam-Heft an sich, sondern daran, wie Texte formuliert sind bzw. wie mit Texten gearbeitet wird. Das heisst, spricht der Schauspieler nur als Bauchredner? Wird er nur als Black Box für den Ausdruck eines als vorgängig betrachteten und bereits sinnhaft abgeschlossenen Werkes benutzt? Das wäre dann sowas wie der (heilige) Geist des Textes, der durch den Schauspielerkörper hindurch spricht. Oder gebraucht der Schauspieler/Regisseur einen Text, um sein Selbst- und Weltverständnis darüber neu zu verorten und/oder zu erproben? Das wäre dann die exzentrische Lesart bzw. Spielweise. Und da wäre dann auch der Körper im Sinne des Sprechaktes mit dabei. Ausserdem, warum vergleichen, was nicht zu vergleichen ist? Die Texte von Pollesch sind offene Form bzw. Montage, die Texte von Botho Strauß sind hermetisch abgeschlossene Weltbilder.
Rosa L. , 04. Februar 2010 - 23:56 Uhr
161. klassischer Pollesch: auf Frauennamen fliegen
@ colli lieber colli! mucki nennt dich nur hinreißend, weil er aus irgendeinem unerfindlichen grund eine frau in dir vermutet. und da weiß der junge stürmer natürlich genau wie man jemanden anspricht, der nicht wie ein selbstgewisser schwanz schreibt. natürlich fällt der junge führer auch bei poppen-chat.de auf jeden frauennamen rein, und ist deshalb leider und bis auf weiteres, vor allem nur gespräche unter seinesgleichen gewohnt.
Luzie Englisch , 05. Februar 2010 - 00:35 Uhr
162. klassischer Pollesch: mehr Bauchredner als bei Botho Strauß
und warum verkauft dann pollesch seine stücke? warum werden die verlegt? wer bekommt da eigentlich die kohle? die schauspieler? die philosophen? ich behaupte, pollesch macht die schauspieler mehr zu bauchredenden marionetten als botho strauß, zumal er ihnen, wie bei marionetten, die psychologie nimmt. für mich ist pollesch ein ausbeuter, der alles seinem brand unterwirft. er macht das auf die charmanteste art, und wie jeder guter guru, haben alle das gefühl, gemeint und eben nicht ausgebeutet zu werden. wenn er jedoch ernsthaft an einer auflösung von hierarchien arbeiten würde, könnte er schon längst ein kollektiv gründen. wie forced entertainemnt, gob squad usw. aber übrig bleibt immer POLLESCH, die hausmarke. so bleibt das alles unangenehm neoliberal, nicht unähnlich franchiseunternehmen. und meinen sie die montage ist kein weltbild? das ist so alt wie dada. rosa, Sie sind vielleicht selbst etwas im verblendungszusammenhang gefangen ?
POLLESCH CO KG , 05. Februar 2010 - 10:56 Uhr
163. klassischer Pollesch: per kleingewerbe distribuiert
@ 162. aber franchiseunternehmen vermarkten doch ihre produkte vermittels eines weiten netzes von subunternehmern. pollesch hingegen muss, weil er anscheinend nicht maximal distribuieren will, bei jeder produktion selbst anwesend sein. das entspricht doch eher dem klassischen kleingewerbe/handwerk und ist eigentlich gar nicht so weit von den produktionsweisen der genannten kollektive entfernt, oder?
handmade , 05. Februar 2010 - 11:12 Uhr
164. klassischer Pollesch: in Beton gegossene Kapitalismuskritik
das ist doch mal ein guter ansatz. "162" entgeht, daß alle übrigen dramatiker franchisegeber sind, dieser "POLLESCH CO KG"-typ zielt immer genau drauf und trifft dann total daneben. seine in beton gegossenen vorstellungen von theater und seine kapitalismuskritik bleiben stets unbeeindruckt nebeneinanderstehen. er müßte sie endlich mal aufeinander loslassen.
@ 163 , 05. Februar 2010 - 13:00 Uhr
165. klassischer Pollesch: der Begriff Intertextualität
@ 162.: Warum soll Pollesch seine Stücke denn nicht verkaufen? Der muss doch auch von was leben. Genauso wie Botho Strauß. Und nochmal, es geht um den Gebrauch der Texte. Pollesch-Texte funktionieren für mich erst im Prozess des Gesprochen-Werdens. Und wenn Sie den Begriff der Montage nicht mögen (übrigens, die Montage kann schon vom Verfahren her kein vereindeutigendes und abgeschlossenes Weltbild schaffen), dann können Sie auch den Begriff der Intertextualität verwenden. Ein literarischer Text existiert ja nicht in einem Vakuum, sondern in ihn fließen immer die gesellschaftspolitischen Diskurse einer Zeit mit ein. Damit wird die Vorstellung von auktorialer Intentionalität sowie die Einheit und Autonomie eines "Werks" hinterfragt. Es ist also weniger der Autor als vielmehr der Leser, Akteur, Zuhörer, Zuschauer, welcher die Bedeutung eines Textes (und auch die Aufführung ist ein Text, der wie eine Schrift "gelesen" werden kann) über dessen Aneignung immer wieder neu konstruiert. Es gibt nicht diesen einen für immer fixierten und von allen geteilten Sinn, wie ein Text zu verstehen sei. Demgemäß beschreibt Roland Barthes in seinem Essay "Der Tod des Autors" (1968) den Leser auch als Raum, in welchen das den Text konstituierende "Gewebe von Zitaten" eingeschrieben sei.
Und was verstehen Sie unter diesem Diktum "Die Psychologie nehmen"? Besitzen wir denn eine ganzheitliche Identität? Oder bringen wir uns nicht vielmehr immer wieder neu hervor, im Wechselspiel zwischen changierenden Selbst- und Fremdbildern, in der Auseinandersetzung mit Texten, die wir lesen, mit Personen, denen wir begegnen? Ist dieses zentrierte Subjektmodell der Psychologie nicht mittlerweile veraltet? Ist diese Vorstellung einer individuellen Identität nicht im Grunde Konformität?
Rosa L. , 05. Februar 2010 - 13:09 Uhr
166. klassischer Pollesch: Darbietung und Erscheinung
Super, alle da - und herrlich. Hoffe Colli ist ein ein Mädchen, na und. Also mit dem Text, das klingt nett, genauso wie dieses Zeug mit der Distanz und Nicht-Distanz, mit der sie wohlfeil angeboten werden, aber irgendwie halte ich das für reine Schaumschlägerei, die mit der Sache selbst kaum was zu tun hat. Das Ganze ist doch Darbietung und Erscheinung, in der auch der Text seine Rolle spielt, aber bei weitem nicht die Hauptrolle. Die Schauspielerinnen und Schauspieler, die Souffleuse und die Kamerafrauen, alle zuppeln da zusammen und entfalten ihre eigene Welt und das ist zum Glück nicht in diese Theaterphraseologien vom nicht- oder-doch identifizierten Schauspieler zu kasteln. Und was das Gruppengetue angeht. Gut das so eine Klupbude vermieden wird - wir sind eine Gruppe, ist doch voll doof, wer möchten denn so etwas? Hippies?
mucki , 05. Februar 2010 - 15:33 Uhr
167. klassischer Pollesch: das Guruding
@156 Rosa L. Das wollte ich sagen, dass das funktioniert „denke dich selbst.“ Das geht auf in polleschs arbeit. ich mag es sehr mit anderen hier in diesem Forum sich zu auszutauschen. Hätt ich das mit gottfired benn nicht gefragt, hätts nicht geklappt mit dem nationalsozialismus, 50iger jahre verdrängung. Ich wär nicht draufgekommen. Hintergrundwissen. Meine frage vernetzt sich jetzt mit dem neugewonnenem hintergrund. Moi - Toi
Warum schmeißt fabian hinrichs nicht mit spiegelausgaben von heute, schmeißt mir das zeitgeschehen um die ohren, vor die füße, sondern den alten schinken, der ja dann wohl nicht mehr aktuell ist. Bücher. Es müssen bücher sein. Zeitungen sind zu lang, zu groß zu knittrig, wetten?
Trotzdem: schmeißen von büchern wirft einen auch ne assoziation an den kopf. Genau das wenn er mit surrender zahnbürste auf einen zuschreitet. Was macht pollesch mit den assoziationen. Die kommen ja auf mich zu. Alte mechanismen. Was kann ich dafür wenn die schneller sind, als mein kühler verstand? Das passiert ja nicht durch seinen text, sondern durch die art v fabian Hinrichs schreiten. Kontexte entstehen, gegen die kann sich quasi weder regisseur, noch acteur usw wehren  - leider hat das dieses schwer entsagbare charisma, wenn mir jemand auf elegante weise den kopf öffnet, dass ich den groupiweise anhimmle. Was macht pollesch in dem fall? Man findet den wie‘n gott mit zahnzange (ärzte sind auch götter. Denen sag ich das auch, wenn die mich von schmerzen befreien)
@162: Verkauft pollesch seine stücke? Ich hab nur eins gefunden und das ist schon ewig alt. Internet war da thema. Ich will ein neues kaufen. Wo hast du die denn gesehen?
@165 das ist hirnwohl: konfirmität. Dualität. Ich empfinde die gegenwart ist darauf bedacht, individual zu verfeinern. Den unterschied zwischen hetero und intersexuell, homoseuell ins gesetz zu fügen – die arbeit daran setzt sich in gang. Das konfirm-dings schießt darüber hinweg. Ist schneller als die entwicklung mit den gesetzen. Funktioniert im moment nur theoretisch. Nenn mir ein beispiel, wo das außerhalb von polleschs arbeiten keine theorie bildet.
Ich frage Rosa L. und die neugierigen anderen: was ist wenn man alle grenzen sprengt. Chaos? Ist in polleschs aufführungen chaos? Geordnetes chaos? Es sind gedankenströme. Und ich hefte meine eigenen gedanken dazwischen. ich kann abschweifen wann u wie lange ich will. Das ist der moment, der mir gehört, wenn ich mit meinem Blick dem Hinrichs seine Luftballons verfolge. UND trotzdem: dieses guruhafte. Pollesch ist ein guru. Ein guru in gelben reklamheften der zukunft? Das guruding funktioniert, wenn ich ja sage: „ja zu dem gedankensurf auf meiner welle in kombi mit polleschthoughts“. Wie komm ich weg von dem guru! Ich will konfirm sein, ne struktur. Ich kann ja ohne den boden unter meinen füßen nicht laufen und ein vogel kann ja ohne luftwiderstand nicht fliegen. Was ist schweben? Treiben? Das ist ja bei pollesch nicht: schweben. Es ist nicht egal, was da vorn passiert. Nicht willkürlich. Ist pollesch eine struktur?
pink lara , 05. Februar 2010 - 19:53 Uhr
168. klassischer Pollesch: die Funktion Autor
"Die Funktion Autor ist [..] charakteristisch für Existenz-, Verbreitungs- und Funktionsweise bestimmter Diskurse in einer Gesellschaft."
pink lara , 05. Februar 2010 - 20:18 Uhr
169. Pollesch: mit Sicherheit keine Tapetenstruktur
@ pink lara: Es geht meines Erachtens schon um diese klassischen Reclamhefte, die Klassiker als sogenanntes "deutsches Bildungsgut", die ja im Grunde jeder noch aus der Deutschstunde in der Schule kennt. Dass die hier in die Luft geworfen werden, habe ich zunächst mal so "gelesen", dass man den Apfel der Erkenntnis manchmal auch einfach auf den Boden fallen lassen muss. Denn zu viel Erkenntnis verdirbt die Lust am Leben. Und neben Benn taucht ja übrigens auch der Stücktitel "Iphigenie" auf. Oh Gott, und was hat diese von Goethe entworfene Frauenfigur jetzt eigentlich mit meinem Leben zu tun? Vielleicht geht das momentan voll an mir vorbei, vielleicht funktioniert dieser kantsche Imperativ eben doch nur in der Theorie. Es gibt nämlich Situationen, da will ich mich gar nicht im Gleichgewicht zwischen Gefühl und Verstand bewegen. Da gehts vielleicht die ganze Zeit nur um so widerlich unaufgeklärte Gefühle wie Rache.
Zum Thema individuelle Identität als Konf-o-rmität, nicht Konf-i-rmität: Damit war gemeint, dass du dich gar nicht ausserhalb von diskursiven Codes und Markierungen bewegen, aber situativ damit spielen kannst. Wer von einer unverrückbaren Identität ausgeht, der verhält sich insofern konform, als dass er meint, sich in jeder Situation gleich verhalten zu können. Aber stimmt denn das?
Und ich würde auch nicht davon ausgehen, dass Pollesch das reine Chaos ist. Denn dann könntest du das gar nicht mehr als Chaos identifizieren, wenn sich das Chaos nicht von einer symbolisch konstruierten Realität bzw. Ordung der Dinge abheben würde. Zitat Agamben: "Die Norm wendet sich auf die Ausnahme an, indem sie sich von ihr abwendet, sich von ihr zurückzieht. Der Ausnahmezustand ist also nicht das der Ordnung vorausgehende Chaos, sondern die Situation, die aus ihrer Aufhebung hervorgeht."
Schließlich, ob Pollesch eine Struktur ist? Klar, irgendwie strukturiert muss der wohl sein, sonst könnte er nicht schreiben. Aber mit Sicherheit ist der keine Tapetenstruktur.
Rosa L. , 06. Februar 2010 - 03:57 Uhr
170. Pollesch: Erleichtern Sie sich!
"Unverrückbare Identität": Nennen Sie Roß und Reiter, Rosa L., was soll das sein ?, wer soll das jemals (in der Philosophie) so vertreten haben ??, daß dieser Jemand folgerichtig gemeint haben
müßte "Ich kann mich in jeder Situation gleich verhalten". Wie baut sich bei einem solchen Philosophen "Situation" überhaupt auf ?, was ist da in etwa der Sinn eines Gleichverhaltens, wenn es doch läuft und läuft und läuft ??, oder wie sonst das verstehen ???
Ich bin dann für Sie vermutlich immerhin auch kein "Chaos" mehr, welch eine Erkenntnis, dazu müssen Sie "Iphigenie" nicht knicken, da ist schon "Mila Superstar" weiter: Pollesch, kein Chaos: Bravo !! Ich war nämlich auch schon auf dem Level eines Ausnahmezustandes, wenngleich des "stupiden", was für ein vorausgehendes Chaos spricht, dessen Auflösung gewissermaßen das Stupide begünstigt hat irgendwie, oder ??
Der Begriff "Funktion" und "Kantscher Imperativ" spricht Bände über das, was Sie so an Textzurichtung zustande bringen,
nahezu unausgesetzt. Das Einzige, was Sie zunächst vor bösen Überraschungen an "Leseerkenntnis" schützt, ist, daß sich hier ganz zu Recht keiner hergibt, Ihnen kostenlos die nötigen Kapitel Philosophie zu lehren. Also: Diskursen Sie munter weiter drauflos, fahren Sie nach Weimar, besuchen Sie meinethalben Buchenwald, da Sie Auschwitz ja so inflationär gebrauchen (!!), stellen Sie sich vor die SS-Reithalle und erleichtern Sie sich sprachlich: Alles nur Konstruktion. Amen..
Arkadij Horbowsky , 06. Februar 2010 - 12:30 Uhr
171. neuer Pollesch: was Mädchen mögen
richtig geraten, bin ein Mädchen, fall auch gerne rein auf Nettigkeiten. Liebe bärtige Philosophen und weintrinkende Raucher. Wenn dann noch etwas Kaffeeduft hinzukommt, Jazz und Gequatsche, herrlich.
Colli , 06. Februar 2010 - 14:46 Uhr
172. neuer Pollesch: illusionslos auf Geschichte blicken
@ Arkadij Horbowsky: Was genau ist eigentlich ihr Problem? Wollen Sie nun fordern, dass ich aufhöre zu träumen, nur weil es Auschwitz gegeben hat? Sind Sie derjenige, welcher Menschen foltert, damit sie am eigenen Körper erfahren, was es bedeutet, zwischen Leben und Tod dahinzusiechen? Wie grausam ist das denn?
Ich sehe mich als Vertreterin der "Dritten Generation" (schauen Sie sich dazu die unbedingt sehenswerte Produktion an der Schaubühne an!), das heisst, ich blicke mit Schrecken auf das unfassbare Verbrechen des Holocausts, aber ich möchte doch weiterleben können und nicht an der Trauer über die ungelösten Fragen, was Menschen (ja. genau. bis heute!) Menschen antun können, zu Grunde gehen. Fragen, die sich damit beschäftigen, was passiert, wenn das Denken nicht mehr mit dem Handeln verbunden wird. Was passiert, wenn die Tötung von Menschen plötzlich in einer mechanischen Rationalität vollzogen wird, welche das Ideal der Aufklärung im Sinne eines linearen Fortschrittsgedankens ins Gegenteil verkehren muss.
Aber wir können nicht auf ewig Grenzen der Schuld ziehen, wir müssen weitermachen, auch wenn es schmerzt. Der Holocaust wird nicht weitervererbt, jede Generation muss sich dazu neu ins Verhältnis setzen. Und dabei geht es nicht um vermeintlich allgemeingültige moralische Fragen, sondern darum, die Fähigkeit zum Handeln aufrechtzuerhalten. Die Identifikation mit den Toten der Vergangenheit darf nach Peter Weiss' "Ästhetik des Widerstands" nicht zu einer emotionalen Lähmung führen. Stattdessen kann eine illusionslose Klarsicht über die geschichtlichen Ereignisse im Sinne einer reflexiv-wieder-holenden Vergegenwärtigung die Möglichkeit zu einer schöpferisch tätigen Neugestaltung einer politischen Gemeinschaft eröffnen. Über das Spiel kann gerade die Fixierung auf den ewigen Opfer- bzw. Täterstatus der nachfolgenden Generationen produktiv hinterfragt werden. Indem man den Zuschauern immer nur ein schlechtes Gewissen bereitet, verhindert man dagegen meines Erachtens gerade den Denkprozess und damit eine differenziertere Auseinandersetzung mit dem Thema des Holocausts.
Schließlich, es geht nicht darum, jemanden etwas zu lehren, sondern Denkprozesse in Gang zu setzen, nochmal: das eigenständige Denken zu ermöglichen. Schüler, die sich nicht gemeint fühlen, weil sie immer nur das lernen sollen, was Andere wollen, geraten bisweilen in paradoxe Ausnahmezustände, welche die erzwungenen Wahl rächen sollen. Mein Rachegefühl dagegen speist sich aus ungeklärten Fragen bezüglich einer ganz bestimmten konkreten Situation, nicht aus vermeintlich universellen Schuldzuschreibungen.
Rosa L. , 06. Februar 2010 - 14:56 Uhr
173. neuer Pollesch: die bärtigen Philosophen
@ colli: Das ist ja nun sehr vage formuliert. Meinst du mit "bärtige Philosophen" Karl Marx oder Slavoj Zizek? Und wenn ich "weintrinkende Raucher" höre, dann muss ich blöderweise an Helmut Schmidt denken. Und zugleich an Frank Walter Steinmeier (+ Schlingensief) und Sigmar (nicht Gunter) Gabriel. Tja ja.
Rosa L. , 06. Februar 2010 - 20:09 Uhr
174. Neuer Pollesch: philosophisch verengt
@ Rosa L.

