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"Kasimir und Karoline" in Düsseldorf
© Sebastian Hoppe
Düsseldorf, 19. Mai 2013
Anarchisches Herz
Jahrmarktzeit am Rhein: Marianna Salzmann hat Ödön von Horváths Kasimir und Karoline bearbeitet, Nurkan Erpulat hats am Düsseldorfer Schauspielhaus inszeniert. Herausgekommen ist Horváth ohne Horváth, aber mit vielen aktuellen Bezügen, Wutreden, und irgendwann wirds auch wirklich lebendig. Mehr von Martin Krumbholz.
Wien, 19. Mai 2013. Klassiker-Bearbeitung auch bei den Wiener Festwochen: Turbo-Ibsen kann man nennen, was der australische Regisseur Simon Stone und seine Schauspieler mit "Die Wildente" machen. The Wild Duck hat Tempo, pointierte Dialoge und reines Gefühl: Kai Krösche über einen starken Abend.
Wien, 19. Mai 2013. Der in Sarajevo geborene Regisseur Oliver Frljić hat jüngst in Graz europäische Geschichte neu erzählt. In Mrzim istinu!/Ich hasse die Wahrheit! befagt er nun (s)eine Familie, deren Spaltung mit der jugoslawischen Volkszählung begann und im Bürgerkrieg ihren Lauf nahm. Mehr von Leopold Lippert.
Seit dem 11. Mai laufen die 38.
Mülheimer Theatertage NRW (
zur Festivalübersicht), heute tritt Moritz Rinke mit
Wir lieben und wissen nichts im Wettstreit um den Mülheimer Dramatikerpreis an
. Die Uraufführung in Frankfurt sah
Esther Boldt.
Nazis als Protagonisten, rassistische Worte in Schauspielermund – was darf sein, was nicht? Immer wieder wurde dies letzthin diskutiert. Im Wiener Parlament sind jetzt historische und zeitgenössische Reden rechter Politiker zu hören, inszeniert von
Christoph Marthaler im Rahmen der Wiener Festwochen. In
Letzte Tage. Ein Vorabend stellt er ihnen die Musik jüdischer Komponisten entgegen.
Kai Krösche ließ sich beunruhigen – und begeistern.
Welch Maschinchen mag er sich zu Tschechows
Die Möwe ausgedacht haben, der Regisseur und Bühnenkonstrukteur
Andreas Kriegenburg? Immerhin geht es in dem Stück auch um das Theater, ums Spiel im Spiel. Ob und wenn ja welche Übersetzung Kriegenburg findet, berichtet
Esther Boldt.
Elfriede Jelineks
Sportstück, das Einar Schleef einst mit einer Hundertschaft von Darstellern ins Burgtheater wuchtete, wird bei
Marcus Lobbes am Saarbrücker Staatstheater jetzt in die Wohnzimmerwelt von Sportschauguckern verlegt.
Stefan Schmidt sah dort die Avatare schwitzen.
Der "Schuldenberg" wölbt sich in der Hose des alten Mannes: Sie sind nicht nur geiler, sondern auch besser dran, die Alten in
räuber.schuldengenital von Ewald Palmetshofer. Alexander Riemenschneider hat den Text im Marstall des Residenztheaters inszeniert und
Michael Stadler war dabei.
Es gibt Autoren, die recherchieren vor Ort, manche lesen viel Theorie, andere verwursten Biographisches. Nichts von alldem tut der außergewöhnliche flämische Autor und Regisseur
Jan Decorte. Er hat nun an den Kammerspielen sein Stück
O Death uraufgeführt, wie immer zusammen mit seiner Partnerin. Genaueres über die Eigenheiten des Theatermachers und seiner Inszenierung weiß
Sabine Leucht.
Unvorstellbare 1127 Tote in einer Textilfabrik in Bangladesh hat es gebraucht, bis sich nun vielleicht etwas ändert. Zu diesem Zeitpunkt dürfte Regisseurin
Marie Bues schon mitten in den Proben für
Die Weber gewesen sein. Mit ihrer Hauptmann-Bearbeitung ist sie nun ganz nah am Tagesgeschehen, sagt
Tobias Prüwer.
Auf dem Linzer Programmzettel wird Thomas Bernhard zitiert. Das weckt natürlich Erwartungen an Heimat-Beschimpfung, die sich Regisseurin
Heike Frank vorgenommen hat, und zwar mit
Felicia Zellers Text
Triumph der Provinz. Auf der Bühne lässt sie das ganze am Wirthaustresen spielen, mehr darüber von
Reinhard Kriechbaum.
Mitten im Wahlkampf platzt ein Lebensmittelskandal: genmanipulierter Hopfen hat hermaphroditische Wirkung, die sich von den Redenschreibern kaum noch als Gleichstellungspolitik schönreden lässt. So passiert's ins
Feelgood von Alistair Beaton, einem der Autoren der früheren englischen Politsatire "Spitting Image".
Tim Egloff hat das Stück am Jungen Theater Göttingen inszeniert. Mehr von
Leonie Krutzinna.
Weiter geht's: Wir berichten vom vierten Abend im
12-Spartenhaus. Warum die Frage der Fragen endlich nicht mehr gestellt werden sollte, schreibt der enttäuschte
Matthias Weigel.
Aus einem Stummfilm der zwanziger Jahre, von dem sich auch schon Rainer Werner Fassbinder inspirieren ließ, hat
Christoph Nußbaumeder die Hauptfigur seines neuen Stücks
Mutter Kramers Fahrt zur Gnade ausgeliehen. Und sie zur pensionierten Grundschullehrerin umgeschminkt. Wie sie in
Heike M. Götzes Inszenierung der Uraufführung bei den Ruhrfestspielen aussieht, weiß
Sarah Heppekausen.
Daniel Stein von Ljudmila Ulitzkaja erzählt von einem polnischen Juden, der die deutsche Besatzung überlebt, nach Israel auswandert, zum Christentum übertritt, ein Kloster gründet. Starker religio-politischer Tobak, mit dem das Theater Freiburg seine "Themenwoche Glauben" eröffnet hat.
Annette Hoffmann berichtet.
In
Die Kinder von Wien von Robert Neumann hausen die verlorenen Kinder der Opfer mit den Kindern der Täter zusammen in den Kellern des Nachkriegs.
Anna Maria Krassnigg bringt den Roman in zwei Teilen für die Wiener Festwochen auf die Bühne.
Martin Pesl hat den ersten Teil "Story" betrachtet.
Mord weder aus Not noch aus Leidenschaft, weder um zu rauben noch um zu rächen.
Roberto Zucco ist der prototypische grundlose Mörder, dessen realen Fall der Autor Bernard-Marie Koltès in den achtziger Jahren aufgriff, auch weil da einer jeder bürgerlichen Moral spottete. Regisseur Miloš Lolić hat das Stück am Münchner Volkstheater inszeniert, und zwar gelungen mit sich steigerndem Crescendo. Mehr von Willibald Spatz.
Auch am dritten Abend pilgerte eine Nachtkritikerin ins
12-Spartenhaus, das die verrücktesten aller verrückten Theatermacher (Vegard Vinge und Ida Müller) in den Prater der Berliner Volksbühne gebaut haben. Was diesmal geschah? Kurz und bündig sagt es
Sophie Diesselhorst.
Die deutsche Erstaufführung im Berliner Schiller Theater war der letzte Triumph des Brecht-Schülers Benno Besson. 'S ist 20 Jahre her; jetzt endlich mal wieder, nach langer Furcht vor verbrannten Kunstfingern, wagt sich einer an Coline Serreaus
Hase Hase. Patrick Schlösser hat die winzige Wohnung von Mutter Hase in Kassel aufgeschlagen und das Ensemble zu größer Spiellust verführt.
Michael Laages war angetan.
Homosexualität, Antisemitismus, Menschenopfer. Shakespeare ließ es im
Kaufmann von Venedig wirklich an Nichts fehlen und gab das Ganze auch noch spöttisch als Komödie aus. Catja Baumann hat sich dem Zwiespalt von Schauerdrama und Komödie gestellt,
Regine Müller war im Rheinischen Landestheater dabei.
Kurz vor Mitternacht, nach fast sechs Stunden Aufführungsdauer, sah man die Ausgesperrten noch vor den Türen des
12-Spartenhauses von
Vegard Vinge und
Ida Müller am Volksbühnen-Prater herumstehen. "Viel los drinnen", hieß es, aber alles hinter verriegelten Türen, alles per Video. "Fast wie eine Installation auf der Documenta". Dann aber öffneten sich die Tore doch noch. Und
Georg Kasch trat ein. Siehe auch:
#12sh
Schauspielübungen auf dem Dachboden, während im Erdgeschoss eine Famile um einen Zipfel Familienglück ringt – in Person eines auf dubiosem Wege angenommenen Kindes. Gerhart Hauptmanns Prekariatsstück
Die Ratten ist ein Dauerbrenner auf deutschen Bühnen. Jetzt am Dresdener Staatsschauspiel, wo
Susanne Lietzow inszenierte und
Ute Grundmann zugeschaut hat.
Zwar ist sie nicht seine einzige Geliebte. Aber
Anatol will doch ihr Einziger sein. Aber dann wagt er nicht, die Frage zu stellen, die ihm Gewissheit brächte. Arthur Schnitzler hat sich den Mann und seine Liebensreigen 1893 ausgedacht. Regisseur
Marco Štorman hat die ewig aktuelle Geschichte wieder aufgelegt.
Andreas Wicke berichtet.
Der Fußballclub Türkiyemspor ist eine Berliner Kiez-Legende: Wacker beackert der migrantisch geprägte Club seit den 1970er Jahren die unteren Ligen, gegen alle Verbandsauflagen, gegen Anfeindungen von Fans.
Imran Ayata und
Neco Çelik haben ihm jetzt den Doku-Abend
Liga der Verdammten am Ballhaus Naunynstraße gewidmet.
Hartmut Krug sah zu.
Georg Kaisers
Gas I & II ist ein Menetekel. Das in den 10er Jahren des 20. Jahrhunderts entstandene Doppeldrama stellt die Menschheit auf die Probe – und lässt sie natürlich scheitern. Regiealtmeister
Hansgünther Heyme hat sich für seine Inszenierung des expressionistischen Texts im Rahmen der Ruhrfestspiele eine schwierig zu bespielende Bühne bauen lassen und den Abgesang ansonsten ästhetisch in seiner Entstehungszeit verortet. Mehr von
Sascha Westphal.
Die berühmte Geschichte von Peter Pan, diesem Jungen, der nicht erwachsen werden will, und das Mädchen Wendy mit seinen Brüdern nach Neverland entführt, hat ihre Unschuld längst verloren. In neue Abgründe führt nun die spanische Regisseurin und Extremperformerin
Angélica Liddell, deren Abend
Todo el cielo sobre la tierra (El síndrome de Wendy) die Wiener Festwochen eröffnet hat.
Kai Krösche ist begeistert.
Manege frei für eine weitere Nummer in der Festivalarena des Leipziger Centraltheaters!
Endspiel heißt sie, und Beckett wird hier auch gesprochen, aber in der Inszenierung von
Martin Laberenz passieren zunächst mal andere Dinge.
Juliane Streich berichtet.
Einsame Menschen, wenige Worte, ein Fjord – das sind die Zutaten, aus denen
Jon Fosses Dramen gemacht sind. Auch
Schönes, trotz mitunter glücklicher Paare, dessen Schweizer Erstaufführung Altmeister
Werner Düggelin jetzt am Zürcher Schauspielhaus inszenierte – mit unerbittlicher Klarheit.
Andreas Klaeui ist begeistert.
So selten kommt es ja nicht vor, dass ein Bühnenautor nicht einverstanden ist mit der szenischen Bearbeitung seines Textes. Nur wenige allerdings befehden Theater und Verlag so vehement, wie es
Oliver Kluck tat angelegentlich seines neuen Stücks
Was zu sagen wäre warum, das Alice Buddeberg am Schauspiel Frankfurt herausbrachte.
Grete Götze weiß mehr.
Und? Was kommt nach uns? Wie werden es die Kinder einmal haben? Gibt es für sie überhaupt eine lebenswerte Zukunft? Große Fragen,
Ivana Sajko hat dazu ein kleines Stück geschrieben. Sajko schreibt mit Vorliebe kleine Stücke über große Fragen. Vielleicht ist das die Bescheidenheit einer nicht mehr zukunfts- und fortschritts-gläubigen Generation.
Das sind nicht wir, das ist nur Glas hat
Steffen Becker gesehen.
Er ist einer der letzten verbliebenen Pfadfinder für Wege in das Werk
Heiner Müllers, für Wege in den Terror des 20. Jahrhunderts und in den Terror der Wörter: der Regisseur
Dimiter Gotscheff. Um seinen siebzigsten Geburtstag herum hat er am Residenztheater Müllers beklemmendes Nachspiel zur russischen Revolution
Zement inszeniert.
Sabine Leucht schaute sich das Ergebnis an.
Bei Milo Raus
Zürcher Prozessen im Theater Neumarkt ist der Angeklagte, die in den Rechtspopulismus abgedriftete Zeitschrift "Weltwoche", gestern abend freigesprochen worden! Vom ersten von insgesamt drei Verhandlungstagen berichtete für uns
Ewa Hess.
An den Kammerspielen hat
Armin Petras den alten Prozess von Franz Xaver Kroetz wiederaufgerollt:
Bauern sterben, der magische Literar-Sozial-Realismus gegen die falsche Einrichtung der Welt.
Cornelia Fiedler hat die Sache beobachtet.
Es würrrrrde weiterrrrgehen, hatte der Pappkopf Vinge letztes Jahr am Ende der Aufführungsserie von "John Gabriel Borkman" versprochen. Noch ärger, noch wüster, noch längerrrrr. Man war auf einiges gefasst, als
Ida Müller und
Vegard Vinge ins
12-Spartenhaus in den Prater der Berliner Volksbühne baten.
Anne Peter ist erwartungsvoll hingelaufen.
Arm und Reich heißt ein multimediales Projekt m Zürcher Schauspielhaus. Teil davon sind
Drei neue Stücke von Lukas Bärfuss, Händl Klaus und Michail Schischkin über das eine reiche Prozent der Schweizer Bevölkerung.
Claude Bühler war bei der Premiere.
Auch aus einer mittelmäßigen Ehe kann sich ein mächtiges Haupt erheben: Henrik Ibsens wohnzimmergelangweilte
Hedda Gabler ist eine Paraderolle, jetzt auch für Nina Hoss.
Stefan Pucher hat die Ausnahmeaktrice zum Auftakt der Ruhrfestspiele Recklinghausen als Hollywood-Diva inszeniert.
Andreas Wilink war vor Ort.
Vive la Revolution! Oder was? Am Hannoveraner Schauspiel unterzieht
Tom Kühnel die französische Historie 1789ff. in seinem Jugend- und Erwachsenentheaterprojekt
Die französische Revolution. Born to Die einer multiperspektivischen Prüfung. Mehr von
Tim Schomacker.
Es brummt, surrt und bellt im
Abecedarium bestiarium. Diese Geräusche macht kein Tier, sondern Antonia Baehr. In ihrer neuen Performance, die sie zur
Eröffnung des Kunstenfestivaldesarts uraufführte, erkundet sie den Bereich zwischen Mensch und Tier.
Esther Boldt hat sich bezirpen lassen.
Das Stadttheater, das gute alte, wird immer wieder durchs Fegefeuer der Krise geschickt: Feuilletondebatten, Sparrunden. Im Theater Basel hat Schauspielchef
Tomas Schweigen nun vier Regisseure eingeladen, für
Vaudeville. Open Air! Schaubudiges zum Thema zu inszenieren.
Claude Bühler begutachtet das Ergebnis.
Über "Die traurigsten & unverschämtesten Künstler-Gagen & Auditionerlebnisse" kann man zur Zeit auf Facebook alles Haarsträubende erfahren. Wie es ist, wenn man Bühnenjubiläum feiert, alle geneigt sind und gratulieren, aber keiner ein Geld hat für Bühnenbild, Glamour und Show davon erzählt Jochen Rollers und Mónica Antezanas
Der Carpenter-Effekt auf Kampnagel in Hamburg.
Falk Schreiber hat zugeschaut.
Eine solche Glanzbesetzung, zum Zunge schnalzen! Burghart Klaußner, Jens Harzer, Bernd Grawert, Patrycia Ziolkowska. Regisseur
Luk Perceval hat sie am Hamburger Thalia Theater versammelt, um mit seiner Adaption von Fjodor M. Dostojewskis Roman
Die Brüder Karamasow letzte Fragen nach Reinheit und Schuld, Gott und Unsterblichkeit zu stellen. Da müssen doch Funken sprühen! Wie hoch, sagt
Katrin Ullmann.
Noch ein Glanzspieler: Steven Scharf, der große Kraftvolle der Münchner Kammerspiele.
Stephan Kimmig schickt ihn in ein Kopfkino der Obsessionen, gebastelt aus Michel Houellebecqs Roman
Plattform.
Sabine Leucht genoss das Spiel der Projektionen.
Ontroerend Goed sind fünf PerformerInnen aus Gent. Koba Ryckewaert, 18 Jahre, ist eine von ihnen. Sie weiß, dass eine ganze Menge Dinge falsch laufen auf der Welt. Sie sucht einen Zugriff. Weil sie im Schreiben besser ist als im Sprechen, nimmt sie ein Stück Kreide.
All that is wrong läuft beim Auawirleben-Festival in Bern.
Simone von Büren hat zugesehen.
Alfred Jarrys
König Ubu aus dem Jahre 1896, diese grelle Parodie auf Shakespeare, auf Könige, Diktatoren und Physiklehrer, ist selten auf großen Bühnen zu sehen. Der ungarische Theatermacher
Viktor Bodó hat jetzt am Theater Heidelberg die ganz große Nummer gewagt und ein opulentes, aberwitziges Assoziationsgewitter krachen und tosen lassen. Einen der lustigsten Theaterabende dieser Spielzeit erlebte
Stefan Keim.
Ulrich Matthes ist einer der großen Schauspielköpfe des deutschen Films, der deutschen Bühne, des Deutschen Theaters Berlin. Jetzt ist der Vielgeliebte mal wieder ans Regie-Pult gewechselt und dirigiert von dort aus seine Kollegen in Simon Stephens' Transit-Stück
Wastwater.
Eva Biringer berichtet.
"Wie schnell ist dein Prozessor?" Wie findet man in Zeiten der Festplattenoptimierung zu wahrhaftigen Gefühlen und bringt sie authentisch auf die Bühne? Das fragen sich
NO99 aus Estland in
Jeder echte Herzschlag beim Auawirleben-Festival in Bern.
Brigitta Niederhauser hat zugeschaut. Hier geht's zur
Festivalübersicht.
Oliver Frljić hat mit raffinierten Metatheaterabenden jüngst bei der Wiesbadener Biennale "Neue Stücke aus Europa" 2012 auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt inszeniert der gebürtige Bosnier und Kosmopolit erstmals in deutscher Sprache:
Where Do You Go To, My Lovely ...?Reinhard Kriechbaum besuchte eine wilde Europa-Befragung.
Tief gräbt der Österreicher
Thomas Arzt in
Alpenvorlandin der gruftigen Heimaterde und fördert manchmal Kalauer daraus hervor. Im vergangenen Jahr gewann er mit seinem Stück über eine Clique von Thirtysomethings und deren Schwierigkeiten beim Häuserbau auf schwankendem Heimatgrund den Autorenpreis des
Heidelberger Stückemarkts. Gestern hat Jens Poths Inszenierung die 2013-Ausgabe des Stückemarkts eröffnet.
Ralf-Carl Langhals berichtet.
Der Schriftsteller
Markus Orths schreibt normalerweise Romane. Nun hat er sein erstes Theaterstück geschrieben, mit dem er auch gleich den Wettbewerb "Nichts war, wie's wird" zum 150-jährigen Jubiläum des Theaters Baden-Baden im Jahr 2012 gewann. Katja Fillmann hat
Die Entfernung der Amygdala nun auch dort uraufgeführt. Was Amygdala überhaupt bedeutet?
Harald Raab sagt auch das.
Soll sie den Klempner verführen? Oder sich dem Dorf-Casanova hingeben? Die britische Dramatikerin
Penelope Skinner lässt eine junge Frau den Ausbruch aus der Pärchenhölle proben. Unter dem Titel
Freihändig (The Village Bike) hat Anatol Preissler jetzt die deutsche Erstaufführung des Londoner Publikumhits für die Landesbühne Niederbayern inszeniert.
Cornelia Fiedler war in Landshut dabei.
Wenn zwei Investmentbanker Freunde sind, die Bank zusammenkracht, der eine zur Finanzaufsicht wechselt, der andere weiter seine Geschäftchen treibt, der fiese Oberkapitalist die junge Frau seines indisch-stämmigen Angestellten zutextet, was passiert dann weiter? Der britische Autor
Nicholas Pierpan hat Ökonomie studiert und kennt sich aus am Finanzplatz London – welche Insider-Informationen sein Pleite-Stück
Killerinstinkt ausplaudert, weiß
Willibald Spatz.
Der Autor
Clemens Meyer ist ein großer Star in Leipzig. Eine Art inoffizieller Stadtschreiber der Abgehängten. Für den Zieleinlauf der Intendanz Hartmann hat sich das Centraltheater den Lokalmatador (nicht zum ersten Mal) vorgenommen.
Gewalten heißt das Buch mit Leipziger Erzählungen, das Sascha Hawemann nun in die Arena gebracht hat.
Mathias Schulze sah die Premiere.
Pah! Die Volksbühne im Niedergang? Die Unkenrufe sind verklungen. Ex-Ensemble-Mitglied Herbert Fritsch, Ex-Prater-Chef René Pollesch und Immer-noch-Intendant Frank Castorf rocken das Haus. Und jetzt kehrt auch noch der alte Glanzzeit-Recke
Johann Kresnik zurück, der seit 2002 nicht mehr in Berlin gearbeitet hat. In
Villa Verdi trommelt er gestandenes Bühnenvolk zur Rettung des Vierspartentheaters zusammen. Ganz große Oper?
Sophie Diesselhorst war zugegen.
Dicke Bücher mit steilen Thesen, erst recht wenn sie von markigen Mannsbildern vorgetragen werden, sind stets ein gefundenes Fressen für
Patrick Wengenroth und sein fröhliches Dekonstruktionstheater. Nun also das Buch der Bücher in dieser Kategorie: Klaus Theweleits
Männerphantasien.
Steffen Becker weiß mehr.
Der Mensch als Maschine – Traum oder Albtraum? Im digitalen Zeitalter scheint er immer mehr Wirklichkeit zu werden. Jetzt manövrierte
Stefan Kaegi von Rimini Protokoll in
Remote Berlin einen gut gelaunten Theaterschwarm via GPS vom Berliner HAU aus durch die Stadt.
Christian Rakow schwarmte mit.
Medea als Gudrun Ensslin, Jason als Andreas Baader? Diese Lesart testen Autor Izy Kusche und Regisseurin Antje Schupp in ihrem Projekt
Thriller! Jason und Medea kurz vor Mitternacht in der Wiener Off-Stätte Garage X. Wie's funktioniert, sagt
Patrick Holzapfel.
Seit zwei Jahren weitet die Jury des Münchner Regienachwuchs-Festivals
Radikal jung seinen Blick über die deutschsprachigen Grenzen. In diesem Jahr sind zwei israelische Abende dabei:
Shall we dance und
Mein Jerusalem – A Performance by Sabine Sauber vom Leben mit und in der Kunst.
Michael Stadler erlebte beeindruckende Überschneidungen.
Drei Jahre war das Deutsche Schauspielhaus ohne Intendanz, in ein paar Wochen ist auch Geschichte, was von der Ära des 2010 zurückgetretenen Friedrich Schirmer übrigblieb. Mit
Ritt in die Sonne präsentiert sich noch einmal (fast) das gesamte Ensemble, Regie führte mit Samuel Weiss einer der ihren.
Falk Schreiber sagt leis' Adieu.
Wolfram Lotz' abgründiges Stück
Einige Nachrichten an das All ist nun in Marburg angekommen, angerichtet auf drei Ebenen von Jonas Knecht als witzig-leichter Abend über die Zufälligkeit des Lebens.
Grete Götze war dabei.
Die österreichische Schimpfe-laut-Schimpfe-leis'-auf-die Heimat-Tradition reicht von Horváth bis Bernhard und drüber hinaus. Sie ist ein Pfund, ein Packerl im Genick ist sie auch.
Thomas Arzt versucht es zu tragen,
Alpenvorland heißt sein gepreistes Stück, in Linz ward's uraufgeführt,
Reinhard Kriechbaum war mit von der Partie.
Hoffmanns Erzählungen ist eigentlich eine Oper von Jacques Offenbach, aber Markus Bothe hat aus deren Struktur einen Abend für das Düsseldorfer Schauspielhaus gebastelt. Dass der Abend zündet, liegt an Hoffmann-Darsteller Christian Ehrich, wie
Martin Krumbholz ausführt.
