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Schauspiel Frankfurt soll sparen

Schauspiel Frankfurt soll sparen

Frankfurt am Main, 29. Juni 2012. Schauspiel und Oper Frankfurt sollen ein knappes Drittel der Mehrkosten selbst einsparen, die sich aus den Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst ergeben. Dies meldet die Zeitung Die Welt. "Der aktuelle Stand ist, dass die Bühnen 30 Prozent selbst beitragen müssen", sagte die Sprecherin von Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) der Zeitung gegenüber. Demnach kämen auf die Städtischen Bühnen Mehrbelastungen von 3,3 bis 3,8 Millionen Euro jährlich zu, was einem Einsparbetrag von zwischen einer und 1,14 Millionen Euro entspricht.

Der Hintergrund: Bei Schauspiel und Oper sind zusammen rund 1100 Menschen beschäftigt. Wie alle Mitarbeiter im öffentlichen Dienst erhalten sie über die nächsten zwei Jahre schrittweise 6,3 Prozent mehr Geld. Rückwirkend ab 1. März sollen 3,5 Prozent mehr gezahlt werden, weitere Tarifanhebungen gibt es zum Januar und August 2013. Bisher hatte die Stadt solche Mehrbelastungen stets ausgeglichen.

Dieser interne Sparzwang des Schauspiels steht im Kontrast zur erst vor Kurzem bekannt gewordenen Gehaltserhöhung seines Intendanten Oliver Reese: Seine jährliche Vergütung soll in den nächsten fünf Jahren von 200.000 auf 240.000 Euro steigen.

(Die Welt / geka)




Kommentare (70)

1. Sparen in Frankfurt: Preis
Mackie, welches war dein Preis?
Öl Öl , 29. Juni 2012 - 10:25 Uhr
2. Sparen in Frankfurt: egal
"Mitarbeiter im öffentlichen Dienst." in dieser Formulierung ist die ganze Problematik enthalten. Mir ist egal, was ein Intendant verdient.
martin baucks , 29. Juni 2012 - 17:11 Uhr
3. Sparen in Frankfurt: Nachfragen
@ Öl Öl: Wie ist der Verweis auf die "Dreigroschenoper" von Brecht zu verstehen? Lief übrigens 2007 (Premiere) im Schauspiel Frankfurt, Regie: André Wilms in Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern, Besetzung Mackie Messer: Wolfram Koch.

@ martin baucks: Inwiefern ist in der Formulierung "Mitarbeiter im öffentlichen Dienst" die ganze Problematik enthalten? Und zudem: Wenn beispielsweise ein Schauspieler im Vergleich zu einem Intendanten tatsächlich so wenig verdient, wie auch hier auf nachtkritik.de des öfteren zu lesen war/ist, dann finde ich schon, dass ein Intendant sich in seinem Gehalt ein wenig einschränken könnte. Die Relationen stimmen einfach nicht. Oder arbeitet Reese etwa soviel mehr als (seine) Schauspieler?
Inga , 29. Juni 2012 - 21:03 Uhr
4. Sparen in Frankfurt: die Relationen
naja, er trägt natürlich eine andere verantwortung und dafür soll er auch entlohnt werden, aber ich stimme ihnen zu - auch in meinen augen stimmt die relation da nicht wirklich. vor allem, ich sag es nochmal: gleichzeitig sparauflagen fürs schauspiel frankfurt. da käme ich mir als angestellter des hauses doch irgendwie ein wenig verarscht vor.
Alina , 30. Juni 2012 - 08:54 Uhr
5. Sparen in Frankfurt: Pyramiden-Prinzip
Die Arbeit des Schauspiel Frankfurt ist nicht in die Zukunft gerichtet, sondern stellt lediglich eine bestehende Kultur dar. Diese Kultur wird als demokratisch bezeichnet: eine mit Vorteilen ausgestattete Minorität, entscheidet über die Geschicke der Mehrheit. Sie hat dabei darauf zu achten, dass die Mehrheit den Eindruck hat, mitentscheiden zu können. Ein Intendant hat seinen Mitarbeitern mitzuteilen, dass schlechte Zeiten bevorstünden. Man sitzt zusammen in einem Raum, ein Gefühl von Gemeinschaft entsteht. Es wird zu hören sein, dass es eine schlimme, nie dagewesene Krise gibt, dass alles getan werden müsse, um die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu erhalten. Jeder müsse nun Opfer bringen, was bitteschön alle einzusehen hätten. Für die Überbringung der schlechten Nachricht wird eine Betroffenheitsrhetorik verwendet, "bedauerlich" wird es heißen, "ich weiß, wie Sie sich fühlen", wird bekundet. Es entsteht der Eindruck, Volk und Bevölkerung, Leitung und Angestellte sitzen in einem Boot, die tatsächliche Situation ist allerdings eine andere. Erich Kästner beschreibt sie so:

"Die Steine der Pyramiden tragen einander so ungefähr, nur in einem Punkt sind sie verschieden: die unteren Steine tragen viel mehr"

Die Demokratie, von der die meisten immer noch glauben, sie verschaffe ihnen Möglichkeiten, wird in Wirklichkeit durch das Erzeugen von Angst zusammengehalten. Daraus folgt, dass die Mehrheit einer demokratischen Gesellschaft ein Leben in Angst zu führen hat. In Deutschland hat sie Angst zu haben, den Arbeitsplatz zu verlieren. Den Leuten ist erzählt worden, dass wenn sie ihre Arbeit verlieren (wie mies bezahlt, zerstörend möglicherweise auch langweilig diese auch immer sein mag), sie ihren sozialen Status verlieren werden, ihr Leben im Grunde zu Ende sei

Die Leitung des Schauspiel Frankfurt ist entsprechend angehalten, die Angst der Angestellten und Mitarbeiter zu bedienen. Dass auch die Leitungen zuvor dieses zuverlässig getan haben, aus diesem Tun nie eine andere Kultur entstanden ist, als die, die immer noch als eine "den anderen Kulturen gegenüber als überlegen" angesehen Errungenschaft gefeiert wird, ist die tatsächliche Schuld, die Haus und Behauser auf sich laden
K.Eese , 30. Juni 2012 - 14:44 Uhr
6. Sparen in Frankfurt: wer wäre willens?
@Inga
Welche freie Künstlergruppe, außerhalb des öffentlichen Dienstes, wäre willens und in der Lage sich solch asymetrische Strukturen zu geben?
martin baucks , 30. Juni 2012 - 18:26 Uhr
7. Sparen in Frankfurt: kurzer Weg ins Unglück
@ martin baucks: Machen Sie Scherze? Solch asymmetrische Strukturen entstehen wohl hauptsächlich und/oder zwangsläufig in den großen, repräsentativen Stadt- und Staatstheatern. Und zwar auch in solchen, welche mal hoffnungsvoll mit dem sogenannten "kollektiven Modell" gestartet waren. Doch ach, aber ach, leider endet es immer wieder in der Asymmetrie. Woran das liegt? An den Machtinteressen einzelner, welchen der Ruhm zu Kopfe gestiegen ist? Am sogenannten "Starsystem" (Guy Debord)? An der Abkopplung der Kunst von den Formen des Lebens? An der eigenen Bigotterie?

Da komme ich heute aus dem Berliner Ensemble, habe Franz Xaver Kroetz' "Stallerhof" in der Regie von David Bösch (Gastspiel vom Wiener Burgtheater) gesehen und lese im Programmheft folgendes Zitat von Kroetz, hier zweckmäßig gekürzt. Es geht um das Leben eines Heimkinds:

"Für manche
ist der Weg ins Unglück
weit:
Die Grundstückspreise müssen sinken
und die Aktienkurse
fallen,
die Renten sehr unfreundlich
sein,
die Ertragslage geschmälert,
und die Gefahr
des Sozialismus
schon an jeder Hauswand
ablesbar.
Für andere ist er kurz:
Der Heimzögling Hubert, 111,
[...]
Kurz ist der Weg für viele
und scheinbar unendlich lang
Für einige, sodass sie ein Opernglas brauchen,
um ins Unglück zu sehen
Nachhelfn sollte man denen!"

