Maedchen1 280 Christian Kleiner h"Mädchen in Not" © Christian KleinerMannheim, 27. Mai 2016

Jetzt neu: Der Puppen-Macho

Wie nur wenige Autor*innen der Gegenwart vermag Anne Lepper in die traurigsten Einsamkeitsecken der Spaßgesellschaft hineinzuleuchten, und das gelingt ihr immer wieder mit einem so grotesken wie hintergründigem Humor. Ihre neuste Expedition, am Nationaltheater uraufgeführt von Dominic Friedel, gilt Mädchen in Not, die sich lieber Sexpuppen als Boys ins Bett holen. Harald Raab ließ sich faszinieren.

Wien, 26. Mai 2016: Árpád Schillings Eiswind / Hideg szelek am Akademietheater

Was passiert, wenn westeuropäische Linksintellektuelle auf ungarische Nationalisten prallen? In einer engen Gebirgshütte? Árpád Schilling spielt das in seinem Stück Eiswind / Hideg szelek am Wiener Akademietheater durch. Veronika Krenn hat einen apokalyptischer Thriller erlebt, der einen nicht kalt lässt.

Würzburg, 26. Mai 2016: Terrorkind, Karsten Laskes Leonhard-Frank-Preisträger-Stück

Mit seinem Stück Terrorkind über eine Mutter, der der eigene Sohn fremd und eine unerträgliche Belastung ist, gewann Karsten Laske 2015 den Leonhard-Frank-Preis. Tim Stefaniak hat jetzt die Uraufführung im Mainfrankentheater mit zwei starken Frauen inszeniert. Mit dabei: Andreas Thamm.

Frankfurt, 26. Mai 2016: Die europäische Wildnis von Sascha Hargesheimer

Gestern hatte am Schauspiel Frankfurt Sascha Hargesheimers vielschichtiges Stück Die europäische Wildnis, eine Odyssee Premiere, in dem es u.a. um ertrunkene Flüchtlinge geht. Die Uraufführung durch Regisseurin Katrin Plötner in Recklinghausen vor zwei Wochen sah Gerhard Preußer.

Mülheim, 7. bis 26. Mai 2016: Stücke. Mülheimer Theatertage – zur Festivalübersicht.

Recklinghausen, 25. Mai 2016: Christain Lollikes Die lebenden Toten

Europa, das Splatter-Movie. In den Hauptrollen: Zombies von jenseits des Meeres und Konsum-Kids, medial Verseuchte, empathielose "Vampir-Aristokraten" diesseits der See. Den Schocker Die lebenden Toten hat Dänemarks Dramatikerhoffnung Christian Lollike ersonnen und Tilmann Köhler bringt ihn auf die Leinwand und die Bühne der Ruhrfestspiele. Zum Gruseln, sagt Andreas Wilink.

 

23. Mai 2016: Christian Stückl mit Goldonis Der Diener zweier Herren jetzt in Wien

Anfang Mai eröffnete er die Ruhrfestspiele, nun hat er in Wien am koproduzierenden Burgtheater Premiere gehabt: Christian Stückls Goldoni-Abend Der Diener zweier Herren – ein "liebevoll veranstaltetes Schauspielerfest" u.a. mit Markus Meyer, Andrea Wenzl, Peter Simonischek, befand in seiner Nachtkritik von der Premiere Martin Krumbholz.

Zürich, 22. Mai 2016: Großes Stadtprojekt mit Elfriede Jelineks Die Schutzbefohlenen

Spät wird Elfriede Jelineks Die Schutzbefohlenen in Zürich inszeniert, dafür aber mit voller Wucht: Fünf Häuser haben sich unter Federführung des Schauspielhaus Zürich zusammengetan und schicken die Zuschauer in ein, ja was eigentlich: Megaprojekt, Stadt-Bewanderung, Refugees-Lotto-Schicksalsgott-Befragung? Mehr von Valeria Heintges.

Mannheim, 22. Mai 2016: Volker Lösch inszeniert Aischylos' Die Schutzflehenden

Die Rücknahme der Willkommenskultur und die neuerliche Verschärfung des Asyl-Rechts müssen einen aktivistischen Regisseur wie Volker Lösch natürlich herausfordern. In Mannheim hat er mit gemischtem Chor Aischylos' Die Schutzflehenden inszeniert, Ralf-Carl Langhals sah die Premiere.   