Liegt mir kaum etwas ferner, als auf nachtkritik de. in irgendeiner Weise irgendetwas zu fordern: ich habe nichts zu fordern, das ist mir sonnenklar; und selbst wenn ich etwas zu fordern hätte, dann wäre das ganz sicher nicht die Aufgabe des Träumens/von Träumen. Und es ist für mich zweierlei bedenklich: die Verlinkung quasi von "Traum und Geben/Nehmen" sowie das Fürchterliche, das tatsächlich mit dem einhergeht, was einander Menschen recht unausgesetzt bis heute antun, daß ich noch nicht einmal abwehren kann, daß "man" einander sogar die Träume nehmen kann, indem "man" irgendwie einander zynisch getönt ein Stück weit "Leben" läßt.
Freilich sind die Alltagssituationen zum Glück gewohnheitsfähiger, wenngleich so komplex, daß auf philosophische Zitate in einem Internetchat nur schwerlich adäquat zu reagieren ist, wenn "man" sie mindestens für revisionsbedürftig hält -wie es mir bei Ihren Posts, ... die ich begrüße, selbst wenn ich sie meist nicht recht gut verstehe, und sie mich schon aus "unserer" gemeinsamen Ferne so wenig "mögen", geht-. Mit Beliebigkeit und der Reflexion über "Unsinn" (siehe Hitlerine-Chat) kann ich umgehen bzw. sogar mir dazu das eine oder andere denken, entwickeln, so wie Kunst "ganz allgemein öffnend" wirkt; ich mag allerdings eine gehörige Schwäche haben, dergleichen gleichmütiger aufzu-
fassen, wenn ich den Eindruck nicht mehr abwehren kann, daß hier mit einem konkreten, lehrhaften Anspruch an mich herangetreten wird, irgendwie sogar aus so einer Art "höherer Warte".
Diesen Eindruck machen viele Ihrer Äußerungen, wobei meineserachtens der sachlich-fachliche Gehalt, zugegeben aus eher "philosphisch-verengter" Warte heraus (aber Sie zitieren vornehmlich Philosophen, aus der Philosophie, oder solche, die in einem "Grenzbereich" agieren, wo Soziologie, Psychologie,
Philosophie und Lebenswelt mitunter auf eigentümliche Weise zu halbwertzeitsgefährdeten Amalganen werden), nicht ganz
mithält, worauf Sie dann meist nur (!!) posten: Ist Ironie, Humor,
Schmerz, Leidenschaft, offene Kunstwelt !!
Das ist mir weder fremd noch unsympathisch, auch ist es im Grunde sogar recht schön, sich Wesen vorzustellen, die sich so fleißig umtun wie Sie es getan haben müssen und hoffentlich auch weiter tun werden: Ich denke, Sie üben letztlich nicht weniger als ich; und auf nachtkritik de. mehr als "Übungsfeld" als denn als "Erzengel-Schlachtfeld" werden selbst wir beide uns noch verständigen können, denke, hoffe ich.
Ich befragte im vorhergehenden Zug lediglich die von Ihnen gewählten Termini, so wie es im philosophischen Diskurs nicht unüblich ist. Ich kann mir zur dezentrierten Person so mancherlei denken, mich auf Rortys Kontingenzphilosohie beziehen; ich komme jedoch aus einer anderen Schule und glaube, daß auch einigermaßen gut begründen zu können bzw. begründet gefunden zu haben -siehe "Philosophie der Person"
von Dieter Sturma-. Bei Sturma stoße ich mich dann allerdings wieder am Konzept der moralischen Selbsterweiterungen, das recht eng mit jenem linearen Aufstiegsideal der Aufklärung
verknüpft ist: die moralischen Selbsterweiterungen sind in meiner persönlichen Sichtweise schon in ihrer Möglichkeit wirksam quasi im Schmitzschen Rahmen des Bewußtseins
als "instabiles Mannigfaltiges" und der damit einhergehenden
"Logik der unendlichen Unentscheidbarkeit". Sie könnten etwas vereinfacht meine Position auch so fassen: Wir wirken moralisch nur aufeinander: romantisch !!
Arkadij Horbowsky , 07. Februar 2010 - 13:42 Uhr
175. Neuer Pollesch: das Verstehen-Wollen kann scheitern
@ Arkadij Horbowsky: Zurück zum Thema, zu Polleschs "Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang!" Haben Sie diese Inszenierung eigentlich gesehen?
Wenn ja, dann frage ich Sie: Zeigt sich in diesem Internet-"Dialog" zwischen mir und Ihnen nicht unmittelbar, dass wir eben nicht von vornherein einen gemeinsamen Sinn teilen? Dass das Verstehen-Wollen des Anderen auch scheitern kann? Wie zum Beispiel kommen Sie auf diesen abstrusen Begriff des "Erzengel-Schlachtfelds"? Und wo genau sehen Sie die Romantik? Ich empfinde unseren Dialog jedenfalls mitnichten als romantisch. Eher unfreiwillig komisch.
Rosa L. , 07. Februar 2010 - 14:52 Uhr
176. Neuer Pollesch: ein Thread-Philosoph
@ Arkadij Horbowsky: Sie sind tatsächlich ein richtiger Philosoph. Wo publizieren Sie denn? Und: Worauf sind Sie denn eigentlich neidisch?
Ferdinand , 07. Februar 2010 - 20:03 Uhr
177. Neuer Pollesch: kein geteilter Sinn
Üben ! Frau L., ich verwandte den Begriff der Übung, auf den wir uns vielleicht einigen könnten. Mir ist genug vom Konzept der Inszenierung bekannt bzw. berichtet worden, um zumindestens einige Fragen stellen und zu gewissen Positionen Stellung beziehen zu können. Das "Erzengel-Schlachtfeld" bezieht sich auf befremdliche Erwartungshaltungen, welche gelegentlich einzelnen Inszenierungen und auch diesen Chat-Strängen entgegengebracht werden, so daß sogar in der eigentlich offensten und spielerischsten Form der Übung, über Theater zu sprechen, immer wieder recht feindselige Beiträge zu vernehmen sind, auch wenn freilich auch das gelegentlich übertrieben problematisiert wird : für mein Empfinden ! Wobei wir dann bei diesem wären: Ich sagte nicht, daß ich unseren "Dialog" für
romantisch halte, sondern umriß eine, nenne ich jetzt einmal so, weltanschauliche Haltung. Von einem generell von vornherein geteilten Sinn, wie immer Sie sich den auch denken mögen ..., war bei mir mitnichten die Rede, soweit ich sehe, eher nur bei Ihnen. Unfreiwillig komisch mag sein, aber auf ein beleidigendes Niveau werde ich mich durch Sie gewiß nicht begeben und wünsche fernerhin fortgesetzt alles Gute !!
Arkadij Horbowsky , 07. Februar 2010 - 20:08 Uhr
178. Neuer Pollesch: Üben à la Sloterdijk?
@ Arkadij Horbowsky: Ach so, Sie fokussieren auf das Üben! Es geht Ihnen also um Peter Sloterdijks "Du musst dein Leben ändern". Gut, obwohl auch ich in dieses Buch bereits hereingelesen habe, begegne ich Sloterdijks Thesen eher mit Skepsis. Zumindest seine aktuellen Einlassungen zu den "Zwangssteuern" sollte man mit Vorsicht genießen. Denn auch Sloterdijk ist ja nur über staatliche Transferleistungen (Bafög usw.) zu dem Philosophen geworden, der er jetzt ist. Insofern er also jetzt die Abschaffung der "Zwangssteuern" fordert, schneidet er sich im Grunde von seinen eigenen Wurzeln ab.
Und von welchen "befremdlichen Erwartungshaltungen" in Bezug auf Inszenierungen oder Threads sprechen Sie eigentlich? Sie bleiben da doch sehr abstrakt.
Schließlich, ich habe Ihren Kommentar tatsächlich so verstanden, dass Sie den "Dialog" zwischen mir und Ihnen als romantisch bezeichnen wollten. Wenn dem nicht so war, dann sind wir uns ja einig. Und diese Rede vom geteilten Sinn, die stammte ja ursprünglich von Pollesch, nochmal für alle: "Was für eine widerliche Kunstform der Geselligkeit, die glaubt, einen Sinn zu teilen!" Da Sie die Inszenierung nicht gesehen haben, haben Sie diese Anspielung möglicherweise nicht erkannt. Zudem empfinde ich es als paradox, dass Sie nun von "Romantik als Weltanschauung" sprechen. Ein solch universell-idealistisches Denken wird bei Pollesch doch gerade dekonstruiert. Na ja. Das Verstehen, das Verstehen.
Rosa L. , 07. Februar 2010 - 22:36 Uhr
179. Neuer Pollesch: Anschlag auf alles Gemeinschaftliche
so....
manchmal muß man sich auch in gefahr begeben um herausfinden zu können.

ich war heute abend nach längerer zeit mal wieder im theater und schaute diesen soloabend mit fabian hinrichs an.
ich las jetzt auch einige kritiken dazu... bei weitem nicht alle, aber viele. nur wenige kritiken diskutieren meiner meinung nach den tieferen sinn dieses abends. nämlich den zerfall der gemeinschaft. "es gibt keine gesellschaft, es gibt nur individuen"; das sagte einmal margaret thatcher, eine politikerin, die sich dem neoliberalismus verbunden fühlte. der schauspieler auf der bühne schien diesen satz 2 stunden lang jederzeit unterschreiben zu können. ich komme nur darauf, weil er sich einer gemeinsamen geschichte (oder noch schwammiger, einer gemeinsamen kultur) nicht zugehörig fühlen konnte... wollte. er stellte auch die abwesenheit von politik oder religion fest. unsere gefühle, die wir in einer gemeinschaft erfahren sind seiner ansicht nach nur noch nachgeahmte symbolische reflexe oder etwas ähnliches.... und spätestens an diesem punkt fühle ich mich doch etwas beleidigt. was ich fühle ist also.... ja auf jeden fall immer lächerlich, vor allem wenn es über meinen körper hinausgeht. sehnsucht nach etwas wie heimat, kulturelle heimat, früher mal empfunden in einem song wie yesterday, als ich zum ersten mal verliebt war...... laut diesem abend lächerlich, weil es in der deutschen übersetzung vorgesungen beim hiesigen publikum zu einer lachnummer verkam. sollte ich mich nun für meine gefühle schämen, mich für meine heimat schämen, mich für meine sehnsucht nach einer gemeinschaftlichen aktion schämen, die mich und viele andere aus meiner gefühlten einsamkeit befreit? am ende wurde mir nicht einmal mein applaus an den sich verausgabenden schauspieler gestattet, weil ich ihn, so war es gemeint, ja gar nicht meinte, sondern nur den akt an sich. das ist nicht schlecht gedacht. (traf bei mir vielleicht den falschen, weil, wenn ich fühle, fühl ich halt und da möchte ich mir nix einreden oder ausreden lassen). es fiel mir allerdings schon schwer genug jemanden zu applaudieren, der offensichtlich ent-täuschen wollte.