Ja. Und möglicherweise auch den Intendanten, welche immer nur predigen, aber nur selten auch selbst danach handeln.
Inga , 30. Juni 2012 - 23:06 Uhr
8. Sparen in Frankfurt: Liste der Nebenerwerbe
Achtung Nebenerwerb: es wurde bereits darauf hingewiesen, dass Reese nicht nur zweimal jährlich am Schauspiel Frankfurt branchenübliche Entschädigung inszenieren wird, sondern dies außerdem auch noch an anderen Häusern tun wird. So in Düsseldorf. Unerwähnt blieb bisher seine rege Tätigkeit als Kommentarschreiber der Frankfurter Rundschau. Hier unterhält er seit etwa zwei Jahren eine eigene Kolumne, in der er sich zu Aktualitäten der regionalen und der nationalen Kultur vernehmen lässt.
Bemerkenswert scheint mir in dem Zusammenhang ein Text von ihm, den er am 12.2. dieses Jahrs veröffentlichte. Er dreht sich um die zunehmende Unglaubwürdigkeit unseres ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Dazu zitierte Reese aus dem Schreiben einer als „Freundin“ bezeichneten Frau: „Ich, die ich eigentlich Werte wie Moral und Anstand für erhaltenswert halte, bekomme von dieser deutschen Regierung und diesem groteskem Bundespräsidenten vorgeführt, dass ich eine Idiotin bin. Es gelten eben doch nicht die gleichen Regeln für alle.“
Interessanterweise bleibt nun über eine längere Strecke unklar, wie Reese selbst zu Wulff oder den Worten seiner Freundin steht. Er selbst findet so klare Worte nicht wie diese. („Nicht schon wieder Wulff, werden Sie jetzt denken.“) Dann bekennt er, nun doch als er selbst: „Es ist leicht zynisch zu werden.“
Leider folgt keine Ausführung, wie ein solcher, durch Christian Wulff inspirierter Zynismus in Reeses Augen aussieht. Stattdessen bleibt der Autor, der es seiner Rolle als Regional-Kolumnist offenbar zu schulden glaubte, sich ebenfalls zu Christian Wulff zu äußern, in Deckung hinter anderen Protagonisten: erst im Vergleich des Rabatt-Präsidenten mit der moralischen Autorität Marcel Reich-Ranickis, wird klar, „dass diesem Bundespräsidenten das Format fehlt. Er hat noch nichts Sinnstiftendes hervorgebracht.“ Und so erhellt sich erst zum Schluss, was der Autor zu Beginn des Texts so formuliert: „Ist der Politik eigentlich bewusst, dass sie die Bereitschaft zur Identifikation verspielt?“
Na bitte. Nachzulesen unter:
http://www.fr-online.de/meinung/gastbeitrag-vorletzte-bemerkungen-zu-wulff,1472602,11620178.html
Gallus-Warte , 01. Juli 2012 - 11:03 Uhr
9. Schauspiel Frankfurt: Kulturinfarkt hatte recht
Reeses Gehalt verdeutlicht nur,das die "Kulturinfarkts-Autoren" wohl doch recht hatten, dass in Deutschland viel Geld für Staatsauftragskunst verschleudert wird und überall das Gleiche läuft. Denn Reeses Haus ist einer dieser Copy-Paläste, deren Fehlen außerhalb von Frankfurt überhaupt nicht bemerkt würde, weil die eingekauften Stars dann eben woanders ihr Süpplein kochen würden.
J.A. , 01. Juli 2012 - 16:39 Uhr
10. Schauspiel Frankfurt: durchdeklinieren
danke #9, "Copy-Paläste" ist der Begriff, nach dem ich schon so oft erfolglos gesucht hatte

merkmale
- dramaturgisch-verkopfte spielpläne
- zusammenkaufen von namen
- fehlender mut
- keine ästhetischen wagnisse
- keine reibung
- wiedererkennungswert nur aufgrund der blässe/beliebigkeit
- noch ein kleines festival mehr ranhängen
- noch eine weitere spielstätte subordinieren, statt autonom wirken zu lassen
- kleine preise werden als "auszeichnungen" vermarketingt
- stetig nur steigende zahlen (zuschauer, einnahmen, ...)
- belanglosigkeit
- noch eine zusatzveranstaltung mehr für die statistik
- brandaktuelle bezugnahme auf "news" und "tagesgeschehen"
- fehlende grundsätzliche auseinandersetzung
- denken bis zur vertragsverlängerung bzw. wechsel ans "nächstgrößere" haus
- kein profil

ja, sehr subjektiv und pauschal - aber wir können das mal durchdeklinieren
Hans Uwe Zisch , 01. Juli 2012 - 22:38 Uhr
11. Schauspiel Frankfurt: Licht
egal. da wird in frankfurt gute kultur gemacht und schon finden die kleingeister ihr licht (...).
jonas , 01. Juli 2012 - 23:20 Uhr
12. Schauspiel Frankfurt: Scheindebatte
Jetzt mal eine provokante Frage, aber: Müsste das Fehlen des Theaters außerhalb der jeweiligen Stadt jemand bemerken? Ist ein Haus, das noch dazu "schauspiel frankfurt" heißt, nicht zu allererst für Frankfurt da? Überregionale Ausstrahlung hin oder her - wie viele Prozent der Zuschauer sind wohl nicht aus Frankfurt und Umgebung? Hier scheint mir eine Scheindiskussion von den paar jenigen geführt, die für Theater herumreisen - aber das werden wohl nicht mehr als 1 - 2 % sein. Die 99 % sicher nicht ...
@J.A. , 02. Juli 2012 - 07:19 Uhr
13. Schauspiel Frankfurt: Blankobürgschaft
einige gedanken zur finanziellen relation: die wenigsten intendant/innen treten ihr amt mit anfang mitte zwanzig an. die meisten arbeiten viel für wenig geld als assistent/innen, gastregisseur/innen, dramaturg/innen im getriebe der theater oder als junge hoffnungen/hausregisseure - bis die nächste hoffnung kommt. der betrieb - ob theaterhaus, künstlergruppe etc. - ist extrem schnelllebig und hat bis in seine mittleren ebenen hinein kaum geld für seine ackergäule auf und hinter den bühnen. altervorsorge, halbwegs verlässliche famillienplanung? naja. die meisten, die so lange künstlerisch, finanziell und emotional in diesem gefilde ausharren sind mit antritt einer solchen intendanz das erste mal in der lage, geld für sich, ihre kinder, ausbildung ... zurückzulegen. das ist ein bisschen wie bei sportlern, die die zeit, in der sie gutes geld verdienen können, nutzen müssen, weil es davor ein einziges investieren war und dannach nicht mehr viel kommen kann. warum also nach all den jahren des draufzahlens ein schlechtes gewissen angesichts guter verdienstmöglichkeiten haben. das ist die eine relation. die andere ist die zu den mitarbeiter/innen. und natürlich ist die nicht zu übersehen und auch nicht akzeptabel. für mich stellt sich nur die frage, warum hier keiner schreit, angesichts der relation der verdienste insgesamt. der skandal ist doch, dass man sich damit arrangiert hat, auf der basisebenen mit unbezahlten praktikanten und maximal aufwandsentschädigten schauspielanfänger/innen und tänzer/innen (!) zu agieren und auf der mittleren ebene verdienstmöglichkeiten zu haben, die jeder zukunftsplanung spotten? das muss sich änderen, dann kann man von intedant/innen verlangen nicht eigennützig zu denken. so lange die struktur aber so ist, wie sie ist, müssen diejenigen, die jetzt so laut schreien erst mal einen gut ausgestatteten rentenfonds für sozialromatisches leitungspersonal im künstlerischen betrieb einrichten oder gleich eine blankobürgschaft für verarmte künstlersenior/innen.
olympe , 02. Juli 2012 - 10:00 Uhr
14. Schauspiel Frankfurt: Sozialinstinkt
Liebe(r) Olympe

wollen wir also für Herrn Reese hoffen, dass er die Familienplanung nun vorantreiben kann. Gerade in Anbetracht der von dir aufgemachten Rechnung bezüglich Selbstausbeutung und -aufopferung von Theaterleuten, finde ich jedoch, dass wir von den Führungskräften mehr als reinen Eigennutz erwarten dürften. Insbedondere, da ja nur ein kleiner Teil aller Theaterschaffenden irgendwann Intendant wird. Darum sollten gerade diese (aus ihrer langen Kenntnis des Systems) einen besonderen Sozialinstinkt beweisen und auf ihre Schäfchen aufpassen. Nun scheint Reese - mindestens durch sein etwas instinktloses Verhalten bei der Aushandlung seines neuen Vertrags (der die nachhaltigen Sparmaßnahmen für das Frankfurter Haus und seine Mitarbeiter ratifiziert) - eben diese Tugend nicht gerade unter Beweis gestellt zu haben.
Darum sind wir hier.
Öl Öl , 02. Juli 2012 - 11:37 Uhr
15. Schauspiel Frankfurt: kein tragbarer Modus
@13: auch die erste argumentation kann kein "pro status quo" sein, denn wieviele mitarbeiter eines hauses sind typischerweise intendant? genau, 1-4 pro einige 100. also ist das "erst ausbeuten, dann absahnen" kein tragbarer modus. mit solch einem gedanken ließe sich weitere imbalance rechtfertigen ("wenn Reese in jungen jahren nur die hälfte verdient hätte, könnte er jetzt das doppelte verdienen"; nur dass dann auch alle anderen in "jungen jahren" die hälfte verdienen würden).
Hans Uwe Zisch , 02. Juli 2012 - 12:47 Uhr
16. Schauspiel Frankfurt: Struktur
Die Frage ist doch:

Wie es geschehen konnte, dass die Theaterkunst in die Struktur des öffentlichen Dienstes gepresst wurde?

