Dienstag, 25. November 2014

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Presseschau vom 20. Juni 2012 – Die Frankfurter Rundschau über den Streit um das Frankfurter Intendantengehalt

240.000 plus x

20. Juni 2012. "In Zeiten des Sparens ist diese Gehaltserhöhung vollkommen abstrus", zitiert Claus-Jürgen Göpfert in der Frankfurter Rundschau (18.6.2012) den finanzpolitischen Sprecher der Linken in Frankfurt, Lothar Reininger. Es geht um das Gehalt des Intendanten Oliver Reese, dessen Vertrag soeben verlängert wurde.

 "Nach dem vertraulichen Beschluss des Magistrats, der der FR vorliegt, beträgt die Jahresvergütung des 47-Jährigen derzeit noch 200.000 Euro." Das Gehalt des Intendanten solle nun mit dem neuen Vertrag schrittweise bis 2017 auf 240.000 Euro ansteigen. Außerdem bekomme Reese jährliche zwei eigene Inszenierungen zugesichert, die an der Hauptspielstätte mit 25.000, an Nebenspielstätten mit 17.000 Euro vergütet werden. Zuvor sei es nur eine Inszenierung zu 17.000 Euro gewesen.

Dagegen regt sich nun Widerstand auch in der SPD. "Wir halten eine Gehaltsanhebung in diesem Ausmaß für völlig unangemessen", wird der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling zitiert. In Zeiten des Sparens sei diese Gehaltserhöhung abstrus, besonders angesichts der Sparmaßnahmen, die mit den Tariferhöhungen den Bühnen aufgebrummt werden.

Reese verteidigt sich in der FR, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen würden und sein Gehalt nicht zu Lasten der Kulturszene gehe. Außerdem habe er seinen Vertrag vor dem Tarifabschluss verhandelt. "Wir sind kein Problem, sondern wir schreiben gerade die größte Erfolgsgeschichte seit Jahrzehnten", wird Reese zitiert.

Immerhin verdient er laut FR fast dreimal so viel wie das Stadtoberhaupt: OB Peter Feldmann bekommt nur 90.000 Euro von der Stadt.

(Frankfurter Rundschau / mw)




Kommentare (57)

1. Intendantengage: Augen auf bei der Berufswahl
...wenn man bedenkt, dass die differenz zwischen der alten und der neuen jahresvergütung schon das durchschnittliche jahreseinkommen eines schauspielers übersteigt, sage ich nur augen auf bei der berufswahl
nadine , 20. Juni 2012 - 11:28 Uhr
2. Intendantengage: Und dann Sozialkritik üben
viel zu viel. so ein wahnsinn. mehr als das 12 fache gehalt eines schauspielers! diese feudalen zustände in den stadt und staatstheatern müssen endlich aufhören! und dann verlogen sozialkritischen kram auf die bühne bringen.
bitte das honorar halbieren und an die schauspieler verteilen.
kirillov , 20. Juni 2012 - 12:06 Uhr
3. Intendantengage: Der eigentliche Skandal
Der eigentliche Skandal ist der, dass Reese trotz seiner wenig erfolgreichen Inszenierungen - siehe insbesondere die Kritiken zu Hamlet - zwei Regietaten pro Spielzeit an einem solchen Haus zugesichert bekommt. Das diskreditiert ihn natürlich als künstlerischen Leiter. Aber wenn es so einfach ist, es sich bequem zu machen, würde ich es auch tun. Der Politik geht es sowieso nur um Geld, Auslastungszahlen und ein wenig Sektschlürfen.
ohweh , 20. Juni 2012 - 12:52 Uhr
4. Intendantengage: Reese ein gehobener Kulturmanager?
Ich liebe ja diese Äpfel-und-Birnen-Vergleiche. Ist Reese jetzt eine staDTliche Williams-Christ-Birne, wogegen seine Schauspieler nur wurmstichige Bosköppe sind? Mit einem solchen Vertrag in der Tasche kann man natürlich nur Erfolgsgeschichte schreiben. Dass da jetzt einige Politiker im Stadtparlament vor Neid erblassen, ist mir völlig klar. Nun ist das ja ein Gehalt und kein Honorar und es gehen noch jede Menge Steuern davon ab. Es dürften aber schätzungsweise dennoch etwas über 10.000,00 € im Monat übrig bleiben, das ist immer noch ca. das Doppelte des angegebenen Politikergehalts. Ob das angemessen ist, kann nur eine bundesweite Offenlegung der Intendanten-Gehälter zeigen. In der Wirtschaft findet man die Spitzen-Managergehälter als unmoralisch bis pervers. Kann man Reese eigentlich als einen gehobenen Kulturmanager betrachten?
Stefan , 20. Juni 2012 - 13:09 Uhr
5. Intendantengage: Zwei Aufgaben in Vollzeit?
Vor allem das Zusatzendgeld für die Inszenierungen am eigenen Haus stimmt nachdenklich, weil er in dieser Zeit doch überhaupt nicht VOLLZEIT seine Aufgaben als Intendant wahrnehmen kann. Da sollten doch 17000€ im Monat schon für beide Aufgaben genügen. Und die beispielslose Erfolgsgeschichte kann ich in Frankfurt auch nicht sehen, ein eigenes Profil hat das Haus nicht, sondern ist der typische Gemischtwarenladen eines Management-Intendanten ohne eigene Haltung oder Position.
J.A. , 20. Juni 2012 - 13:12 Uhr
6. Intendantengage: Wer die Erfolge wirklich sichert
Anbei ein kleiner Vergleich: auch an den großen Staatstheatern wird Anfängern (Schauspielern, Assistenten, Dramaturgen usw.) in der Regel ein Einstiegsgehalt von 1650 Euro Brutto gezahlt, das die ersten Jahre wenig bis gar nicht steigt. Von den Größenordnungen bei Honorarverträgen für Anfängerregisseure und -autoren ganz zu schweigen, die gehen für kleine Produktionen von 2-4 Wochen Probenzeit durchaus mal mit 1000 Euro nach Hause. ("Sie können ja froh sein, dass sie eine Chance bekommen, hier zu arbeiten.") Ich kann mich kirillov bezüglich der feudalen Zustände nur anschließen, würde das aber auf viele Berufsfelder im Theater ausweiten wollen. Es geht nicht um die Diskussion des Einführens von Einheitsgehältern, sondern darum, endlich auch an den Stadt- und Staatstheatern einen sozialverträglichen Umgang mit Mitarbeitern und Künstlern statt Ausbeutung, gerade auf dem Rücken der Jungen, zu pflegen. Um nicht alle über einen Kamm zu scheren: Ausnahmen gibt es da sicher. Aber diese Gehaltserhöhung ist ein Schlag ins Gesicht jener, die, festangestellt oder freischaffend, mit viel Selbstaufopferung am Existenzminimum lebend, den Theatern und Intendanten mit ästhetischer und inhaltlicher Frische und Mut ihre "Erfolge" sichern.
Anmerkerin , 20. Juni 2012 - 13:17 Uhr
7. Intendantengage: keine Tabus
282.000 Euro. In einem Jahr. Für Oliver Reese. Wahnsinn! Wofür genau bekommt er diese Kohle? Weil er andernfalls die Sparpläne der Stadt Frankfurt nicht mitgetragen hätte?
Das ist ja nun leider das Geschmacklose, dass Reese seine eigene Gehaltsmultiplikation mit dem selben Federstreich unterzeichnet hat, mit dem er in die millionenschwere Budgetkürzung seines Theaters durch die Stadt Frankfurt einwilligt. Noch vor einer Woche wurde er zitiert, Einsparungen gebe es dann eben "auch beim Personal - es gibt keine Tabus"!
Ha ha!
Silke Bodelschwingh , 20. Juni 2012 - 15:02 Uhr
8. Intendantengage: Wagenburgmenatlität
es ist einfach ein durch und durch ungerechtes system, in dem intendanten zu ihrem eigenen leidwesen in den status von sonnenkönigen versetzt werden - eine kritikfreie blase, die nichts mit künstlerischer unabhängigkeit, aber sehr viel mit feudalismus zu tun hat. daraus entstehen keine interessanten entwicklungen sondern wagenburgmentalität, bei der die schauspieler als stumme masochisten herangezogen werden. es will mir nicht in den kopf, dass klassengesellschaftliche zustände wie aus dem brecht-stück, gute kunst ermöglichen sollen. der politische gehalt einer arbeit liegt doch ganz entscheidend in ihrer herstellungsweise begründet - deshalb krankt das system auch an zuschauerschwund und wird größtenteils langweiliger mist in der subventionsmühle produziert. wie soll man sich unter diesen gegebenheiten künstlerisch auf augenhöhe begegnen?
gustavo kuerten , 20. Juni 2012 - 15:06 Uhr
9. Intendantengage: Deppen im 2000er-Bereich
da fühlt man sich nach 8 Jahren als 'normal' verdienende Schauspielerin im 2000er Bereich wie der letzte Depp... Leute, äußert euch!
depp , 20. Juni 2012 - 16:01 Uhr
10. Intendantengage: geistige Erfrischung
Reese ist fast ein bisschen unterbezahlt. Der Mensch lebt nicht vom Tod allein. Das heißt: manche werden nicht posthum geboren, sondern müssen sich mit der Gegenwart herumschlagen. Als Oberadministrator Frankfurter Tagesaktualitäten mit Blick in die Antike muss man vorsorgen, wenn es für die Nachwelt nicht reicht. Geistige Erfrischung will vergütet sein. Reese: das ist der Triumph funktionierender Netzwerke. Man zielt knapp übers Mittelmaß.
Dedé Erler , 20. Juni 2012 - 16:04 Uhr
11. Intendantengage: unverhältnismäßig
Ich halte das für einen Skandal!!!! Gerade bei den vorherrschenden Spardiskussionen landauf landab....warum ganze Theaterexistenzen gefährden durch radikale Kürzungen im Etat...solche Spitzengehälter müssen nicht sein...zumal gleichzeitig umgekehrt beim künstlerischen Personal ähnlich unverhältnismäßig gespart wird!!! Höchste Zeit diese feudalen Strukturen aufzubrechen!!! Auch ich als Schauspieler im 10. Berufsjahr fühle mich da mit Blick auf den Gehaltszettel ziemlich verar.....t!!!!
Harpagon , 20. Juni 2012 - 16:09 Uhr
12. Intendantengage: Schluck aus der Subventionspulle
Mit was für einer Selbstverständlichkeit sich Intendanten und Grossregisseure(innen) einen gesunden Schluck aus der Subventionspulle nehmen, obschon die Zuwendungen und vor allem das reale Einkommen an den Theatern seit Jahren sinkt, ist schon erstaunlich. Und kann letztlich nur mit einem geradezu gloriosen Selbstbild und der Entsolidarisierung mit dem Betrieb erklärt werden.
Natürlich, die vielleicht zehn, in seltenen Fällen zwanzig oder mehr Jahren des Erfolges, wollen genutzt werden. Da muss die Eigentumswohnung gekauft, da will man es sich in der oberen Mittelschicht einrichten.
Ist ja verständlich, aber die Achtzigerjahre und ihr breiter Subventionsstrom sind vorbei, der Strom ein Bach. Ein Anspruch auf die fürstlichen Gehälter ehemaliger Theatergrössen kann nicht ernsthaft bestehen! Es sei denn man hält sich wirklich für was Besseres und fühlt sich eben vollkommen unabhängig vom Zustand des Theaters und dem Einkommen seiner Mitarbeiter.
Das alles hat selbstverständlich mit Moral und Charakter zu tun.
pinke,pinke , 20. Juni 2012 - 16:38 Uhr
13. Intendantengage: Kirche im Dorf
Liebe Anmerkerin