Am Tag nach dem Anschlag geht das Leben seinen Gang wie gewohnt. Diejenigen, die zu dunkel aussehen für das große mitteleuropäische "Wir" werden gejagt, verdächtigt und eingekreist.
I call my brothers heißt das neue Stück des schwedischen Autors
Jonas Hassen Khemiri,
Martin Pesl hat die Inszenierung von Michael Ronen in St. Pölten gesehen.
Um das Spiel mit der Wirklichkeit geht es noch bis heute Abend bei den
Basler Dokumentartagen 13 – hier die Festivalübersicht.
Ein Gesellschaftspanorama des irrwitzigen und krisengeschüttelten Berlin der 1920er Jahre ist der Roman
Wolf unter Wölfen – wo sich alles zu schnell dreht und die Menschen ihr Leben verspielen. Bei
Roger Vontobel, der das Opus magnum von Hans Fallada am Deutschen Theater als Inflationsrevue in Szene gesetzt hat, ist dieses Berlin eine Roulettescheibe. Welche Kunststücke die Darsteller darauf vollbringen, schreibt
Christian Rakow.
Ferdinand Bruckner lässt seine Nachdichtung von Kleists
Marquise von O. mit einer Vergewaltigung beginnen und den Vergewaltiger sich anschließend in sein Opfer verlieben. Am Akademietheater hat
Yannis Houvardas die Geschichte in hochkarätiger Besetzung inszeniert. Mit Peter Simonischek zum Beispiel.
Kai Krösche berichtet.
"Das ist keine Freakshow!" stellt der Impresario der viktorianischen Theatertruppe klar, die Anthony Neilson in seinem Stück
Edward Gants Bravourstücke der Einsamkeit porträtiert. Beherzigt
Juliane von Sivers das in ihrer Inszenierung?
Stephanie Drees weiß mehr.
Die Eidgenossen sind nur noch Statisten in einem streng bewachten Themenpark, zu dem ihr Heimatland Schweiz längst geworden ist. Das ist das Setting des ersten Stücks des Kabarettisten Gabriel Vetter
Der Park, das
Simon Solberg jetzt am Theater Basel uraufgeführt hat.
Annette Hoffmann war dort.
Maren Ades Film
Alle anderen erzählt die Geschichte eines Paares, das sich fast verliert, weil es so wie die anderen sein will. Ronny Jakubaschk hat dem erfolgreichen Stoff seine Theateruraufführung beschert – mehr von
Kai Bremer.
Was haben (nicht nur) Franz Kafka und William Shakespeare gemeinsam? Sie hatten ein Problem mit ihrem Vater. Und haben es literarisch bearbeitet. In Jena hat Christopher Rüping sie an einen Tisch gesetzt und Heiner Müller dazu eingeladen. Außerdem seine Schauspieler, die auch etwas zu dem Thema zu sagen haben. Wie der Abend mit dem Doppeltitel
Titus Andronikus - Brief an den Vater klingt und aussieht, weiß
Christian Baron.
Der Protagonist von Alexander Moltschanows
Mörder ist ein halbstarker Traumtänzer –
Philipp Löhle, der die deutschsprachige Erstaufführung des Stücks inszeniert hat, hat ihn zum debilen Allerweltsproleten gemacht. Und auch sonst auf die Tube gedrückt. Mehr von
Shirin Sojitrawalla.
Ist es die ultimative Entrückung des Kindlichen? Am Berliner Ensemble inszeniert Robert Wilson die Kindergeschichte
Peter Pan, zu Wilsons Spieluhrfiguren-Ästhetik gesellt sich die Spielzeuggeräusch-Musik des amerikanischen Geschwister-Duos
CocoRosie. Welche schweren Geschütze der Kindlichkeit der Abend sonst noch auffährt, weiß
Simone Kaempf.
Was, wenn die romantische Liebe reine Illusion wäre? Dann bliebe von
Romeo und Julia-Paaren etwa nur noch unterleibsgesteuerte Triebgymnastik. Wie bei Lars Eidinger, der Shakespeares Drama – als seine zweite Regiearbeit – an der Schaubühne inszenierte.
Anne Peter war dabei.
Den alten Kleist-Stoff
Das Käthchen von Heilbronn hat Regisseur Jérôme Junod gleich in vielerlei Zeiten und Welten verlegt. Dass in St. Gallen gar mit Schneebesen gefochten wird, berichtet
Gerd Zahner.
Nein, es sind natürlich nicht die smarten Google-Glasses, die die vier Damen aus dem Ensemble der Tokyoter Seinendan Kompanie hier auf dem Foto tragen. Auch wenn es Brillen mit Visionssoftware sind. Doch die Optik stammt im vorliegenden Fall aus dem Pariser
Vivarium Studio von Philipp Quesne.
Anamorphosis アナモルフォーシス heißt der neue Abend, der in Japan entstanden und nun im PACT Zollverein herausgekommen ist.
Sarah Heppekausen weiß mehr.
Afrika ist in den Fokus des Theaters gerückt. Deutsch-afrikanische Produktionen haben Konjunktur. Einer der Pioniere ist der österreichische Regisseur
Stephan Bruckmeier, der 2009 in Nairobi mit Jugendlichen aus Slumvierteln das Hope Theatre gegründet hat. Am Theater Rampe kam jetzt das zweite Projekt
Fair Deal – Fair Act – Fair Trade heraus.
Verena Großkreutz berichtet.
Franz Grillparzers
Die Ahnfrau war vor 200 Jahren in Wien ein Riesenkracher und befeuerte zudem mit seinen schaurig-schönen Versen die damals schwelende ästhetische Diskussion um den Begriff des Tragischen neu. Doch was ist aus dem Pathos von damals geworden? Burg-Chef
Matthias Hartmann versuchte nun, im Kasino den Staub der Jahrhunderte von dem Stück zu klopfen.
Hartmut Krug berichtet.
Ein Haltbarkeitstest: Vier ältere Texte von
Dea Loher hat das Schauspiel Stuttgart vier jungen Regisseuren für das Loher-Projekt
Magazin des Glücks überlassen. Ob der erlesene Wein in neuen Schläuchen auch gut mundet, weiß
Thomas Rothschild.
So wollte es das Publikum! Oder? Dieses Stück war der Gewinner der höchst umstrittenen Spielplanwahl, die das Thalia Theater Hamburg im Herbst 2011 anzettelte:
Die Ehe des Herrn Mississippi von Friedrich Dürrenmatt. Regisseurin
Christine Eder würzte die 61jährige Politkomödie nun mit einer Prise Tarantino und einem Hauch Herbert Fritsch. Wie die Chose gemundet hat, sagt
Falk Schreiber.
Ja, klar – hier wird texttreu gearbeitet und psychologisch interagiert, wir sind schließlich bei
Andrea Breth! Dann aber wird fast ein ganzer Akt gestrichen. Was ist denn nun passiert? Eines ist schon mal sicher: Henrik Ibsens Spätwerk
John Gabriel Borkman wird von elender Eleganz über hysterisches Glühen bis in die eisigste Hölle gejagt. Mehr über das Scheitern eines größenwahnsinnigen Bankers vor Frankfurts Finanzkulisse von
Ralf-Carl Langhals.
Wer sich dieses Stück vornimmt, arbeitet unter dem Glorienschein der Theatergeschichte, denn Jewgeni Schwarz'
Der Drache war in Benno Bessons Ostberliner Inszenierung von 1965 einst legendär und ist es wahrscheinlich immer noch.
Wolfgang Engel hat nun die Diktaturparabel wiederaufgelegt. Mehr von
Ralph Gambihler.
Ein Buch, so einschmeichelnd und verführerisch wie sein Sujet:
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull von Thomas Mann.
Lars-Ole Walburg, sonst Hausherr in Hannover, hat jetzt den Stoff auf die Bühne des Zürcher Schauspiehauses gebracht. Und
Gerd Zahner eingewickelt.
Der Skandal um die Endlos-Sanierung des Schauspielhauses ist natürlich ein dankbares Theaterthema. Erst recht für einen wie
René Pollesch, der immer ganz gern hohen Diskurs mit echtem Leben verquirlt. Was sonst noch geschah, in
Die Revolver der Überschüsse, weiß
Verena Großkreutz.
plebs coriolan – ein spröder Titel, der nach Shakespeare-Überschreibung klingt. Doch
Kevin Rittberger zeigt am Schauspielhaus Wien eine komplexe gesellschaftliche Fantasie über die besitzstandslose Masse und schafft zugleich eine surreale Kunstwelt. Kompliziert?
Kai Krösche klärt auf.
Im Bühnendunkel bewegt sich ein kleines Boot. Als Passagiere: zusammengedrängte (Puppen-)Köpfe, die sich flüsternd unterhalten. So schaut aus, wenn sich auf Kampnagel das
Hajusom-Ensemble mit dem Puppenbauer Niklas Loycke von
Das Helmi für den Abend
Paradise Mastaz zusammentut.
Nikolaus Stenitzer ist beeindruckt.
Unter den Romanen auf der Bühne erfreut sich
Anna Karenina besonderer Beliebtheit. Schließlich lässt sich mit Tolstois 1200-Seiten-Wälzer wunderbar über Liebe und Gesellschaft nachdenken. 2008 dramatisierte Armin Petras ihn für Jan Bosse, die Figuren hockten in einem riesigen Baukasten. In Basel schickt die Filmregisseurin
Bettina Oberli sie in ihrer ersten Theaterinszenierung auf die schiefe Ebene.
Annette Hoffmann hat zugeschaut.
Mit Beethoven, brutaler Jugendgewalt und viel kunterbunter Psychedelik kommt Anthony Burgess' Romanklassiker
Clockwork Orange daher. Am Schluss schreiten dort die Neuro-Mediziner zum qualvollen Experiment am Menschen. In
Hermann Schmidt-Rahmers freier Adaption in Essen stehen die Hirnforscher von Anfang an auf der Bühne und bitten zur Science Lecture.
Sarah Heppekausen begab sich in den Hörsaal.
Zwischen den Frauen taumelt er, die Liebe greift er und lässt sie wieder fallen. In den Himmel steigt er auf und darf doch noch einmal zurück auf die Erde:
Liliom, der Strizzi, der Womanizer, die Drecksau aus dem Wiener Prater, der keinen Halt im Leben findet.
Barbara Frey, etatmäßige Chefin am Zürcher Schauspielhaus, hat Franz Molnárs 100 Jahre alte "Vorstadtlegende" am verschwisterten Burgtheater als sensibles Sprachstück inszeniert. Die Titelrolle, eh klar, ein gefundenes Fressen für Nicholas Ofczarek.
Reinhard Kriechbaum ist fasziniert.
Wer den gefeierten Jungregisseur
Antú Romero Nunes schon immer mal auf der Bühne erleben wollte, bekommt jetzt eine gute Gelegenheit: In der deutsch-mexikanischen Ko-Produktion
'N Haufen Kohle am Maxim Gorki Theater lässt sich der Vielgeliebte u.a. von Boxkämpfern vermöbeln, wie
Eva Biringer berichtet.
Das Dokumentartheater wirft seine Netze immer weiter aus. In Göttingen hat die
werkgruppe2 einige der 400.000 in Deutschland tätigen Sexarbeiterinnen interviewt und aus den gewonnenen Einsichten den Theaterabend
Rotlicht geschaffen.
Jan Fischer war bei der Premiere.
In Carl Sternheims Zyklus
Aus dem bürgerlichen Heldenleben kann man eine Krise der Bürgerlichkeit begutachten, die viel mit heutigen Befindlichkeiten gemein hat. Die Inszenierung von
Nicolai Sykosch sah
Alexander Kohlmann.
Liliom auf allen Bühnen. Auch in Bochum gewähren die Theater-Himmelsmächte dem Jahrmarkt-Heros einen neuen Auftritt. Nach langer Pause hat
Christina Paulhofer wieder inszeniert,
Martin Krumbholz betrachtet das Resultat.
Anfang der 1970er Jahre, da wurde das Leid der sogenannten kleinen Leute noch nicht ausschließlich in Krawall-TV-Shows verwurstet. Dramatiker wie Franz-Xaver Kroetz oder Karl Otto Mühl schrieben ihre Geschichten auf.
Rheinpromenade hieß das Stück, mit dem Mühl 1974 der Durchbruch gelang. Nora Bussenius hat es nun wiederentdeckt.
Guido Rademachers weiß mehr.
Auch mit 62 Jahren kann man Nachwuchsdramatiker werden:
Hartmut Musewalds bitterböses Krimidrama
Verpiss dich gewiss gewann die Essener Autorentage "Stück auf!" und wurde jetzt ebendort von Matthias Kaschig uraufgeführt. Es geht um Gammelfleisch, fleischliche Gelüste und schlechtes Gewissen, das sich einfach nicht verpissen will. Wie das Ganze dem Theater bekam, sagt
Dorothea Marcus.
Die Stücke von
Kai Hensel gehören zu den meistgespielten auf deutschsprachigen Bühnen. Gleich drei neue Hensel-Stücke standen am Schlosstheater dem Publikum zur Uraufführungs-Wahl. Die Celler haben sich für
Die Offenbarung des Ralf entschieden. Was daraus wurde, berichtet
Stephanie Drees.
Was passiert, wenn man den berühmtesten Text der Dramengeschichte der Willkür von Algorithmen ausliefert? Die amerikanische Regisseurin Annie Dorsen jagt für
A Piece of Work Shakespeares "Hamlet" durch den Computer. Was dabei herausgekommen ist, betrachtete
Martin Pesl beim Gastspiel im Wiener brut.
Eigentlich sollte Karin Henkel Anton Tschechows
Onkel Wanja an den Münchner Kammerspielen inszenieren. Sie erkrankte während der Proben, Hausherr Johan Simons übernahm die tragikomischen "Szenen aus dem Landleben". Verderben viele Köche tatsächlich den Brei? Oder gelingt ihnen gemeinsam gar der große Wurf?
Petra Hallmayer war dabei.
"Folgen Sie dem Mann mit der Kapuze", flüstert einem eine Frau auf der Straße zu. Schon ist man drin im Stadtspiel
T.R.I.P., das vom Theaterkollektiv
Kulturfiliale und dem Staatstheater Schwerin als Open-World-Game entwickelt wurde und inspiriert von offenen Computer-Spielwelten ist: ein Spiel mit Blicken und Perspektiven. Real-Life-Gamer
Christian Rakow hat die Angelegenheit vor Ort verfolgt.
Michael Thalheimer immer wieder ein großes Thema. Nun inszenierte er am Deutschen Theater Ödön von Horváths berühmtes Krisenstück Geschichten aus dem Wiener Wald. Und zwar so gut wie bühnenbildlos: die Figuren treten aus einer tiefen dunklen Leere hervor. Manchmal singen sie auch, schief und ungeschützt. Genau so, wie sie leben. Christian Rakow sah die Premiere.
Ist das Rokoko-Pop, Fetisch oder doch hyperventilierendes Biedermeier? In Zebralatex oder Ganzkopfledermasken lässt Regisseur
Andreas Kriegenburg beziehungsweise seine Kostümbildnerin Andrea Schraad in
Sklaven am Deutschen Theater die Schauspieler auf fünf Einakter von Georges Courteline los. Sie senden die Botschaft, dass hochgezüchtete Einzigartigkeit wohl nur in Spaß-Terror umschlagen kann. Mehr von
Georg Kasch.
Alle, alle Protagonisten hat Frank Castorf in
Das Duell frei nach einer Erzählung Anton Tschechows, wo zwei Typen am Ende wegen einer weltanschaulichen Frage aufeinander schießen, mit Frauen besetzt – bis auf einen, der irgendwann aus den Latschen kippt. Kein Wunder, bei einer Starbesetzung mit Schauspielerinnen wie
Sophie Rois,
Kathrin Angerer und
Lilith Stangenberg! Mehr von
Sophie Diesselhorst.
"I would do anything for love" singt nicht nur Meat Loaf, sondern auch Marianne in
Geschichten aus dem Wiener Wald am Münchner Volkstheater. Für die Liebe lässt Marianne sogar am Verlobungstag ihren Verlobten sitzen. Mit der Romantik ist es in Christian Stückls quietschbuntem Panoptikum aber trotzdem nicht weit her: Von Sexhandwerk und Schnappumarmungen berichtet
Cornelia Fiedler.
Dass es derzeit mit unserer Welt nicht zum Besten steht, hat sich herumgesprochen. An Lösungen basteln derzeit nicht nur religiöse und politische Fundamentalisten. Auch das Theater mischt kräftig mit. Mit besonderem Aberwitz rast Sibylle Berg in ihrem neuen Stück
Angst reist mit auf den Abgrund zu. Im Verein mit der Autorin hat Hasko Weber es nun uraufgeführt. Und
Verena Großkreutz sehr beeindruckt.
Was bleibt nach der Samstagnacht-Party, wenn die Gäste längst müde und betrunken sind? Für die Hauptfigur in der
Der große Gatsby ist es ein unschönes Erwachen. Regisseur
Andreas Döring hat den Roman am Jungen Theater Göttingen inszeniert. Nach der Premiere hängte
Jan Fischer noch eine halbe Nacht in einem Fast-Food-Laden dran.
Derzeit bekommt die Technik des Großen Hauses eine längst überfällige Generalüberholung, wie viele Bühnen im Land. Mit ihrer Inszenierung von Albert Camus'
Die Besessenen nutzt Daniela Kranz die Chance, zu erkunden, was Nebenspielstätten hergeben und reißt die Vorhänge der Alten Feuerwache weit auf. Mehr weiß
Stefan Schmidt.
Der Dorfrichter zappelt auf einem großen Quader, nackt, unschuldig nur, bis er aus unruhigem Schlaf erwacht. So lässt
Nora Schlocker in Mannheim ihre Version des
Zerbrochnen Krug beginnen. Mehr von
Dennis Baranski.
In seinem Roman
Cherryman jagt Mr. White beschwört der kürzlich verstorbene Jakob Arjouni einen Rechsextremismus, der sozusagen rein pflanzlich wirkt und in deutschen Gärtnereien gezogen wird. Am Theater Junge Generation hat Ania Michaelis den Stoff nun klug für die Bühne adaptiert. Und
Tobias Prüwer zu weiteren
Drei von zehn Einladungen zum Berliner Theatertreffen gelten in diesem Jahr Bühnenfassungen von Romanen oder Erzählungen. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Immerhin kommen so auch Texte wieder in den Blick, die heute leicht übersehen werden: etwa
Eduard von Keyserlings makellos schöner Roman
Wellen von 1911, den Barbara Bürk nun am Potsdamer Hans Otto Theater ur-inszenierte.
Georg Kasch war dabei.
In
Opening Night leuchtete John Cassavetes mit Gena Rowlands die Malaisen einer alternden Theater-Diva unerbittlich aus. Jetzt hat
Anselm Weber den Arthouse-Film für die Bochumer Bühne adaptiert, mit Katharina Linder in der Hauptrolle.
Martin Krumbholz ist fasziniert.
Die Realität hat die geilere Grafik, sagen die Interaktionisten von
machina eX und haben sich aufgemacht, Point&Click-Adventurespiele für die Bühne zu entwerfen. Mit
Hedge Knights lassen sie jetzt am HAU ihre Mitspieler in der Börsenwelt zocken. Unser Analyst
Matthias Weigel hat die Kurse angeschaut.
Thomas Melle – das ist der Mann, der den Roman "Sickster" schrieb – hat ein Herz für Figuren, die ein tiefes Unbehagen am Leben umtreibt. So auch in
Aus euren Blicken bau ich mir ein Haus, das Eike Hannemann nun am Wuppertaler Schauspiel zur Uraufführung brachte.
Sarah Heppekausen war zugegen.
Für
Schafinsel bekam
Nina Büttner, Münchner Autorin, Mitte dreißig, im vergangenen Jahr den renommierten Else-Lasker-Schüler-Preis. Jetzt hat Philipp Preuss das Stück am Pfalztheater Kaiserslautern, wo die Preisträgerstücke traditionell zuerst gezeigt werden, inszeniert.
Harald Raab fuhr zur Premiere.
Auf Kampnagel starteten gestern zwei Serien.
Gintersdorfer / Klaßen wollen sich eine Zeitlang mit Ichkonstruktionen beschäftigen. Der erste Abend heißt
Die Bühne ist mein Wald. Währenddessen untersucht
Geheimagentur in
Aktionen / Attraktionen vier Wochen lang auf dem Hamburger Dom den Zusammenhang von Jahrmarktsbude und Schaubühne.
Tim Schomacker hat sich beide Eröffnungen angesehen.
Philipp Löhle ist ein Dramatiker, der gern mit Witz und Farce die politische Wirklichkeit unserer Tage anbohrt. Drei seiner Kurzstücke wurden jetzt am Theater Bonn von Dominic Friedel zu einem Abend zusammengespannt:
Big Mitmache –
Herr Weber und die Litotes –
Afrokalypse, letzteres in deutscher Erstaufführung.
Guido Rademachers sah sich die Trilogie an.
Wenn es heißt, zum "Anschluss" Österreichs an Hitlerdeutschland 1938 sei alles gesagt, fragt man besser ein zweites Mal nach; nicht dass der vermeintlich so tief begrabene Faschismus als Untoter mit frischem Antlitz zurückkehrt. Genau das hat der Linzer Schauspielchef
Gerhard Willert mit seinem "dramatischen Kaleidoskop zum 12. März 1938"
Land der Lämmer getan. Für seinen Abend kombiniert er zahlreiche Texte u.a. von Thomas Arzt, Falk Richter, Franzobel und Martin Crimp.
Reinhard Kriechbaum sah die episch breite Geschichtsreflexion.
Wenn Schweizer nach China emigrieren, ist das verkehrte Welt? Nein, das ist
Gesine Schmidts dokumentarisches Stück
Expats, das tatsächliche eidgenössische Arbeitsemigranten in Shanghai besucht. Antje Schupps Uraufführung geht in einem Basler Hotel über die Bühne.
Annette Hoffmann ist dort abgestiegen.
Ein zorniger junger Mann kämpft mit dem Moloch Berlin und mit sich selbst. Für
Jonas Jagow hat
Michel Decar beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens 2012 den Förderpreis erhalten, verbunden mit einer Uraufführung am Maxim Gorki Theater, die Jan Gehler jetzt realisierte.
Mounia Meiborg sah den Neuling.
Unweit der Seelower Höhen, wo einst die letzte Schlacht des Zweiten Weltkriegs begann, liegt das Städtchen Neuhardenberg. Heute werden hier nur noch Kunstschlachten ausgefochten, die im nahe gelegenen Berlin schon längst verloren gegeben sind. Diesmal sind zwei veritable Veteranen angetreten:
Peter Stein und
Klaus Maria Brandauer.
Das letzte Band von Samuel Beckett haben sie sich vorgenommen.
Wolfgang Behrens ist an den Ort des Geschehens gereist.
Für ihr Regiedebüt hat sich die große Schauspielerin
Constanze Becker ein berühmtes Erstlingswerk ausgesucht: Marieluise Fleißers sezierende Außenseiterstudie von 1924
Fegefeuer in Ingolstadt. Am Schauspiel Frankfurt hat Becker die todessüchtige Schülertragödie mit Schauspielstudenten in Szene gesetzt.
Shirin Sojitrawalla war bei der Premiere.
Kurz vor seinem Abschied nach Stuttgart schenkt Armin Petras, Intendant des Maxim Gorki Theaters, den Berlinern noch ein Stück. Und zwar eines über die
Gladow-Bande, die kurz nach dem Krieg die Trümmerstadt zur Gangstercity machte.
Jan Bosse hat die Ganovenrevue mit prominenter Besetzung angerichtet,
Anne Peter war dabei.
Ein Moralist treibt durchs verruchte Nachtleben. Jakob Fabian heißt er und ist der Protagonist eines Romans von Erich Kästner. Am Staatsschauspiel hat
Julia Hölscher nun
Fabian. Die Geschichte eines Moralisten als Parabel auf die Partykultur unserer Leistungsgesellschaft nacherzählt.
Christian Rakow war vor Ort.
Wenn ein Stoff, der bei Aischylos noch Orestie hieß, plötzlich
Klytaimnestra betitelt wird, darf man von einer Perspektivverschiebung zugunsten der Frauenfiguren ausgehen. In Graz hat Intendantin
Anna Badora den antiken Mythos derart überholt. Ob mit Erkenntnisgewinn, weiß
Leopold Lippert.
In
Barbaren kommen zwei Ingenieure, Männer des Fortschritts, um ein Dorf ans Eisenbahnnetz anzuschließen.
Katharina Rupp hat das Stück nun am Theater Solothurn zur Schweizer Erstaufführung gebracht, 110 Jahre nachdem Maxim Gorki es schrieb. Für das 17.000-Seelen-Städtchen ist's Ereignis. Mehr von
Nikolaus Merck.
