Victor 7860 280 Marcus Lieberenz u"Victor oder Die Kinder an die Macht" in Berlin
© Marcus Lieberenz

Berlin, 11. Februar 2016

Familienhölle in Bunt

2014 gewann er den letzten Young Directors Award der Salzburger Festspiele und wurde vom Berliner Ensemble mit großem Tam-Tam angekündigt: Nicolas Charaux. Er nahm sich dort Roger Vitracs bitterböses, einst von Antonin Artaud uraufgeführtes Familienstück Victor oder Die Kinder an die Macht vor. Wie der darin enthaltene Sprengstoff zündete, sagt Simone Kaempf.

Berlin, 9. Februar 2016: Robert Lehnigers Minecraft-inspirierter Herr der Fliegen

Genau wie William Goldings "Herr der Fliegen" basiert das Videospiel "Minecraft" auf einer Robinson Crusoe-Erfahrung: Es geht um das Leben auf einer Insel fernab der Gesellschaft. Beides führt Regisseur Robert Lehniger zusammen in Herr der Fliegen: survival mode mit jugendlichen Spieler*innen des Deutschen Theaters Berlin. Was und wer hier zum Vehikel wofür wird, berichtet Sascha Ehlert.

Hannover, 8. Februar 2016: Thomas Dannemanns Inszenierung von Badeas Zersplittert

Eine multinationale Firma, vier Angestellte auf verschiedenen Ebenen, ein Arbeitstag – in ihrem Stück Zersplittert beobachtet Alexandra Badea die Entfremdungs- und Zermürbungsmechanismen der heutigen Arbeitswelt und führt sie in individuelle Katastrophenszenarien eng. Thomas Dannemann hat es in Hannover inszeniert, Jan Fischer berichtet.

Zürich, 7. Februar 2016: Sibylle Berg/Sebastian Nübling: Viel gut essen

Bei Sibylle Berg bleibt dem benachteiligten Mann von heute nur eines: Viel gut essen. Sebastian Nübling hat das 2014 uraufgeführte Stück nun am Schauspielhaus Zürich nach bewährter Manier einem so wütenden wie agilen Frauentrio: Lena Schneider, Henrike Johanna Jörissen und Hilke Altefrohne, zum Fraß vorgeworfen. Valeria Heintges berichtet.

Augsburg, 7. Februar 2016: Ein Sommernachtstraum – ein Skandal von Christoph Mehler

Klar ist Shakespeares Sommernachtstraum eine Orgie. Bei Christoph Mehler allerdings so explizit, dass ungewöhnlich viele Zuschauer*innen das Theater Augsburg während der Premiere türenknallend verließen – berichtet Willibald Spatz, der bis zum Schluss blieb, um den rein mit Männern besetzten Schocker en Detail beschreiben zu können.

Hamburg, 7. Februar 2016: Uraufführung von Michel Houellebecqs Unterwerfung

Islamophobes Machwerk oder hellsichtige Analyse? Kaum ein Buch war in den letzten Jahren derart umstritten wie Michel Houellebecqs Roman Unterwerfung, in dem eine islamistische Partei in Frankreich die Macht übernimmt. Karin Beier inszeniert das am Hamburger Schauspielhaus als Soloperformance für Edgar Selge. Ob's auch zum Skandal taugt, sagt Falk Schreiber.

Stuttgart, 6. Februar 2016: Armin Petras' berührende Stückentwicklung The King's Wives

Der Mann, mit dem frau ihr Leben verbrachte, ist gestorben. Was war? Was ist? Was wird? Der Tod ist nichts, was sich so leicht verhandeln ließe, auch auf dem Theater nicht. Genau das aber hat Armin Petras nun versucht, und mit verwitweten Frauen und Schauspieler*innen ein Stück entwickelt: The King's Wives. Steffen Becker ließ sich berühren.

Leipzig, 6. Februar 2016: Claudia Bauer inszeniert Metropolis

Sieg der Theatermaschine: Mit Videoeinspielern und Handkamera, LED-Wand und kreiselndem Kubus feiert Claudia Bauer in Metropolis die Technik. Den Roman, der als Vorlage für Fritz Langs Verfilmung diente, inszeniert sie am Schauspiel Leipzig als maschinenverstärktes Gesellschafts-Abbild. Mehr von Tobias Prüwer.

Basel, 6. Februar 2015: Antonio Latella zeigt einen gestressten Ödipus

Erst hat Ödipus Schlafprobleme, dann kommt auch noch die Sache mit seiner Mutter raus. Antonio Latellas Sophokles-Adaption, von ihm selbst im Theater Basel auf die Bühne gebracht, zeigt Ödipus gestresst in den heimischen vier Wänden. Jürgen Reuß war dabei.

Berlin, 6. Februar 2016: Die Paten von Turbo Pascal im Heimathafen

Der legendäre Film "Der Pate" von Francis Ford Coppola hat Männern einige role models zu bieten. Oder nicht? Mit Die Paten hat das Kollektiv Turbo Pascal diese Jungsfrage untersucht. Im Heimathafen Neukölln war Nikolaus Stenitzer.

Zittau, 6. Februar 2016: Uraufführung von Christoph Klimkes Der obdachlose Mond

Eine Farce über Kleinbürger, die sich von Flüchtlingen bedroht fühlen: am Schauspiel Zittau wurde Christoph Klimkes Stück Der obdachlose Mond in der Regie von Hannes Hametner uraufgeführt. Lukas Pohlmann war vor Ort.

Salzburg, 6. Februar 2016: Funny Girl – die Geschichte einer muslimischen Comedienne

Eine Muslima, die anonym bleiben will? Tritt in Burka auf. Das ist der Grund-Gag in Anthony McCartens Bestseller Funny Girl. Regisseur Carl Philip von Maldeghem hat die Geschichte einer muslimischen Comedienne auf die Bühne des Landestheaters gebracht. Wie funny das war, weiß Reinhard Kriechbaum.

München, 5. Februar 2016: Antoine Uitehaag mit Ayad Akhtars Erfolgsstück Geächtet

Mit seinem Debütstück Geächtet gewann Ayad Akhtar den Pulitzerpreis. Nun bringt Antoine Uitdehaag für das Residenztheater München den Broadway-Hit auf die deutsche Bühne. Ob ihm der Tanz über das gesellschaftliche Minenfeld, in dem das Stück spielt, gelingt, weiß Petra Hallmayer.

Moers, 4. Februar 2016: Ulrich Greb bringt Richard III. ins Schloßtheater

Das Schlosstheater Moers hat gerade mal sechs Schauspieler im Ensemble. Fünf von ihnen stehen in Ulrich Grebs grobkomischem Richard III. auf der Bühne – dabei ist Shakespeares Bösewichtig klugerweise mit einer Frau besetzt. Welchen speziellen Effekt das hat, beobachtet Gerhard Preußer.

Köln, 3. Februar 2016: Rafael Sanchez überspitzt Troilus und Cressida

In Troilus und Cressida erzählt William Shakespeare eine scheiternde Liebesgeschichte zwischen den Fronten des Trojanischen Krieges. Am Schauspiel Köln lässt Rafael Sanchez überspitzt die Kulturen aufeinanderprallen – hier die dekadenten Trojaner, da die barbarischen Griechen. Ein aktueller Kommentar? Oder nur Ästhetizismus? Dorothea Marcus war dabei.

Stuttgart, 1. Februar 2016: Calixto Bieito inszeniert The Fairy Queen

"Eine Nacht schenkt mehr Lust als hundert glückliche Tage", das lässt Regisseur Calixto Bieito in Leuchtschrift über der Bühne prangen. Auf der heißt es: Ausziehen, anziehen, umziehen! Henry Purcells Semi-Oper The Fairy Queen gerät voll in den Sog greller Outfits, nackter Ärsche, beschallt von schönster Musik. Business as usual bei Bieito? Nicht nur, findet Verena Großkreutz.

Karlsruhe, 1. Februar 2016: Benjamin Lazar mit Kinder des Olymp nach Jacques Prévert

Eine Frau und vier Männer im Pariser Theatermilieu um 1835 – bringt man Kinder des Olymp nach dem Film von Jaques Prévert und Michael Carné auf die Bühne, lädt das zum Theater auf dem Theater ein. Nicht so bei dem französischen Regisseur Benjamin Lazar, der eine Zeichensprache gefunden hat, die Elisabeth Maier magisch fand.

Stendal, 31. Januar 2016: Sobols Die Palästinenserin von Yaron Goldstein inszeniert 

Das Theater der Altmark gehört zu jenen zwölf Häusern, denen am Freitag der Theaterpreis des Bundes verliehen wurde. Jetzt zeigt es mit Joshua Sobols Stück Die Palästinenserin, warum es den Preis verdient hat: Regisseur Yaron Goldstein aktualisiert die Geschichte über den Nahost-Konflikt behutsam, aber wirkungsvoll. Esther Slevogt ist beeindruckt.

Berlin, 31. Januar 2016: Hans-Werner Kroesingers Recherche Graecomania 200 years

Im Moment wird über Griechenland vor allem als Land mit EU-Außengrenzen geredet; Hans-Werner Kroesinger spult ein bisschen zurück und rollt am HAU in Graecomania 200 years seine Recherchen zu Schulden und Schuldzuweisungen im Europa der Bürokraten aus – Simone Kaempf berichtet.

Wiesbaden, 31. Januar 2016: Mutter Courage und ihre Kinder inszeniert von Arnarsson

Vor anderthalb Jahren brachte er Brechts "Dreigroschenoper" am Hessischen Staatstheater auf Hochtouren, jetzt hat Thorleifur Örn Arnarsson sich Mutter Courage und ihre Kinder vorgeknöpft – mit welchem Ergebnis, weiß Shirin Sojitrawalla.

Krefeld, 31. Januar 2016: Hüseyin Michael Cirpicis in Rot getauchter Macbeth

Macbeth ist eines der blutigsten Shakespearedramen. Entsprechend rot sieht die Bühne aus in der Krefelder Inszenierung von Hüseyin Michael Cirpici, der auch noch ordentlich auf die Vorspultaste drückt. Dorothea Marcus war dabei.

Basel, 31. Januar 2016: Simon Stones John Gabriel Borkman nach Basel übernommen

Vergangenen Sommer hatte Simon Stones Inszenierung von John Gabriel Borkman Premiere – mit einem Starensemble, das Ibsen am absoluten Gefrierpunkt suchte. Jetzt ist der Abend nach Basel weitergewandert. Von den Wiener Festwochen berichtete Kai Krösche.

München, 30. Januar 2016: David Marton setzt La Sonnambula ins Glashaus

Oper in den Kammerspielen! Die Intendanz Lilienthal liebt ja Kraftgesten. Und also sitzen auf der Sprechbühne bei Regisseur David Marton jetzt die Schlafwandler im Glashaus und singen Vincenzo Bellinis Oper La Sonnambula. Und mixen Worte wie "Magnetoverlangen" hinein, denn Deleuze/Guattari sind mit im Instrumenten-Koffer, im Glashaus, wo nicht die Steine, aber die Koloraturen fliegen. Sabine Leucht ließ sich faszinieren.

Wesel, 30. Januar 2016: Ibsens Volksfeind an der Burghofbühne Dinslaken

In Ibsens Volksfeind erreicht die Krise den Badeort Karlskrona. Theater hingegen ist eigentlich immer Krise, und die Burghofbühne Dinslaken hat auch gerade eine hinter sich. Wie Moritz Peters vor diesem Hintergrund den "Volksfeind" deutete, davon berichtet Sascha Westphal.

Landshut, 30. Januar 2016: Shakespeares Der Sturm als expressives Seelenspiel

Eine Insel voller Dämonen, draußen in den Wäldern und drinnen im Herzen. Sven Grunert zeigt Shakespeares Alterswerk Der Sturm in Landshut als expressives Seelenspiel. Michaela Schabel ist begeistert.

Wien, 29. Januar 2016: Andrea Breths Startheater-Krimi Diese Geschichte von Ihnen

Nicholas Ofczarek vermöbelt August Diehl. Filmreif, und doch nicht im Film, sondern auf der Bühne des Wiener Akademietheaters. Großes Schauspieler-Kino in einem Psychodrama für Freunde der gepflegten Krimi-Kost: Diese Geschichte von Ihnen von John Hopkins. Am Regiepult Andrea Breth. Die Zeichen stehen auf Publikumsrenner. Nicht wahr, Martin Pesl?