Und warum sie sich so schwer tut, sich sinnvoll davon zu befreien?
martin baucks , 02. Juli 2012 - 13:29 Uhr
17. Sparen in Frankfurt: Das System, nicht der Einzelne
@14 unbd 15: ja klar. alles richtig. bleibt die frage, warum durchaus intelligente und in der regel auch mitfühlende menschen - ich setze das mitfühlen bei künstlerisch tätigen menschen einfach mal wohlwollend voraus - trotzdem so handeln. dass herr reese der einzige wäre, ist kaum anzunehmen, auch wenn er gerade der einzige fassbare ist. die relation stimmt auch nicht, wenn es 50.000 mehr oder weniger sind. es gibt eine denkstruktur, die so etwas ermöglicht, und die wird durch die persönlichen erfahrungen von entbehrung und (selbst)ausbeutung begünstigt. damit kann man eben gerade als jemand, der es aus eigener erfahrung kennt, nur umgehen, wenn der kompensationsgedanke da ist und wenig hoffnung, dass der eigene verzicht einem anderen etwas bringt bzw. in der maroden struktur etwas verändert. ich bleibe dabei: das verhalten einzelner führungsleute ist verstörend, richtig empörend allerdings ist das system, das es befördert und m.a. nach erst möglich macht. den einzelnen hängen scheint mir da zu beifallheischend und wenig effektiv für die vielen, um die es doch eigentlich geht.
olympe , 02. Juli 2012 - 17:36 Uhr
18. Sparen in Frankfurt: Die selbst gestellte Falle der Theaterkunst
@olympe

Trotzdem bin ich schon erstaunt über die unglaubliche Zähigkeit dieses Systems. Da werden Subventionen in Tarifstrukturen geschüttet, die man so vielleicht nur noch im Finanzamt oder Bürgeramt findet. Darüber schwebt eine kleine Gruppe von Künstlern, die sich wiederum um einen hochbezahlten scharen. Der Sockel dre Tariflohnempfangenden schaut gelassen zu, wie dieses kleine Völckchen im fünfjahres Rytmus ausgetauscht wird. Mal kürzer mal länger, und alles scheint in bester Ordnung. Hin und wieder gibt es ein paar Demonstrationen, um den temporär versiegenden Geldhahn wieder zu öffnen und es funktioniert. Meißtens.

Wird einmal ein Intendant abgewählt, wie Herr Laufenberg, wächst innerhalb dieses Systems sofort jemand nach, der die Lücke schließt. Man ist fast eins mit diesem demokratisch gestifteten System des öffentlichen Dienstes. Niemand meutert wirklich.

Man pflegt keine weltsnschauliche Spannung zum Staat, auch nicht zur Gesellschaft, und wenn, dann nur im überschaubarem Rahmen. Die weltanschaulichen Kämpfe sind seit dem Niedergang der DDR weitgeghenst beendet. Ein paar Schamützel vielleicht, einige wenige Diskurse, die aber dem Gemeinwohl kaum schaden können, sonder, im Gegenteil, eher das Restbedürfniss nach Geselschafftskritik abdecken.

Auch ein künstlerisches Aufbegehren, ein neues Lebensgefühl ist kaum zu verspüren. In der Hauptsache Abgesänge auf alte Leidenschaften, die man ablegte, wie falsche Kleider.

Zurück bleibt diese lähmende Struktur, die alles erfasst und zugleich aufrechterhält und abtötet. Da müsste schon eine Pest kommen, um all dies zu beseitigen. Im Mittelalter sorgte diese schreckliche Pest zugleich für ein Wiedererstarken der Natur. Ganze Landstriche waren menschenleer, so dass sich die Natur wieder erholen konnte und neu erblühte.

Die Natur der Kunst, sich frei zu entfalten, liegt in diesem Netz aus Zwängen gefangen, und simuliert sich zugleich darin mit einer, wie schon gesagt, unglaublichen Zähigkeit. Diese Zähigkeit stiftet Sicherheit, trügerische Zuversicht. Denn selbst die darin enorme Vorteile genießen, können ja abgewählt werden. Intendanten kommen und gehen. Wir bleiben, sagt der öffentliche Dienst und simulieren Kunst so fein, dass man das Surrogat kaum vom Echten unterscheiden kann. Eine effektivere Falle hat sich die Theaterkunst nie selbst gestellt.
martin baucks , 03. Juli 2012 - 12:38 Uhr
19. Sparen in Frankfurt: Lähmende Struktur im eigenen Kopf
Es wird wahrscheinlich Zeit, auch diese Diskussion zu schliessen. Spätestens der Beitrag Nr.18 läßt einen mehr und mehr auf die Seite des ursprünglich Gescholtenen (also Reese) wechseln.
Natürlich ist das ne Menge Kohle. Und wahrscheinlich ist das auch zu viel. Und man muß das auch kritisieren und in Frage stellen dürfen.
Aber wenn jetzt schon wieder die Erniedrigten und Beleidigten der ach so "freien" und "alternativen" Theatzerszene hervorkriechen, um ihren Frust am Nicht-Dabei-Sein-Dürfen zu kompensieren, indem sie in verschwurbeltem Soziologendeutsch ihren Haß auf das böse Stadtheater rauslassen, dann kommt einem das Kotzen.
Bevor man sich über die vermeintlich so "lähmenden Strukturen" anderer mokieret, sollte man vielleicht die lähmende Struktur im eigenen Kopf einmal hinterfragen.
Nur so als Tipp.
Friedensreich Schorlemmer , 03. Juli 2012 - 13:59 Uhr
20. Sparen in Frankfurt: Pauschalurteile
Danke, Schorle, an mein Herz! (#19)
Herr Baucks, Ihre Pauschalurteile und arroganten Abgesänge nerven kolossal. Und dann auch noch dieses Geraune von der Pest als reinigender Kraft, meine Güte, haben Sie´s eine Nummer kleiner? Es macht einfach keinen Spaß mit Ihnen in eine Diskussion zu treten. (Sie wollen ja auch gar nicht diskutuieren, Sie wollen recht haben.) Sie nölen da heraus aus Ihrem Dünkelbunker ohne Rücksicht auf Differenzierung und Abwägung. Stattdessen wird alles plattgemacht mit einer Walze aus Ressentiments und giftgrüner Missgunst. Mannmannmann.
Wies´ngrund , 03. Juli 2012 - 15:14 Uhr
21. Sparen in Frankfurt: Fragen
@ Friedensreich Schorlemmer: Wie heissen Sie denn nun wirklich? Friedensreich Hundertwasser oder Friedrich Schorlemmer (SPD)?

@ martin baucks: Was genau verstehen Sie unter einer "weltanschaulichen Spannung zum Staat/zur Gesellschaft"? Inwiefern sind diese Kämpfe Ihrer Meinung nach seit dem Niedergang der DDR weitestgehend beendet? Sie wünschen sich jetzt aber nicht den Kalten Krieg bzw. den staatlich sanktionierten Antifaschismus der DDR zurück, oder? Und warum wollen Sie dem Gemeinwohl unbedingt "schaden"? Geht es nicht vielmehr darum, das Gemeinwesen über die Form des kreativen Widerstands zu verändern?

Den "Pest"-Diskurs entnehmen Sie sicher den Thesen Artauds. Aber Artaud zielt nicht auf materielle/körperliche Zerstörung ab - das wäre das Vulgärverständnis von seinem "Theater der Grausamkeit". Sondern Artaud geht es um das BEWUSSTWERDEN der "perversen MÖGLICHKEITEN" des Geistes, und zwar über den Weg der (Theater-)KUNST. In einem realen und dauerhaften Pest-Zustand möchten Sie sicher auch nicht leben. Auch Artaud schreibt davon: "[...] das Gute ist gewollt, es ist Ergebnsi eines Tuns, das Böse dauert fort." Oder in den Worten von Camus:
"À la fin, c’est trop bête de ne vivre que dans la peste. Bien entendu, un homme doit se battre […]. Mais s’il cesse de rien aimer par ailleurs, à quoi sert qu’il se batte?"
(Albert Camus, "La Peste")
Inga , 03. Juli 2012 - 16:02 Uhr
22. Sparen in Frankfurt: noch mehr Fragen
Sehr geehrter Friedensreich Schorlemmer,

ich finde Ihren Beitrag bemerkenswert in all seiner Verblendung.

Wie wollen Sie denn auf die Seite des ehemals Gescholtenen wechseln?

Warum fühlen Sie sich dort so wohl?

Haben Sie den irgendwelche Qwalifikationen oder eine künstlerische Laufbahn vorzuweisen, die es Ihnen ermöglichen würde, sich auf dieser Seite zu bewegen? Oder kompensieren Sie eventuell Ihre eigene Talentlosigkeit durch dieses Sehnen?

Steckt dahinter nicht ihr ureigenster Wunsch Dabei-Sein-zu-Dürfen?

Über meine Person hätten Sie sich leicht informieren können. Nun ja. Ich versichere Ihnen: Mein Kopf ist eine Oase der Freiheit. Sie ahnen nicht einmal, was ich mir alles erlaube zu denken.

Auch hasse ich das Stadttheater nicht. Ich würde jederzeit dort arbeiten. Aber eben mit jener kritischen Haltung im Kopf. Warum nicht?!
martin baucks , 03. Juli 2012 - 16:34 Uhr
23. Sparen in Frankfurt: arrogant
Lieber Herr "Schorlemmer"

och nö. Mit Reese stellen Sie sich also auf eine Seite, angesichts der Kommentare dieses Threads kommt Ihnen jedoch bei Nr. 18 "das Kotzen"?
Warum? Welchen Flurschaden soll dieser Kommentar anrichten? (...)

Finde ihren Anmerkungen ganz schön arrogant. Übrigens nicht zuletzt gegen die freie Szene.