du hast natürlich völlig recht. Und diese Relationen kann sich jeder Intendant nur nochmal ins Oktovheft schreiben, ehe er neue Gagen aushandelt.
Tatsächlich gibt es allerdings auch Relationen bezüglich Intendanzgehälter: und hier verblüfft, dass der Magistrat Reese, der ja eigentlich ein "Intendanzanfänger", ohne Not derartige Spitzengagen zahlt. Zur Erinnerung: Frankfurt ist das erste Haus das Reese - nun seit fast drei Jahren leitet. Davor hat er interimistisch am DT Bernd Willms Vermächtnis ein Jahr lang mehr schlecht als recht verwaltet. Die Frankfurter Zeit begann mit einem guten Jahr, danach folgte bisher - mit Ausnahme von Thalheimers "Medea" - Mittelmaß. Also durchaus Leistungen, die es rechtfertigen, die Kirche mal im Dorf zu lassen.
Die krumme Optik des Magistrats zeigt sich noch deutlicher an den Regiegagen für Reese: als Regisseur spielt Reese unbestritten unterhalb der Kreisliga, darf sich selbst allerdings nun mit Spitzengagen löhnen.
Hier muss Kulturdezernent Semmelroth nun mal für Klärung sorgen, welcher Teufel ihn eigentlich reitet.
Frankfurter Bubb , 20. Juni 2012 - 16:45 Uhr
14. Intendantengage: Realitätsverweigerung
tja, herr reese, weniger ist oft mehr.... nicht mehr ist mehr... das schauspiel ist erfolgreicher als noch vor jahren, aber diese gehaltserhöhungen, die herr reese ausgehandelt hat, zeugen doch eher realitätsverweigerung und fehlendem gespür für das mögliche und den anstand. vielleicht spenden sie einen teil jedes jahr an projekte,die der kürzung wegen jetzt nicht mehr stattfinden können... das wär doch mal ein beitrag
123 , 20. Juni 2012 - 17:04 Uhr
15. Intendantengage: das ahnungslose Volk
Toll auch das Zitat: "Wir sind kein Problem, sondern wir schreiben gerade die größte Erfolgsgeschichte seit Jahrzehnten". Weil im Schauspiel Frankfurt ja so viele Karten verkauft würden und das ahnungslose Volk ja keine Ahnung hätte, wie viel Verantwortung der Intendant tragen würde, sei so eine Gehaltserhöhung (auch in Anbetracht der Sparmaßnahmen an anderer Stelle) ja nur logisch und angebracht.