Mainz, 22. Mai 2016: Traurige Zauberer von Thom Luz

Raum zu Klang machen, Klang wieder in Raum versetzen - in solchen Farbbereichen arbeitet Thom Luz. In Traurige Zauberer am Staatstheater Mainz wirft er einen melancholischen Blick in die Welt der Magie. Mehr von Alexander Jürgs.

Recklinghausen 22. Mai 2016: Der letzte Cowboy (Solitary Man) aus Gütersloh

Komm hol das Lasso raus! Christian Schäfer erzählt in Der letzte Cowboy (Solitary Man), einer Koproduktion des Theater Gütersloh mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen, die komische Geschichte eines traurigen Verlierers. Sascha Westphal hat mitgelitten. 

Cottbus, 22. Mai 2016: Mario Holetzeck inszeniert Hamlet

Hamlet-Inszenierungen sind Anzeiger für die künstlerische Leistungsfähigkeit eines Theaters. Dabei gehen sie meistens schief. In Cottbus hat Schauspieldirektor Mario Holetzeck den klassischen Stoff angenommen, Christian Rakow ist nach Osten gefahren.

Wien, 21. Mai 2016: Falk Richters Novität Cittá del Vaticano bei den Festwochen

  Einen Abend mit Wutmonologen, die den Zustand Europas so rasant zusammenfassen, dass man sie schon nach der morgigen Präsidentenwahl in Österreich wird überarbeiten müssen: Für seinen neuen Abend Cittá del Vaticano, der am Schauspielhaus Wien im Rahmen der Festwochen herauskam, hat Falk Richter wieder mit Nir de Volff zusammengearbeitet. Mehr von Martin Pesl.

Köln, 21. Mai 2016: Roger Vontobel setzt sich mit Ein Volksfeind auseinander

Henrik Ibsen hat das Dilemma schon 1882 in Ein Volksfeind durchschaut: dass es sich beim Repräsentationsmodell der Demokratie um eine kaum praxistaugliche Utopie handelt. Am Kölner Schauspiel ging Roger Vontobel zu Werke. Ulrike Gondorf sah zu.

Berlin, 21. Mai 2016: Sorry von Monster Truck

Ein dicker weißer Mann, ein kleiner afrikanischer Junge und viel Schokolade: Sorry, die neue Unternehmung der Performancegruppe Monster Truck. In den Sophiensälen dabei: Michael Wolf.

Magdeburg, 20. Mai 2016: Das Festival Wilder Osten. Ereignis Ukraine

Vor 30 Jahren war Tschernobyl, vor 2 Jahren Euromaidan, gerade eben ESC. Endlich wieder ein bisschen Aufmerksamkeit für die Ukraine. Zu wenig natürlich. Für das, was in dem Land los ist, los war. Das Theater Magdeburg zeigt mit Wilder Osten. Ereignis Ukraine jetzt ein ganzes Festivals mit Gastspielen und Neuproduktionen ukrainischer Regisseure. Am Eröffnungstag hörte Matthias Schmidt MG-Salven durchs Theaterfoyer dröhnen.

Recklinghausen, 16. Mai 2016: Migranten Amara terra mia bei den Ruhrfestspielen

Die Deutschen lernten von ihnen, wie man Spaghetti isst. Sie selbst blieben fremd, standen in der Freizeit oft in Bahnhofshallen herum: Migranten aus Italien, in der alten BRD lange "Gastarbeiter" genannt. Dieses Teils der deutschen Nachkriegsgeschichte hat sich Amara terra mia / Mein bitteres Land bei den Ruhrfestspielen angenommen. Mehr von Martin Krumbholz.{/sliders

Brüssel, 15. Mai 2016: Five Easy Pieces von Milo Rau beim Kunstenfestival

Heute noch können belgische Kinder die Verbrechen des Marc Dutroux, der in den frühen neunziger Jahren mehrere minderjährige Mädchen entführte und missbrauchte, en Detail rekapitulieren. Warum? Five Easy Pieces von Milo Rau lotet die Abgründe des Erzählen-Wollens aus und hatte Premiere beim Kunstenfestival – von dort berichtet Lena Schneider.