nur: warum diese enttäuschung, die letztendlich eine fortführung des neoliberalen mainstreams bedeutet ?
die negierung, ja gar verweigerung einer gemeinschaft, deren kitt aus geimeinsamen gefühlen besteht, gefühlen die hochkommen beim unkommentierten hören, lesen, sehen historischer texte, bücher, aufnahmen.... diese gefühle für null und nichtig zu erklären, das bedeutet gemeinschaftlichen kitt zu lösen und individualität zu erzwingen, die dem neoliberalen zeitgeist am meisten entspricht.
diesen abend verstand ich also am ende als anschlag auf alles gemeinschaftliche.... und somit war es kein abend der mich glücklich werden ließ oder gar lachen ließ. er war brutal und enttäuschend... nicht schön, sondern ernüchternd. es war nichts gut an diesem abend.... aber vielleicht nahm ichs auch einfach zu ernst.
Mittelmaß , 07. Februar 2010 - 23:24 Uhr
180. Neuer Pollesch: Mittelmaß-Verständnis
@ Mittelmaß: das verstehe ich sehr gut. @ r.l. nein, mehr die russische Richtung, oder auch… ja Whitman, - mucki wirkt leider nicht wie ein Bartträger, aber trotzdem nicht uninteressant.
colli , 08. Februar 2010 - 06:40 Uhr
181. Neuer Pollesch: Keine Gemeinschaft des Mittelmaßes
"Mittelmaß! Alle Sorgen schienen so weit weg von mir." Das ist aber eine schöne Version von "yesterday", liebes Mittelmaß! "Wenn ich fühle, fühl ich halt", ja, Herr Beamter! Sie haben schon recht, wenn Sie schreiben, Ihre "Enttäuschung ... (ist) letztendlich eine fortführung des neoliberalen mainstreams". Liebes Mittelmaß! Deine Gemeinschaft ist nicht unsere Gemeinschaft!
@ Mittelmaß , 08. Februar 2010 - 07:00 Uhr
182. Neuer Pollesch: Gleichgesinnung statt Gemeinschaft
Gemeinschaft? Ich lese aus Ihrer Abhandlung, daß Sie lediglich an einer Bande festhalten. An einer Bande Gleichgesinnter. Damit dürften Sie in dieser Gesellschaft (neoliberal!) keine Probleme haben.
@ Mittelmaß , 08. Februar 2010 - 07:49 Uhr
183. Neuer Pollesch: falsch verstanden
Ich denke Mittelmaß hat den Abend falsch verstanden, oder nicht falsch sondern einfach anders und das ist der Ansatz. Man kann es drehen wie man will, hier fühlt sich jeder bestätigt oder eben nicht. Entweder ich will interagieren oder ich will lieber delegieren an einen Pappkameraden auf der Bühne zum Beispiel, der mir mein Leben vorspielt mit allen Konsequenzen, also auch das nach Hause gehen mit dem eigenen Partner. Letztendlich aber braucht jeder Mensch ein Gegenüber, um sich mitzuteilen und sei es nur um Tischtennis zu spielen, ansonsten ist man als Individuum verloren. Der Verblendungszusammenhang besteht vielleicht darin, dass man das nicht auf Anhieb sieht und immer wieder in neue Fallen, die uns Fabian Hinrichs aufbaut, tappt. Es gibt jedenfalls viele Denkansätze und diese werden hier ja auch eifrig diskutiert, aber traurig hat mich der Abend nicht gemacht, das ist zu negativ gedacht.
Stefan , 08. Februar 2010 - 09:10 Uhr
184. neuer Pollesch: Spielen bedeutet Identitätsauflösung
mittelmass hat den abend genau richtig verstanden. pollesch betreibt und die folgt dem neoliberalen mainstream. darum ist er auch so beliebt bei bild etc. @rosa: wieso gehen sie im theater von einer unverrückbaren identität aus ? wo denn ? im theater , auch im konservativsten, sehen sie eine schauspielerin, einen schauspieler, der eine figur spielt und somit schon das konstrukt von identität auflöst. das ist der kern des spiels. anscheinend können sie realität von spiel nicht mehr unterscheiden. diese vorführung von entitäten, dieses interpassive (spiesser schreiben auch von katharsis), wenn sie so wollen, gibt es seit aischylos, calderon, shakespeare. se wollen hier ständig das rad neu erfinden und haben noch nicht mal den kreis begriffen.
aristoteles , 08. Februar 2010 - 10:25 Uhr
185. neuer Pollesch: weh, überall Neoliberale!
Lieber Aristoteles, beschäftigen Sie sich mal mit der Quadratur des Kreises und nicht mit Neoliberalität. Sie leiden doch verstärkt an Verfolgungswahn. Überall Neoliberale, jetzt auch schon im Theater. Sie sind Pollesch voll auf den Verblendungsleim gegangen.
Natürlich ist Theater in erster Linie interpassiv, aber durch die Reaktion die es beim Zuschauer auslöst, wird dieser zwangsweise aus seiner Passivität herausgerissen. Oder warum gehen Sie ins Theater, um sich bespaßen zu lassen? Dann reicht Fernsehen oder eben wichsen. Sie haben alles, was Fabian Hinrichs vorgeführt hat, wortwörtlich genommen, ohne zu reflektieren, also bleiben Sie passiv. Aber manchem muss man die Bücher schon direkt vor den Kopf werfen.
Was an Polleschs Theater neoliberal sein soll, müssen Sie erst noch erklären.
Stefan , 08. Februar 2010 - 11:28 Uhr
186. Neuer Pollesch: Gemeinschaft besteht nicht aus Gefühlen
@ Mittelmaß:
Für mich denken Sie hier nicht weit genug. Schon zu Beginn Ihres Kommentars beziehen Sie sich auf Thatchers neoliberales Diktum. Bloß, mit welcher Begründung gehen Sie davon aus, dass Pollesch das Individuum gegen die Gemeinschaft ausspielen will? Vielleicht kann man das ja auch so sehen, dass hier erst erprobt wird, inwiefern das Individuum auf den Dialog angewiesen ist, um sich selbst als Individuum wahrnehmen zu können. Gerade die Abwesenheit eines Dialogpartners auf der Bühne könnte ja auf mich als Zuschauerin als notwendige Dialogpartnerin verweisen. Nur, dass mir hier nichts vorgeführt, sondern demonstriert wird, dass das Theater im Grunde darüber funktioniert, dass jeder einzelne Zuschauer sich eine Gemeinschaft mit dem Akteur und/oder anderen Zuschauern imaginiert.
Die praktische Umsetzung schwebt dagegen nur als Möglichkeit im Raum. So stellt Hinrichs am Ende auch die Frage "Und jetzt?" oder auch "Was machen Sie jetzt?" Könnte das nicht heissen, dass das "mit den Händen denken" erst jetzt beginnen müsste? Dass die Herausforderung einer politischen Gemeinschaft erst jetzt, also nach dem Theaterabend, beginnen müsste?
Hier stellt sich die Frage, ob es eine politische Gemeinschaft von vornherein gibt, indem man sich auf eine abstrakte "gemeinsame Geschichte und Kultur" oder einen abstrakten "Heimat"-Begriff beruft. Entsteht eine Gemeinschaft dagegen nicht vielmehr allein über das wechselseitige Vertrauen, das heisst über den Prozess ihrer Herstellung?
Wenn Sie ent-täuscht sind (und ich würde sagen, nicht Hinrichs hat sie ent-täuscht, nein, Sie sind ent-täuscht), könnte das dann nicht heissen, dass Sie vom Theater etwas erwarten, was erst durch Sie mobilisiert werden kann? Kann es nicht sein, dass erst aus diesem Gefühl des Mangels heraus etwas entsteht? Sei es nun das Begehren des Anderen, das politische Handeln oder der religiösen Glaube. Wenn wir von der Idee her so tun, als sei das alles schon da, dann erst werden wir doch so richtig ent-täuscht, weil die Realität ausserhalb des Theaterraums ganz anders aussieht. Im "Tal der fliegenden Messer" heisst es dazu folgendermaßen:
"Die lieben sich doch alle, die Typen, die man eigentlich töten müsste, die lieben doch auch ihre Kinder und ihre Mütter. Das kann doch nicht im Ernst das sein, was uns alle verbindet, dieser Dreck. Die Mutterliebe kann doch nicht das sein, was uns verbindet, nein, die Arbeit, die schwer ist, unheimlich schwer!"
Das heisst, eine politische Gemeinschaft besteht nicht aus Gefühlen, wie Sie es so gern hätten. Nein, es geht nicht bloß um das Predigen des Humanismus, ohne die Strukturen zu verändern. Damit ist tatsächlich niemandem geholfen, ausser vielleicht irgendwelchen religiösen Sekten, die sich ausserhalb der Gesellschaft stehend wähnen. Wenn Sie diese Inszenierung als "Anschlag" aufs Gemeinschaftliche sehen, dann möchte ich Ihnen wie dem kleinen Kind sagen: Na, hör mal, das ist doch "nur" Kunst. Ist dagegen zum Beispiel die Nicht-Einführung einer Finanztransaktionssteuer nicht viel eher ein Anschlag auf das Gemeinschaftliche?

@ Stefan:
Ja. Das Tischtennisspielen ist ein gutes Beispiel. Da spielen Hinrichs und Minke sich die Bälle zu, ohne auch nur einen Ton zu sagen. Dadurch, dass Minke ein Richt-Mikrofon über den Kopf von Hinrichs hält, soll ein Kommentar von dessen Seite regelrecht provoziert/herausgefordert werden. Vielleicht ein Bild dafür, dass jeder einzelne Zuschauer auf dieselbe Weise herausgefordert wird - zum Mitdenken herausgefordert wird. Die Aktion kommt später oder gar nicht. Zum wiederholten Male zitiert: "Der Widerstand des Werkes ist nicht die Rettung der Politik durch die Kunst. Er ist nicht die Imitation oder Antizipation der Politik durch die Kunst. Er ist genau ihre Einheit. Die Kunst IST die Politik." (Jacques Rancière)
Rosa L. , 08. Februar 2010 - 12:09 Uhr
187. Neuer Pollesch: exzentrische Position
@ aristoteles: Ich gehe nicht von einer unverrückbaren Identität aus. Ich gehe nur davon aus, dass, wenn es diese schon in der Realität nicht gibt, ich das dann auch nicht im Theater behaupten kann. Zum Beispiel, dass Hamlet immer nur als blasses und verkopftes Muttersöhnchen dargestellt werden könnte. Es gibt keine originale Identität. Es geht für mich daher auch weniger um psychologische Einfühlung in eine Figur, als vielmehr darum, das eigene Selbst über das Spiel einer Figur erweitern zu können. Das ist die exzentrische Position.
Rosa L. , 08. Februar 2010 - 12:23 Uhr
188. reisender Pollesch: gestern im Hamburger Schauspielhaus
Rosa, weil sie grad den hamlet erwähnt haben (so'n zufall aber auch...) das tat der pollesch gestern beim theatergespräch im schauspielhaus hh auch. er sprach von hamlet als einer weißen männlichen hete, hat damit schon manche von den anwesenden schön vorn kopf gestoßen. war auch n´bisschen aggressiv den fragenden gegenüber, guckte auf sein handy, wollte nach einer stunde, dass es aufhört. hat vom erarbeiten der gemeinschaft gesprochen, von der anwesenheit der körper im raum, von was kann man teilen im theater, welche opposition kann theater sein, insel der freiheit, gibts die?, von der repression weg hin zur norm, das ist freiheit (thema von mädchen in uniform), selbstverwirklichung - wo bin ich wirklich ich?,disziplinierung ist heute selbstverwirklichung, abgefragt wird aber die individualisierung (der kellner mit nem piercing wird eher genommen, als der ohne), das vehikel boulevard benutzen, um das theater zu bedienen, reale ebene, meta ebene, revolutionen müssen mit parodie beginnen, der zuschauer möge ein dialektischer sein... man merkte, wie das in seinem kopf arbeitete, und er sich auch jede frage von der kleinen frau da neben ihm gemerkt hatte, aber die konnte nicht so auf seine schiene aufspringen, war n bisschen überfordert. die muttis an den tischen flüsterten was von macho und einer, der immer stand, hat versucht, ihm in die karre zu fahren, hat sich dann aber doch nicht so getraut.dann wurde er noch gefragt, wie die proben so liefen, und obs da streit gäbe, da ist er dann doch n bisschen wütend geworden. War aber alles in allem ne prima ich zitier ihn "lockerungsübung für eingefahrene denkmuster". Rosa - kommen sie zur premiere??
Peter Pan , 08. Februar 2010 - 14:41 Uhr
189. Neuer Pollesch: Nichts Gutes, außer man tut es
@ Ferdinand

Sehr geehrter Herr Ferdinand, sie fragten nach meinem "Status" als Philosoph. Richtig ist, daß ich diesen Studiengang belegt habe; ob ich dadurch automatisch als Philosoph angesprochen werden müßte, treibt mich zwar nicht so sehr um, aber das gilt gemeinhin als strittig: Irgendwie ist der Arzt oder Volljurist zumeist irgendwie anders Arzt oder Volljurist als der Philophieabsolvent dann Philosph wäre, vielleicht ahnen Sie, worauf ich hier hindeute. Ich publiziere auch nicht als Philosoph oder philosophischer Kommentator etc., ich habe noch nicht einmal einen Publikationsversuch unternommen, sondern "wirke" beruflich recht fernab meiner universitären Ausbildung als Sortierer in einem Briefzentrum der Deutschen Post AG.
Ich bin in den Genuß verschiedener philosophischer Lehrer sowohl in Deutschland als auch in Bulgarien gekommen: Zu ihnen zählen Wolfgang Kersting, Dieter Sturma, Ingolf Ebel, Triphon Szilianowsky und mein Onkel Alexander Horbowsky, der allerdings ein philosphisch interessierter Konzertpianist war.
Mein Schwerpunkt war auch weniger die in diesem Thread zitierte "Philosophie der Person" als vielmehr die russische Religionsphilosophie in der "Dostojewskijfolgezeit": das bezieht sich auf N. Berdjajew, V. Nesmelow, L. P. Karsavin, um nur drei hinauszugreifen. Ich bin nicht neidisch: auf wen und warum auch, wie kommen Sie darauf, würde mich ernsthaft interessieren ???

@ Rosa L.

Sie lesen halt irgendwie anders, ich kann mir das wirklich ganz schwer zusammenreimen. Jetzt schieben Sie mir, auch vollkommen undeutlich, warum ?, den Sloterdijk unter, mit dem ick nischt am Hut hab, janz ehrlick !
Und wieder das bekannte Phänomen: "Romantik als Weltanschauung" - Sie richten zu: Es gäbe zwar keinen Grund, von einer solchen Anschauung, wenn man sie hätte, runterzugehen, nur weil Rene Pollesch sie an einem Theaterabend angeblich wirksam und überzeugend dekonstruiert hätte, nur sprach ich halt von einer weltanschaulichen Haltung, bei der wir moralisch auf andere Personen lediglich in einen "offenen Raum" hinein wirken können, moralisch nur "romantisch" wirken können, schon garnicht zwingend, ... wobei mein Fokus hier vor allem das Sprachliche berührte (und eben das Sturma-Thema der moralischen Selbsterweiterungen, denen ich mit Skepsis begegne !, da dürfte ich Rene Pollesch aber im Grunde wieder näher sein, als Sie, Rosa L., es vermuten, wenngleich die Skepsis Rene Polleschs offenbar weiter geht als meine ...), denn es gibt zu der angedeuteten "romantisch-moralischen" Konvergenz (Begegnungen/Vereinigungen !!) freilich noch das Gegenstück aus Handlungen heraus, die gewissermaßen unser moralisches Selbstverständnis erschüttert, was dann eher in die Richtung von Erich Kästner geht: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es !
Arkadij Horbowsky , 08. Februar 2010 - 15:17 Uhr
190. immergrüner Pollesch: Gurusprech
@peter:das sind doch die immergleichen pollesch floskeln. die erzählt er immer und jedem. gurusprech, nlp shit.
never trust a guru , 08. Februar 2010 - 15:48 Uhr
191. Neuer Pollesch: Kulturmüll vor allen Ausgängen
auch dem Rene geht es um Gemeinschaft und immer wieder Hamlet, das ist seine Obsession und das ist schön so, dieses negative sich abarbeiten, denn es wirkt ja glücklicherweise zurück. Es läßt sich auch sehen, dass es nirgendwo einen Ausgang zur ganz anderen Seite, der nicht mit dem anderen Kulturmüll vernetzt wäre, gibt. Aber die süße Lust der Eigenständigkeit hat was für sich, und die gibt's, auch wenn sie neoliberal geschimpft wird.
colli , 08. Februar 2010 - 20:55 Uhr
192. Neuer Pollesch: Haltung finden
@rosa
jaja... nach weiterem nachdenken kam ich schließlich auch dazu... dass eben erstmal etwas geschaffen wird, was uns erstmal nicht verbindet. das sagte ja hinrichs auch zu beginn.