Diese selbstherrliche Argumentation lässt dann doch zahlreiche Parallelen zu anderen Auswüchsen der Arroganz "der Mächtigen" ziehen.
gschmäckle , 20. Juni 2012 - 17:52 Uhr
16. Intendantengage: zur Zeit ganz schlecht
nein, viel mehr als die anfängergage KÖNNEN wir ihnen nicht zahlen! mit den kürzungen im kultur bereich, der VERDI Tarif erhöhung ist das zur zeit ist das ganz schlecht, da ist einfach nichts mehr da.
schauspiel anfänger , 20. Juni 2012 - 19:45 Uhr
17. Intendantengage: Vergleich zu anderen Häusern
Wenn schon mal die Zahlen in Frankfurt auf dem Tisch liegen, oder besser auf Nachtkritik stehen, würde ich doch gerne mal als Vergleich die Intendantengagen von anderen Häusern wissen.
Was bekommt der Herr Hartmann in Wien, oder Herr Peymann in Berlin.
Wie steht es mit den Theatermanagern Khuon und Lux. Was verdienen die Frauen Beier, Frey und Mundel. Wieviel Geld verdient eigentlich Herr Castorf?
Frau Boldt übernehmen Sie? Herr Merk was macht Ihre Recherche? Herr Pilz raus mit dem Fachwissen!
Rolli Öse , 20. Juni 2012 - 22:35 Uhr
18. Intendantengage: Ja, Vergleich
Ist das Gehalt wirklich so hoch? Das Gehalt es Bonner Intendanten ging letztes Jahr durch die Presse, das waren 320.00 €. Wie viel verdienen die Intendanten an den Häusern in Düsseldorf, München, Berlin etc.? Die dann auch noch auswärts Opern inszenieren, Festspiele leiten? Bevor man sich über Reese aufregt, müsste man doch Vergleichszahlen kennen. Gibt's die?
Frankfurter , 20. Juni 2012 - 22:40 Uhr
19. Intendantengage: nicht verdient
Also, wie ich das aus der Distanz beschaue Intendanten, die mittels ihrer Macht (sehr gute) SchauspielerInnen zu Literaturkritiker-Parodien zwingen, die schon vor 15 Jahren lahmste bürgerliche Ideenklauereien aus Comedyshows waren - und jetzt nicht einmal mehr dass sind, sondern nur noch pfludrige Ideenlosigkeiten - haben sicher ein solches Gehalt nicht verdient. Hoppe als Reich-Ranicki. Gähn. Fuck Quote. Schickt ihn heim!
Samuel Schwarz , 21. Juni 2012 - 01:24 Uhr
20. Intendantengagen: selbst recherchieren
@ Rolli Öse
Ich glaub, Sie haben nachtkritik.de noch immer nicht verstanden. Die Leutchen hier springen nicht auf Aufforderung anonymer Kommentarleute und erfüllen Forderungen.
Schauen Sie doch selbst nach und helfen Sie mit, die Seite inhaltlich zu verbessern, Sie Düffel Doffel.
Also Intendantengehalt, Beispiel Peymann, gefunden nach 5 Minuten Recherche im Netz, Gespräch Claus Peymann mit der Süddeutschen Zeitung vom 20. März 2008:

"SZ: Sie verdienen 200.000 Euro Gage im Jahr, heißt es.

Peymann: Wenn Sie es sagen, wird es stimmen. Ich habe keine Ahnung. Ich öffne den grauen Umschlag nicht.

SZ: (...) Mit 70 beziehen Sie zusätzlich eine Rente, oder?

Peymann: Drei sogar. 900 Euro normale Rente aus Deutschland, für die ich Jahrzehnte eingezahlt habe. 1100 von der Bayrischen Versicherungsanstalt und 2100 Euro Wiener Burgtheaterpension, die sehr österreichisch als "Ruhezeitgenüsse" bezeichnet werden."

Macht summa summarum 249.200 Euro mit bestimmt einem gewissen Aufwuchs seit 2008.

So, Rolli Öse, was steuern Sie jetzt an Infos zur Diskussion bei?

Albert Hensel , 21. Juni 2012 - 09:50 Uhr
21. Intendantengagen: auf Augenhöhe
Man muss doch als Intendant oder Großregisseur auf finanzieller Augenhöhe mit den Gönnern, Bürgern und Politiker in Wien,Frankfurt,Zürich,Hamburg,München...ANSTOSSEN können! Wenn ich mich da mit kleinem Portmonnaie verschämt herumdrücken muss da schäm ich mich ja. Ich bin doch wer, und das misst sich schließlich am Einkommen!Ich leite einen grossen Betrieb und meine Gedanken zu Kunst und Gesellschaft,die sollen von dieser auch bezahlt werden.
Wenn ich der Kommune auch noch beim sparen helfe,na dann kann man mir doch ein Teil der eingesparten Mittel auf mein Gehalt legen.
Als Kind der achtziger Jahre darf ich doch als Erwachsener endlich meinen inneren Yuppi ausleben,grade in einer Öffentlichen Institution und grade wenn ich mich für ein Künstlerleben entschieden habe.Ich habe schließlich von Fischer und Schröder gelernt und bin der Intendant der Bosse!
pinke,pinke , 21. Juni 2012 - 10:30 Uhr
22. Intendantengagen: Vorschläge
Nun warten wir mal ab: Herr Reese wird ja nicht der Märtyrer eines untergehenden Kapitals sein wollen.

Noch 48 Stunden und dann lesen wir "nach reiflicher Überlegung ... bin ich immer noch der Meinung ... aber um ein Zeichen zu setzen": wird er einen Teil seiner Gage, sagen wir, der Box im Schauspiel stiften.

Und dann ist er wieder der liebe Junge.

Das sollte er aber nicht zu billig kriegen.
Und darum schlage ich vor:

Ablass ja.
Aber nur bei vollständigem Verzicht auf weitere Lohnerhöhungen.
Außerdem nur eine Inszenierung im Jahr.
Diese sollte allerdings im Kaufpreis von 200.000 Euro schon enthalten sein.

Und davon abgesehen natürlich weiter schön die Quote steigern. Und dann bitte auch mit Kunst.
Mendl , 21. Juni 2012 - 11:41 Uhr
23. Intendantengagen: immer noch zuviel
Lieber Rolli Öse, lieber Frankfurter (17 u. 18)

schöner Versuch. Natürlich gibts auch andere Intendanten, was bekommen die denn? Was bekommen die in Wien und Berlin?

Und hat nicht Klaus Weise in Bonn sogar 320.000 Euro abgecasht?