Wien, 15. Mai 2016: Signa mit Wir Hunde / Us Dogs bei den Festwochen

Wenn Signa in einen verfallenen Altbau einladen, dann weiß man als erfahrene*r Zuschauer*in: Es wird dauern, man wird vor unangenehme Entscheidungen gestellt werden. Keine Überraschungen in diesen Hinsichten bei Wir Hunde / Us Dogs bei den Festwochen; welche Form die immersive Zivilisations-Perversions-Erkundung diesmal annahm, schreibt Eva Biringer.

München, 14. Mai 2016: Nuran David Calis mit Die 40 Tage des Musa Dagh

Einen äußerst spannenden Roman hat Franz Werfel aus der wahren Geschichte der Armenier gemacht, die sich 1915 vor dem Genozid an ihrem Volk durch die Türken auf einem Berg verschanzten. Nuran David Calis hat Die 40 Tage des Musa Dagh am Residenztheater zurückübersetzt in die Realität, eine Collage aus Gesuchtem und Gefundenem aus dem (zur Zeit viel gespielten) Stoff gemacht, schreibt Petra Hallmayer.

Bochum, 14. Mai 2016: Daniela Löffner inszeniert Klaus Manns Mephisto

Wer Klaus Manns Mephisto auf die Bühne (oder auch auf die Leinwand) bringen will, steht vor der Herausforderung, einen großen Schauspieler zeigen und ihn zugleich als Mitläufer denunzieren zu müssen. Wie gut gelingt das in Daniela Löffners neuer Inszenierung, Andreas Wilink?

Ingolstadt, 14. Mai 2016: In meinem Alter rauche ich ... von Rayhana

Auf dem Weg zur Pariser Premiere ihres Stücks In meinem Alter rauche ich immer noch heimlich ist die algerische Autorin Rayhana nur knapp einem Brandanschlag entgangen. Was zeigt, wie schwierig die Selbstthematisierung der Frauen im Islam nach wie vor ist. Wie das Stück in Ingolstadt wirkte, weiß Christian Muggenthaler.

Linz, 14. Mai 2016: Das Wasser im Meer von Christoph Nußbaumeder uraufgeführt

Zu seinem Abschied vom Landestheater Linz hat Intendant Gerhard Willert sich ein Stück von Christoph Nußbaumeder gewünscht – und Das Wasser im Meer bekommen, eine Versuchsanordnung über die Vererbbarkeit von Vergangenheit. Von der Uraufführung berichtet Veronika Krenn.

Berlin, 13. Mai 2016: Sebastian Hartmann inszeniert am DT Berlin Alexanderplatz

Da ist er wieder, der Großbildbauer und Langabendinszenierer Sebastian Hartmann: Am Deutschen Theater in Berlin erzählt er über viereinhalb Stunden Alfred Döblins Roman Berlin Alexanderplatz als totentänzerische Passionsgeschichte, assoziationsweit, voller biblischer Ikonographie, aber auch ziemlich komisch. Und mit tollem Ensemble. Mehr von Hartmut Krug.

Basel, 13. Mai 2016: Melancholia von Sebastian Nübling/Ives Thuwis

Werde ich jemals so schön und gut wie mein Instagram-Profil? Das bewährte Duo Regie-Choreographen-Duo Sebastian Nübling und Ives Thuwis stellen mit Melancholia am Jungen Theater Basel die großen, traurigen Fragen des Lebens. Christoph Fellmann ließ sich anrühren.

München, 13. Mai 2016: Stefan Pucher inszeniert América von T.C. Boyle

Gerade erst gastierte sein Multimedia-Modellstadt-"Volksfeind" beim Theatertreffen in Berlin, jetzt bringt Stefan Pucher an den Münchner Kammerspielen seine Adaption von T. C. Boyles Roman América um mexikanische Illegale und eine Gated Community heraus. Donald Trump ist auch mit von der Partie. Und wie war's, Tobias Krone?

Linz, 13. Mai 2016: Uraufführung – Werther lieben von Thomas Arzt

Liebe ist schön, aber schwer zu finden. Und weh tut sie. Und meistens geht eh was schief – also alles. Am Theater Phönix in Linz wurde Werther lieben von Thomas Arzt unter der Regie von Johannes Maile uraufgeführt: Ein Abend über die Liebe und ihr Scheitern. Theresa Luise Gindlstrasser hat mitgelitten.