ich muss schon zugeben, soetwas noch nie gesehen zu haben. und weiß bis heute nicht, ob es mir gefallen hat oder nicht.
ich glaube, das wäre zu trivial... dieser abend ist nicht so einfach verpackbar. er brachte mich auf jeden fall zum nachdenken. er provozierte ja eine oppositionelle haltung, die eben darauf hinausläuft sich zu finden.
mittelmaß , 08. Februar 2010 - 22:00 Uhr
193. Neuer Pollesch: Foucault und der Beichtzwang
@Peter Pan: Ja. Genau. Ich bin Hamlet.
Ausserdem hab ich mich gefragt, ob man Hamlet gegenüber der vergeistigten Intellektuellen-Version nicht auch mal als einen sich körperlich Verschwendenden im Sinne von Slavoj Zizeks "Liebe dein Symptom wie dich selbst!" darstellen könnte.
Und weil es mit Pollesch ja nicht um Liebe, sondern um Geld geht: Wenn Sie mir die Zug- und Theaterkarte spendieren, dann komm ich natürlich immer gern nach Hamburg! "Mädchen in Uniform", das erinnert mich übrigens sofort an dieses Video vom "alten litauischen Regieassistenten im grauen Kittel", der nichts ausdrückt, weil es nicht um Selbstverwirklichung geht, sondern ums Dienen. Und das ist vielleicht die Freiheit: Liebe ist nur was für Dienstboten. Gibts hier irgendwo Torte? Aber bitte mit dialektischer Sahne. Weiterhin denk ich da gleich an Foucault und den Beichtzwang der katholischen Kirche (siehe Canisius-Kolleg): "Die modernen Gesellschaften zeichnen sich nicht dadurch aus, daß sie den Sex ins Dunkel verbannen, sondern daß sie unablässig von ihm sprechen und ihn als DAS Geheimnis geltend machen." Wie pervers ist das denn?
Rosa L. , 08. Februar 2010 - 23:29 Uhr
194. neuer Pollesch: Ausführungen, total fremd
@ Arkadij Horbwosky: Sie müssen nicht genau wie Pollesch denken. Das tue ich auch nicht. Es gibt keinen geteilten Sinn. Sowieso würde es total uninteressant werden, wenn sich alle immer nur einig wären.
Zudem tut es mir wirklich Leid, aber anders als bei Polleschs Texten bleiben mir Ihre Ausführungen weiterhin leider total fremd. Umgekehrt geht es Ihnen ja genauso. Da ist nicht viel mit Romantik. Offener Raum hin oder her. Und auf diese komische Form der Romantik als Exorzismus des Kapitalismus steh ich nicht. Die Kraft Jesu bezwingt mich nicht!
Rosa L. , 08. Februar 2010 - 23:48 Uhr
195. neuer Pollesch: lieb haben
Ach, liebes Mittelmaß, warum werden Sie denn jetzt plötzlich so geheimnisvoll abstrakt? Ja. Genau. Und das ist ja auch das Problem, dass wir hier immer davon ausgehen, dass wir uns alle lieb haben. Aber "Das hier ist nun mal ein Nachtclub mit Kontakten zur Mafia und so. Das geht auch alles zu regeln, ohne zu beschließen, gute Menschen zu sein, es gibt auch einen Sozialismus jenseits seiner sentimentalen Sorte." (Pollesch, "Tal der fliegenden Messer")
Rosa L. , 09. Februar 2010 - 11:05 Uhr
196. neuer Pollesch: lebendiges Kapital Hund
@ Rosa: theaterkarte ja, zugkarte nur unter der bedingung einer gemeinsamen nacht. sie hamlet ich klein a mit dem versprechen, sie werden als mädchen ohne uniform erwachen und ihre heimreise antreten. torte mit eben dieser schlagsahne gibts gratis dazu.
@ never trust a guru: ich vergaß 'donna haraway', die r.p. mehrmals erwähnte. mein vorschlag, als premierengeschenk ein hündchen als mehrwert und lebendiges kapital zum kosen und lieb haben, es wird ihm gut tun und er kann damit an alster und spree spazieren gehen, die denkerstirn auslüften, statt auf zerschlissenen theatersofas zu sitzen.
Peter Pan , 09. Februar 2010 - 13:22 Uhr
197. neuer Pollesch: Doubletalk im Praxistest
Rosa!
Fällt Ihnen das wirklich nicht auf, was da tagein, tagaus an Forderungshaltungen ganz und gar körperlich und ziemlich verroht, Pose und Haltung einnehmend, wie dem verhaltenspsychologischen Almanach entlehnt,
landauf, landab als Bürgerin oder Bürger so durch
die Straßen zieht? Sind Sie so selten auf Bürgersteigen??
Aber Sie sind ganz unzweifelhaft häufig in der Kastanienallee, bin ich auch, dann, wenn ich mal in Berlin weile, und noch unzweifelhafter hier in den Threads !!
Nun gut, und da ist Ihnen zum Beispiel das mit dem
"Khoun-Bashing" nicht aufgefallen: Forderungshaltungen
pur, und Ihnen ist das nämliche Gerede zum BE nicht
aufgefallen: Forderungshaltungen pur; und so geht es zumeist mit Bochum, mit Leipzig.
Forderungshaltungen aber schon dort, wo der eine vom anderen Teilnehmer z.B. Kürze und Fokus einfordert, Ärgeres als nur Forderung, wenn offen beleidigt wird (wie Sie das oben getan haben, wie auch Sebi und Michal Zyk es in anderen Threads getan
haben..., um dann unterzutauchen !!), wenn schmutzige Wäsche gewaschen wird, was Sie hier bedauerlicherweise auch schon taten.
Richtig, das ist nicht romantisch, Rosa L., da stimme ich doch voll zu!
"Exorzismus des Kapitalismus": konstruieren Sie, warum muß meine Haltung hier zu einer Position gestutzt werden, von der Sie ja andererseits behaupten, Sie nicht zu verstehen, die dann ganz eindeutig in das mündet, was Sie jetzt "Exorzismus des Kapitalismus"
nennen.
Nehmen Sie Erich Mielkes Ausruf: "Ich liebe Euch doch
alle, alle Menschen": Da sage ich mir auch irgendwie,
"Liebe ist kälter als das Kapital", aber hiernach gehe ich dann dieser "Liebe" nach: wie verwickelt der "Doubletalk" so ausfallen kann, linke Hand dreht Wagner ein bißchen leiser, rechte Hand signalisiert: Erschieße! Das ist jedoch bei weitem komplexer, als dieses ständige Gekreise um Repräsentation, Neoliberalismus, Kapital, "Dritten Weg": Pollesch tut einiges, und er tut es wirksam: dennoch geht der Effekt kaum weiter als jene "Beunruhigung" z.B. durch
Mielke. Und so eine "Beunruhigung", aber eben nicht
nur die, liefert z.B. auch "Heimkehrer/Heimwerker" in Weimar: Schauspieler spielen da nämlich auch, gerade eingedenk des großen Abstandes zu Personen wie Johannes R. Becher; SchauspielerInnen und Schauspieler besinnen sich auf genuine Theatermittel: dagegen sind die meisten Pollesch-Produktionen dann doch wieder eher blutleer, wobei sie eine große Leichtigkeit ausstrahlen können wie "Tod eines Praktikanten" , atmossphärisch ungeheuer dicht und stark sein wie eben in "Im Tal der fliegenden Messer", einem durch und durch phantastisch durchkomponierten Abend (und natürlich weiß ich, wieviel Können dazugehört, gerade diese ganzen Pollesch-Texte so zu platzieren, wie es die Pollesch-SpielerInnen und Spieler
großartig beherrschen,...sind in konventionelleren Produktionen wie Bondys "Zofen" dann ja auch wieder
sehr gute SpielerInnen, da Frau Rois und Frau Peters).
Arkadij Horbowsky , 09. Februar 2010 - 13:25 Uhr
198. neuer Pollesch: Angebot angenommen
@ Peter Pan: Boah, das verschlägt mir jetzt irgendwie echt die Sprache. Was für ein Angebot, meinen Sie das wirklich ernst?! Wenn ich bloß wüsste, wer Sie sind. Aber ja, ich nehme das Angebot gern an, wer könnte dazu schon nein sagen? Wie erkenne ich Sie?
@ Arkadij Horbowsky: Ich versteh Sie einfach nicht! Natürlich empfinde ich ein argumentfreies Bashing neuer oder uralter Intendanzen und/oder einzelner Produktionen ebenfalls als unangemessen. Aber warum hängen Sie sich da denn jetzt so rein?
Rosa L. , 09. Februar 2010 - 14:54 Uhr
199. neuer Pollesch: Peter Pans an der Backe
also rosa! dann haben sie peter pans konsensfähiges gefasel an der backe. einen ganzen abend lang! ein erotomane ohne eines einzigen gedankens fähig. wollen Sie das?
@ rosa , 09. Februar 2010 - 15:52 Uhr
200. neuer Pollesch: Nummer 200
ich wollte nur sagen: 200!
green door , 09. Februar 2010 - 15:52 Uhr
201. neuer Pollesch: große Würfe
Liebe Rosa !
Ich nannte die Beispiele, die in Richtung "Geplärre nach großen Würfen" gehen (Stichwort: Erwartungshaltung) einerseits, weil Sie in §178 ausdrücklich danach fragten, andererseits habe ich im Thread zu Kimmigs "Kabale und Liebe" noch einige Sätze zum sogenannten "Khoun-Bashing" fallengelassen, obschon das mißlicherweise wieder einmal in einem Thread zu einer Aufführung geschah, die ich noch nicht sah: sehe die möglicherweise im April, wenn ich nach Berlin komme. Ich nehme dort auch einen Bezug auf Sie und diesen Thread, und es ist ja nur fair, das zu erwähnen: allerdings, auch ich stelle Ihnen nicht nach ... und werde mich vermutlich mit Ihren Aussagen erst wieder zu "Mädchen in Uniform" auseinandersetzen, eine Inszenierung, die dann quasi vor meiner Haustür stattfinden wird, Premiere: 25.2. (da bin ich allerdings in Chemnitz ..., was Sie kaum interessieren dürfte,
Wo wir dann doch einmal eines Sinnes ..., aber: egal), kann die dann z.B. mit der Kieler Inszenierung von "Kabale und Liebe" vergleichen, die ich sah (es gab in Kiel sogar zwei Inszenierungen, parallel zueinander, die andere im Sechseckbau, dem Kieler Studententheater,
beide setzten so ganz auf Liebe, die Kabale war einge-
dampft). Noch schönes Diskursen in den Artikeln 200plus ... !
Arkadij Horbowsky , 09. Februar 2010 - 15:57 Uhr
202. neuer Pollesch: was heißt hier verroht?
@178: vielleicht haben die Eltern Sloterdijks haben sein Studium finanziert? wie kann man wissen, ob er Bafög bezog? vielleicht hat der sich seine moneten auch nachts verdient. (...) wer weiß das denn schon so genau?

@ Arkadij Horbowsky: was meinen Sie mit "verrohter" Forderungshaltungen? was verroht denn Ihrer Meinung nach auf den Straßen als Bürgerin und Bürger? die kastanienallee hat diese Repräsentanten von "Verrohung" nicht zu bieten?
wie kommen Sie darauf, dass pollesch komponiert? das ist doch das einlinken, von dem hier mal die rede war. da ist doch nichts hermetisch.
pink lara , 09. Februar 2010 - 18:14 Uhr
203. Neuer Pollesch: kaufen und über Gekauftes reden
@ 202

Vollkommen richtig meineserachtens, Pink Lara, eigentlich steht der Begriff der Komposition eher im Widerspruch zu dem Konzept, das ich bei Pollesch zu finden vermeine, und dennoch sehe ich gerade auch hierin einen Teil seiner Kunst, daß das speziell im "Tal der fliegenden Messer" so maßvoll, so lebendig, so voller Zirkusgeruch geradezu vor sich geht, maßvoll, musikalisch: komponiert, sehe also einen Teil seiner Kunst tatsächlich gerade darin, irgendwie aus freien Stücken gegen das Konzept an zu spielen, an spielen zu lassen (!), eine Regiearbeit, die Bewegliches birgt !
Dies voran. Auch richtig, nicht nur meines Erachtens: Mein Geld verdiene ich in der Nacht:"Nachtschicht" heißt soetwas !
Staatliche Studienhilfen ? Nie erhalten. Von Sloterdijk ??
Wenn ja, dann ohne mein Wissen und ohne mein willentliches Zutun (beispielsweise qua auffallend häufiger Nennung seines
Namens ...).
Beispiele für das, was ich "Verrohung" nenne, gibt es in jeder Stadt, die ich kenne, zuhauf: Ich will da nicht auf Rosa Ls.
Beleidigungen und das Schmutzigewäschewaschen herumreiten, aber die gehören freilich auch dahin: Cool sein, einschüchtern, keine Blöße geben, drängeln, im Weg stehen, schneiden, auf der falschen Gehwegseite entgegenkommen,
Zuschnellfahren als Kavaliersdelikt, Schwarzarbeit, quängeln, fordern, beleidigte Leberwurst sein, austeilen und nicht einstecken können, Steuern hinterziehen, sich ärmer reden als man ist, aber drei Videorecorder, fünf Handyverträge ..., fehlender Blick für Situationen, in denen Hilfe zu leisten wäre oder etwas gesagt werden müßte (zB. wenn ein Busfahrer so anfährt, das einem die älteren Herrschaften, denen man keinen Platz angeboten hat, zumal ja die Musik laut läuft auf den Ohren, in die Arme segeln ...: und warum stehen solche älteren Herrschaften oftmals zu früh im Bus auf, naja, weil da dann die Leutchen einsteigen, bevor sie aussteigen lassen haben; das mag dann recht "irrational" von solch älteren Herrschaften sein, produziert hat das jene Verrohung und hat in Einzelfällen, die Sie möglicherweise nicht interessieren, fatale Folgen ..., habe
solch Anfahren ja schon erlebt direkt vor einer Kieler Privatklinik, da waren die Personen noch nicht einmal richtig eingestiegen:
Als ich nach vorne ging, dem Busfahrer meine Meinung zu sagen, Gestöhne aus dem "Passantenraum", so sieht es hier-
zulande überwiegend aus, und ich würde liebend gerne andere Erfahrungen gemacht haben, aber das ist für mich nun einmal der Stand der Dinge, und so ein "Totenkult" in Hannover paßt
da ganz genau ins Bild...; ich schätze es schon so ein, die Leute schüchtern einander immer mehr ein, sie kaufen und reden über Gekauftes, andere Gegenstände sind selten und durchaus erfreulich zumeist), auch am Arbeitsplatz: Mäuschen spielen, beliebt sein, nett, lächeln, von Gewerkschaftsarbeit sprechen, den Kollegen die schwereren Arbeiten gewissermaßen zuschieben ... . Und die Politik: Stadttheater schließen !! Das ist beileibe mit "Neoliberalismus" meilenweit zu kurz gesprungen diagnostiziert. Andererseits: Es stimmt
schon, die Kastanienallee gefällt mir nicht übel, auch das kleine Kino, "Lichtblick" glaube ich, ein Zimmerkino, einfach großartig:
Sah bei meinem letzten Berlinaufenthalt dort Teile eines Bunuel-Schwerpunktes, im Prater "Tod eines Praktikanten", "Tal der fliegenden Messer", "Cinecitta aperta", und wäre gewiß nicht ein zweites oder drittes Mal zu Pollesch gegangen, wenn ich das so doof, so fürchterlich "neoliberal", aber auch wenn ich es so "unromantisch" gefunden hätte.
Arkadij Horbowsky , 09. Februar 2010 - 19:06 Uhr
204. Neuer Pollesch: allenthalben aufs Haupt
Liebe Pink Lara !