Elfriede Jelinek. Nicht nur ihre Stücke werden gespielt, sondern auch die Autorin selbst: Als sprechende Vagina oder männlich mit Langhaarperücke wurde sie schon dargestellt. Auch in ihrem neuen Restestück
Aber sicher! lässt Regisseur Alexander Riemenschneider die Autorin auftreten: Sie zählt auf, was sie alles falsch gemacht hat.
Jens Fischer über die Bremer Uraufführung.
Auf einer einsamen Insel sitzt Prospero, Zauberer und unterforderter Herrscherintellektueller in Shakespeares Spätwerk
Der Sturm. Bei Daniela Löffner in Braunschweig zieht er sich sein Spielmaterial höchstselbst aus dem Wasser.
Stephanie Drees sah es plantschen.
Ein Pfeil, ein Apfel, ein Sohn. Das sind die wohlbekannten Zutaten für den sadistischen Höhepunkt in Schillers
Wilhelm Tell. Doch Dušan David Pařízek stellt in Zürich alles auf den Kopf. Wohin der Pfeil geht, weiß
Beat Mazenauer.
Wie, weißer Rauch? Buenos Aires? Francesco? Alles verpennt. Im Schlaflabor von Turbo Pascal in den Sophiensaelen:
8 Stunden (Mindestens) heißt diese Performance, in der nicht nur über das subversive Potential von Schlaf nachgedacht wird. Man kann sich auch einfach hinlegen und wegratzen.
Eva Biringer hat eine Nacht dort verbracht.
Soll ich einschreiten, wenn jemand verprügelt wird? Wie intim will ich mit den Darstellern werden? Solche Fragen gehen einem durch den Kopf, wenn man sich in Performances der Interaktivitätsspezialisten von
Signa begibt. Diesmal laden sie für die Berliner Volksbühne in den
Club Inferno, wo sie Dante umspielen und die Gäste ins Séparée bitten. Wie heiß die Hölle war, verrät
Matthias Weigel.
Wenn man über einen Theaterabend sagt "Es gab handfeste Ferkeleien", meint das eigentlich nichts Gutes. In
Johan Simons' Inszenierung von Shakespeares
König Lear mit André Jung in der Titelrolle ist das anders. Der Hausherr der Münchner Kammerspiele hat seine Bühne auf der geleckt hübschen Maximilianstraße in einen veritablen Bauernhof verwandelt. Auf die ungewöhnliche Landpartie hat sich
Michael Stadler mitbegeben.
Jetzt erreicht die Welle der bunten Fritschiaden auch die Oper. In Zürich hat sich Verspaßungsspezialist
Herbert Fritsch die 1998 uraufgeführte Tschechow-Oper
Drei Schwestern von Peter Eötvös vorgenommen und wieder einmal brillant choreographiert.
Charles Linsmayer sah und hörte zu.
Polonius ist ein Turnvater mit Trillerpfeife, Ophelia lädt Hamlet zum Bondage ein – zu jedem Charakter hat sich
Jan Klata in seiner
Hamlet-Inszenierung am Bochumer Schauspielhaus etwas einfallen lassen. Und die Ideen ergeben sogar Sinn, findet ein angetaner
Stefan Keim.
An Bertolt Brecht darf man, auf Geheiß der Brecht-Erben, nicht groß herumfummeln.
Armin Petras aber ist von Haus aus ein mächtiger, eigenständiger Bühnenfummler. Wie soll das zusammengehen, wenn sich Petras jetzt Brechts
Leben des Galilei vornimmt?
Tobias Prüwer sagt's.
Fukushima lässt grüßen: Eine Allianz von Atomkraftgegnern versucht die Technik zu stoppen, die sie selbst entwickelt hat in
Trümmer des Gewissens aus dem Jahr 1961. Anlässlich des Reaktorunglücks vor zwei Jahren hat man sich an der Landesbühne Nord an
Hans Henny Jahnns Stück erinnert. Was es erzählt und nicht erzählt, weiß
Tim Schomacker.
Christoph Marthaler? Mannoh! Das ist doch immer dasselbe!! Ja. Genau. Wie Fußball. Oder Thomas Bernhard. Oder Wiener Schnitzel. Mal schmeckt es besser, mal einfach nur zäh. Aber, bitte – ein Leben ohne Wiener Schnitzel? Der neue Marthaler singt wie der alte und ist genauso geschmacklos kleinkariert ausgestattet. Außerdem findet er in Basel statt, von wo die Marthalerei einst ausging, und heißt
King Size.
Thomas Rothschild war bei der Premiere.
Wir versuchen es immer wieder. Gehen zu
Claus Peymann ins Berliner Ensemble und hoffen auf eine Überraschung. Wie es diesmal ausging bei Schillers
Kabale und Liebe in Claus Peymanns Regie, berichtet
André Mumot.
Die deutsche Ayşe. Türkische Lebensbäume heißt ein Rechercheprojekt von Tuğsal Moğul am Theater Münster, das von Immigrantinnen erzählt, die aus Istanbul in die deutsche Provinz verschlagen wurden.
Kai Bremer erzählt mehr davon.
Jo
sef Ostendorf auf Blümchen mit Pistole. Dieses schöne Bild bot sich in der Kölner Halle Kalk, wo Anna Viebrock das neue Stück von Wortmusiker Händl Klaus inszeniert hat.
Gabe / Gift heißt seine Sprechtakt-Komposition. Eine Familie sucht einen Schatz und gräbt ein Grab. Und das Grauen kommt wieder mal verstörend beschwingt daher. Sarah Heppekausen sah und hörte zu.
Normal, man hört es ja, kommt von Norm. Wie also werde ich normal? Ganz klar, in dem ich mich in die Norm presse. Oder pressen lasse. Dafür aber sind komplexe Mechanismen erforderlich. Innere und äußere. Mit den inneren befasst sich
Christian Lollikes Stück
Das normale Leben oder: Körper und Kampfplatz. Hans Peter Kellner inszenierte jetzt die österreichische Erstaufführung am Theater Drachengasse.
Patrick Holzapfel sah zu.
Für die erste Inszenierung nach seinem überraschenden Rücktritt von seiner Düsseldorfer Intendanz hat sich
Staffan Valdemar Holm ebendort Henrik Ibsens großen Ich-Sucher vorgenommen:
Peer Gynt. Und er hat einen mächtigen Mann für die Titelpartie: Olaf Johannessen. Mit ihm bricht er in eine kühle, schwarzweiße Galerie voll Fotokunst auf. Mehr von
Andreas Wilink.
Die Vorurteile überleben länger als alle Statussymbole in
Der Talisman von Johann Nestroy.
David Bösch hat das Stück am Akademietheater inszeniert, jedes Detail reflektiert bei ihm den Kern des Werkes. Ein Glücksfall, findet
Kai Krösche.
Neuerdings kommt der
Faust von Goethe gern im Doppel, Teil 1 und 2 an einem Abend. Da braucht es einen kühnen Regiezugriff, will man die 12.000 Verse nicht auf 12 Stunden ausdehnen. Ob
Christoph Roos in Essen die Pranke auspackte, weiß
Michael Laages.
Mal richtig entspannen. Und die befreiende Wirkung der Müdigkeit genießen, die in einen Gemeinschaft stiftenden Zustand mündet? Für
Müdigkeitsgesellschaft / Versuch über die Müdigkeit hat Regisseur
Stefan Otteni ordentlich Matratzen ins Theater gelegt. Mehr über die philosophische Schlafstatt von
Steffen Becker.
Anton Tschechows Drama um die verschuldete Gutbesitzerin Ranjewskaja und ihren Abschied vom Familienidyll
Der Kirschgarten läuft derzeit landauf, landab als Theaterbeitrag zur Bankenkrise. Wie
Peter Kupke das Werk in Cottbus anging, sagt
Hartmut Krug.
Bevor im Sommer die Intendanz Sebastian Hartmanns nach fünf umstrittenen Jahren endet, zündet das Centraltheater mit den
Leipziger Festspielen noch mal ein Feuerwerk: In einer eigens errichteten Arena jagt eine Premiere die nächste. Den Auftakt macht Hartmann selbst mit
Entscheide dich für die Liebe. 3 Russen # 1 — Traum nach Fjodor Dostojewskis Erzählung "Traum eines lächerlichen Menschen". Und – oh Wunder – statt postdramatischer Sause gibt's kostbaren Minimalismus. Mit dabei:
Ralph Gambihler.
Uuuuh, unheimlich. Oder unheimlich lustig? Im Münchner Marstall bittet Puppenspezialistin
Suse Wächter zur bunt assoziierenden Edgar-Allan-Poe-Session. In ihrer Version vom
Untergang des Hauses Usher tritt der Autor selbst auf, trifft Totenkopf auf Babypuppe und gibt's Poledance zu Heavy Metal.
Willibald Spatz hat sich ins Gruselgewusel gestürzt – mit Vergnügen.
Einmal den Ausbruch wagen, darum geht es in
Marianna Salzmanns neuem Stück
Schwimmen lernen. Jedenfalls unter anderem. Paul-Georg Dittrich hat das luftige Werk am Theater Heidelberg uraufgeführt.
Ralf-Carl Langhals weiß mehr.
Wie war das genau mit Phädra? Dieser Frage ist die irische Dramatikerin
Marina Carr in
Phaedra Backwards nachgegangen. Patricia Benecke hat das Stück am Staatstheater Darmstadt zuerst auf deutsch inszeniert.
Grete Götze war dort.
Im klammen Bremen war's möglich: Zum 30. Jubiläum bekam die Bremer Shakespeare Company eine Rundumsanierung ihrer Spielstätte am Leibnizplatz. Zum Einstand gab sie Shakespeares blutiges Aufsteigerdrama
Richard III. Andreas Schnell sah zu.
Ein theatererfahrener Autor, ein Bestseller, ein deutsches Thema im Deutschen Theater Berlin mit seinen ersten Kräften auf und hinter der Bühne - was sollte da schief gehen?
Eugen Ruge hat seine DDR-Familiensaga
In Zeiten des abnehmenden Lichts selbst für die Bühne eingerichtet. Stefan Kimmig hat inszeniert,
Georg Kasch war bei der Premiere.
Die Costa Concordia ist untergegangen. Treibt als Wrack vor Italien, im Bauch ein riesiges Spielcasino. Die Urhöhle des Kapitalismus für
Jean-Luc Godard wie schon für
Fjodor M. Dostojewski 150 Jahre vor ihm. Frank Heuel bittet das Publikum nun in eben diesen Spielsaal, wir alle sind
Die Spieler.
Tobias Prüwer hat mitgezockt.
Wenn die Träume längst eingeschreint sind, wenn dann einer kommt und weckt sie wieder auf - was passiert dann im Eigenheim? So fragt
Anna Katharina Hahn in
Die Schatzsucher. Axel Vornam hat inszeniert,
Dennis Baranski sah die Premiere.
Das Leben ist ein buntes Zelt. Oder so ähnlich. Davor kann man singen. Und drinnen manchmal auch. Im Übrigen reenacten Martin Clausen und seine Freunde in
Don't hope im Theater Hebbel am Ufer Gespräche mitteljunger Menschen aus Berlin mit Münchner Dementen. Was sonst noch geschah?
Sophie Diesselhorst weiß es.
Peinlichkeiten der eigenen Jugend möchte man ja eigentlich lieber verschweigen. Oder aber man posaunt sie ganz groß raus! Dann feiert man TV-Bekenntnisse, vermengt sie mit dem Scham-Diskurs in Politik und Religion – und lässt dazu Lord Bishop mit coolen Rhythmen die "Helden der Scham" besingen. So geht's ab in
Scham, einem Projekt von
Albrecht Hirche und Sven Schlötcke am Theater an der Ruhr, wo
Dorothea Marcus zugegen war.
Regisseur
Dimiter Gotscheff verehrt Heiner Müller so sehr, dass er in jede seiner Inszenierungen ein paar Zitate und Textbrocken des Dichters und Dramatikers einschleust. Hin und wieder gönnt er sich auch einen reinen Müller-Abend.
Leeres Theater – Heiner Müller: Träume, Witze, Atemzüge im Hamburger Thalia an der Gaußstraße ist so einer.
Rudolf Mast ließ sich begeistern.
So kann es gehen, wenn man in die
Netz-Demokratie eintaucht: 2011 rief das Thalia Theater Hamburg zur Abstimmung über Teile seines Spielplans auf. Und dann prasselten randständigste Vorschläge auf das Haus ein. Mit Thornton Wilders
Wir sind noch einmal davongekommen war immerhin auch etwas kanonischere Kost dabei, die Marco Štorman jetzt in einer Metatheater-Revue serviert.
Matthias Weigel hat sich den Spaß angeschaut.
Die Heldin in Franz Xaver Kroetz'
Stallerhof ist Beppi, ein behindertes Mädchen. Üblicherweise spielt eine nicht behinderte Schauspielerin diese Rolle.
Frank Abt hat nun am Deutschen Theater in Berlin einen längst fälligen Besetzungswechsel vorgenommen.
Wolfgang Behrens war bei der Premiere.
Dauerbrenner. Schiller.
Kabale und Liebe. Liebe ist gemeinsam das Geschirr abspülen??? Ganz so einfach, wie es sich die kleine Sinnspruchkarte für Pubertierende wünscht, geht es aber leider nicht zu. Wie es zugehen kann, hat
Amélie Niermeyer am Residenztheater gezeigt.
Steffen Becker berichtet.
In eine traurige, schrumpfende Nachwendelandschaft blickt Fritz Kater alias Armin Petras mit seinem Stück
Heaven (zu tristan).
Sascha Hawemann hat die posttraumatische Bestandsaufnahme jetzt nah an die ehemalige Zonengrenze nach Hannover gebracht.
Jens Fischer nahm sie dort in Empfang.
Hugo Junkers war ein Technikpionier, der die Luftfahrt revolutionierte. Bis er mit seiner Fortschrittsgläubigkeit ins Räderwerk der Geschichte geriet. Die Dramatikerin
Tine Rahel Völcker hat eine moderne Ikarus-Geschichte über den Ingenieur und seine Erfindungen geschrieben,
Der Fliegende Mensch, das von Andrea Moses in Dessau uraufgeführt wurde. Mehr von
Ralph Gambihler.
Und auch Naumburg an der Saale wartet mit einem Historien-Drama auf. In der Stadt, in der Friedrich Nietzsche seine Kindheit verbrachte, wurde nun
Rainer Lewandowskis Stück über Leben und Denken des Philosophen uraufgeführt:
Ich bin ein göttlicher Hanswurst. Ecce Homo,
Christian Baron sah einen Mensch im Glaskasten.
Stefan Pucher hat ein Händchen fürs Amerikanische. Der Cineast und Popkultur-Aficionado unter den deutschen Regisseuren war zuletzt 2011 mit Arthur Millers' "Tod eines Handlungsreisenden" beim Berliner Theatertreffen. Jetzt hat er sich in Zürich mit einer Top-Besetzung Tennessee Williams' Familiendrama
Die Katze auf dem heißen Blechdach vorgenommen. Ob die Zeichen wieder auf großes Kino stehen, sagt
Andreas Klaeui.
Während gestern in Zürich Tennessee Williams' kanonisches Vergangenheitsbewältigungsdrama "Die Katze auf dem heißen Blechdach" lief, blickte in Münster eine Williams-Heldin in eine ungewisse Zukunft. Schauspieldirektor Frank Behnke brachte
Tennessee Williams' vergessenes Frühwerk
Frühlingsstürme aus den Zeiten der Great Depression zur deutschsprachigen Erstaufführung.
Tim Schomacker war dabei.
Assoziative Klassikerumstülpungen sind das Markenzeichen des Regisseurs
Lukas Langhoff. Aus Gerhart Hauptmanns wilhelminischem Milieustück
Die Ratten macht er jetzt eine Prekariatsstudie für die abgerockte Berliner Republik. Mehr von
Andreas Wilink.
Was ist Wirklichkeit? Das ist eine ziemlich alte Frage. Auch der spanische Barockdichter Pedro Calderón de la Barca hat sie bereits verhandelt. Zum Beispiel in seinem Stück
Das Leben ein Traum. Am Stuttgarter Staatsschauspiel hat jetzt
Peter Kastenmüller die Geschichte inszeniert. In den vierhundert Jahre alten Text mischte er auch eine Prise Rainald Goetz. Mehr über einen Abend, der nach den Sternen greift, von
Tomo Mirko Pavlovic.
Franz Kafkas Romanfragment
Der Prozess ist vor fast hundert Jahren enstanden. Als Parabel über eine sich verselbständigende, menschenverschlingende Bürokratie funktioniert es immer noch. Eine sehr heutige Version hat auch
Constanze Kreusch in Erlangen inszeniert.
Elisabeth Michelbach hat sie gesehen.
Wie ist das eigentlich, wenn statt Schauspielern Datenströme versuchen in Kontakt mit den Zuschauern zu kommen? Der Videokünstler
Daniel Hengst ist jetzt im Dortmunder Theater der Frage nachgegangen. Ohne Schauspieler, dafür mit elektronischem Equipment satt:
Der Live-Code: Krieg und Frieden im globalen Dorf.Sarah Heppekausen hat das erste Aufschalten gesehen.
Iwan Wyrypajew ist in Chemnitz ein guter Freund. "Illusionen" hieß ein erstes Auftragswerk 2011, jetzt folgte das zweite:
Wespen stechen auch im November. Bei der Urspielung des screwball-comedy-haften Drei-Personen-Stückes war
Ute Grundmann.
Er ist der Inbegriff eines Menschen, der sich in einer fremden Welt orientieren muss:
Der Findling Kaspar Hauser, der in einem dunklen Raum aufwuchs, bis er unter Menschen geriet. Diese Biedermeiermenschen werden in
Alvis Hermanis' Züricher Inszenierung von Kindern gespielt. Der Findling ist widerum eine Art Gulliverscher Riese. Wer hier nun auf wen stößt, und wie das Verbildete und das Unverbildete nebeneinander stehen, beschäftigt
Charles Linsmayer.
Nurkan Erpulat ist unter den drei Düsseldorfer Hausregisseuren derjenigen, der sich am meisten auf die Gegebenheiten der Stadt einlässt. Jedenfalls führt er die Zuschauer für
Worringer Schlachten in recht zugige Ecken, die rund um die Nebenspielstätte Central liegen. Mehr über diese Platzbegehung von
Martin Krumbholz.
In Lessings Kriegsversehrten-Lustspiel
Minna von Barnhelm finden heute nur noch die allergrößten Optimisten ein Happy End.
Anne Lenk gehört nicht dazu. In ihrer Inszenierung wird das Stück zum soghaften, verlorenen, packenden Schattenspiel, berichtet
Willibald Spatz.
In Volker Brauns Prosatext
Die hellen Haufen folgt dem Verblühen der industriellen Landschaften Ost ein zorniger Protestzug hunderttausender Arbeiter nach Berlin.
Steffen Mensching hat diese Nachwendebesinnung in Rudolstadt mit großem Ensemble auf die Bühne gebracht. Wie, sagt
Christian Baron.
Der Mann bringt Tee, übers Babyphon brüllt das Kind, die Frau starrt die Wand an – und wird irre davon.
Die gelbe Tapete heißt Charlotte Perkins Gilmans autobiografisch grundierte Erzählung von 1891.
Katie Mitchell hat sie an der Berliner Schaubühne aktualisiert und mit dem ihr eigenen technischen Aufwand auf Bühne und Leinwand gebracht. Wie das dem feministischen Schlüsseltext bekommt, begutachtet
Esther Slevogt.
Jetzt also in Dresden.
René Pollesch weitet seine Diskurs-Quirl-Zone aus und sucht mit seinen Turbodialogen erstmals die sächsische Landeshauptstadt heim.
KapiTal der Puppen handelt von der Geburt des Films aus dem Missbrauch des Theaters. Wie sich das Dampfgeplauder an der Elbe ausnahm, sagt
Ralph Gambihler.
Erben muss man auch erstmal lernen. Vater Gu jedenfalls will sich umbringen, aber nicht, ohne vorher seine Kinder über seinen Tod und die Aufteilung des Erbes abstimmen zu lassen. Tony Kushers
Ratgeber für den intelligenten Homosexuellen über Geld, Gier und Gendertrouble hat nun
Elias Perrig, Regisseur mit Faible für Parabeln in Well-made-Bauart, am Volkstheater Wien inszeniert. Mehr weiß
Kai Krösche.
Der Schweizer Autor
Daniel Mezger hat im vergangenen Jahr für sein Romandebüt "Land spielen" viel Lob bekommen. Nun wurde auch sein Stück
Findlinge, beim Heidelberger Stückemarkt 2009 vertreten, uraufgeführt. Und zwar am Theater Konstanz von der Isländerin
Thorhildur Thorleifsdottir. Im eisigen Norden fand sich
Elisabeth Maier wieder.
Schon vor Jahren hat er das Ende des Kapitalismus besungen. Jetzt legt
PeterLicht für
Das Sausen der Welt sein Ohr an die Weltseele. Dort vernimmt er nicht nur das Umherschwirren des Geldes, sondern auch den Krach im Kern der Zellen und anderes Geräusch. Wie der globale Tinnitus klingt und was die Schauspieler unter dem Regieduo
SEE! (Alexandra Dederichs und S. E. Struck) am Schauspiel Köln daraus machen, davon berichtet
Sarah Heppekausen.
Sie hat es wieder getan, die Choreografin
Constanza Macras: Diesmal hat sie sich mit Hamburger Hip-Hoppern zusammengetan und einen Abend über Identität inszeniert. In
Distortion geht es ums Deutsch-Sein. Und um Oberschenkel geht es auch. Mehr von
Falk Schreiber.
Wie kommt man mit einer Szene zum Höhepunkt ihrer Wirkung? Kann es ein Kuss oder muss es doch eine Ohrfeige sein? Fragen wie diese beschäftigen den Schweizer Dramatiker
Lukas Linder in seinem neuen Stück
Ich war nie da, das Lilja Rupprecht nun am Schauspielhaus uraufgeführt hat.
Martin Pesl hat die Angelegenheit verfolgt.
Im Leben, da wird "gsegn, gschärft, gsoffn, gschmust, gspiebn, gfickt, gfoppt, droschn, gschiedn, gstorbn", sagen die
Rabtaldirndln. In
Schwarze Wolle an der Wiener Off-Stätte Brut schießt das Performerinnenkollektiv mit Plastikpistolen auf Milchtüten und erfindet eine Art Volkstheater für linksintellektuelle Großstadtbewohner. Wie das ausschaut, sagt
Leopold Lippert.
Wer gar nicht sucht, gibt sich vielleicht mit dem Erstbesten zufrieden. Wer zu lange sucht, verhindert irgendwann sein eigenes Leben. So auch Herbert Stencil, der Protagonist in Thomas Pynchons Roman
V. Am Berliner Ballhaus Ost hat Daniel Schrader das Werk dramatisiert; was aus 500 Seiten und verworrenen Handlungssträngen wird, weiß
Mounia Meiborg.
Das bietet sich natürlich an, Shakespeares mörderisches Drama
Macbeth als Allegorie über die Versuche des Menschen (besonders im 20. Jahrhundert) zu lesen, die Geschichte selbst zu machen. Denn da mordet sich einer an die Macht und wird am Ende wieder weggemordet. Regisseur
Robert Borgmann hat die Geschichte am Maxim Gorki Theater also mal grundsätzlich betrachtet. Was dabei herauskam, sagt
André Mumot.
Es war schon immer die dunkle Seite der Märchen, die die Kunst interessiert. Bei Hans Christian Andersen seine Kränkungen und die unterdrückte Sexualität, und auch Grimms Märchen sind viel zuckerüberzogener als sich ihr Inneres lesen lässt. Finden jedenfalls die Autorin
Gerhild Steinbuch und Regisseur
Pedro Martins Beja, die für
Sleepless in my dreams in Frankfurt Märchen neu erzählen. Mehr von
Grete Götze.
Die Gesellschaft hat zwei Ebenen in Lars-Ole Walburgs Inszenierung
Tolstoi. Licht und Finsternis, für die der Hannoveraner Intendant auf zwei Stoffe des großen russischen Schriftstellers und Gläubigen zurückgegriffen hat. Diese Ebenen sehen unterschiedlich aus, aber es türmen sich auf ihnen die gleichen schrecklichen Sünden. Es stellt sich die Frage, ob solche Verhältnisse überwindbar sind. Wird sie auch beantwortet?
Simone Kaempf weiß mehr.
Zur Sache! mahnt der Titel der neuen Produktion von andcompany&Co. Gewohnt anspielungsreich erzählt die Berliner Gruppe darin die Geschichte der Revolte in Nachkriegsdeutschland neu. Ob's überzeugt, beurteilt
Michael Laages.
Schwarzgekleidete Frauen schleichen knochengesichtig auf die Bühne. Zuvor trällerte Orest im Wald mit seinem Erzieher Chansons. Sartres existenzialistische Aischylos-Adaption
Die Fliegen wurde 1943 im deutsch besetzten Paris uraufgeführt und war ein Theaterrenner der Nachkriegszeit.