Na klar, aber das war ja auch UNSITTLICH! Mit dem sollten Sie, lieber Frankfurter, bzw. Herr Reese sich nicht vergleichen wollen!
Und die Tatsache, dass Reese schlussendlich 40.000 Euro weniger abzockt als Klaus Weise, heißt ja nicht, dass das nicht immer noch ZUVIEL ist.
Öl Öl , 21. Juni 2012 - 12:16 Uhr
24. Intendantengage: schon Stille?
und schon scheint sich die allgemeine empörung, die ich auch teile, in stille zu verwandeln. nach nicht 30 stunden. ist dies das neue mass für wut? scheint so. wenn sich die "gegner" beim aussitzen darauf einstellen dürfen, dann - tja, was dann? aber ich kann auch nicht mehr. so geht ein leidenschaftliches verhältnis zu den angelegenheiten kaputt...
anne , 21. Juni 2012 - 16:01 Uhr
25. Intendantengage: versuchte Bestechung
Liebe anne!
Keine Wut verraucht! Bin einfach sicher das Herr Reese die Gehaltserhöung nicht annehmen wird. Schliese mich da @Mendel an.
Er würde ja sonst jede Glaubwürdigkeit als Künstler, Denker, sogar als Regisseur verlieren wenn er sich mitten in der grossen Krise des Kapitalismus nur um sein eigenes materielles Wohl sorgt. Und das in der Bankenstadt Frankfurt. Nein liebe anne,ich bin im Gegenteil sicher, das Alles, ist nur eine Finte um die Bankenmetropole und ihre politischen Representanten der versuchten Bestechung eines wachen, kritischen Kopfes zu überführen.
pinke, pinke , 21. Juni 2012 - 20:01 Uhr
26. Intendantengage: Frankfurter Spezialität
@kirillov und andere:
Bitte nicht verallgemeinern: solche Gehälter sind durchaus nicht bei allen Stadt- und staaatstheatern üblich. Intendanten verdienen zwar mehr als Schauspieler, aber diese Beträge sind sicher -von internationalen Spitzentheatern einmal abgesehen- eine Frankfurter Spezialität.
Georg , 22. Juni 2012 - 07:18 Uhr
27. Intendantengage: Peanuts
Grandios finde ich in diesem Zusammenhang auch immer die Beschwerden grade dieser "Schwergewichtler" darüber, dass Ihre Schauspieler lieber nebenher Drehen wollen statt brav Vollzeit Ensembletheater zu spielen.

Die Bankermentalität ist endgültig im Kulturbereich angekommen, und jetzt zahlen wir mit unseren Steuern nicht nur für die Dummheit und Raffgier von Spekulanten, sondern auch für die Gier von leitenden Kulturschaffenden. O tempora, o mores....

Wo kann ich hier die Petition unterschreiben? Wo gibt's das T-shirt mit Herrn Reeses Gesicht und der Aufschrift "Peanuts" drunter?

Daher mein Vorschlag - Schicken Sie Erdnüsse an Herrn Reese! An die Intendanz Schauspiel Frankfurt, MfG und Hinweis auf seine Gage!
Pollux , 22. Juni 2012 - 10:36 Uhr
28. Intendantengage: das tilgt Glaubwürdigkeit
Warum gibt es keine Scham vor der Gier?
Ich dachte, das Theater sollte doch einer der wenigen verbleibenden Orte sein, wo die Frage nach dem richtigen oder falschen Handeln gestellt wird.
Wann würde man denn selbst sagen: Stop?
Lustig: Das Spielzeitmotto in Frankfurt ist doch, wenn ich mich recht entsinne, "Haben oder Sein"
Tja, Reese scheint doch auf der HABEN Seite zu stehen....
So ein fetter, gieriger Batzen tilgt natürlich viel Glaubwürdigkeit.
Hudriwudri , 22. Juni 2012 - 11:03 Uhr
29. Intendantengagen: Held oder nicht Held
agamemnon hat es sich auf samtkissen bequem gemacht, unterhält sich mit den töchtern, trinkt süßen wein aus goldenen pokalen. achill kommt, reklamiert die dekadenz des feldherrn, "du schickst uns tag für tag in die schlacht, selber liegst du herum, vergnügst dich mit den weibern!". agamenmnon entgegnet, dass achill geduldig sein müsse, dass er nicht aufhören dürfe dem guten ziel zu dienen. kurze zeit später stirbt der junge held im gefecht. es entscheide nun jeder selbst, ob er held sein möchte oder nicht

M.Eins , 22. Juni 2012 - 14:36 Uhr
30. Intendantengagen: wird jetzt was unternommen?
Da Herr Reese selbst ja offenbar zu diesem Thema nichts mehr sagt, würde mich nun interessieren, was die Worte "regt sich Widerstand in der SPD-Fraktion" bedeuten. Zitiert wird der Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling, der diese ganze Sache "unangemessen" findet.
Heißt denn das auch, dass die SPD-Fraktion jetzt etwas unternimmt? Und was?
Silke Bodelschwingh , 22. Juni 2012 - 15:06 Uhr
31. Intendantengagen: ohne Mut keine Veränderung
Also soll der Frankfurter Intendant jetzt nur noch 15000 Euro im Monat verdienen. Ist die Diskussion dann beendet? Wer legt das verbindlich fest? Pinke Pinke, Mendel, Silke Bodelschwingh oder die SPD? Die Community von nachtkritik.de? Ist danach alles wieder in bester Ordnung, wenn z.B. Herr Reese sich nachträglich ein wenig in Verzicht übt? Ich denke nein. Die Diskussion ist aus meiner Sicht in den betroffenen Häusern zu führen. Eine prinzipielle und konsequente Diskussion über die Relation von Gehältern scheint nötig. Dazu gehört dann aber auch der Mut aller Mitarbeiter dieses Thema zu Ende zu führen. Wenn aber die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes die Diskussion im Keim erstickt, dann bleibt alles wie es ist. Ohne Mut gibt es keine Veränderung. Dann bleibt nur der Neid.
Michael , 22. Juni 2012 - 18:07 Uhr
32. Intendantengage: Neidgesellschaft
Meine Güte - hier herrscht eine Neidgesellschaft. Das ist ja - abgesehen von der Angemessenheit oder Nicht-Angemessenheit des Gehalts - schon fast lächerlicher als die Diskussion selbst ...
Besucher , 22. Juni 2012 - 18:47 Uhr
33. Intendantengage: was man mit dem Geld auch machen kann
Meine Achillferse schmerzt in der Gewissheit, daß nicht das Handeln den Wert des Menschen bestimmt, sondern seine Gage..auf einem Schlachtfeld wie Frankfurt hatte ich von der Kunst mehr Ehrgefühl erwartet - mehr Abstand zu Realität - mehr Kreativität im Umgang mit Geld. "Unterkünstler mit Problemen" sollen mal die Klappe halten.. und "solidarische Gagen" akzeptieren..armes Theater. Herr Reese!! bitte fördern sie ein kleines innovatives Theater mit ihrem "Privatvermögen". Allein eine Inszenierungsgage könnte z.B. die Bespielung des "Theater unterm Dach" in Berlin für ein Jahr sichern - beide Gagen würden reichen ganze Theatersparten oder Studios zu erhalten .. ein neues Theater in Naumburg aufzumachen ..eine freie Produktion in einer beliebigen Stadt komplett zu finanzieren und und und .. seien sie fantasievoller mit dem Geld - wuchern sie, dann haben sie auch alle wieder lieb. Wer ist denn eigentlich der "WIR" der kein Problem hat?
Geldheld , 22. Juni 2012 - 23:02 Uhr
34. Intendantengage: Vergleich mit Frankreich
Hallo, zum Vergleich bitte mal einen Blick über die Grenzen:

http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=6792:theaterbrief-aus-paris-8-unter-dem-intendanten-stephane-braunschweig-setzt-das-theatre-de-la-colline-voll-auf-seine-gruendungsidee&catid=411:theaterbriefe-aus-frankreich&Itemid=100056