Sie bezogen sich oben natürlich auf Sloterdijk und seine Eltern und seine !! möglichen Nachtschichten ..., insofern habe ich da wirklich ein bißchen durcheinandergebracht, was mir übrigens leicht geschieht: Da ist schnell mal ein Relativsatz vergeigt oder ein k beim Namen verschluckt, ein Komma zuviel oder ein t: alles schon auf nachtkritik de.; und auch verlesen habe ich mich schon mehrere Male ! Ihr Einwand stimmt vollkommen,
bei mir zum Beispiel haben die Eltern sehr lange nachgeholfen, freilich eben die meinigen.
Daß in Deutschland sich die meisten Menschen für den Nabel der Welt halten, ja, den Eindruck habe ich, auch in der Kastanienallee ...; jedenfalls halten sie den Nabel vor !
Schon Dostojewskij hat das Prahlerische im Deutschland seiner Zeit deutlich hervorgehoben - keine Spur vom Begriff "Neoliberalismus" nebenbei, obschon dieser Einschub auch nichts Zwingendes sagt, denn wir haben einander als Menschen wohl auch schon länger als Personen geachtet und betrachtet und verstanden und behandelt als wir über einen Begriff "Person" gehaltvoll verfügen- und das gewissermaßen Doppelzüngige des praktizierten Protestantismus: Da heißt es
"Sola fide", und stolz rechnet man sich aufs Haupt: seine Arbeitsethik. Da andernorts der "Katholizismus" allenthalben aufs Haupt bekommt, sei hier "gerechtigkeitshalber" einmal die "zweite Kirche" bemüht.
Dieses "Prahlerische" und "Kampagnenhafte" kann dann wiederum anders beäugt werden, wenn unter dem "Deutschen Einigungsprozeß" ein weiterer historischer Rahmen aufgemacht
wird als üblich, wenn heute von "Einigungsprozeß" die Rede ist: Schiller mag ja gerade da laut sein, wo Tschechow eher leise ist, um nur ein Beispiel zu nennen, das in diese Spielzeit paßt, denn jedes Schillerjubiläum fällt in eine Spielzeit mit
jedem Tschechowjubiläum, und Schiller gehört ja bekanntlich auch zur ersten Lektüre Tschechows ..., aber als "Prahler"ist er ja auch nicht verworfen worden (bei Dostojewskij stand Schiller auch ganz vorne im "Leselehrplan" und oftmals wird geradezu von einer Person gesagt "Ein Schiller": was dann zwar zwiespältig ist, aber gewiß anders und eben gerechter als ein Prahlhansvorwurf ...)... . Entschuldigen Sie also bitte mein ungenaues Lesen !
Arkadij Horbowsky , 09. Februar 2010 - 20:00 Uhr
205. Neuer Pollesch: Wir sind im Cyberspace
@ 199.: Natürlich. Da steckt der Fehler. Denn wir befinden uns ja im Cyberspace, und da kann hinter Peter Pan eben auch ein erotomaner Greis von 70 Jahren stecken. I would prefer not to. Aber Sie wissen anscheinend, wer Peter Pan ist, mm?
Rosa L. , 09. Februar 2010 - 22:11 Uhr
206. Neuer Pollesch: Lies nach bei Jens Jessen
@ Arkadij Horbowsky: Meine Frage zielte eher darauf ab, inwiefern Sie mich mit dem "Geplärre nach großen Würfen" in Zusammenhang bringen. Meines Erachtens habe ich bisher nichts in der Art geäussert. Mich interessierte bloß, wie Sie auf dieses Thema der "Erwartungshaltung" kommen bzw. inwiefern Sie das mit dieser Pollesch-Inszenierung verbinden.
@ pink lara: Recherche. Laut Jens Jessens ZEIT-Artikel vom 24.1.2010 stammt Sloterdijk nach eigener Aussage aus "bescheidenen Verhältnissen". Daher schloss ich auf BAföG bzw. dessen Vorläufer. Siehe auch hier:
http://www.zeit.de/2010/04/Sozialstaat?page=1.
Rosa L. , 09. Februar 2010 - 22:51 Uhr
207. Neuer Pollesch: Wieso Mafiaclub?
@rosa L

Was war denn jetzt abstrakt an meiner aussage?
Warum dieser bemitleidende ton?
Wieso Mafiaclub?
Wovon reden sie eigentlich?!
Mittelmaß , 09. Februar 2010 - 23:01 Uhr
208. Neuer Pollesch: Kehrtwende bitte erklären
@ Mittelmaß: "er [der Pollesch-Abend] provozierte ja eine oppositionelle Haltung, die eben darauf hinausläuft sich zu finden". Das ist doch eine sehr abstrakte Formulierung, oder nicht? Was meinen Sie mit "oppositionelle Haltung" und "sich finden"? Und meinen Sie damit sich selbst? Führen Sie das doch bitte noch einmal aus, diese plötzliche Kehrtwende, nachdem Sie sich vorher so vehement gegen diesen "neoliberalen" Abend ausgesprochen haben. Wovon sind Sie denn jetzt überzeugt? Was ist denn jetzt Ihre Haltung?
Rosa L. , 10. Februar 2010 - 09:08 Uhr
209. neuer Pollesch: keine naturalistische Schlacke
ent-krampfen sie sich, 199! das klingt schwer nach eifersucht, eine naturalistische schlacke, die eher befremdlich wirkt in diesem kybernetischen raum. und was heißt für sie erotomane? fühlen sie einen mangel in dieser hinsicht und möchten von rosa erlöst werden? dann hängen sie sich doch l'origine du monde in die küche, das hat schon so manchem geholfen. @ rosa: nichts läge mir ferner als sie mit siebzigjährigem siechtum zu konfrontieren, schon mein name beweist ihnen das gegenteil. haben wir die zwei mauern des unmöglichem überwunden, werden wir uns erkennen - am rechten ort zur rechten zeit.
Peter Pan , 10. Februar 2010 - 13:48 Uhr
210. Neuer Pollesch: Vom schlechten Gewissen und der Moral
@ Rosa L. Oh! Vielen Dank schon wieder!, lieber Rosa L. ich habs nachgelesen.
Was ist das für eine Debatte, um Reich und Arm? Kann man das verstehen? Das Bild muss man sich komplexer und komplexer machen, auch auf der Basis vorangegangener Gedanken der anderen. Das hat jetzt nicht mehr mit Herrn Polleschs Stück zu tun, aber es gibt immer das Schimpfen auf die Reichen und auch Erfolg-reichen. Herr Sloterdijk wollte sich als unabhängiger Philosoph behaupten und ist in die Falle getappt, sich als Honk zu outen? Das ist vertrackt! Ich verstehe Herrn Sloterdijk nicht und auch mich selber nicht. Ich bin ja auch die Geizige, wenn ich zu faul bin, auf der Straße anzuhalten, und 50cent aus meiner Handtasche zu wühlen, noch dazu wenn mein Portmonnaie ganz unten davon liegt, um sie brav, und mit Mitleid in die offenen Hände eines Obdachlosen zu legen, dessen Kapital ja seine Demut auf der Straße ja ist. Das ist Faulheit. Irgend so einen Grund hat Herr Sloterdijk, um so peinlich öffentlich zu denken.ja.
Das ist doch von außen immer das, mit dem Finger auf einen zu zeigen, der gerade in seine eigene falle getappt ist. Aber man selber tappt ja in Fallen ständig!
Das schlechte Gewissen, und die Moral, die sind es möglicherweise, die auch hier ihre Strukturen zeigen, mit denen Sie Sloterdijks Ansichten gegen Zwangssteuern betrachten.

@ Arkadij Horbowsky aber woher nehmen Sie die Sicherheit, die Leute als diejenigen zu bezeichnen, die ihren Bauchnabel ganz vorn tragen. Warum bewerten Sie das so? Laufen Sie doch selber mal so rum, vielleicht erspart Ihnen das die Mühe bestimmte Straßen zu meiden, wenn Sie das in Berlin anscheinend so nervt. Damit finden Sie die praktischen Aspekte des Ich-bezogenen Denkens heraus. Des Spaßes wegen.
pink lara , 10. Februar 2010 - 15:23 Uhr
211. Neuer Pollesch: Quer durchs Land
Liebe Rosa !

Und ich wunderte mich lediglich ein wenig darüber, daß Ihnen der in An- und Abführungszeichen gesetzte Ausdruck "Erzengelschlachtfeld" so abstrus daherkam:
Da gab es, noch nicht lange ist das her, allerlei:
Pitbulls, Schmierfinken, Herrenmenschengerede, Bürgerkrieg auf nachtkritik de., gab des einen Gehype - des anderen Gebashe, Neidvorwurf, Karrieristen, gab Ausnahmezustand, stupid, zu Pollesch immer wieder diesen -zumeist- sehr vage bleibenden, "Stefan" bemerkt es weiter oben treffend, Neoliberalitätsvorhalt, der freilich dazu angetan ist, den Begriff "neoliberal" gänzlich zu verwässern.
Ich deutete auf Vorzüge, die ich bei Pollesch sah,ja, sehe und auf eine gewisse "Schleife" in seinen Inszenierungen, die gewissermaßen auf dem Niveau zB. der Beunruhigung durch "Ich liebe Euch doch alle, alle Menschen" oder "Linke Hand:Wagner leiser / Rechte Hand signalisiert (befiehlt ??- Handlungstheorie (auch hier siehe Danto)): Erschieße !" verharrt: Verweile doch !
Doch: Ich habe nichts gegen "Verweile doch", schon garnicht im Umfeld der überall lauten Rufe nach großen Würfen oder großer Aufmerksamkeit (und sollten Sie mit "George Sand" wirklich identisch sein, so haben Sie durchaus im Wuppertal-I-Strang eher den Strom der Forderung nach großen Würfen bedient ..., wenn ich mich recht erinnere): "Verheile doch" - "Verkeile doch" - "Verpeile doch" - "Verheile doch" , Variationen, zu
denen sich jeder seine Dramolette zaubern mag ... .

Quer-durchs-Land-Ticket: 34 Euro.
Hotel "Terminus" für zwei Personen: ca. 50 Euro.
Zwei gute Karten für "Mädchen in Uniform": ca. 40 Euro.
Quer-durchs-Land-Ticket zurück: 34 Euro.
Möglicherweise Einladung zu Pasta und Wein zB. im
"Casa Nostra" (sehr guter Italiener , etwa 200 m Fußweg vom Schauspielhaus entfernt): 30 Euro.
Knapp 200 Euro, absetzbar ?, wer weiß ??, ja, ja: die Macht des großen Pan, Christus kommt da möglicherweise nicht mit ... .

Endlich doch Romantik ! Wenn auch nicht zwischen uns !!
Arkadij Horbowsky , 10. Februar 2010 - 15:42 Uhr
212. Neuer Pollesch: Frau ohne Gesicht
@ Peter Pan und 199.: Meine sonderbaren Herren, merken Sie eigentlich, dass Sie hier über meinen Kopf hinweg verhandeln? I OBJECT! I - OBJECT! EYE - OBJECT! Ja. Genau. Dieses widerliche Courbet-Bild gibt dem Porno-Affen Zucker. Die Frau ohne Gesicht, na super. Schau(t) mir in die Augen!
Rosa L. , 10. Februar 2010 - 16:48 Uhr
213. Neuer Pollesch: @211
@ 211

4. Variation natürlich: "Verteile doch"
Bandido , 10. Februar 2010 - 20:36 Uhr
214. Neuer Pollesch: Milchmädchenrechnung
@ pink lara: Ich dagegen denke, dass man mit diesen begrifflichen Kategorien wie "Gewissen" und "Moral" nicht weiterkommt, ohne an die politisch-ökonomischen Strukuren zu rühren. Sie dürfen gern weiterhin Ihre christliche Demut praktizieren, aber das liegt - wie ja auch Sie anmerken - in Ihrer persönlichen Entscheidung. Ob davon aber das Kind eines Hartz IV-Empfängers satt wird, das eben nicht betteln gehen kann (oder sollte es das dann Ihrer Meinung nach tun?), das ist eine andere Frage. Ausserdem, wie wollen Sie künftig die soziale Infrastruktur, vom öffentlichen Schwimmbad über die Bildungs- bis hin zu den kulturellen Einrichtungen finanzieren? Mit den 50 Cent, die Sie dem Obdachlosen geben? Ist das nicht eine Milchmädchenrechnung? Das (private) Stiftungswesen entspringt dem amerikanischen Modell. Das deutsche Sozialstaatsmodell funktioniert anders. Und davon mal ganz abgesehen, müsste man angesichts des vom nationalen Bruttoinlandsprodukt völlig abgekoppelten transnationalen Finanzkapitals nicht eher über eine globale Finanztransaktionssteuer nachdenken?
@ Arkadij Horbowsky: Nein. Auch als George Sand habe ich sicherlich nicht nach "großen Würfen" gerufen. Oh Gott, ich bin doch nicht der Übermensch. Höchstwahrscheinlich haben Sie mich missverstanden. Und auch, wenn ich nicht weiss, wer "Pan" eigentlich ist, ich nehme Ihn tausendmal lieber als irgendwelche durchgeknallten Jesus-Doppelgänger.
Rosa L. , 10. Februar 2010 - 20:42 Uhr
215. neuer Pollesch: schön ist der Barnimer Dörferweg
@ Pink Lara

Ich mag Berlin ausdrücklich, und ich meide in Berlin und auch in Hamburg keine (!) Straße, noch nicht einmal die drei sprichwörtlichen Strich- und Stichstraßen in direkter Nachbarschaft zum Deutschen Schauspielhaus in Hamburg
(mein Onkel wohnte ja sogar zuletzt in der Brennerstraße, in
der auch Schlingensiefs Chance 2000 ihr Büro hatte), siehe "Hotel Terminus" (was ja auch ein Filmtitel ist, ist ja Berlinale jetzt). Ich bin mir dessen schon bewußt, daß sich meine Ausführungen dann gelegentlich so anhören wie "Einer gegen
Alle" (gab mal ne Spielshow, die so hieß, bei der eine Einzelperson einer Stadt Aufgaben stellte ...), das hat immer ein wenig eine lächerliche Note: "Klingt falsch", habe ich mir als Ausdruck von Blixa Bargeld gemerkt, erwähnte ich auch schon mal, ich finde, der paßt ganz gut. Dennoch erspare ich mir den Selbsterfahrungstrip, jetzt auch im Weg zu stehen, zu schneiden, zu drängeln ; mir fallen diese Dinge ja auch wieder anders und "neu gesehen" auf, wenn ich beschäftigter, fokussierter bin: insofern ist das schon auch ein wenig ein "Luxusproblem" bei mir: dennoch halte ich die jeweils individuellen Muxmäuschenstill-Biographie-Entwicklungen
für ein ernsthaftes Problem, dem auf der Bühne auch wieder mehr mit Spiel und Mut zu Situation, zur Kleinteiligkeit, auch zur Peinlichkeit begegnen werden sollte: dazu muß aber, wie 123 häufig bemerkt, die neuere Dramatik wieder stärker berücksichtigt werden: in Spielplangestaltung, dem Fach "Darstellendes Spiel", dem Abiturthema im Fach "Deutsch".
Ich erhebe mich doch hier gar nicht ernsthaft über die "Masse" und ihre (fragliche - n) Dynamik (-en): ich sitze nicht nur mitten drin, ich habe auch schon ihre Hilfe in Anspruch genommen,
gehöre dazu: Fleisch von meinem Fleische !! Vielleicht glauben Sie mir, daß ich kein durchgeknallter Jesus-Doppelgänger bin,
... Rosa L. hat das so freilich -diesmal nicht- auch nicht gesagt.
Ach, und sollte die Hektik mir bei einem Berlinaufenthalt dann doch einmal zu weit gehen: gibt den Wuhletalwanderweg, den Barnimer Dörferweg, den Pankewanderweg, schöne Strecken gen Potsdam (Havel) bzw. am Müggelsee (Spree) entlang und
natürlich nicht zuletzt den Grunewald.

@ Rosa L.

Sie haben Recht, das mit den "großen Würfen" kann ich Ihnen auch als "George Sand" nicht nachsagen, bitte das zu entschuldigen ! Habe das noch einmal lesend nachvollzogen !!
Arkadij Horbowsky , 11. Februar 2010 - 20:09 Uhr
216. Neuer Pollesch: Alkohol unerschwinglich machen
@ Rosa L.: Mit Gedanken allein rührt man am Verhältnis zwischen dem Obdachlosen und mir nichts Greifbares. Vielleicht muss man Armut/ Reichtum als Phänomene aufgreifen.
Was ist Armut? Armut hat bestimmte Ursachen – handelt es sich in jedem Fall um bestimmbare Ursachen? Wenn man die Ursachen kennt, könnte man Präventionen starten. Alkoholismus beispielsweise ist eine Krankheit und bildet meiner Überlegung nach eine sehr häufige Ursache von Armut: Vernachlässigung v Kindern, wenn ich als Mama zu krank bin, um mein Kind vor lauter Alkoholsucht noch zu sehen. Das Loch im Herzen meines Kindes wächst, mit Fortschreitung seines Alters, seiner Entwicklung und wenn es nichts anderes kennenlernt, als die als Mama fehlfunktionierende Bezugsperson Alkoholikerin, wird es selbst zum Alkoholiker - ein Kreis schon wieder. Seit Generationen? Wer weiß das schon. Wenn Alkohol so schwer zu kaufen kriegen würde, wie ne Perlenkette aus den Tiefen der Weltmeere, vielleicht wäre genau das sinnvoller als eine Weltfinanzsteuer?
Eine andere Ursachenbekämpfung vielleicht: Einem Obdachlosen ins Gesicht zu gucken, wie in mein Eigenes, oder in das meines Geliebten, meines Kindes, meiner Gesundheit. Die Krankheit des Einzelnen, als „Gesundheit“ aller. Ob das eine Frage von Geld ist, ist auch eine formale Betrachtungsweise, nehm ich an. Die Überlegung von Tobin ist von 1972, damit recht alt und zudem für was wird die Steuer genutzt? Wie soll man sich einigen?
Wenns nach mir ginge, würde ich nicht wollen, dass das Kind eines Hartz IV-Empfänger betteln geht. Lieber stell ich mich hin, und arbeite als ehrenamtliche Helferin http://berlin.familienschutzwe...ge-helfer/
Wenn man über die Einführung einer globalen Finanztransaktionssteuer nachdenkt, ja, muss man ja gleichfalls überlegen, wer die verwalten soll. Verwaltung unterliegt doch auch einem Wertesystem. Wie soll man all die differenten Ansichten von Australiern, Amerikanern, Asiaten etc in EIN globales Wertesystem, eine Verwaltung bekommen? Ich sag nur Demokratie und Afghanistan.
So, ich tanze jetzt den Moonwalk von Michael Jackson. Das hält mich fit und macht mich glücklicher, als über Sozialstaatenmodelle nachzudenken. Körperbewegung ist was sinnvolles fürs Ego, Wohlbefinden.
Deutsches Sozialsystem: ich sage nur Beamtenrente. Das empfinde ich als Ungerechtigkeit, aber finde mich mit den Argumenten dagegen nicht zurecht, warum Beamte nicht in die Altersvorsorge einzahlen, aber einen beträchtlichen Mehrbetrag als Pension bekommen als ich, die über Moralisches Verhalten nachdenkt.