Recklinghausen, 12. Mai 2016: Ruhrfestspiele – Die europäische Wildnis, eine Odyssee

Ein Politiker reist ans Mittelmeer, um drei tote deutsche Segelverunfallte nach Hause zu holen, beweint nach Leichensackvertauschung aber versehentlich drei ertrunkene Geflüchtete. So geht einer der Erzählstränge in Sascha Hargesheimers vielschichtigem Stück Die europäische Wildnis, eine Odyssee. Wie Regisseurin Katrin Plötner das bei den Ruhrfestspielen mit heiter unernstem Spiel kontrastierte, beschreibt Gerhard Preußer.

Stuttgart, 8. Mai 2016: Robert Borgmanns / Peter Kurths Tod eines Handlungsreisenden

In Tod eines Handlungsreisenden schildert Arthur Miller einen amerikanischen Alptraum, demonstriert an einer absteigenden Mittelschichtsfamilie. Robert Borgmann verortet ihn in Stuttgart auf einer leeren Bühne, auf dem nur der Vorhang schwankt. Ihr Zentrum: Peter Kurths Willy Loman. Zur Freude von Verena Großkreutz.

Mainz, 8. Mai 2016: Jan-Christoph Gockels Macbeth-Neulektüre 

Ölfässer, Müllsäcke, ein schmelzender Eisblock – Untergangsstimmung in der Macbeth-Inszenierung von Jan-Christoph Gockel. Der egoistische Machtkampf des Titelhelden wird zum Final Countdown der Menschheit. Geht das auf, Marcus Hladek?

Bremerhaven, 8. Mai 2016: Yassin Musharbashs Thriller Radikal 

Bombenattentat auf Fernseh-Magazin. Muslim-freundlicher Politiker tot. Radikal heißt der Thriller von Yassin Musharbash. Die Bühnenversion inszenierte Paul-Georg Ditttrich. Tim Schomacker sah die Premiere.

Recklinghausen, 8. Mai 2016: Zawaya. Zeugnisse der Revolution, Ruhrfestspiele

In Shadi Atefs Zawaya. Zeugnisse der Revolution erzählt die ägyptische Gruppe Compagnie El Warsha vom Ägypten während des Arabischen Frühlings. Die Deutschlandpremiere während der Ruhrfestspiele sah Stefan Keim.

Mülheim, 8. Mai 2016: Übersicht zum Mülheimer Dramatikerpreis

An der Ruhr begann die 41. Ausgabe des Festivals Stücke mit The Situation vom Gorki Theater Berlin. Es geht um den Mülheimer Dramatikerpreis. Hier die Übersicht für die ganze Stücke-Sause.

Detmold, 7. Mai 2016: Dantons Tod am Landestheater Detmold

Martin Pfaff beweist, dass uns Büchners Stück noch etwas zu sagen hat. Mehr noch: Sein Danton am Landestheater Detmold schafft es nicht nur zum Publikum zu sprechen, sondern sogar mit ihm zusammen. Zur Freude von Sascha Westphal.

Berlin, 6. Mai 2016: Michael Thalheimers Wallenstein an der Berliner Schaubühne

Mit stählerner Faust wuchtet Michael Thalheimer Friedrich Schillers dreiteiliges Militärdrama auf die Bretter der Schaubühne am Lehniner Platz. Wie hoch die Späne flogen, weiß Dirk Pilz.

Jena, 6. Mai 2016: Ivar van Urks Macbeth in Jena

In einer Zeit, in der Plakatwände das Soldatenleben wieder als Pfadfinderidylle verkaufen wollen, kommt Shakespeares blutiger Macbeth gerade recht. Besonders, wenn man ihn wie Ivar van Urk in Jena angeht, meint Tobias Krone.

Essen, 5. Mai 2016: Forced Entertainment mit der Game-Show Real Magic

Forced Entertainment sind wieder da! Forced Entertainment sind wieder da! Forced Entertainment... Real Magic, uraufgeführt im Pact Zollverein, ist eine telepathische Game-Show mit Sprung in der Platte. Und mit traurigem Ausgang; es gibt nämlich nur Verlierer*innen. Trotzdem ist Sascha Westphal tief beeindruckt.

