Dienstag, 23. September 2014

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Jonathan Meese wird 2016 in Bayreuth Parsifal inszenieren

Richard Wagner sachlichst dienen

25. Juli 2012. Jonathan Meese wird 2016 in Bayreuth Richard Wagners "Parsifal" inszenieren. Das gab Katharina Wagner heute morgen auf einer Pressekonferenz zum Auftakt der Festspiele in Bayreuth bekannt. Meese, der auch die Ausstattung seiner Inszenierung übernehmen wird, freue sich "wahnsinnig", erklärte Katharina Wagner. "Ich werde wahnsinnig präzise Richard Wagner sachlichst dienen", zitierte sie den Künstler.

Mit dem "Parsifal" wird Meese aus gegenwärtiger Sicht in Bayreuth sein Debüt als Opernregisseur geben. Die musikalische Leitung wird der lettische Dirigent Andris Nelsons übernehmen. Für die Titelrolle ist Klaus Florian Vogt vorgesehen, Kundry soll mit Petra Lang und Gurnemanz mit Georg Zeppenfeld besetzt werden.

Auf eine Meldung des Nordbayerischen Kuriers angesprochen, in Zukunft werde den Wagner-Schwestern als kaufmännischer Geschäftsführer Patrick Wasserbauer (derzeit Geschäftsführer der Bühnen Köln) an die Seite gestellt, entgegnete Katharina Wagner, davon wisse sie nichts.

(wb / sle)

 

Mehr lesen? Was Jonathan Meese über die Diktatur der Kunst zu sagen hat zum Beispiel? Bitte hier entlang.

 




Kommentare (109)

1. Meese nach Bayreuth: Avantgarde ahoi
Mensch, da waren die Schwestern bzw. die eine ja mal richtig richtig kreativ: Nach Chr. Schlingensief für dasselbe Stück (!) Jonathan Meese auszusuchen - Avantgarde ahoi. Wo bitte noch mal geht's zur Enteignung?
winifred und co , 25. Juli 2012 - 12:19 Uhr
2. Meese nach Bayreuth: auf Wolken
Richtig cool wäre es doch nur, wenn Meese den Parsival selber gäbe. Und seine Mutter die Kundry wäre. Vielleicht könnte man auch Herrn Hegemann noch unterbringen, als Ritter Gurnemanz beispielsweise. Als Parsivals tote Mutter könnte als Projektion auf einer lungenflügelförmigen Wolke kurz auch Christoph Schlingensief über den Grünen Hügel schweben.
Cosima v. B. , 25. Juli 2012 - 12:43 Uhr
3. Meese nach Bayreuth: erzkrank
Das ist und nun wirklich endgültig total erzkrank.
Meesepeter , 25. Juli 2012 - 13:05 Uhr
4. Meese nach Bayreuth: laudatio
Hoch lebe die PR.
Möwes , 25. Juli 2012 - 13:41 Uhr
5. Meese nach Bayreuth: wahnsinniges Andienungsansinnen
Die Frage ist, ob Meese, wie der Wagner´sche Parsifal, wirklich ein im Herzen reiner Tor ist, oder nicht eher der Gralskönig Amfortas selbst, der mit jeder Enthüllung des Grals der reinen Erzkunst, aus dem er, der Erzkünstler und seine Tafelritter genährt werden, an der offen blutenden Wunde, die ihm die profane KommErz-Kunst geschlagen hat, leidet. Meese ist der Erzjünger der ständig nur den Erlöser propagiert. Letztendlich muss sich aber jeder Künstler selbst erlösen oder in Abhängigkeit bleiben. Und so hätte Meese eigentlich auch der Verführungskunst der Bayreuther Katharina-Kundry widerstehen müssen. Ob er in Bayreuth überhaupt die Diktatur der Kunst ausrufen will, kann da, nach seinem wahnsinnigen Andienungsansinnen an Richard Wagner, auch ruhig bezweifelt werden. Schlingesief hat damals schon versucht, seine Kunst auf dem Hügel durchzusetzen und sehr darunter gelitten. Man kann dort eigentlich immer nur der nach Erlösung Suchende sein, ein Holländer, ein Amfortas, aber nie ein Lohengrin oder gar Parsifal. Und auch Nikitin ist diese Erlösung schon im Vorfeld verwehrt geblieben.
Stefan , 25. Juli 2012 - 14:12 Uhr
6. Meese nach Bayreuth: wenig Verständnis
Endlich haben sie jemanden gefunden, der noch weniger von Musik, Theater und Oper versteht.
weinender kulturschaffender , 25. Juli 2012 - 16:21 Uhr
7. Meese nach Bayreuth: Mainstream
_ pop ist nicht subversiv! pop ist mainstream!
meese ist pop! wer am lautesten schreit bekommt den dicksten kuchen _ _ die sprüche von herrn meese passen gut nach bayreuth und der ruhmreichen geschichte des grünen hügels_ er war ja auch schon in salzburg:-)
artificial ingredients , 25. Juli 2012 - 22:30 Uhr
8. Meese nach Bayreuth: Fans
Alles Meese Fans. Hihihi.

http://www.welt.de/kultur/article108383526/Merkel-betritt-Gruenen-Huegel-im-Krisenkleid.html
martin baucks , 25. Juli 2012 - 22:33 Uhr
9. Meese nach Bayreuth: Hegemanns Stimmfach
Also was Jonathan Meese für z. B. Pitigrilli und Rihm gemacht hat, verrät aus meiner Sicht eine Menge Verständnis für Theater und Oper! Und mit den Meistersingern hat er sich ja auch schon beschäftigt! Der Vorschlag von Carl Hegemann als Gurnemanz ist fantastisch, voll der Typecast! Ist er denn vom richtigen Stimmfach???
Olaf B , 25. Juli 2012 - 23:40 Uhr
10. Meese nach Bayreuth: keine Ahnung von Theater
@olafB
Was Meese mit Rihm gemacht hat, war die absolute Langeweile! Das konnte man jetzt noch einmal in der Staatsoper in Berlin sehen. Drei dekorative Bilder, in denen irgendwelche Frauen in Strumpfhosen und Pumps um einen Mann namens Dionysos herumkreisten. Der Mann hat leider wirklich keine Ahnung von Theater.
Publicrelation , 27. Juli 2012 - 10:23 Uhr
11. Meese nach Bayreuth: die endgültige Freiheit bei Dionysos
Ah ja, irgendwelche Frauen kreisten also um einen Mann namens Dionysos rum. Na toll. Hat Meese denn die apokalyptische Situation nicht erfasst, die gefährliche Erfahrung der Verzückung am Absoluten?

"Dionysos verspricht Erlösung von der Entfremdung und Befreiung von allen Fesseln, doch die wahre Freiheit, die endgültige Freiheit ist nur die eine: es ist die Freiheit zu töten. Dann verwandeln sich die Blumenkinder in schöne Mörderinnen."
(Jan Kott, "Gott - Essen")

Tja. Die religiöse Erfahrung über die Vermittlung der Sinne (bzw. nach Artaud die Metaphysik via Haut in die Gemüter einziehen zu lassen) ist eben doch etwas anderes als die billige Männerpantasie von "Frauen in Strumpfhosen und Pumps". Oder ist der Kommentar von "Publicrelation" zu verstehen?
Inga , 27. Juli 2012 - 19:37 Uhr
12. Meese nach Bayreuth: die Frage war eine Nachfrage
Die Frage sollte natürlich lauten: Wie ist der Kommentar von "Publicrelation" zu verstehen. Denn hier muss sich neben Meese wohl vor allem auch der Regisseur Pierre Audi befragen lassen.
Inga , 28. Juli 2012 - 10:25 Uhr
13. Meese nach Bayreuth: Wuttke auf die Opernbühne!
@11
Viele Frauen laufen gern in Strumpfhosen und Pumps herum, ohne dabei auf Männerfantasien zu hören. Manche Frauen sehen gern andere Frauen in Strumpfhosen und Pumps. Mütter von manchen Frauen sehen auch gern andere Frauen in Strumpfhosen und Pumps.

In Bayreuth muss sich Meese ein bisschen zusammenreißen. Dort kann er nicht so einfach eine barbusige Frau über die Bühne schleifen, wie er das bei Castorfs "Meistersingern" getan hat. Mit einem guten Beraterstab könnte Meese sogar eine Oper hinbringen. Er kann alte Mitstreiter heranziehen: vielleicht macht Wuttke bald eine Fortbildung als Tenor.
Dedé Erler , 28. Juli 2012 - 11:36 Uhr
14. Meese nach Bayreuth: Mannweib Dionysos
@ Dedé Erler: Och Gottchen, denken Sie gleich patriarchalisch. Es ging mir gar nicht um den Aspekt, dass diese Frauen "auf Männerfantasien" hören oder nicht. Es ging mir vielmehr darum, dass der Dionysos-Mythos für mich persönlich nicht einfach in billige Bordellbilder übersetzbar ist. Denn es geht da um Fragen, welche jenseits pornographischer Männer- und/oder Frauenphantasien liegen. Es geht um einen orgiastischen Ritus, um die Nachahmung des Leidensdramas des Dionysos über den Tanz, den Exzess des Körpers. Sprich: Diese Frauen sollten hier nicht nur dekorativ rumstehen, sondern sich verausgaben. Die dionysische Versuchung verspricht, zu sich selbst zu finden und zugleich ein Teil des sich wandelnden Kosmos zu werden, kurz: Die Versöhnung der entfremdeten Natur mit ihrem verlorenen Sohne, dem Menschen. Wie bereits gesagt:

"Dionysos verspricht die sofortige Apokalypse, in der alle Zeiten zusammenfallen: Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart, und in der 'Ich' und 'Nicht-Ich', Mensch, Gott und Natur eins werden."
(Jan Kott)

Zudem ist Dionysos immer eine bisexuelle Gottheit gewesen, er hat die Gestalt eines jungen, mädchenhaften Mannes angenommen und trägt schulterlanges gelocktes Haar. Hierin zeigt sich auch die Aufhebung aller Geschlechtergrenzen im dionysischen Rausch. Was aber hat jetzt dieser schnauzbärtige und eindeutig als männlich identifizierbare Schauspieler/Sänger (Georg Nigl) mit dem antiken "Mannweib" des Dionysos-Mythos zu tun? Abgesehen davon, dass er hier Nietzsche himself repräsentieren soll. Aber das führt jetzt vielleicht auch alles zu weit ab vom Thema "Meese nach Bayreuth".
Inga , 28. Juli 2012 - 13:04 Uhr
15. Meese nach Bayreuth: neue Sichtweisen, bitte
Ach Inga, ein mädchenhafter Mann, mit schulterlangem lockigen Haar, wie mich diese Frauenphantasien langweilen,...erfinden sie doch mal neue Sichtweisen.
martin baucks , 28. Juli 2012 - 15:19 Uhr
16. Meese nach Bayreuth: falsch verstanden
@ martin baucks: Mensch, das ist doch keine Frauenphantasie, Mann! Die langen Haare des Dionysos sind Symbol des Eros, der Fruchtbarkeit und Wiedergeburt. Man könnte auch sagen: Jesus bzw. Meese himself. Honi soit qui mal y pense.
Inga , 28. Juli 2012 - 16:11 Uhr
17. Meese nach Bayreuth: Ist es vielleicht völlig unbedeutend?
Warum, beispielsweise, interessiert sich Meese überhaupt für einen Knaben, der, ähnlich wie Rapunzel, von seiner Mutter in völliger geistiger Isolation erzogen wurde. Eine grausame Mutter, die dem Knaben keine eigenständigen sozialen Beziehungen erlaubt? Kann man von diesem Punkt auf Meese rückschließen? Der Kuss der Kundry, den man auch als sexuellen Übergriff deuten darf, was will Meese damit?
Die Totalität des Speeres, ist das seine Vorstellung der Diktatur der Kunst?

Was wollen die Wagner Schwestern von dem Künstler? Was erwarten sie sich, er, der zum Hitlergruss neigt, was wollen sie von ihm, nachdem sie einen Sänger wegen eines Taatos rauswarfen?

Hat Castorf den Kontakt zu Meese vermittelt? Werde ich die Aufführung jemals sehen? Wereden Sie, Inga, die Aufführung sehen?

Vielleicht wird sie Sigmar Gabriel als neuer Bundeskanzler sehen! Und was würde das bedeuten? Eventuell nichts? Ist vielleicht völlig unbedeutend was Meese mit Wagner macht? Dieser durchgeknallte Knabe mit Hang zum Brüllen.
martin baucks , 28. Juli 2012 - 18:39 Uhr
18. Meese nach Bayreuth: Weiterer Provokateur erhält Kapitalismus
@ martin baucks: Warum argumentieren Sie so moralisch-psychoanalytisch? Glauben Sie wirklich, Meese wäre an die Wagner-Schwestern mit dem Wunsch herangetreten, den Parsifal zu inszenieren? Glauben Sie wirklich, die Kunst Meeses lasse sich allein aus seiner Biographie heraus erklären? Glauben Sie nicht, dass hier vielleicht einfach nur ein weiterer sogenannter "Provokateur" gesucht wird, welcher das kulturkapitalistische System gerade dadurch am Laufen hält? Verweist die spielerische Identifikation Meeses mit der Symbolik der Hitler-Dikatur nicht vielleicht auf die direkte Konfrontation mit den obszönen rassistischen Fantasien, mit der obszönen Unterseite der Macht, welche gerade auch in Bayreuth krampfhaft geleugnet bzw. weitestgehend verschwiegen wird? Und seit wann ist ein Kuss ein sexueller Übergriff?
Inga , 29. Juli 2012 - 13:40 Uhr
19. Meese nach Bayreuth: Mehr Clown als Provokateur
Ein langanhaltender Kuss, ausgehend von einer erwachsenen Frau, gerichtet auf einen Knaben, ist mindestens Sex mit Minderjährigen. Auf welchem Auge sind sie blind? Entdecken sie sexuelle Problematiken nur in eine Richtung?