München, 29. Januar 2016: Philipp Quesnes Caspar Western Friedrich

Steine aus Plastik liegen herum im Caspar Western Friedrich Museum in den Münchner Kammerspielen. Und die Schauspieler*innen machen Gruppenselfies als "Wanderer über dem Nebelmeer" Wie Philipp Quesne sonst noch das Konzept Kunst-Kontemplation dekonstruiert, sagt Tim Slagman.

Jena, 29. Januar 2016: Der Filmklassiker Taxi Driver als Stück gegen Pegida

In die Abgründe des Verschwörungswahns in Zeiten von Pegida blickt Sebastian Martin mit seiner freien Adaption des Filmklassikers Taxi Driver. Michael Isenberg hat eine präzise Studie erlebt.

Rostock, 29. Januar 2016: Die Schiffsunglücks-Recherche Beluga schweigt 

Im Jahr 1999 sank ein Fischkutter zwischen Rügen und Bornholm, drei Männer starben. Unglück oder Kollateralschaden eines heimlichen Nato-Manövers? Am Volkstheater Rostock geht Yvonne Groneberg dieser Geschichte nun nach und hat ihr Stück Beluga schweigt auch inszeniert. Matthias Schümann berichtet.

Hamburg, 27. Januar 2016: Der Botschafter von Gintersdorfer/Klaßen auf Kampnagel

Unter den performenden Berufen ist Der Botschafter ein besonderer. Sein Regisseur: das Auswärtige Amt. Sein Publikum: das Land, in dem er repräsentiert. Gintersdorfer/Klaßen haben aus dieser Spannung einen Abend über Postkolonialismus gemacht, der seit gestern auf Kampnagel in Hamburg zu sehen ist. Die Berliner Premiere sah Sophie Diesselhorst.

München, 25. Januar 2016: Simon Solberg inszeniert die Odyssee

"Listenreich" ist eines der vielen Attribute, die Odysseus bei Homer hat – aber ist er nicht eigentlich eher ein skrupelloser Hallodri? In seiner Inszenierung der Odyssee am Münchner Volkstheater lässt Simon Solberg den Irr-Reisenden in einen Gegenwind aus Konfetti segeln – zum Vergnügen von Willibald Spatz.

Hamburg, 24. Januar 2016: Luk Percevals Steinbeck-Inszenierung Früchte des Zorns

Hätte auch Unwort des Jahres werden können: Wirtschaftsflüchtling. John Steinbecks Roman Früchte des Zorns (aus dem Jahr 1939) illuminiert diesen Begriff am Beispiel einer amerikanischen Familie. In seiner Inszenierung zum Auftakt der Lessingtage am Thalia Theater hat Luk Perceval die Wanderung der Joads in ein warmes Licht getaucht. Falk Schreiber hat zugesehen.

Köln, 24. Januar 2016: Umbettung von Jens Albinus

In der Tradition großer skandinavischer Familiendramen hat der dänische Autor, Regisseur und Schauspieler Jens Albinus sein Stück Umbettung verfasst – und selbst uraufgeführt. Sascha Westphal findet es konsequent und erschreckend schlüssig.

Göttingen, 24. Januar 2016: Matthias Kaschig inszeniert Romulus der Große

Er entsagt der Macht übers römische Reich, damit es zerfällt – ist Romulus der Große verantwortungslos oder weise? Matthias Kaschig hat das Stück von Friedrich Dürrenmatt am DT Göttingen inszeniert, Elisabeth Michelbach berichtet.

Bamberg, 23. Januar 2016: E.T.A. Hoffmanns Elixiere des Teufels wild und stark

E.T.A. Hoffmann hat in seinem Roman Die Elixiere des Teufels alles zusammengemischt, was die schwarze Romantik hergibt: Magie, Mord, Wollust, Gift. In Bamberg, das sein Theater nach Hoffmann benannt hat, erzählt Regisseur Hannes Weiler die verworrene Sex-and-Crime-Story zur Begeisterung von Andreas Thamm.

Hamburg, 23. Januar 2016: Warten auf die Barbaren nach J. M. Coetzees Roman

Wie aktuell ist J. M. Coetzees Roman Warten auf die Barbaren? Regisseurin Maja Kleczewska versucht das am Hamburger Schauspielhaus zu ergründen. Katrin Ullmann wurde Zeugin exotischer Gewalttaten.

Düsseldorf, 23. Januar 2016: Volker Hesse zeigt Brechts Arturo Ui

Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui ist vielerorts Schulstoff. Aber auch ein gutes Drama? In Düsseldorf versucht Volker Hesse, Brechts Schlüssel-Stück mit Pauken und Trompeten auf den Leib zu rücken. Ob mit Erfolg, weiß Martin Krumbholz.

Bonn, 22. Januar 2016: Thomas Melles Stück Bilder von uns uraufgeführt

Wie geht man damit um, als Kind oder Jugendliche*r sexuell missbraucht worden zu sein? Die Figuren in Thomas Melles neuem Stück Bilder von uns sind sehr unterschiedlich. Ihre Geschichten basieren auf echten Missbrauchsfällen an einer katholischen Schule in Melles Heimatstadt Bonn. Ebendort hat Alice Buddeberg nun die Uraufführung  inszeniert. Stefan Keim berichtet.

Wien, 22. Januar 2016: Totes Gebirge von Thomas Arzt uraufgeführt

In Wien zelebriert man die Lust am Abgründigen und lässt die gesellschaftlich Gescheiterten à la Lars von Trier lebensmüde Richtung Untergang tapsen. Zumindest in Thomas Arzts neuem Stück Totes Gebirge, das Stephanie Mohr im Theater in der Josefstadt uraufgeführt hat – mehr von Johannes Siegmund.

Winterthur, 22. Januar 2016: Homo Faber von Max Frisch im Theater Kanton Zürich

Was für ein Mensch ist – oder war? – Homo Faber? Das Theater Kanton Zürich in Winterthur, das einzige Landestheater der Schweiz, hat eine Neubearbeitung des Max-Frisch-Romans von Ulrich Woelk herausgebracht, inszeniert von Rüdiger Burbach. Gerd Zahner ging darin einiges zu schnell.

Berlin, 21 Januar 2016: Frank Castorf inszeniert Judith von Friedrich Hebbel

Die kraftmeiernden Gestalten in Friedrich Hebbels Judith haben schon den Spott eines Karl Kraus herausgefordert: Eine Parodie sei diese Tragödie! Ideales Futter also für Frank Castorf, der mit Stars wie Birgit Minichmayr und Martin Wuttke, Handkamera und Fremdtexten einen weiteren seiner Fünf-Stunden-Abende in die Berliner Volksbühne stemmt. Von Wolfgang Behrens.

Mannheim, 21. Januar 2016: Uraufführung von Noah Haidles Götterspeise

Noah Haidle bringt seine Stücke bevorzugt in Deutschland heraus, obwohl sie durch und durch amerikanisch sind. Also well-made, bis an den Rand der Sentimentalität einfühlsam. Auch das neueste: Götterspeise, in Mannheim von Zino Wey serviert und von Thomas Rothschild vorgekostet.

Berlin, 18. Januar 2016: Karin Henkel inszeniert Die Affäre Rue de Lourcine

Dem Bürgertum durch Lachen zur Katharsis verhelfen wollte der Rekordkomödienschreiber Eugène Labiche und ließ seine Figuren in Stücken wie Die Affäre Rue de Lourcine auf den Rändern von Alpträumen balancieren. In ihrer Inszenierung am Deutschen Theater lässt Karin Henkel 150 Jahre später die Smombies schlurfen, schreibt Christian Rakow.

Dresden, 17. Januar 2016: Matthias Hartmann kommt zurück mit Der Idiot

Ex-Burgchef Matthias Hartmann ist wieder da. Am Staatsschauspiel Dresden haben er und ein starkes Ensemble Dostojewskis Roman Der Idiot auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt. Ohne russisches Kolorit, ohne Aktualisierungen. Hartmut Krug ist nicht unbeeindruckt.

Berlin, 17. Januar 2016: Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs von Milo Rau

Milo Rau geht dahin, wo es weh tut. Zum Beispiel in den Kongo, wo er vergangenes Jahr ein Theater-Tribunal gegen die schreckliche Wirklichkeit antreten ließ. Nun lässt er unter dem Titel Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs in der Schaubühne Ursina Lardi gegen Rassismus und Eurozentrismus antreten. Aua, Sascha Ehlert?

Tübingen, 17. Januar 2016: Auch Deutsche unter den Opfern von Tuğsal Moğul

Jetzt hat Beate Zschäpe geredet. Aber hat sie auch was gesagt? Tuğsal Moğuls NSU-Rechercheprojekt Auch Deutsche unter den Opfern entstand vorher, Sapir Heller hat es am Zimmertheater eindrucksvoll neu aufgelegt. Steffen Becker war vor Ort.

Hannover, 17. Januar 2016: Sascha Hawemann inszeniert Wolf unter Wölfen von Fallada

Das Inflationsjahr 1923 nimmt Hans Fallada in Wolf unter Wölfen als Zeitleiste für ein komplexes Gesellschaftsporträt – Sascha Hawemann zieht dem Roman in seiner Inszenierung am Schauspiel Hannover den Boden unter den Füßen weg, berichtet Jan Fischer.

Berlin, 17. Januar 2016: Dieter Hallervorden spielt mit in Vor Sonnenuntergang

Schluss mit Boulevard und Palim Palim? Dieter Hallervorden setzt an seinem Berliner Schlossparktheater Gerhart Hauptmanns Vor Sonnenuntergang auf den Spielplan und gibt sich selbst die Hauptrolle. Ob das gut geht, weiß Georg Kasch.

Frankfurt, 16. Januar 2016: Bastian Kraft inszeniert Schuld und Sühne

Befeuert von Übermenschen-Fantasien, aber eingesperrt im engen Kabuff der Wirklichkeit: das ist Raskolnikow, der philosophische Mörder, aus Fjodor M. Dostojewskis Roman Schuld und Sühne. Bei Bastian Kraft am Schauspiel Frankfurt krümmt er sich wirkungsvoll zwischen Spiegeln und Videos, wie Alexander Jürgs berichtet.

Berlin, 16. Januar 2016: Kleiner Mann – was nun? von Hakan Savaş Mican nach Fallada

So herzstürzend wie Hans Fallada hat kaum jemand die Kraft der Liebe in Zeiten der Entsolidarisierung beschworen. Seinen oft dramatisierten Wirtschaftskrisenroman Kleiner Mann – was nun? wuppt Hakan Savaş Mican jetzt am Berliner Gorki auf den Laufsteg. Janis El-Bira sagt, wie's war.

Potsdam, 16. Januar 2016: Elias Perrig inszeniert Lutz Seilers Kruso

Schmerz, Sehnsucht, Freundschaft, Trauer und Tod: die ganz großen Themen also verhandelt Lutz Seilers preisgekrönter Roman Kruso im Gewand einer DDR-Austeigerfantasie. Ist dieser Stoff für die Bühne gemacht? Im Potsdamer Hans Otto Theater hat Elias Perrig sich nun daran versucht. Mehr von Michael Wolf.

Zürich, 16. Januar 2016: Klaus Manns Mephisto in der Regie von Dušan David Pařízek

Wenige Regisseure sorgten im letzten Jahr für so positives Aufsehen wie Dušan David Pařízek, dessen Theatertreffen-geadelte "Lächerliche Finsternis" von der Kritik ausgiebig gepriesen wurde. Wie er am Zürcher Schauspielhaus mit Klaus Manns Roman Mephisto umgeht, hat Valeria Heintges hingegen kaum überzeugt.

Detmold, 16. Januar 2016: In einem dichten Birkenwald, Nebel von Henriette Dushe

Ein elegisches Nachtstück hat Henriette Dushe mit In einem dichten Birkenwald, Nebel verfasst. Malte Kreutzfeldt dunkelt es bei seiner Detmolder Uraufführung noch einmal nach. Sascha Westphal sah Glühbirnen platzen.

Kiel, 16. Januar 2016: Ulrike Maack inszeniert Blindlings von Simon Stephens

Mit Blindlings kehrt der britische Dramatiker Simon Stephens für eine Medea-Version noch einmal in seine Geburtsstadt Stockport zurück. Und in die Jahre vor Margaret Thatcher. Die deutschsprachige Erstaufführung hat Ulrike Maack in Kiel inszeniert, auf einer Bühne von Altmeister Wilfried Minks. Michael Laages erlebte den Jubel des Autors.