Im unteren Drittel nennt Stéphane Braunschweig seine Gage. Kein Wunder, denn sowohl Gagen als auch Laufzeiten von Intendantenverträgen sind in Frankreich transparent, streng reglementiert und keinesfalls frei verhandelbar. Ein Vorbild?

Grüße
Sabine , 23. Juni 2012 - 01:19 Uhr
35. Intendantengage: Regie-Gage eher unter Durchschnitt
@ sabine: also da muss man ja fast schon sagen das zumindest das zusatzgehalt für regiearbeit tatsächlich sogar nach zu wenig klingt, ich glaube da würden einige regieführende intendanten hier fast nicht mehr an ihren eigenen häusern inszenieren.
vom festgehalt könnte ich mir vorstellen das das etwa dem entspricht was einige intendanten hier an kleineren häusern auch bekommen.
ab wievielen regiearbeiten dazu gezahlt wird ist eh verhandlungssache.

ansonsten:
grundsätzlich wäre mir egal wieviel herr reese (und andere hochbezahlten intendanten) verdienen - skandalös finde ich allerdings wenn ihre gehälter steigen während sie gleichzeitig am haus selber sparmaßnahmen umsetzen müssen und oder extrem geizig bei den gagen ihrer angestellten sind.
Alina , 23. Juni 2012 - 09:13 Uhr
36. Intendantengage: Debatte über Verwendung von Steuergeldern
Lieber Besucher (Nr. 32)

In meinen Augen dreht die Diskussion sich um das Thema Angemessenheit oder Unangemessenheit. Also ob Herr Reese Recht hat, wenn er sagt, sein Kontrakt stelle - auch vor dem Hintergrund der Frankfurter Spardebatte - "nichts Luxuriöses" dar.

Darum scheint mir der vor dir und Michael verwendete Begriff Neid eigentlich unzutreffend. Zur Erinnerung: wochenlang führte Reese ja auch in der Presse einen Streit über Kita-Plätze versus Zahl der Vorstellungen etc. Er ließ sogar die vom Kulturdezernenten lancierte Nachricht seiner Vertragsverlängerung noch einmal dementieren, mit dem Hinweis darauf, dass "die finanzielle Ausstattung des Schauspiels einen Knackpunkt darstelle". Das alles unter dem Druck des Magistrats, einen städtischen Spar-Haushalt verabschieden zu müssen, in dem zahlreiche kulturelle und soziale Institute Abstriche hinnahmen.

Dann plötzlich zeigt sich eine Einigung. Und, o Wunder, der proklamierte "Kampf ums Ganze, ohne Abstriche" weicht der Einsicht in die Sparnotwendigkeit von, ich glaube, 1,13 Mio Euro.
All dieses Steuergelder, deren Verteilung durch politisches Taktieren, auf langen Sitzungen, errungen wird. Auch ich aber bin Steuerzahlerin, wie vermutlich viele andere Mitglieder der Nachtkritik-Community. Und wenn ich drum schon keinen Einfluss auf Vertragsverhandlungen hab, halte ich es trotzdem für mein Recht, mich hier zur Verwendung meiner Steuern zu äußern. Mein Thema ist darum nicht Neid.

Und die Zeiten, in denen man über 100.000 Euro Managergehalt mehr oder weniger (auf Staatskosten) nicht sprechen darf, sind meiner Meinung nach passee.

Lieber Michael (Nr. 31)
natürlich hast du Recht, dass die Debatte um Intendantengagen insgesamt in Angriff genommen werden muss. Ich glaube aber, dass wir deshalb trotzdem unser Frankfurter Thema noch nicht fallen lassen sollten. Denn in den Gesprächen muss es ja nun mal um eben diese Relationen gehen, die hier bereits erwähnt wurden (Schauspiel- und Anfängergehälter, Kitas, Intendantengagen). In Reeses Fall liegen die Zahlen auf dem Tisch. Und unterschätze bitte nicht die Wirkkraft eines triftigen Exempels. Das leuchtende Beispiel bewirkt oft mehr als eine allgemein geführte Debatte. Darum muss beides statt haben.

Silke Bodelschwingh , 23. Juni 2012 - 13:24 Uhr
37. Intendantengage: gute Arbeit, unverhältnismäßige Gage
ich bin durchaus ein fan von herrn reeses arbeit, meist mehr von seiner intendanten-, meist weniger von seiner regietätigkeit. ich freue mich auch sehr über seine vertragsverlängerung, denn m. e. hat er für das schauspiel frankfurt bisher tatsächlich überwiegend gute bis sehr gute arbeit geleistet. die diskutierten zahlen stellen für mich jedoch eine völlige unverhältnismäßigkeit dar. dazu kommt übrigens, bisher hier noch nicht erwähnt, eine sicherlich ebenso beachtlich fünfstellige regiegage in düsseldorf (die wahlverwandtschaften, 16. märz 2013). auch in dieser zeit, vermutlich annähernd zwei monate, kann herr reese nur eingeschränkt sein eigenes haus leiten.

vergleicht man dies mit den gehältern anderer hochrangiger stadt- und staatsbeamter, so fehlt jede rechtfertigung. die aktuell weltweit und auf höchstem niveau geführten finanz-, kapitalismus- und gesellschaftsdebatten scheinen im blinden fleck des schauspiel frankfurt versunken zu sein. ernsthaft kritisches und vielleicht sogar sozialkritisches theater ist hier unglaubwürdig und unmöglich geworden.