@Arkadij Horbowsky: ich stimme Ihnen zu und gebe ehrlich zu, dass es mir um jeden lieber ist, der sich nicht so aufführt wie Sie weiter oben beschrieben haben. Ich meide das prenzlauer Viertel um Kastanienallee tatsächlich, mach die aber gern nach, die mamas und papas, mit ihren frisuren und ihrem kollektiven anspruch nach ökoware. Aber das nützt nichts: sie sind leider unabhängig von meiner gestischen übertreibung. vielleicht muss ich mir ne andere Taktik zulegen. Man muss die doch eher an sich angepasst kriegen, als dass man seine alten Cafés meidet.
pink lara , 15. Februar 2010 - 21:37 Uhr
217. Neuer Pollesch: Suppenküchen verschleiern
@ pink lara: Denken Sie an den Titel dieser Pollesch-Inszenierung: "Schau mir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang!" Ich würde sagen, Sie sehen das alles zu sehr von der moralischen bzw. Metaebene aus. Sie benennen gerade nicht die materiellen bzw. strukturellen Ursachen von Alkoholismus. Warum säuft sich einer denn die Birne weg? Warum wird er davon krank und vernachlässigt seine Kinder? Weil er keine Perspektiven für sich sieht, weil er seinen Job verloren hat oder von vornherein keinen bekommt, weil ihm die Ausbildung fehlt. Stichwort: Hartz IV-Familienkarrieren. Und jetzt weiterdenken: Reicht in diesen Fällen allein die ehrenamtliche Arbeit (und zudem, wovon wollen Sie selbst dann eigentlich leben?) oder muss man nicht vielmehr die Strukturen ändern? Das heisst zum Beispiel, schon bei den Kindergärten und Schulen anzusetzen, um wenigstens den Kindern alternative Perspektiven einer selbsttätigen Lebensgestaltung zu eröffnen. Auch kulturelle Angebote halte ich in diesem Zusammenhang für sehr wichtig. All das kostet Geld. Oder meinen Sie, es reicht, wenn sie dem Obdachlosen romantisch ins Gesicht glotzen? Nein. Eine Finanztransaktionssteuer muss doch nicht schlecht sein, nur weil die Idee alt ist. Attac hat schon seit Gründungstagen eine solche Steuer gefordert. Man müsste sich doch eher fragen, warum die Politik nicht endlich daran anknüpft. Mit christlicher Barmherzigkeit kommen wir jedenfalls nicht weiter. Wenn Banken vom Staat "gerettet" werden können, dann müssten doch auch Menschen "gerettet" werden können, oder etwa nicht? Es geht um Geld, denn Geld regiert die Welt. So ist das nunmal. Da hilft auch kein naiver Moonwalk Dance von Michael Jackson. Dieses ewig Kindliche, das ist ein Teil des Problem. Nehmen Sie dagegen einmal die Haltung der Johanna Dark ein, nur probeweise, und dann werden vielleicht auch Sie verstehen lernen: "Wer unten sagt, dass es einen Gott gibt / Und ist keiner sichtbar / Und kann sein unsichtbar und hülfe ihnen doch / Den soll man mit dem Kopf auf das Pflaster schlagen / Bis er verreckt ist." (Brecht, "Die heilige Johanna der Schlachthöfe") Das heisst: Suppenküchen und Gebete ändern nichts an den Verhältnissen, sondern sie verschleiern nur die eigentlichen strukturellen Ursachen.
Rosa L. , 16. Februar 2010 - 13:24 Uhr
218. Neuer Pollesch: Imagining Rosa
@ Rosa L.: Über die Struktur mußt du einen unabhängigen Eindruck gewinnen. Schauen Sie: ich glaube, dass was Sie aus den vielen Büchern herauslesen, ist mit meiner Arbeit zu vergleichen. Zusammen, wenn wir hier in den endlosen Kommentaren zusammenfinden, dann gewinnt das Struktur mit dem Ziel Veränderung. Allein an den Büchern zu sitzen und die Leute wegen Moonwalktätigkeit zu beschwichtigen, ist auch kurzsichtig. Wir sind nicht allein. Die Probleme, die uns umgeben, sind von uns nicht losgelöst, und betreffen uns nicht in konstanter Intensität. Deshalb bin ich interessiert mit dem Obdachlosen und dem hungrigen Kind in Kontakt zu treten. Mein Ziel ist nicht die Verschleierung. Wenn es das der Suppenküchen ist, haben Sie mit Ihrer Beobachtung recht. ABER auch Sie sind bloß eine Beobachterin, mit ihren eigenen Werten. Was würde das Kind sagen, wenn es einen satten Bauch hat, und dann sich seiner Lust voll hingeben kann, Rosas Bücher zu lesen. Na? – dazu müssen Sie dem Kind von den Büchern erzählen. Sonst erfährt das ja nichts davon. Und Sie auch nicht, dass Ihr Wissen gefragt ist. Das nennen Sie poetisch. Niedlich von Ihnen. Ich bin Ihr Kind, ich hab so gern, wenn Sie mir diese Bücher da aufzählen.

Das Geld regiert die Welt. Deshalb muss das gut verwaltet werden.
Mit meinem Moonwalk lös ich in meinem Körper das angestaute Zeug, von dem Sie reden. Die alte Struktur in MIR, verstehen Sie. Probieren Sie das doch mal: als Edith Clever in Michael Jackson Dress auf dem Teppich abzuhotten. Just for fun, ohne humor kannst du auch diese Bücher da vor dir nicht bearbeiten, liebe Rosa. Das wollt ich dir damit sagen. (ich stell Sie mir irgendwie als eine Edith Clever vor, warum auch immer. Irgendwas zwischen Donna Harraway u Edith Clever)
„Man müsste sich doch eher fragen, warum die Politik nicht endlich daran anknüpft.“ – ja! Das ist, was ich versucht hab, Ihnen nahezulegen. Gelang mir nicht. Ich empfinde diese Frage als sehr kernig, tatsächlich.
pink lara , 16. Februar 2010 - 20:37 Uhr
219. Neuer Pollesch: Wohin sich verändern?
"Den soll man mit dem Kopf auf das Pflaster schlagen / Bis er verreckt ist."

Ich finde ja, man soll das Leben lieben, mit seiner ganzen Seele, mit aller Kraft und von ganzem Herzen.

Wer all Gläubigen auf dem Pflaster erschlagen wollte, der richtete ein Blutbad an. Weiter nichts. Und wiederum wäre niemandem geholfen und es gäbe nur ein paar Mörder mehr.

Und dieses ganze: Glotz nicht so romantisch.

Ist auch eine Farce.

Sicherlich, noch eine Steuer: Eine Finanztransaktionssteuer.

Warum nicht ?

Aber wenn diese Steuer innerhalb dieses Systems angewandt wird ? Auf was machen Sie sich da Hoffnungen ?

Und wie wollen Sie einen Strukturwandel herbeiführen, ohne, dass die Bürger an etwas glauben ?

Neben der Ratio braucht es eine gehöriges Mass an Spiritualität und Utopiefähigkeit, um eine Veränderung herbei zu führen.

Und dann bleibt immer noch die Frage: Veränderung hin auf was ?
123 , 16. Februar 2010 - 20:52 Uhr
220. Neuer Pollesch: Utopiefähigkeit im Kapitalismus
@ pink lara: Wovon sprechen Sie? Was nenne ich poetisch? Welche Bücher vor mir meinen Sie? Habe ich hier welche aufgezählt? Ich verstehe nicht, worauf Sie hinaus wollen.
Dass es jemand geben muss, der die Kinder und Jugendlichen an Bildung und Kultur heranführt, das ist doch klar. Diesbezüglich geht das Gerücht, dass es dafür professionell ausgebildete Erzieher, Lehrer und Theaterpädagogen gebe, die sogar für Ihre Arbeit bezahlt werden sollen.
Warum der Vergleich mit Edith Clever? Ich bin doch nicht Edith Clever! Den Moonwalk zu tanzen, das ist mir zu kommerziell repräsentativ. Und Donna Harraway bin ich auch nicht. Nee. Die sagt doch immer, dass auch die Grenze zwischen Tier und Mensch eine kulturell markierte sei, oder? Aber das heisst dann ja noch lange nicht, dass ich ein Tier bin. Ich bin höchstens offen für die Tierheit, nämlich dann, wenn ich mich nicht mehr als Mensch denke(n) und erkenne(n) (kann). Literaturvorschlag: Giorgio Agamben: "Das Offene. Der Mensch und das Tier".
@ 123.: Wer sagt denn, dass es in Brechts "Heiliger Johanna der Schlachthöfe" darum geht, "alle Gläubigen auf dem Pflaster zu erschlagen". Es geht um das dialektische Denken. Und darum, in Bezug auf Realität zu denken. Zitat Jean-Luc Godard: "Es ist höchste Zeit, dass das Denken wieder das wird, was es in Wirklichkeit ist: für den Denkenden gefährlich und die Realität verändernd."
Ich lasse Ihnen gern Ihre Spiritualität. Aber Glauben meint nicht Wissen und Erkenntnis. Blind zu glauben, dass führt nicht selten zum Gegenteil dessen, was man ursprünglich erreichen wollte.
Und natürlich muss die Finanztransaktionsteuer IM Kapitalismus angewandt werden. Es sei denn, der Kommunismus fälllt demnächst vom Himmel. Woran ich nicht so recht glauben mag. Utopiefähigkeit IM Kapitalismus heisst dagegen, den einfachen Gedanken zuzulassen, dass diese Steuer dazu beitragen kann, die Finanzmärkte zu stabilisieren, die öffentlichen Haushalte zu sanieren sowie globale Aufgaben (zum Beispiel die Entwicklungszusammenarbeit) zu finanzieren.
Rosa L. , 16. Februar 2010 - 23:32 Uhr
221. Neuer Pollesch: Warum zitieren Sie eigentlich ständig?
Sie lassen mir also meine Spiritualität. Da bedank ich mich auch. Zugleich fangen Sie an im gleitenden Übergang von blindem Glauben zu reden, und versuchen sich hierdurch zur einzig Vernünftigen zu qualifizieren. Im nächsten Schritt beginnen Sie zu zitieren. Ich kenne diese Vorgehensweisen all zu gut. Aber warum zitieren Sie eigentlich ständig ? Fühlen Sie sich in Ihren eigenen Gedanken nicht wohl, nicht sicher, dass Sie ständig auf andere zurückgreifen müssen ?
Ich sagte lediglich "neben der Ratio", mehr nicht, und auf der Stelle erhalte ich unaufgeforderte Lebensberatung in Sachen: Wie Denken funktioniert. Auch hierfür bedanke ich mich.
"Denken, heißt überschreiten." So steht es bei Bloch, im Prinzip Hoffnung, und dies meint etwas mehr als mit godarschem gefährlichem Denken in die Realität einzugreifen, der man sich auch anders, als durch Denken nähern kann.
123 , 17. Februar 2010 - 10:24 Uhr
222. der neue Pollesch: Strickmützenwerfen bei Olympia
@ Rosa L.: sehen Sie, sie machen diese Verwirrungslinie. ich lach. das ist: yeah!!! surf ich auf so einem drive.
gleich krempeln Sie wieder alles um "was hab ich?" "wovon reden Sie?" ich mein ja nicht Sie sind donna harraway, sondern in meiner vorstellung sehen Sie so aus. mir klar, das das nie im Leben der Fall sein wird.
Sie sind ein 1,90m Kerl, der sich wie Marylin Manson benimmt, geben Sie es zu. das ändert sich immer, das Bild, dass ich von Ihnen habe. Humor haben Sie. Call Me An Ambulance
jaja, so called "professionell", die Lehrer, Pädagogen. das versteh ich leicht, mir bedeutet schule nichts. aber Pollesch! und mein Welensittich, deren Sprache kann ich verwerten und neu nachaußen kommunizieren.
das was wir sehen ist eh nur was wir wissen wollen. das andere können wir nicht fassen. seele, tod und leben.. sicher fällt dir dazu die gescheitere version ein, wie mans nennen will. donna harraway nutzt ein beispiel mit ihren zwei Hunden (wieviele auch immer sie hatte), dass der Mensch sich all das um sich herum mit seinen Augen erklärt, mit seiner "Sicht" auf die Dinge, D. Haraways Hunde aber durch die Nase denken. diese beiden beispielsichtweisen unterschiedlich sind. aber in den büchern die ewig eindimensionale Erklärung des Menschen schläft und reproduziert wird. ist doch klar. Mensch und Tier gibt es genauso wenig wie all das andere. es sind alles nur Markierungen, keine greifbaren ... als was man es ohne Markierung nicht benennen kann? wenn pollesch nach der Unterhaltung mit der Kakerlake fragt. das ist das. ob wir mit kakerlaken ins gespräch kommen "ja mach doch mal, aber ich bin nur die Haushälterin"
dann geh halt als kakerlake zur olympia nach Vancouver und erfinde dich neu. ich intergriere derweil das Strickmützen werfen als internationale Disziplin bei Olympia, wenn Ihnen der Moonwalk zu kommerziell ist. aber dazu müssen Sie nicht nach Vancouver. es reicht auch ein neu zu entdeckendes Badezimmer unter der Volksbühne, zu keinem anderen Zweck errichtet als kakerlaken akustisch zu imitieren und deren Sichtweise auf mich zu definieren.
pink lara , 18. Februar 2010 - 14:18 Uhr
223. Klassischer Pollesch: Rosa L.s Zitatwesen
@ 123.: Gegenfrage: Was haben Sie eigentlich gegen das Zitieren? Ich zitiere ja nicht blind irgendwas, sondern ich zitiere, was meinen eigenen Argumentationsgang unterstützt oder irritiert. In diesem Sinne ist das Zitieren eine Technik, ein Lesen mit anderem Verstand, um die eigene Sichtweise immer wieder überprüfen und hinterfragen zu können.
@ pink lara: Alles nur Markierungen? Nein. Erstmal hab ich einen Körper von Gewicht. Und zudem gelingt es mir eher selten, durch die Nase denken. Das könnte womöglich daran liegen, dass ich diese Stufe der Evolution bereits hinter mir gelassen habe. Gleichwohl, meine Nase hat einen untrüglichen Instinkt für Anziehung und/oder Abstoßung. Manche Menschen kann ich einfach nicht riechen. Und das ist auch eine Metapher. Tiere können keine Metaphern verwenden, weil sie nicht diese exzentrische Position einnehmen können, diese Sicht von aussen auf das Selbst und die Welt. Also, was sind Sie denn nun? Ein Tier oder ein Mensch? Reagieren Sie nur? Oder denken Sie schon?
Rosa L. , 18. Februar 2010 - 15:31 Uhr
224. Klassischer Pollesch: Prima, Mama schmiert noch Brote
ihr seid ja immer noch da. Super. das ist wie nach Hause kommen, die Mutti packt immer noch für alle Schulbrot und die Kinderchen wollen endlich erwachsen weden - gut so. Also singen wir gemeinsam: Pollesch kommt durch…
mucki , 18. Februar 2010 - 15:52 Uhr
225. Klassischer Pollesch: Lesen mit anderem Verstand
"Was haben Sie eigentlich gegen das Zitieren?"