Spielerischer Umgang mit der Symbolik der Hitler Diktatur. Hihihi. So redet sich wahrscheinlich jeder Hooligan aus einer misslichen Lage. - Meese ist eher ein Clown, als ein Provokateur. Ich mag ihn. Ich sah ihn neulich in der U-Bahn am Alex. Ein lustiges Kerlchen. Ob er dazu taugt auf die obszöne Unterseite der Macht zu verweisen, daran hege ich Zweifel. Ein kunstvoller Brüllhans halt, der sich zu vermarkten weiß, weitgehenst wirkungslos und ohne echte Ressonanz in unserer Gesellschaft. Da reiben sich doch jetzt schon ein paar Galeristen die Hände. Aber warum auch nicht. Die Märkte der Kunst erleben etwas positive Aufregung. Mehr nicht.

Von krampfhafter Leugnung würde ich bei der jetzigen Leitung nicht reden wollen. Die haben das Problem zunächst ausgelagert an ein paar Historiker. Das ist ihr gutes Recht. Auch ich habe nicht immer Lust danach mich mit der jüdischen Vergangenheit meiner Großmutter auseinanderzusetzen.

Ob Meese als Kunstclown ein kulturkapitalistisches System am Laufen hält? Das ist mir zu ungenau. Ein paar Liebhaber werden etwas Kunst von ihm erwerben. Dies sei ihnen gegönnt.

Überhaupt ihre ganze Sprache Inga ist so unselbstständig, so entlehnt. Darüberhinaus bin ich nicht moralisch psychoanalytisch. Da unterstellen sie mir zuviel. Ich habe einfach nur eion paar Fragen entwickeln wollen, um eine neue Sicht zugewinnen. Man kann sie beantworten wollen, oder es sein lassen. Sie entspinnen da die übliche Struktur in so einem Thread, indem sie gleich zum Streiten übergehen ohne Grund, und das langweilt mich.
martin baucks , 29. Juli 2012 - 14:00 Uhr
20. Meese nach Bayreuth: erstmals NS-Vergangenheit aufarbeiten
@ martin baucks: Sex mit Minderjährigen? Ein Kuss? Na ja, das ist dann wohl doch Definitionssache bzw. eine Frage der Differenzierung, oder wie kommen Sie jetzt darauf?

Die Wagner-Schwestern sind die Ersten, welche überhaupt erst damit begonnen haben, sich mit der NS-Vergangenheit des Wagner-Clans auseinanderzusetzen. Dabei bedienen sie sich Historikern ihrer Wahl, unabhängige Historiker dagegen sind weniger willkommen.

Und natürlich hält Meese das kulturkapitalistische System am Laufen. Gerade weil er immer nur den lustigen und nie den bösen Clown spielt. So einer, ein im Grunde recht braves Muttersöhnchen, lässt sich wunderbar in die kommerzielle Maschinerie der Bayreuther Lifestyle-Kultur integrieren. Soll heissen: Wir, "Die oberen Zehntausend", konsumieren Bayreuth, also sind wir. Wir wollen uns immer nur im Eigenen spiegeln, wir wollen darin aber bittschön nicht hinterfragt werden, wir wollen nicht von der Bühne aus verführt werden, die Verhältnisse einmal anders zu denken.

Meine Sprache sei unselbständig und entlehnt? Nein, und das ist auch kein Streit, das ist einfach nur meine persönliche Haltung. Ist das ein Problem (für Sie)?
Inga , 29. Juli 2012 - 15:11 Uhr
21. Meese nach Bayreuth: als wenn Alice Cooper inszenierte
Wenn sie sagen, die Ersten, die sich überhaupt erst(...), dann meinen sie Auseinandersetzung in ihrem Sinne? Oder was?

Ich denke, es hat innerhalb der Wagnerfamilie immer Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit gegeben, nicht unbedingt öffentlich, und wahrscheinlich nicht in ihrem Sinne.

Tja, der Kuss, den Parsifal dort empfängt, wenn sie meinen, dann definieren sie ihn doch mal.

Welches kulturkapitalistische System hält Meese denn am Laufen und wie? Und was wäre denn ihre Alternative? - Das ist alles so grob hingesagt.

Die oberen Zehntausend? Was soll das sein? Die kann man doch getrost in Ruhe lassen. Dann konsumieren sie eben "Bayreuth". Und wenn schon.

Wir wollen bitteschön nicht hinterfragt werden! Quark. Der Vorgang ist schon etwas komplizierter, wenn dort jemand wie Meese mit einer zugespitzen Demokratiekritik von Merkel oder Gabriel und anderen auftritt. Das würde sich schon lohnen zu beschreiben. Aber noch ist es ja nicht soweit.

Und meinetwegen, ihre persönliche Haltung ist ein Problem für mich, weil sie mir nichts eröffnet und mich langweilt.

Mir ist diese ganze Grals Geschichte nicht schlüssig. Gut, ich mag die Musik von Wagner hin und wieder. Aber immer, nach kurzer Zeit tun mir die Eier weh, und daran kann wahrscheinlich auch Meese nichts ändern. Soll das konsumieren wer will. Mich müsste man schon einladen und mir eine Karte schenken und das Hotel und die reise dazu, um diesem Ereigniss beizuwohnen. Wahrscheinlich würde ich den Saal vorzeitig verlassen.

Für mich ist eine solche Arbeit ungefähr so wichtig, als wenn Alice Cooper den Parsifal inszenierte. Warten wir es ab.
martin baucks , 29. Juli 2012 - 15:36 Uhr
22. Meese nach Bayreuth: Jonathan Christian Wulff
Als seinerzeit die Bundeskanzlerin Angela Merkel den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen hat, war der erste, einzige und unverrückbare Gedanke, wenn einer nicht für das Amt des Bundespräsidenten geeignet ist, dann ist es Herr Wulff.
Jeder Tag im Amt des Bundespräsidenten Wulff war eine Bestätigung dieses Gedankens. Daran konnten weder Politexpertenmeinungen noch Teile der Presse zu keinem Zeitpunkt etwas ändern.
Ähnliche Gedanken kommen bei Jonathan Meese als Opernregisseur in Bayreuth.
Nomos , 29. Juli 2012 - 16:31 Uhr
23. Meese nach Bayreuth: es geht um seine Kunst
Was die Theaterkritik von Meese trennt...
(Klingt beinahe wie eine Artikelüberschrift bei der Berliner Zeitung)
Meese sollte als Künstler bewertet werden. Es geht um seine Kunst, nicht um seine öffentlichen Auftritte. Die sind nur Selbstvermarktung. Aber welcher Theaterfreund besucht seine Ausstellungen? Meese lotet die Möglichkeiten wesentlich tiefer aus als etliche Schauspieler. Sich Meese mit intellektuellen Kategorien zu nähern, hat keinen Sinn. Mich hat damals die Häme von D. Pilz über Meeses en passant formulierte Schriften arg verwundert.

Flohbär , 29. Juli 2012 - 18:10 Uhr
24. Meese nach Bayreuth: Markenprodukt?
@ martin baucks: Wenn ich sage "die Ersten, die sich überhaupt erst [...]", dann meine ich natürlich die öffentliche Auseinandersetzung, welche impliziert, dass man sich auch mit Gegenwind auseinandersetzen muss. Es gibt nicht nur die eine, absolut richtige, Geschichtsschreibung, sondern Geschichte ist eine Konstruktion und damit immer schon perspektivisch.

Wegen des Kusses, ich fragte Sie. Wie gesagt, ich verstehe nicht, was an einem langanhaltenden Kuss zwischen Kundry und Parsifal gleich "sexueller Missbrauch Minderjähriger" sein soll.

Mit dem kulturkapitalistischen System meine ich, dass es heutzutage oftmals vor allem um den Erlebnis- bzw. emotionalen Mehrwert gegenüber dem Gebrauchswert von Theater, Oper etc geht. Man könnte sich die Frage stellen, ob der Hofnarr Meese in Bayreuth nicht nur als "Markenprodukt" konsumiert wird (wofür er möglicherweise auch nichts kann, keine Frage, aber er könnte dem künstlerisch etwas entgegensetzen). Ich beziehe mich auf Robert Misiks "Kult-Buch" oder auch Gerhard Schulzes "Die Erlebnisgesellschaft". Zitat Schulze:

"Der rationale Erlebniskonsument wehrt sich nicht etwa gegen Suggestionen..., sondern er fragt sie nach: den Ruhm des Virtuosen, den Massenandrang zum Rockkonzert, die aktuelle Etabliertheit modischer Details im eigenen Milieu, die Absegnung eines Films als 'Kultfilm'..., die Definition des Erlebnisgehalts von Angeboten durch Werbung, die Erzeugung einer Aura von Besonderheit durch exorbitante Preise."

Und was meinen Sie jetzt mit der "zugespitzen Demokratiekritik von Merkel oder Gabriel und anderen" durch Meese, vor allem in Bezug auf den "Parsifal-Stoff"? Ist diese Wagner-Oper dafür denn überhaupt geeignet oder müsste man zu diesem Zweck nicht ganz andere Texte verwenden? Sie sagen ja selbst, dass Ihnen diese ganze Grals-Geschichte nicht schlüssig ist.
Inga , 30. Juli 2012 - 16:53 Uhr
25. Meese nach Bayreuth: neurotisch freie Meinungsäußerung
Ich bin durchaus für einen emotionalen Zugewinn beim Konsum von Kunstwerken. Was spricht dagegen? Wie klafft denn für sie Gebrauchswert von Theater und emotionaler Zugewinn auseinander? Und wie erschließt sich daraus ein System des Kulturkapitalismus?

Den Kuss empfängt Parsifal nicht freiwillig, sondern gegen seinen Willen und er wehrt sich. Dies können sie im Libretto zweiter Akt einfach nachlesen. Das ganze Ambiente der Szene, die arabische Travestie verweisen auf einen vorsätzlichen sexuellen Übergriff, der nur Kundry nutzen kann.

Tja, einige Menschen leben eben sehr gut mit ihrer faschistischen Vergangenheit. Das schmerzt uns vielleicht und wir denken, das darf nicht sein. Aber es darf.

Einen Hofnarren Meese gibt es nicht, da es keinen Hof mehr gibt. Er stellt auch kein Markenprodukt in Serie her. Diese Kritik wird bei Ihnen zu generell und für Meese unbegründet angewandt.

Eine Aura kann man nur exorbitant vermarkten, wenn sie Substanz hat.

"...zugespitzten Demokratiekritik vor Merkel oder Gabriel..."verzeihen sie bitte den kleinen Tippfehler. - Nun ja, Meese hat sich da doch in Kassel erst kürzlich positioniert. Für ihn fällt das, was wir hier machen wahrscheinlich unter eine Art neurotisch demokratische freie Meinungsäußerung, die weg muss. So wie für ihn die ganze Ideologie der Demokratie "weg muss". Sie haben das doch sicher auch gesehen. Oder etwa nicht?

Ein solch antidemokratischer Künstler spielt, eben nicht vor dem Hof, sondern vor weitgehenst ausgesuchtem Publikum in Bayreuth, und meißtens auch vor der Kanzler/in. Die Attacke von Meese auf die Demokratie scheint mir durchaus Ernst gemeint. Da könnte man sich als parlamentarischer Vertreter der Demokratie doch angesprochen fühlen, als Mensch, der sich der Kunst in den Weg stellt. Oder etwa nicht? Also kein widerspruchsfreier Raum der Selbstbespiegelung, wie sie meinen, außer Merkel und und und bekennen sich zu antidemokratischen Positionen.

Dieses Gerede über Kulturkapitalismus nervt echt. Den Begriff müssten sie ersteinmal definieren. Außerdem bin ich weiterhin der Überzeugung, dass die Wagner Schwestern durchaus Kunst produzieren dürfen ohne sich über ihre Familiengeschichte auseinanderzusetzen.

Mich stösst eher dieser ewig somnambule Blick der Jüngeren ab.