Andreas Kriegenburg hat das inzwischen kaum noch gespielte Stück wieder aufgeführt.
Hartmut Krug berichtet.
Der Titel klingt nach Scheunenbrand in Oberbayern. Doch wenn sich Regisseurin Susanne Kennedy an den Kammerspielen dem Stück von Marieluise Fleißer widmet, treten irrlichternde Aliens auf – sagt
Steffen Becker.
"Wie fühlt es sich an, ein rollender Stein zu sein?" Nein, man sollte Songtexte nicht übersetzen. Aber ob sich Tomas Schweigen in seinem Stück
Like A Rolling Stone überhaupt traut, Hand an den großen Bob Dylan zu legen, weiß
Christoph Fellmann.
In alten Zeiten rief
Lysistrata die Frauen Athens zur Beischlafverweigerung auf, um die Männer zur Waffenruhe zu zwingen. Ob es der Dramatikerin
Rebekka Kricheldorf gelang, die pazifistische Komödie von Aristophanes auf gegenwärtige Verhältnisse zuzuspitzen? Mehr von
Tim Schomacker.
Wer ein langes, grauenvolles Jahrhundert in fünfundsiebzig Theaterminuten fassen oder – Achtung, Fachwort! – re-enacten will, der braucht einen kühnen formalen Zugriff. Das Künstlerduo Hofmann&Lindholm schuf sich für seine
Nebenschauplätze Nr. 1: Das 20. Jahrhundert. Re-Enactment flüchtiger Erscheinungen am Frankfurter Mousonturm eine Art Laterna Magica mit Multimedia-Touch. Mehr von
Esther Boldt.
Sebastian Seidel zählt mit seinem Sensemble Theater zu den interessantesten Köpfen der freien Szene Augsburgs. Zum diesjährigen
Brechtfestival in der Geburtsstadt des Dichters steuert er
Enemy Alien Brecht bei, eine polit-literarische Reise vom Amerika der Kommunistenverfolgung über Augsburg mit seiner festiven Brecht-Hassliebe bis zur musikalischen Morgenröte Brechts in Afrika. Für nachtkritik.de mitgereist ist
Willibald Spatz.
Am Rand der Gesellschaft steht der Held von
Dirk Lauckes neuem Stück
Jimi Bowatski hat kein Schamgefühl. Da will er nicht stehen, er will rein. Koste es, was es wolle. Zum Beispiel einen Amoklauf. Der ihn natürlich am Ende ganz vom Rand hinunterschubst. Vorher kann er sich aber nochmal kurz fühlen wie Bud Spencer, dessen Konterfei er in Christina Pfrötschners Uraufführungsinszenierung auf dem T-Shirt trägt. Mehr von
Michael Laages.
Sandy Lopicic wird manchem als Musiker aus Inszenierungen Dimiter Gotscheffs bekannt sein. Nun ist Lopicic selbst auf die Seite der Regisseure gewechselt und hat am Salzburger Landestheater Franz Kafkas
Das Schloss auf die Bühne gebracht. Auf Musik muss trotzdem keiner verzichten.
Reinhard Kriechbaum hat zugesehen und hingehört.
"In unserer Zeit" spielt Ödön von Horváths
Kasimir und Karoline. Nach
Christoph Mehler, der das Stück in Frankfurt inszeniert hat, sind wir also gefangen in den 50er/60er Jahren. Seine Rummelplatzbesucher tragen ondulierte Frisuren und Petticoats – das Karussell und die Liebe suchen sie trotz ihrer aufwändigen Kostümierung vergeblich. Trost spenden der Alkohol und die Musik, denen reichlich zugesprochen wird. Mehr von
Shirin Sojitrawalla.
Als "Ringkampf" hat Bertolt Brecht sein
Im Dickicht der Städte bezeichnet. Quasi aus dem Nichts beginnt der schwerreiche Holzhändler Shlink einen Kampf gegen den Bibliothekar Garga, Mann gegen Mann. Wie
Roger Vontobel das in seiner Inszenierung anpackt, schreibt
Klaus M. Schmidt.
Zwölf Jahre ist die Uraufführung von
Klaras Verhältnisse her; im Vergleich zu anderen Stücken von
Dea Loher ist dieses nicht übermäßig viel gespielt worden. Könnte daran liegen, dass es allerlei Sentimentalitäts-Fallen für die Regie bereit hält. In die Nilufar K. Münzing zum Glück nicht gegangen ist – meint
Falk Schreiber.
Ein Falke sehnt sich nach seinem Vorbesitzer. Der war ein Opa mit Hang zum Hitlergruß. Der Falke gehört jetzt einem Emir. Oder war's ein Scheich? Jedenfalls macht sich in
Kevin Rittbergers neuem Stück eine Reisegruppe in die außereuropäische Ferne auf, um den Opa mit dem Raubvogel wieder zu vereinen.
Kimberlit. Ein Bestiarium heißt das Drama, das Samuel Weiss am Schauspiel Frankfurt uraufgeführt hat.
Marcus Hladek berichtet.
Die Frauen. Ein weites Feld. Vor allem, weil es mit der Freiheit bei ihnen immer noch schlecht funktioniert. Eingesperrt in Frauen- und Körperbilder wüten sie gegen sich selbst. Eine, die hier ihre Finger in die Wunden legt wie keine, ist die österreichische Dramatikerin
Marlene Streeruwitz. Ihre
Jessica, 30. erblickte nun im Schlosstheater das Bühnenlicht. Mehr von
Stephanie Drees.
Ach, Europa! Drei Personen am Rande des Nervenzusammenbruchs suchen nach sich und reden über die EU. In
Katja Hensels neuem Stück
Brüssel brennt, Sorry wird das Private politisch – und umgekehrt. Was Regisseur Martin Süß bei der Kasseler Uraufführung daraus machte, weiß
Hartmut Krug.
Erinnern, durchspielen, wiederholen ist nicht nur das Motto der Psychoanalyse, sondern auch der Motor von Noah Haidles Traumabewältigungsstück
Skin Deep Song: Zwei Mädchen versuchen, mit dem Attentat-Mord ihrer Eltern umzugehen. Von der Uraufführung in Essen durch
Thomas Krupa berichtet
Martin Krumbholz.
V wie vermarkten. Ja, auch. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht in
Einsatz hinter der V.ierten Wand, dem neuen Abend von copy & waste, dem Kollektiv aus Regisseur Steffen Klewar und Autor Jörg Albrecht, die ab sofort artist in residence am Mülheimer Ringlokschuppen sind. Figuren aus Thomas Pynchons Roman "V." sind die Ausgangsbasis. Was mit denen geschieht, weiß
Sarah Heppekausen.
Der Gatte gilt als tot, die Frau verliebt sich in den Stiefsohn. Doch der erwidert ihre Liebe nicht, und als der Vater zurückkehrt, verstrickt sie sich in Lügen. Das führt in den meisten Fällen: Zum Tode. Jedenfalls in Jean Racines
Phädra, am Berliner Renaissance-Theater von Torsten Fischer inszeniert, mit Corinna Kirchhoff in der Hauptrolle. Ob deren altjüngferliche Stiefsohnliebe auf Hochtouren kommt, weiß
Georg Kasch.
Eine junge Frau hat nach fünfzehn Jahren Zwangsehe keine Lust mehr und will weg. Die Männer der Familie planen heimtückisch den Ehrenmord. Kein Komödienstoff? Aber klar doch, und was für einer! Der junge Wiener Arzt und Dramatiker
Ibrahim Amir hat gleich ein neues Genre daraus gestrickt. Seine Ehrenmordkomödie
Habe die Ehre wurde nun im Nestroyhof Hamakom uraufgeführt. Mit einer kräftigen Prise Tarantino, wie
Kai Krösche schreibt.
Es ist ein berühmtes Drama aus den sozialen Abgründen des bürgerkriegsgeschüttelten Irland:
Juno und der Pfau von Sean O'Casey. Im Deutschen Theater hat es sich nun Regisseur
Milan Peschel vorgenommen und hochkarätig besetzt. Was sonst noch geschah, sagt
Christian Rakow.
Vor Jahren sprang
Roland Koch, Ensemblemitglied am Burgtheater Wien, als Regisseur für die erkrankte Andrea Breth ein. Jetzt hat er ein weiteres Mal Shakespeare inszeniert,diesmal am Landestheater Niederösterreich in St. Pölten:
Viel Lärm um nichts mit Anne Bennent als Beatrice und der gereiften Überzeugung, dass es hier in jeder Hinsicht um höhere Verwandlungskunst gehen muss.
Thomas Askan Vierich ist angetan.
Ein religöser Fanatiker erschießt sieben Menschen anderen Glaubens. Aus Notwehr, wie er behauptet hat. Die
Protokolle von Toulouse, die entstanden, als ein Polizist den Massenmörder zur Aufgabe bewegen suchte, hat im Thalia in der Gaußstraße jetzt
Malte C. Lachmann inszeniert. Mehr von
Katrin Ullmann.
Heuchelarien, Selbstinszenierungsshows - die Politik macht meist ziemliches Theater. Das war bekanntlich schon immer so, wovon unter anderem Friedrich Schiller ein Lied singen kann.
Pit Holzwarth hat dessen Königinnendrama
Maria Stuart in Lübeck inszeniert, wo bald Kommunalwahlen anstehen.
Jens Fischer war dort.
Peter Hacks ließ 1975 die Künstler gegen die Mächtigen antreten in seiner Goethe-Bearbeitung
Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern. In Neubrandenburg hat
Annegret Hahn den Dichter-und-Denker Schwank um Texteinschübe ergänzt, die auf die verheerende Kulturkürzungspolitik in Mecklenburg-Vorpommern sowie die bundesweite neoliberale Kulturinfarkt-Kampagne anspielen. Mehr von
Christian Rakow.
Beckmann kehrt aus dem Krieg heim und niemand will etwas davon wissen:
Draußen vor der Tür von
Wolfgang Borchert. Volker Lösch hat das berühmte Stück über Verdrängung mit der aktuellen Ignoranz gegenüber dem deutschen Krieg in Afghanistan zusammengebracht und versucht, im Theater eine Wirkung zu erzielen. In der Schaubühne sah
Sophie Diesselhorst zu.
"Mozart zu singen macht glücklich!" Diese Devise hat Antú Romero Nunes ausgegeben, und folgerichtig lässt er nun in
Don Giovanni. Die letzte Party am Thalia Theater Mozarts Puppen tanzen und das Publikum mitträllern. Ob mehr als Post-Mozart-Punk dabei herauskam, weiß
Falk Schreiber.
Na, die traute sich was: Zur Zeit von Ludwig I. von Bayern hat
Lola Montez das Rauchverbot auf den Straßen ignoriert! Sicher auch ein Anlass für Tom Kühnel und Jürgen Kuttner, ihr Spaß- und Diskursschnipseltheater auch einmal an dieser babylonischen Hure Bayerns und dem Dramma per musica von
Peter Kreuder und
Maurus Pacher auszuprobieren. Aus dem Cuvilliéstheater berichtet
Petra Hallmayer.
Warmduscher ist kein Schimpfwort für einen Politiker, Listenkandidat schon.
Kai Ivo Baulitz hat mit
Die Fraktion eine Polit-Satire geschrieben, Enrico Stolzenburg hat sie uraufgeführt, und
Ute Grundmann war dabei.
Wunderland heißt unsere Gegenwart bei
Gesine Danckwart. Was ihr dazu eingefallen ist, was sie beobachtete, hat sie in einem Stück zusammengefasst:
Wunderland; Cilli Drexel hat den Text in Mannheim inszeniert.
Dennis Baranski sah die Premiere.
Zwei Stücke zu großen Schöpfungsmythen hat Philipp Preuss in seiner Inszenierung am kleinen Schlosstheater Moers in NRW zusammengespannt:
Kein Licht von Elfriede Jelinek und
Prometheus von Aischylos. Man sieht Vor- und Endstufe der Menschheit – und überraschende Spiele mit der Elektrizität. Für nachtkritik.de knipst
Guido Rademachers das Licht an.
Ganz schön flottes Tempo, mit dem einem der Theatermacher Malte Schlösser in
Zeig doch mal positiv, wie Du mit Schmerz umgehst die diskursanalytischen Schlagworte um die Ohren haut. Aber zumindest ein Abend, der inmitten der Theoriesattheit dem Schmerz begegnen will.
Eva Biringer sah die Premiere am Berliner Theaterdiscounter.
Verlassene Ehefrau, enttäuschte Geliebte, Verbannte in einem fremden Land, eine Nicht-Dazugehörige?
Medea ist von allem etwas. Und Regisseurin Mareike Mikat hat sie im dritten Teil von Grillparzers
Das Goldene Vlies am Badischen Staatstheater Karlsruhe auch so inszeniert. Mehr von
Georg Patzer.
Was macht das Fräulein Rasch, wenn es nach der Abend zu Hause ist – allein? Bei Franz Xaver Kroetz hat es noch stumm dem
Wunschkonzert gelauscht und sich am Ende das Leben genommen. In Michael Talkes Adaption am Theater Bremen singt sie das klassische Lied- und Arienrepertoire mit. Von einem crossovernden und spartenübergreifenden Projekt berichtet
Jens Fischer.
Ist das der Rhythmus, wo jeder mit muss? "Brüder zur Sonne, zur Freiheit...", "Wacht auf, verdammte dieser Erde...", "Und weil der Mensch ein Mensch ist..." etc. In seinem Liederabend
Marx macht mobil horcht Oldenburgs leitender Schauspielregisseur K.D. Schmidt arbeiterklassisches Liedgut auf seine aktuellen Protestwerte ab. Ob das linke Herz kräftig schlug, weiß
Tim Schomacker.
In gewisser Weise sind ja alle Abende des großen Theatermachers Christoph Marthaler Konzerte. Sein neues Werk
Oh it's like home, basierend auf dem Text seiner Lebensabschnittsgefährtin Sasha Rau, ist es aber besonders: ein Schauspieler-Quartett mit einem Pianisten, dessen Monologe erst als Ganzes eine Melodie ergeben. Am Schauspiel Köln kam es zu Gehör.
Martin Krumbholz ließ sich beeindrucken.
Vor 50 Jahren erschien Christa Wolfs Erzählung
Der geteilte Himmel. Jetzt hat sich am Staatsschauspiel Dresden Tilmann Köhler des Stoffs angenommen. Luftballons schweben, Stoff bauscht sich. Und sonst?
Esther Slevogt war dabei.
Er schleicht sich in das Leben der Anderen ein und saugt es aus:
Der talentierte Mr. Ripley von Patricia Highsmith. Am Schauspiel Frankfurt hat sich der Spezialist für Romanumsetzungen Bastian Kraft das Werk vorgenommen und Maren Eggert ans Mikro beordert. Ob sie es zum Klingen brachten, weiß
Marcus Hladek.
Nullen und Einsen heißt Philipp Löhles neues Stück; seine männliche Hauptfigur ist Anfang Mitte Dreißig, eine Null und wäre gerne eine Eins. Jan Philipp Gloger hat das Zahlenspiel in Mainz uraufgeführt,
Grete Götze berichtet.
Eine Gameshow, die Medien- und Politikberichterstattung aufs Korn nehmen will, hat Victor Bodó mit seiner Szputnyik Shipping Company für eine Tour durch deutschsprachige Lande mit Auftakt in Graz ersonnen:
Last Man in Graz: Social Error.
Leopold Lippert verfolgte das Spielgeschehen.
Mehr als ein zartes Opfer ist die weibliche Hauptfigur von Thomas Jonigks Stück
Diesseits, das Bettina Rehm am Theater für Niedersachsen inszeniert hat. Ob Paulas Kampf in Hildesheim am Ende erfolgreich oder wenigstens sinnstiftend ist, weiß
Stephanie Drees.
Noch einmal die Zivilisationsgeschichte von Null erleben und nacherfinden: von primitiv bis ziemlich avanciert und das ganz im Alleingang. Das ist der Mythos von Robinson Crusoe, dem Insel-Helden. In Oldenburg ist Julia Hölscher in ihrer Adaption
Crusoe diesem Mythos jetzt nachgegangen. Mit Sprachsensibilität und beeindruckendem Bewegungs- und Sounddesign, so schreibt
Tim Schomacker.
Was gehen uns die
Nibelungen an? fragte Einar Schleef vor 20 Jahren. Seither bemüht man sich auf deutschen Bühnen, Antworten zu formulieren. Jetzt auch in Weimar, wo die Nibelungen in Kampfanzügen stecken. Mehr darüber berichtet
Christian Baron.
Eine wortlose, magisch-musikalische Zeitreise verspricht
Das Ballhaus nach einer Idee des Théâtre du Campagnol. In Braunschweig wagt sich Stephan Rottkamp an die Partitur und lässt tänzerisch auf deutsche Nachkriegsgeschichte schauen. Ob der Abend groovte, weiß
Michael Laages.
Nach den Prinzessinnen in den Prinzessinnendramen wendet sich
Elfriede Jelinek nun den (Halb-)Göttergattinnen zu. Sie beginnt mit Eurydike, die niemand ernsthaft gefragt hat, ob sie aus der Unterwelt eigentlich zu Orpheus zurück will. Die Theaterfassung von
Schatten (Eurydike sagt) hat Regisseur
Matthias Hartmann mit sieben Burg-Schauspielerinnen uraufgeführt. Mehr von
Reinhard Kriechbaum.
Michael Maertens, den obersten Quengelbruder des deutschen Theaters, kann man sich nur zu gut als Molières
Menschenfeind denken. Das fiel auch Schauspielhauschefin
Barbara Frey auf und flugs stellte sie den Hamburger aus Wien in Zürich als Alceste auf die Bühne.
Andreas Klaeui war bei der Premiere.
Andy Warhol holte ihn in die Factory, 40 Jahre später drehte er einen Film mit Daniel Küblböck. Ein Leben voller legendärer Begegnungen und druckreifer Anekdoten. Aber wer weiß schon wirklich etwas über
Ulli Lommel, den unbekanntesten deutschen Hollywoodstar. So kurios wie seine Person ist auch die großartige Revue namens
Fucking Liberty!, die Lommel nun an der Berliner Volksbühne als Regisseur und Mitwirkender herausgebracht hat, findet jedenfalls
Matthias Weigel.
Wer 2013 Tochter ist, wird 2033 Mutter sein in einer Welt, die dann anders aussieht. Und so verhält es sich auch mit 1943 und 1963. Durch unterschiedliche Jahre schickt
Anne Habermehl eine Familie in ihrem neuen Stück
Luft aus Stein, das sie am Schauspielhaus Wien auch selbst uraufgeführt hat. Mehr von
Martin Pesl.
Fatih Akins Festivalabräumer
Gegen die Wand wird immer mal wieder gerne auf dem Theater nachgespielt. In der Garage X, Wiens führendem Off-Theater, hat sich jetzt Alexander Simon den Stoff vorgeknüpft und bettet ihn auf reichlich Schaumstoff. Zu welchem Ende, weiß
Kai Krösche.
Lang erwartet und hoch gehandelt wurde
Andres Veiels Banken- und Bänkerstück
Das Himbeerreich, das nun auch am koproduzierenden Deutschen Theater Berlin herauskam. Ob Veiel und sein Team uns die Finanzkrise erklären können, hat
Verena Großkreutz vor wenigen Tagen schon bei der Uraufführung am Staatstheater Stuttgart überprüft.
Aus dem wuchtigen Körper von Sepp Bierbichler ringen sich verzitterte Töne hervor. Es ist eher ein Wimmern als klassischer Kunstgesang, mit dem der Schauspieler hier Gustav Mahlers Kindertotenlieder intoniert. Thomas Ostermeier hat in seinem Thomas-Mann-Abend
Der Tod in Venedig / Kindertotenlieder Novelle und Liederzyklus miteinander verknüpft. Mit Tanz und Videokunst.
Wolfgang Behrens berichtet.
Treffen sich Margot Honecker, Leila Ben-Ali und Imelda Marcos. Um diese drei Diktatorengattinnen spinnt sich das neue Stück
Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel von Theresia Walser. Was die Uraufführung unter Burkhard C. Kosminski aus der Faszination des Bösen macht, beschreibt
Elisabeth Maier.
Für seine formstrengen Chorprojekte ist Ulrich Rasche bekannt. In
Die Apokalypse vereint er die Offenbarung des Johannes mit George W. Bush und Al Gore – doch ohne Chor. Ob die Rasche-Handschrift trotzdem erkennbar, weiß
Thomas Rothschild.
Hans Falladas Angestelltenroman
Kleiner Mann, was nun? ist auf den Theaterbühnen landauf, landab der Wirtschaftskrisenklassiker der Stunde. In der Bankenstadt Frankfurt hat Michael Thalheimer den Roman umgesetzt. Mit finsteren Chören, wie
Shirin Sojitrawalla schreibt.
In der Silvesternacht 1993 starb der Radikaldramatiker Werner Schwab. Seine finsteren Grotesken scheinen längst locker von der Wirklichkeit überholt. Oder? Günter Krämer hat das bitterböse Putzfrauenstück
Die Präsidentinnen am Berliner Ensemble inszeniert.
Nikolaus Merck war dort.
"Aber ihr müsst doch bestätigen, dass ich mich gut verstellt habe", so Rosalind am Ende von Shakespeares
Wie es auch gefällt. In Nora Schlockers Inszenierung dominiert tatsächlich das Spielerische, so
Sarah Heppekausen.
Die Vergangenheit ist niemals tot. Denn sie kehrt immer wieder. Das erlebt die Familie der Atriden am eigenen Leibe und zwar seit Jahrtausenden schon.
Karin Henkel hat diese Theater-Urgeschichte nun am Zürcher Schauspielhaus unter dem Titel
Elektra an der letzten Atridengeneration noch einmal aufgerollt. Ob für dieses Unglücksgeschlecht endlich Erlösung in Sicht ist (oder wenigstens für das Theater), davon kündet Christoph Fellmann.
Es ist Karin Beiers letzte Regiearbeit, bevor sie nach Hamburg wechselt. Und es ist wieder ein Abend der großen Frauen. Beier führt sie mit gewohnter körperlicher Intensität. Nichts scheint in Die Troerinnen dem Zufall überlassen, alles ist von höchster psychologischer Intelligenz, resümiert Regine Müller diesen starken Abend.
Lang ist's her, dass Botho Strauß' Odysseus als wertkonservativer Bannerträger des Vergangenen galt. Inmitten der Bankenkrise und der Krise Griechenlands bewegt sich sein Stück
Ithaka längst in anderen Deutungshoheitsgebieten. Rosmarie Vogtenhuber hat es nun am Schlosstheater Celle inszeniert.
Jan Fischer war dort.
Zwölf Jahre dauerte die Ehe von Cosima und Richard Wagner, in die das Stück des emeritierten Literaturprofessors Reinhard Baumgart
Wahnfried. Bilder einer Ehe einen eigentümlich privaten Einblick gibt. Mit der Dramatisierung des Drehbuchs aus dem Jahr 1986 läutet das Theater Meiningen das Wagner-Jahr ein. Mehr von
Christian Baron.
Dass es in der Zukunft nur noch Menschen geben wird, die von triebhafter, archaischer Gier bestimmt und zugleich mit modernster Technik ausgestattet sind, ist eine der Erkenntnisse aus Robert Harris' Roman
Angst. Diese These macht
Volker Lösch ganz groß in seiner Inszenierung am Theater Basel, in der der Chor der Zottelwesen spricht. Was, das weiß
Hartmut Krug, der bei der Premiere in Basel war.
Die Menschheit ist immer in Bewegung gewesen – los ging's mit der Vertreibung aus dem Garten Eden. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls die Produktion
Fluchtpunkt Berlin, für die
Tobias Rausch sich zusammen mit Jugendlichen mit dem Thema Flucht befasst und reale Geschichten zu einer Szenenfolge zusammengebaut hat –
Simone Kaempf berichtet.
Kann Musik die Angst vor dem Tod bannen? In der Kaserne Basel machen fleischlin/meser/oberholzer die Probe aufs Exempel. Und setzen sich in
Drop Dead, Gorgeous! auch sonst auf unterhaltsame Weise mit dem Sterben auseinander. So dass
Annette Hoffmann ganz beschwingt ist.
Bevor sich Armin Petras nach Stuttgart verabschiedet, haut er in guter alter Gorki-Manier nochmal Stücke raus, was das Zeug hält. Da können es auch schon mal drei Themen in einem Stück werden: In seinem (Fritz Katers) Text
Demenz Depression und Revolution beackert er die drei gleichnamigen "Gegenwartsmythen". Ob dabei außer Grauhaarperücken und Feinripp etwas herausspringt, weiß
Esther Slevogt.