Wien, 15. Januar 2016: Arthur Schnitzlers Grüner Kakadu als Cybermärchen

Draußen schneit es, drinnen ist es gemütlich. Oder: Draußen geht eine Revolution los, drinnen (in der Kneipe) läuft im Lebenstheater the same procedure as every day. So geht Der grüne Kakadu von Arthur Schnitzler; Lucia Bihler hat das Stück am Schauspielhaus Wien mit Texten von Bernhard Studlar versehen und durch den Cybermärchenwolf gedreht, berichtet Theresa Luise Gindlstrasser.

Zürich, 13. Januar 2016: Was tun? Ein Festakt des Theaters Neumarkt

In illustrer Nachbarschaft liegt das Zürcher Theater Neumarkt. Zur Spiegelgasse nämlich, wo einst Lenin weilte und Kriegsflüchtlinge die Moderne ausriefen. Weil das Neumarkt nun selbst Jubiläum feiert, verlegt Friederike Heller ihr Was tun? Ein Festakt in Arbeitervereinatmo und schaltet zurück auf die Kollisionsanfänge von Kunst und Politik. Kaa Linder berichtet.    

 

München, 11. Januar 2016: David Böschs Kroetz-Inszenierung Mensch Meier

Die Entlassungswellen rollen durch Vaters Fabrik, und Muttis Bester will der Familie leider auch keinen Sozialaufstieg gönnen. Grässlich, grässlicher, kroetzlich. Das Fließbandarbeiter-Familiendrama Mensch Meier von Franz Xaver Kroetz hat sich am Münchner Residenztheater David Bösch vorgenommen. Im Fernsehspielstil, aber mit Gespür für Abgründe. Cornelia Fiedler war vor Ort.

Zürich, 10. Januar 2016: Jan Bosse verallgemeinert Arthur Millers Hexenjagd

Sind die McCarthys, Trumps, Köppels, Le Pens dieser Welt alle gleich schlimm? Oder muss man nicht doch die unterschiedlichen Hysterisierungen miteinrechnen? Solche Fragen stellen sich jedenfalls in Jan Bosses Inszenierung von Arthur Millers Hexenjagd, das während der McCarthy-Ära entstand. Wie Bosse die Figuren den Faszinationen erliegen lässt, ist äußerst raffiniert, findet Andreas Tobler.

Mannheim, 10. Januar 2016: Burkhard C. Kosminski zeigt Schimmelpfennigs An und Aus 

Uraufführungen von Roland Schimmelpfennig sind mittlerweile Weltereignisse und finden schon einmal in Stockholm oder Tokio statt. Weshalb An und Aus, Schimmelpfennigs Stück über Sex samt Naturkatastrophe und Supergau, nun in der Regie Burkhard C. Kosminskis "nur" zur deutschsprachigen Erstaufführung kommt. Was der Begeisterung von Harald Raab aber keinen Abbruch tut.

St. Pölten, 10. Januar 2016: Ana Zirners Flammende Reden, brennende Plätze

Hinter den Menschenmassen, die auf dem Maidan oder anderswo auf die Straße gehen, stecken Einzelschicksale. Aber wie ist es wirklich, Teil einer Bewegung zu sein? Darum geht es in Ana Zirners Flammende Reden, brennende Plätze am Landestheater in St. Pölten. Kai Krösche bekam eine Ahnung.

Neuss, 9. Januar 2016: Ronny Jakubaschk inszeniert Miss Sara Sampson 

Eine zeitlose Dreiecksbeziehung steckt in Lessings bürgerlichem Trauerspiel Miss Sara Sampson. Und Gefühle losgelöst von Welt, Beruf, Alltag, die Regisseur Ronny Jakubaschk am Rheinischen Landestheater Neuss in ein Motel-Zwischenreich verlegt, das schon bessere Zeiten erlebt hat. Friederike Felbeck sah ein Patchwork-Familien-Selfie mit  besonderer Wirkung.

Kaiserslautern, 8. Januar 2016: Thomas Köcks Isabelle H. uraufgeführt

Einen Ex-Soldat und die geflüchtete Isabelle hat das Schicksal zusammengeweht. Oder besser der Dramatiker Thomas Köck, der sie in Isabelle H. (geopfert wird immer) in einen Showdown mit Polizei und allen Klischees über Flucht, Krieg, Trauma schickt. Ingo Putz hat nun das mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis ausgezeichnete Stück uraufgeführt. Mehr von Harald Raab.

Berlin, 8. Januar 2016: Rimini Protokolls Mein Kampf, Band 1 & 2 gastiert am HAU

Die Diskussion um die Veröffentlichung der kritischen Ausgabe von "Mein Kampf" hat begonnen, und Rimini Protokoll liefern dazu ihren ganz eigenen Anteil mit ihrer Befragung Adolf Hitler: Mein Kampf, Band 1 & 2, das nun auch in Berlin am Hebbel am Ufer läuft. Frauke Adrians sah die Premiere beim Kunstfest Weimar.

Halle, 4. Januar 2016: Zwölf Ex-"Ernst-Busch"-Kommilitonen in Stunde der Komödianten

Stücke über Schauspieler, die Schauspieler spielen, gibt es ein paar. Doch dieser Abend ist anders: In Stunde der Komödianten versammelt Michael Kind zwölf seiner einstigen Kommilitonen an der Berliner "Ernst Busch"-Schauspielschule, um gemeinsam vom Theater wie vom Leben zu erzählen. Und um eine Antwort auf die Frage zu finden: Wie spiele ich "mich"? Mehr von Hartmut Krug.

Berlin, 23. Dezember 2015: Simon McBurneys hörspielhafte Ungeduld des Herzens

Simon McBurney, der Gründer des Théâtre de Complicité, ist einer der Großen des Welttheaters, und wenn er nun das erste Mal mit dem Ensemble der Schaubühne arbeitet und Stefan Zweigs Ungeduld des Herzens auf die Bühne bringt, dann können die Theaterherzen schon einmal ungeduldig höher schlagen. Ob zu Recht, das weiß  Sophie Diesselhorst.

Stuttgart, 23. Dezember 2015: Antú Romero Nunes mit zeit zu lieben zeit zu sterben

Selbst unsere Redakteurin Sophie Diesselhorst kann nicht gleichzeitig an zwei Orten sein. Doch da Antú Romero Nunes' Inszenierung von Fritz Katers zeit zu lieben zeit zu sterben, die gestern in Stuttgart Premiere hatte, vor Zeiten auch schon in Berlin lief, steht hier ihre Kritik.

Düsseldorf, 20. Dezember 2015: Faust I, angerichtet von Georg Schmiedleitner

Schreibhemmung? Nicht bei diesem Faust, der im Studierzimmer kräftig in die Tasten haut, allerlei zu Papier bringt und doch eine zugemauerte Existenz ist. So dass am Ende von Georg Schmiedleitners Inszenierung von Goethe Faust I am Düsseldorfer Schauspielhaus demonstrativ eine Wand einstürzt. Mehr über Fausts Bunkermentalität von Andreas Wilink.

Osnabrück, 20. Dezember 2015: Das Abschiedsdinner von Delaporte + de la Patiellière

Mit "Der Vorname" haben Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière einen Bühnen-Bestseller geschrieben. Ihr neues Stück Das Abschiedsdinner liefert mehr Selbstzerfleischung des Bürgertums (und Stoff für Schadenfreude) und wurde in Osnabrück von Henning Bock inszeniert. Andreas Schnell berichtet.

St. Gallen, 20. Dezember 2015: Melanie Osan mit The Effect von Lucy Prebbles

Zwei Menschen nehmen an einem Medikamentenversuch teil. Und verlieben sich. Was in Lucy Prebbles Stück The Effect mehr ist als nur die Story Man meets Woman. Regisseurin Melanie Osan hat damit ihr Regiedebüt in St. Gallen gegeben. Mehr von Elisabeth Maier.

Stuttgart, 20. Dezember 2015: Der Kirschgarten von Anton Tschechow, Lensing & Hein

melancholiefrei? Thorsten Lensing und Jan Hein haben es versucht in ihrer Kirschgarten-Inszenierung u.a. mit Ursina Lardi, Peter Kurth, Devid Striesow und Lars Rudolph. Vor vier Jahren war Premiere an den Berliner Sophiensälen, über die Sophie Diesselhorst schrieb. Jetzt läuft die Inszenierung wieder – in Stuttgart.

Wien, 19. Dezember 2015: Yael Ronens Flüchtlingsdebatte Lost and Found

Große Themen mit kleinen Frechheiten und großem Lachfaktor und dann wieder kleinen Tränen – so geht das zu bei Yael Ronen. In Wien sucht die große Ensemble-Regisseurin und -Autorin jetzt mit Lost and Found ihren höchst eigenen Zugang zur Flüchtlingsdebatte. Am Volkstheater Wien das. Müsste doch passen, oder Leopold Lippert?

Münster, 19. Dezember 2015: Schillers Fiesco zu Genua von Frank Behnke inszeniert

Es brodelt revolutionär in Friedrich Schillers Die Verschwörung des Fiesco zu Genua, auch bei Frank Behnke in Münster, der das schön blutig als Alternative für Genua inszeniert. Zur Begeisterung von Tim Schomacker.

Berlin, 18. Dezember 2015: Leander Haußmann mit Drei Schwestern

Wer schon immer dachte, dass Theater für Leander Haußmann eine Art Kinderspielzeug sei, wird auch in seiner Drei Schwestern-Inszenierung am Berliner Ensemble genügend Beweis finden. Olga, Mascha, Irina klucken bei ihm zusammen, verteidigen ihre Kindheit, um dann umso schmerzhafter aufzuprallen. Mehr von Wolfgang Behrens.

München, 18. Dezember 2015: Christopher Rüpings Dostojewski-Adaption Der Spieler

Die Kluft zwischen dem Glauben an eine funktionierende Gesellschaft und der Macht des Kapitals öffnet Dostojewskis Der Spieler – Christopher Rüping hat den Roman auf die Bühne der Münchner Kammerspiele gebracht und Michael Stadler ratlos gemacht.

Bern, 18. Dezember 2015: Die Töchter des Danaos von Aischylos

Aischylos' "Die Schutzflehenden" nun auch in der Bundeshauptstadt der gegenüber Einwanderern weniger freundlichen Schweiz. In der Fassung von Gerhard Meister heißen die Asylsuchenden Die Töchter des Danaos. Die Premiere sah Andreas Klaeui.

Berlin, 18. Dezember 2015: Je suis Jeanne d'Arc nach Schiller für heute

Am Berliner Gorki Theater bespiegelt Mikaël Serre in Je suis Jeanne d'Arc mit Hilfe von Schiller das Frankreich nach Charlie Hebdo und dem 13. November. Wie sich Johanna als Patriotin, Feministin, Dschihadistin ausnimmt, weiß Janis El-Bira.

Basel, 18. Dezember 2015: Martin Laberenz verfritscht Das Sparschwein

Als habe Herbert Fritsch Pate gestanden: Aufgerissene Augen und Münder, halbmeterhohe Perücken und andere Exaltationen verzieren Martin Laberenz' Paris-Ausflug mit Eugène Labiches Das Sparschwein. Was die Verrücktsamkeit am Schauspiel Basel hermachte, sagt Claude Bühler.

Wien, 18. Dezember 2015: Dr. Kawis Erforschung... im brut

Dr. Kawis Erforschung des Einstellungsinventars der Liebesstile – was hinter dem sperrigen Titel der Performance von Gin Müller, Barbara Kaiser und Tamara Wilhelm im Brut Wien steckt, sagt Kai Krösche.

München, 17. Dezember 2015: Nichts von euch auf Erden von Reinhard Jirgl

2013 hat Büchner-Preisträger Reinhard Jirgl einen dystopischen Roman geschrieben: Nichts von euch auf Erden, in dem die von Sex und Leid entkoppelten Europäer von Marsianern überrannt werden. Felix Rothenhäusler sucht an den Münchner Kammerspielen nach Bildern für Jirgls herausfordernd sperrige Sprache. Petra Hallmayer war dabei.

Mainz, 17. Dezember 2015: Ionescos Die Nashörner mit Finzi und Koch

Gestern schlugen am Staatstheater Eugène Ionescos Die Nashörner auf, mit Samuel Finzi und Wolfram Koch. Ein kurzes Vergnügen, das nur zwei Mal zu sehen ist für alle, die bei den Ruhrfestspielen im Sommer nicht dabei sein konnten. Damals berichtete Martin Krumbholz.