Lesen sie den zweiten Akt. Und studieren sie rückschließend auf den ersten das Verhalten der Kundry. Verhielte sich ein Mann so gegenüber einem Mädchen, würde man es als Übergriff deuten.
martin baucks , 30. Juli 2012 - 18:32 Uhr
26. Meese nach Bayreuth: wenn man glauben möchte
Und übrigens, was im dritten Reich antidemokratischen Positionen diente, ist wahrscheinlich auch heute nützlich, wenn man an einen Gral glauben möchte.
martin baucks , 30. Juli 2012 - 18:48 Uhr
27. Meese nach Bayreuth: konsumistische Mentalität & der Hofnarr
@ martin baucks: Es geht nicht um einen emotionalen Zugewinn, sondern um den emotionalen Mehrwert. Es geht um die konsumistische Mentalität des Zuschauers, welcher sein Selbst über ästhetische Handlungen - "Ich war bei Meese" - konstruiert. Darüberhinaus aber - und das ist das Entscheidende - passiert oftmals nichts, ausser dass man das Meese-Erlebnis gekauft und konsumiert hat. Der Gebrauchswert von Kunst dagegen meint, dass man nicht nur konsumiert, sondern eigenständig mitdenkt und/oder im besten Fall sein zukünftiges Handeln danach ausrichtet. Wer sich mit dem Bestehenden nicht arrangieren kann und will, der betrachtet Kunst im Hinblick auf das ihr inhärent Politische: den Verweis auf die Konstruiertheit und damit auch Gestalt- und Veränderbarkeit von Welt und Selbst. Und das zu kommunizieren.

Was haben Sie denn jetzt bloß immer mit diesem Kuss? Für mich geht es da nicht um Fragen des sexuellen Missbrauchs, sondern um die Frage nach der Verführbarkeit eines jeden Menschen. Erotik und Sexualität sind nichts Dämonisches, sondern zeigen, was im Zuge des rationalen Prozesses der Aufklärung verloren gegangen ist, nämlich die Verbundenheit des Menschen mit anderen Menschen bzw. seiner eigenen (inneren) Natur. Die Grenze zwischen Mensch und Nicht-Mensch verläuft IM Menschen, nicht zwischen den Menschen.

Natürlich ist Meese - metaphorisch gesprochen - ein Hofnarr. Dieser steht zwischen ernster Repräsentation und komischer Entlarvung seines Publikums bzw. der Repräsentanten von Staat und Gesellschaft. Und mit seinem Diktum der "Diktatur der Kunst" verweist er in meinem Verständnis darauf, dass die Kunst in ihren illusionären bzw. symbolischen Mechanismen ebenso verführerisch wirken kann wie Politik und politische Ideologien. Nicht wenige Bürger unseres öffentlichen Gemeinswesens lassen sich wohl nur allzu gern blenden von inszenierten Scheinwelten, ohne dass sie dabei ihre eigene kritische Urteilskraft gebrauchen würden. Erst wenn diese Sklavenmentalität verschwindet, wenn der Zuschauer sich seiner Entscheidungsfreiheit bewusst wird, kann und wird sich gesellschaftlich etwas bewegen.
Inga , 31. Juli 2012 - 14:53 Uhr
28. Meese nach Bayreuth: stereotype Kritik an Meese
Liebe Inga,

das ist mir ehrlich gesagt eine zu dumme Konversation, diese stereotype Kritik an Meese, die sie so wahrscheinlich an fast jedem Künstler auslassen, dies elende Herunterspielen des "Kusses", nur um Recht zu behalten. Gleichzeitig auf kein Argument ernsthaft eingehen. Das ist öde.

Ich habe sehr bewußt den Begriff "emotionaler Zugewinn" gewählt, um nicht in ihre Sprache zu verfallen, die irgendwo der Mehrwerttheorie entliehen ist, sich aber nicht genau genug definiert.

Naja, was soll´s, mit ihnen kommt mam keinen Schritt weiter. Ich habe keine Lust mehr. Danke. Es reicht.
martin baucks , 31. Juli 2012 - 15:30 Uhr
29. Meese nach Bayreuth: Perspektive auf seine Theaterkunst
@ martin baucks: Nein, keine stereotype Kritik an Meese, nur meine Perspektive auf Meeses Theaterkunst. Sie dürfen das gern anders sehen, schließlich geht es bezüglich jeder Form von Kunst um die Sache, um den Austausch von Argumenten, nicht darum, Recht haben und/oder behalten zu wollen. Ich lasse das so auch nicht an fast jedem Künstler aus, es geht nur um "Meese und Theater/Oper" bzw. "Meese nach Bayreuth".

Ich kann leider auch nicht ernsthafter auf Ihre Argumente eingehen, weil ich diese immer noch nicht verstehe. Ich verstehe nicht, warum Sie in diesen Kuss unbedingt "Sex mit Minderjährigen" hereinlesen wollen und deshalb frag(t)e ich Sie nach einer genaueren Erklärung.

Und noch eine Verständisfrage: Worin liegt Ihrer Meinung nach der "emotionale Zugewinn" bei Meese?
Inga , 31. Juli 2012 - 19:24 Uhr
30. Meese nach Bayreuth: der tiefere Sinn von Kunst
PARSIFAL
(fährt plötzlich mit einer Gebärde des
höchsten Schreckens auf: seine Haltung
drückt eine furchtbare Veränderung aus;
er stemmt seine Hände gewaltsam gegen
sein Herz, wie um einen zerreissenden
Schmerz zu bewältigen;
endlich bricht er aus:)

Wie erklären sie diese Regieanweisung(?)im Zusammenhang zu der Äußerung der Mädchen: "Bist du feige vor Frauen?" - mal ganz davon abgesehen, dass der ganze zweite Akt nur darum geht ihn zu locken, um ihn zu verführen, um ihm seine Unschuld zu nehmen, ihn zu deflorieren. Da muss man nichts hineinlesen.

Tja, über welches Bild von Meese wollen sie reden "Dr. Klingsor." oder oder oder...man erlebt bei der Betrachtung seiner Werke einen emotionalen Qualitätssprung, einen Zugewinn zu dem Moment, bevor man es noch nicht betrachtete, und dies ist der tiefere Sinn von Kunst. Ob einem der Zugewinn immer gefällt, ist eine andere Sache. Ende der Durchsage.
martin baucks , 31. Juli 2012 - 21:49 Uhr
31. Meese nach Bayreuth: nach Fitzcarraldo
Was ist an Meeses Bayreuth-"Berufung" eigentlich so ungewöhnlich? Man kennt doch die überraschenden, scheinbar irrationalen Entschlüsse der Verantwortlichen. Nach dem Erfolg von "Fitzcarraldo" wurde Werner Herzog angeboten, die Regie für "Lohengrin" bei den Festspielen zu übernehmen. Von da an hat er sich erst ernshaft mit dem Thema Oper befasst. Nach Abschluss von "Fitzcarraldo" hat er zum ersten Mal überhaupt ein Opernhaus von innen gesehen.
Flohbär , 01. August 2012 - 07:49 Uhr
32. Meese nach Bayreuth: Kompliment
@ inga & martin baucks: lustig seid ihr zwei beiden! und intelligent! und intelligent! jawoll! das ist nicht zu übersehen...
autor , 01. August 2012 - 16:23 Uhr
33. Meese nach Bayreuth: Arbeitsthese
Also gut, ich gebe eine Arbeitsthese im Voraus: Ich glaube erst wieder an die Kunst in Mitteleuropa, wenn Berlin Havanna heißt.
martin baucks , 02. August 2012 - 15:22 Uhr
34. Meese nach Bayreuth: was genau?
@ martin baucks: Was hat es mit "Dr. Klingsor" auf sich? Und was verstehen Sie unter einem "emotionalen Qualitätssprung"? Sie schreiben hier permanent drauflos, ohne irgendwas näher zu erläutern. Könnten Sie das bitte noch nachholen? Und dann noch dieser Befehlston: "Ende der Durchsage". Wer sind Sie eigentlich, dass Sie hier so autoritär-patriarchal auftreten? Fehlt nur noch "keine Widerworte".
Inga , 06. August 2012 - 20:33 Uhr
35. Meese nach Bayreuth: Bild von Meese
"Dr. Klingsor." ist ein Bild von Meese, da nützen auch keine Widerworte. Darüber könnte man reden, aber nicht mit einer matriachal autoritären Rechthaberin.
martin baucks , 06. August 2012 - 21:31 Uhr
36. Meese nach Bayreuth: muss man sich Sorgen machen?
@ martin baucks: Ach so, ist klar, Meese ist der Märtyrer. Der stilisiert sich als Jesus, der glaubt wirklich, Jesus zu sein. Nee, oder? Muss man sich da jetzt irgendwie Sorgen machen? Ist das nur religiös-esoterische Inbrunst oder schon eine Art religiöser Wahn, durch welchen andere zu Schaden kommen?

Das Bild "Dr. Klingsor" finde ich jetzt - ehrlich gesagt - nicht soo überragend. Es ist wahrscheinlich ein Selbstporträt von Meese als unkeuschem Zauberer Klingsor aus Richard Wagners "Parsifal". Ich sehe darauf nur schwarze bzw. schwarze, mit weisser vermischter Farbe. Ich sehe darauf einen Mann im Profil, aus welchem vor allem die lange Nase (Pinocchio, dessen Nase, wenn er lügt, immer länger wird?) hervorragt. Ich sehe darauf vor allem eine Menge Haare, langes Haupthaar, langer Bart. Und nicht zu vergessen, der Heiligenschein. Man könnte auch sagen: Meese ALS Jesus. Meese-Kunst ALS Krankheit.
Inga , 07. August 2012 - 11:17 Uhr
37. Meese nach Bayreuth: Verachtung für Künstler?
Liebe Inga,

so habe ich mir das vorgestellt, wenn man sie auffordert sich direkt mit einem Kunstwerk von Meese auseinanderzusetzen, tritt ihre ganze Verachtung für ihn zu Tage. Sie mögen einen Meese einfach nicht. Nun, da empfinde ich anders. Außerdem ist mir soviel Verachtung selbst für Künstler, die ich nicht mag sehr fremd. Vielleicht muss man sich ja um sie Sorgen machen. Vielleicht spricht ja aus ihrer gesamten Haltung eine große Verachtung für Künstler.

Mir war es auf jeden Fall wichtig einmal an einem Fall herauszuarbeiten, wie umfangreich ihr Hass sein kann.

Es ist übrigens sehr sinnvoll für einen Mann sich mit dem Jesus-Bild auseinanderzusetzen. Aber dies nur am Rande.

Nun, sie verlangen Genauigkeit. Ich zitierte hier zwei Textstellen aus dem Libretto des Parsifal, um mit ihnen weiterhin das Männerbild bzw. Knabenbild im zweiten Akt zu debattieren. Können oder wollen sie sich nicht zu den Zitaten äußern? Ist ihnen dies vielleicht etwas zu genau? Und könnte sie überführen?

Ich werde den Eindruck nicht los, dass sie hier einfach ihr feststehendes Weltbild abarbeiten. Sonst nichts.
martin baucks , 07. August 2012 - 14:34 Uhr
38. Meese nach Bayreuth: Fußtritt für den Vater
Liebe Inga,
was genau Martin Baucks meint bzw. welches Frauenbild er vertritt, könnten Sie vielleicht aus seinem Theaterstück "Hasenfratz" entnehmen.
Günter Grack hat eine Szene daraus im Tagesspiegel vom 19.3.2000 anlässlich der Uraufführung am Berliner Deutschen Theater folgendermaßen beschrieben:
""Das mach ich nich." Nein, der Leiche ihres Vaters einen Fußtritt zu versetzen, wie ihre Mutter von ihr fordert - so weit will die junge Frau nicht gehen. Aber weinen kann sie ebensowenig wie ihre Mutter über den "Vatta", der da, von einem jungen Mann vor ihren Augen über den Haufen geschossen, bäuchlings auf dem Boden liegt. "Tritt ihn ruhig, dafür dass a mich imma geschlagen hat", geifert die Mutter, "nu tritt den doch endlich, Kind, der is doch tot, tritt zu.""

Und jetzt freu ich mich schon auf Ihre (Psycho)Analyse.
Was genau , 07. August 2012 - 15:47 Uhr
39. Meese nach Bayreuth: nervliche Krankheit
Ehrlich gesagt, dieser ALS Vorwurf ist widerlich. Ich denke gerade an Jörg Immendorf. Und, Inga, ich kann mich kaum des Eindrucks erwehren, dass sie (...) die Kunst solcher Männer in die Nähe von seelischer und nervlicher Krankheit rücken wollen. Ich denke an Nolde, Dix, Georg G. .....doch, doch,...sie sind eine ziemlich nervende Person...und ich würde gerne ihren Klarnamen wissen.....
martin baucks , 07. August 2012 - 18:00 Uhr
40. Meese nach Bayreuth: humanistisches Menschenbild
@ martin baucks: Nicht Verachtung oder sogar Hass (wie kommen Sie jetzt darauf?), sondern Wahrnehmung und sprachliche Beschreibung. Ich respektiere Ihre Idolisierung von Meese-Jesus, habe dazu aber eine andere Haltung. Auch verachte ich Künstler nicht im Allgemeinen (was bestätigt Sie in diesem Glauben?), sondern es geht um Meese (weiter oben bereits erwähnt), dessen Kunst ich einfach nicht so mag. Ist das schlimm (für Sie)?

Sie meinen also, ein Mann sollte Märtyrer wie Jesus sein? Warum das? Ich verstehe unter dem Begriff des "Glaubens" etwas anderes. Nicht im Sinne eines "rechten Glaubens", nicht im Sinne von Gott als Autorität, welcher ich mich blind unterwerfe, sondern vielmehr im Sinne einer Einstellung, einer inneren Orientierung. Abgesehen davon, hänge ich persönlich sowieso mehr einem humanistischen, von Liebe und Solidarität getragenen, Menschenbild, zum Beispiel im Sinne Camus, an. An einen monotheistischen und personalisierten Gott als alleinigem "Lenker" glaube ich dagegen nicht.