Schönen Gruß
Eckehard , 03. Juli 2012 - 19:43 Uhr
24. Sparen in Frankfurt: schwierige Argumentation
hm. laufenberg, pest, surrogate und die natur. ach die natur, die immer wieder alles ins lot bringt, wenn, ja wenn nur die pest noch wüten dürfte. das ist mit verlaub eine recht schwierige argumentation, die jeglichem aufgeklärten diskurs widerspricht und merkwürdig an alttestamentarische sintfluten ... erinnert. bei aller aufregung und ungerechtigkeit, mit undifferenzierten meldungen wirds einfach nicht besser. noch so ein ding: theater, noch nicht mal staatstheater werden hierzulande nicht subventioniert. sie werden finanziert von einer gesellschaft, die das sozusagen in ihrem portfolio immer noch wichtig findet oder von mir aus auch einfach nur übersehen hat, dass sie das noch im haushaltsplan hat. subventioniert sind dann die eintrittskarten der zuschauer, die eigentlich und nach reinem rechenlatein viel mehr kosten würden. das ist nicht nur ein korintenkackerische einlassung, sondern ein wichtiger punkt, wenn man wissen will, dass theater sich nicht irgendwei unlauter in die mitte der gesellschaft gemarkwirtschaftet haben und nun der pleite nahe ihre schulden vergesellschaften, sondern dass sie orte sind, die sich diese gesellschaft leisten wollte. der diskurs warum und weshalb und ob die alten gründe noch relevant sind, der steht aus. der gesellschaftliche auftrag zur repräsentation und identifikation aber steht noch immer. hier kristallisiert sich eventuell auch das phänomen von "hochbezahltem" leitungspersonal und mäßig entlohntem künstlerpersonal. so ein/e intendant/in ist heutzutage eine enorme allzweckschleuder zwischen fundraising, theaterfreundefreund, innovativer spielplanerfinder - inklusive neue formate erfinder - , schauspieler vom film abquatscher und retter in der not, wenns ein gastregisseur ... mal wieder vergeigt. das kann man schon gut bezahlen. dagegen sind schauspieler schon anachronistisch monothematisch unterwegs und sind froh, wenn der/die chef die o.g. aufgaben respektabel hin kriegt, weil man dann in ruhe spielen kann. will sagen: theatermachen ist - egal ob frei (was es so eh nicht mehr gibt) oder im grundständig finanzierten betrieb - ein tägliches zusammentreffen von management aus dem 21. jahrhundert und dem leeren raum aus einem ganz anderm jahrhundert. die empfindungen und kompensationen zu den jeweiligen entbehrungen sind entsprechen unterschiedlich. will sagen, ohne analyse der verfassung von gesellschaft, ihrer kultur und der ver/befangenheit der kulturarbeiter/innen darin, ist alles nur eine aufregerei, deren niveau diametral zu herrn reeses jahreseinkommen steht.
olympe , 03. Juli 2012 - 23:26 Uhr
25. Sparen in Frankfurt: lachen
Also gut. Jetzt lachen wir alle noch mal, und dann werden wir wieder ernst.
Reese hat nen Haufen Geld für sich herausgeschlagen. Womöglich half ihm dabei, dass die Politik beim schauspielfrankfurt kürzen wollte, und dafür auf seine Zustimmung angewiesen war. Damit machte er sich aber bei den Frankfurter Politikern nicht nur Freunde. Und von denen muss das einer an die Frankfurter Lokalpresse durchgestochen haben, die dem guten Mann die Hosen runterließ.
Dabei kam zum Vorschein: aktuell verdient er E 200.000 jährlich sowie E 17.000 für eine eigene Inszenierung. Mit Vertragsverlängerung wird dieses Gehalt sukzessive aufgestockt zu E 240.000 plus zwei eigene Inszenierungen, a E 17.000 und E 25.000 – je nach eigener Wahl. Außerdem wird er auswärts inszenieren.
Um das Geld, ich geb es zu, finde ich’s ein bisschen schade. Der Imageschaden für das schauspielfrankfurt ist bedauerlich. Und dass der Intendant (eigentlich ein Regieanfänger) jetzt ständig große Inszenierungen versehen soll, unnötig.
Eckehard , 04. Juli 2012 - 09:53 Uhr
26. Sparen in Frankfurt: öffentlicher Dienst & Kunst
Ich mache es mal ganz einfach:

Ich denke, dass ein Moliere oder Schiller von sich aus nie auf die Idee gekommen wäre, den öffentlichen Dienst und die Theaterkunst in einem Atemzug zu nennen. Und das aus dieser Liaison eine Schwierigkeiten erwachsen, die man durchaus kritisch sehen kann. Unter anderem der Umstand, dass dort in Frankfurt ein Intendant eine fragwürdig hohe Bezahlung bekommt, wenn man sie mit den Gagen abgleicht, die sein Umfeld erhält.
martin baucks , 04. Juli 2012 - 19:36 Uhr
27. Sparen in Frankfurt: Dank
Ein Kommentar zum Unterstreichen. Danke.
@olympe/Nr.24 , 04. Juli 2012 - 22:08 Uhr
28. Sparen in Frankfurt: Abmeldung
@27: mercie. aber, wer sind sie? schreiben sie öfter auf nk?
@26: und jetzt bloß nicht über moliere, die commedie francais und ihre privilegien nachdenken. meine namensgeberin olympe de gouges wusste über diese ungereimtheiten übrigens viel zu sagen. den unterschied zwischen intendanten und autoren schweigen wir jetzt einfach weg.
@ alle: danke für eine gute diskussion - bringt das hirn in schwung. kampf der gerontologie;) ich melde mich hier jetzt ab.
olympe , 04. Juli 2012 - 23:16 Uhr
29. Sparen in Frankfurt: produktiv & fruchtbar
@olympe

Ach Schade,...doch, doch, man sollte schon darüber nachdenken, in welchen Spannungen Moliere zur Macht stand. Warum nicht?

Man könnte Rückschlüsse ziehen auf das heutige System. Denn lange Zeit war ja die Liaison zwischen öffentlichem Dienst und der Theaterkunst auch produktiv und fruchtbar.

Man könnte sich die Frage stellen, ab welchem historischem Moment diese Fruchtbarkeit und Produktivität allmählich verschwand? Und warum?

Aber wenn sie keine Lust mehr haben. Naja.
martin baucks , 05. Juli 2012 - 11:28 Uhr
30. Sparen in Frankfurt: Anruf beim Bühnenverein
@Eckehard

Lieber Eckehard, Sie legen nahe Reese habe die Frankfurter Politiker durch das Zusammenfallen seiner Verlängerungsverhandlungen mit der Verabschiedung des Haushaltsplanes unter Druck setzen können. Wenn er das denn musste und gewollt hat. Und lassen wir hinzukommen, dass die kürzlich aus dem Amt geschiedene Oberbürgermeisterin P. Roth sich ihm erkenntlich zeigen und das Haus der Städtischen Bühnen vor ihrem Abtritt noch bestellen wollte.
Das ändert alles nichts daran, dass zu einem Schildbürgerstreich wie diesem immer zwei gehören. Und dass Herr Reese sich alleine sein Gehalt nicht erhöhen konnte. Wann aber lernen die Provinzpolitker von Bonn bis Frankfurt endlich, dass ein Anruf beim Bühnenverein reicht, um mal herauszufinden, was so branchenübliche Gehälter in Häusern der gehobenen Mittelklasse sind. Und damit meine ich in diesem Falle der CDU-Kulturdezernenten Prof. Felix Semmelroth.
Und dass Reese gerade von anderen großen Häusern stark umworben worden wäre, davon kann ja keine Rede sein.
Blondie , 05. Juli 2012 - 15:22 Uhr
31. Sparen in Frankfurt: Unterstützen Sie mich!
Mich persönlich nervt halt Reeses Ausrichtung in Richtung besitzender Klassen. So wirbt er auf der Homepage für einen sogenannten Club des Schauspiel Frankfurt: „... ein kleiner Kreis von Freunden, die Lust haben, das Theater und seine Menschen näher kennenzulernen, dabei einen Blick hinter die Kulissen zu werfen ...“
Jaaa - das will ich auch!
Aber:
„... und das Schauspiel mit einer großzügigen Spende zu unterstützen“.
Also nix für mich. Nun ist das ganze nicht etwa der Freundes-Kreis oder der, wie es in Frankfurt heißt: Patronatsverein, sondern eine Versammlung wirklich besserer Gesellschaft, die mit ihren erlesenen Namen dann auch gleich noch werben lässt: Claudia Steigenberger, Ardi Goldman, Dr. h.c. Beate Heraeus, Franziska Castell etc. pp. (Frankfurter wissen, was ich meine.)
„Die Club-Abende bestehen aus dem Besuch einer Arbeitsprobe (in der Regel nicht mehr als 15 Teilnehmer) und einem anschließenden Beisammensein zum Austausch über das Gesehene in entspanntem Rahmen bei Snacks und Drinks in der Schauspielkantine mit dem Regieteam, den Akteuren und Oliver Reese.“
Ich will aber auch mal mitreden bei den Inszenierungen in Frankfurt! Und zwar VOR der Premiere! Bitte unterstützen Sie mich: morgen stelle ich meine anonymisierte, nicht mehr rückverfolgbare Bankverbindung ein.
Thälmann , 05. Juli 2012 - 17:38 Uhr
32. Sparen in Frankfurt: mehr oder weniger
@ Blondie

Ich stelle mir gerade vor Moliere stünde vor seinem Ensemble und sagte: Ab heute bekomme ich viel mehr und ihr noch weniger!

Nein, noch besser. Brecht stünde vor seinen Schauspielern und sagte: Ich will mehr Geld, und dafür bekommt ihr weniger. Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.

Das wären lustige Gespräche nach solchen Ansagen, bei denen man gerne Mäuschen wäre.