herr reese, bitte, wachen Sie auf! (gründen Sie eine stiftung, der die hälfte Ihres gehaltes zugeführt wird und die soziale, humanitäre oder auch kulturelle projekte unterstützt. zum beispiel.)
Christina Marquardt , 23. Juni 2012 - 16:59 Uhr
38. Intendantengage: bunter und komplexer
@37: sehe das genauso. herr reeses haltung zeigt, wie er es hält mit kritischer distanz zu machtstrukturen, -menschen, -mechanismen. nämlich gar nicht. doch wie das leben ist auch die kunst komplexer und widersprüchlicher. herr reese verkörpert vielleicht die macht am schauspiel frankfurt, aber deswegen auch die norm? was dort geschieht ist viel bunter und unterschiedlicher und deswegen widersprüchlicher als dass es alles unter herrn reeses haltung zu versammeln wäre. den abend reise! reiser! des schauspielers sebastien jacobi zum beispiel fand ich schon sehr glaubwürdig im nachdenken über kunst und widerstand. doch da die sicht von christina, die gleich alle in sippenhaft nimmt, bestimmt nicht eine einzelne ist, sollte sich reese schon mal gedanken machen, was er da anrichtet. also: bitte wachen Sie auf, herr reese!
p.s. und einige andere auch. denn mir scheint die frage eine grundsätzliche: kann ein regisseur, der zum beispiel eine autoritäre arbeitsweise hat oder schauspieler wie gegenstände behandelt, glaubwürdiges sozialkritisches theater machen? und: können dies nur künstler tun, die wenig verdienen? was ist mit pollesch, petras, castorf, hartmann?
Poststrukturalist , 24. Juni 2012 - 09:30 Uhr
39. Intendantengage: wer bald fehlt
@38: Lieber Poststrukturalist

Da du den Schauspieler Jacobi als positives Beispiel herausgreifst: der verlässt das Schauspiel Frankfurt allerdings zum Ende der Saison - also nächste Woche.
Aufmerker , 25. Juni 2012 - 10:39 Uhr
40. Intendantengage: wer nur das Schlechte sieht
@ 39: lieber aufmerker, der du ja wohl demnach ein interner bist, das ist schade mit dem jacobi. und es gibt noch mehr, worauf es sich bei euch zu schauen lohnt. ich bin sehr gespannt, was auftrag:lorey machen, das Stück "Lasst euch nicht umschlingen ihr 150000000" klingt interessant u.a. - aber wer nur das Schlechte sehen will...
Poststrukturalist , 26. Juni 2012 - 08:56 Uhr
41. Intendantengage: obszöne Gehaltsschere
@poststrukturalist. Natürlich kann auch ein Millionär glaubwürdiges sozialkritisches Theater machen und ich würde mir überhaupt nur gut verdienende Schauspieler, Regisseure, Dramaturgen, Künstler u.s.w. wünschen. Nur ist dieses Schlaraffenland der Kunstförderung untergegangen und wenn sich ungeachtet der mittlerweile prekären finanziellen Lagen an den Theatern einzelne Führungskräfte aus den Töpfen bedienen als hätte sich nichts geändert, dann ist das etwas sehr Anderes. Dann wird innerhalb des Theaters die Gehaltsschere auf schon fast obszöne Weise geöffnet. Selbstverständlich wäre es letztlich an der Politik dies zu korrigieren, doch scheinen es die Intendanten, Direktoren und Grossregisseure zu schaffen, sich diesen gegenüber als unersetzbare Sonderkönner zu präsentieren, die wie auf dem freien Markt eben ihre Preis haben. Und die Politik, letztlich wir, machen das mit.
pinke,pinke , 26. Juni 2012 - 11:22 Uhr
42. Intendantengage: Aufbesserung
der vollständigkeit halber bleibt zu erwähnen, daß herr reese in der kommenden spielzeit auch noch an anderen theatern (beispielsweise düsseldorf) mit gastinszenierungen sein knappes gehalt aufbessern wird.
neidhammel , 26. Juni 2012 - 11:54 Uhr
43. Intendantengagen: Intendanten-Typen
Ich dachte immer, dass der Reese mehr so ein Dramaturgen- oder Manager-Intendant ist, kein Regisseurs-Intendant. Sind das nicht eigentlich auch zwei verschiedene Genres? Diese Manager, wie Baumbauer und Schulz, stylen ein Theater ordentlich durch, machen selber mehr Dramaturgie, bleiben dafür in der Regel aber meist Regie-enthaltsam. Die Regisseurs-Intendanten brauchen eine stärkere Dramaturgie, die sie einerseits in ihrem eigenen Projekt unterstützt, und den Rest des Hauses irgendwie in dem oder gegen das Gravitationsfeld des regieführenden Intendanten ausrichtet. Als der Reese von Berlin wegging, dachte ich, das ist ein Dramaturg. Auch wenn ich schon mal Sachen im DT gesehehn hab, wie den "Goebbels". Den fand ich ganz okay, den "Mann ohne Eigenschaften" weniger. Jetzt wird hier immer von den Frankfurter Regiearbeiten gesprochen. Die kenne ich nicht. Ich glaube aber, für diese Gehaltsdebatte wichtig wäre schon, mal rauszufinden, was der Reese wirklich ist: Manager oder Regisseur. "Phädra" in Frankfurt soll ja gut gewesen sein. Ehrlich gesagt: überraschen würde es mich trotzdem.
Fritze Flink , 26. Juni 2012 - 14:00 Uhr
44. Intendantengehälter: Blick in die Statistik
@9 et al: Ergänzungs- und stützungshalber empfehle ich auch einen Blick in die Statistik des Dt. Bühnenvereins.

http://www.buehnenverein.de/de/publikationen-und-statistiken/statistiken/63.html?cmsDL=f7a3ce531fbe3a8f69b71631801a0c2a

nur "Schauspiel" (ohne KJT), bundesweit:

Seite 6
Tabelle: Personal in der Spielzeit 2009/2010
Zeile: Zusammen
Spalten: 1 und 5 und 8
> 1006 zu 2010 zu 3760

Seite 8
Tabelle: Ausgaben und ihre Gliederung im Rechnungsjahr 2009
Zeile: Zusammen
Spalten: 1 und 5+7 und 8
112.696.000 zu 86.120.000 zu 136.877.000

Macht also Jahresdurchschnittsgehälter (in euro) über alle Häuser & Personen (entsprechend DBV-Statistik) dieser Gruppen:

Leitungspersonal 112.024
Schauspielende 42.846
Künstler. Nichtdarstellende 36.403

Das sagt jetzt noch nichts über die Verteilungen (es könnte theoretisch den millionenschweren Intendanten geben, der "den Schnitt hebt"). Außerdem sollte man vorsichtig sein, die Erfassungen der Häuser als wissenschaftlich zu bezeichnen.
Hans Uwe Zisch , 04. August 2012 - 10:55 Uhr
45. Intendantengehälter: Reeses Sponsorengelder
Für den speziellen Frankfurter Aspekt dieser Debatte ist womöglich auch ein Punkt wichtig, der bisher noch nicht erwähnt wurde, auf den der hiesige Kulturdezernent Semmelroth jedoch erst kürzlich in einem Interview hinwies: Dass nämlich Oliver Reese, als erster Intendant in Frankfurt, maßgeblich Gelder durch Sponsoren für "sein" Theater eingeworben hat. So hat der Deutsche Bank-Chef Fitschen ja auch erst im Frühjahr bei der Pressekonferenz für den kommenden Frankfurter "Faust" sein Engagement für diese Aufführung und das Schauspiel Frankfurt insgesamt durch sein persönliches Erscheinen bekräftigt. Bitte bedenken Sie also, was Herr Reese auch au diesem Wege zum Budget beiträgt.
die Wohlmeinende , 06. August 2012 - 13:17 Uhr
46. Intendantengehälter: Bonus umlegen?
@45: "auch au [sic!] diesem Wege zum Budget beiträgt." Soso.