Berlin, 5. Mai 2016: René Polleschs I love you, but... mit echtem Dope

Den Titel hat er von Twitter: I love you, but I've chosen Entdramatisierung heißt das neue Stück von René Pollesch für die Volksbühne Berlin, in dem viel gekifft wird. Das Gras hat er vielleicht aus dem Görlitzer Park. Oder aus der Hasenheide. Das ist aber auch egal, denn es geht ja um den Effekt. Mehr von Anne Peter.

Zürich, 5. Mai 2016: Video-Bastler Bastian Kraft denkt Max Frischs Andorra weiter

In Max Frischs Andorra bleibt der Außenseiter der Außenseiter, der jüdische Ziehsohn der jüdische Ziehsohn. Von diesen Zuschreibungen lässt niemand ab, auch wenn andere Wahrheiten ans Licht kommen. Bastian Kraft hat Frischs Drama am Schauspielhaus Zürich inszeniert, mehr von Geneva Moser.

Berlin, 3. Mai 2016: Claus Peymanns Handke-Uraufführung Die Unschuldigen...

Claus Peymann übernimmt wieder mal die Uraufführung eines Stücks von Peter Handke. Ein maßloses Textkonvolut namens Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße. Zeigen sie es noch mal allen? Gestern war am Berliner Ensemble Premiere. Die Co-Produktion mit dem Burgtheater sah Leopold Lippert in Wien.

Mainz, 2. Mai 2016: Cult beim Int. Performancefestival in Mainz

Früher konnte man in den Holzpulten westdeutscher Universitäten den schönen Spruch "Kapilismus muss putt, aber nell, nell" lesen. Der Performer Georg Bütow hat sein Stück Cult zu diesem Spruch erarbeitet. Alexander Jürgs hat es sich angeschaut.

Bremen, 1. Mai 2016: Kleists Familie Schroffenstein unversöhnt

Zwei rivalisierende Clans, ein Liebespaar. (Shakespeare gerade 400. Todestag gehabt). Romeo und Julia!? Nein. Die Familie Schroffenstein. Von einem anderen großen Toten: Heinrich von Kleist. In seiner Inszenierung am Theater Bremen hat Alexander Riemenschneider den Kleist-Figuren jede Hoffnung auf ein Ende der Gewalt ausgetrieben, schreibt Jens Fischer.

Greifswald, 1. Mai 2016: Donizettis Don Pasquale multimedialisiert von Klaus Gehre

Geld UND Liebe wollen Ernesto und Norina, die Protagonist*innen von Gaetano Donizettis Opera Buffa Don Pasquale. Sie wollen also quasi sein wie – Kim Kardashian und Kanye West. Oder wie – Barbie und Ken. Letztere tauchen dann auch auf in Klaus Gehres multimedial modernisierender Inszenierung des Stoffs am Theater Vorpommern – von der Hartmut Krug berichtet.

Köln, 30. April 2016: Angela Richter geht über die Silk Road ins Darknet

Darknet, Assange, Snowden. Regisseurin Angela Richter dekliniert in ihrer neuen Arbeit Silk Road am Schauspiel Köln durch, was im Internet fernab von Google und Facebook, sozusagen auf der dunklen Seite, passiert. Was es zu lernen gab, was Edward Snowden sagt, und was Marshall McLuhan zu dem Ganzen gesagt hätte, weiß Martin Krumbholz.

Wien, 30. April 2016: J. Pommerats Die Wiedervereinigung der beiden Koreas

Regisseur Peter Wittenberg blickt in Die Wiedervereinigung der beiden Koreas am Burgtheater epsiodenhaft auf die Liebe zwischen Mensch und Mensch. Was man dabei erfährt und was der Dramatiker Joël Pommerat mit Woody Allen gemeinsam hat, weiß Martin Thomas Pesl.

Bregenz, 30. April 2016: Jeder gegen jeden vom aktionstheater ensemble

Der wohlgeformte Dialog ist längst nicht mehr unabdingbarer Bestand des Dramas. Das legt das Wiener aktionstheater ensemble in Jeder gegen jeden offen, uraufgeführt bei den Bregenzer Festspielen. Hier schimpft der Mensch, und das im giftigsten Wienerisch. Mehr von Thomas Rothschild.