Antwort: Nichts.

Ich habe aber in meinem kurzen und ebenso heftigem Philosophiestudium gelernt, dass wer andauernd zitiert, seinen eigenen Gedanken misstraut.

"ein Lesen mit anderem Verstand"

Sie lesen hier halt ewig im halböffentlichem Raum ihr eigenes Gehirn aus, anstatt es wirklich einzusetzen, kreativ nach einer eigenen Sprache zu suchen, die sich nicht ewig in Zitaten kontrastiert oder in ihnen Bestätigung sucht.

Man fühlt sich eventuell belehrt und ist hier und da leicht verstimmt. Mehr nicht.

Aber machen sie es ruhig so, wie es ihnen gefällt.
123 , 18. Februar 2010 - 18:48 Uhr
226. Klassischer Pollesch: mit dem Knie gedacht
"Und zudem gelingt es mir eher selten, durch die Nase denken."
R.L.

"Ich denke schon seit langem mit dem Knie." J.B.
123 , 18. Februar 2010 - 20:01 Uhr
227. Klassischer Pollesch: Ersatz-(Gott)-Vater
@ mucki: Kannst du bitte dein Gehirnlicht wieder einschalten? Danke. Und sag mal, liebst du Pollesch eigentlich so sehr, dass du jetzt schon einen Choral auf ihn anstimmen musst? Oder suchst du bloß einen Ersatz-(Gott-)Vater?
Rosa L. , 18. Februar 2010 - 21:01 Uhr
228. neuer Pollesch: mit Blumfeld gedacht
@ 123: Es sollte natürlich heissen "durch die Nase /zu/ denken". Denken Sie ruhig weiter mit Ihrem Guru und Heilsbringer Joseph Beuys. Was Sie da allerdings von mir behaupten, das ist aus meiner Perspektive die reine Projektion.
Und zum besseren Verständnis des "Lesens mit anderem Verstand". Das war natürlich ebenso geklaut. Ich gebrauche dieses Zitat gern und oft. Sie dagegen haben es nicht erkannt. "Sing Sing":
"Jedes Bild ist wie ein Messer / Ein Gebrauchsgegenstand / Und 'Lesen' meint hier 'Denken' / Mit anderem Verstand / Indem/in dem man liest, Gedanken sucht und findet / Die dann zitiert und verbindet, das ist Technik / Und wer sie nutzt macht sich verdächtig / Wird unberechtigt Ladendieb genannt. / So wird ein Zeichensprecher zum Schwerverbrecher / So wird Gebrauchsgegenstand / Zwingend Mordinstrument." (Blumfeld, "Die Welt ist schön")
Rosa L. , 19. Februar 2010 - 14:54 Uhr
229. neuer Pollesch: der Rest rauscht vorbei
@ Rosa L.: Klar denk ich schon, das merken Sie nur nicht. Es rattert. Mir schon klar, dass das nicht sichtbar ist. Es ist ja nichts markiert. Wie auch, Sie reden ja nur von Dingen, die Sie verstehen, der Rest geht an Ihnen vorbei, bleibt unsichtbar.
pink lara , 19. Februar 2010 - 15:47 Uhr
230. neuer Pollesch: es plänkelt so angenehm
ich kenn' den Pollesch gar nicht, also sein Stück oder Aufführung oder was man dazu sagt, aber mir gefällt die Atmosphäre hier so gut, es plänkelt hier wieder so angenehm. Gehirnlicht, das ist gut, wer möchte da nicht wissen wo der Schalter ist. Mit einem Ersatzvater kann ich nichts anfangen, mein eigener, auch nicht ganz unbedeutend, macht mir schon genug zu schaffen, ich halte es lieber mit der Mutti. Will immer etwas derbes vom Kind hören und dann kommt die Schelte mit Kopfstreicheln . oh, das ist der Schalter, vielleicht. Ich werde sie brüskieren, mit einer richtig super derben story, und sie... wartet ab, der Bericht kommt. PS zitieren finde ich, naja, soll jeder halten wie er will, aber ich mag nur die kurzen, knappen, die am Anfang der Bücher stehen - ist auch eine Frage der Proportion. Logisch, für die Debattenschnipsel hier, denke ich, wäre es interessant sich vielleicht nur noch Zitate an die jeweiligen Adressen zu schicken - Motto:lasst Zitate sprechen. Aber wenn man dann soll, ist es bestimmt mühsam, und überhaupt, wer überprüft das? Jemand schummelt und schreibt irgendeinen Mist und behauptet dann, das stünde irgendwo bei Diderot.
mucki , 19. Februar 2010 - 16:24 Uhr
231. neuer Pollesch: Sinn teilen
@ pink lara: Ja. Genau. Wie absurd wäre das denn, wenn ich hier plötzlich über Astronomie und schwarze Löcher schreiben würde? Warum sollte ich von Dingen reden, die ich nicht verstehe? Die lasse ich einfach so stehen. Ich geh vorbei. Und lass dich einfach so stehen. Wir teilen keinen Sinn, ausser indem wir uns mit-teilen.
Rosa L. , 19. Februar 2010 - 16:32 Uhr
232. neuer Pollesch: Suche nach Verdachtsmomenten
Ich bin auch nicht dazu da ihre Zitatfibel kenntlich zu machen. Wenn sie jemanden examinieren wollen, beginnen sie doch bitte einen Job an der Uni.
Auch projiziere ich nicht auf sie. Sondern reflektiere Ihr hier nachweißbares Verhalten.
Ich denke auch nicht mit Beuys. Hier offenbaren sich nur ihre eigenen Ängste. Ich habe ein Zitat von J.Beuys einem Satz gegenüber gestellt, den sie selber zitiert haben. Diese Methodik dürfte Ihnen bekannt sein.
Jedoch ist es auch so, wer sich in einem so großspurigen Ton über den Künstler Beuys hinwegsetzen möchte, in dem er ihn unter der Kategorie Heilsbringer und Guru einordnet,ist nicht unbedingt mein Gesprächspartner.
Also lassen wir das doch lieber. Ich werde Ihnen in Zukunft aus dem Weg gehen.
Sie sind mir zu sehr auf der Suche nach Verdachtsmomenten. Zu schnell und leichtfertig mit Ihren Urteilen über User hier. All dies ist mir hier auch schon widerfahren, aber ich habe doch immer wieder versucht auf den Pfad der Tugend zurückzukehren, so gut es mir eben gelang.

Und wissen Sie, Sie würden nicht einmal das Schema Israel erkennen, gescweige denn seinen Sinn, wenn man es Ihnen in abgewandelter Form vor die Nase hielt.

Ich möchte mich Ihnen gegenüber nicht weiter verletzbar machen. Ich kann damit leben, wenn Sie in mir für einen bescheuerten Gläubigen sehen, der nicht dialektisch denken kann.

Gehen wir uns also bitte aus dem Weg.
123 , 19. Februar 2010 - 16:50 Uhr
233. neuer Pollesch: Beuys' Lebens-Kunst
@ mucki: Und warum schreibst du dann hier? Hier gehts um "themenbezogene Kommentare", um Polleschs "Schau mir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang!" Wenn du dazu nichts zu sagen hast, dann weiss ich auch nicht. Und wen interessiert schon dein "nicht ganz unbedeutender" Vater? Ist der etwa Bundespräsident?
@ 123: Examinieren? Wie geht das denn? Oh Gott, ich weiss gar nicht, wie das geht. Examinieren. Klingt wie exekutieren. Und ich dachte immer, dass es auch an der Uni und mit Schiller gesprochen immer nur darum gehen kann, Gedankenfreiheit zu geben. Oder etwa nicht?
Vielen Dank, aber Sie müssen mein Verhalten nicht reflektieren. Zumal Sie unglücklicherweise irgendwie total an mir vorbei reflektieren. Das bin ich gar nicht, diese Frau, die Sie mir da zurückspiegeln wollen. Ist das vielleicht nur "die Frau" in Ihrer Vorstellung? Wie kommen Sie bloß darauf, dass wir einen Sinn teilen? Und vielleicht teile ich ja eher mit anderen Frauen einen Sinn als mit Ihnen. Jedenfalls habe ich gerade den Berlinale-Forum-Film "Eine flexible Frau" von Tatjana Turanskyj und mit Mira Partecke in der Hauptrolle gesehen. Da dachte ich komischerweise sofort: Wow, scheisse, die sind ja super, diese Frauen! In diesen Film kann ich mich irgendwie reinprojizieren.
Zudem, warum sollte ich vor Beuys Angst haben? Für seine Zeitgenossen war Beuys sicher prägend und wichtig. Und den Begriff der "soziale Plastik" sollte man meines Erachtens bis heute im Auge behalten, gerade im Kontext der Theatertod- bzw. Sparzwang-Debatte in Folge der Finanzkrise. Nach Beuys ist Kunst nicht Selbstzweck, sondern muss immer als Lebens-Kunst verstanden werden, als notwendige und selbstverständliche Grundlage einer politisch lebendigen Kultur und Gesellschaft.
Schließlich, warum Sie mir vorwerfen, das Schema Israels nicht erkennen zu können, das entbehrt nun wirklich jeder Grundlage. Wie kommen Sie zu solchen Unterstellungen? Reines Ressentiment?
Rosa L. , 19. Februar 2010 - 23:05 Uhr
234. neuer Pollesch: Drogen, Kunst, Anarchie
is klar, themenbezogen, ich will da keine Ausnahme sein, sonst wäre das ja voll absurd, einfach nur so zu schreiben - aber muss ich die Aufführung wirklich gesehen haben, um themenbezogen schreiben zu können? Ich glaube nicht - also das würde mich wundern, jetzt auf einmal. Ich habe auch schon mal Benn gelesen und das Buch dann auf's Sofa geschmissen - da saß jetzt in diesem Moment keiner, aber ich habe gedacht: ach, jetzt lese ich das gerade mal nicht weiter, soll doch das Sofa mit dem Gedicht klar kommen, ich gehe jetzt erst mal in den Keller und prügele das Schlagzeug von Colli. Ich finde das übelst abgefahren - ich meine, ich mache Sachen in der Realität, die auch im Theater passieren und über die wird dann hier gesprochen. Das finde ich total irre. Ich habe auch so eine Show gemacht, die hat nur keiner gesehen - will ich auch nicht, das das jemand sieht, aber trotzdem - dieses Parallelding ist faszinierend. Wenn ich meiner Mutti sage: mist, wo krieg' ich denn jetzt Stoff her, dann denkt sie gleich: Drogen, Kunst, Philosophie, Anarchie, obwohl sie keine Ahnung hat von was für einem Stoff ich überhaupt rede. Ich denke, solche Missverständnisse und Parallelen, darum müssen wir uns kümmern - denkt bloß an das Schema Israel - was verbirgt sich jetzt genau dahinter, ob man es vor die Nase hält, und einer das erkennt oder nicht ? Oder das Zitatding. Alles was schief gehen kann, geht auch schief, irgendwann - da bekomme ich Angst und gleichzeitig denke ich, ist eben nur so ein Zitat, immerhin klappt doch noch ne ganze Menge. Pollesch finde ich eben auch nur einfach so gut, ohne sehen und ich glaube einfach nicht, das das schlimm sein kann. Im Gegenteil sogar, finde ich, ist es super, du empfindest eine Aufführung - sie lebt, einfach so, - das Medium ist Gequatsche -bisschen mystisch, aber unglaublich wirkungsvoll.
mucki , 20. Februar 2010 - 07:42 Uhr
235. neuer Pollesch: zum Schlagzeugprügeln in den Keller
@ mucki: Ist dir schonmal aufgefallen, dass du hier ständig von deinem Vati und deiner Mutti sprichst? Wie alt bist du eigentlich? Anyway, ich schau mir lieber Pollesch-Inszenierungen an. Wer dagegen alles verweigert und keine Haltung hat, der muss wohl - wie du - weiterhin zum Schlagzeug-Prügeln in den Keller gehen.
Rosa L. , 20. Februar 2010 - 12:37 Uhr
236. neuer Pollesch: Aufhellung des Ungleichgewichts
also ich finde, ich habe schon eine Haltung, während wir hier so Sachen besprechen, elementares Zeug über das Verhältnis von Theater und einer Wirklichkeit die - so wissen ja einige - auch schon wieder so ein Theater ist, so eine riesige Weltbühne eben, da passieren unendlich viel Katastrophen, einige haben auch ein bisschen Glück; nicht alle Opfer müssen das Schlimmste ertragen - darum geht es aber nicht - es geht darum, das unglaublich brutaler, gemeiner, hinterhältiger Dreck passiert und wir , wir wissen das jetzt, wissen das vielleicht irgendwo im Hinterstübchen, aber wir tun nix, wir, sagen uns, ja schreiben wir halt hier an dem Pollesch-Threat weiter, vielleicht bringt es irgendwo, irgendwann, irgendwas, aber sicher sind wir uns eigentlich nicht. Da muss ich eben ab und zu auch in den Keller - obwohl mir das auch klar ist, das es noch bessere Verhaltensweisen gäbe, um etwas zur Aufhellung des gesellschaftlichen Ungleichgewichts zu tun. So lange man glaubt, man befände sich ja tendenziell im Wiederstand, hast du ja auch keine Verpflichtungen, oder? Irgendwas anderes ist verdammt noch mal dafür verantwortlich, das ich in der Klemme stecke. Aber hier komme ich mir ab und zu sehr nützlich vor, weil ich eine offene Haltung habe ( denn ich lehne die total ab, die andere fertig machen), die ich mit den schönen anderen Haltungen hier vergleiche (jeder lehnt doch das ab, was er für den üblen Kram verantwortlich macht: Leute, Parteien, INSTITUTIONEN). Meine Eltern sollten das lieber nicht wissen - ich erwähne sie besser nicht mehr.
mucki , 20. Februar 2010 - 16:01 Uhr
237. neuer Pollesch: Ästhetik des Widerstands
@ mucki: Der politische Widerstand ist für dich also "ohne Verpflichtungen"? Das heisst, für dich sind immer nur die Anderen (Familie, Gesellschaft, Institutionen) Schuld an deiner Lage? Mucki, auch du kannst dich nicht ausserhalb des Systems stellen, aber du kannst ein Neu-Denken, eine Gestaltung und/oder Veränderung der Verhältnisse ermöglichen, indem du die Anderen konfrontierst - mit Argumenten und deiner eigenen Verletzlichkeit konfrontierst.
Widerstand ist immer verbunden mit der Suche nach Formen des Widerstands. Eine Ästhetik des Widerstands vermittelt das Politische und das Künstlerische. Die Präsenz des Ausnahmezustands (Anarchie, Chaos) ist immer nur vorübergehend. Ohne Repräsentation gehts nicht.
Rosa L. , 20. Februar 2010 - 21:28 Uhr
238. Neuer Pollesch: alles sofort in Spiel umwandeln
nein, nein, ich finde ja, gerade der politische Widerstand ist voller Verpflichtungen. Deswegen kann ich ihn ja auch nicht leiden. Weil ich Verpflichtungen hasse. Ich lese lieber und bereite mich so auf die eher wissenschaftliche Forschung vor. Die Uni bietet den besten Raum. Schade, das an der Volksbühne noch keine Sektion der TheaterBiologenundPhysiker gibt. Ich glaube wenn mehr wissenschaftlich forschende Theater machen würden, wäre mehr los. Pollesch ist so spitze, weil er andauernd liest und alles sofort in Spiel umwandelt, auch den größten Quatsch, aber eben nicht nur.
mucki , 21. Februar 2010 - 10:29 Uhr
239. Neuer Pollesch: das Paradox der Interpassivität
@ mucki: Sie wollen also auf Brechts Entwurf eines Theaters für die "Kinder des wissenschaftlichen Zeitalters" hinaus, die mit "neuen Denkmethoden" ausgerüstet werden sollten, um die gesellschaftlichen Strukturen als veränderbare erkennen zu können? Wo Brecht allerdings inhaltlich noch mit dem dialektischen Materialismus operierte, da steht bei Pollesch der Alltag, welcher mit Theorie bearbeitet werden kann. Die Theorie, die im wissenschaftlichen Diskurs funktionieren sollte, kann auf den Alltag angewandt werden bzw. diesen auf der Bühne bearbeiten. Und da gehts dann eben nicht allein um die kindlich-naive und selbstvergessene Lust am Spiel. Sondern da gehts auch und vor allem um das Denken bzw. darum, über das Spiel die vermeintlich "normalen" Konventionen des Alltags hinterfragen zu können. Und darin liegt dann das Politische. Wenn es Ihnen dagegen ums reine und unschuldige Spiel geht, dann setzen Sie sich doch einfach zu den Zweijährigen in den Sandkasten.
Ausserdem, in Zeiten der sogenannten "Selbstverwirklichung" in unterbezahlten und unterfordernden Dienstleistungsjobs ist das Theater vielleicht auch eine Chance. Eine Chance für den Schauspieler. Und erst dadurch auch eine Herausforderung für den Zuschauer. Dazu ein wunderbarer Satz von Pollesch: "Wenn wir jetzt dagegen beginnen, etwas zu akkumulieren, was gar nicht im Dienst dieser Selbstakkumulation steht, ergibt sich womöglich eine Chance, diesen Selbstverwertungszusammnehang zu verlassen. Das zu leben, was nicht das Eigene ist, wäre also eine Befreiung. Insofern ist das Manuskript eine Chance. Also die Rolle weder als Befehl noch als das Eigene begriffen, sondern als das Andere, denn wir brauchen eine Vermittlung." Und damit wären wir dann beim Paradox der Interpassivität des Zuschauers.
Rosa L. , 21. Februar 2010 - 14:11 Uhr
240. Neuer Pollesch: ich bin mein eigener Pollesch
das entspricht voll meiner Theorie, genauso denke ich muss das laufen: die Rolle weder als Befehl noch als das Eigene - zwar nicht auf dem Theater, aber in den Fluren die nun mal meine Welt bedeuten, handhabe ich das genau so. Und mit Theorie bearbeite ich mein Leben ohnehin. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich mir den Pollesch jetzt nicht unbedingt ansehen muss, weil ich in gewisser Weise mein eigener Pollesch bin. Denn, das ist ja auch wieder eine Steigerungsform der Interpassivität, würde ich mal sagen.
mucki , 21. Februar 2010 - 15:50 Uhr
241. Neuer Pollesch: wie 123 das nennt
@mucki. Das nenn ich Emanzipation.
123 , 21. Februar 2010 - 16:39 Uhr
242. Neuer Pollesch: selbstbewußte Zuschauer
Liebe Redaktion: Ein Scherz.