Im Dezember musste die Premiere von
Die Anarchistin abgebrochen werden, nachdem Cornelia Froboess eine Schwächeanfall erlitt. Hätte sie von der Endlosschleife eigenartiger Fragen ihrer Bühnenkontrahentin Kopfweh und mehr bekommen, wäre auch das verständlich gewesen. Denn in David Mamets Stück kommen zwei Frauen wie in einem Kreuzverhör zusammen. Was Regisseur
Martin Kušej mit seinen besonderen Schauspielerinnen daraus macht, weiß
Sabine Leucht.
Traditionell legt das Burgtheater mittlerweile immer eine Premiere in den Silvesterabend. Diesmal hat Jan Bosse Thomas Bernhards Frühwerk Der Ignorant und der Wahnsinnige inszeniert. Unsere Kritik kommt mit Verspätung, aber sie ist da, und wie es war, sagt Christian Desrues.
Luftige Jalousien vernageln die Fensterfront in
Hedda Gablers schickem Heim. Sie hat gerade geheiratet und kehrt von der Hochzeitsreise zurück. Doch Glück sieht anders aus. Regisseurin
Katharina Rupp hat am Theater Münster Henrik Ibsens berühmte Geschichte in unser durchdesigntes Smartphone-Zeitalter verlegt. Wie Ibsens psychologische Architektur diesen Transfer übersteht, sagt
Tim Schomacker.
Eine leichenblasse Gesellschaft wird wach, weil sich der
Revisor in Nikolai Gogols gleichnamigen Stück angekündigt hat. Was natürlich eine Lüge ist, aber dem durch die Lande ziehenden
Herbert Fritsch in die Hände spielt, der das Stück am Residenztheater inszeniert hat. Mehr von
Willibald Spatz.
Dass der Regisseur
Nicolas Stemann auch ein sehr guter Livemusiker ist, weiß man spätestens seit "Die Kontrakte des Kaufmanns". Jetzt hat er sich wieder ans Instrument gesetzt und in der
Gefahr-Bar mit seiner Band über Kunst, Kommerz und den Weltuntergang sinniert.
Esther Slevogt sah und hörte zu.
Das Büro ist nicht gerade eine Hochburg des couragiert gesteiften Rückgrats. Aus diesem betrüblichen Befund hat Ingrid Lausund 2003 ein Stück für gekrümmte Typen gemacht.
Bandscheibenvorfall wird jetzt in Trier wieder aufgeführt.
Rainer Nolden war dabei.
Das weibliche Gesicht des Kriegs zeigen wollte die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alixejewitsch, als sie in den 1980er Jahren hunderte Frauen interviewte, die während des zweiten Weltkriegs hinter und an der russischen Front gekämpft hatten. Der Titel des dabei entstandenen Romans spricht es ihm wieder ab. Michał Borczuch hat
Der Krieg hat kein weibliches Gesicht in Düsseldorf inszeniert – was er aus diesem Widerspruch gemacht hat, weiß
Sarah Heppekausen.
Gott ist tot. Die Idee des Begehrens einer anderen Welt ist tot. Und die Verzweiflung über die Abwesenheit des Denkens einer anderen Welt spielt auch in Ewald Palmetshofers neuem Stück eine Rolle.
räuber. schuldengenital handelt von zwei Söhnen, die auszogen, ihre Eltern zu berauben.
Stephan Kimmig hat es in Wien inszeniert. Wie, darüber macht
Dirk Pilz sich Gedanken.
Eine schön leichtfüßige Inszenierung ist
Martin Laberenz mit Dostojewskis
Schuld und Sühne am Centraltheater Leipzig gelungen. Raskolnikows Zerrissenheit zwischen Gewalttat und Gewissensbissen etwa wird als hübsch-groteskes Schattenspiel auf die Vorhangplane projiziert. Mehr von
Tobias Prüwer.
René Pollesch webt weiter an seinem nicht enden wollenden Bühnenspektakel: In
Macht es für Euch! hat er im Zürcher Schiffbau wieder einmal eine breite Showtreppe bemüht, um darauf das weite Feld der Liebe mit einer ordentlichen Portion Theorie zu düngen sowie den unbezahlten Praktikanten zum Symbol zu erheben. Alles wie immer also?
Christoph Fellmann kann es sagen.
Judas, der wohl berühmteste und folgenreichste Verräter der westlichen Kultur, hat im katholischen München einen Solo-Auftritt:
Johan Simons hat Lot Vekemans' Monolog in den Kammerspielen inszeniert.
Martin Krumbholz ist beeindruckt.
Eisenbetten sind die harte Währung in diesem
Faust. Eine gute Schauspielerbesetzung natürlich auch. Udo Samel gib sich als Mephisto die Ehre. Und der kultige Berliner Radio-Plauderer Ahne ist mit seinen "Gesprächen mit Gott" auch dabei. Mit relativ wenigen Versatzstücken kommt Regisseur
Peter Konwitschny, an großen Opernstoffen geübt und geschärft, in seiner Grazer Goethe-Inszenierung aus. Sehr zum Gefallen von
Reinhard Kriechbaum.
"Voller Ehrfurcht gefriert vielen Männern die Faust, die sie gerade eben noch in ihrer Gattin platzieren wollten, in der Luft." So fühlt sich der Weltfrauentag in
Die Damen warten, dem neuen Stück von
Sibylle Berg, an. Klaus Weise brachte die garstige Bestandsaufnahme für Frauen um die 50 in Bonn heraus, wo
Stefan Keim sie sah.
In einem bestechend schönen Bühnenbild aus echtem Wachs lässt
Daniela Löffner am Schauspielhaus Zürich Maxim Gorkis
Kinder der Sonne spielen. Und wie sich das Volk darin aufführt, weiß
Beat Mazenauer.
Wie ein Kindertotenlied mutet das neue, tieftraurige Stück von Dea Loher an:
Am Schwarzen See. Wenige Wochen nach der Berliner Uraufführung bringt es
Wojtek Klemm jetzt in Göttingen heraus. Wie, sagt
Andreas Wicke.
Sie warten auf die Nachtkritik der deutschsprachigen Erstaufführung von David Mamets Die Anarchistin? Wie uns unsere Autorin Sabine Leucht aus München mitteilt, musste die Premiere nach einer halben Stunde abgebrochen werden. Eine der beiden Darstellerinnen, Cornelia Froboess, hatte einen Schwächeanfall. Neuer Premierentermin ist der 3. Januar 2013.
Jahrzehntelang dachte man, wenn von Maxim Gorkis
Sommergästen und der Schaubühne die Rede war, an die legendäre Inszenierung von Peter Stein. Jetzt hat
Alvis Hermanis die Sommergäste reloaded. Kann er Peter Stein vergessen machen? Die Antwort gibt
Georg Kasch.
Zwei mitteljunge Paare aus der Mittelschicht, die sich mit- und ineinander verhaken. Kennt man? Auch so, wie
Moritz Rinke sie in seinem neuen Stück
Wir lieben und wissen nichts porträtiert?
Oliver Reese hat es mit zwei realen Schauspielerpaaren uraufgeführt.
Esther Boldt weiß mehr.
20 Millionen Euro haben die Heidelberger für ihr runderneuertes Theater gespendet. Alle Achtung! Zur Belohnung gibt's nun erst einmal Shakespeares
Wie es euch gefällt. Ob auch die Inszenierung von
Elias Perrig gefiel, sagt
Harald Raab.
Mit zynischen Kollegen und gewalttätigen Schülern hat die Lehrerin zu kämpfen, um die
John Donnelly sein Stück
Besser wissen - The Knowledge gestrickt hat. Wenig kämpferisch fällt die Inszenierung von
Johannes von Matuschka aus, findet
Dieter Stoll.
Coriolanus findet das Volk, das ihn zum Herrscher wählen soll, so richtig saublöd. Aber so richtig! Das kommt uns Heutigen doch gleich bekannt vor, gell?
Rafael Sanchez hat diese Tragödie der Volksverachtung im Deutschen Theater zu Berlin mit einer starken Frauenriege besetzt. Welche Einsichten dadurch gewonnen wurden, weiß
André Mumot.
Nicoleta Esinencu beschreibt die Wirklichkeit gerne so perfide, wie sie sie erfährt.
Clear History heißt ihr neues Stück darüber, was in den 1940er Jahren in Moldau geschah. Die Dramatikerin Gianina Cărbunariu hat ihr Stück
X mm din Y km / X mm von Y km nach der Securitate-Akte des Schriftstellers Dorin Tudoran geschrieben. Zum Auftakt des Rumänien-Festivals
Many Years After... sind die beiden Inszenierungen am Berliner Hebbel am Ufer zu sehen. Mehr von
Elena Philipp.
Wenn Familie Fritzl nach Afrika aufbricht, röhrt Vati Lieder aus dem "König der Löwen" und Sohnemann fleddert kleine schwarze Puppen und lässt das Kunstblut spritzen.
We love Africa and Africa loves us heißt die neue Gemeinschaftsproduktion der Impulse-Gewinner 2011
Institutet und Nya Rampen, die im Oktober in Berlin beim Festival "Foreign Affairs" herauskam und jetzt endlich dort ankommt, wo sie zuerst hin gehörte.
Sophie Diesselhorst sah das Werk in Berlin .
Was hier gespielt wird, muss man sich schon gleich zu Beginn von
Karin Neuhäusers Inszenierung von
Minna von Barnhelm fragen, wenn im Theater an der Ruhr Fabrikarbeiter erst einmal die Reclamhefte auspacken. Gotthold Ephraim Lessing aus dem Geiste des Groschenromans? Eine Boulevardkomödie? Oder doch eine Studie über lauter Kriegstraumatisierte?
Dorothea Marcus weiß mehr.
Zu einem letzten Stammtisch treffen sich die Figuren von Arno Camenischs Roman
Ustrinkata in ihrer Dorfbeiz, die wie sie selbst dem Untergang geweiht ist. Maria Ursprung hat den apokalyptischen Reigen in Bern zur Uraufführung gebracht – und die Biere und Schnäpse, die ihn bei Camenisch begleiten, durch Holzprügel ersetzt. Ob sich trotzdem ein Rausch einstellte und was sonst noch vor sich ging, weiß
Charles Linsmayer.
Pädophilie, Kindesmissbrauch, Kindstötung und ständige Naturkatastrophen. Der australische Autor Andrew Bovell hat für seine moderne Familien-Saga nach Art der griechischen Tragödien
Das Ende des Regens schwere Geschütze aufgefahren. Am Stadttheater Ingolstadt hat Caro Thum seine Erzählung von Schuld, Verdrängung und Aufklärung umgesetzt. Wie, sagt
Isabella Kreim.
Kennen Sie noch Karl den Käfer? Er wurde nicht gefragt, man hat ihn einfach fortgejagt... So auch in Braunschweig, wo der Stadtpark einem Einkaufscenter weichen musste. Mit
Das Paradies ist umgezogen widmet sich Uli Jäckle diesem und anderen Gentrifizierungsproblemen.
Jan Fischer war da.
Im Jahr 1912 eröffneten die Münchner Kammerspiele, und kurz darauf wurde dort Frank Wedekinds
Franziska uraufgeführt. 100 Jahre später erfreuen sich die Kammerspiele noch immer großer Beliebtheit, wohingegen Wedekinds Stück von den Spielplänen so gut wie verschwunden ist. Damit ist nun Schluss:
Andreas Kriegenburg hat es ausgemottet und die Titelrolle mit Brigitte Hobmeier besetzt. Mehr von
Michael Stadler.
Michail Bulgakows
Der Meister und Margarita erregte in den letzten Jahren viele Theatergemüter. Der Teufel, die Stalinisten, die Liebe, der Flug über Moskau, ein jesusmäßiger Autor üben, scheint's, magnetische Anziehung aus. Nun hat Markus Bothe nach dem Stoff gegriffen.
Harald Raab war bei der Premiere.
Ist es das Leben, das Martin Heckmanns meint, wenn er sein Stück
Hier kommen wir nicht lebendig raus überschreibt? Im Ballhof Eins hat sich Malte C. Lachmann, diesjähriger Gewinner des Körber Studios Junge Regie, an den Versuch einer Antwort gemacht. Mehr von
Stephanie Drees.
Wohin gehört ein Mensch? Zu einem anderen? Zu einer Familie, zu einem Land am Ende? Fragen, die das Stück der Dramatikerin Azar Mortazavi
Ich wünsch mir eins stellt. Annette Pullen hat es uraufgeführt.
Kai Bremer sah zu.
Der Dramatiker
Oliver Kluck macht in
Männer Frauen Arbeit ein riesengroßes Fass auf und erzählt von Mösen und Erpeln. Markus Heinzelmann hat am Deutschen Schauspielhaus die Uraufführung besorgt.
Katrin Ullmann berichtet.
Aussteigerfantasien sind nichts ungewöhnliches. Warum also sich nicht auf den romantischsten aller Verweigerer berufen, auf den namenlosen Müllerburschen in Joseph von Eichendorffs
Aus dem Leben eines Taugenichts?
Jan Gehler tut's in Dresden,
Ralph Gambihler war dabei.
Facebook wächst und wächst, und gilt doch längst als undurchschaubare Datenkrake. Im schwedischen Luleå wird gerade das neue Datenspeicherzentrum des Unternehmens gebaut. Für
Hacking Luleå am Deutschen Schauspielhaus Hamburg macht sich Konradin Kunze auf den Weg nach Norden. Wie's war, weiß
Tim Schomacker.
Was, wenn man über Nacht vom Rest der Welt getrennt ist? Marlen Haushofers Roman
Die Wand und ihre existenzielle Versuchsanordnung der splendid isolation wird von Dorothee Hartinger auf der Feststiege Landtmannseite des Burgtheaters gespielt.
Martin Pesl nahm mit Platz.
Sie hat das Zeug zur Heiligen, aber auch zu einer Führerin, und das Führerprinzip weckt in übersichtlichen Umbruchsituationen so seine Verlockungen. Was
Felicitas Brucker in Schillers
Die Jungfrau von Orleans am Theater Freiburg sonst noch sieht, weiß
Jürgen Reuss.
Die Wingfields, so wie Tennessee Williams sie in seinem Erinnerungsdrama
Die Glasmenagerie zeigt, sind eine Rumpffamilie, die der amerikanische Traum irgendwo in einer tristen Vorortexistenz in St. Louis vergessen hat. Der junge Regisseur
Sebastian Kreyer pfeift auf alles allzu Depressive am Stoff und bietet ein manisches Traumspiel im Dauercamper-Idyll. Mehr von
Sarah Heppekausen.
Ein Livemusiker trabt schluffig über die Bühne, ein lohengrinesk glitzernder Schwan ist auch mit von der Partie in
David Böschs Inszenierung von Carlo Goldonis
Der Diener zweier Herren. Wie oft bei Bösch hat die Liebe absoluten Vorrang. Ob auch das Theaterherz zu schlagen beginnt, sagt
Martin Krumbholz.
Johann Wolfgang von Goethes sturmdrängender Briefroman
Die Leiden des jungen Werther ist auf dem Theater längst toterzählt? Nicht in Basel, wo
Thom Luz ihm die Fußnote "I am a story backwards told" zufügt und mit dem Selbstmord anfängt. Ob die Geschichte so funktioniert, weiß
Annette Hoffmann.
Bertolt Brecht hat in seinem frühen Einakter
Die Kleinbürgerhochzeit das bürgerliche Ideal von Ehe und Familie karikiert. Saarbrückens Intendantin
Dagmar Schlingmann hat nun das Stück mit Nineteensixties-Charme inszeniert.
Reingart Sauppe weiß mehr.
Ein junger Mann landet in einem Hotel in Afghanistan. Angeblich auf Recherche. Er versteht die Sprache nicht, er bekommt Durchfall, wird beklaut, dann eskaliert die Lage. Konradin Kunzes
foreign angst wurde von Tilman Gersch in Wiesbaden uraufgeführt. Mehr von
Shirin Sojitrawalla.
Ein Mann stirbt. Dann reanimiert ihn das Theater wieder, um in seinem Kopf das Spiel seines Lebens aufzuführen. So zumindest hat Regisseurin Mateja Koležnik Pierre Corneilles fast vierhundert Jahre alte traurige Komödie
Spiel um Illusion aufgefasst. Die am Theater Chemnitz
Hartmut Krug gesehen hat.
Eine Unterschichtsfamilie kapert das Krippenspiel und gibt ihm seinen Sinn zurück. Eine echte Weihnachtsgeschichte also, die Barbara Robinsons Jugendbuchklassiker
Hilfe, die Herdmanns kommen erzählt. David Gieselmann hat ihn fürs heutige Theater bearbeitet und Hanna Müller dortselbst in Szene gesetzt.
Jan Fischer sah zu.
Wir waren ist das Stück überschrieben, in dem ein altes Paar am Ende eines letzten Urlaubs selbstbestimmt sterben will: eine Art Doppelmonolog über das Leben an sich, vom französischen Dramatiker
William Pellier verfasst. Die deutschsprachige Erstaufführung hat im Auftrag des Theaters Osnabrück jetzt Alexander May inszeniert. Und zwar so, wie es sich gehört für ein Stück über die letzten Dinge.
Tim Schomacker ist beeindruckt.
Kurz nach der Uraufführung verfilmte und spielte Rainer Werner Fassbinder selbst seinen
Katzelmacher, hochdeutsch "Kindermacher", über einen Griechen, der in eine deutsche Kleinstadt platzt.
Hakan Savaş Mican, Autor und Regisseur, bisher vor allem bekannt vom Berliner Ballhaus Naunynstraße, hat den Stoff nun in Mainz inszeniert und dabei hochgekocht, was Fassbinder unterkühlt hat. Mehr von
Shirin Sojitrawalla.
Gewimmel auf der Bühne, die drei Schwestern sprühen vor Unternehmensgeist, ihr Ruf nach Moskau klingt bald wie ein Wolfsgeheul, aber was immer sie tun: die vierte Wand bleibt eisern aufgerichtet. Es ist ein ästhetischer Naturalismus, der die Inszenierung der
Drei Schwestern des russischen Fomenko Studio zum Auftakt des
Festival RusImport bei den Berliner Festspielen von den Fesseln des Realismus befreit. Und
Sophie Diesselhorst beeindruckt hat.
Rukeli Trollmann war ein junger Boxer, der 1933 Deutscher Meister im Schwergewicht wurde. Und den Titel ganze acht Tage lang tragen durfte. Dann wurde er ihm von den Nazis aberkannt, weil ein "Zigeuner" nicht Deutscher Meister sein durfte. Am Theater Lüneburg hat Johan Heß nun
Rike Reinigers Trollmann-Stück
Zigeuner-Boxer inszeniert. Mehr von
Nikolaus Stenitzer.
Das Zusammenwirken von Bild, Musik und dem hohen Identifikationsstreben der Hauptdarstellerin Björk zeichnete Lars von Triers Film
Dancer in the Dark aus. Das Staatstheater Stuttgart hat den Stoff nun spartenübergreifend mit Schauspielern und Tänzern in der Regie von Christian Brey auf die Bühne gebracht. Matthias Klein hat dazu eigene Musik komponiert. Was sich aus dieser Neuanordnung ergab, sagt
Verena Großkreutz.
Mit
Mahlermania wird an der Deutschen Oper Berlin eine neue Spielstätte eröffnet: die Studiobühne Tischlerei, größer als die Hauptspielstätte so manches Stadttheaters. Zu diesem feierlichen Anlass hat sich eine freie Gruppe dem Leben und der Musik Gustav Mahlers gewidmet. Ob der Stil von
Nico and the Navigators, Körper- und Tanztheater mit Klamauk, funktionalen Bühnenelementen, Pastellfarben und Retro-Look zu verbinden, aufgegangen ist, weiß
Georg Kasch.
Ist's Hirngespinst, ist's triftiger Grund, der diesen Jüngling gegen seinen König aufbringt? Im Dresdner
Hamlet gibt Roger Vontobel die Geschichte des Dänenprinzen als Fanatismus-Studie, mit Live-Band und einem rockenden Christian Friedel in der Titelrolle.
Ralph Gambihler ist begeistert.
Wie einen Traum aus Zelluloid hat Stefan Pucher im Hamburger Thalia Theater Shakespeares
Sommernachtstraum als glitzerndes Spielwerk aus Begehr und Wunsch und Traumlogik inszeniert. Zum Entzücken von
Falk Schreiber.
Ein Glaubensmanifest mit Mord und Totschlag legte Lew Tolstoi 1886 mit
Die Macht der Finsternis vor. In seelendürrer Zeit wird es von den Bühnen wiederentdeckt, so auch in Düsseldorf von Sebastian Baumgarten. Mehr von
Andreas Wilink.
Es sind feinnervige Barockarien, die der Sänger Thomas Quasthoff mit seinem einzigartigem Bassbariton zu Katharina Thalbachs krachlederner Inszenierung am Berliner Ensemble beisteuert. Dort spielt er den Narren. Gegeben wird William Shakespeares
Was ihr wollt. Wie sich das alles zueinander fügt, sagt
Simone Kaempf.
Wenn sich Friederike Heller und die gloriose Indie-Band Kante an der Schaubühne aufmachen, das legendäre Rock-Musical
The Black Rider von William Burroughs, Tom Waits und Robert Wilson umzusetzen, dann steht Großes an. Oder nicht?
Matthias Weigel sagt's.
An diesem Wochenende eröffnete das NRW-Theaterfestival
Favoriten. Und zwar mit
Hajusom in Bollyland.
Elske Brault sah die Premiere auf Kampnagel Hamburg.
Auf der Bühne ist Fabian Hinrichs gerne als Tarzan unterwegs, mit bloßem Oberkörper, am Seil. Dabei ventiliert er üblicherweise Antworten auf letzte Fragen. Nach der Uraufführung im Oktober hatte
Die Zeit schlägt dich tot jetzt im Ringlokschuppen in Mülheim Premiere. Die Ur-Spielung in Berlin beschrieb
Georg Kasch.
Auf karikierendem Witz so lange herumreiten, bis er quält und der Spaß in tödlichen Heiner-Müller-Ernst kippt: Das macht vielleicht die gelungenen Abende von Dimiter Gotscheff und seiner Truppe aus. Ob es bei
Shakespeare. Spiele für Mörder, Opfer und Sonstige am Deutschen Theater auch gelingt? Von dem Shakespeare-Müller-Verschnitt weiß
Wolfgang Behrens zu berichten.
Einen Ozean fordert Wolfram Lotz als Bühnenbild für sein zweites Stück Einige Nachrichten an das All. Das ist nur eine von vielen Maßlosigkeiten, denen Antú Romero Nunes in seiner österreichischen Erstaufführung einen auch ziemlich ausschweifenden Inszenierungsgestus entgegengesetzt hat. Kai Krösche ist begeistert.
Rauchender Colt oder pralle Geldbörse? Furchtlosigkeit oder sicherer Rückzugsort? Die verschiedenen Spielarten des Mannseins sind Thema von Rebekka Kricheldorfs neuem Stück
Testosteron. Eine schwarze Parabel. Wieviel Gutes Regisseurin Schirin Khodadadian am "starken Geschlecht" lässt, weiß
Andreas Wicke.
Brauner Sumpf im Ballhaus Naunynstraße, gibt's denn das? Lukas Langhoff hat
Fahrräder könnten eine Rolle spielen von Marianna Salzmann und Deniz Utlu alias Angry Birds uraufgeführt und es sich mit dem Ausstellen des ubiquitären Gespensts Rassismus ein bisschen einfach gemacht. Meint
Mounia Meiborg.
Eigentlich hat Friedrich Schiller den deutschen Fernsehkrimi erfunden, indem er nicht nur Einblicke ins nationalistische Umstürzlerwesen gab, sondern auch die Umstände untersuchte, die aus Menschen Mörder machen. Regisseur
Simon Solberg verehrt Schiller und hat nun am Deutschen Theater
Verbrecher aus verlorener Ehre als Stegreiftheater inszeniert, mit Tempo und Witzchen und mit Miss-Ständen, die so freilich nicht bleiben sollen. Mehr darüber von
Nikolaus Merck.
Mario Salazars Stück
Alles Gold was glänzt führt eine ostdeutsche Familie vor, die auf bizarre Art am Übergang in den Kapitalismus scheitert. Kann das auch im zutiefst westdeutschen Heidelberg rübergebracht werden? Milan Peschel hats mit seiner Uraufführungsinszenierung versucht und
Harald Raab überzeugt.
Vor 40 Jahren wurde
Die neuen Leiden des jungen W. von Ulrich Plenzdorf in Halle uraufgeführt und verhalf dem klassischen Goethe-Stoff zu neuer Popularität. In Augsburg hat
Ramin Anaraki jetzt eine Aktualisierung der Aktualisierung gewagt. Wie heutig das war, beurteilt
Willibald Spatz.
Edek ist 87 Jahre alt, als er von Australien nach New York umsiedelt, dort mit zwei Witwen eine Alten-WG, dann ein Klöpse-Restaurant gründet. Was nach 1a-Stoff fürs wachsende Segment der Rentner-Komödie klingt, wird von
Otto Schenk am Theater in der Josefstadt nochmal in höhere Komik-Spähren befördert. Mehr über
Chuzpe von
Christian Desrues.