Und was sollte mich in Bezug auf die Zitate "überführen"? Ich kann auf solche Sätze leider nicht eingehen, weil ich nicht weiss, worum es Ihnen da geht. Ich sehe in Parsifal nicht das "männliche Opfer". Und das ist kein feststehendes Weltbild, sondern meine persönliche Überzeugung. Erklären Sie doch bitte, warum Sie sich bzw. mich unbedingt darauf festnageln wollen. Vielleicht verstehe ich dann auch besser, worauf Sie hinaus wollen.
Inga , 07. August 2012 - 18:46 Uhr
41. Meese nach Bayreuth: der Künstler als pathologischer Held
@ martin baucks: Warum widerlich? Ich dachte tatsächlich an Schlingensiefs "Kunst als Gemüse. Theater A.L.S. Krankheit". Bloß, dass diese Inszenierung sicher nicht abwertend gegenüber A.L.S.-Patienten gemeint war. Im Gegenteil! Schauen Sie mal hier:

http://www.schlingensief.com/projekt.php?id=t049/

Ausserdem sehe ich Meeses Kunst eher so, wie Nietzsche den Künstler beschrieben hat. Zitat aus dem Metzler Lexikon "Literatur- und Kulturtheorie":
"Die philosophische Ästhetik des 19.Jh.s wird auf zwei Wegen verlassen. Ästhetik wird demnach als 'Physiologie der Kunst' dem physiologischen Diskurs subsumiert, und der Künstler wird ein pathologischer Held: 'Es sind die Ausnahme-Zustände, die den Künstler bedingen: alle die mit krankhaften Erscheinungen tief verwandt und verwachsen sind: so daß es nicht möglich scheint, Künstler zu sein und nicht krank zu sein.'"
Inga , 08. August 2012 - 10:36 Uhr
42. Meese nach Bayreuth: Parsifal als Opfer eines Trieb-Schicksals
Liebe Inga,
den Begriff "männliches Opfer" in Bezug auf Parsifal finde ich interessant. Vielleicht müsste man den Begriff Opfer etwas trennen von Vorstellungen weiblicher Gewalt, die gegen ihn ausgeübt wird. Vielleicht ist er Opfer eher im Sinne eines (Trieb-)Schicksals.

Es ist doch so, dass sich im 2. Akt eine heftige Liebesszene anbahnt zwischen dem "reinen Toren" Parsifal und einer älteren, erfahrenen Frau, die gut und gerne seine Mutter sein könnte und in der er beim Kuss dann prompt auch seine Mutter sieht. Es ist also der klassische Ödipus-Komplex: der Zwang, den Papa zu töten und mit Mutti zu schlafen. Parsifal ist also tatsächlich das männliche Opfer eines Triebzwangs, dem er sich im letzten Augenblick verweigert - indem er sich der Liebesnacht mit Mutti entzieht. Im "Parsifal" ist Kundry, die Verführerin, halt die Inkarnation weiblicher Sexualität, die die patriarchale Gralsgesellschaft ins Verderben stürzt.
Parsifal kann diesen Triebzwang durch eine Mischung aus intellektueller Erkenntnis und emotionaler Reifung durchbrechen. Seltsamerweise aber nur, indem er der Sexualität vollständig entsagt. Was Klingsor durch seine Kastration erreicht, erreicht Parsifal durch seinen freien Willen. Wagner scheint also den einzigen Ausweg aus dem männlichen Opferstatus der Sinnlichkeit darin zu sehen, den Eros in Caritas oder Agape (Nächstenliebe, Menschenliebe) zu verwandeln.
Das ist natürlich ein frommer Wunsch und hat in seinem Idealismus (Weihfestspiel eben), seinem angemaßten Weltrettertum (Erlösung) auch etwas Verstiegenes und Verquastes. Stefan Herheim hat aber in seiner Bayreuther Inszenierung von 2008, die Sie am 11.8. bei Arte auch im Fernsehen sehen können, auch gezeigt zu was es führt, wenn Männer ihren Ödipus-Komplex nicht bewältigen: Er zeigt den schwulen Nazi Siegfried Wagner, der ständig zu seiner Mutter Cosima ins Bett kriecht, sich nicht aus ihrem dominanten Schatten lösen kann und sich aus seinem Ohnmachtsbewußtsein des Gescheiterten in Großmannsgetue und Allmachtsgefühle flüchtet - mit den bekannten Bayreuther Folgen: der Suche nach der Nähe der Mächtigen.
So gut die Erklärung des "Parsifal" mit dem Ödipus-Komplex auch funktioniert. Das Ergebnis ist dann enttäuschend banal: Diktaturen aus frustrierter Sexualität zu erklären (übrigens schon bei Alberich im "Ring des Nibelungen" oder bei Wotan mit seiner Xanthippe Fricka) ist eben doch Bild-Zeitungspsychologie. Das gesamte männliche "Parsifal"-Personal, Alberich, Wotan sind, wenn man es logisch analysiert, aber eben doch Opfer der Frauen. Man könnte sich also fragen, ob "Parsifal" nicht an der Vernichtung der Frauen arbeitet. Was nun wieder nicht zu den wunderbaren Frauenfiguren Wagners passt, dem "Weib der Zukunft", Senta, Isolde, Eva und der schönsten, der aus einer nur hojotohoho lallenden Kampfmaschine zu einem "wissend werdenden Weib" sich entwickelnden Brünnhilde. Tja, "Parsifal" ist eben doch ein widersprüchliches Stück, wo dunkel geahnter Tiefsinn und offenbarer Unsinn nicht zu trennen sind. Ist eben kein Lehrbuch, sondern ein Stück, das nur auf dem Theater stattfinden kann.
Was genau , 08. August 2012 - 11:07 Uhr
43. Meese nach Bayreuth: Der Mensch ist mehr als seine gestörte Libidoentwicklung
@ Was genau: Klingt interessant. Wirklich. Dem habe ich im Moment nichts hinzuzufügen. Ausser, dass ich Ihre Ansicht teile, das ein Mensch mehr ist als seine gestörte Libidoentwicklung/Sexualität. Da täuschte sich Freud meines Erachtens gewaltig. Gerade auch in Bezug auf die Sexualität der Frau mit ihrem angeblichen "Penisneid". Ich lach mich tot.
Inga , 08. August 2012 - 12:33 Uhr
44. Meese nach Bayreuth: Freuds fragwürdige Theorie
Liebe Inga,
dass Freuds Theorie vom Penisneid mehr als fragwürdig ist, ist schon länger ein ziemlicher Allgemeinplatz. Ich finde es tatsächlich auch ein bißchen nervig, wenn Sie das zum gefühlt milliardsten Mal wiederholen müssen.
Marie , 08. August 2012 - 15:44 Uhr
45. Meese nach Bayreuth: Werk und Künstler unterscheiden
@Was genau.

Danke, dass sie diese Attacke von Frau Inga auf sich gelenkt haben.

Liebe Inga, zwischen dem Lachen ab und an Luftholen, dann überleben sie es.

In Hasenfratz wird ein Frauenbild und nicht mein Frauenbild erzählt. Es ist sinnvoll zwischen Werk und Künstler zu trennen.

Ende der Debatte, Frau Inga?
martin baucks , 08. August 2012 - 18:24 Uhr
46. Meese nach Bayreuth: krank nicht wegen der Kunst
Inga,

es ist möglich Künstler und nicht krank zu sein. Besser gesagt, der Schnupfen, den ich bekomme resultiert nicht aus meiner Tätigkeit, auch nicht der seelische Schnupfen.

Liebe Readktion, ich finde ihre "Zensur" langweilig. Wenn jemand einen Künstler wie Meese phatologisieren muss, erinnert dies eben an das dritte Reich.

Und Inga, sie sind mir immer noch die Antwort "schuldig", wie sie denn den sexuellen Übergriff der Kundry auf Parsifal werten.
martin baucks , 08. August 2012 - 18:53 Uhr
47. Meese nach Bayreuth: und zum Dritten
Übrigens, Meese ist kein Idol für mich, Inga.

"Sie meinen also, ein Mann sollte Märtyrer wie Jesus sein?" auch hier liegen sie völlig falsch, und haben keinen Anlass, dies als meinen Gedanken auszugeben, und daran mache ich fest, dass sie ein feststehendes Weltbild abarbeiten.

"Überführen", dies Wort benutze ich in Bezug auf sie, weil ich denke, dass sie nicht in der Lage sind einen sexuellen weiblichen Übergriff auf einen Mann oder Knaben zu denken.

Der Übergriff im zweiten Akt ist ja nur die Fiktion eines Künstlers. Und da blocken sie schon ab. Wie mag es da erst in ihrer Auffassung der Realität zugehen. Sie denken Übergriffe nur in eine Richtung, will mir scheinen.
martin baucks , 08. August 2012 - 19:45 Uhr
48. Meese nach Bayreuth: teuflische Verführung
@ Marie: Die Theorie vom Penisneid habe ich auf nachtkritik.de vorher noch nie thematisiert bzw. kritisiert. Wie kommen Sie also auf das "gefühlt milliardste Mal"?

@ martin baucks: Warum Attacke? Und was meinen Sie mit "zwischen dem Lachen ab und an Luftholen, dann überleben sie es"? Was überlebe ich? Ausserdem ist mir schon klar, dass Ihre Texte nicht zwangsläufig Ihr Frauenbild wiedergeben müssen. Davon schrieb allein "Was genau".

Die Verbindung von Künstler und Krankheit ist das Konzept von Nietzsche, Sie müssen das nicht gleich auf sich beziehen. Und meinetwegen sieht sich Meese auch in der religiösen Stiftungskompetenz eines "Zarathustra". Pathologisieren tue ICH das hier jedenfalls nicht. Das sollte klar geworden sein.

Haben Sie eigentlich einen Sprung in der Platte? Ich werde es jetzt nicht noch einmal wiederholen, warum ich Ihnen Ihre Frage nach dem sexuellen Übergriff nicht erklären kann. Sie zuerst, bitte. Aha, Ihnen geht es also darum, das zu denken. Nun gut, natürlich kann ich einen weiblichen sexuellen Übergriff auf einen Mann oder Knaben denken, würde aber im Falle von "Parsifal" nicht davon ausgehen, dass das das Thema von Klingsors "Zaubergarten" ist. Da geht es eher um Fragen der (teuflischen) Verführung.
Inga , 08. August 2012 - 21:43 Uhr
49. Meese nach Bayreuth: Parsifals Reaktion
Tut mir leid, Inga, aber ich finde sie weiterhin unglaubwürdig, denn, in der Tat, ich habe keinen Sprung in der Platte, ich wollte nur einmal genauer nachfragen und schon pathologisieren sie auch mich, so wie sie alles herunterspielen und degradieren.

Falls es sich lediglich um eine teuflische Verführung handelte, wäre Parsifals Reaktion, wie in der Regieanweisung beschrieben schon arg unangemessen. Ich denke, so wie sie die Grenzwertigkeit dieser Situation für Parsifal nicht erkennen, ebensowenig erkennen sie, wie sie mit ihren Formulierungen "Meese ALS Jesus" den Künstler vorgeben zu meinen und den Menschen treffen wolle.

Nun, wir sind weit ab von dem Thema, was Meese an dieser Arbeit interessieren könnte. Ich für meinen Teil erkenne aber allmählich, dass es eine außergewöhnliche Arbeit werden könnte. Und zumindestens wird es Herrn Meese nicht an aufmerksamer Beobachtung seiner Feinde mangeln, wie man ihnen schön ablesen.

Übrigens ist es nicht gerade fein sich stets auf Größen wie Nietzsche oder Schlingensief zurückzuziehen, wenn es mal eng wird.
martin baucks , 09. August 2012 - 11:34 Uhr
50. Meese nach Bayreuth: ich brauche Sie
@ martin baucks: Ich finde Ihren Diskussionshabitus befremdlich. Statt Penisneid überkommt mich Penisscham. So ganz unintellektuell. Und doch empfinde ich auch ein masochistisches Verlangen danach, Ihre Wut und Aggression auf mich zu ziehen. Ich möchte durch Sie zu einer Märtyrerfigur werden, dann entgehe ich auch hoffenlich dem Schicksal meinen Vater zu töten (geht gedanklich noch irgendwie) und meine Mutter zu ficken (nöö, bitte nicht mal als Gedankenbild). Darum bitte ich Sie ganz herzlich darum, ziehen Sie mich an meinen imaginären Ohren hoch, oder woran Sie auch immer an mir ziehen mögen, und erklären mir mit grimmiger Entschlossenheit die Kunst. Ich brauche solche Figuren wie Sie.
klein häschen , 09. August 2012 - 12:01 Uhr
51. Meese nach Bayreuth: alleine ausmachen
@ klein häschen.
Nee, das machen sie mal schön mit sich alleine aus.
martin baucks , 09. August 2012 - 12:15 Uhr
52. Meese nach Bayreuth: missverstehen
@ martin baucks: Och Mensch, kann es sein, dass Sie alles, was ich sage, missverstehen wollen? Das mit dem "Sprung in der Platte" war nicht pathologisierend, sondern ironisch gemeint. Es bezog sich auf Ihr permanentes Nachbohren, was ich Ihnen "schuldig"(?) sei.