Heidelberg, 30. April 2016: Eröffnung des Stückemarkts mit Der Mann aus Oklahoma

Der Heidelberger Stückemarkt eröffnete gestern mit dem Der Mann aus Oklahoma von Lukas Linder. Zur Nachtkritik auf unserem im Auftrag des Theaters Heidelberg erstellten Festivalportal.

Zürich, 29. April 2016: Sandra Hüller spielt Bilder deiner großen Liebe am Neumarkt

In Wolfgang Herrndorfs letztem Roman Bilder deiner großen Liebe steht Isa, das Mädchen aus "Tschick", im Zentrum. Eine, die mit "den Sternen wandert" und den Mond in den Himmel zurückschiebt. In Tom Schneiders Regie oszilliert diese Lebens-Domptage zwischen barockem Rezitativ und Rockkonzert, scheint der Text der grandiosen Sandra Hüller auf den Leib geschrieben. Mehr von Kaa Linder.

Heidelberg, 24. April 2016: Flüchtlingsfragen in Azas'/Tsinikoris' Stadt Land Flucht

Ein Aufblas-Sofa in Schlauchboot-Optik? Kein schlechtes Statement gegen das schlechte Gewissen der Flüchtlingsfragen. In Stadt Land Flucht begegnen Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris dem Gift, das die Debatten durchdringt mit fröhlichem Zynismus. Steffen Becker war vor Ort.

Potsdam, 24. April 2016: Alexander Nerlich zeigt einen fantastischen Peer Gynt

Trolle, Teufelsfiguren, schwarze Luftmatratzen auf dunkler Bohlen-Bühne.  Am Hans Otto Theater zeigt Alexander Nerlich Henrik Ibsens frühes Drama Peer Gynt mit großartigem Protagonisten als schwarz-romantische Fabel. Christian Rakow ließ sich ergreifen.

Zürich, 24. April 2016: Herbert Fritsch fragt: Who is afraid of Hugo Wolf?

Er ist der Inbegriff des deutschen Kunstliedes des 19. Jahrhunderts: der Komponist Hugo Wolf, dessen Werk sich Herbert Fritsch in seinem neuen Abend zur Brust nimmt: Who is afraid of Hugo Wolf? Andreas Tobler bekommt keine Antwort.

Wiesbaden, 24. April 2016: Tilo Nest mit Puppenstube von Lilian Hellman

Die Wiederentdeckung der amerikanischen Dramatikerin Lillian Hellman geht weiter. Nach ihren "Little Foxes" ist jetzt das Südstaaten-Stück Puppenstube auf dem Spielplan. Tilo Nest hat es inszeniert, Shirin Sojitrawalla sah gestern die Premiere.

Düsseldorf, 24. April 2016: subbotnik mit Wenn ich was hören will, muss ich aufs Dach

Es gibt eine Tradition feinen Theaterhumors, die schönste Ergebnisse zaubert, wenn man in Restaurants, Zügen, U-Bahnen oder auf der Straße Töne aufnimmt und daraus Szenen entwickelt. Wie subbotnik es tat für Wenn ich was hören will, muss ich aufs Dach am FFT Düsseldorf. Mehr von Stefan Keim.

Münster, 24. April 2016: Dominique Schnizer mit Enron von Lucy Prebble

Die betrügerische Pleite der Energiefirma Enron 2001 war ein Fanal. Die Finanzkrise folgte. Lucy Prebble hat aus dem Enron-Bankrott ein Stück gemacht, Dominique Schnizer inszenierte eine Satiriade, über die Gerhard Preußer nachdenkt.

Frankfurt, 23. April 2016: Der alte Affe Angst vertheatert von Ersan Mondtag

Ersan Mondtag gehört zu den Shootingstars unter den jungen Regisseuren mit seinen Arbeiten an der Schwelle zur Installation und bildenden Kunst. Jetzt hat er sich in Frankfurt Oscar Roehlers Beziehungsfilmdrama Der alte Affe Angst vorgenommen, in dem ein Paar quälend zerbricht. Alexander Jürgs ist beeindruckt.

Berlin, 23. April 2016: Stephan Kimmig mit Houellebecqs Unterwerfung am DT

Michel Houellebecqs Roman Unterwerfung ist knallhart auf Kassandra-Ruf gepolt von wegen Islamisierung des Abendlandes. Und munter von den Theatern auf die Bühnen geknallt von wegen großer Debattenstoff. Am DT Berlin besorgt den Job Stephan Kimmig – im Krankenhausambiente, wie Sophie Diesselhorst berichtet.