Man könnte Dramen mitschreiben.
martin baucks , 05. Juli 2012 - 18:50 Uhr
33. Sparen in Frankfurt: Dramen schreiben
@ 32.
...dann SCHREIBEN Sie Dramen, Herr Baucks, aber gehen Sie hier bei nachtkritik aus der Leitung. Kaum bemächtigen Sie sich eines Themas geht unter Pest und Untergang des Abendlandes gar nichts mehr. Schon Ihr Privatkampf mit Steckel war peinlich und hat die Kommentarspalte blockiert. Haben Sie denn gar nichts zu tun, dass Sie hier so viel posten müssen?
Rosa Luxenburg , 06. Juli 2012 - 08:29 Uhr
34. Sparen in Frankfurt: in Machtstrukturen verstrickt
Lieber Herr Baucks

So sehr ich mit Ihrem Standpunkt sympathisiere, kann ich Ihrer Argumentation – nach eingehender Prüfung meiner inneren Stimmen – wie mir scheint, nicht folgen. Gerade Herr Moliere, und Brecht noch mehr, waren Unternehmer oder wenigstens Subunternehmer, die, wie wir in Brechts Fall leider wissen, auch nicht davor zurückschreckten, ihre Schauspieler und Koautoren mal kräftig übers Ohr zu hauen. Es sei da nur an die Verhandlungstricks erinnert, mit denen Brecht Kurt Weill zum Beispiel dahingehend übervorteilte, dass er, Brecht, aus den gemeinschaftlichen Werken 75, Weill nur 25 Prozent der Tantieme abschöpfte: besonders spektakulär bei der berühmten „Dreigroschenoper“, deren Textbasis auch noch zu 80 Prozent vermutlich von Elisabeth Hauptmann zu Papier gebracht worden war (die, wenn ich recht erinnere, zwischen 10 und 15 Prozent der Tantieme kriegte).

Außerdem sträube ich mich, einen Herrn Reese mit Moliere oder Schiller (oder Brecht) zu vergleichen.
Aber weiter: ihr Thema „Öffentlicher Dienst“ versus „Freiheit der Kunst“ (einmal verknappt gesagt, bitte korrigieren Sie mich, wenn ich Sie falsch verstehe): ich bin auch hier, bei aller Sympathie, nicht Ihrer Meinung. Gerade Schiller und Moliere waren ja zutiefst in politische und Machtstrukturen verstrickt. Ihr Theater konnte sich – meinetwegen in der Spannung zu gewissen Potentaten – auf keinen Fall jedoch in Auflehnung gegen dieselben entfalten.
Und zum „öffentlichen Dienst“: außer in den Metropolen zu Zeiten aufkommender Massengesellschaften, so in Deutschland im 19. und frühen 20. Jahrhundert, oder in London und Paris ab dem 16. Jahrhundert, waren Theater meist nicht wirtschaftlich zu betreiben. Ein großer Teil unserer Klassik, so die Griechische, wurde von subventionierten Theatern hervorgebracht. Und wenn wir den Begriff der Subvention ein bisschen weiter fassen: wenn geliehener Rechtsschutz durch adlige Befürworter oder die Selbstausbeutung der beteiligten Künstler als versteckte Subvention erkannt würden, dann gab es nicht mal in den oben genannten Epochen der Massengesellschaft, also für Shakespeare, Brecht oder Max Reinhardt ein Theater ohne offenere oder verstecktere Subventionen. Es gab höchstens einzelne Künstler, für die sich ihre Kunst trotzdem ausgezahlt hat.
Es ist dies, wie ich glaube, gerade das Kennzeichen des Mediums Theater: dass es durch einen kollektiven Willensakt oder als Machtrepräsentanz zustande kommt. Der Schauspieler ist geradezu die Metapher für den abhängigen Künstler, der mit jeder Regung, jedem Wort das er spricht, sichtbar Teil eines Kollektivs, Teil einer Inszenierung ist. Er ist nie ein freies und alleiniges Genie – ein Ding, das es vermutlich auch in anderen Gattungen nicht gibt, auch wenn unser Genie-Begriff uns eine solche Vorstellung zuweilen nahe legt.
Darum glaube ich auch nicht an eine Formel, derzufolge deutsche Stadttheater heute naturgemäß unorigineller oder unproduktiver sind als die Dionysien im klassischen Athen. Ich gebe aber zu, dass die Theater heute – in Konkurrenz zu den elektronischen Medien – keine solche Dominanz in der öffentlichen Auseinandersetzung mehr behaupten.
Blondie , 06. Juli 2012 - 10:18 Uhr
35. Sparen in Frankfurt: mit FDP-Mitgliedern segeln gehen
Liebe Blondie,

sie haben nartürlich völlig recht damit, ihre Sicht an meinen flappsigen Kommentaren zu schärfen. Und natürlich wende ich mich nicht gegen die staatliche Finanzierung von Theatern an sich. Nur schauen sie doch nach Augsburg. Da sollen Unternehmen Geld geben, damit ihre Führungskräfte in der Stadt bleiben.

Das Theater als reine Repräsentanz einer Stadt und seiner Unternehmen. Das ist doch eine Aufforderung zur Flappsigkeit.

Wenn die sagen würden, gebt uns endlich euer Geld, damit wir euch mal so richtig in den "Arsch treten" können, dann wäre zwar eine recht grobe Spannung zwischen Theater und Stadt gegeben. Aber immerhin.

Oder wenn die Stadtväter von sich aus gemeinsam mit den Unternehmen sagen würden, ich habt ihr einen Batzen Kohle, und nun ärgert uns mal richtig. Wir brauchen eure Kritik, um lebendig zu bleiben. Ja dann.

Aber dieses mehr an Geld wird mit Konditionen verknüpft, die schauerlich sind. Und selbstverständlich sind einige Kommunen und Städte so klamm, die können nicht einfach so mehr ausschütten. Aber sie könnten ihr Verlangen, ihre Wünsche an das Theater ganz anders gestalten. Theater als weicher Standortfaktor. Meinetwegen. Aber das reicht doch nicht zu einer wirklich lebendigen Streitkultur.

Hübner zog solche menschen wie Fassbinder magisch an und als er alt war beschwerte er sich bei mir darüber, dass er immer mehr Lust an Auseinandersetzung hat als alle anderen. Darunter litt er. Er wollte streiten. Und das konnte er ganz gut. Auch er ist Klinken putzen gegangen und hat Zadek überredet am Wochenende mit FDP Mitgliedern segeln zu gehen, um mehr Geld zu bekommen. Aber die wollten was anderes von einander.

Sie hatten Lust auf Auseinandersetzung. Auf weltanschaulichen Streit. Auf neue Menschenbilder. Ich rede ungern über Reese und sein Gehalt. ich bin kein Neider. Und natürlich ist Reese als Schatten von Wilms belächelt worden. Aber hat sich aus diesem Schatten herausgearbeitet. Eine erstaunliche und bemerkenswerte Laufbahn.

Darüberhinaus hat er mir leider immer noch nicht viel zu sagen. Er wird das ganz anders sehen. Er hat sich da in Frankfurt gut eingerichtet. Diese Gagenerhöhung ist natürlich eine kühne Frechheit. Aber sie wird ihm gewährt, weil er dafür genau dies Mass und unauffälliger Auseinandersetzung garantiert, dass niemandem weh tut.

Tja, da kann man schon mal zu Spott aufgelegt sein.

Für mich ginge es darum eine neue Spannung zu kreieren. Eine Frechheit ganz anderer Art. Aber mir geht es ähnlich, auch meine Lust an Auseinandersetzung und Reibung ist wahrscheinlich zu hoch.

Auch glaube ich nicht an einen Geniekult. Ich höre einfach nur zu oft, dass sich Theaterschaffende im Theater als Zuschauer langweilen, sie gestehen es einem hinter vor gehaltener Hand, dass sie oft sogar drohen im Zuschauerraum einzuschlafen. Und das muss ja nun nicht wirklich sein. Da gibt es andere Lösungen. Ob die in solchen Strukturen geboren werden können, daran zweifle ich.
martin baucks , 06. Juli 2012 - 16:17 Uhr
36. Sparen in Frankfurt: was hat das Schauspiel der Stadt zu sagen?
Liebe Freunde

Alles schön und gut. Aber Ihr überseht das Wichtigste:

In einer Zeit der finanziellen Krise, verursacht durch die Gier von Managern, durch triebgesteuerten Kapitalismus, hat ein Theatermacher, der sich so verhält, einer Stadt wie der Bankenmetropole Frankfurt nichts zu sagen.

Glaubhaft, dass er Frankfurt erst mal ein Theater bieten kann, in dem die Stadt sich ganz gern wiedererkennt.

Hier müssen Taten her. Hier muss Reese selbst mal etwas sagen.

Er hat ja einen kulturellen Auftrag. Den erfüllt er nicht, indem er die Debatte aussitzt.
Peter Kael , 08. Juli 2012 - 10:47 Uhr
37. Sparen in Frankfurt: Nehmerqualitäten
Lieber Herr Reese

als Sie nach Frankfurt kamen, sagten Sie (in der Rundschau vom 30. August 2008), Ihnen sei wohl bewusst, dass ein Intendant auch "Nehmerqualitäten" haben muss.

Sie alter Schlingel!

Ihre
Margarete , 08. Juli 2012 - 12:01 Uhr
38. Sparen in Frankfurt: indirekte Ohrfeige
Das Betriebsklima muss doch enorm leiden in solchen Verhältnissen. Wie will ein Reese seinen Mitarbeitern erklären, dass er zwar mehr bekommt, aber ihre Tariferhöhungen aus dem Gesamtetat bezahlt werden sollen, was bekanntlich auf den künstlerischen Etat zurückschlägt.