Ich sehe nun einmal starke Parallelen zwischen Meeses Kunst und Nietzsches Thesen. Letzterer trennte sich übrigens von Wagner, als dieser sich einer Art naiver Religionsstiftung zuwendete. Nach Rüdiger Safranski wirft Nietzsche Wagner nicht nur vor, daß er "zu Kreuze kroch", als er im "Parsifal" christliche Erlösungsmythen wiederbelebte, sondern vor allem, daß er sich nicht mehr die artifiziell-ästhetische Dimension seines ganzen Erlösungsunternehmens eingesteht. Nietzsche ermuntert dazu, sich vom Bedürfnis nach Erlösung zu erlösen. Safranski schreibt weiter: "Man solle sich frei machen für das Artistentum, das am Mythos den Umstand zu schätzen wisse, daß man ihn selbst hervorgebracht habe, nicht aber, daß man ihm selbst zum Opfer falle; daß man an ihn glaube, damit er dem Leben metaphysischen Trost verschaffe."

Nietzsche kommt es also auf die Heligung des Diesseits an. Und das unterscheidet Nietzsches Atheismus auch vom modernen Nihilismus, welcher nur noch Ernüchterung sei. Die Heiligung des Diesseits impliziert nicht das christliche Dogma der Schuldhaftigkeit, sondern die ewige Wiederkehr der Unschuld des Kindes. Zitat Nietzsche:
"Unschuld ist das Kind und Vergessen ein Neubeginn, ein Spiel, ein aus sich rollendes Rad, eine erste Bewegung, ein heiliges Ja-Sagen. Ja, zum Spiele des Schaffens, meine Brüder, bedarf es eines heiligen Ja-Sagens."
Und spricht nicht auch Meese vom Spiel der Kinder? Hier zum Beispiel:

http://www.youtube.com/watch?v=3LjHCwWJpv0
Inga , 09. August 2012 - 13:04 Uhr
53. Meese nach Bayreuth: Berserker wie Meese ist spannender
Was könnte Meese am "Parsifal" interessieren?
Vielleicht der Welterlösungsanspruch?
Oder vielleicht interessiert ihn gar nicht das Werk, sondern die Person Richard Wagner, der in seinen theoretischen Schriften immer wie ein Extremist, Terrorist, Diktator argumentiert - mal Diktator im Reich der Kunst sein will, mal eine Diktatur der Kunst im Staat fordert.

Oder vielleicht interessiert ihn einfach der antidemokratische Tabubruch, dessen Verkörperung Wagner ist.
Herr Meese, Sie haben das Wort!

Im übrigen glaube ich, dass ein Berserker wie Meese spannender für den "Parsifal" ist als ein nüchterner Handwerker. Da Logik bei diesem Stück nur zu Widersprüchen oder Banalitäten führt, ist es vielleicht besser, es mit Irrtümern und Einseitigkeiten anzureichern. Kann sein, dass man dadurch seine Wahrheit verfehlt, aber vielleicht enthüllt es dadurch unsere Wahrheit. Und sei es auch nur, dass ein tobendes Wagner-Publikum die Maske der Liberalität fallen lässt.
"Liberal" ist ja mittlerweile zum Schimpfwort geworden, wenn auch noch schamhaft durch das Präfix "Neo-" getarnt. Große Teile der Bevölkerung (des Zeitgeists) sehnen sich wieder nach einem starken Staat zurück. Banken sollen verstaatlicht werden (d.h. aus den Händen der einen Gauner - der Banker - in die der anderen - der Bürokraten - gegeben werden). Andrea Breth hat in Salzburg mehr Sympathie für den Kurfürsten, für law and order, als für die Freiheit des Individuums und den Prinzen von Homburg. In Thüringen halten die Mehrzahl der Schüler die DDR für einen Rechtsstaat (FAZ vom 8.8.2012), in Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen über 25 % Hitlers Politik mit Ausnahme des Weltkriegs und der Judenvernichtung für richtig und die Bayern zweifeln daran, dass die Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung ein Rechtsstaat war. Unter solchen Bedingungen kann das Theater garnicht terroristisch genug sein, damit den Leuten die Lust am starken Manne, der starken Frau, dem starken Staat, der Unterwerfung vergeht.

Erinnert sich noch jemand an Meeses starke "Bild Dir Deine Meinung!"-Werbung der Bildzeitung vom letzten Jahr. "Ihre Meinung zu BILD, Jonathan Meese": "Die Diktatur der Kunst braucht keine Meinung" stand da in NSDAP-roten Fraktur-Lettern weißumrandet auf hakenkreuzschwarzem Grund. Das war viel stärker als die Bühnenbilder (Meistersinger, Kokain) und Inszenierung (De Frau), die ich von Meese gesehen habe. Hoffentlich wird der "Parsifal" auch so stark.
Was genau , 09. August 2012 - 13:34 Uhr
54. Meese nach Bayreuth: gefühlt Milliarden Mal
Nein, Sie haben es in der Tat bislang noch nicht erwähnt, Inga. Aber andere eben gefühlt milliarden Mal. Deswegen nervt es mich, weil es das allerallgemeinste ist, was man aus feministischer Sicht über Freud sagen kann, der selbstverständlich kritisiert gehört, da bin ich Ihrer Meinung.
Marie , 09. August 2012 - 15:00 Uhr
55. Meese nach Bayreuth: Safranski + Nietzsche = Bayreuth
Liebe Inga,
so stell ich mir Bayreuth vor, Frauen und Herren in Abendrobe, die mit einem Brei aus Safranski und Nietzsche im Kopf auf die Bühne starren, und Männerbilder betrachten, die fern jedes metaphysischen Trostes sind. Da stapft ein Klingsor herum, der unter dem Einfluss einer "teuflischen Verführung", wie sie es nennen, sich selbst entmannte, dort siecht ein Amfortas mit einer traumatischen Wunde, die ihm zuwuchs als er seine Keuschheit verlor, und mittendrinn wandelt dies Kind, der Knabe Parsifal, der nur in höchster Not sich vor Schlimmstem bewahren kann, und draußen stehen sie im Geiste und faseln etwas vom heiligen Ja-Sagen des Kindes und seiner ewigen Wiederkehr der Unschuld, zwei fette geistige Tomaten auf den Augen, die nicht sehen wollen, was für eine Geschichte sich da tatsächlich vor einem abspielt. Sie sublimieren jede konkrete Handlung ins Abseits einer Zitateninterlektualität.

Da ist mir doch die Haltung von "Was genau" sehr viel näher. Denn immerhin ist die Vision der Diktatur der Kunst und der damit verbundene Widerwille gegen die demokratischen Ideologie der Kultur bei weitem verführerischer als ihr kleingeredeter Zaubergarten, in dem nach meinem Empfinden etwas Weitreichenderes als nur "teuflische Verführung" stattfindet, wie man an den Wirkungen der Selbstverstümmelung des Klingsor und des Siechtums des Amfortas ablesen kann.
martin baucks , 09. August 2012 - 15:13 Uhr
56. Meese nach Bayreuth: die Kunst des diesseitigen Trostes
@ martin baucks: Das Problem liegt in der religiösen Wende Wagners. Dadurch wurde auch der Bayreuther Festspielbetrieb immer mehr zum "Bühnenweihfestspiel" - eine angestrengte Sakralität, was Nietzsche abstieß. Auch verabscheute er nach Safranski die Wagner-Gemeinde, die jetzt nach Bayreuth pilgerte. Zitat Safranski: "'Gesindel' nannte er diese Leute, die sich zu klug dünkten, um im herkömmlichen Sinne religiös zu sein, gleichwohl aber in der Kunst den religiösen Schick suchten."

Es ging Nietzsche in der Folge auch nicht mehr um eine Kunst des metaphyhsischen Trostes, sondern darum, die Kunst des DIESSEITIGEN TROSTES zu lernen. Zitat Nietzsche: Ihr solltet vorerst die Kunst des DIESSEITIGEN Trostes lernen, - ihr solltet LACHEN lernen, meine jungen Freunde, wenn anders ihr durchaus Pessimisten bleiben wollt; vielleicht dass ihr darauf hin, als Lachende, irgendwann einmal alle metaphysische Trösterei zum Teufel schickt - und die Metaphysik voran!"

Und bitte: "Interlektualität"? Aua, das geht echt gar nicht. Bitte versuchen Sie demnächst doch mal, Ihre Rechtschreibung zumindest ein wenig zu korrigieren. Oder ist das Absicht? Sieht aus wie Anal-phabetismus.
Inga , 09. August 2012 - 16:22 Uhr
57. Meese nach Bayreuth: auch was zu Meese?
@ Marie: Können Sie auch was zu Meese sagen? Was genau ist jetzt eigentlich Ihr Problem?
Inga , 09. August 2012 - 16:27 Uhr
58. Meese nach Bayreuth: Blick in die jüngste Vergangenheit
Werfen wir einmal einen Blick in die jüngste Vergangenheit von Bayreuth und fragen uns kurz: Was kommt nach einem solchen Finale?

Eine freie, selbstbestimmte, männliche Sexualität? Oder der Angriff auf "Polen"?

http://www.youtube.com/watch?v=ioFxm9wArFk
martin baucks , 09. August 2012 - 17:07 Uhr
59. Meese nach Bayreuth: noch ein Blick in die Vergangenheit
Und jetzt schaun wir uns einmal diese schwer symphatischen Künstler an, von denen leider schon zwei verstorben sind, so als Gegenrealität.

Das spricht doch eigentlich für Meese.

http://www.youtube.com/watch?v=H-eTYfzaSO8&feature=endscreen&NR=1
martin baucks , 09. August 2012 - 17:41 Uhr
60. Meese nach Bayreuth: selber denken und machen!
@ Was genau (53.): Sie fordern: "Herr Meese, Sie haben das Wort!" Haben Sie da nicht etwas missverstanden? Auch Meese als Übermensch-Künstler ist nicht der Zarathustren-Führer, welcher anderen die absolute Wahrheit verkündet. Sondern nur sich selbst. Es geht um die Sache! Selber denken! Selber machen!
Inga , 09. August 2012 - 18:29 Uhr
61. Meese nach Bayreuth: Zweifel an Meeses Trösten-Wollen
@Inga.

Das Nietzsche sich in dem von ihnen beschriebenen Sinne abwandte, ist nachvollziehbar. Ob Meese es schafft sich einer angestrengten Sakralität zu entziehen, wird sich zeigen. Ob er einen diesseitigen Trost findet, hieße ihm zu unterstellen, dass er überhaupt trösten will. Da habe ich meine Zweifel, denn mit seiner Diktatur der Kunst verbindet er wohl weniger Trost über einen Pessismismus, sondern vielmehr eine Hoffnung auf die Kunst. Am Lachen wird es ihm wohl kaum fehlen.

Mich mehr persönlich könnte die mythische Figur des Parsifal als eine Geschichte des Missbrauchs interessieren. Ob ich hier mit Meese Berührungpunkte hätte, wird sich ebenfalls zeigen. Das Problem der religiösen Wende von Wagner läßt sich auch heute nur schwer lösen. Denn es zeigt sich eben allzu deutlich im Finale, für das ich spontan keine Lösung wüßte. Hier liegt vor Meese ein gutes Stück Arbeit. Hoffentlich überrascht er uns und thematisiert nicht nur ein krudes Bild der "Feigheit vor dem Gral". Dort lagern meine Befürchtungen und Sorgen.
martin baucks , 10. August 2012 - 11:09 Uhr
62. Meese nach Bayreuth: das abschreckendste Beispiel eines Matriarchats
Liebe Inga,
wie kommen Sie denn darauf, dass ich mir von Meese "Wahrheiten" offenbaren lassen wolle, wo ich doch 2 Sätze später schreibe, dass ich auf seine "Irrtümer" gespannt bin, von denen ich mich anregen lassen will?
Ich weigere mich, Ihnen meinen Satz "Herr Meese, Sie haben das Wort!" zu erklären. Das müssen Sie schon selber machen!
Es fällt nicht schwer, wenn man meine Wortmeldung mit Verstand liest.