Nürnberg, 14. Dezember 2015: Jonas Hassen Khemiris ≈ [ungefähr gleich]

In ≈ [ungefähr gleich] entwirft der schwedische Erfolgsdramatiker Jonas Hassen Khemiri eine Welt, in der die Ökonomie der Kosten/Nutzen-Rechnung Jedem irgendwann die Tür öffnet – am liebsten die Falltür. In Nürnberg schritt Christian Papke zur deutschen Zweitaufführung. Dieter Stoll berichtet.

Hamburg, 14. Dezember 2015: Luk Percevals Joyce-Abend Exiles

Vor einem Jahr hatte James Joyces einziges Drama Exiles in der Regie von Luk Perceval Premiere – an den Münchner Kammerspielen. Nun ist die Inszenierung ans Hamburger Thalia Theater weitergewandert. Von der Münchner Premiere berichtete Sabine Leucht.

Berlin, 13. Dezember 2015: Daniela Löffner inszeniert Turgenjews Väter und Söhne

Etliche Liebende und Leidende verzahnt Turgenjews Väter und Söhne. Etwa Gutsbesitzerin Anna, die ihre Neigungen verbirgt. Oder den Feudalherrn, von niemanden akzeptiert. Daniela Löffner hat den figurenreichen Roman am DT Berlin inszeniert. Und dessen Gemütlichkeit in große, sinnliche Aura verwandelt. Hartmut Krug ist begeistert.

München, 13. Dezember 2015: Ivan Panteleevs Philoktet-Version am Residenztheater

Giftpfeile, die immer treffen, besitzt Herakles. Um die tobt in Heiner Müllers Philoktet-Version ein Kampf, den Regisseur Ivan Panteleev am Residenztheater in einen fast leeren Raum verlegt, ganz zum Vorteil des Abends. Mit Geier-Federn ist die Bühne bestreut. Wie sie gelassen werden, berichtet Willibald Spatz.

Wien, 12. Dezember 2015: Antú Romero Nunes verwandelt Joseph Roths Hotel Europa

Der Untergang des Abendlandes ist ohne den Untergang des Schauspiels nicht zu haben. So sagt es sich Antú Romero Nunes in seiner freien, spielwütigen Adaption der finsteren Apokalypse-Beschwörung von Joseph Roths Hotel Europa oder Der Antichrist. Was aus Roths Weltkriegs-Essayistik für die heutige Flüchtlingssituation Europas theatral zu gewinnen ist, sagt Johannes Siegmund.

Stuttgart, 12. Dezember 2015: Armin Petras' assoziative Sturm-Inszenierung

Shakespeares Spätwerk Der Sturm wird gern postkolonialistisch kritisch gelesen. So auch von Armin Petras, mit Verve zupackend, ohne Scheu vor Tumult. Verena Großkreutz saß im Sturm der Buhs und Bravos.

Dortmund, 12. Dezember 2015: Michael Simon inszeniert Das schweigende Mädchen

Die Angeklagte im NSU-Prozess hat ausgesagt. Sie hat dabei weiter geschwiegen. Die Wirklichkeit richtet sich nach der Kunst. Elfriede Jelinek sah das beredte Schweigen voraus. Das schweigende Mädchen hat Michael Simon inszeniert, Sascha Westphal sah die Premiere.

Zürich, 12. Dezember 2015: Viktor Bodó entstaubt Dürrenmatts Besuch der alten Dame

Fast genau 60 Jahre ist es her, dass Friedrich Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame in Zürich uraufgeführt wurde. Da kann so ein Stück auch schon einmal Staub ansetzen. Doch wer könnte den besser wegblasen als Viktor Bodó, der ungarische Spezialist für drastische Komik? Valeria Heintges sah beim Entstauben zu.

Köln, 12. Dezember 2015: David Schalkos Singspiel Kimberly

David Schalko hat die Fernsehserie "Braunschlag" erfunden, und die kennt in Österreich jeder. Nun hat Schalko für Köln – das bekanntlich nicht in Österreich liegt – ein Singspiel geschrieben und inszeniert: Kimberly, eine Art Grusical mit Mord, Totschlag und Trockeneis. Martin Krumbholz berichtet.

München, 11. Dezember 2015: Schuld und Sühne von Volkstheater-Chef Christian Stückl

Mit der Axt in der Hand und fiebriger Philosophie im Kopf zieht Raskolnikow zum Morden. Zum Beweis, dass ein Mensch weniger als eine Laus ist. Vom Standpunkt eines Außergwöhnlichen betrachtet. Was ist das? Egomanie, die Ideologie eines Amokläufers? Christian Stückl sucht in seiner Adaption von Dostojewskis Schuld und Sühne nach Antworten. Ob er sie findet, weiß Sabine Leucht.

Kassel, 11. Dezember 2015: Tyrannis von Ersan Mondtag im Vinge/Müller-Style

Ersan Mondtag ist ein Name, der mancherorts bereits mit einem gewissen Raunen genannt wird, schließlich hat der junge Regisseur mal bei dem Extrem-Performer Vegard Vinge assistiert und macht sich nun anheischig, in dessen Fußstapen zu treten. Ob das bei Tyrannis am Staatstheater Kassel gelang, berichtet Michael Laages.

Chemnitz, 11. Dezember 2015: Samuel Huntingtons Clash Of Civilizations

Samuel Huntingtons These vom Clash Of Civilizations war ein Aufreger der 1990er Jahre. Erstaunlich fast, dass sie in heutigen Zeiten nicht noch fröhlichere Urständ feiert, immerhin aber hat René Schmidt nun mit Huntington im Gepäck einen Theaterabend erarbeitet. Näheres von Hartmut Krug.

Berlin, 9. Dezember 2015: Ophelias Zimmer von Katie Mitchell/Alice Birch

Was muss passieren, bis Ophelia ins Wasser geht? Das zu erzählen haben sich Katie Mitchell und Alice Birch vorgenommen. Birch hat Texte geschrieben, in denen Ophelias Tod aus einem Leben in Fremdbestimmtheit, Stillstand und Ohnmacht heraus verständlich gemacht wird. Regie-Chirurgin Mitchell sperrt Jenny König als Ophelia in der Schaubühne in Ophelias Zimmer. Esther Slevogt berichtet.

München, 7. Dezember 2015: Anne Lenk inszeniert Das goldene Vlies

Passt doch haargenau auf unsere Gegenwart: Fremde aus der asiatischen Barbarei geht mit weißem Geliebten nach Europa, wo sie ihr blaues Wunder erlebt und, Barbarin, die sie ist, ihre Kinder umbringt. Das goldene Vlies, die alte Geschichte in der Version von Franz Grillparzer hat Anne Lenk am Residenztheater inszeniert, Tim Slagman sah die Premiere.

Hamburg, 6. Dezember 2015: Schiff der Träume - Karin Beier goes Fellini

Ein Schiff der Träume lässt Karin Beier am Deutschen Schauspielhaus von Anker, inspiriert von Federico Fellinis Film "E la nave va“. Geladen hat es alle Stars des Hauses und noch mehr, dazu eine Menge brennender Fragen zum Thema Menschlichkeit im Mittelmeer – aber keine Antworten. Ein beeindruckend unbequemer Abend, wie Falk Schreiber findet.

Wien, 6. Dezember 2015: Herbert Fritsch führt Molières Der eingebildete Kranke auf

Das Ganze klingt nach einer ziemlich perfekt geölten Mischung: der gute alte Molière, Herbert Fritsch und Joachim Meyerhoff als Der eingebildete Kranke. Und das alles in Plastik-Rokoko-Outfits von Viktoria Behr. Am Burgtheater kam es dann natürlich auch, wie es kommen musste!  Mehr von Theresa Luise Gindlstrasser.

Linz, 6. Dezember 2015: Joël Pommerats Mein Kühlraum

Ein Supermarktbesitzer vererbt seinen Angestellten ein Firmenkonglomerat. Und aus guten Armen werden auf einmal schlechte Reiche. So will es Joël Pommerats Plot von Mein Kühlraum. Oder nicht? Gerhard Willerts Inszenierung sah Reinhard Kriechbaum.

Frankfurt, 5. Dezember 2015: Michael Thalheimers Kleists-Kondensat Penthesilea

 Wir hatten schon gewartet: mit einer Protagonistin wie Constanze Becker müsste Michael Thalheimer eines Tages doch auch Heinrich von Kleists Monstre-Tragödie Penthesilea in Angriff nehmen können. Nun hat er es getan, und das blutige Stück auf die große Bühne am Schauspiel Frankfurt gebracht. Die Premiere sah Grete Götze.

Berlin, 5. Dezember 2015: Stefan Pucher inszeniert Nora

Ibsens Geschichte von Nora ist toll. Aber die Gesellschaft, die sie kritisiert, hat sich verändert. Also legte sich Armin Petras mit einer neoliberalen Neufassung ins Zeug. Die Stefan Pucher am Deutschen Theater auf Breitwandformat brachte. Und die Sophie Diesselhorst begutachtet hat.

Essen, 5. Dezember 2015: polasek&grau erzählen die Geschichte von Caspar Hauser

Das Schicksal von Caspar Hauser beschäftigt die Phantasien seit 200 Jahren. Jetzt hat das Regieduo polasek&grau die Geschichte des geheimnisvollen Findelkindes in der Fassung des Romans von Jakob Wassermann noch einmal aufgenommen. Gerhard Preußer denkt über den Ertrag nach.

Freiburg, 5. Dezember 2015: Zorn von Nino Haratischwili selbst inszeniert

Ein Flughafen, eine Bombe und acht Menschen stehen im Zentrum des Stücks Zorn von Nino Haratischwili. Fünf Jahre nach seiner Uraufführung hat es die Autorin nun aus aktuellem Anlaß noch einmal selbst inszeniert. Elske Brault berichtet.

Berlin, 4. Dezember 2015: Service / No Service, der tolle neue René-Pollesch

"No Service" plakatiert Castorfs Volksbühne seit Beginn der Spielzeit an Berliner Mauern und Stromkästen und nimmt ihr Verschwinden in zwei Jahren vorweg. Aber es gibt auch noch das andere Plakat, auf dem "Service" steht. René Pollesch führt Service / No Service jetzt zusammen bzw.: lässt sie gegeneinander antreten und Kunst hervorbringen. Zur Herzerwärmung von Esther Slevogt.

Hamburg, 4. Dezember 2015: Branko Šimić' / Armin Smailovic' Srebrenica am Thalia

Die Schauspieler Jens Harzer und Vernesa Berbo sind beide schon als gewichtige Erinnerungsarbeiter aufgefallen. Jetzt tragen sie das Projekt Srebrenica am Thalia Theater: Branko Šimić und Armin Smailovic erzählen darin die Geschichte eines Täters, eines Opfers und eines Zeugen. Europäische Geschichte ohne Politik erlebte Michael Laages.

Oldenburg, 4. Dezember 2015: Fake to Pretend laden zu Utopoly

Wie würdet Ihr gerne leben? fragen Fake to Pretend ihr Publikum – und laden zum Utopoly-Spielen im Oldenburgischen Staatstheater ein. Von diesem Wettbewerb um den Titel "Beste aller möglichen Welten" berichtet Jens Fischer.

Hamburg, 3. Dezember 2015: Lucky Dog – The Show von Meyer&Kowski

In einem irischen Ort leben alle Glücksnudeln dieser Erde. Ein Fernsehteam will das nicht wahrhaben und setzt die Show zum Härtetest an. So beginnt es in Lucky Dog – The Show von Meyer&Kowski, und dann geht's Meta-Meta: Die Sendung wird live nachgestellt (reenacted, wie man so sagt) und live verfilmt mit dem Theaterpublikum als Komparsen. Falk Schreiber erlebte Mindfuck und Faustformeln des Glücks.

Graz, 3. Dezember 2015: Die "Komödie rechts der Mitte" Wahr und gut und schön 

Das Grazer Theater am Bahnhof beherrscht feine Recherchearbeit. Für ihr neues Stück Wahr und gut und schön mussten die Macher allerdings nicht allzu tief schürfen. Ihre "Komödie rechts der Mitte" speist sich aus rechtem Gedankengut Marke Leserkommentarspalte. Reinhard Kriechbaum hörte und sah zu.

Berlin, 2. Dezember 2015: Exodus von Schmidt / Liebmann bei Nordwind

Selten wird das Flüchtlingsthema auf dem Theater so beherzt-durchgeknallt angegangen: In Exodus erzählt das Performerduo Cecilie Ullerup Schmidt und Andreas Liebmann die Geschichte einer Begegnung von Asylsuchenden und privilegierten Europäern – im Kostüm von Bänkelsängern. Beim Nordwind Festival in den Berliner Sophiensaelen sah Eva Biringer einen starken Abend.