Und doch bin ich für selbstbewußte Zuschauer, die den Mut haben hin und wieder einfach nicht hinzugehen und sich selber den Pollesch oder Castorf geben.
123 , 21. Februar 2010 - 18:02 Uhr
243. Neuer Pollesch: Manuskript als Gegenüber
@ mucki: Die Uni-Flure, die Ihre Welt bedeuten. Oh Gott, das muss wahre Liebe sein. Aber die Interpassivitätstheorie, die haben Sie noch nicht wirklich durchdrungen, oder? Wie wollen Sie denn Ihr eigener Pollesch sein, ganz ohne ein Gegenüber, ganz ohne das Andere? Auch dazu ein Pollesch-Zitat aus demselben Interview in der TdZ 11/2008, H. Nr. 11:
"In Ovids 'Metamorphosen' hat Narziss das Problem, dass er sich in etwas verliebt, das dann eben kein anderer ist, sondern das eigene Selbst. Das heißt, wir brauchen Hilfsmittel, damit wir uns selbst lieben können. Wir brauchen einen anderen. Wenn ich jemanden begehre, ist das mein Problem: Ich habe den anderen ja nicht, der will ja gar nicht zu mir, während Narziss sich sein eigenes Herz herausreißen muss. Es geht genau darum, aus diesem narzisstischen Paradox herauszukommen. Damit zu spielen. Was heißt es denn, sich selbst dauernd als 'man selbst' zu Erfahrung zu machen? Das macht man vielleicht nur, weil es auf eine Selbstakkumulation hinausläuft, also auf Wertsteigerung." Und deswegen das Manuskript als das Andere.
Rosa L. , 21. Februar 2010 - 22:28 Uhr
244. Neuer Pollesch: ich geb Dir ne Hälfte Sinn ab
@Rosa L.:231 Aber mit-teilen ist auch einen Sinn teilen. Das ist woraus wir bestehen: sinn. Wenn der weg ist, in uns der Sinn, sind wir Otto Sander, der mit Krankheit beladen ist. Er war ja mal ein legendärer Sprecher, aber jetzt ist er ein Schatten seines Körpers, den er scheinbar sinnlos durch die Straßen schiebt. Wenn ich dem Schieben von außen aber Sinn gebe, ist der nicht mehr unsichtbar und es ist nicht nur die Krankheit i Otto Sander, egal was andere dazu sagen.
Ich finde ja einen Sinn darin Ihre Kommentare zu lesen. Ganz ähnlich dem Sinn, den ich in Schlingensief verdächtige. Die Metastasen in seiner Lunge machen für ihn keinen Sinn, weil er sich nicht erklären kann, wieso er jetzt in so einer Lebensphase Lungenkrebs haben muss. Aber der Sinn positioniert sich auch, wenn wir nicht hingucken.
Wenn quasi eine von uns beiden in dem Mitteilen ein Sinn sieht, geb ich dir ne Hälfte Sinn ab, auch wenn dir das über schwarze Löcher reden absurd vorkommt.
Ich steh nicht, wenn du mich stehen läßt.
pink lara , 22. Februar 2010 - 13:04 Uhr
245. Neuer Pollesch: Käsebrötchensinn und eine Empfehlung
@ pink lara: Sag ich doch, wir teilen keinen Sinn, ausser INDEM wir uns mit-teilen. Aber da bleibt immer ein Abstand, der auch die Bedingung dieses Mit-Seins ist. Dass Sie mir hier irgendwas über Otto Sander und Christoph Schlingensief mitteilen wollen, das macht für mich zum Beispiel überhaupt keinen Sinn. Vielen Dank, aber Ihre an den Rändern bereits angetrocknete Käsebrötchensinnhälfte mag ich nicht essen. Ja. Genau. Gehen Sie doch. Und da Sie anscheinend so sehr am Sinn des Irrsinns und/oder Wahnsinns interessiert sind, empfehle ich Ihnen zur weiteren Lektüre Foucaults "Wahnsinn und Gesellschaft".
Rosa L. , 22. Februar 2010 - 14:34 Uhr
246. Neuer Pollesch: Rundung der Geschäfte
nur kurz, ich bin in Eile, aber mit dem Anderen, das ist mir wohl schon helle - schließlich heißt ja 'mein Leben' auch, dass ich nicht allein alleine lebe und im Badezimmer vorm Spiegel klebe - Und Entleerung gehört freilich zur Rundung der Geschäfte, wie der Eifer und die Gier zur Paarung.
mucki , 23. Februar 2010 - 14:13 Uhr
247. Neuer Pollesch: beim Bäcker
@ Rosa L.: Welchem Sinn geben Sie sich denn in Ihrer Freizeit hin? Den Resten vom Bäcker da? Wenn Sie das als Sinn deklarieren, bitte schön: Bon Appetit. Beim Bäcker können Sie vielleicht mit Ihren populären marxistischen Denkfiguren was auslösen. Aber Foucault ist da schon eine Stufe weiter.
pink lara , 23. Februar 2010 - 19:18 Uhr
248. Neuer Pollesch: verlorener und verlogener Sohn
@ mucki: Ja. Genau. "Es darf zum Beispiel niemand einen verlorenen Sohn wieder aufnehmen. Einen verlogenen schon." (René Pollesch, "JFK")
Rosa L. , 23. Februar 2010 - 20:53 Uhr
249. Neuer Pollesch: genauer ausführen
@ pink lara: Aus welchem meiner Kommentare wollen Sie denn jetzt bitte die "populären marxistischen Denkfiguren" herausgelesen haben? Das müssten Sie schon ein wenig genauer ausführen, damit verständlich wird, worauf Sie da eigentlich hinaus wollen. Und übrigens habe ich Sie in meinem letzten Kommentar auf Foucault verwiesen.
Rosa L. , 23. Februar 2010 - 21:22 Uhr
250. Neuer Pollesch: Heimkehrwunsch fraglich
wenn man denn in's verlogene Heim heimkehren wollte? Oder besser noch gefragt - wie steht es um den Heimkehrwunsch der Verlogenen?
mucki , 24. Februar 2010 - 07:24 Uhr
251. Neuer Pollesch: Herzogs Bad Lieutenant
@ mucki: Nee, mucki. Sie sind hier der korrupte Polizist aus Werner Herzogs "Bad Lieutenant". So einfach ist das.
Rosa L. , 24. Februar 2010 - 12:11 Uhr
252. Neuer Pollesch: Phantasiegeröll
kenn' ich wieder nicht. was macht der? und in welcher Beziehung steht das zur Heimkehr der nicht ins Verlogene Heimwollenden? Immerhin Polizist(?) (Analogien haben manchmal überhaupt keine Beine, will mir scheinen, sie kriechen dann, wie weiland das fesche Getier, über das Fantasiegeröll und hoffen auf Sonne), welcher Ordnung?
mucki , 25. Februar 2010 - 07:22 Uhr
253. Neuer Pollesch: immer schön in den eigenen Spiegel schauen
@ mucki: Ich will doch nur spielen. Mal sehen, wie Sie reagieren. Hat funktioniert. Vielen Dank fürs Mitspielen. Wer Werner Herzog nicht kennt, der ist mir zu verpennt. Und wer meint, ich sei verlogen, der soll sich erstmal selbst den Spiegel vors Gesicht halten. Sie wären also gern Polizist, mucki? Sie schreiben übrigens, als wären Sie ein ca. 30jähriger Greis: "wie weiland das fesche Getier". Oh Gott, Ihre Eltern müssen wohl sehr antiquiert und etikettiert sein, äh, das heisst, die legen wohl sehr viel Wert auf äussere Etikette, nicht wahr?
Rosa L. , 25. Februar 2010 - 12:38 Uhr
254. Neuer Pollesch: völlig fixiert
stimmt, die sind völlig fixiert auf so ne Sachen, grässlich und mich, ziehen sie einfach da mit rein, Herzog kenn' ich schon (mag das was ich von ihm kenne eher weniger), bloß den Film überhaupt nicht auch nicht die Ursprungsvariante. Ich habe keine Ahnung, was dieser Polizist so macht und was ich für eine Beziehung zu ihm haben könnte. Naja, also um noch mal auf die hübsche, adrette Verlogenheit zu kommen - ich weiß eben nicht, ob der Sohn verlogen ist oder seine Eltern, nicht wahr? Und warum er überhaupt heimkehren sollen wollte? das war die Frage, denn wenn er nicht verloren ist, aber vielleicht verlogen, dann will er vielleicht eben nicht ins traute Heim. Was könnten denn das für Heimkehrwünsche sein, die ihn antreiben. Und dann, ja die Kriechtierfrage läßt sich erst mit der Filmfrage aufschließen. Spiegel - keinen Schimmer.
mucki , 25. Februar 2010 - 15:25 Uhr
255. Neuer Pollesch: kommunistischer Kapitalismus
@ mucki: Du sprichst hier aber schon von dir, oder? Das hört sich nämlich seltsam schizophren an, wie du hier von dir in der dritten Person sprichst. Klartext, bitte.
"Und wenn ich an dich denke, denke ich nur an das Projekt der kommunistischen Partei, die Arbeit am kommunistischen Projekt aufzugeben und sich an den Aufbau des Kapitalismus zu machen, du Arsch, du!" (René Pollesch, "JFK")
Rosa L. , 25. Februar 2010 - 22:32 Uhr
256. Neuer Pollesch: Und Mädchen in Uniform?
@ Peter Pan: Und? War wohl nix. Ciao 4ever. Wenn ich was hasse, dann sind es leere Versprechungen übers Internet. Communication with absent ghosts. Und wie war "Mädchen in Uniform"? Kommentieren Sie doch bitte in der kommenden nachtkritik.
Rosa L. , 25. Februar 2010 - 22:57 Uhr
257. Klassischer Pollesch: Herzensdinge
liebe ROSA, an mir lag es nicht. es war wohl IHR herz, das anderswo zu tun hatte...
Peter Pan , 26. Februar 2010 - 08:52 Uhr
258. Klassischer Pollesch: leise Servus sagen?
Liebe Kommentator_innen,

heute steht ja schon der näxte Pollesch hier im Netz. Wollen wir jetzt mal mit dem Gespräch anlässlich des "Verblendungszusammenhanges" aufhören und drüben in Hamburg weitermachen? Wenn kein vehementer Widerspruch kommt, schließen wir hier den Faden.
Gruß
nikolaus merck
nikolaus merck, nachtkritik.de , 26. Februar 2010 - 08:58 Uhr
259. Klassischer Pollesch: was sagt Peter Pan?
@ Peter Pan: Ich weiss ja noch nicht mal, wer Sie sind. Und ich setz mich eben nicht neben jeden. Schon gar nicht neben Heuchler. Und jetzt weiter in der nachtkritik zu "Mädchen in Uniform". Beschreiben Sie doch mal. "jana" wertet da ja nur pauschal ab - Daumen runter. Können Sie mehr dazu sagen?
Rosa L. , 26. Februar 2010 - 12:46 Uhr
260. Ich schau dir in die Augen, Berlin: Bernhard'scher Schramm
http://goo.gl/QZU7M

.....Und Schramm sieht sein Publikum, ist vorher schon darüber verzweifelt, hört wie es bei Kalauern lacht, wie es sich bei billigen Witzen wegschmeißt, mit denen er eigentlich die Dummheit der Leute zeigen wollte… Und was macht er? Nach dem Applaus, kurz bevor alle saturiert nach Hause gehen wollen und ihr Restgewissen zum Schweigen gebracht haben. Lässt er folgenden Text von Thomas Bernhard einspielen (übrigens von Dieter Hildebrandt gelesen):

“Ein eigenwilliger Autor

Ein Autor, der nur ein einziges Theaterstück geschrieben hat, das nur ein einziges Mal auf dem, seiner Meinung nach besten Theater der Welt und genauso seiner Meinung nach nur von dem besten Inszenator auf der Welt und genauso seiner Meinung nach nur von den besten Schauspielern auf der Welt aufgeführt werden durfte, hatte sich schon bevor der Vorhang zur Premiere aufgegangen war, auf dem dafür am besten geeigneten, aber vom Publikum überhaupt nicht einsehbaren Platz auf der Galerie postiert uns sein eigens für dessen Zweck von der Schweizer Firma Vetterli konstruiertes Maschinengewehr in Anschlag gebracht und nachdem der Vorhang aufgegangen war, immer jedem Zuschauer einen tödlichen Schuss in den Kopf gejagt, welcher seiner Meinung nach, an der falschen Stelle gelacht hat. Am Ende der Vorstellung waren nur noch von ihm erschossene und also tote Zuschauer im Theater gesessen. Die Schauspieler und der Direktor des Theaters, hatten sich während der ganzen Vorstellung von dem eigenwilligen Autor und von dem von ihm verursachten Geschehen, nicht einen Augenblick stören lassen.”

Einfach toll! Selten habe ich mich so gefreut und selten habe ich so verdutzte Gesichter im Kabarett gesehen. Und auch, wenn ich auch im Publikum saß und manchmal bestimmt auch eine Kugel verdient hätte, hätte ich dafür Georg Schramm fest drücken wollen. Denn er hat mir wieder einmal aus der Seele gesprochen.

Nun ist auch klar, auf wen Thomas Bernhard geschossen hätte. Nicht nur auf die blöden Avatare da oben an der Macht, sondern auch auf uns, weil wir uns berieseln lassen und ständig in Kämpfen untereinander Gesagtes wieder- und wiederkäuen. Schramm ist nicht radikal, Schramm sagt die Wahrheit! Auch, wenn ihr sie nicht hören wollt. Er ist nicht zynisch, die Realität ist zynisch. In seinem Humor fasst er unser ganzes krankes Gefüge zusammen.

Danke Georg Schramm! Irgendwo muss es noch Hoffnung geben…
EineigenwilligerAutor , 01. Juni 2012 - 23:20 Uhr

Kommentar schreiben

kleiner | grösser

busy