Auch glaube ich nicht, dass Bayreuth geeignet ist, die Überlegenheit des Matriarchats zu belegen. Der schlimmste Vertreter der Bayreuther Religion war nicht Richard Wagner, sondern Cosima. Es gibt sogar nicht ganz von der Hand zu weisende Thesen in der Wagner-Forschung, dass die eigentliche antisemitische Scharfmacherin im späten Leben Richard Wagners Cosima war. Sie habe ihn aufgehetzt, den Judenaufsatz in 2. Auflage erneut herauszubringen (dessen rühmt sie sich selbst in ihren Tagebüchern) und die schlimmen Regenerationsschriften zu schreiben. Ihre Tagebücher belegen übrigens auch ihren den Judenhass kompensierenden Selbsthass, der perfekt zur Auslöschung der Frau im "Parsifal" passt. In Stephan Möschs "Parsifal"-Buch können Sie zudem minuziös nachlesen, wie taktlos und brutal sie schon zu Wagners Lebzeiten und erst recht danach gegen Hermann Levi hetzte und ihn Jahrzehntelang quälte, weil sie meinte, ein Jude könne den "Parsifal" nicht dirigieren.
Bayreuth ist von Cosima über Winifred bis zu Katharina Wagner wirklich das abschreckendste Beispiel eines Matriarchats. Und diesen Befund können sie mit keiner Oper und keiner theoretischen Schrift Wagners erklären.
Was genau , 10. August 2012 - 11:17 Uhr
63. Meese nach Bayreuth: wider die Zurichtung von Menschen
@ martin baucks: Sie hängen sich gern an einzelnen Worten auf, oder? Dann eben nicht "Trost", sondern "Hoffnung". Okay, das Prinzip Hoffung nach Ernst Bloch. Kleiner Scherz, weil Sie ja immer mutmaßen, dass ich nicht selber denken, sondern mich nur an fremden "Größen" orientieren würde. Dem ist nicht so. Es geht vielmehr darum, sich nicht an einer feststehenden Position aufzuhängen, sondern verschiedenste Positionen zu gebrauchen bzw. solange zu vertreten, bis eine neue Position die alte(n) aufhebt und neu hinterfragt. Das meint die Rede davon, dass es keine absolute Wahrheit gebe. Es geht um das Immer-wieder-neu-denken, nicht um die Stillstellung des Wissens.

Was meinen Sie mit dem "kruden Bild der 'Feigheit vor dem Gral'"? Ich würde sagen, dass das ängstliche und demütige Kleinmachen vor dem "Großen" nicht wirklich weiterhilft. Das würde auch zu Meese passen der nicht wegen, sondern trotz der Demokratie rebelliert, weil Demokratie möglicherweise auch nur Anpassung und Unterwerfung bedeuten könnte. Und zwar indem man Menschen folgendes einredet: "Auch wenn du die Macht nicht ausübst, kannst du sehr wohl souverän sein. Ja: Je mehr du auf Machtausübung verzichtest und je besser du dich der (göttlichen/menschlichen) Macht unterwirfst, die über dich gesetzt ist, umso souveräner wirst du sein." Nein nein und nochmals nein, was für ein Quatsch! Das ist die schwache Version eines moralisierenden Humanismus.

@ Was genau: Ja, genau! Die Irrtümer sind wichtig! Nur darüber erfolgt Weiterentwicklung. Trial and error. Wer groß denkt, muss groß irren. Na ja, Heidegger. Schwierig.

Das Matriarchat ist für mich persönlich ebenso wenig eine "Lösung" wie das Patriarchat. Beides führt zu einer Zurichtung von Menschen. Und damit züchtet man sich - gerade im Falle der "Jungs" - möglicherweise kleine Amokläufer heran, wenn man nicht aufpasst. Entschuldigen Sie bitte, dass ich das hier so plötzlich auf den Alltagsdiskurs herunterbreche, aber ich spreche aus eigener Erfahrung mit so manch einem "Kleine[n] Helden in Not" (Dieter Schnack/Rainer Neutzling). Die Schwerter und Waffen (bei Richard Wagner) fungieren dann als Potenz-Ersatz, wenn Jungen einseitig weiblich erzogen und dadurch in Ihrer männlichen Entwicklung behindert werden. Ende der pädagogische Durchsage.
Inga , 10. August 2012 - 13:43 Uhr
64. Meese nach Bayreuth: von stereotypen Bildern lösen
@Inga

Die Bemerkung bezog sich auf ein Bild Meeses mit dem Titel "Bist du die Gralsfeigheit.", dass ich etwas unreif finde.

"Und damit züchtet man sich - gerade im Falle der "Jungs" - möglicherweise kleine Amokläufer heran, wenn man nicht aufpasst."

Lösen sie sich doch von solch stereotypen Bilder. Denken sie an den Assassinen Kult. Denken sie doch mal an die vielen Frauen, die als Selbstmordattentäterinnen fungierten. Betrachten sie diese Dokumentation, in der eine Frau von einem geplantem Amoklauf berichtet, den sie zum Glück nicht durchführte. Trennen sie sich in der Postmoderne einmal davon, dass man "auf Jungs aufpassen muss". Solche Haltungen richten mehr Schaden an, als das sie nützen.

Wie wolen sie den auf einen Parsifal aufpassen? Welche Richtung würden sie ihm geben wollen? Was missfällt ihen an Meese?

martin baucks , 10. August 2012 - 18:04 Uhr
65. Meese nach Bayreuth: Hilferuf
Liebe Nachtkritiker, bitte sorgt endlich dafür, das Inga und Baucks ihre Telefonnummern austauschen und nicht weiter zwanghaft versuchen, das Sommerloch mit Flachsinn zu füllen. Das ist wirklich nicht mehr auszuhalten!!! Und ihr müsst auch anfangen, die Klarnamenträger bei euch vor sich selbst zu schützen! Baucks postet sich doch um Kopf und Kragen!
auweia , 10. August 2012 - 19:04 Uhr
66. Meese nach Bayreuth: Übermenschenkünstler
@ martin baucks: Assassinen? Frauen als Selbstmordattentäterinnen? Geht's noch? In dem Fall sollte die Frage lauten: WARUM werden vorher eher harmonie- und/oder spirituell orientierte Frauen plötzlich so aggressiv? Wer sind diese Selbstmordattentäterinnen? Sind das irgendwie so Constanza Macras-Tänzerinnen, welche sich von Modell-Hochhäusern auf ein aufgeblasenes (sic!) Gummiboot-Schaubühnenmodell stürzen? Oder sind das junge Roma-Mädchen, die wo gegen Wände schaukeln? Tschuldigung, aber Ihr permanter Kuhfladen-Klatsch ist schon lange nicht mehr zu ertragen. Blablabla. Vielleicht werden manche Menschen ja auch deswegen so aggressiv. Weil es sie ankotzt, dass es im aktuellen Kunstbetrieb (sic!) offenbar nur noch um die Künstler-Biographie geht (wieviele [rechte] Koksnutten usw.) und nicht mehr um die Sache. EKELHAFT. Sollten sich alle mal lieber die Schlingensief-Doku von Sibylle Dahrendorf reinziehen. Da könnten sogenannte Übermenschen-Künstler auch noch was draus lernen. Es geht um die Sache, Meese! Es geht um den Traum vom Theater, nicht um den Ruhm eines einzelnen Künstler-Egos! Es geht um das Zwischen-den-Menschen! Schön auch das Ende des Dahrendorf-Films: Francis Kéré spricht von Hiob-Schlingensief und seinen Zweifeln an einem gerechten Gott. Jawoll! Glaubensskeptiker glauben möglicherweise stärker als dumm frömmelnde Christen. Ehrlich wahr. Mir kamen die Tränen.
Inga , 10. August 2012 - 23:29 Uhr
67. Meese nach Bayreuth: Unterbewußtsein des Landes
Bin leider nicht so theorieversiert wie Sie oder Herr Baucks. Habe vor einigen Jahren eine Meese-Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen gesehen. Ich war überwältigt von den Farb-, den Wortexzessen. Es schien mir, als hätte Meese das Unterbewußtsein sichtbar gemacht, nicht (nur) sein persönliches, sondern das des Landes.
2007 habe ich dann, glaube ich, in der Volksbühne eine Inszenierung von ihm gesehen, die eher lau war, recht strukturlos, kalauerlastig. Von daher bleibt es abzuwarten, wie er ein Libretto künstlerisch angeht. Sehen werde ich es nicht, aber ich wäre sehr neugierig.
Marie , 11. August 2012 - 00:30 Uhr
68. Meese nach Bayreuth: Männer positiv erlebbar machen
@ martin baucks: Und nochmal kurz zum Thema "auf Jungs aufpassen". Das haben Sie möglicherweise missverstanden. Es ging nicht um das Aufpassen im Sinne einer permanenten Beobachtung. Sondern es ging um das Aufpassen, bezogen auf die Aufpasser. Jungen sollten zunächst mal in Ihrer Suche nach Männlichkeit akzeptiert werden. Zu Beginn der männlichen Entwicklung geht es um die Suche nach Größe und Autonomie. Und das ist etwas anderes als die Erziehung zu einem männlichen Chauvinismus. Ich zitiere aus einem anderen pädagogischen Werk:
"Männlichkeit positiv erlebbar zu machen - das wird professionellen Helfern kaum gelingen, wenn sie ihre eigene Männlichkeit nicht bejahen können. Schon die Tätigkeit in den sozialen Berufsfeldern ist ja eine männeruntypische Tätigkeit, und so manche Helfer haben ihre 'weiblichen' Anteile mehr entwickelt als ihre männliche Identität. [...] Wer versucht, die traditionelle 'Männlichkeit' von Jugendlichen in Frage zu stellen, wird von diesen auf die eigene Männlichkeit geprüft werden. [...] 'Was es braucht, sind Männer' - und damit sind Männer gemeint, die zu ihrem Mann-Sein stehen können, zu kreativen und gleichberechtigten Beziehungen zu Männern UND Frauen in der Lage sind - und schließlich: beides Jungen vermitteln können."
(Tim Rohrmann, "Junge, Junge - Mann, o Mann")
Wenn erwachsene Männer immer noch Cowboy spielen und alle Frauen als Huren betrachten müssen, dann wird's kritisch, weil extrem unreif.
Inga , 11. August 2012 - 12:59 Uhr
69. Meese nach Bayreuth: Nun toben Sie also, liebe Kundry
"Mit "Parsifal" ist der erste Aufführungszyklus bei den Richard- Wagner-Festspielen beendet. Bis zum 28. August stehen noch 22 Aufführungen im knapp 2.000 Zuschauer fassenden Festspielhaus auf dem Programm. Schlingensief hat seine optisch opulente, um Projektionen und Filmeinspielungen bereicherte Inszenierung in diesem Jahr nochmals umgebaut."

"Er nimmt sich nun des Religionskonflikts zwischen Christentum und Islam an und lässt die Kundry als schwarz gewandete islamistische Kämpferin auftreten. Arabische Symbole und Zeichen ergänzen die ohnehin schon überaus anspielungsreiche Szenerie. So wird etwa die arabische Übersetzung eines Textes von Friedrich Hölderlin aus dem "Hyperion" eingeblendet."

aus einer ORF Sendung übertitelt mit "Heuer mit veränderter Schlingensief-Regie.

Da bin ich wohl nicht der Erste, der andere Denkrichtungen versucht, und dessen Kragen und Kopf "gefordert" wird.

Nun toben sie also, liebe Inga/Kundry. Ihr heiliger Gral der "eher harmonie- und/oder spirituell orientierte Frauen" wird angegriffen. Das geht ja gar nicht.

Wenn Frauen sich als Täterinnen qualifizieren würden, dann waren sie zumindest zuvor "harmonie orientiert". Vielen Dank für ihr romatisches Plädoyer.

"Wer versucht, die traditionelle 'Männlichkeit' von Jugendlichen in Frage zu stellen, wird von diesen auf die eigene Männlichkeit geprüft werden. [...] 'Was es braucht, sind Männer'"

In solchen Zitaten gehen sie auf. Da lebt es sich für sie wohl.

Und ich sagen ihnen, dass ist unreflektierter Scheiß in Bezug auf Parsifal.

Liebes "auweia", ganz sicher werden Inga und nicht Telefonnumern austauschen, denn wir sind hier nicht bei der Partnerbörse. Auch bedanke ich mich, dass sie sich Sorgen um mich machen, aber ich kann sie trösten. Nachtkritik ist kein Hinrichtungsplatz, sondern eine Internetplattform, die bisher noch nicht tödlich endete.

Liebe Inga, wird den Parsifal im zweiten Akt auch auf seine Männlichkeit hin geprüft? Und wenn ja? Von wem? Ist Kundry tatsächlich nur ein Werkzeug des Klingsor? Oder trägt sie auch autonome Züge? Und wenn ja? Welche?

Gruss

Baucks
martin baucks , 11. August 2012 - 14:00 Uhr
70. Meese nach Bayreuth: der rebellische Hiob
@ martin baucks: Kundry als schwarze Jungfrau? Okay. Und, ich denke da ausserdem gerade an Rudolf Steiners krude rassistische Theorie in Bezug auf die von ihm so bezeichneten "Wurzelrassen" (schwarzhaarig = gefühlsbetont, blondhaarig = vernunftbentont). Das empfinde ich als Quatsch, diese klischeehafte Entgegensetzung solch polarisierender Weltbilder.

Welche Tendenz hatte denn dieser angebliche "Clash of civilizations" bei Schlingensief? Hoffentlich eine ironische. Ja ja, der traditionell "vernünftige" Christ unterwirft sich lieber einer Autorität, anstatt sein eigenes Leben aufs Spiel zu setzen (wie die schwarzen Jungfrauen bzw. Selbstmordattentäterinnen). Mhmh, wer's glaubt. Andererseits steckt in jedem Klischee immer auch ein Stückchen Wahrheit.

Schlingensief selbst war in meiner Wahrnehmung eher ein Glaubensskeptiker. Der hat sich nicht ans gebietende und verbietende fremde Wort, sondern an seinen eigenen Geist gehalten, um gegen die (ungerechte) Autorität und Macht des Gottvaters zu rebellieren. Wie gesagt - eher ein rebellischer Hiob als ein autoritärer und/oder romantischer, christlicher Charakter.