Dresden, 30. November 2015: Der Bürgerbühnenabend Morgenland von Miriam Tscholl

Nur einen Tag, nachdem Volker Lösch auf der großen Bühne des Staatsschauspiels Dresden zum Rundumschlag gegen Pegida ausgeholt hat, laden die, vor denen die "besorgten Bürger" Angst haben, auf die kleine Bühne – zum theatralen Bildungsabend über die Welt hinter den Klischees über das Arabische. Titel: Morgenland, Regie: Miriam Tscholl, Nachtkritik von: Michael Bartsch.

Dresden, 29. November 2015: Graf Öderland / Wir sind das Volk von Volker Lösch

In der "Orestie" trat der Dresdner Bürgerchor zum ersten Mal vor zwölf Jahren auf. Nun hat er in Graf Öderland / Wir sind das Volk neue Wucht gefunden. Es geht um Pegida, um Dresden, stellvertretend ums ganze Land. Volker Lösch und sein Team haben eine Textcollage erstellt, die zum Fürchten ist. Wolfgang Behrens sah in Dresden eine beeindruckend entschiedene Positionierung.

Karlsruhe, 29. November 2015: Stefan Otteni inszeniert Die Kinder des Musa Dagh

Politisches Statement auch in Karlsruhe: Da endet Ferdinand Bruckners Die Kinder des Musa Dagh über den Völkermord an den Armeniern, von Stefan Otteni inszeniert, auf der Premierenparty mit einem armenischen Fest mit Volkstänzen, Musik & Delikatessen. Vorher auf der Bühne wirds argumentativ und empathisch. Mehr von Thomas Rothschild.

Konstanz, 28. November 2015: Johanna Wehners Faust I-Inszenierung

Gleich drei Mephistos sind hinter Faust her in Johanna Wehners Inszenierung der Tragödie erster Teil. Und sie setzten ihn ordentlich unter Druck, schleifen ihn in rasendem Tempo durch die Spaß- (Disco!) und die Leistungs- (Fitness!) Gesellschaft und wollen dann auch noch, dass er Gefühle zeigt. Elisabeth Maier freut sich jetzt schon auf Teil 2.

München, 28. November 2015: Handbuch für den Neustart der Welt am Volkstheater

Was tun, wenn die Welt untergeht, und man unter den wenigen Überlebenden ist? Rat weiß Das Handbuch für den Neustart der Welt des britischen Astrobiologen Lewis Dartnell. Jessica Glause hat den Sachbuchbestseller für das Volkstheater adaptiert. Petra Hallmayer berichtet.

Meiningen, 28. November 2015: Antihelden in Homburg / Beckmann aufmarschiert

Zwei Antihelden aus zwei Jahrhunderten lässt Ansgar Haag im Südthüringischen Staatstheater aufmarschieren zu einem Antikriegs-Drama: Homburg / Beckmann nach Heinrich von Kleist und Wolfgang Borchert sah Frauke Adrians.

Baden-Baden, 28. November 2015: Mash-Up aus Molière und Plautus Die Geizigen

Der Reichtum ist gut versteckt, und doch leidet man Todesängste in Die Geizigen, einem Mash-Up aus Molière und Plautus, das Mélanie Huber in eine angstsatte Mittelschicht versetzt. Zum Gefallen von Steffen Becker.

Köln, 28. November 2015: Antigone von Kostas Papakostopoulos inszeniert

Antigone ein Sinnbild für Griechenland? Kostas Papakostopoulos lässt sie in seiner Inszenierung am Theater im Bauturm an 500-Euro-Scheinen ersticken. Mehr über die theatralen Grexit-Assoziationen von Martin Krumbholz.

Hamburg, 27. November 2015: J. Steckel Kasimir und Karoline – Glauben Lieben Hoffen

Es müssen ja nicht gleich Horváths sämtliche Werke in 90 Minuten sein, aber zwei Stücke in 180 Minuten sollten sich doch schon unterbringen lassen, oder? Das jedenfalls hat sich Jette Steckel gedacht und am Thalia Theater einen Abend mit dem Titel Kasimir und Karoline – Glauben Lieben Hoffen kreiert, in dem eine Elisabeth auf dem Oktoberfest auftaucht, die da eigentlich gar nicht hingehört. Jens Fischer gibt Aufschluss.

Berlin, 27. November 2015: Es ist nicht deine Schuld ... von Malte Schlösser

Wir armen, abgehetzten, kapitalismuskranken Großstadtneurotiker! Regisseur Malte Schlösser bietet allen verzweifelt Überbewussten im Theaterdiscounter jetzt die skurrile Therapiesitzung Es ist nicht deine Schuld, dass das Leben nicht gelingt, mit der Pollesch-Trickkiste unterm Arm und Lars Rudolph auf der Besetzungsliste. Sophie Diesselhorst ließ sich's gefallen.

Berlin, 27. November 2015: Russisches Dokumentartheater beim Nordwind Festival

Das Nordwind-Festival mäandert diesmal zwischen Berlin, Hamburg, Dresden und Bern, und es blickt schwerpunktmäßig nach Russland. Im Dokumentartheater-Stück Antikörper des Journalisten Andrej Sowlatschkow etwa geht es um einen ermordeteten Antifaschisten und eine zutiefst kaputte Gesellschaft. Mehr von Hartmut Krug.

Berlin, 26. November 2015: Der klügste Mensch im Facebook nach Aboud Saeed

sei er, behauptet der syrische Schriftsteller Aboud Saeed im Titel seines ersten Buchs. Tatsächlich entstand es aus Facebook-Einträgen über seinen Alltag in Aleppo, während die Stadt ins Kriegs-Chaos stürzte. Mittlerweile lebt Saeed in Berlin und kam bei Karim Chérifs Inszenierung seines Face-Book im Ballhaus Naunynstraße auch auf die Bühne, wie Georg Kasch berichtet.

München, 23. November 2015: Anna-Sophie Mahler zeigt Josef Bierbichlers Mittelreich

Zuerst war's ein Roman mit unübersehbar autobiographischem Grund: Mittelreich. Hymnisch besang die Kritik das Buch des Schauspielers Josef Bierbichler. Jetzt hat Anna-Sophie Mahler das Werk auf die Bühne gehievt. Mit Chor und erster Besetzung. Bei der Premiere in den Münchner Kammerspielen war Tim Slagman.

Bielefeld, 22. November 2015: Mario Salazars Westernfantasie Annie Ocean

, Wenn der Lover mit Macho-Gehabe nervt und der eigene Ehemann mit grauer-Socken-Langeweile an den Nerven zerrt, hilft vielleicht der Traum vom Marlboro-Mann, von weiten Weiten und dem Rücken der Pferde. Annie Ocean, eine Western-Phantasie von Mario Salazar. Sascha Westphal sah ihre Uraufführung durch Tim Hebborn.

Hannover, 22. November 2015: Lars-Ole Walburg mit Marius von Mayenburgs Perplex

Wie beim Elchtest purzeln hier mehrere Paare, ein Skifahrer, Hobby-Philosophen und sogar ein Elch höchstselbst durch eine alptraumhafte Wirklichkeit. Perplex heißt die Wackelbild-Komödie von Marius von Mayenburg. Lars-Ole Walburg holt sie nach Hannover. Das Publikum reißt's von den Hockern. Und Michael Laages?

Wien, 22. November 2015: Nestroys Zu ebener Erde und erster Stock im Volkstheater

In schwierigen Zeiten hat Johann Nestroy Konjunktur mit seinen bissigen Possenspielen. Und das Volkstheater Wien hat mit Susanne Lietzows Zu ebener Erde und erster Stock nun auch eine bunte Nestroy-Inszenierung mit großem Ensemble, Live-Musik, prachtvoller Maske. Mehr darüber von Johannes Siegmund.

Weimar, 21. November 2015: Dirk Lauckes neues Sozialdrama Luft nach oben

Vier Uraufführungen an einem Freitag – erstens in Weimar die des neuen Stücks von Dirk Laucke, der einen Wanderarbeiter Station bei einem schmierigen Gebrauchtwagenhändler machen lässt und uns beruhigt: Zugrunde richten können wir uns auch ganz allein, ohne die Mithilfe der gefürchteten Flüchtlinge. Enrico Stolzenburg hat Luft nach oben inszeniert, Frauke Adrians berichtet.

Regensburg, 21. November 2015: Das Plastikmüllstück Pest von Konstantin Küspert

Plastikmüll fliegt auf die Bühne und wird wieder heruntergeräumt, er ist die Pest unserer Zeit in Konstantin Küsperts gleichnamigem Stück, das Katrin Plötner in Regensburg uraufgeführt hat. Mehr von Christian Muggenthaler.

Göttingen, 21. November 2015: Rebekka Kricheldorfs Genderei In der Fremde 

"Der deutsche Mann ist erotisch eine Fehlbesetzung." - Das sind typische Bonmots von Rebekka Kricheldorf, davon strotzt auch ihr neues Stück. In der Fremde befragt die Komik von Partnersuche, Paarungsverhalten, Gender-Überlebensfragen. Mehr über Erich Sidlers Uraufführung in Göttingen weiß Andreas Wicke.

Leipzig, 21. November 2015: Ferdinand Schmalz' Mordstück Der Herzerlfresser

Die literarische Nahrungskette ist in Ferdinand Schmalz' Stücken sowas wie ein Running Gag. Der Herzerlfresser beruht allerdings auf einem wahren Frauenmörder-Fall. Gordon Kämmerer hat die Auftragsarbeit in Leipzig uraufgeführt. Mehr über dessen radikale Künstlichkeit von Michael Isenberg.

Bremen, 20. November 2015: Pařízeks Roman-Adaption Der Fall Švejk

Dušan David Pařízek hatte im Juni für die Wiener Festwochen Jaroslav Hašeks unvollendeten Roman Der Fall Švejk adaptiert – mit Gulaschkanone und Pilsner für die Pausenbespaßung, aber ohne Titelheld. Jetzt ist die Inszenierung in Bremen angekommen. Bei der Wiener Premiere war Kai Krösche zugegen.

Hamburg, 20. November 2015: Alvis Hermanis' Späte Nachbarn jetzt am Thalia

Zwei Erzählungen von I.B. Singer hat Alvis Hermanis zum Doppelabend Späte Nachbarn zusammengeschweißt, der über Liebe im Alter erzählt. Auf der Bühne: Barbara Nüsse und André Jung. Das Schauspielerfest macht jetzt am Thalia Theater Station. Die Premiere an den Münchner Kammerspielen sah Petra Hallmayer.

Wien, 18. November 2015: 2 become 1 von Ann Liv Young und Marino Formenti

So intim sind Publikumsgespräche selten: Unter acht Augen sitzen sich Performer, Assistent und Besucherin am Ende von 2 become 1 gegenüber, also hier die amerikanische Performance-Queen Ann Liv Young und der italienische Pianist Marino Formenti, dort Theresa Luise Gindlstrasser, die ihren Daumen entschieden nach oben reckt.

Berlin, 15. November 2015: Schorsch Kamerun und Fabian Hinrichs rufen um Hilfe

Die Goldene Zitrone und der Goldjunge, also Schorsch Kamerun und Fabian Hinrichs, rocken und räsonieren zu Ehren von Karl Marx, auf dem Festival "Marx' Gespenster" am HAU: Ich habe um Hilfe gerufen. Es kamen Tierschreie zurück heißt ihr Abend. Ob's sauer oder süß wurde, sagt Esther Slevogt.

Gießen, 15. November 2015: George Orwells 1984 bilderstark

Die beklemmende Erzählung von einer beklemmenden Zukunft hat gerade Konjunktur. Wen wundert's. In Gießen zeigt Thomas Oliver Niehaus George Orwells Totalitarismusparabel 1984 in der neuen, klugen Bühnenfassung von Robert Icke und Duncan Macmillan. Alexander Jürgs begab sich auf eine bilderstarke Reise durch das Regime der Angst.

Berlin, 14. November 2015: Theatrale Flüchlingspolitik am Gorki: In unserem Namen

Schreiend komische und treffende Wutmonologe sind so etwas wie der Unique Selling Point des Gorki Theaters. Heute darf sich Thomas Wodianka austoben. Es geht um Flüchtlingspolitik und Kleinbürgerängste, alles angereichert mit Aischylos, Elfriede Jelinek und Bundestagsprotokollen. In unserem Namen heißt der Ensembleabend von Sebastian Nübling. Esther Slevogt sah ihn.