Ein großer Roman über Künstlertum und Vergänglichkeit samt Todesfantasie seines Autors ist
Karte und Gebiet. An der Wiener Garage X hat sich der künstlerische Leiter Ali M. Abdullah das 400-Seiten-Werk vorgenommen. Ein Abend mit französischen Chansons, Live-Gitarrenmusik und packendem Schauspiel ist es geworden. Für nachtkritik.de berichtet
Kai Krösche.
In Friedrich Schillers
Kabale und Liebe schnurrt die "soziale Maschine" des vormodernen Deutschlands. Regisseur Jo Fabian will das Räderwerk in Mülheim für ein heutiges junges Publikum in Gang setzen, mit historischen Kostümen und modernen Sounds und Choreographien. Ob's gelingt, weiß
Martin Krumbholz.
Die Welt oder eine Frau erobern, das ist die Frage für Don Rodrigo, der für sein katholisches Spanien in die Schlacht zieht und gleichzeitig die verheiratete Doña Proëza liebt. Die opfert der Jungfrau einen Schuh, um in einen Seitensprung höchstens hinein hinken zu können.
Der seidene Schuh heißt das vierteilige Drama von Paul Claudel. Am Schauspielhaus wurde es nun einmal zur Gänze aufgeführt. Von diesen acht Stunden erstattet
Martin Pesl Bericht.
Die Räuber und der Raubtierkapitalismus. Aus dieser 230 Jahre überspannenden Konstellation müsste doch Gewinn zu schlagen sein, dachte man sich wohl am Theater Regensburg und beauftragte
Marcus Lobbes, die ins Abseits geratene Theaterstadt wieder an die Aufmerksamkeitsströme anzuschließen. Ob es gelang, schreibt
Harald Raab.
Gerhart Hauptmanns berühmte Novelle führt am Exempel von
Bahnwärter Thiel vor, wie die Welt im naturalistischen Bild nicht mehr zu fassen ist, weil sie in ihre Einzelteile zerfällt. Am Maxim Gorki Theater hat
Armin Petras das theatralisch nachzuvollziehen versucht,
Georg Kasch hat ihm dabei zugeschaut.
Vier Senioren aus dem Seniorenheim gehen auf die Bühne und erzählen. Betroffenentheater? Ach Quatsch. Alt wird jeder. Also eher: Hinweise von Expert_innen. Den
Herbstzeithelden hat im Deutschen Theater
Stephanie Drees zugesehen.
Durchschnittsamerikaner erzählen ihre Geschichte. Schnell sind sie erschossen von den Beltway Snipers. Bum. Am Residenztheater hat sich jetzt das länderübergreifende Projekt
Call Me God mit der Sache befasst, geschrieben von den Autoren Rafael Spregelburd, Albert Ostermaier, Gian Maria Cervo und
Marius von Mayenburg, der auch inszenierte. Näheres von
Petra Hallmayer.
Was für ein Kerl war
Des Teufels General! Melancholischer Naziluftwaffengeneral und Hitlergegner. Am Schauspiel Frankfurt hat
Christoph Mehler ihm nun die Uniform ausgezogen. Was von Zuckmayers Klassiker übrig blieb, sagt
Shirin Sojitrawalla.
Wo die alten Rollenmuster ausgedient haben, gerät auch sonst alles aus den Fugen. In der Komödie
Die Elchjagd des polnischen Erfolgsautors
Michael Walczak zum Beispiel. Fanny Brunners deutschsprachige Erstaufführung sah
Steffen Becker.
Die finnisch-britische Performance-Truppe
Oblivia steht leicht schräg zum mitteleuropäischen Performance-Mainstream. Jetzt hat sie im PACT Zollverein den ersten Teil einer neuen fünfteiligen Serie herausgebracht:
Museum of Postmodern Art. Mehr von
Esther Boldt.
Was kann man eigentlich an einem Projekt weiterentwickeln, das schon zur Premiere zu Hymnen Anlass gab? Neueinstudiert hatte gestern Clemens Sienknechts und Barbara Bürks
Werner Schlaffhorst – Ein Leben, zu wahr, um schön zu sein in Köln Premiere.
Andreas Klaeui ließ sich in Zürich schon 2009 um den Finger wickeln.
Ein Pappmaché-Goethe wird begraben, und jemand versucht, in seinen Kopf zu klettern. Irre Perücken, Herren in historischen Kostümen, viel Atmen, Keuchen, Stöhnen in diesem Spiel namens
Mein Faust, das
Sebastian Hartmann am Centraltheater zum Abschied inszeniert hat. Nur gesprochen wird nicht, kein einziges Wort. Überwältigend bildgewaltig, aber man muss dran glauben, sagt
Matthias Schmidt.
Man meets woman, und zwar genau im falschen Moment. Deshalb hat
Martin Heckmanns den beiden in
Einer und eine noch Erzähler zur Seite gestellt, um die Hürden zur Beziehung zu nehmen. Wie
Dominic Friedel, neuer Hausregisseur in Mannheim, die Liebesgeschichte zwischen Romantik und Internetdating uraufgeführt hat, weiß
Dennis Baranski.
Bösartig gutartig ist die Kleinfamilie in
Benjamin Lauterbachs Stück
Der Chinese. In einer unheimlichen Zukunft bekommt sie irritierenden Besuch aus dem Fernen Osten.
Andrea Thiesen hat die Gesellschaftssatire am Hessischen Staatstheater uraufgeführt.
Grete Götze schreibt, wie es war.
Gestern wurde das
Festival Fast Forward eröffnet und zeigt nun vier Tage lang Arbeiten junger europäischer Regisseure. Den Auftakt machte der Shakespeare-Abend
Korijolánusz des Ungarn
Csabá Polgar. Im Frühjahr war die Inszenierung bereits beim Festival
Radikal jung in München eingeladen, wo
Michael Stadler sie sah.
Erst kürzlich hat
Kay Voges "Einige Nachrichten an das All" von Wolfram Lotz als Film inszeniert. Ein Theater-Endspiel war das. Nun hat Voges zwei der Figuren von Lotz, die dieser sich bei Beckett entliehen hat, zurück auf die Bühne geholt und das
Endspiel mit der Erfahrung eines anderen Stückes gelesen. Ins intertextuelle Abenteuer stürzte sich
Sarah Heppekausen.
Ist Elfriede Jelineks Krisenabrechnung
Die Kontrakte des Kaufmanns dreieinhalb Jahre nach ihrer Uraufführung noch aktuell? Am Staatstheater Braunschweig machte
Marc Becker die Probe aufs Exempel. Mit dabei war
Tim Schomacker.
Gonzaga setzt sich in einen BMW, um über Emilia zu räsonieren. Das Fahrzeug, das in einer Szene von einem Kinderwagen zum Stehen gebracht wird, woraufhin Marinelli das Maschinengewehr zückt. Ja, die Ideale von Freiheit und Disziplin entwickeln sich gewaltsam in
Thirza Brunckens Inszenierung von
Emilia Galotti. Und sind höchst schlüssig mit dem Deutschen Herbst verknüpft, findet
Christian Baron.
Nach seinem Bühnenerstling "Geister in Princeton" hat Bestseller-Autor
Daniel Kehlmann ein neues Stück geschrieben:
Der Mentor. Dessen Uraufführung wäre beinahe geplatzt, weil Hauptdarsteller Michael Degen wenige Tage vor der Premiere erkrankte. Wie nun Regisseur Herbert Föttinger, Intendant des Theaters in der Josefstadt, Titelrolle und Stück stemmte, sagt
Hartmut Krug.
Wir gewinnt. Aber wie? Mit ihrem neuen Abend
Dancing About kehrt das Performance-Kollektiv
Gob Squad an die Berliner Volksbühne zurück, wo sie zwischen Wir-Sagen und Tanzeinlagen das Phänomen Gemeinschaft erkunden. Zu welchem Ende, weiß
Sophie Diesselhorst.
Nach Gastspielen in Wien und Avignon ist Kornél Mundruczós Adaption des Romans
Schande von J. M. Coetzee im HAU angekommen. Den pulsierenden Theaterabend sah
Martin Pesl bereits im Mai bei den Wiener Festwochen.
Was, wenn ein Mord in einem Killerspiel mit 10.000 Euro belohnt wird und die härteste Waffe der finanzspekulative Erstschlag ist? Das Spiel
Kill Hill können sich jedenfalls nur Zocker mit genügend Kleingeld leisten. Der slowakische Autor Viliam Klimáček hat gleichnamiges Stück für die Reihe "Generation Icon" an den Wiener Wortstätten geschrieben, Regisseurin Martina Schlegelová brachte es auf die Bühne. Ob das größenwahnsinnige Game zu gewinnen ist, weiß
Kai Krösche.
Die Liste der legendären Choreographien von Strawinskys Meisterwerk ist lang. Ob in Jahrzehnten auch noch jemand über Laurent Chétouanes
Sacré Sacre du Printemps reden wird, das gestern am neueröffneten Berliner HAU angekommen ist?
Andreas Wilink sah die Premiere bereits bei der Ruhrtriennale in Essen.
Seit zwei Tagen läuft in Leipzig das Festival
euro-scene, das sich dem "zeitgenössischen europäischen Theater" widmet. Neben Szene-Stars wie Romeo Castellucci und Anne Teresa De Keersmaeker ist auch Marta Górnicka zu Gast, die gestern
Hier spricht der Chor zeigte – worüber
Charles Linsmayer bereits beim Zürcher Theaterspektakel berichtete.
Unfassbar schäbig und unendlich melancholisch ist sie, die
Christoph-Marthaler-Welt. Doch es vermittelt sich auch immer die Ahnung von etwas anderem: in der Musik. Die stammt diesmal von Georg Friedrich Händel, dem Marthaler und seine Family eine Oper über den Untergang einer Kaufhaus-Dynastie untergeschoben haben:
SALE. Mit dabei am Zürcher Opernhaus: Anne Sofie von Otter. Und für nachtkritik.de:
Andreas Klaeui.
Auch nach dem großen Kleist-Jahr 2011 gibt's weiter Kleist zuhauf. In Frankfurt zum Beispiel, wo Philipp Preuss
Das Käthchen von Heilbronn als Singspiel wiederentdeckt, wie
Kai Bremer berichtet.
Bürgerliches Lachtheater der psychologisch fortgeschrittenen Art bietet
Der Vorname von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière. Christian Brey hat es am Deutschen Schauspielhaus erstaufgeführt. Unser Komiktester vor Ort war
Jens Fischer.
Mit einem deutsch-polnischen Projekt geht die Landesbühne Nord einen schwierigen Teil unserer Nachbarschaftsgeschichte an: Die Unruhen in Bromberg kurz nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939.
Bromberg / Bydgoscsz heißt das Werk von Katharina Gericke und Artur Palyga. Mehr von
Andreas Schnell.
Mit
Der Steppenwolf schrieb Hermann Hesse 1927 ein Jugendbuch, das gar nicht als solches angelegt war, sondern als Ausbruchsfantasie eines Bildungsbürgers in den mittleren Jahren. Gut vierzig Jahre nach Erscheinen wurde es zum Inspirationsquell für Hippies und alle, die es werden wollten. Der junge Regisseur Bastian Kraft hat es jetzt in Zürich auf die Bühne gebracht. Wie, sagt
Oliver Schneider.
Er hat es all den Spekulanten und Finanzblasenjongleuren vorgemacht: Carlo Ponzi, der Anfang des 20. Jahrhunderts Kleinanleger um Millionenbeträge prellte. In
Das System Ponzi zeichnet David Lescot Leben und Wirken des Wirtschaftsbetrügers nach. Die deutsche Erstaufführung an der Landesbühne Nord in Wilhelmshaven sah
Benno Schirrmeister.
Wer solche Schauspieler hat, kann getrost heftig an der Emotions-Schraube drehen. Burgtheaterchef
Matthias Hartmann prunkt in seiner Inszenierung von Anton Tschechows
Onkel Wanja wieder mit einer Luxusbesetzung, darunter Elisabeth Orth, Nicholas Ofczarek und Gert Voss. Bei allem Wallen ein bemerkenswert kurzweiliger Abend, meint
Reinhard Kriechbaum.
Das Russland, in welches uns diesmal
Frank Castorf mit Fjodor M. Dostojewski führt, ist eine Wahn- und Wohngemeinschaft.
Die Wirtin ist der Abend nach einer Erzählung von 1847 überschrieben.
Christian Rakow hat den schweren Wein geprüft.
Ein Abend, zwei Jahrhundertactricen – Inge Keller spricht den Monolog
Tilla, den
Christoph Hein über Tilla Durieux geschrieben hat. Ein Ehrenmitglied des Deutschen Theaters verkörpert ein zweites.
Georg Kasch sah hinauf in den Olymp der Theatergeschichte.
Das
Hebbel am Ufer (HAU) unter seiner neuen Leiterin Annemie Vanackere öffnete gestern wieder seine Pforten. Zentrale Produktion der mehrtägigen Feierlichkeiten:
Disabled Theatre von Jérôme Bel und dem Theater Hora aus Zü
rich, eine Ko-Produktion des HAU, die bereits seit dem Sommer unterwegs ist und jetzt endlich nach Hause kommt. Andreas Klaeui berichtete im Sommer von der Premiere in Avignon.
Auch auf den kleineren Bühnen des
HAU war gestern zur
Wiedereröffnung Betrieb. Im HAU 2 am Halleschen Ufer spielte das niederländisch-flämische Kollektiv
Wunderbaum gemeinsam mit der Band Touki Delphine die
Visions out of nothing. Und im kleinen HAU 3 am gegenüber liegenden Ufer des Landwehrkanals zeigte das Amsterdamer Theaterkollektiv
Schwalbe wie aus Spiel Ernst wird.
Esther Slevogt berichtet.
war 1944 das erste Erfolgsstück des amerikanischen Dramatikers
Tennessee Williams. Noch immer geistert die Psycho-Schabracke wie eine unbewältigte Angelegenheit des 20. Jahrhunderts durch die Spielpläne.
Ralph Gambihler besah sich die Chose in Jena.
Anke Engelke, Kurt Krömer und Georg Schramm haben Videobotschaften geschickt. Für diesen neuen Abend von Rainald Grebe, der von Dada handeln soll, so die Ansage, was natürlich auch ziemlich gaga ist. Jedenfalls startet der Abend wie ein Pilot für ein neues TV-Format, und was in
Dada Berlin am Maxim Gorki Theater noch zu sehen ist, weiß
Matthias Weigel.
Hundertster Geburtstag der Münchner Kammerspiele. Elfriede Jelinek hat ein Geschenk besorgt, gleich nebenan auf der Maximilianstraße, wo's teuer und hübsch ist: ein Stück stilbewusste Konsumkritik
Die Straße. Die Stadt. Der Überfall. Johan Simons nahm es dankbar entgegen und reichte es an sein exquisites Ensemble um Sandra Hüller weiter. Wie die Party dann weiter ging, berichtet
Sophie Diesselhorst.
Nun hat sie sich also Sebastian Nübling vorgenommen, die erotischen Irrungen und Wirrungen im Ardennerwald. Am Zürcher Schauspielhaus besteht der aus einem Baum der Erkenntnis. Ob's für Shakespeares Komödie
Wie es euch gefällt reicht, weiß
Christoph Fellmann.
Passt gut in diese Tage, in denen der überirdische Radsportheld Lance Armstrong auf den Boden der harten Doping-Tatsachen kracht:
Ein Sportstück. Hermann Schmidt-Rahmer führt in Nürnberg Elfriede Jelineks kämpferische Anmerkungen zur professionellen Leibesertüchtigung auf.
Dieter Stoll berichtet.
Viel wurde im Vorfeld spekuliert und geschrieben über
Milo Rau und seine Idee, die gesperrte Rede des 77-fachen Massenmörders Anders Behring Breivik vor dem Osloer Gericht auf die Bühne zu bringen. Jetzt konnte man
Breiviks Erklärung im Berliner Theaterdicounter sehen. Bei der Weimarer Premiere sah für uns
Christian Baron zu.
Zwei Stücke, die grelles Licht auf das Thema Missbrauch werfen. Und den Befund, dass die Liebe auch in der Familie längst der Gier zu Oper fiel. Stephan Kimmig hat Franz Xaver Kroetz' Bauernstück
Stallerhof mit Stephan Kaluzas hier uraufgeführtem Upper-Class-Familiedrama
3D zu einem irritierenden Abend verbunden. Den
Tomo Mirko Pavlovic sah.
Wie zum Zeitvertreib macht Henrik Ibsens
Hedda Gabler die Männer um sie herum kaputt. Ein Eisberg von Frau. Und ein Garant für glühende Theatergefechte. Am Residenztheater haben sie ihre Hedda und was für eine: Birgit Minichmayr. Wie heißkalt es unter der Regie von Intendant Martin Kušej wurde, weiß
Sabine Leucht.
Ein Dream-Team des Gegenwartstheaters, dessen Traumspiele oft albtraumhaft, schmerzensreich ausfallen: Dea Loher und ihr Uraufführungsregisseur Andreas Kriegenburg. Die Auftragsarbeit für das Deutsche Theater
Am Schwarzen See bringt beide wieder zusammen.
Simone Kaempf war mit von der Partie.
Am 21. Dezember soll die Welt untergehen. Das sagt der Maya-Kalender. Im Theaterhaus ist das offenbar schon passiert. Leichensäcke sind in einer Halle aufgereiht. Aus einem allerdings kriecht plötzlich ein Freak. Zwei Astronauten sind auch noch gelandet. Das und noch mehr passiert in Prem Kavis und Alexej Schipenkos furios-chaotischem Drama
Ich bedanke mich für alles, das Samuel Hof uraufgeführt hat. Und in
Christian Baron einen begeisterten Zuschauer fand.
Tief in die Freud'sche Psychokiste steigt Hugo von Hofmannsthal hinab in seiner Aktualisierung der antiken
Elektra-Tragödie. Am Burgtheater folgt ihm
Michael Thalheimer in den Seelenschacht, frei von Richard Strauss' Musik, aber nicht von Wucht und Choreografien.
Reinhard Kriechbaum ist beeindruckt.
Mit
Romeo Castellucci endet das diesjährige Festival Foreign Affairs.
The Four Seasons Restaurant ist von Mark Rothkos Bilderserie für einen New Yorker Eßtempel inspiriert und dem Willen zur unbedingten Kunstgeste. Wieso man dabei durch ein Schwarzes Loch in eine Opiumplantage gesaugt wird, weiß
Christian Rakow.
In Zeiten, da die Menschen gute Gründe haben, auf die Straße zu gehen, lohnt ein Blick zurück: Wie war das noch mit der Mutter aller Revolutionen? Am Volkstheater befragt Intendant
Christian Stückl Georg Büchners
Dantons Tod. Mit dabei war
Steffen Becker.
Balkan-Beats, Plastiktaschen und Planenverschläge: Kann
Pulverfass eine zünftige Jugoslawien-Revue werden? Zumindest kommt das u.a. mit Texten von Emir Kusturica durchflochtene Stück des in Skopje geborenen Autors Dejan Dukovski in der Inszenierung von
Sascha Hawemann ohne Kriegsszenarien aus, berichtet
Tobias Prüwer.
Als in Dänemark im Jahr 2000 Janne Tellers
Nichts erschien, war das ein Skandal: Ein Jugendbuch, in dem ein Schüler jeglichen Sinn abstreitet? Mit drastischen, ja tödlichen Folgen? Zehn Jahre später erschien "Nichts" auch bei uns mit dem Untertitel
Was im Leben wichtig ist, erhielt Preise und eroberte anschließend die Bühnen. Jetzt inszenierte
Jonas Vietzke mit vier Schauspielern die Stückfassung im Theater an der Glocksee.
Jan Fischer berichtet.
Henrik Ibsen ist derzeit sehr in Mode, weil es in seinen bürgerlichen Dramen ordentlich rumort: Genderdebatten. Umwelts- und Politskandale. Oder auch eine Bankkrise wie in
John Gabriel Borkman. Den hatte
Elmar Goerden in Starbesetzung im Wiener Theater in der Josefstadt inszeniert. Nun ist der Abend in Graz angekommen. Von der Wiener Premiere berichtete
Thomas Askan Vierich.
Whooms! Es kracht gewaltig im Bremer Theater, als sich der Vorhang hebt. Ein Anschlag? Jawohl! Ein anarchisches Spaß-Attentat auf den verschnarchten Biedersinn hiesiger
Jacques Offenbach-Rezeption.
Herbert Fritsch ist in Bremen gelandet und hat
Die Banditen inszeniert. Ein Hör- und Sehabenteuer auf der ganzen Linie.
Wolfgang Behrens hat sich mit einiger Begeisterung ins Stahlbad der Lustbarkeiten gestürzt.
Joseph Roths Roman
Hiob nimmt eine biblische Geschichte auf. Wolfgang Engel hat den Stoff am Schauspiel Essen inszeniert, die Premiere sah
Sarah Heppekausen.
Oben, auf dem Dachboden sitzt der alte Theaterdirektor und unten in der Wohnung kämpfen die Frauen um ein bissel Glück und Bedeutung:
Die Ratten von
Gerhart Hauptmann. In Köln hat Karin Henkel das naturalistische Drama inszeniert. Die Premiere sah
Andreas Wilink.
Nicht nur in Köln, au
ch am Theater Osnabrück haben sich Hauptmanns Ratten eingenistet. Dort lässt Annette Pullen das Sozialdrama in einem wunderlichen Irrgarten aus bunten Klamotten spielen. Tim Schomacker war dabei.
"Friede den Hütten, Krieg den Palästen!" Georg Büchners berühmtes Diktum hat die Theater schon immer angeregt, sich mit kämpferischer Rhetorik in die Brust zu werfen. Für sein Projekt
Büchner spannt
Falk Richter die Texte des verzweifelten Revolutionärs mit eigenen zusammen. Zu welchem Ende? Das beschreibt
Martin Krumbholz.
Auf der Bühne ist Fabian Hinrichs gerne als Tarzan unterwegs, mit bloßem Oberkörper, am Seil. Dabei ventiliert er üblicherweise Antworten auf letzte Fragen. Die Fragen sind unsere Fragen, die Antworten meist von René Pollesch. Für
Die Zeit schlägt dich tot hat Hinrichs ohne Pollesch gearbeitet. Wie es ausging, berichtet
Georg Kasch.
Manchmal kommt Schnitzlers
Reigen, einst ein Skandal, heute doch recht harmlos daher. Damit will der junge Regisseur Patrick Steinwidder am Residenztheater nichts zu tun haben: Sex ist Schock, ist Gewalt, ist jedenfalls kein Spaß. Wie weit er damit kam, das weiß
Sabine Leucht.
Ödipus sieht wie ein Penner aus, der sich vom Hauptbahnhof gegenüber auf die Bühne des Deutschen Schauspielhauses verirrte. Dort Alice Buddeberg die Tragödie von Sophokles inszeniert.
Mounia Meiborg berichtet.
Alles geht ganz schnell: Nur gut 60 Minuten dauert Enrico Lübbes Inszenierung von Johann Wolfgang Goethes
Urfaust am Volkstheater. Was der künftige Leipziger Intendant in dieser Zeit erzählt, weiß
Kai Krösche.
Ein alter Mann blickt auf sein Leben in Noah Haidles
Saturn kehrt zurück. Jean-Claude Berutti hat die deutsche Erstaufführung des Kammerspiels in Nürnberg inszeniert.
Elisabeth Michelbach war dabei.
Was gibt es sprachlich trockeneres als eine Gerichtsverhandlung? Vom spröden Charme der Abkürzungen und Paragraphennummern haben Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen sich nicht abschrecken lassen, sondern ihn für
Der internationale Strafgerichtshof instrumentalisiert. Multiperspektivisch erzählend und sich verschiedener Theaterformen bedienend, wird die Den Haager Institution porträtiert – es entsteht eine Art kubistisches Gebilde, meint
Tim Schomacker.
Keine religiösen Protestler weit und breit gestern vor dem Haus der Berliner Festspiele, wo bei
Foreign Affairs Rodrigo Garcias
Gólgota Picnic Station macht. Mit eindrucksvollen lebenden Bildern, Farbsprühorgien, langen, zum Teil poetischen Texten und einem unkommentierten Stück von Joseph Haydn, das letztlich die größte Provokation darstellt. Die Aufführung in Graz sah
Reinhard Kriechbaum.
Katie Mitchell ist berühmt und ausgezeichnet dafür, sich ihre Bühnenstoffe mit Kamera und Live-Geräuschen zu erschließen. Diesmal hat sie sich am Schauspiel Köln mit Friederike Mayröckers
Reise durch die Nacht eine Erzählung vorgenommen, in der es weniger um Handlung als vielmehr um die Aufhebung aller Lebens- in Schreibprozesse geht. Wie sich das in flackernde Bilder und Töne auflösen und wieder zusammenfügen lässt, weiß
Guido Rademachers.