Was haben Sie bloß immer mit Parsifal? "Was es braucht, sind Männer." Und das Zitat ging übrigens noch weiter. Ich sage: Es braucht keine Männer im Sinne von Kriegshelden. Der Penis ist keine Waffe und die Waffe ist kein Penisersatz. Jungs/Männer - und natürlich auch Mädchen/Frauen - sollten vielmehr in beidem unterstützt werden: ihren starken und ihren schwachen Anteilen. Jede einseitige Zuschreibung empfinde ich als Dressur. Sie wollen darauf hinaus, dass Kundry am Ende stereotyp weiblich wird: sanft, hilfsbereit und schweigsam. Sie empfängt die Taufe aus den Händen Parsifals, des neuen Gralskönigs. Ganz so, wie es sich für ein braves Christenmädchen gehört. Parsifal schließt mit dem heiligen Speer Amfortas' von Klingsor zugefügte Wunde, enthüllt den Gral und empfängt die göttliche Gnade. Und Amen. Nein, so einfach ist das alles nicht. Es sollten Widersprüche offenbleiben. Wie im Leben. Das Hölderlinsche "hen kai pan" (griechisch: Eins und Alles) gibt es nicht. Es gibt nur die Wiederkehr als Annäherung einer Welt des Werdens an die des Seins.
Inga , 11. August 2012 - 19:28 Uhr
71. Meese nach Bayreuth: jour fixe
Liebe Redaktion,
könntet Ihr nicht in einem Hinterzimmer irgendeiner Berliner Kneipe (optimal: mit Gartenbetrieb) einen Jour fixe gründen, wo sich alle Theaterverrückten die Köpfe heiß diskutieren?
Das würde dieses Forum ein wenig entlasten.
Falk Richter hat das mal im "Kirschgarten" an der Schaubühne wunderbar inszeniert: "Oh ja, auf den Diskussionsberg!" (Vielleicht übernimmt er die Schirmherrschaft? Oder Volker Lösch? Könnte ja mal ein Stück mit echten Zuschauern machen. Und Ludwig Tieck: "Der gestiefelt Kater" drüber schreiben.)
Wie wär's, jeden Donnerstag, 19 Uhr, im Hinterraum vom Literaturcafé? Oder kennt jemand ne billigere Absteige?
(Werter Was genau,
solche Pläne gabs bisher nicht.
Aber danke für die Anregung. Die Redaktion)
Was genau , 12. August 2012 - 09:38 Uhr
72. Meese nach Bayreuth: Hinterzimmerchen
Lieber "Was genau", das Theaterverrückte nehme ich mal als Kompliment. - Aber sie selbst bewegen sich ja schon Recht gut in Richtung einer solchen "billigen Absteige", wo solche Kommentare, wie ihr Letzter sicherlich besser aufgehoben sind als hier. Und, in dem die Redaktion sich dankend mit ihnen gemein macht, errichtet sie ja selbst schon ein solches Hinterzimmerchen.

Niemand zwingt sie hier zu lesen. Sie können sich selbst entlasten, in dem sie es einfach lassen. So einfach ist das.

Oder gibt es etwas, was sie hier hält? Außer, dass sie sich gerne schadlos an anderen profilieren wollen?
martin baucks , 12. August 2012 - 13:35 Uhr
73. Meese nach Bayreuth: Prost auf den Pornoschnauzer
@ Was genau: Ja, kenn ich. Das "So Frosch" in der Sonntagstraße 26 in Berlin-Friedrichshain, zum Beispiel. Sah von den Postern an den Wänden, vom Wirt und den Gästen ziemlich so aus wie das Personal aus Oliver Klucks "Froschfotzenlederfabrik". Ein Prost auf den Pornoschnauzer!
Inga , 12. August 2012 - 14:03 Uhr
74. Meese nach Bayreuth: Pipilotti Rist for Parsifal
Abschließend wollte ich schon die ganze Zeit sagen: Ich freue mich auf den Tag, an dem Pipilotti Rist gefragt wird den "Parsifal" in Bayreuth zu inszenieren, denn dies wäre eine Nachricht, die mich sehr vielmehr überrascht hätte als dieses Meese Manöver.
martin baucks , 12. August 2012 - 17:00 Uhr
75. Meese nach Bayreuth: nicht liebevoll gemeint
Zusatz zu 73.: Es hingen dort weniger Poster als vielmehr Bilder/Fotos/Fotorealismus an den Wänden. Einhundertprozent ekelhaft. Sexistisch und einen Würgereflex auslösend, dass es nicht mehr schön ist. Eine vollkommen verblödete Darstellung von Sexualität. Null erotisch. Geht da bloß nicht hin! Das Prost war NICHT liebevoll gemeint! Schaut euch stattdessen lieber "Le Déjeuner sur l'herbe" von Édouard Manet oder ähnliches an. Oder lest das hier von Dietmar Dath:

"Aber die Forschung ergab, daß das Schöne, und der Mangel am Schönen, bei den Menschen ganz dieselben Empfindungen und ... Bewegtheiten wie bei uns ausgelöst hat, wie überhaupt bei allen, die Sprache haben: den Drang zur Schöpfung, das Bemühen um den Erhalt, die Wertschätzung, das Verlangen, die Lust am Erwerb, sogar die Lust an der Zerstörung, denn die Werte selbst haben ja ein Magnetfeld um sich, das auch die Zerstörung anzieht."
Inga , 12. August 2012 - 18:13 Uhr
76. Meese nach Bayreuth: Schlingensief, Kluge und der Gral
@ martin baucks: Ich habe heute zufällig ein Video entdeckt. Schauen Sie mal: Kluge und Schlingensief diskutieren über den Hodensack als Gral. Das ist doch mal toll. Ich schmeiss mich weg.
http://www.youtube.com/watch?v=5ZKTWYPH5Go
Inga , 12. August 2012 - 18:45 Uhr
77. Meese nach Bayreuth: Saiten, die zu reißen drohen
@Inga.

Das ist allerdings "toll", wie sie es ausdrücken. Aber warum wollen sie sich da wegschmeissen? Die reden doch ganz entspannt über eine recht zentrale Sache.

Was wäre denn ihr persönlicher Gral? Ein Speer und ein Kelch? - Nein, das ist doch albern.

Natürlich ist der Gral ein Mann und eine Frau zugleich. Vielleicht Adam und Eva in einem postkoitalen Moment. Eventuell aufgespannt auf zwei Saiten, die zu reissen drohen. Dies wäre eine Denkrichtung.
martin baucks , 13. August 2012 - 13:54 Uhr
78. Meese nach Bayreuth: archaische Glaubenssysteme
@ martin baucks: Genau, der Hodensack als Dom, das empfand ich als toll. Denn in der Verbindung von kirchlichen mit politischen Strukturen liegt ja das Problem. Es geht um die Frage der politischen Instrumentalisierung des göttlichen Prinzips. Ausserdem toll, die Selbstironie. Sowas erlebt man selten, so lustige Gespräche zwischen Männern. Deswegen auch "ich schmeiss mich weg".

Schlingensief wendet sich gegen den Gral, verstanden als religiöse Kriegszurichtung gegenüber dem "Fremden" und für das Ausleben der eigenen Triebe, dem "inneren Fremden". In einem Interview mit Alexander Kluge werden die Gralsritter mit der Bush-Administration bei ihren Kriegsplanungen verglichen, welche die (westliche) Welt vor der sogenannten "Achse des Bösen" retten wollen.

Anders formuliert: Wer die Religion - und zwar jegliche Religion - instrumentalisiert, um Kriege zu führen, der ist mit Sicherheit kein "guter Christ, Moslem" usw. Bloß ein geheuchelter. Dass es Schlingensief um Adam und Eva ging, kann ich seinen Aussagen eher nicht entnehmen. Woher nehmen Sie das bzw. wie kommen Sie auf diese Idee? Könnten Sie das vielleicht noch ein wenig genauer erklären, bitte? Es geht doch eher darum, den Menschen nicht als Mittelpunkt der Schöpfung zu sehen, sondern vielmehr um das Prinzip der Evolution bzw. um die Weiterentwicklung von Gesellschaften und archaischen Glaubenssystemen.
Inga , 13. August 2012 - 16:58 Uhr
79. Meese nach Bayreuth: der menschliche Akt
Im ursprünglichen Sinne ist der Gral dies Gefäß, an dem am Karfreitag das Blut Christi aufgefangen wird. Betrachtet man noch einmal den zweiten Akt bei Stefan Herheim, bedenkt den Vorgang im zweiten Akt an sich, so kann man dies Bild von einem gelungenen postkoitalen Moment als Gralsbild herleiten und mit ihm das Blut Christi ersetzen. Wenn man dies will, in dem Sinne, dass nicht ein Märtyrium Erlösung verspricht, sondern die Wiederholung der Schöpfung in einem menschlichen Akt. Dem menschlichen Akt, der im zweiten Akt so gründlich misslingt, weil Kundry das Sehnen des Parsifal auf so destruktive Weise mit der Schuld am Tod seiner Mutter verbindet, wie schon Eingangs erwähnt, eine störende Verbindung zwischen der verweigerten Mutterliebe und der eigenen Sexualität des Parsifal herstellt, um ihn hiermit zu verführen oder wahlweise zu vergewaltigen. Anders gesagt, da er schon der Mutter die Liebe verweigerte, darf er nun diese tödliche Handlung nicht an ihr Kundry fortsetzen, so stellt sich die Strategie der Kundry ja grob gesagt dar, er muss ihr Minne gewähren, aus ihrer Sicht, was er nicht tut. Hier kann man sakrale Motive als Gründe des Parsifal nennen, oder aber man konkretisiert sie im Verlauf seiner Biographie, die im Zaubergarten des Klingsor zu einem weiteren negativen Höhepunkt sich verdichtet.

Im jeden Fall aber ist die Keuschheit als erlösender Moment zu hinterfragen. Allerdings wäre dies, der gelungene Liebesmoment, lediglich eine Ebene der Gralsabbildung, zu der weitere hinzutreten müssten, die dem traditionellen Bild des Grals eine kritische Wendung gäben.

So meine ganz persönliche Sicht leicht vereinfacht dargestellt.
martin baucks , 13. August 2012 - 19:25 Uhr
80. Meese nach Bayreuth: Klingsor & die Bienenkönigin
@ martin baucks: Es wird langsam absurd, weil wir in meiner Wahrnehmung eher aneinander vorbei als miteinander reden. Sie beziehen sich auf Stefan Herheim, ich beziehe mich nach wie vor auf Schlingensief, und eigentlich geht es hier ja um Meese, welcher seine Version des "Parsifal" noch nicht eimal aufgeführt hat.

Nur kurz noch: Ich persönlich würde den Gral nicht immer nur weiter in Bezug auf das christlich-jüdische Abendland interpretieren. Und ich würde auch nicht den KAMPF der Kulturen bzw. Religionen betonen, sondern vielmehr die Frage der (künstlerischen) Gestaltung von (politischen) Gemeinschaften. Es geht darum, was die verschiedensten Religionen miteinander verbindet, nicht darum, was sie voneinander trennt. Es geht also auch nicht um die Frage einer Alternative zwischen selbstsüchtigem Materialismus oder der Annahme des christlichen Gottesbegriffs. Sondern es geht um die Frage einer humanistischen Religiosität ohne "Religion", ohne Dogmen und Institutionen.

Schlingensief apricht - um doch noch einmal auf das Videointerview mit Kluge zurückzukommen - im Zusammenhang mit Klingsors Rettung von Beuys' Bienenkönigin. Klingsor wird mit einer Rakete in den Himmel geschossen und landet im Garten der Bienenkönigin. Beuys' Bienenstaat ist ein Modell für seinen erweiterten Kunstbegriff UND für die Gesellschaft als soziale Plastik. Im utopischen Sozialismus von Beuys gibt es keine ausbeuterischen Herrschaftsbeziehungen mehr, sondern ALLE werkeln mit, zum Wohle des Ganzen: des Herzen bzw. Hirns einer politischen Gemeinschaft. Dafür brauchen wir keinen Gott als "Führer", welchem wir uns opfern, sondern vielmehr einen solidarischen Geist.
Inga , 14. August 2012 - 13:27 Uhr
81. Meese nach Bayreuth: Erklären Sie bitte!
@ Was genau (71.): Warum erwähnen Sie hier jetzt plötzlich Falk Richter und Volker Lösch? Erklären, bitte!
Inga , 14. August 2012 - 16:29 Uhr
82. Meese nach Bayreuth: Gott und Beuys
Da haben sie schon Recht, ihre Gegenüberstellung von Gott als "Führer" und der lieben, Beuys'schen Bienenkönig ist allerdings absurd.

Trotzdem

Viel Glück

im weiteren Leben
martin baucks , 14. August 2012 - 17:39 Uhr
83. Meese nach Bayreuth: Einschüchterungs-Kreislauf
@ martin baucks: Gut, kleine Korrektur: Die Rakete hat die Form der Beuysschen Bienenkönigin. Und die landet im Karfreitagsgarten. Ja, man könnte hier jetzt zum Beispiel danach fragen, ob dieser Bienenstaat tatsächlich geschlechtergerecht funktioniert, wenn die Bienenkönigin und ihre Arbeiterinnen im Mittelpunkt stehen und die männlichen Drohnen (das Fluggerät? Das würde allerdings nochmal einen anderen Kontext aufmachen!) nach der Befruchtung der Larven überflüssig werden. Aber als Utopie einer organischen Gemeinschaft ist der Beuyssche Bienenstaat meines Erachtens trotzdem interessant.