Saarbrücken, 14. November 2015: Dagmar Schlingmann mit Warten auf Godot

Mit der Lesart von Pierre Temkine ist Becketts Nihilismusklassiker Warten auf Godot unlängst noch einmal neu in den Fokus gekommen: als Fluchtdrama. Und als solches passt es auch in unsere Tage, sagt Regisseurin Dagmar Schlingmann. Mehr von Stefan Schmidt.

Halle, 14. November 2015: Jörg Steinberg Adaption des Films Bornholmer Straße

Die Waffen blieben stecken, der Grenzbaum fiel, die Mauer ging auf. Christian Schwochow hat sich die Ereignisse des 9. November 1989 in seiner Filmkomödie Bornholmer Straße vorgenommen, und Jörg Steinberg bringt sie jetzt auf die Bühne. Mit dem nötigen Schuss Unterhaltung, wie Tobias Prüwer berichtet.

Radebeul, 14. November 2015: Das Theaterspektakel Irrtümer 2 Utopien

Irrtümer 2 - Utopien heißt das zweite Theaterspektakel an der Landesbühne Sachsen. Man hätte es auch "Die Rückseite der Sehnsucht" nennen können, denn darum handelt es sich bei den Stücken, die Michael Bartsch gesehen hat.

Berlin, 14. September 2015: Stephan Kimmigs Genderbender-Clavigo

Jungautor lässt Verlobte sitzen, sie heult sich die Augen aus und stirbt am Ende einen schönen Liebestod. So läuft das doch bei Goethe. Oder? Stephan Kimmig findet die klassische Rollenverteilung offenbar renovierungsbedürftig – und hat sie für die Salzburger Festspiele kurzerhand umgekehrt. Jetzt ist die Inszenierung ins Deutsche Theater nach Hause gekommen. In Salzburg sah sie Reinhard Kriechbaum.

Basel, 14. September 2015: Ewald Palmetshofers Edward II. Die Liebe bin ich

Es ist die erste schwule Love-Story der Neuzeit, obwohl sie vor allem von Macht und Totschlag erzählt: Edward II., aufgeschrieben von Christopher Marlowe. Ewald Palmetshofer hat sie als Edward II. Die Liebe bin ich nachgedichtet, Nora Schlocker inszenerte das Ergebnis für die  Wiener Festwochen, jetzt ist die Inszenierung nach Basel übersiedelt. Theresa Luise Gindlstrasser sah sie bereits in Wien.

Köln, 13. November 2015: Moritz Sostmann inszeniert Lars Noréns 3.31.93

Ein neues Stück des schwedischen Großdramatikers Lars Norén: 3.31.93 ist es überschrieben. Weil es aus drei Teilen, 31 Szenen und 93 Situationen besteht. Aus kleinen und großen Alltagstragödien, wie sie das Leben schreibt. Moritz Sostmann hat am Schauspiel Köln die deutschsprachige Erstaufführung inszeniert. Und zwar mit Puppen und Menschen. Dorothea Marcus sah zu.

Berlin, 13. November 2015: Eisler on the Beach von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner

"Karl Marx der Musik" wurde er 1947 vor McCarthys Untersuchungsausschuss genannt. Nun steht der Komponist und Brecht-Intimus Hanns Eisler mit seinen illustren Geschwistern im Zentrum der Polit-Revue Eisler on the Beach, die Tom Kühnel und Jürgen Kuttner am Deutschen Theater servieren. Mehr von Christian Rakow.

Oldenburg, 13. November 2015: Eine nicht umerziehbare Frau von Stefano Massini

Der Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja war 2006 ein Fanal. Der italienische Dramatiker Stefano Massini widmete ihr nun das Theatermemorandum Eine nicht umerziehbare Frau. Felicitas Braun inszenierte die deutschsprachige Erstaufführung Oldenburgischen Staatstheater. Andreas Schnell war dabei.

Berlin, 13. November 2015: Das Kapital und sein Affe von Sylvain Creuzevault im HAU

Im Theater Hebbel am Ufer widmet ein Festival sich "Marx' Gespenstern", die nach dem Zusammenbruch des Sozialismus noch immer herumspuken. Mit Le Capital et son signe / Das Kapital und sein Affe eröffnete der französische Regisseur Sylvain Creuzevault die Chose. Unter Beobachtung von Simone Kaempf.

Berlin, 12. November 2015: Robert Neumann adaptiert David Wnendts Film Kriegerin

In Zeiten brennender Flüchtlingsheime scheint David Wnendts Film Kriegerin (2011) über eine Nazibraut, die durch die Begegnung mit einem Geflüchteten zur Helfenden wird, umso brisanter. Mit Tina Müller hat Robert Neumann den Stoff für die Bühne umgeschmiedet – und lässt die Spieler am Berliner Grips Theater rollenwechselnd Nazis und Geflüchtete spielen. Katharina Röben sagt, wie's war.

Berlin, 11. November 2015: James Leadbitters Mental beim No-Limits-Festival

Zehn Jahre lang, ab dem 19. Lebensjahr: Selbstmordversuche, Klinikeinweisungen und Rausschmisse aus Heimen, Diagnosen und Gegendiagnosen, Zwangsmedikationen und Drogensucht. In seiner Performance Mental lädt James Leadbitter in seine private Psychiatriehölle ein. Gestern lief sie bei  Berliner No Limits Festival.Claude Bühler sah den Abend auf den Dokumenartheatertagen Basel.

Frankfurt, 9. November 2015: Stephan Kimmig zeigt Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

Sie sind derzeit die Idealbesetzung für problematische Ehepaare: die Großhysterikerin Corinna Kirchhoff und der Gaumenknödler Wolfgang Michael. Beide alte Schaubühnen-Schule by the way. Jetzt spielen K & M am Schauspiel Frankfurt die Schlachtschiffmutter aller Eheschlachten Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Die Spielleitung hatte Stephan Kimmig inne, die Premiere sah Shirin Sojitrawalla.

Osnabrück, 9. November 2015: Schillers Don Carlos inszeniert von Alexander Charim

Der Überwachungsstaat des Habsburgers Philipp II. war gerade erst in Bochum zu besichtigen. Eine andere Variante des Don Carlos wählt Alexander Charim, der näher an Friedrich Schillers Brief- und Papierkaskaden bleibt. Kai Bremer war da.

München, 9. November 2015: Abschluss des Spielart Festivals

Das Spielart Festival für die freien Theaterkünste in München ist vorüber. Zuletzt gab es Science Fiction und die "New Works". Michael Stadler hat das Abschlussprogramm beobachtet.

Weimar, 8. November 2015: Romulus der Große und der Untergang Europas

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen? In Thomas Dannemanns Inszenierung von Friedrich Dürrenmatts Erstlings-Komödie Romulus der Große steht sie längst, um die spätantiken Römer vor den einfallenden Germanen zu schützen. Was diese antike Form der Flüchtlinge nicht vom Vorrücken auf Rom abhält. Ein aktueller Kommentar auf die Festung Europa? Matthias Schmidt hat Fragen.

Leipzig, 8. November 2015: Blaskapelle marsch! En avant, marche! von Alain Platel

Alain Platels Tanzproduktion En avant, marche! feiert die Wiederauferstehung der Blaskapelle aus dem Geiste Schuberts. Tobias Prüwer hat die Produktion auf der Euro-Scene Leipzig erlebt, begeistert.

Köln, 8. November 2015: Moderner Ideologie-WirrWarr: Stirb, bevor du stirbst

Die vielen Gesichter des Islam: Was passiert, wenn man zwischen Sufisten und Salafisten nicht unterscheiden kann, zeigt Ibrahim Amirs neue Interkulturkomödie Stirb, bevor du stirbst. Gerhard Preußer sah sanfte Sektierer. 

Bochum, 8. November 2015: Don Karlos im modernen Überwachungsstaat

Der Überwachungsstaat, der Schillers Don Karlos und seinen Vertrauten Marquis von Posa unterjocht, hat für Jan Neumann in Bochum ein frisches Gesicht: die Fassade der BND-Zentrale. Stefan Schmidt blickte hinein.

Rostock, 8. November 2015: Sewan Latchinian setzt Ein Volksfeind in Szene

Henrik Ibsens Ein Volksfeind wird gern als Kommentar auf lokale Kulturpolitik inszeniert. Jetzt auch in Rostock, wo Intendant Sewan Latchinian noch eine Rechnung mit dem Oberbürgermeister offen hat. Mehr von Matthias Schümann.

Freiberg, 8. November 2015: Anett Wöhlert inszeniert Mein Kampf von George Tabori

  Mein Kampf von George Tabori, der junge Hitler, Frau Tod, Schlomo Herzl in Sachsen. Mitten drinne im Pegida-Land. Ein Esel, wer dabei Böses denkt? Wie es ging in Freiberg, berichtet Lukas Pohlmann.

Hamburg, 7. November 2015: Signas Brainwash-Firma Söhne & Söhne

Wer in die immersiven Psychowelten der Performancetruppe Signa eintaucht, der gibt Humor und Provokationslust besser am Eingang ab: Nur hinein ins manipulative Geschehen, aber bitte brav! Nun lädt Signa "Neuangestellte" in die recht obskure Firma Söhne & Söhne ein. Nach sechs Stunden Gehirnwäsche ist Katrin Ullmann völlig fertig.

Gera, 7. November 2015: Caro Thum adaptiert Lutz Seilers Roman Kruso

Die Uraufführung einer Bühnenfassung von Kruso in Magdeburg wurde einhellig, auch von uns, als "ziemlich durchwachsen" wahrgenommen. Den zweiten Versuch, mit einer anderen Textfassung und in Lutz Seilers Heimatstadt Gera, findet Matthias Schmidt hingegen ausgesprochen gelungen.

Wien, 7. November 2015: Möglicherweise gab es einen Zwischenfall von Chris Thorpe

Chris Thorpes Möglicherweise gab es einen Zwischenfall wurde 2014 beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens 2014 in Deutschland vorgestellt. Jetzt erlebten die vier Erzählungen im Schauspielhaus Wien eine erste Inszenierung in deutscher Zunge. Wie das ging, berichtet Martin Pesl.

Berlin, 6. November 2015: Die Eröffnung des No Limits-Festivals am HAU

Alle zwei Jahre gibt es im HAU ein Festival, das internationale Produktionen zeigt, die nicht zwischen Menschen mit und ohne Behinderung unterscheiden. Das norwegische Kollektiv De Utvalgte hat No Limits mit De Utvalgte (Die Auserwählten) eröffnet. Janis El-Bira sah auch weitere Produktionen des Festival-Auftakts.

Zürich, 6. November 2015: Herr Puntila und sein Knecht Matti am Theater Neumarkt

Ein paar hundert Meter weiter wurde Bertolt Brechts Puntila, das Stück vom trunkenen Herrn und vom nüchternen Knecht, vor 67 Jahren uraufgeführt. Nun ist es in der Regie des Hausherren Peter Kastenmüller am Theater Neumarkt gelandet. Und siehe da!, die Herren sind andere geworden. Mehr von Beat Mazenauer.

Wien, 6. November 2015: Eine Räuber-Version im Werk X

Dieser Titel heiner-müllert gewaltig: Räuber Das Leben stiehlt auch nur vom Tod (Schrei Schiller Schrei). Wie sich Pedro Martins Bejas Schrei nach Schiller am Werk X ausnahm, davon berichtet Veronika Krenn.

Leipzig, 5. November 2015: Das Duo Notfoundyet mit The Bolaño Project

Als Jahrhundertroman wurde Roberto Bolaños "2666" gefeiert. Er kreist um eine unaufgeklärte Mordserie an Frauen in Mexiko. Für das Festival Euro-Scene und das Schauspiel Leipzig hat das Duo Notfoundyet mit The Bolaño Project eine Art performative Einführung in das Großwerk gewagt. Tobias Prüwer war am Tatort und rieb sich verwundert die Augen.

München, 4. November 2015: Das Ready-Made-Vorsprechen an den Kammerspielen

Etikettenschwindel oder Kunst? Für Das Vorsprechen an den Münchner Kammerspielen zeichnet Boris Nikitin verantwortlich, doch letztlich ist es genau das: Das Vorsprechen von Schauspielschülern am Ende ihrer Ausbildungszeit. Nur dass man neben den Entscheidern auch ganz normales Publikum eingelassen hat. Darunter: Sabine Leucht.