Und dann sollen Intendanten also zukünftig Sockelgehalt + Erfolgsbonus anhand eingeworbener Drittmittel bekommen???

Wie wäre es, diesen Bonus auf sämtliche Angestellte umzulegen? Dass Herr Fitschen et al. in die Tasche greifen und das Notenbündel zücken ist ja wohl kaum auf des Intendanten hübsches Näschen zurückzuführen. Oder widersprechen Sie mir?

Wer trägt denn noch so alles auf diesem oder jenem Weg zum Budget bei? Geht es darum??
Hans Uwe Zisch , 06. August 2012 - 16:16 Uhr
47. Intendantengehälter: noch etwas
@45: Und noch was.

Welches Stück würden Sie sich als Bankvorstand ans Revers heften? Es kann die Spur von deren Erdentagen nicht in Äonen untergehn?

Wie dauerhaft bzw. nachhaltig ist die von Ihnen erwähnte Budgetstützung?

Ad Bank/Budget: Vgl. auch der Tragödie Zweiten Teil.
Hans Uwe Zisch , 06. August 2012 - 16:24 Uhr
48. Intendantengage: Reese im HR-Gespräch
Verschiedentlich ist hier gefragt worden, ob Oliver Reese außer seinem mittlerweile legendären „Wir sind kein Problem, wir schreiben hier die größte Erfolgsgeschichte seit Jahrzehnten“ eigentlich irgendeine andere Stellungnahme zu seiner Gehaltsfrage abgegeben hat. Ich zumindest hab nichts mitbekommen.
Nun wurde er – mit einem Abstand von etwa einen halben Jahr - im Hessischen Rundfunk interviewt, von Redakteur Oliver Günther, die Sendung lief am 12.1..
Hier ein Gesprächsausschnitt, der vielleicht auch andere interessiert:

Oliver Günther: Ich will mit Ihnen noch über ein heikles Thema sprechen: Über Geld. Ich komm noch mal zurück auf die Werbung, die Sie ganz zu Anfang des Gesprächs, Herr Reese, gemacht haben für das Theater. In Frankfurt lässt sich die Stadt, wenn ichs richtig gelesen hab, die Städtischen Bühnen insgesamt 60 Millionen Euro im Jahr an Zuschuss kosten, jeder Besucher im Schauspiel wird mit 150 Euro bezuschusst, ist es das wert?
Oliver Reese: Die Summen sind quasi in Deutschland gleich. Öh, es gibt gewisse regionale Schwankungen, die haben aber mit meist strukturellen Interna zu tun, im Prinzip ist es so, dass die Theater, Oper wie Schauspiel, so etwas zwischen 14 und 18, wenns hoch kommt 22 Prozent selber einspielen können, der Rest ist Subvention, aber es ist Subvention an einer Stelle von einem Theatersystem, um das wir in der gesamten Welt beneidet werden.
Oliver Günther: Also Sie haben kein schlechtes Gewissen.
Oliver Reese: Nein.
Oliver Günther: Um die Frage zuzuspitzen.
Oliver Reese: Nein, ich hab überhaupt kein schlechtes Gewissen. Weil wir den Laden, äh, optimal führen, so dass die Zuschauer ganz viel bekommen für ihr Geld. Schauspiel Frankfurt hat in der letzten Saison 700 Vorstellungen gespielt, die zu 86,3 Prozent ausgelastet waren. Das ist eine Summe, wir haben fast 200 000 Zuschauer gehabt, das hats in den letzten 30 Jahren nicht gegeben. Also wir haben gerackert dafür, was wir an Unterstützung bekommen, und ich kann Ihnen ganz klar sagen, wohin das Geld fließt, das fließt darein a) in Tausend Mitarbeiter. Das ist ja auch ein Arbeitgeber Theater. […]
Ich werbe schon wieder, ich weiß, aber ich liebe diesen Laden. Tut mir leid.
Oliver Günther: Okay. Jetzt haben Sie dargelegt, warum Sie den Preis gerechtfertigt finden. Jetzt lassen Sie uns mal auf den Preis eines Intendanten schauen. Sie haben im vergangenen Sommer Ihren Vertrag verlängert, bis zum Jahr 2019, und haben sich dabei auch eine Gehaltserhöhung herausverhandelt. In der Presse war zu lesen, dass Sie im Jahr 2019, bzw. in der Spielzeit 18/19 240 000 Euro bekommen, im Moment sinds angeblich 200 000 Euro, das würde heißen, Oliver Reese verdient als Intendant des Schauspiel Frankfurt soviel wie die Bundeskanzlerin.
Oliver Reese: Ah, jetzt kommen Sie mit der Bundeskanzlerin. Äh, das haben –
Oliver Günther: Sie haben eben schon ganz schmale Lippen bekommen.
Oliver Reese: - das haben wir Peer Steinbrück zu verdanken. Habe gerade gehört, dass seine Umfragen auf dem Tiefpunkt sind. – Ähm. Also, die Intendantengehälter sind in Deutschland, ehrlich gesagt, auch relativ ähnlich, das differiert um ein paar 10 000 Euro mehr oder weniger, das ist eine gute Gage, das ist überhaupt keine Frage, ich will jetzt auch nicht, wie soll ich sagen, im Gegenzug auflisten, Sie haben eben ja schon gesagt, ach das ist ein Job, der ist sicher nicht nine to five sondern der ist eher sieben vierundzwanzig, also sieben Tage die Woche und vierundzwanzig Stunden am Tag, äh, was soll ich sagen, es ist ne gute Gage, sie ist in etwa so, wie Intendanten in Deutschland bezahlt werden, wollen wir nicht vergessen, dass man als Intendant auch Geschäftsführer von einer GmbH mit, in diesem Fall, über 1000 Mitarbeitern ist, wenn Sie das wiederum mit der freien Wirtschaft vergleichen, kämen ganz andere Summen zum Tragen.

Vollständig anzuhören unter http://www.hr-online.de/websit...h_20130112
Castor , 15. Januar 2013 - 22:58 Uhr
49. Intendantengage: ekliger Ton
"Die Intendantengehälter sind in Deutschland, ehrlich gesagt, auch relativ ähnlich, das differiert um ein paar 10 000 Euro mehr oder weniger."