Seit er in englischer Übersetzung zum späten Bestseller wurde, ist Hans Falladas letzter Roman
Jeder stirbt für sich allein auch in Deutschland ein Renner. Am Thalia Theater erzählt
Luk Perceval die Geschichte vom vergeblichen Widerstand gegen die Nazi-Diktatur vor grandioser Kulisse. Mit dabei war
Daniela Barth.
Kann man einen lustigen Theaterabend über die Geschichte einer österreichisch-jüdischen Familie im 20. Jahrhundert machen?
Yael Ronen kann, die für
Hakoah Wien im Erinnerungsschatz ihrer Familie gekramt und das Gefundene szenisch aufbereitet hat. Zu
Reinhard Kriechbaums Vergnügen.
Ein Attentat auf einen Politiker, eine Geheimorganisation, ein einsam ermittelnder Journalist:
Anna Bergmann hat Yassin Musharbashs Politthriller
Radikal für das Maxim Gorki Theater adaptiert. Was draus wurde, weiß
Christian Rakow.
Vor vier Jahren starb der Schauspieler und Intendant Ralf-Günter Krolkiewicz. Sein Erzähler-Stück
Viel Rauch und ein kleines Häufchen Asche kam nun am Schlosstheater Celle durch
Nico Dietrich zur Uraufführung. Mehr von
Jan Fischer.
Unter dem Pseudonym Soeren Voima hat Dramaturg Christian Tschirner ein neues "Singspiel" für sein Haus entworfen:
Melodien für Milliarden. Was Regisseur
Florian Fiedler daraus machte, berichtet
Nikolaus Stenitzer.
Ein sprachschöner, brutaler Text über verzweifelte Zeittotschläger unserer Erschöpfungsgesellschaft – Nach "Kaspar Häuser Meer", dem Überarbeitungsdrama dreier Sozialarbeiterinnen, sind nun drei Kreative dran. Am Schauspiel Frankfurt hat
Bettina Bruinier jetzt
X Freunde uraufgeführt.
Esther Boldt war dabei.
14.233 Verse in anderthalb Stunden? Ein Witz und ein Wahnsinn! Aber ein Wahnsinn mit Methode, wenn Regisseur
Thorleifur Örn Arnarsson zu Werke geht. Er hat Dantes
Göttliche Komödie zum unverfrorenen Höllentrip verdichtet. Zur Freude von
Shirin Sojitrawalla.
Der neue Schauspieldirektor
Bernhard Stengele hat sich zum Einstand ein Krisenstück ausgesucht, denn Krise geht immer. Lustvoll spielen in
Kasimir und Karoline von Ödon von Horvath nunneue Ensemblemitglieder mit Langzeitarbeitslosen.
Matthias Schmidt berichtet.
Hamlet, der ewige Zauderer als Hamster im Laufrad? Regisseur
Alexander Riemenschneider hat sich zunächst getraut und ziemlich massive Kürzungen an Shakespeares durchdachtem Textgefüge vorgenommen. Anschließend hat er ein Meer aus Blumen und Plüschtieren auf die Bühne geschüttet und sein Ensemble auf Hochtouren gebracht. Was das bewirkte, weiß
Michael Laages.
Pomp gibts nur auf Pump in Carlo Goldonis
Trilogie der Sommerfrische. Christian von Treskow hat das in seiner Inszenierung am Wuppertaler Schauspielhaus nun nochmal besonders betont. Denn die Liebesbeziehung der Stadt zu ihrem Theater ist auch eine Geldbeziehung. Und was es bräuchte, wäre Protest und Sympathiebekundung. Mehr von
Dorothea Marcus.
Benutzt, verkleidet, entblößt, beglückt - der Körper bleibt ein Dauerthema, zumal wenn er nackt ist.
Untitled Feminist Show der US-Koreanerin Young Jean Lee und
The Insurrected Body von La Pocha Nostra sind zwei Arbeiten beim
Steirischen Herbst, die sich jenseits von Dekorationsexperimenten mit systematischer Unterdrückung beschäftigen. Mehr von
Leopold Lippert.
Jagos tödliche Machenschaften stehen im Mittelpunkt von Manuel Soubeyrands Inszenierung von Shakespeares
Othello – erzählt werden sie mit beinahe boulevardesker Leichtigkeit. Auf schwarze Schminke wird dabei nicht verzichtet. Mehr von
Verena Großkreutz.
Gestern wurde bekannt, dass
Wolfram Lotz den Kasseler Förderpreis Komische Literatur 2013 erhält. In seinem in Zusammenarbeit mit Martin Laberenz produzierten Stück
Zerschossene Träume stellt Lotz seine hochentwickelte Albernheit unter Beweis. Gestern hatte die Produktion Leipzig-Premiere –
Dina Netz war im Juni bei der Uraufführung im Rahmen der Ruhrfestspiele dabei.
Als sie dann endlich aufeinandertreffen, wird klar, dass es nur einen "wahren König" geben kann – und dass die Ansichten darüber auseinandergehen, welche von ihnen das ist, die herrschende Elisabeth oder
Maria Stuart. Sabine Auf Der Heyde hat die beiden in ihrer Inszenierung noch stärker als Friedrich Schiller in den Vordergrund gerückt und nicht nur farblich voneinander abgesetzt. Mehr von
Charles Linsmayer.
Sex, Konsumlügen und Video. Die RAF kann ganz schön bunt aussehen, wenn sie nach Art von Andy Warhol aufbereitet wird. Für die Augsburger Brechtbühne hat sich die junge Regisseurin
Sylvia Sobottka den Diskurstext
Ulrike Maria Stuart von Elfriede Jelinek mit Lust an gefilmten Bildern und Groteske vorgenommen. Ein guter Auftakt in der jüngst eröffneten kleinen Spielstätte, sagt
Willibald Spatz.
"Schuld und Sühne" oder "Verbrechen und Strafe" wird er übersetzt – der russische Titel des Romans von Fjodor Dostojewski oszilliert in seiner Bedeutung. Wie auch der Theaterabend, den
Kristian Smeds an den Münchner Kammerspielen aus dem großen Stoff gemacht hat. Er hat ihn
Der imaginäre sibirische Zirkus des Rodion Raskolnikow genannt und seinen Protagonisten in die Zirkusmanege getrieben. Was dort und sonst noch passierte, weiß
Michael Stadler.
Ein Einbruch lässt vier sehr unterschiedliche Menschen zusammenkommen, ein Paar wird sich trennen, einer Leiche gibt es auch, und weil das schlüssig, inhaltlich und formal stark erzählt ist, wurde
Schöne Dinge sind auf unserer Seite von
Berkun Oya beim Heidelberger Stückemarkt 2011 ausgezeichnet.
Dominique Schnizer hat es jetzt im Zwinger inszeniert. Mehr von
Dennis Baranski.
Eine Pressekonferenz, auf der keine Journalisten erscheinen, ein gemütliches Abendessen, das im Swingerclub endet. In seinem neuen Stück schickt
Lutz Hübner die Figuren in Situationen, für die ihnen die Routine fehlt.
Barbara Bürk hat
Was tun in der Hübner-Hauptstadt Dresden inszeniert, mehr weiß
Ralph Gambihler.
Nach 1945 wurde
Wir sind noch einmal davongekommen von Thornton Wilder auf deutschsprachigen Bühne rauf und runter gespielt. Heute, da das Durchbrechen der vierten Wand eher Regel als Ausnahme ist, wird diese Theater- und Weltparabel nur noch ab und zu entstaubt. In St. Pölten hat sich nun zur Eröffnung der neuen Intendanz, zu der auch Martin Wuttke eingeflogen wurde,
Daniela Kranz an den einstigen Bühnenhit gemacht.
Martin Thomas Pesl war dabei.
In Krisenzeiten hat Friedrich Dürrenmatts
Der Besuch der alten Dame Konjunktur – Güllen ist schließlich überall. Auch in Braunschweig, wo
Daniela Löffner die tragische Komödie am Staatstheater inszenierte. Mit welchem Ergebnis, sagt
Christian Rakow.
Um Schuld und Sühne geht es nicht nur bei Dostojewski, sondern auch in Max Frischs Roman
Blaubart.
Michael Simon hat ihn am Konzerttheater Bern auf die Bühne gebracht und alle Register gezogen: Musik, Tanz, Film und Schauspiel werden bemüht, um den Stoff zu verlebendigen. Ob's gelang, sagt
Charles Linsmayer.
Wenn Familie Fritzl nach Afrika aufbricht, röhrt Vati Lieder aus dem "König der Löwen" und Sohnemann fleddert kleine schwarze Puppen und lässt das Kunstblut spritzen.
We love Africa and Africa loves us heißt die neue Gemeinschaftsproduktion der Impulse-Gewinner 2011
Institutet und Nya Rampen, die am Ballhaus Ost im Rahmen des Festivals "Foreign Affairs" herauskam.
Sophie Diesselhorst machte sich auf, das Werk zu schauen.
Eine deutsche Soldatin in Afghanistan, zwischen Lagerkoller und der Furcht vor Terroranschlägen. Plötzlich schält sich so etwas wie ein Sinn im Auslandseinsatz heraus: Eine Mädchenschule muss beschützt werden und eine Romanze mit dem afghanischen Direktor zeichnet sich ab. Nicole Oder hat Dirk Kurbjuweits Roman
Kriegsbraut im Heimathafen Neukölln auf die Bühne gebracht. Wie, sagt
Hartmut Krug.
Tote tanzen und singen ihre Lieder. Straßenkehrer fegen Zivilisationsreste weg. Irgendwo stapeln sich Gummidelfine. Ein Mädchen verschwindet. Eine Drama-Queen tritt auf. Und dann wäre da noch Klempner Alfred.
Marketplace 76 heißt das neue Stück von Jan Lauwers und der
Needcompany, das nach der Premiere bei der Ruhrtriennale jetzt ans Wiener Burgtheater gekommen ist. Eine Gesellschaftsparabel als Theaterfest?
Andreas Wilink sah die Premiere in Bochum.
Es ist eine der wichtigen Arbeiten des neuen Dokumentartheaters:
Hate Radio, das eindringliche Reenactment der Hasssendungen des Propaganda-Radios RTM während der ruandischen Völkermorde 1994, ist in diesen Tagen auf Kampnagel Hamburg zu sehen. Die Arbeit von
Milo Rau und seinem Internationalen Institut für Politischen Mord sah
Matthias Weigel bei der Berliner Premiere.
Eine Schriftstellerkindheit ohne Unglück, was für ein schweres Schicksal! Also schreibt sich eine Generation Sorglos das bisschen Unglück, das es zum Künstler- und Glücklichsein braucht, selbst. So geschehen in
Falk Richters neuem Streich
My Secret Garden, den Pedro Martins Beja jetzt im Badischen Staatstheater aufgeführt hat.
Dennis Baranski sah zu.
Weiße Männer und Frauen, die zum Thema Afrika Theater (oder sonst was) machen: das kann ziemlich daneben gehen. Muss aber nicht, wie die (Post)koloniarevue Black Bismarck Previsited von andcompany&Co. beim Berliner Festival Foreign Affairs beweist. Findet Elena Philipp.
Eine Kulturjournalistin treibt eine Autorin mit der Frage, wie viel von Schreibenden selbst in deren Texten steckt, zur Weißglut: Ein Spiel mit den Ebenen kündigt sich im brandneuen Stück
Ihre Version des Spiels der französischen Starautorin Yasmina Reza an. Ob Corinna Harfouch am Deutschen Theater unter
Stephan Kimmig ihren Ausrast-Rekord einstellen kann und hier gar die nächste Polanski-Verfilmung dräut, weiß
Georg Kasch.
Wer spielt in Shakespeares
Der Widerspenstigen Zähmung eigentlich mit wem? In welcher Version spielt man das Stück, ohne sich automatisch gendermäßig strafbar zu machen?
Tina Lanik macht am Münchner Residenztheater einen Vorschlag, der bei
Steffen Becker das Kopfkino in Gang setzt.
Sie waten knietief im Wasser, die Spieler und Sänger in
Barbara Wysockas Verschränkung des Büchner-Dramas mit der Alban-Berg-Oper
Woyzeck / Wozzeck auf der Werkraumbühne der Münchner Kammerspielen, die Bert Neumann zum Ballhaus umgestaltet hat. An den Wänden Videos einer Teichlandschaft. Installation hat die polnische Regisseurin und Musikerin ihr vielschichtiges Deutschlanddebüt genannt.
Sabine Leucht berichtet.
Sie haben es zu etwas gebracht und können nicht viel damit anfangen: Die drei
Sickster aus Thomas Melles gleichnamigen Roman, die sich ins eigene Leben verbissen haben. Nach dem Auftakt vorgestern mit "Das Leben auf der Praça Roosevelt" ist die Inszenierung von
Felix Rothenhäusler jetzt die zweite Eröffnungspremiere der neuen Intendanz von Michael Börgerding. Mehr von
Michael Laages.
Westliche Söldner, die ferne Paläste stürmen. In Saddams oder Gaddafis Libyien? Nein, Bilder wie diese gab es auch im 15. Jahrhundert schon: als die Spanier das Aztekenreich von König Montezuma eroberten. Gerhart Hauptmann schrieb darüber
Der weiße Heiland, nach seiner Uraufführung 1920 kaum nachgespielt. Im Theater Vorpommern hat
Jan Steinbach das Drama wieder ausgegraben.
Hartmut Krug war vor Ort.
Das Chicago der 1920er: Fleischfabrikanten boten sich an der Börse aus, die Arbeiter leiden Werksschließungen und eine barmherzige Samariterin gerät zwischen die Fronten. Ein bisschen was von einem Schwarz-Weiß-Schinken hat diese
Heilige Johanna der Schlachthöfe von Bertolt Brecht. Und also bringt Sebastian Baumgarten den Wirtschaftskrisenklassiker in Zürich als großes Kino auf die Bühne. Mehr von
Kai Bremer.
Das von Frie Leysen kuratierte Festival
Foreign Affairs hat begonnen, und wie foreign man sich fühlen kann, war gleich zu Anfang in Brett Baileys Installation
Exhibit B zu erfahren. Und danach auf ganz andere Art und Weise in Daisuke Miuras
Love's Whirlpool.
Matthias Weigel sah den Festivalauftakt.
Klaus Kinski lebt. Fast jedenfalls. Wie der Schauspieler Johannes Krisch am Wiener Burgtheater den Alpenkönig spielt in Ferdinand Raimunds
Der Alpenkönig und der Menschenfeind, das lässt Phantasien aufkommen. Und auch sonst ist es ein großer Abend in der Regie von Michael Schachermaier. Mehr von
Christian Desrues.
Wo Männer noch ihre Feinde kennen und Frauen wie Giftnattern herumkeifen: Tennessee Williams setzt in
Orpheus steigt herab einen poetischen Fremden der Hölle einer amerikanischen Provinzstadt aus. Wie Sebastian Nübling mit dem zarten Esten Risto Kübar in der Hauptrolle diese Reise in die Unterwelt gelang, weiß Petra Hallmayer.
Alize Zandwijk, Leiterin des Rotterdamer Ro Theater, hat unter der Intendanz von Ulrich Khuon viel am Thalia Theater Hamburg inszeniert. Zum Auftakt des Intendanten Michael Börgerding ist sie mit nach Bremen gewandert und hat dort Dea Lohers
Das Leben auf der Praça Roosevelt inszeniert. Wie es in Bremen los geht, berichtet
Andreas Schnell.
Beim
Steirischen Herbst haben Rabih Mroué und Lina Saneh
33 rounds and few seconds mit Facebook und ohne Schauspieler inszeniert, und das Moskauer Teatr.doc hat in
1 hour 18 minutes zu einem Gerichtsprozess geladen, der nie stattgefunden hat. Mehr von
Leopold Lippert.
"Yo. Kein Intendant legt
Simon Solberg in Ketten. Im Volkstheater lässt er Moses rappen." Der launige Bibelabend
Moses. Ein Mash-up-Musical mit Müllbergen, Gangstarappern, Heuschreckenplagen von Ackermann'schen Gnaden, viel Musik und dem Einzug der Ausgestoßenen in die Fields of Gold (mit Sting natürlich!) hat
Michael Stadler nicht nur zu einer Vollkritik, sondern auch zu einem voll geilen Rap animiert.
Henrik Ibsens Politikbefragung
Ein Volksfeind auf allen Kanälen. Was ist da bloß los? Ist das letzte bissel Hoffnung auf Reformierbarkeit der Verhältnisse geschwunden? Steht ein neuer Terrorismus der "Wohlmeinenden" vor der Tür? Jorinde Dröse lädt den Plot im Berliner Maxim Gorki Theater erst einmal zeitgenössisch auf.
Simone Kaempf sah die Premiere.
Kafka und Viktor Bodó, das passt: Mit seiner Version vom "Prozess" schuf er 2004 in Budapest den Grundstein für seine Regie-Karriere, mit dem "Schloss" debütierte er in Graz. Jetzt hat er dort
Amerika inszeniert, jenes Romanfragment, das seit einiger Zeit Krisen-Konjunktur hat auf deutschsprachigen Bühnen. Ob Bodós schräge Bilderwelt auch diesmal glänzte, weiß
Reinhard Kriechbaum.
Gegen Mittelmaß, Unbildung und Demokratie, für Führung, Eliteherrschaft und die Wiedergeburt des Glaubens treten die Protagonisten in
Uwe Tellkamps Debütroman
Der Eisvogel an. Wie dieser Trip in die rechtskonservativen Hinterzimmer in Potsdam unter Stefan Otteni zur Uraufführung kam, weiß
Sophie Diesselhorst.
Titus Andronicus, das, so weit man weiß, zweite Stück
Shakespeares, ist jedenfalls sein blutigstes. Goten gegen Römer, Arm um Arm, Rumpf um Rumpf, bis nurmehr Stümpfe über bleiben. Ein Heiner-Müller-Stoff naturgemäß und bei Jan Klata eine deutsch-polnische Popscharteke.
Matthias Schmidt hat sie gesehen.
Die Liste derjenigen ist lang, die Igor Strawinskys "Le Sacre du Printemps" choreografiert bzw. inszeniert haben. Nun reiht sich
Laurent Chétouane mit
Sacré Sacre du Printemps bei der Ruhrtriennale auf PACT Zollverein darunter, und zwar im deutlichen Bewusstsein für die hundertjährige Aufführungsgeschichte. Was hier heilig gesprochen, was geopfert wird, weiß
Andreas Wilink.
FaustIn and out von
Elfriede Jelinek läuft "kläffend neben" Goethes "Urfaust" her, sagt die Autorin. Auf alle Fälle ist es ein gallenbitterer Kommentar auf die Männerwelt im deutschen Überdrama.
Julia von Sells Inszenierung im Frankfurter Deutsche Bank-Faust-Beiprogramm sah
Marcus Hladek.
Anna Jablonskaja galt als Shootingstar unter den russischsprachigen Dramatikern. Im Januar 2011 kam sie mit 29 Jahren bei einem Terroranschlag auf den Moskauer Flughafen ums Leben.
Heiden, ihr letztes Stück, fragt nach dem Gottesglauben heute. Die deutsche Erstaufführung in Mannheim besuchte
Bernd Mand.
"ANAT ... M ... INST" steht über der Bühne, gerade noch genug, um das "Anatomische Institut" für diejenigen anzudeuten, die es (noch) kennen. Es ist eine schöne kleine Schattenwelt mit zwei Elisabeths, die
Christoph Marthaler für Horváths
Glaube Liebe Hoffnung erfunden hat und die seit gestern an der Volksbühne Berlin läuft.
Kai Krösche sah die Premiere bei den Wiener Festwochen.
Vor zwei Jahren wurde das Ruhrgebiet zu einer Kulturhauptstadt zusammengefasst – und seine Bewohner wurden vom Marketing zu "Ruhris" erklärt. Bescheuertes Wort, umstrittenes Konzept. Eine ganz andere Geschichte der Solidarität im Ruhrgebiet als das Kulturhauptstadtmarketing erzählt Peter Stripps Roman
Rote Erde, den
Volker Lösch in Essen mit Erzählungen aus der Lebenswirklichkeit von – tja – echten "Ruhris" verschränkt hat, die er zu einem Chor zusammengerufen hat. Mehr von
Sarah Heppekausen.
Steine werden lebendig und Menschen versteinert in dieser Choreografie von Sidi Larbi Cherkaoui. Heute hat
Puz/zle beim Düsseldorf Festival Deutschlandpremiere. Bei der Uraufführung in Avignon ließ sich
Regine Müller begeistern.
Zuletzt wurde in Münster vor allem über Geld gesprochen. Jetzt darf auch wieder über Kunst gesprochen werden: Mit der Erstaufführung des Kammerspiels
Apologia von Alexi Kaye Campbell und Schillers
Räubern, inszeniert vom neuen Schauspieldirektor Frank Behnke, wurde die Spielzeit eröffnet. Wie das über die Bühnen ging, weiß
Kai Bremer.
Wie es sich für Märchen gehört, hat
Das Wintermärchen von William Shakespeare ein Happy End. An dem sich bislang die meisten Regisseure die Zähne ausbissen. Nicht so Lisa Nielebock, deren Interpretation
Ralph Gambihler begeisterte.
Bastian Kraft hat schon ganz andere Autoren verspiegelt. Aber immer auf kleineren Bühnen. Nun zeigt er
Der Zerbrochne Krug auf der großen Bühne des Thalia Theaters. Und? Was gab es zu sehen?
Katrin Ullmann berichtet.
Was durfte man da erwarten? Ein kräftig gezeichnetes psychologisches Spiel?
Guido Rademachers war bei der Premiere.
Was tun, wenn der Schriftstellerpapagatte eine Schreibblockade hat und mit der Kreativität der Geldfluss aussetzt? In
Salmans Kopf, dem neuen Stück der Brüder Presnjakow, soll er erschreckt werden – ob das in Catja Baumanns Uraufführungsinszenierung hinhaut und vom sonstigen Drumherum berichtet
Tomo Mirko Pavlovic.
Gute Story, das mit Willy Brandt und Günter Guillaume, dem Spion im Kanzleramt. Geradezu perfekt fürs Theater. Da nämlich kann man das Ganze auch noch musikalisch kontextualisieren. Genau das haben
Tom Kühnel und Jürgen Kuttner in ihrer Inszenierung von
Michael Frayns well-made play
Demokratie am Deutschen Theater gemacht. Außerdem haben sie in ihrem west-östlichen Schlagerdiwan Willy Brandt ein bisschen aufgepimpt. Ausführliches von
Nikolaus Merck.
Die Bühnenmaschinerie ist ein großer Taschenspielertrick, und der unsichtbare Spielmacher zückt immer neue Karten. An Erzählsträngen und Special Effects herrscht kein Mangel im ersten Teil einer geplanten Kartenspieltetralogie von
Robert Lepage. Im Rahmen der Ruhrtriennale erlebte
Playing Cards: Spades nun seine deutsche Erstaufführung.
Sarah Heppekausen war mit von der Partie.
Ziemlich viel Gepäck lädt William Shakespeare den Protagonisten seiner Tragödie
Der Kaufmann von Venedig auf die Schultern. Das Drama zweier Außenseiter, die Rivalität zweier Wirtschaftssysteme. In Kassel hat
Patrick Schlösser dem Drama nun noch die Komödie
Was ihr wollt beigemengt. Und der Sache damit eine nie gekannte Plausibilität verpasst. Findet
Wolfgang Behrens.
Irgendwie hat es Regisseur
Calixto Bieito bisher noch immer geschafft, die zuschauenden Gemüter zu erhitzen. In der neuen Mannheim-Barcelona-Kooperation versucht er,
Calderons Verlorener-Sohn-Drama
Das Leben ein Traum auf Touren zu bringen. Ob sich die Zuschauer noch zu einem Skandälchen hinreißen lassen, weiß
Dennis Baranski.
Im Schauspiel Basel hat eine neue Mannschaft übernommen, die nun mit einem Großangriff die Spielzeit eröffnete: August Strindbergs
EinTraumspiel und Friedrich Schillers
Don Karlos, von
Tomas Schweigen beziehungsweise
Simon Solberg nacheinander in Szene gesetzt.
Annette Hoffmann berichtet.
Mongis? Mongos? Mongolen! In
Dschingis Khan. Eine musikalische Völkerschau am Forum Freies Theater Düsseldorf nehmen uns die Gießener Performancetheatermacher
Monster Truck und die Akteure des integrativen
Theaters Thikwa mit auf eine Reise zu den Fremdheitsklischees des 19. Jahrhunderts. Ein Trip zwischen Down-Syndrom, Kolonialismus und Kannibalismus.
Martin Krumbholz ist mitgereist.
Krise allerorten: in der Welt da draußen (Finanz), in der Familie hier drinnen (Opa) und am Nationaltheater Weimar, wo die deutschsprachige Erstaufführung von
Sergi Belbels Stück
Im Abseits nach konzeptionellen Zerwürfnissen in letzter Sekunde Christian Weise übertragen wurde. Konnte er den Rettungsschirm aufspannen?