Paderborn, 4. November 2015: Mode und Wirklichkeit – Monologe von Wolfram Lotz

Im vergangenen Jahr erschien ein schmaler, unscheinbarer Band mit fünf Monologen von Wolfram Lotz. Drei davon hat jetzt Paderborns Intendantin Katharina Kreuzhage unter dem Titel Mode und Wirklichkeit inszeniert, zwei davon als Uraufführungen. Karin E. Yesilada hat sich amüsiert – und dennoch einen Vorschlag.

München, 2. November 2015: In München läuft das Spielart-Festival

Beim Münchner Festival Spielart wurde am Wochenende den Bedingungen und Möglichkeiten eines künstlerisch-politischen Widerstandes nachgeforscht. Naturgemäß Griechenland, naturgemäß der Nahe und Mittlere Osten, naturgemäß die kolonialen Grenzziehungen, naturgemäß Melancholie und Angst spielten dabei eine Hauptrolle. Tobias Krone berichtet aus München.

Köln, 1. November 2015: Stefan Bachmann zeigt Geschichten aus dem Wiener Wald

Rechtzeitig zu Halloween hat auch das Schauspiel Köln seine Saison eröffnet. Mit Horváths Geschichten aus dem Wiener Wald, inszeniert hat  Stefan Bachmann.  Andreas Wilink sah einen danse macabre.

Wien, 1. November 2015: Tomas Schweigen beginnt mit Punk & Politik

Drei Intendanzneustarts hat Wien in diesem Herbst zu bieten. Nach Volkstheater und Brut folgt nun das Schauspielhaus, wo Neuchef Tomas Schweigen mit Punk & Politik ordentlich was losmacht. Seine Stückentwicklung über Europa, nachnationales Denken und die Rolle, die Theater darin spielen könnte, hat Theresa Luise Gindlstrasser mit heftig engagiertem Humor auf ihre Seite gezogen.

Basel, 1. November 2015: Thom Luz' Trip LSD – Mein Sorgenkind

Mit seinem sperrig-versponnenen Musiktheater hat sich Thom Luz in diesem Jahr die Tür zum Theatertreffen aufgestoßen. Seit dieser Spielzeit amtet er in Basel als Teil des Hausregieteams und schaut mit LSD – Mein Sorgenkind auf die Geschichte der späteren Hippiedroge, die 1938 in einem Basler Chemielabor ihren Anfang nahm. Wie viel Rausch in diesem Abend steckt, sagt Christoph Fellmann.

Hamburg, 1. November 2015: Tilmann Köhler mit Schillers Jungfrau von Orleáns

Iphigenie, Lady Macbeth, Käthchen von Heilbronn – Anne Müller hat schon Dramenheldinnen verschiedenster Couleur verkörpert. Jetzt ist die Eigenwilligkeitsspielerin Schillers Jungfrau von Orléans, am Schauspielhaus Hamburg, inszeniert von Tilmann Köhler. Wie sie die heilige Kriegerin anlegt, beschreibt Katrin Ullmann.

Basel, 31. Oktober 2015: Nora Schlockers Gorki-Inzenierung Kinder der Sonne

Mit dem Premierenreigen der vier neuen Baseler Hausregisseur*nnen geht es an diesem Wochenende weiter. Nach Simon Stone, Julia Hölscher nun mit Nora Schlocker, die Maxim Gorkis Vor-Revolutionsdrama Kinder der Sonne inszeniert hat. Ein großes Ensemblestück mit 15 Schauspielern in einem Bühnenraum wie auf einer Weltraum-Odyssee. Mehr von Claude Bühler.

Halle, 31. Oktober 2015: Nora Abdel-Maksouds Fast-Pegida-Komödie Mad Madams

Bis zu einer Pegida-Komödie ist es nur eine Frage der Zeit. Ganz so weit geht Nora Abdel-Maksouds Stück Mad Madams zwar nicht, aber eine Farce um besorgte Bürger ist es geworden, von ihr selbst am Neuen Theater Halle uraufgeführt. Mehr von Tobias Prüwer.

Zürich, 30. Oktober 2015: Becketts Glückliche Tage von Werner Düggelin inszeniert

Betrachtet man Samuel Becketts Stücke als Zyklus einer Zersetzung, markiert Glückliche Tage den Endpunkt. Aber einen mit Rest-Hoffnung. Für die im Dreck steckende Winnie kehrt der 86-Jährige Regie-Altmeister Werner Düggelin ans Schauspielhaus Zürich zurück. Eine Feier des Optimismus in kürzer werdener Lebenszeit? Ein künstlerisches Resümee? Mehr weiß Andreas Klaeui.

Berlin, 26. Oktober 2015: Falk Richters Stück FEAR an der Schaubühne

Berlin, 26. Oktober 2015: Falk Richters Stück FEAR an der Schaubühne

Wenn die Pegida auf ihren Montagsdemos gestärkt von der Hassgemeinschaft loslegt und den "besorgten Bürgern" was vorargumentiert, kann einem kalt werden – oder ist das Hysterie, weil es ja doch nur Freaks sind? An der Schaubühne untersucht Falk Richter das Phänomen in seinem neuen Stück FEAR aus der Perspektive des aufgeklärten Urban Gardeners – und Georg Kasch wird kalt.

Hamburg, 26. Oktober 2015: Gernot Grünewalds Flüchtlingsprojekt an,kɔmən

Im Thalia Theater geht es um die, vor denen Pegida Angst hat. In an,kɔmən lässt Gernot Grünewald unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ihre Geschichten erzählen. Falk Schreiber hat zugehört.

Basel, 25. Oktober 2015: Julia Hölscher inszeniert den Roman Schlafgänger

Andreas Beck hat sich für seine Basler Intendanz vier Hausregisseur*innen ins Boot geholt. Eine von ihnen ist Julia Hölscher, die am Auftaktwochenende Dorothee Elmigers vieldiskutierten Roman Schlafgänger über Flüchtlinge und Fremdheit uraufführt – mit Kissenschlachten in großartigem Bühnenbild sowie ausgiebiger Möglichkeit zur Spiegelbild-Betrachtung. Mehr von Claude Bühler.

Berlin, 25. Oktober 2015: Die juristische Unschärfe einer Ehe am Gorki-Theater

Olga Grjasnowa, 1984 in Aserbaidschan geboren, ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. Ihr Roman "Der Russe ist einer, der Birken liebt" gehörte zu den Eröffnungserfolgen des Gorki-Theaters unter Shermin Langhoff. Mit ihrem neuen Roman Die juristische Unschärfe einer Ehe lockt Nurkan Erpulat das Publikum in Berliner Berghain-Welten. Wie war der Trip, Christian Rakow?

Berlin, 24. Oktober 2015: Jan Bosses UA von Schimmelpfennigs Wintersonnenwende

Früher stammten Dramen, die am Weihnachtsvorabend spielten, noch von dem Briten Alan Ayckbourn, aber Deutschland holt auf: Jetzt kommen sie von Roland Schimmelpfennig. Mit Wintersonnenwende hat er ein naturgemäß böses Wohnzimmer-Konversationsstück geschrieben, das Jan Bosse am Deutschen Theater naturgemäß ironisch in Szene setzt. Simone Kaempf berichtet.

München, 24. Oktober 2015: Eröffnung des Spielart-Festivals und Festivalübersicht

Außereuropäisches Theater steht am Wochendene im Fokus des Festivals Spielart, das mit Arbeiten von Dieudonné Niangouna aus Brazzaville, der britisch-libanesischen Künstlerin Tania El Khoury und Public Movement aus Tel Aviv eröffnet wurde. Michael Stadler berichtet.

Dortmund, 24. Oktober 2015: Horrorfilmer Jörg Buttgereit inszeniert Besessen

Man kann entweder von einer Sache besessen sein oder vom Teufel. Oder beides. Für jemanden wie den Horrorfilm-Spezialisten Jörg Buttgereit gilt vielleicht Letzteres, weshalb er jetzt in der Produktion Besessen die Dämonen der Filmgeschichte gleich schockweise austreiben lässt. Zeugin des Exorzismus war Sarah Heppekausen.

Stuttgart, 23. Oktober 2015: Frank Castorf mit dem Andrej-Platonow-Stoff Tschewengur

Frank Castorf ist im Ländle gelandet, dem Kernland des westdeutschen Wirtschaftswunders. Um den Schwaben die Revolution zu erklären? Er versucht es: mit Andrej Platonows Roman Tschewengur, für dessen satte Motive Aleksandar Deniç ein spektakuläres Bühnenbild baute. Für Verena Großkreutz lag sogar etwas Oper in der Luft.

Wien, 23. Oktober 2015: Andreas Kriegenburg zeigt Gorkis Wassa Schelesnowa

Andreas Kriegenburg ist ans Burgtheater zurückgekehrt, wo er vor anderthalb Jahrzehnten einmal Hausregisseur war. Mit im Gepäck: Wassa Schelesnowa, das kapitalismuskritische Generationendrama von Maxim Gorki. Die Bühne ist schon mal spektakulär, die Besetzung hochkarätig. Und sonst? Martin Pesl berichtet.

München, 23. Oktober 2015: Der Cassavetes-Remix Opening Night :: Alles über Laura

Wo Opening Night :: Alles über Laura draufsteht, steckt bei Bernhard Mikeska, Lothar Kittstein und Alexandra Althoff am Residenztheater natürlich John Cassavetes Film "Opening Night" drin. Aber auch ein paar Insider und Perspektivwechsel. Zu welchem Ende, weiß Sabine Leucht.

Winterthur, 23. Oktober 2015: Barbara-David Brüesch mit Endstation Sehnsucht

Tennessee Williams' Klassiker Endstation Sehnsucht ist, je nach Regiezugriff, Schmonzette, psychologisches Drama oder überdrehter Camp. In Winterthur entdeckt Barbara-David Brüesch darin das Kammerspiel. Kaa Linder war dabei.

Berlin, 19. Oktober 2015: Christopher Rüpings 100 Sekunden (wofür leben)

Mit Märtyrertoden kann unsere Gesellschaft nicht allzu viel anfangen. Christopher Rüping, einer der derzeit umworbensten Regisseure, hat sich trotzdem nicht abhalten lassen, in 100 Sekunden (wofür leben), seine Schauspieler*innen am Deutschen Theater tausend Tode (oder ein paar weniger) sterben zu lassen. Ist das noch Spaß, oder macht das schon Sinn? Mehr von Anne Peter.

Wien, 19. Oktober 2015: Thomas Bernhards Alte Meister von Dušan David Pařízek

Es geht immer noch verlogener und verheuchelter und gemeiner. In der Kunst, im Denken, überhaupt. Mit Furor sprachschwallt Thomas Bernhards Roman Alte Meister. Mit kühler Präzision holt Dušan David Pařízek ihn auf die Bühne des Volkstheaters. Theresa Luise Gindlstrasser erlebte einen Abend aus dem Geiste Samuel Becketts.

Bamberg, 19. Oktober 2015: Konstantin Küsperts Milieustudie Rechtes Denken

Das E.T.A.-Hoffmann-Theater hat mit Sibylle Broll-Pape eine neue Intendantin, und die mag's mutig. Mit Rechtes Denken von Konstantin Küspert hat sie am Auftakt-Wochenende eine nicht eben bequeme Uraufführung angesetzt, die ins Milieu "besorgter Bürger" hineinleuchtet. Wie's dort aussieht, weiß Rupprecht Podszun.

Zürich, 18. Oktober 2015: Barbara Frey rahmt Jon Fosses Meer gülden ein

Lange nichts gesehen vom norwegischen Sprachverlorenheits-Dramatiker und Welteinsamkeits-Lyriker Jon Fosse. Jetzt ist er zurück – womöglich ein letztes Mal Bühnenluft – zur deutschsprachigen Erstaufführung von Meer. Die inszeniert am Schauspielhaus Zürich die Chefin höchstpersönlich: Barbara Frey. Theater im Goldrahmen sah Christoph Fellmann.

München, 18. Oktober 2015: Mateja Koležniks gläserner Ödipus nach Sophokles

Einen steinigen Weg geht König Ödipus bis zur Erkenntnis, Mörder seines Vaters zu sein. Wie hinter Glas zeigt ihn Mateja Koležnik in ihrer Inszenierung von Sophokles‘ Drama am Residenztheater. Michael Stadler kamen Krimi-Assoziationen auf.

Hamburg, 18. Oktober 2015: Bastian Kraft verspiegelt Kushners Engel in Amerika

Tony Kushners Engel in Amerika ist ein Klassiker der Schwulen-Dramatik, aus den 1980ern, der Ära von Ronald Reagan und Aids. Bastian Kraft packt das Drama am Thalia Theater ins Video-Spiegelkabinett. Jens Fischer berichtet.