Göttingen, 23. April 2016: Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft

Die Landschaft ist tot, nur die Erinnerung lebt. Swetlana Alexijewitsch hat Menschen zu ihrem Leben nach und mit Tschernobyl befragt. Die Berichte inszeniert Peer Ripberger in Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft mit eindrucksvoller Diskretion. Mehr von Valerie Schaub.

Hamburg, 22. April 2016: Romeo Castelluccis Bildermusiktheater La Passione

Der italienische Großmeister Romeo Castellucci ist berühmt für seine Überwältigungsästhetik, für Bilder, die wehtun. In den Hamburger Deichtorhallen inszeniert er für die Staatsoper jetzt Bachs "Matthäus-Passion" als La Passione in einem White Cube – und entwickelt still mehrdeutige Bilder um Krankheit, Zerstörung, Tod, die fast unerträglich mit Bedeutung aufgeladen sind. Falk Schreiber war beeindruckt.

München, 21. April 2016: Nora Abdel-Maksouds Sie nannten ihn Tico am Volkstheater

Nora Abdel-Maksoud ist nicht nur als Akteurin am Berliner Gorki Theater ein Humorhurrikan. Sie fegt auch als Regisseurin und Autorin mächtig durch. Bei "Radikal jung" 2015 in München sorgte sie mit der Mediensatire "Kings" für Furore. Jetzt bringt sie ihr country-inspiriertes Roadmovie Sie nannten ihn Tico am Münchner Volkstheater heraus – ein Hirntotenschein für Deutschland. Petra Hallmayer nahm ihn in Empfang.

Hannover, 17. April 2016: Martin Laberenz inszeniert die Brüder Karamasow

Olle Dostojewskij hat in deutschen Theatern schwer Konjunktur. Ist Castorf schuld und die allgemeine Ratlosigkeit. Jetzt hat sich Martin Laberenz in Hannover auf die Brüder Karamasow geworfen. Oder sie sich auf ihn? Alexander Kohlmann hat nachgeschaut – und ist am Ende trotz fünfeinhalbstündiger Strapaze ziemlich überzeugt von der Angelegenheit.

München, 17. April 2016: Elfriede Jelinek und Nicolas Stemann packt die Wut

Elfriede Jelinek hat ihr neues Stück Wut kurz nach den Pariser Anschlägen auf "Charlie Hebdo" und den jüdischen Supermarkt geschrieben. Den Chor bevölkern diesmal Terroristen, Flüchtlinge, AfDler. Bei Nicolas Stemann dürfen aktuelle Anspielungen wie auf die Causa Böhmermann natürlich nicht fehlen. Wie war's, Sabine Leucht?

Hamburg, 17. April 2016: Lars Ole-Walburg nimmt die Tram zur Endstation Sehnsucht

"Stimmig, spannend, manchmal krass." So urteilt eine fiktive Schulklasse über Endstation Sehnsucht am Thalia Theater. Wie viel inhaltliche Relevanz Lars-Ole Walburgs Inszenierung tatsächlich besitzt, weiß Falk Schreiber.

Leipzig, 17. April 2016: Matthias Matschke befindet mit Milgram: Germans are different

Einer der Großwesire aus dem Reich des Lächelns ist nach Leipzig gegangen, um mit dem Publikum ein wenig Humor und Strenge einzuüben: Matthias Matschke – einst Marthaler-Komödiant an der Volksbühne, heute TV-Comedian – is back on stage. Was bei Germans are different herausgekommen ist, wiegt Christian Rakow.

Oldenburg, 17. April 2016: Rocko Schamoni öffnet exklusiv Fünf Löcher im Himmel

Eine Kneipe, ein Sportwagen, ein Leben im Rückspiegel. Rocko Schamoni inszeniert sein Fünf Löcher im Himmel in Oldenburg, der eigentliche Star des Abends ist aber ein Punkrocker im Federkleid. Ob er die Chose zum Fliegen brachte, sagt Tim Schomacker.


Ältere Nachtkritiken finden Sie ebenso über die Suchfunktion, wie im Lexikon oder über den Menüpunkt Archiv.