Ute Grundmannweiß es.
Fünfeinhalb Stunden zwischen Geburt und Tod, Liebe, Krieg und Metaphysik.
Sebastian Hartmanns Opus magnum
Krieg und Frieden nach Leo Tolstoi ist daheim in Leipzig angekommen. Bereits im Mai bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen sah
Martin Krumbholz das mächtige Werk.
Am Theater an der Ruhr ist
Woyzeck ein musikalischer Fall. Bedeutet in der Regie von Roberto Ciulli: Die Nebenfiguren bilden ein kleines Streichorchester, das Woyzecks Verzweiflung noch hörbarer macht als Georg Büchners Text sie ohnehin macht. Den haben Ciulli und seine Dramaturgie noch weiter zur Collage verfremdet – im Dienst des analytischen Blicks. Das alles zur Begeisterung von
Martin Krumbholz.
Anna, 35, Kunsthistorikerin ist in einer prekären Situation. In keiner speziell prekären Situation, sondern in einer allgemein prekären Situation. Davon lässt
Christoph Nußbaumeder sie monologisieren – in den Sophiensaelen mitten im in fester Hand des Berliner Prekariats sich befindenden Bezirk Mitte hat die Nußbaumeder-bewährte Regisseurin Bernarda Horres
Meine gottverlassene Aufdringlichkeit uraufgeführt, in der Rolle der gottverlassenen Klagerin: Anna Eger. Was fürs Publikum dabei heraussprang, weiß
Wolfgang Behrens.
Ein Stück ohne Rollen, ohne So-tun-als-ob, das die Unvollkommenheit sucht – und bei den behinderten Darstellern des Zürcher Theater Hora auf großartige Weise findet. Gestern und heute gastiert(e) Disabled Theatre in Mainz. Andreas Klaeui berichtete im Sommer von der Premiere beim Festival d'Avignon.
Bei der Wiesbadener Biennale "Neue Stücke aus Europa" 2010 bestach das türkische Frauenkollektiv
oyun deposu mit einem gewitzten Sprechstück über religiöse, sexuelle und ethnische Identität. Jetzt gastiert die Truppe beim
Festival "Off Europa", das dieses Jahr unter dem Motto
Türkei urban in Leipzig und Dresden läuft. Den Auftakt sah
Tobias Prüwer.
Hakan Savaş Mican eröffnet die Saison mit dem Singspiel
Die Saison der Krabben, das eindrucksvoll klar macht, worum es dem Ballhaus Naunynstraße auch unter neuer Leitung geht: um neue Kunstformen für interkulturelle Identitäten. Oder anders gesagt: Schuberts "Winterreise" meets türkisches Volkslied meets kubanische Tierkunde.
Esther Slevogt war da.
Jämmerliche Kreatürlichkeit, schutzloses Leibergewimmel und die großen Fragen nach dem Kern der Existenz: Im Rahmen der Faustfestspiele in Goethes Geburtststadt ging jetzt auch
Faust – Der Tragödie ZweiterTeil über die Bretter, für die Altmeister Günter Krämer nicht nur betörende Bilder, sondern auch Constanze Becker als Mephisto fand.
Shirin Sojitrawalla berichtet.
Mit allen Mitteln die Hyperinflation auslösen, um so den fiesen Finanzkapitalismus einfach auszuschwemmen. Das in etwa ist ein Gedanke von Nis-Momme Stockmanns neuem Werk
Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir, das gestern in Hannover vom Schauspielchef Lars-Ole Walburg uraufgeführt wurde. Natur- und Stockmanngemäß ist das 320-Seiten-Stück eine Überforderung, in der Pause des fünfstündigen Abends gab's Kartoffelsalat. Wie sich das Treiben ausnahm, sagt
Jens Fischer.
"Deine Küsse schmecken wie ein nasser Mob." Solche Sätze, mit größter Leidenschaft vorgetragen, gibt es eigentlich nur bei
René Pollesch. Der Diskurs-Maestro hat sich an der Volksbühne den großen Liebesgierigen
Don Juan (von Molière) vorgenommen und Großverführer Martin Wuttke auf ihn angesetzt.
Georg Kasch ließ sich die Küsse schmecken.
"..., 74, 90, 2006 werden wir Weltmeister sein!", sangen die Sportfreunde Stiller. John von Düffel hat sich just diese WM-Jahre ausgewählt für sein umfassendes Porträt einer Generation
Alle sechzehn Jahre im Sommer, das gute Aussichten hat, eines der Stücke der Saison zu werden. Als Auftragswerk des Theaters Koblenz wurde die "Trilogie des veränderten Lebens" nun von Markus Dietze uraufgeführt.
Andreas Pecht berichtet.
Lange hat Andrej Mogutschi an seiner Düsseldorfer Romanumsetzung
Der Prozess nach Franz Kafka gearbeitet und die Gewerke ordentlich ins Schwitzen gebracht. Ein Meisterwerk der Technik ist's geworden. Aber auch ein Meisterwerk des Theaters?
Guido Rademachers weiß mehr.
Kleiner macht's keiner. Stefan Bachmann inszeniert im Zürcher Schiffbau mal eben
Die Bibel an einem Abend. Die ganze Bibel? Nein, nur den Anfang, die
Genesis, "Teil 1" wie das Theater vielversprechend titelt. Man kann sich also eine Serie vorstellen. Aber heute beschreibt
Thomas Rothschild erst einmal wie der Anfang der Menschheit in Zürich aussah und was ihm die Inszenierung zu denken gab.
Große Show kann man bei
Brechts Dreigroschenoper erwarten, aber wenn auch noch
Friederike Heller inszeniert ist klar: Da wird ein Strudel charismatischer Pop-Magie mit unzähligen Deutungsansätzen und Show-Referenzen unterfüttert. So geschehen am Staatsschauspiel Dresden. Mit dabei: die Muppets. Und der hingerissene
Christian Rakow.
Eine riesige Theatermaschinerie setzt sich im Frankfurter Schauspiel in Gang, wenn
Stefan Pucher dort
Goethes Faust inszeniert. Alexander Scheer rotzt als tollkühner Mephisto manchmal Akkorde auf der E-Gitarre hin. Immerschöne Videobilder flimmern, sie Drehbühne rotiert. Ob in der Tragödie Erster Teil sonst noch was geschah, weiß
Esther Boldt.
In einer "heiligen Kollision", schreibt
Wolfram Lotz, sollten auf dem Theater Wirklichkeit und Fiktion aufeinander rattern. Gut, hat sich
Kay Voges in Dortmund gedacht und es in
Einige Nachrichten an das All ordentlich krachen lassen.
Sarah Heppekausen berichtet.
Sind es Spinner oder Visionäre, die schrulligen Weltverbesserer in den Stücken des Dramatikers
Philipp Löhle? Einzeln haben "Lilly Link", "Die Kaperer" und "Genannt Gospodin" bereits Furore gemacht. Zum Auftakt der neuen Schauspieldirektion von Iris Laufenberg hat
Jan-Christoph Gockel die als
Trilogie der Träumer konzipierten Stücke nun zum ersten Mal an einem Abend gespielt.
Charles Linsmayer war zugegen.
Wie schon Jelinek hat nun auch
Albert Ostermaier ein Stück über einen Kaufmann gemacht, der nicht nur zufällig dem Shakespeare'schen von Venedig ähnelt. Ob Regisseur Dominique Schnizer die Schauspielhaus-Uraufführung von
Ein Pfund Fleisch aus dem Platten retten konnte, weiß
Falk Schreiber.
Erst ist er noch der Despot in seinem Königreich. Dann zeigen sich zunehmend Zweifel und eine sehr innerliche Verunsicherung, die Robert Hunger-Bühler als Solness in
Baumeister Solness an den Tag legt. Zur Eröffnung ihrer vierten Spielzeit am Schauspielhaus Zürich hat
Barbara Frey, deren Vertrag jüngst bis 2016 verlängert wurde, das Stück so inszeniert, dass es viel mit Selbstbefragung des Schauspielers als Künstler zu tun hat. Und das mit beänstigender Alltäglichkeit. Mehr von
Andreas Klaeui.
Das Stück
Willkommen in Theben der englischen Dramatikerin
Moira Buffini verbindet Motive von Sophokles, Aristophanes und Euripides mit realen Politikern der Gegenwart, so ist Eurydike klar an Ellen Johnson-Sirleaf angelegt. Regisseurin
Christina Rast hat es in Oldenburg inszeniert,
Andreas Schnell war dort.
Was bedeutete es, sich als jüdische Kommunistin im Ostblock zu behaupten? Und wie gehen die Töchter mit dem Ballast der mütterlichen Lebensgeschichte um?
Marianna Salzmanns neues Stück
Muttersprache Mameloschn bringt drei Generationen jüdischer Frauen miteinander ins Gespräch. Brit Bartkowiak hat es in der Box des Deutschen Theaters uraufgeführt, und
Esther Slevogt war vor Ort.
Seit ihrem Hit "Sex" ist
Justine del Corte eine wohlgelittene Autorin auf deutschsprachigen Bühnen. Nun hat ihr Kollege und Lebensgefährte
Roland Schimmelpfennig ihren neuesten Streich am Wiener Akademietheater uraufgeführt:
Der Komet, Satyrspiel und Drama in einem. Das Reenactment einer Hochzeit schiebt die kleinen und großen Ereignisse an. Doch was will uns das erzählen? Mehr weiß
Martin Thomas Pesl.
Ein Wahrheitskünder wider die liberale Konsenskultur, das lobbyistische Schachern, die Macht der stumpfen demokratischen Mehrheit ist Henrik Ibsens
Volksfeind. Damit steht er selbstredend auf verlorenem Posten. Und obwohl er ihn mit Rotwein und heutigen Texten füttert, schwächt
Thomas Ostermeier ihn noch weiter in seiner Inszenierung des Stücks, die im Sommer beim Festival d'Avignon Premiere hatte und nun an der Berliner Schaubühne angekommen ist. Mehr von
Christian Rakow.
Tote tanzen und singen ihre Lieder. Straßenkehrer fegen Zivilisationsreste weg. Irgendwo stapeln sich Gummidelfine. Ein Mädchen verschwindet. Eine Drama-Queen tritt auf. Und dann wäre da noch Klempner Alfred.
Marketplace 76 heißt das neue Stück von
Jan Lauwers und der Needcompany, das jetzt bei der
Ruhrtriennale herausgekommen ist. Eine Gesellschaftsparabel als Theaterfest? Mehr von
Andreas Wilink.
In bedrohlicher Südstaatenszene mit blutrotem Himmel tritt sie diesmal auf: die frisch gekürte Schauspielerin des Jahres
Sophie Rois. In René Polleschs
Neues vom Dauerzustand am Deutschen Schauspielhaus Hamburg spielen sie, Christine Groß und Margit Carstensen. Es geht um die große Liebe und die Chancenlosigkeit des Subjekts, also die Pollesch-Themen im work in progress. Ob man's mitgeht, weiß
Nikolaus Stenitzer.
Das letzte Kleinod heißt die norddeutsche Theatertruppe, vor zwanzig Jahren gegründet, die site specific darauf spezialisiert ist, von den Orten zu erzählen, an denen sie spielen. Für
Atalanta nutzt man jetzt die Containerhäfen in Wilhelms- und in Bremerhaven. Später wird in Tansania gespielt, Thema ist Piraterie in Afrika.
Andreas Schnell weiß mehr.
Drei junge Pseudoterroristinnen gehen um in Laura Naumanns Stück
Demut vor deinen Taten Baby – oder genauer: erzählen davon, wie sie einst umgingen, bevor sie in Streit gerieten und sich gegenseitig umbrachten.
Babett Grube siedelt dieses Paradoxon in brillanter Sprache in ihrer Bielefelder Uraufführungsinszenierung in einem Black Cube an und vertraut auf die Körperspannung und Stimmbeherrschung ihrer drei Schauspielerinnen. Ob das Vertrauen sich auszahlt, weiß
Kai Bremer.
Sanja Mitrovic lässt ihre fünf Performerinnen lustvoll Vorurteile, Stereotypen und Sottissen ausbreiten, die Europäer so über- und gegeneinander hegen. Es gibt eben nichts, was mehr verbindet als ein gemeinsamer Feind. Und der findet sich gerne und schnell in der Nachbarschaft. Mehr von
Annette Hoffmann.
Eine Frau ist während eines Krieges Opfer barbarischer Übergriffe geworden. Nach ihrem Tod machen sich ihre Kinder auf die Suche und decken auch eigene Verstrickung auf.
Verbrennungen nannte der kanadisch-libanesische Dramatiker
Wajdi Mouawad sein viel gespieltes Familien- und Kriegsstück.
Tilmann Köhler hat es am DT inszeniert. Mehr von
Christian Rakow.
Schauplatz von Anton Tschechows Erstling ist diesmal ein Wohnwagen. Denn dorthin hat
Jan Bosse die Geschichte von
Platonow verlegt. Vom Saisonstart am Thalia Theater berichtet
Falk Schreiber.
Er ist der Mann ohne Mitte und der Wucht seiner Gefühlen hilflos ausgeliefert:
Shakespeares Othello. In Gießen hat zur Saisoneröffnung Regisseurin Karoline Behrens das heftige Drama angerichtet. Mehr von Grete Götze.
"Macht, Gewalt, Demokratie" hat das Deutsche Theater Berlin seine neue Spielzeit überschrieben und
Stephan Kimmigs Antikenprojekt
Ödipus Stadt zur Eröffnung mit Starbesetzung sofort den Griff ins ganz Große gewagt.
Wolfgang Behrens sagt mehr.
Das Thalia Theater beginnt die Spielzeit bereits vor der offiziellen Eröffnung. Mit – ja, mit was eigentlich? Mit einem Grillfest mit Musik, einer Theatererkundung, einer Mega-Lesung aus
Navid Kermanis Mega-Roman "Dein Name", einer mobilen Akademie?
Herzzentrum I-IV ist alles zugleich und auf jeden Fall sehr anregend. Meint
Simone Kaempf.
Die Macht ist auch Eröffnungsthema am Staatstheater Schwerin.
Christian Weise hat dort Oscar Wildes Der ideale Mann inszeniert. Und zwar in einer ziemlich knackigen Fassung von Elfriede Jelinek. Eine junge und wilde Inszenierung, an der Juliane Voigt ihren Spaß gehabt hat.
Am Premierenmorgen hatte Regisseur
Antú Romero Nunes in einem Radiointerview gesagt, ihn reize an Friedrich Schillers
Die Räuber, dass der Text Wumms habe und jeder Satz in Abgründe blicken ließe. Am Abend hat man auf den Wumms warten müssen, aber dann kam er!
Christian Rakow sah die Eröffnungspremiere des Maxim Gorki Theaters.
Hamlet ins Jenseits zu geleiten, hat die südkoreanische
Performance Group Tuida sich vorgenommen. Mit Puppenspiel, Karaoke-Gesang und Tanz. Ihre trickreiche Seelenwanderungs-Begleitung
Hamlet Cantabile war sozusagen als Dessert zum letzte Woche mit der Preisverleihung offiziell abgeschlossenen Young Directors Project zu den Salzburger Festspielen eingeladen – ob's bekam, schreibt
Reinhard Kriechbaum.
Die ursprüngliche Idee der Ruhrtriennale, die Industriehallen nicht nur zu bespielen, sondern als Ausgangspunkt für theatralisches Denken zu nehmen, hat
Romeo Castellucci konsequent umgesetzt. An den Rundbogenfenstern der Gebläsehalle Duisburg kratzen die Menschen wie an Kirchenfenstern, innen steigen die Täuflinge in das Wasserbassin. An was man hier teilhat, weiß
Sarah Heppekausen.
Die Idioten sind immer die anderen? Denkste. Nicht bei Lars von Trier, in dessen Film von 1998 eine Gruppe Freiwilliger sich voll idiotisch gebärdet, um der Gesellschaft die Idiotie aufzuknöpfen. In Luzern kam dieses Filmskript nun zum ersten Mal in der Schweiz auf die Bühne.
Beat Mazenauer sah die Premiere.
Starke Ansage - kein Wunder, wenn dafür Rosa Luxemburg, Sissi von Österreich und John Cage aus den Gräbern fahren, um mitzuspielen und mitzufeiern. Auch
Andreas Schnell war dabei.
Ein Meisterkoch ist die Hauptfigur in
Irina Brooks französischer Variation von William Shakespeares "Sturm" beziehungsweise
La Tempête. Gemeinsam mit einer artistischen Schauspielertruppe lässt Brook im Inselrestaurant die Puppen tanzen. Die Produktion stammt aus Paris und war jetzt zu Gast bei den Salzburger Festspielen.
Martin Pesl hat gekostet.
Ein ätherisches Wesen im luftigen Kleid, ein Polizist, ein Sängerknabe und Wim, der Wanderimker: in
Meine Bienen. Eine Schneise begegnen sie sich nach einem Waldbrand.
Händl Klaus hat sein neues Stück über die Wildnis des Lebens für die Musikbanda
Franiu verfasst. Der französische Regisseur
Nicolas Liautard hat es bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt. Zum Zuschauerglück von
Reinhard Kriechbaum.
Wie fügen sich die Schnipsel, die von allem stets im Gedächnis bleiben, wieder zum stimmigen Bild? Wie fügt der Einzelne sich dort hinein? Fragen, denen in
Bouncing in Bavaria zur Saisoneröffnung am Schauspiel Frankfurt das Regieduo
Auftrag: Lorey nachgeht.
Esther Boldt versucht, sich zu erinnern.
Kai Krösche sah die Arbeit vom Nature Theatre of Oklahoma schon bei der Wiener Uraufführung.
"Gestern, heute und morgen" spiele seine Oper
Die Soldaten nach dem Stück von Jakob Michael Reinhold Lenz, orakelte Bernd Alois Zimmermann. Wohl auch deshalb wird sie selten inszeniert. Bei den Salzburger Festspielen hat sich Alvis Hermanis an das opus magnum mit musikalischer Riesenbesetzung gewagt. Ob sich der Aufwand gelohnt hat, weiß
Regine Müller.
Am Ort des Apfelschusses von Wilhelm Tell, in Altdorf im Kanton Uri, finden alle vier Jahre die traditionsreichen Tellspiele statt, mit über 100 Mitwirkenden aus der Umgebung. Nach 2008 ist Regiealtmeister Volker Hesse zum zweiten Mal angetreten, um den
Wilhelm Tell, wie Friedrich Schiller ihn erschuf, im hiesigen Tellspielhaus zu inszenieren. Ein großes, imposantes Massenspektakel sah
Charles Linsmayer.
Die Grenzen des Wachstums untersucht das diesjährige Kampnagel-Sommerfestival in der wachsenden Elb-Metropole Hamburg. Zum Höhepunkt der Spiele lud Festivalleiter Matthias von Hartz positionsstarke Ökonomen und Künstler für einen achtstündigen Veranstaltungs-Marathon unter dem Titel
Ausgewachsen ein. Mit dabei u.a. Autorin Kathrin Röggla, die Radioperformer Ligna, Songwriter PeterLicht und für nachtkritik.de
Falk Schreiber.
Schlittschuhläuferinnen und Eishockeyspieler tummeln sich im Kunstnebel zu Choreographien von Gisèle Vienne.
Éternelle Idole heißt diese Kür, mit der sich die festivalerprobte Theatermacherin beim Young Directors Project in Salzburg vorstellt.
Michael Laages sah die Eiskunstshow und sehnte sich nach der Notentafel.
Seit gestern gastiert Béla Pinter mit
Miststück beim Zürcher Theaterspektakel. Bei Theaterformen 2011 sah
Esther Boldt die Arbeit bereits für nachtkritik.de.
Bilderstürme, barocker Kulissenzauber, Maskeraden, Modewechsel folgen an diesem Abend im Minutentakt. Und eine Uhr läuft auf der Bühne tatsächlich immer mit, um Sänger und Orchester zu dirigieren.
Europeras 1 & 2 von John Cage ist Heiner Goebbels' Auftakt der Ruhrtriennale, die er für drei Jahre leiten wird - und ist schon mal ein exquisit elegantes wie deutliches Startsignal. Mehr von
Andreas Wilink.
Ungeheuer ist viel. Doch nichts ungeheurer als die Baba! Wie sich die polnische Frau ihren Diskursraum erkämpft, führt Marta Górnicka mit 25 Darstellerinnen in
Hier spricht der Chor vor. Vom Backrezept über Prostitution bis zu den Theorien von Roland Barthes und Simone de Beauvoir geht die Klang- und Körpertheaterreise. Das kraftvolle Chorstück eröffnete gestern Abend das
33. Zürcher Theaterspektakel, wo
Charles Linsmayer es sah.
Ketamin und GBH, Poppers und Speed. Wer wissen will, wie man nicht nur high, sondern zum Highclass-Performer wird, der ist bei
Jan Fabre und Antony Rizzi richtig. Mit
Drugs kept me alive feiern die beiden Choreographen bewusstseinserweiternde Substanzen beim Berliner Festival "Tanz im August".
Simone Kaempf ließ sich berauschen.
Besetzen! Umstürzen! Die darstellenden Künste haben wieder eine Aufgabe! Daher hält nun das Schwabinggrad Ballett beim Internationalen Sommerfestival von Kampnagel mehrere Tage den
Platz der unbilligen Lösungen performativ besetzt. Ob's zum Umsturz kam, weiß
Nikolaus Stenitzer zu berichten.
In Bundfaltenhose und mit gegelten Haaren steht die Tänzerin und Choreografin
Lisbeth Gruwez auf der Bühne, eine androgyne Erscheinung irgendwo zwischen Reichspropagandaminister und Androide.
It's going to get worse and worse and worse, my friend heißt ihr Solo-Abend beim Festival Tanz im August, der eine beklemmenden Einblick in eine Zukunft abseits des demokratischen Diskurses gewährt. Mehr von
Christian Rakow.
Für
Symphony of a Missing Room begibt man sich ins Museum, wo einem ausgerechnet der Sehsinn weggeblendet wird und sich doch ganz neu die Sinnes-Poren öffnen.
Christer Lundahl und Martina Seitl erhielten für die Arbeit im vergangenen Sommer in Salzburg den Montblanc Young Directors Award. Jetzt ist sie im Rahmen des Kampnagel Sommerfestivals zu sehen. Mehr von
Falk Schreiber.
Der unglückliche Dichter
Jakob Michael Reinhold Lenz irrte durch das Leben, in dem ihm nicht zu helfen war. Beim Young Directors Project der Salzburger Festspiele hat
Cornelia Rainer - zeitweilige Burgtheaterassistentin von Andrea Breth - mit dem Wiener Theater 'Montagne Russes' diesen traurigen Dichter mit einer Textcollage, biografischen Bausteinen und furioser Musik auf die Achterbahn geschickt. Wie es ihm und auch dem Salzburger Publikum dort erging, sagt
Michael Laages.
Beim Internationalen Kampnagel-Sommerfestival war gestern Lola Arias' Untersuchung zu den Zusammenhängen von Diktatur und Depression
Melancolía y manifestaciones zu sehen. Deren Uraufführung bei den Wiener Festwochen
Reinhard Kriechbaum sah.
"Die Grenzen des Wachstums" lautet das Motto des diesjährigen Internationalen Sommerfestivals auf Kampnagel, das gestern abend eröffnet wurde – mit einer Hafenrundfahrt. Zu der luden Schorsch Kamerun und Fabian Hinrichs ein und nannten das ganze
Die Ausgedehnten. Was auf dem Schiff passierte, was es mit dem Wachstum und seinen Grenzen zu tun hatte und ob Bewegung wirklich alles ist, weiß
Simone Kaempf.
Parallel zur Eröffnungs-Hafenrundfahrt gastierten Árpád Schilling / Krétakör auf Kampnagel – mit der dem dritten Teil ihrer Krisentrilogie
Die Priesterin, die
Leopold Lippert bereits im Rahmen der Wiener Festwochen für uns gesehen und besprochen hat.
Wenn schon ein launiges Volksstück angesagt ist, dann kann man auch die Puppen tanzen lassen. Und zwar wortwörtlich.
Thalias Kompagnons haben für die Salzburger Festspiele das romantische Original-Zaubermärchen mit Gesang
Der Bauer als Millionär vom österreichischen Volksdramatiker Ferdinand Raimund ins Fränkische verfrachtet. Das alpenländische Idiom ging etwas verloren, und was wurde gewonnen?
Reinhard Kriechbaum weiß es.
Der Name der jungen Theatermacherin aus Südafrika ist schon mal so glitzernd wie die Salzburger Festspiele auch.
Princess Zinzi Mhlongo heißt sie. Doch ihr Stück Trapped konterkariert mit seiner Spielwut und Frische sehr gekonnt den wuchtigen Glamour, der das Festival dominiert. Schauplatz ist ein verlassenes und abgewracktes Museum. Und sonst? Martin Pesl war bei der Eröffnung des Young Directors Project, der Salzburger Nachwuchsreihe.