Nürnberg, 17. Oktober 2015. Das Orwell'sche 1984 von Christoph Mehler inszeniert

Was überwachungstechnisch heute möglich ist, übertrifft längst George Orwells Fanatasien. Der sprichwörtlich gewordene "Big Brother" aus dessen Roman 1984 ist heute eher der niedliche Bruder von NSA & Co. 2013 haben Robert Icke und Duncan Macmillan den berühmten Stoff mit großem Erfolg neu aufgemischt. Christoph Mehler inszenierte das Stück nun zuerst auf deutsch. Dieter Stoll berichtet.

Frankfurt/Main, 17. Oktober 2015: Jürgen Kruse rockt und rollt mit Leonce und Lena

Jukebox, Kronleuchter, schräge Figuren, Drugs & Rock'n Roll. Jawohl, wir sind bei Jürgen Kruse, der Georg Büchners berühmte Komödie Leonce und Lena am Schauspiel Frankfurt etwas tiefer gelegt hat. Mehr von Shirin Sojitrawalla.

Hamburg, 16. Oktober 2015: Shakespeares Sturm von Mona Kraushaar entfesselt

Dass der Zauberer Prospero in William Shakespeares letztem Werk Der Sturm ein Regisseur ist, der die Fäden zieht, ist keine ganz neue Idee. Aber eine, die Mona Kraushaar am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater konsequent durchzieht, ohne auf die Erwartungshaltung des Publikums zu setzen, findet Falk Schreiber – aber...

Berlin, 16. Oktober 2015: Der Kapitalismus-Grundkurs Monypolo von Prinzip Gonzo

Prinzip Gonzo, die mit ihrem Mitmach-"Spiel des Lebens" das nachtkritik.de-Theatertreffen 2015 gewannen, begeben sich in Monypolo auf die Spuren von Mexiko-Eroberer Hernán Cortés als Urbild des Kapitalismus – in Serie. Die kommt im Ballhaus Ost vorerst ohne Mitspiel-Option aus, wie André Mumot erfahren musste.

München, 15. Oktober 2015: Simone Stone inszeniert Rocco und seine Brüder

Premiere Nummer 4 der Intendanz Lilienthal an den Münchner Kammerspielen: Simon Stone nimmt sich Luchino Viscontis Filmklassiker Rocco und seine Brüder vor. Nach den diversen performativen und postdramatischen Parforceritten zuvor kommt es hier erstmals zu einer Konfrontation von Fleisch und Fleisch, tritt Körper gegen Körper an, gibt es Tränen und Blut, ja! und ... Mehr von Sabine Leucht.

Dresden, 11. Oktober 2015: Sebastian Baumgarten dekonstruiert Hebbels Nibelungen

Sebastian Baumgarten inszeniert Die Nibelungen nach Friedrich Hebbel. Pistolen, Zipfelmützen, Filmbilder. Und Russen. Die Russen sind in Dresden an allem schuld. Matthias Schmidt war begeistert, Matthias Schmidt war verärgert.

Linz, 11. Oktober 2015: Armin Holz ist wieder da, mit Familienfeste (1+2+3)

Am Landestheater spannt Armin Holz, ein Regisseur mit Ruch und Ruf, die Psychokisten Gespenster von Ibsen und Mrs Dalloway von Virginia Woolf zusammen. Dazu packt er die Dada-Operette Viktoria und ihr Husar. Anne Bennent spielt die Hauptrollen. Ein Event. Reinhard Kriechbaum ist nach Oberösterreich gefahren.

Heidelberg, 11. Oktober 2015: Viktor Bodó gibt Fahrenheit 451 feurig opernhaft

In Ray Bradburys Romanklassiker Fahrenheit 451 fackeln Feuerwehrleute die letzten Bibliotheken der Menschheit ab. Eine düstere Medienparabel, von Bildermagier Viktor Bodó als veritables Feuerwerk in Szene gesetzt, sagt Elisabeth Maier.

München, 11. Oktober 2015: Rabih Mroués Terroraufarbeitung Ode to Joy

Mit knackigen Medienreflexionen hat sich Rabih Mroué seinen Platz im Portfolio des neuen Kammerspiel-Chefs Matthias Lilienthal erspielt. Zum großen Auftakt der Lilienthal-Intendanz steuert er Lokalstoff bei: München, Olympische Spiele 1972. Ode to Joy (Ode an die Freude) heißt der Abend, den Cornelia Fiedler sah.

München, 10. Oktober 2015: Nicolas Stemann mit Der Kaufmann von Venedig

Der Stadtraum an der Isar ist fürs erste erkundet, jetzt geht's drinnen weiter. Erstmals hebt sich der Vorhang der Münchner Kammerspiele unter Neu-Intendant Matthias Lilienthal. Hausregisseur Nicolas Stemann stellt sich vor, mit Shakespeares finsterer Ausgrenzungsparabel Der Kaufmann von Venedig. Wie liest sich der antisemitisch eingefärbte Stoff in Zeiten der neuen Flüchtlingsbewegung? Tim Slagman weiß mehr.

Tübingen, 10. Oktober 2015: Der Flüchtlingskiller-Roman Abgesoffen am Landestheater

Schräger Kommentar zur Flüchtlingsdebatte: Einen Asylsuchenden pro Woche bringen zwei Auftragsmörder in Carlos Eugenio López Roman Abgesoffen um. Zur allgemeinen Abschreckung. Wie das Buch am Landestheater Tübingen auf die Bühne kommt, weiß Elisabeth Maier.

Zürich, 9. Oktober 2015: Sibylle Bergs Regie-Debüt How to sell a Murder House

Auch da, wo die Welt noch heile ist, ist sie schon kaputt – und die Schuld müssen wir jetzt bei uns selbst suchen. Diese Kunde ist von Sibylle Berg nicht neu, aber sie knallt sie uns mal wieder in neuer Form vor den Latz. How to sell a Murder House heißt das Stück, mit dessen Inszenierung Berg im Zürcher Theater Neumarkt ihr Regie-Debüt gegeben hat. Mehr von Valeria Heintges.

Kassel, 9. Oktober 2015: Thomas Bockelmanns Filmadaption Le Passé / Das Vergangene

Einen Dominoeffekt der Verzweiflungs-Akte hat Asghar Farhadi in seinem preisgekrönten Film Le Passé / Das Vergangene inszeniert. Im Staatstheater Kassel bringt Intendant Thomas Bockelmann den Stoff auf die Bühne. Wie das funktioniert, weiß Michael Laages.

Berlin, 8. Oktober 2015: Die Game-Theatermacher von machina eX mit Toxik im HAU

Game-Theater, das ist einer der heißesten Trends der letzten Jahre: Theater, bei dem die Zuschauer Rätsel lösen und über den Verlauf der Handlung mitbestimmen können. In Toxik am Berliner HAU schickt die Vorreiter-Gruppe auf diesem Feld, machina eX, das Publikumsteam zu "Twin Peaks"-Atmosphäre auf kriminalistische Spurensuche. Christian Rakow knobelte mit.

Frankfurt / Oder, 8. Oktober 2015: Der Mann aus Oklahoma von Lukas Linder

Lukas Linders Vater-Such-Stück Der Mann aus Oklahoma bekam erst den Kleist-Förderpreis für junge Dramatik und siegte dann beim Autorenwettbewerb des Heidelberger Stückemarktes. Regisseur Marc Lunghuß hat ihm in seiner Uraufführung, die jetzt im Kleist-Forum Frankfurt / Oder aufschlägt und dann nach Leipzig zieht, eine Schrillheitskur verpasst. Ob das gut getan hat, sagt Hartmut Krug.

Bochum, 5. Oktober 2015: Roger Vontobels Rose Bernd mit Jana Schulz

Eine Rolle für Leidenskundlerinnen: Die große Jana Schulz ist Rose Bernd, Titelfigur in Gerhart Hauptmanns Geschichte einer Kindsmöderin. Schulz' angestammter Regisseur Roger Vontobel hat einen tiefen Schluck Büchner genommen, Sascha Westphal begab sich gern in eine Welt unter leerem Himmel.

Berlin, 4. Oktober 2015: Ferdinand von Schirachs Terror am DT Berlin

Großer Gerichtstag mit Terror, dem Dramendebüt des Erfolgsautors Ferdinand von Schirach, auch in Berlin am Deutschen Theater. Die hiesige Uraufführung von Hasko Weber sah Dirk Pilz.

Bern, 4. Oktober 2015: Ulrich Rasches Kleist-Abschreitung Das Erdeben in Chili

Die Menschen sind böse. Die fortdauernde Erfahrung zeigt es. Oder aber: Der Mensch ist von Natur aus gut. In seiner berühmten Novelle Das Erdbeben in Chili hat Heinrich von Kleist diesen Widerspruch durchgespielt. Ulrich Rasche hat das faszinierende Exempel nun in eine radikale Form gebracht. Geneva Moser berichtet.

Wien, 4. Oktober 2015: David Bösch versüßt Werner Schwabs Die Präsidentinnen

Einundzwanzig Jahre nach dem Tod ihres Erfinders Werner Schwab sind Die Präsidentinnen endlich heilig beziehungsweise klassisch gesprochen. Und das, obwohl David Bösch die drei existenzialistischen Putzfrauen auf die Bühne des Akademietheaters brachte. Martin Pesl war vor Ort.

Hamburg, 4. Oktober 2015: Herbert Fritsch überdreht Sternheims Die Kassette

Noch nicht genug Herbert Fritsch-Dosis? Oder langsam die Nase voll an seinen Überdrehtheiten? Daran scheiden sich die Geister. Sicher ist, Fritsch kann immer noch eins drauflegen, jetzt mit Carl Sternheims Die Kassette am Schauspielhaus Hamburg. Mehr von Katrin Ullmann.

Dresden, 4. Oktober 2015: Simon Solberg inszeniert Rabenliebe von Wawerzinek

Der Ruf des Westens stärker als die Mutterpflicht? Auch das ist deutsch-deutsche Geschichte, die sich etliche Male abgespielte. Peter Wawerzinek hat in Rabenliebe autobiographisch den Verlust der Mutter beschrieben, die ihn und die Schwester im Osten zurückließ. Simon Solberg hat den Roman nun inszeniert. Mehr von Michael Bartsch.

Stuttgart, 3. Oktober 2015: Martin Laberenz' Inszenierung Die Möwe

In Anton Tschechows Die Möwe kreisen lauter Einsame um sich selbst – und das zuweilen hochnotkomisch. Zumindest bei Martin Laberenz in Stuttgart, der auf der schrägen Fläche einen Tanz um die tote Distel inszeniert und ausgerechnet den egozentrischen Schriftsteller Trigorin zur heimlichen Hauptfigur macht. Mehr von Steffen Becker.

Leipzig, 3. Oktober 2015: Enrico Lübbe mit Die Schutzflehenden /Die Schutzbefohlenen

Das Recht auf Asyl ist Jahrtausende alt: Schon Aischylos verhandelt es in Die Schutzflehenden. Elfriede Jelinek knüpft daran in hrer furiosen Anklage Die Schutzbefohlenen an. In Leipzig bringt Hausherr Enrico Lübbe beide Stoffe zusammen. Ob's funktioniert, weiß Tobias Prüwer.

Karlsruhe, 2. Oktober 2015: Avishai Milsteins Beziehungserkundung Love Hurts

Was erzählen uns deutsch-israelische Liebesbeziehungen über die deutsch-israelische Beziehung? Das fragt Avishai Milstein in Love Hurts in Karlsruhe mit einem deutsch-israelischen Ensemble. Von den Fronten zwischen Schweinerippchen und Schuldgefühlen erzählt Milstein mit eingängiger Situationskomik – durchaus zur Freude von Steffen Becker.

Berlin, 1. Oktober 2015: Ivan Panteleev inszeniert Peer Gynt als Liebhaberabend

Wenn Margit Bendokat und Samuel Finzi zusammen auf der Bühne stehen, dann lebt Gotscheff-Minimalismus auf! In Peer Gynt holt sie der Regisseur und einstige Gotscheff-Dramaturg Ivan Panteleev ins Dämmerlicht, wo sie richtig blühen können in eigener Zeit- und Räumlichkeit, mit wetterfestem Witz, feinen Gesten. Mehr über den Liebhaberabend von Christian Rakow.


Ältere Nachtkritiken finden Sie ebenso über die Suchfunktion, wie im Lexikon oder über den Menüpunkt Archiv.