Wie funktioniert ein solches Gespräch?

Da gibt es doch wieder nur eine Lösung. Die Stadt Frankfurt muss auch die Tariferhöhungen zuschießen. Frankfurt ist dies sicherlich zuzumuten. Aber das Ganze stellt keine Gesamtlösung dar. Eine Finanzstadt kann sich eine solche Auseinandersetzungen vielleicht ohne größeren Schaden leisten. Aber für eine Stadt wie Oberhausen ist dies eine indirekte Ohrfeige.

Jeder Intendant geht eben in seiner Stadt seinen eigenen Weg. Da ist kaum Solidarität. Wilms und mit ihm Reese bekannten sich ja immer zur Konkurrenz. Jetzt lernen wir die Spitzen dieser Haltung kennen.
martin baucks , 09. Juli 2012 - 17:57 Uhr
39. Sparen in Frankfurt: Wer haut wen?
32. fällt mir gerade beim lesen ein:
zuerst eine in die fresse - dann kommt die moral.
besonders dann, wenn es die eigene fresse gewesen ist.
isst und frisst , 22. August 2012 - 15:17 Uhr
40. Sparen in Frankfurt: kämpfen Sie
Kleine Fußnote zu einem schon etwas zurückliegenden Thread:
Nachdem Herr Reese meines Wissens zu der Spardebatte um sein Haus nie etwas anderes hat verlauten lassen, als dass sich diese Diskussion erübrige, da man hier so erfolgreich wie noch nie sei, wollte ich dieser Tage ins Schauspiel Frankfurt gehen, was sich als nicht so leicht erwies: Neben einer Reihe von komplett spielfreien Tagen, spielt das Schauspiel Frankurt diesen Monat an elf Tagen in seinem großen Haus gar nicht. Das war zu Beginn der Ära Reese anders und klingt ehrlich gesagt gar nicht nach einer der größten Erfolgsgeschichten seit Beginn der Aufzeichnungen. Kommen nicht mehr soviel Zuschauer oder liegt es an den einsetzenden Sparzwängen? Vielleicht ist das der Augenblick, in dem ein Intendant mal mit dem Kampf beginnen müsste. Auch wenn er sich zuvor stets auf seine hervorragenden Zahlen festgelegt hat. Kämpfen Sie, Herr Reese.
Rödelheim , 11. November 2012 - 12:01 Uhr
41. Sparen in Frankfurt: Ensemble - Gewinn- und Verlustrechnung
Lieber Martin Baucks

Sie fragten sich am 9. Juli 2012 – das war in den Sommerferien des letzten Jahrs – ob das Betriebsklima an einem Theater unter Bedingungen wie denen in Frankfurt (der Intendant hatte sich sein Gehalt sehr stark erhöht, dafür aber Einsparungen im Gesamtetat akzeptiert) nicht sehr leiden müsste.

Die Frage blieb im Raum, meist erfährt man wenig davon, was hinter den Mauern der Theater und in den Ensembles vor sich geht. Nun erhalte ich das neue Spielzeitheft des Schauspiels Frankfurt und mir fallen gleich die vielen neuen Gesichter auf. Ich frage mich, warum es da so viele Neue gibt und schaue auf die Website, wo noch das Ensemble der laufenden Saison abgebildet ist.

Und hier das Ergebnis: statt zuletzt 32 Ensemblemitgliedern hat das Schauspiel Frankfurt ab dem nächsten Jahr noch 27.

9 Schauspieler verlassen das Ensemble, nämlich:

Valery Tscheplanowa
Sandra Gerling
Stephanie Eidt
Henrieke Johanna Jörissen
Marc Oliver Schulze
Michael Goldberg
Mathis Reinhardt
Felix von Manteuffel
Nils Kahnwald

Man könnte es eine Abstimmung mit den Füßen nennen. Oder mit dem Möbelwagen. (Kleiner Trost: Constanze Becker bleibt uns erhalten.)

Ich weiß, dass solche Dinge wahrscheinlich immer so oder so ähnlich ablaufen. Bedauerlich empfinde ich trotzdem die Wortlosigkeit, mit der diese Abgänge geschehen. Nicht nur seitens des Intendanten, auch seitens der Presse und des Ensembles. Wir haben in Frankfurt auch andere Zeiten erlebt. Als theater-interne Spannungen offener und konfliktfreudiger ausgetragen wurden.

Schon die Gehaltsdebatte wurde vom Schauspiel Frankfurt bloß schamhaft beschwiegen. Nun verändert sich das Ensemble sehr stark. Um viele der das Haus Verlassenden ist es schade. Was man dazu in der Zeitung lesen kann, ist: „Viele neue Gesichter sind zu entdecken.“

In meiner Laufbahn als Pädagogin habe ich gelernt: Wortlosigkeit ist ein Virus, der sich ausbreitet. Die Leitung des Frankfurter Schauspiels sollte achtgeben, dass nicht auch seine Kunst eiens Tages davon infiziert wird.
Gesine , 27. April 2013 - 19:22 Uhr
42. Sparen in Frankfurt: Veränderung
Wenn sich auf der Bühne schon nichts ändert, dann wenigstens die Schauspieler.
Willi , 28. April 2013 - 12:57 Uhr
43. Sparen in Frankfurt: auch bei den Zulieferern
auch bei den zulieferern konnten gute effekte erzielt werden. so schreibt beispielsweise der autor kluck auf seiner internetseite, dass ihm das schauspiel frankfurt ein sagenhaftes angebot gemacht habe.

(http://www.oliverkluck.de/mosaic/_M_userfiles/Autorenvertrag-frankfurt.pdf)
@gesine , 28. April 2013 - 15:35 Uhr
44. Sparen in Frankfurt: Info im Spielzeitheft
@ Gesine
...in meinem neuen Spielzeitheft ist Marc Oliver Schulze dabei.... Stephanie Eidt ebenso
Shirin Sojitrawalla , 28. April 2013 - 17:12 Uhr
45. Sparen in Frankfurt: Fotos der Gäste
Liebe Shirin

du hast Recht: es gibt im Spielzeitheft Fotos von Marc Oliver Schulze und Stephanie Eidt. Hinten im Mitarbeiterteil stehen sie allerdings nicht mehr im Ensemble, sondern bei den Gästen.

Auch so ein komischer Brauch. Manche Gäste vorn auf Fotos abzubilden, andere nicht. Schließlich gibt es ja noch mehr Gäste, die dem Haus durch frühere Ensemblemitgliedschaft lange verbunden sind, wie Traute Hoess, Joachim Nimtz etc.
Gesine , 29. April 2013 - 10:30 Uhr
46. Sparen in Frankfurt: Mogelpackung
@Gesine:
Also bitte, das ist das älteste Windowdressing. Natürlich will der Reese, dass der Erdrutsch in seinem Ensemble nicht so krass daherkommt. Darum mogelt er die beiden Profiliertesten unter denen, die sein Haus verlassen, als Gäste mit Ensemblefotos nochmal in sein Spielzeitheft.
So what?
Orlando F. , 29. April 2013 - 11:10 Uhr
47. Sparen in Frankfurt: was die FR druckt
Sein wohl übermächtiges Ego lässt Reese Dinge sagen wie: "Nicht Stars holen, sondern Stars machen" - und die Frankfurter Rundschau druckt es ab (25.04.13)
@FR , 29. April 2013 - 14:12 Uhr
48. Sparen in Frankfurt: Haus und Person nicht verwechseln
@gesine
Da kennt sich aber jemand gut aus unterm Sofa des Frankfurter Schauspiel. Ich finde die Kritik greift aber leider zu kurz und rechnet eher auf der persönlichen Ebene mit einem vielleicht unliebsamen Intendanten ab. Man darf aber die Person mit der Institution nicht verwechseln. Schöner wäre es, auf dieser Ebene sich mal über das Haus Gedanken zu machen.
Comfort , 29. April 2013 - 15:52 Uhr
49. Sparen in Frankfurt: Ruhe, bitte
Ich glaube, aus dieser Diskussion kann mal ein wenig Luft herausgenommen werden.

Sicher ist erkennbar, dass durch Reeses finanzielle Eskapaden – zusammen mit seiner zur Schau getragenen Uneinsichtigkeit – dem Schauspiel Frankfurt etwas von dem Nimbus, den es in den ersten Jahren seiner Intendanz hatte, abhanden kam.

Deshalb finden die Nörgler nun in Frankfurt ein Haar in jeder Suppe. Ich bestreite nicht, dass diese Haare wirklich da sind. Aber Ähnliches kann man auch anderswo und überall finden.

Die plötzliche Empfindlichkeit gegenüber Frankfurter Umtrieben hängt ja eher mit der überzogenen Wahrnehmung der Reese-Intendanz in ihren ersten Jahren zusammen. Damals konnte kein Attribut zu hoch gegriffen sein, handelte es sich beim Schauspiel Frankfurt gar bereits um das Stadttheater der Zukunft. Klar, dass der Fall danach umso tiefer sein musste.

Zugegeben: ein Drittel des Ensembles verlässt das Haus von einer Spielzeit auf die nächste, so etwas ist nie besonders schön. Aber Reese ist (wenn man den Hoeneß-Faktor einmal außer acht lässt) auch nicht schlechter als Joachim Lux oder Hasko Weber. Oder Ähnliche.