Ein paar 10.000 Euro, ja, nein, das sind natürlich Peanuts, oder wie?!
Bah, das ist schon ein bisschen eklig, diese Haltung. Ich habe gar nichts gegen gute Intendantengagen, es ist eine leitende Funktion mit hoher Verantwortung und hoher Belastung und so weiter und so fort. Aber der Ton macht die Musik und Reeses Ton ist eklig.
Vorschlag: Kürzt ihm doch die Gage um "ein paar 10.000 Euro". Macht ja offenbar keinen Unterschied.
HR , 16. Januar 2013 - 00:48 Uhr
50. Intendantengehälter: schickt Erdnüsse!
@Pollux (Betr. Beitrag 27)
"Daher mein Vorschlag - Schicken Sie Erdnüsse an Herrn Reese! An die Intendanz Schauspiel Frankfurt, MfG und Hinweis auf seine Gage!"

ich kann mich da nur anschließen. Schickt Erdnüsse!
1234 pengpengpeng , 16. Januar 2013 - 01:02 Uhr
51. Intendantengehälter: kleine Elite
Mich stören noch ganz andere Dinge. Reese sagt, sie hätten fast 200000 Zuschauer gehabt. Korrekt müsste es heißen, und das weiß Herr Reese, es hat 200000 Beuche gegeben. Geht man davon aus, dass ein durchschnittlicher Besucher ungefähr 3 bi 4mal pro Spielzeit das Theater besucht, bleiben noch ca. 50000 bis 60000 Zuschauer. Davon kommen ein nicht unerheblicher Teil aus dem Frankfurter Umland, aus Mainz und Wiesbaden. Diese falsche Verwendung von Zahlen klingt immer so, als ob Halb-Frankfurt ins Theater stiefelt. Dem ist nicht so. Es ist eine kleine Elite, die sich hier für viel Geld auf Staatskosten an der Kultur regeneriert, und zugleich durch ihre Etat Kürzungen in anderen Bereichen an deren Bevölkerungsschichten einen vergleichbaren kultrellen Ausdruck verweigert. Hierin liegt die Ungerechtigkeit. Darüberhinaus regiert die Kanzlerin nicht nur einen Betrieb mit 1000 Angehörigen. Was müsste sie da erst verdienen, berechnete man ihre Gage nach der Bevölkerung? - Es ist eben diese Grundhaltung Reeses, die sich keinen Idealismus abverlangt, die einen so stören könnte.
martin baucks , 16. Januar 2013 - 08:43 Uhr
52. Intendantengehälter: mediale Logik
@48: Danke fürs Beitragen des Ausschnitts!

Wenn wir einer medialen Logik folgen, müssten die Umfrage- ähh Auslastungswerte des Spitzenkandidaten ähh Intendanten heftig absacken. Denn sowas darf man doch nicht sagen: "wenn Sie das wiederum mit der freien Wirtschaft vergleichen, kämen ganz andere Summen zum Tragen"

Naja, fragt sich, wer in Frankfurt(!) wem auf die Schulter klopft.
Hans Uwe Zisch , 16. Januar 2013 - 09:36 Uhr
53. Intendantengehälter: Theater ist Teamarbeit
Ja Theater ist Teamarbeit und Herr Reese hat wohl ganz vergessen, dass extreme Arbeitszeiten auf viele Tätigkeiten im Theater zutreffen.

Was ist Beispielsweise mit Dramaturgen, Dramaturgieassistenten und Regieassistenten??
Der Job des Regieassistenten ist so ungefähr der stressigste und zeitintensivste Job, den ich mir vorstellen kann und auch nicht unwichtig für eine gelungene Inszenierung. Und das Gehalt ist lausig. Gar nicht zu sprechen von den zahlreichen Hospitanten,die teilweise eingestrichene Stellen ersetzen - sie werden gar nicht vergütet. Sie werden abgespeist in der Hoffnung auf eine berufliche Zukunft.

Den Etat kürzen und selbst mehr einstreichen pfui und dann noch mit dieser Argumentation.
Erdnüsse auf Reeses Haupt!
SchnickSchnack , 16. Januar 2013 - 10:20 Uhr
54. Intendantengehälter: nachgespielt
In dem Zusammenhang vielleicht auch von Interesse, was „Klausdieter“ am 12.1.2013 auf der Homepage der Frankfurter Rundschau postete (offenbar hat Reese dort bezüglich Aufstockung seiner Regieverträge am eigenen Haus auf verschiedene Inszenierungen hingewiesen, die er in Frankfurt unentgeltlich übernommen habe):
Klausdieter:
P.S.: Beim Wiederlesen Ihres Beitrages fällt auf, dass Reese in einem entscheidenden Punkt die Wahrheit wenn nicht beugt so doch verschleiert: er habe in der "zurückliegenden Saison zwei Inszenierungen ohne jede Vergütung übernommen", nämlich "Die Frau die gegen Türen rannte" und "Bacon Talks". In beiden Fällen handelt es sich allerdings nicht nur um Inszenierungen, sondern auch um so genannte "Bearbeitungen " durch Oliver Reese. Was bedeutet: als Bearbeiter verdient er durch den Theaterverlag, der seine Rechte wahrnimmt, an jeder einzelnen Eintrittskarte Tantiemen. Je häufiger das Stück also gespielt wird, desto mehr klingelt es wiederum in seiner Kasse. Zumal die Aufführungen im "eignen" Haus in Frankfurt Werbung für die Stück machen, die, dann auch an anderen Häusern nachgespielt, weiter Geld machen für den Bearbeiter. Lieber Herr Reese, auch wenns einmal eng wird: immer bei der Wahrheit bleiben, gelt!
Gorks , 16. Januar 2013 - 16:13 Uhr
55. Presseschau Intendantengehälter: Die genauen Zahlen
Jetzt kann man’s in Theater heute nachlesen (Interview mit Reese, Johan Simons, Ulrich Khuon): Oliver Reese kriegt demnächst in Frankfurt 282 000 Euro, Johan Simons an den Münchner Kammerspielen 180 000 (inklusive Inszenierung) , Ulrich Khuon am Deutschen Theater Berlin ebenfalls „deutlich unter 200 000“. Es ist also nicht, wie Oliver Reese sagte, eine Frage von „10 000 Euro mehr oder weniger“, sondern eine von 100 000 Euro mehr oder weniger.
Ernst , 12. Februar 2013 - 13:50 Uhr
56. Presseschau Intendantengehälter: Fallbeispiel
@55:
Wenn Reese aber soviel mehr verdient als lang gediente Kollegen an größeren Häusern der nächsthöheren Liga, ist er kein bloßes Fallbeispiel eines ungerechten Systems.
Pulli , 12. Februar 2013 - 22:05 Uhr
57. Intendantengage: Unterschiede zwischen Intendanten
Ich kann nur ebenfalls auf das Interview in „Theater heute“ hinweisen. Ulrich Khuon und Johan Simons sagen einiges, was alle, die an diesem Thread hier teilgenommen haben, interessieren dürfte. Oliver Reese scheint sich auf das Thema leider immer noch nicht einlassen zu wollen und die Fragen mit rhetorischen Tricks abzuwehren. So wenn er fragt: „Worum geht es hier eigentlich? Finden Sie, dass wir zuviel verdienen?“ Die Frage hat einen unnötig drohenden Unterton, vor allem aber tut das „wir“, als hätten er, Khuon und Simons das gleiche Glaubwürdigkeitsproblem.
Castor , 18. Februar 2013 - 14:59 Uhr

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