Erhabener Unsinn, ausgekochte Systemkritik

20. November 2010. Der Kassler Literaturpreis für Grotesken Humor geht im Jahr 2011 an den Berliner Schriftsteller und Künstler Thomas Kapielski. Den Förderpreis für Komische Literatur erhält der in Berlin lebende Dramatiker Jan Neumann. Das teilt die Stiftung Brückner-Kühner mit, die den Preis der Stadt Kassel gestiftet hat.

Der "Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor" ist mit 10.000 Euro dotiert und wird seit 1984 Schriftstellern zugesprochen, deren Werk sich auf hohem künstlerischen Niveau durch Humor, Komik und Groteske auszeichnet. Der diesjährige Preisträger ist Herbert Achternbusch. Der parallel vergebene und mit 3000 Euro dotierte "Förderpreis Komische Literatur" existiert seit 2004.

Die Prosa des 1951 geborenen Thomas Kapielski mische funkelnde Aphorismen mit bösen Kalauern, Prunkdiktion und Alltagssound, erhabenen Unsinn mit rhetorisch ausgekochter Systemkritik, wird die Preisvergabe begründet. "Höchst vergnüglich verteidigt er so Intellekt, Phantasie und Leidenschaftlichkeit gegen den allgemeinen Andrang von Verflachung und Überdruss." Die faszinierenden Theatertexte des 1975 geborenen Jan Neumann stellten sich einem Zeitalter, das sich in fundamentaler Verwirrung glaubt, auf eine kritische, moralische und dennoch unterhaltsame Weise. In jüngeren Stücken wie Fundament träfen, so der Begründungstext, fein gezeichnete Charaktere aufeinander. Auf grobe Situationskomik folgten berührende Szenen und "verbinden sich zu einem turbulenten Spiel auf der Schwelle zwischen dem Erhabenen und dem Lächerlichen."

Die Preisverleihung findet am 26. Februar 2011 im Kasseler Rathaus statt und wird das 5. Kasseler Komik Kolloquium, ein einwöchiges Festival zum Komischen in der Sprachkunst der Brückner-Kühner-Stiftung eröffnen, die 1984 vom Schriftstellerpaar Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner ins Leben gerufen wurde.

(sle)

 

 

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