Hier soll man jetzt einmal ein Stadttheater in Ruhe zu sich selber kommen lassen. Und in ein paar Jahren wollen wir schauen, was wirklich dabei rauskam.
Klüger , 29. April 2013 - 17:21 Uhr
50. Sparen in Frankfurt: Einschüchterung
Lieber Comfort.
Immer wieder lese ich hier Anmerkungen wie die Ihre: "Da kennt sich aber einer gut aus im Theater soundso" oder "Sie sind wohl selbst Ensemblemitglied" etc. pp.
Wenn ich bedenke, dass wahrscheinlich einige, die hier posten, wirklich Angestellte der betreffenden Häuser sind, dass aber - wie ebenfalls in dieser Diskussion erkennbar - die Hausangehörigen eher wenig dazu beitragen - vielleicht aus Rücksicht auf sich selbst und andere - will sagen: dass es hausangehörigen Künstlern eher schwer fällt, sich zu Wort zu melden, dann finde ich diese Bemerkung reichlich überflüssig. Sie scheint mir sogar einschüchternd.
@comfort , 29. April 2013 - 18:06 Uhr
51. Sparen in Frankfurt: hier stimmt was nicht
Ein Stadttheater, das man "in Ruhe zu sich selber kommen lassen" soll? Ruhe als erste Bürgerpflicht? Oh nein, so geht Theater nicht. Schon gar nicht, wenn es um Sofas geht. Irgendwas stimmt hier nicht.
Ist das wirklich klug? , 30. April 2013 - 00:39 Uhr
52. Sparen in Frankfurt: Hauptsache der Betrieb geht weiter
@klüger: ja, nee, ist schon klar = hat mal einer eine kneifzange, meine hose rutscht: ist ja doch irgendwie wie aussuchen zwischen aufgehangen werden oder erschossen (verstehe schon). im grunde ist eh alles scheißegal und wenn die einen nicht wissen wo hin vor lauter kohle, können die anderen sich halt tot schuften. hätten sie mal aufgepasst in der schule, dann wären sie auch was anständiges geworden, zum beispiel kaufmännischer geschäftsführer, intendant, regisseur oder autor beim rowohlt verlag. schon klar, aber hauptsache der betrieb geht weiter, das publikum, um das es hier ja schließlich geht, fühlt sich auch recht angenehm unterhalten. rinke, göthe, löhle: theater wie von der administration bestellt als simulation eines interesses an gesellschaftlicher veränderung und kein bisschen mehr.
freese , 30. April 2013 - 03:58 Uhr
53. Sparen in Frankfurt: Nachfrage
@52 hallo? worum gehts hier eigentlich?
? , 30. April 2013 - 07:39 Uhr
54. Sparen in Frankfurt: weiterdenken
wo gehn diese schauspieler denn alle hin? oder wurden die alle gefeuert? eidt und schulze arbeiten offenbar frei, sonst könnten sie in frankfurt nicht weiter als gäste arbeiten. und was ist so schlimm an dem, was reese tut? Dass in frankfurt kriegenburg, henkel, thalheimer, kimmig usw arbeiten und offenbar immer wieder kommen? ich besuche ein Stadttheater, an welchem einiges misslingt - und vieles gelingt. ich will stadttheater - und für mich macht der reese dabei erst mal ganz schön viel richtig. und beileibe nicht komplett alles falsch. jenseits von irgendwelchen agrressionen, die hier offenbar abgearbeitet werden, bleibt die interessante frage, ob es eine unbemekrte reduzierung der stellen im ensemble gab, oder ob die stellenprozente noch da sind und nur noch nicht "aufgefüllt" sind. spart reese ohne zu kämpfen? und wenn ja, liegt es daran, dass er sich mit seiner gagenerhöhung von der stadt hat kaufen lassen (wie jetzt sicher einige ihm sofort unterstellen) oder hat es einen anderen grund, dass er grad keine harten geschütze auffährt?
Schwarz , 30. April 2013 - 08:20 Uhr
55. Sparen in Frankfurt: inhaltliche Frage
Lieber Schwarz,
Stephanie Eidt, Marc Oliver Schulze, Valery Tscheplanowa, Sandra Gerling ... die wird er wohl nicht alle gefeuert haben. Immerhin waren das die Protagonisten (neben Constanze Becker), die er in den letzten Jahren aufgebaut hat.
Becker hingegen war ja vorher schon ein Star. Insofern wird man sich schon fragen dürfen, ob Reese da alles "richtig gemacht" hat. Ich denke, das ist eher eine inhaltliche Frage, als eine von Stellenprozenten.
Eckehard , 30. April 2013 - 09:05 Uhr
56. Sparen in Frankfurt: Frankfurt als Sprungbrett
lieber eckehard, das glaube ich ganz und gar, dass der die nicht alle gefeuert hat - drum frag ich ja, wohin die gehen. sollten angebote aus schöneren städten mit großen theatern dabei gewesen sein, waren vielleicht einige karrieresprünge oder lebensqualitätsverbesserungssprünge dabei. wer lebt nicht lieber in berlin oder hamburg oder vielleicht auch münchen? das hat dann mit reese vielleicht gar nicht mehr so viel zu tun. ausser, dass er offenbar gute leute aufgebaut hat, die - wie überall - es irgendwann dazu nutzen, weiterzukommen. könnte doch sein.
Schwarz , 30. April 2013 - 10:24 Uhr
57. Sparen in Frankfurt: unterm Sofa ist im Spielzeitheft
@Comfort:
"Da kennt sich aber jemand gut aus unterm Sofa des Frankfurter Schauspiel."

Lieber Comfort, alle von mir angesprochenen Tatsachen finden sich im aktuellen Spielzeitheft des Schauspiels Frankfurt.
Dass der Weggang von wunderbaren Schauspielern wie Traute Hoess und Felix von Manteuffel von dir als "unterm Sofa des Frankfurter Schauspiels" qualifiziert wird, lässt sich nur dadruch erklären, dass du in Frankfurt nicht viel im Theater warst.
Wenn diese Schauspieler nicht das Gesicht des Schauspiels mitgeprägt haben, dann wüsste ich gerne wer oder was sonst?
Gesine , 30. April 2013 - 10:49 Uhr
58. Sparen in Frankfurt: Ausstrahlung
@ Schwarz: na klar, wer lebt nicht lieber in München oder Hamburg. Das geht jetzt ins Detail. Aber ich glaube, die Entscheidung zwischen Frankfurt, Hamburg oder München hängt für einen Schauspieler, der in der schönen Situation ist, sowohl in der einen als auch in der anderen Stadt arbeiten zu können, vor allem von der Ausstrahlung des jeweiligen Hauses ab. Und Frankfurt hat ja nun auch seine schönen Seiten.
Eckehard , 30. April 2013 - 13:21 Uhr
59. Sparen in Frankfurt: Tscheplanowa nach München
Valery Tscheplanowa ist im neuen Spielzeitheft des Residenztheaters zu finden, wo sie ab 5. Mai auch schon in Dimiter Gotscheffs "Zement"-Inszenierung zu sehen ist.
Beitrag , 30. April 2013 - 13:36 Uhr
60. Sparen in Frankfurt: Schauspieler wollen aufhören
Diese Schauspieler hören nicht auf, weil gespart werden muss. Sie hören auf, weil sie aufhören wollen. Das eine hat nix mit dem anderen zu tun. Es gibt ein Bild des Schauspiels Frankfurt, wenn so viele aufhören, das ist der Punkt.
Bettina , 30. April 2013 - 14:45 Uhr
61. Sparen in Frankfurt: ein Paradigmenwechsel?
Na klar, die Leute, die an größere Häuser gehen, waren die Stars, die Reese aufgebaut hat und die er naturgemäß (ist ja nur Frankfurt) jetzt nicht halten kann, die die nur nach Stuttgart oder an noch schlechtere Häuser gehen, werden die sein, die zu halten es nicht wert war. Leben ist nun mal Veränderung, und schon wieder hat er alles richtig gemacht.

Was aber ist, jenseits von richtig oder falsch, eigentlich die Nachricht?
Neun von 32 Schauspielern verlassen das Ensemble, vier Stellen davon werden neu besetzt.
Das scheint immerhin einen Paradigmenwechsel anzukündigen: Reese hatte doch nach Schweeger angekündigt, den Schauspieler wieder in den Mittelpunkt seines Hauses zu stellen. Ausdruck davon sollte sein, das Ensemble, das am Ende der Schweeger-Zeit noch 30 Mitglieder hatte, auf 40 Schauspieler aufzustocken.
Was – bei gleichbleibender Subvention - bedeutet hätte, dass er nicht so sehr mit Stargästen arbeitet, sondern sein festes Hausensemble nach vorne schiebt.
Nun ist das Frankfurter Ensemble noch kleiner geworden, als es am Ende der Ära Schweeger war. Was entweder bedeutet, dass da wirklich schon der Sparzwang in der Ensemble-Politik angekommen ist, oder, dass das Experiment sich aus dem Stargästebetrieb herauszuhalten als beendet angesehen werden kann.
Ich tippe auf das zweite, glaube auch, dass sich der Wechsel mit Andrea Breth und dem Faust-Projekt im letzten Jahr in Frankfurt schon angekündigt hat.
A.-S. F. , 30. April 2013 - 16:33 Uhr
62. Sparen in Frankfurt: Kunst und Idealismus
Dass Schauspieler die Stätte ihres Wirkens wechseln, ist normal, ist auch in Frankfurt unter Reese bereits früher vorgekommen.
Dass aber neun Schauspieler auf einen Streich ein Haus verlassen, ist nicht ganz so normal. Es schafft, wie man hier sehen kann, Erklärungsbedarf.
Was mich an der Debatte ärgert, ist, dass für dieses Phänomen alle möglichen Erklärungen bemüht werden (Karrieresprung, schönere Stadt), dass aber doch einige hier eine besonders naheliegende Erklärung gewissermaßen ignorieren: dass die Schauspieler, die aus Frankfurt weggehen aus künstlerischem Gewissen gehandelt haben könnten. Wieso zieht das niemand in Betracht? (Dich nehme ich aus, Bettina.) Glaubt inzwischen niemand mehr daran, dass Kunst auch mit Idealismus zu tun haben kann? Dabei ist das öfter der Fall, als mancher denken mag. Gerade bei den Künstlern, die nicht so hoch bezahlt sind.
Willi , 01. Mai 2013 - 01:50 Uhr
63. Sparen in Frankfurt: Dekadenz erwünscht
ich wünsche dekadenz und hoffart. haut die kohle raus, dass es nur so kracht. und lust und laster, rauschmittel, abstürze, nächtelange kräche, verschenken von jugend und zukunft, das ist es, warum ich ins theater gehe. ruhe, sauberkeit und ordnung bekomme ich auf arbeit und bei meinen frauen.
franz friedrich schleyer , 01. Mai 2013 - 04:11 Uhr
64. Sparen in Frankfurt: Statistik als Gewissensfrage
@62: ah ja genau: und jetzt die künstlerische gewissensfrage! denn die regisseure in frankfurt machen ja so uuuuuunglaublich viel schlechtere kunst als anderswo - zum beispiel in berlin, wo jeder, der ein künstlerisches gewissen hat, am DT gut aufgehoben ist - oder das gorki, stimmt ! da müssen ja alle aus purer not idealistisch sein - sowohl die alten als auch die neuen. ähm - und diejenigen, die das künstlerische gewissen nicht wegzieht, die haben keins, oder wie oder was ... wer bestimmt was kunst ist was ist gewissen warum reden wir jetzt über moral wer ist eigentlich aus der schaubühne alles abgehauen welche theater verlieren kontinuierlich jedes jahr zwei bis drei spieler und ersetzen sie durch neue so dass man nicht merkt, dass da permanenter wechsel und austausch ist - her mit den spielzeitheften jetzt wird statistik gemacht wieso und warum das ganze haben wir eigentlich nichts besseres zu tun ich les jetzt ein gutes buch - tschüss!
Berliner , 01. Mai 2013 - 09:05 Uhr
65. Sparen in Frankfurt: Stadttheater braucht Glaubwürdigkeit
@Berliner:
Was ich an Berliners Kommentar interessant finde, ist, wie er - trotz heißlaufen der Drähte - nicht in der Lage ist, den Unterschied zwischen Erfolg und Gewissen zu bemerken. Man kann es, das Gewissen, ja auch, eine Nummer kleiner, Glaubwürdigkeit nennen. Und warum sollten nicht auch Schauspieler verstehen können, dass Stadttheater in Deutschland nicht nur Ästhetik braucht, sondern genauso Glaubwürdigkeit. Und daran ändert auch ein Thalheimer nicht viel, der in Frankfurt ebenso erfolgreich wie in andern Städten ist.
Berti , 01. Mai 2013 - 22:30 Uhr
66. Sparen in Frankfurt: gutes Studium
@Willi:
Ich gebe zu, das ist auch mir ein bisschen zu viel Moralin.
Ich würde das Problem von einem anderen Aspekt ansehen:
Frankfurt muss sparen, so lautet schon der Titel dieses Threads:
und es wird sparen, wie viele andere Theater schon in naher Zukunft auch.
Nun hat Reese mit demselben Federstrich, der seine Einwilligung in den Sparkurs klar stellte, für sich selbst zumindest klar gestellt, dass er noch ein paar Jahre lang nicht wird sparen müssen. Und das ist das Problem.

Jeder Einschnitt, der am Schauspiel spürbar wird, wird mehr auf ihn zurückfallen als auf die Politiker, die den Einschnitt anordnen. Kommt dazu: auch bei den Stadtoberen hat er seine Glaubwürdigkeit als Kontrahent und Kämpfer für sein Haus beschädigt.
Darum setzt er auf Quote, das heißt, er sucht sein Heil beim größtmöglichen Publikum.
Die Quote ist (bei der wechselhaften Gunst des Feuilletons) das einzige politische Argument für sein Theater, das ihm bleibt.
Die Auswirkungen dieser Strategie sind am Frankfurter Spielplan bereits abzulesen.
Was als nächstes droht, sind die Unterforderung des Publikums, Unterforderung der Künstler und eine zerstörerische Abhängigkeit vom Kassenerfolg.

Jeder Intendant in Deutschland sollte dieses Beispiel gut studieren.
Peter Kael , 03. Mai 2013 - 20:18 Uhr
67. Frankfurt soll sparen: Reese auf You Tube
So „wortlos“ in Bezug auf die Kündigung von Mitarbeitern, wie oben behauptet, ist Oliver Reese allerdings nicht immer.
Jedenfalls war er es nicht in einem Gespräch mit Rolf van Dick vom Center for Leadership and Behavior in Organizations zum Thema „Führung“, das seit dem 20.03. auf YouTube steht:
„…
Rolf van Dick: Sie haben gerade Werte angesprochen. Das ist meine letzte Frage: welche Rolle spielen Werte in der Gesellschaft, aber für Sie persönlich auch in dem Umfeld, in dem Sie hier arbeiten?
Oliver Reese: Je länger ich das mache, was ich mache, desto wichtiger werden mir bestimmte, sagen wir, Grundeinstellungen. Und ehrlich gesagt, das macht das Leben leichter. Also zum Beispiel, nehmen wir einen heiklen Fall wie Trennung von Mitarbeitern. Wenn man mit Menschen, mit denen man teilweise über Jahre gearbeitet hat, irgendwann der Meinung ist, dass jemand da nicht mehr optimal auf dem Posten ist, auf dem er ist, also am Theater zum Beispiel auch Schauspieler im Ensemble oder eine Öffentlichkeitsarbeiterin, ein Pressechef, ein künstlerischer Betriebsbüromitarbeiter, dann, glaube ich, fällt es unglaublich schwer, solche Entscheidungen zu treffen, auch im Falle von einer Vertragsnichtverlängerung, wenn man, wie soll ich sagen, nur in der Psychologie und im Miteinander, im täglichen Leben verwurzelt ist, statt zu gucken, welches eigentlich die Grundentscheidungen sind, Grundwerte sind, sagen wir ruhig dieses Wort, nach denen man Entscheidungen trifft. Und, wie soll ich sagen, eine Entscheidung gegen eine Nichtverlängerung, also jemanden zu behalten, obwohl man vielleicht nicht mehr von ihm überzeugt ist, das bedeutet ja auch immer, sich gegen jemanden zu entscheiden, der jetzt nicht kommen kann, weil die Stelle nun anders besetzt ist. Also die Alltagspsychologie sagt mir, das ist doch mein lieber Mitarbeiter, das fällt mir jetzt sehr schwer, den nicht zu verlängern. Fällt es auch. Aber zum Beispiel zu wissen, wie hoch stelle ich meine, sozusagen, meine Anforderungen an das Gesamtniveau dieses Hauses und wie wichtig ist denn diese Stelle für alle anderen Mitarbeiter und inwiefern wäre es jetzt zum Beispiel für die Erneuerung eines Theaters wichtig, nach, sagen wir, fünf sechs Jahren mal im Ensemble viele neue Gesichter zu haben, damit für die Zuschauer eine neue Attraktivität und ein neuer Aufbruch ist und auch, möglicherweise, hausintern. Und solche Entscheidungen dann zu treffen, nicht weil ich sage, ich mag da jemanden nicht mehr oder, O Gott, ich mag ihn so sehr, ich schätze ihn nicht mehr, aber ich kriege es nicht über mich gebracht, also bei solchen Entscheidungen hilft es doch gewaltig, sich auf einen Grundwert zu besinnen.“

Wer mehr über „Führung“ wissen möchte:
http://www.youtube.com/watch?v=n6_76G8S5Ug
Knödel , 04. Mai 2013 - 16:29 Uhr
68. Sparen in Frankfurt: nachgezählt
Hier allerdings irrt der Herr der Zahlen: er ist nämlich keineswegs schon fünf oder sechs Jahre in Frankfurt, sondern erst vier.
Adam Riese , 05. Mai 2013 - 23:24 Uhr
69. Sparen in Frankfurt: Windchill-Zeit
@ Adam: Aber man muss zugeben, es kam einem schon länger vor.
Blondie , 06. Mai 2013 - 19:58 Uhr
70. Frankfurt soll sparen: Aufruf Bockenheimer Depot erhalten
Achtung. Wie die Intendanten der Städtischen Bühnen in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau gestern bekannt machten, lancieren Kulturpolitiker in Frankfurt derzeit Pläne, das Bockenheimer Depot als Theaterspielstätte zu schließen. Das Depot ist ein Symbolort für die große Frankfurter Theatertradition. Bitte lasst uns etwas tun, um eine Schließung zu verhindern.

http://www.fr-online.de/frankfurt/oper-und-schauspiel-frankfurt--wir-werden-noch-mutiger-werden-,1472798,22855892,view,DEFAULT.html
Gesine , 26. Mai 2013 - 12:55 Uhr

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