Die Formulierung Gott als "Führer" habe ich deshalb so gewählt, weil ich einen Unterschied machen wollte zwischen Unterwerfung unter ein Idol und innerer Orientierung. Das heisst, der liebende Held (Märtyrer) durchbricht den Teufelskreis der Gleichsetzung von Ungehorsam und Sünde. Er fühlt sich nicht schuldig, sondern übernimmt Verantwortung. Kurz: Er steht zu seinem solidarischen Handeln. Erich Fromm schreibt dazu in "Haben oder Sein":

"Die Reihenfolge Sünde (Ungehorsam) - Schuldgefühle - neuerliche Unterwerfung (und Bestrafung) - Vergebung ist insofern ein Teufelskreis, als jeder Akt des Ungehorsams zu verstärktem Gehorsam führt. Nur wenige lassen sich nicht auf diese Weise einschüchtern."
Inga , 15. August 2012 - 11:35 Uhr
84. Meese nach Bayreuth: Zweipersonenstück für Bayreuth
Ich hoffe, dass nun der Briefwechsel Baucks/Inga der Hit auf der Buchmesse wird, so gerne habe ich ihn gelesen und würde ihn als Zweipersonenstück gerne auf der Bayreuther Studiobühne herausbringen.
SALZ , 15. August 2012 - 12:12 Uhr
85. Meese nach Bayreuth: pessimistisch
@salz

Machen sie das. Ich freue mich. Aber sie werden scheitern.
martin baucks , 15. August 2012 - 18:26 Uhr
86. Meese nach Bayreuth: Link
martin baucks , 15. August 2012 - 23:59 Uhr
87. Meese nach Bayreuth: Zusammenhang?
q martin baucks: Was bitte soll jetzt dieses Tränendrüsenvideo des ZDF (sic!) über Schlingensief? Könnten Sie bitte erklären, inwiefern das mit dem Thema "Meese nach Bayreuth" zusammenhängt? Und ausserdem empfinde ich es übrigens als ekelhaft, wie Sie hier Schlingensiefs Tränen für irgendetwas anderes ausbeuten, was Sie nicht offen sagen können und/oder wollen.
Inga , 16. August 2012 - 12:53 Uhr
88. Meese nach Bayreuth: überlegt
Ich habs mir überlegt: kein Zweipersonenstück in Bayreuth.Zu schwacher Dialog.
SALZ , 16. August 2012 - 13:22 Uhr
89. Meese nach Bayreuth: Was der Hügel aus Menschen macht
Die Klage, die Schlingensief dort anstimmt, erinnert stark an das Leiden des Amfortas. Er selber hat einen Zusammenhang zwischen seiner Erkrankung und dem Hügel hergestellt. Falls es nun wirklich stimmen sollte, dass Meese in Bayreuth nur verwertet wird und sich selber verwertet, abliefert, wie ich in der Süddeutschen las, kann man sich schon die Frage stellen, was der "Hügel" aus Menschen macht? Ob er eine Gefährdung darstellt? Ob von ihm eine Gefahr ausgeht?

Ich dachte, diesen Zusammenhang könnten sie selber herstellen, Inga. Denn ich denke hin und wieder, dass Meese dort auch beschädigt werden könnte, schaut man nur einmal auf all die kleinen Wunden, die er sich schon hier zuzieht.
martin baucks , 17. August 2012 - 05:42 Uhr
90. Meese nach Bayreuth: ein Konversationsdrama
Ein Gespräch im Hause Baucks über den abwesenden Herrn Meese oder Scharfsinn, Schafssinn und tieferer Jelinekismus von Edward Albee
Guttenberg , 17. August 2012 - 08:25 Uhr
91. Meese nach Bayreuth: sorglos
@ martin baucks: Ach, wissen Sie, um Meese mache ich mir nun wirklich gar keine Sorgen. Höchstens um dessen Gewissen. Hat man(n) als Künstler ein Gewissen? Oder steht Meese auf derselben Stufe wie Holz und Steine? Schauen Sie sich doch mal folgendes Video an, da wirkt Meese auf mich jedenfalls nicht so, als würde er sich durch irgendwen (vom grünen Hügel) gefährden lassen. Im Gegenteil, eher ist er derjenige, welcher dem Teufel dient:

http://www.youtube.com/watch?v=ES2gAXntOTI

Und die Aussage von Schlingensief, dass ihn die Arbeit am "Parsifal" krank gemacht hätte, die würde ich in jedem Fall als Metapher deuten. Wir sind hier ja nicht im Reich der Märchen und Wunde(r)n.
Inga , 17. August 2012 - 09:46 Uhr
92. Meese nach Bayreuth: Empfindungslosigkeit und Ende
Nein, wir sind hier "im Internet". Im Reich der Anspielungen (man(n)) und aggressiven Gesinnungen folgenden Deutungen.

Ich denke, dass Christoph Schlingensief seine Erkrankung nicht als Metapher erlebt hat, selbst wenn er seine Aussage so gemeint hätte, was ich nicht glaube; eher verstand er sie wohl als eine komplexe Aussage, die sowohl Metaphorisches wie Reales mit einbezog.

Nun, ihre Sorglosigkeit mag sich begründen in was auch immer, in Naivität, Unerfahrenheit oder auch dem Hang alles ins Geistige zu verdrängen.

Ich teile ihre Sorglosigkeit nicht. Gerade an dem Video, dass sie hier präsentieren, kann man nur allzu deutlich eine Gefährdung ablesen.

Nun zu etwas anderem. Ich denke, wir sollten unser Gespräch jetzt hier beenden. Erst einmal führt es nicht wirklich weiter. Und dann versammeln sich zuviele Stimmen darum, die sich an diesem Thread schadlos halten wollen. - Schon ist Herr SALZ dabei sich Gedanken über eine Verwertung zu machen und Herr Guttenberg erlaubt sich flache Witze. - Was denken sie? Reicht es nicht allmählich?

Auch auf diese Frage werden "Trittbrettfahrer" aufspringen.

Ich denke, dies ist mein letzter Kommentar. Auch weil ich ihre Empfindungslosigkeit gegenüber Meese nicht weiter befördern möchte.

Gruss

Baucks
martin baucks , 17. August 2012 - 11:02 Uhr
93. Meese nach Bayreuth: Absurdität als Lebensversicherung
@ martin baucks: Na ja, ich habe auch Schlingensiefs "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" gelesen. Und da beschreibt er ab S. 171 sein Nachdenken darüber, was bei ihm der Anlass war, warum er Krebs bekommen hat. Er spekuliert über die Todesmusik Wagners, die nicht das Leben, sondern das Sterben feiere. Genau. In Wagners monumental abgeschlossener Musik geht es nicht um die Anschauung, sondern um die Verherrlichung des Todes, um die Verherrlicung der Tatsache, für eine Idee zu sterben. Und das ist - auch in meiner Sicht - komplett bescheuert. Da liegt der Fehler, sowohl im Falle von islamistischen als auch von christlichen Fanatikern bzw. Selbstmordattentätern. Zitat Schlingensief:

"Das ist Teufelsmusik, die einen wirklich zerreißt, dann noch das Zeug mit dem Karfreitagszauber, der ja wirklich zur völligen Auflösung auffordert. Und nachher noch Nahtod, Lichtkanal: 'Sterben! Einzige Gnade! ... Öffnet den Schrein, enthüllet den Gral.'
Das reicht echt. Das reicht dicke. Da bin ich ja fast so weit zu behaupten, ja, da haben die Nazis viel Spaß gehabt, das war genau deren Welt. Da konnten die alle mitmarschieren, da haben die alle gesessen und waren plötzlich ganz erregt, weil das ihre Wahrheit war. Das war ihr Ziel: irgendwann im Hinterhöfchen mit dem Benzinkanister unterm Arm und einer Zyankali-Kapsel im Maul den Tod zu zelebrieren."

Schlingensief kommt zum Schluss, dass also mehr Distanz her muss. Und er kommt auch auf Meese zu sprechen:

"Ich glaube zum Beispiel, dass Jonathan Meese längst tot wäre, wenn er all das glauben würde, was er da macht und sagt. Dass seine Sachen so absurd und abstrus sind, ist wahrscheinlich seine größte Lebensversicherung."

Der Meinung bin ich auch. Hören Sie nicht raus, dass Meese diese hate-speech mit einem gewissen ironischen Unterton präsentiert? Hören Sie nicht die Brüche und Lücken heraus, in welchen er unsicher wird, vielleicht sogar beinahe lachen muss? Zudem kollidieren bei ihm ja die Haltungen. Er ist permanent wütend, auch auf das Gegenteil dessen, was er zuvor beschimpft hatte. Die Hauptsache ist die Entschiedenheit der Stellungnahme gegen die vorherrschende Lauheit des "anything goes" (siehe auch bei Nietzsche). Der spielt das doch, der spielt doch eine Rolle, hören Sie das nicht raus? Das ist die Komödie darüber, dass wir gar nicht so frei sind, wie wir es uns gern einbilden.

Herr SALZ ist wahrscheinlich Michel Decar und/oder Jonas Jagow. Haben Sie das Stück beim Stückemarkt des Theatertreffens 2012 gesehen (Inszenierung: Friederike Heller) und/oder gelesen? Da wurde auch permanent SALZ verstreut. Warum, weiss ich auch nicht so genau. Vielleicht wegen des "Salz in unsere Wunden streuen"? Wegen sowas plädiere ich für einen radikalen Humanismus: Der Existenzialismus ist ein Humanismus! Je me révolte, donc nous sommes. Oder auch: Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Schön wär's doch, oder? Wenn hier mal jemand offen wäre...
Inga , 17. August 2012 - 13:45 Uhr
94. Meese nach Bayreuth: Spieler
Meese spielt nicht mehr als sie, Inga.
martin baucks , 18. August 2012 - 17:34 Uhr
95. Meese nach Bayreuth: Ehre den Namenlosen
@ martin baucks: Ja. Aber Meese verkauft seine Bilder scheissteuer auf dem kulturkapitalistischen Kunstmarkt und kann locker davon leben. Das reicht echt. Das reicht dicke. Wer soviel verdient, kann sich das Spielen einfach mal leisten. Und genau da liegt der Unterschied. Verstehen Sie, was ich meine? Das reicht echt. Das reicht dicke. Für wie mächtig hält der sich eigentlich? "Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten. Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht." (Walter Benjamin)
Inga , 19. August 2012 - 11:46 Uhr
96. Meese nach Bayreuth: Untugenden von Kleinbürgern
Meese spielt nicht mehr als sie, Inga, aber wahrscheinlich besser. Zu spielen ist kein Verbrechen. Geld verdienen auch nicht. Aber Neid und Verachtung, Hass auf Künstler, dass sind die liderlichen Untugenden von Kleinbürgern.

Hätten sie uns doch gleich eingangs mitgeteilt, dass sie Meese verachten, weil er Geld verdient. Dann hätten sie uns einiges erspart.

Die Ernsthaftigkeit von Künstler wird nicht in Frage gestellt durch ihren Erfolg, auch nicht den Finanziellen.

Ihre moralische Empörung ist erbärmlich begründet. Da helfen auch keine Zitate. Ich bedaure es, mich mit ihnen auseinandergesetzt zu haben.
martin baucks , 19. August 2012 - 20:54 Uhr
97. Meese nach Bayreuth: Marketingeffekte
@ martin baucks: Mensch, ist mir doch egal! Ich verachte Meese nicht deswegen, weil er mit seiner Kunst Geld verdient. Und neidisch bin ich auch nicht. Ich frage mich bloß, was seine Rede vom "geilen (Fleisch-)Geschäft" soll! Soll ich jetzt lachen oder was?! Und ich frage mich auch, ob die hohen Summen für seine Bilder wirklich gerechtfertigt sind. Gibt es überhaupt sowas wie die Freiheit der Kunst oder werden da nicht immer nur irgendwelche marktkonformen Ideologien drübergestülpt, damit sich es sich besser verkauft? Das ist die Eroberung des Bewusstseinsanteils im künstlerischen und politischen Geschäft. Und so funktioniert auch der Bayreuther "Fascho-Laden", von dem Schlingensief spricht.

Galeristen und Ausstellungsmacher schreiben ja auch immer gern so komisch verschwurbelte Sätze in Kataloge, welche angeblich "das Werk" eines Künstlers erklären sollen. Aber geht es da nicht vielmehr um Marketingeffekte? Muss man Kunst erklären? Oder muss man sich nicht eher fragen, was da eigentlich verkauft wird: Das Image eines Markenprodukts oder die Kunst selbst. Geht es auf dem Kunstmarkt überhaupt noch um die Kunst selbst, um die SACHE, oder nur noch um das Geschäft? Geht es in der Politik überhaupt noch um die Politik selbst, um die SACHE, oder nur noch um das Geschäft?

Und überhaupt, diese Langeweile, welche Kunst manchmal produzieren kann! Ja, da rutscht man auf dem Theatersessel hin und her und fragt sich, ob das wirklich alles sein kann. Und plötzlich fühlt man sich wie das Wetzelchen aus Dietmar Daths "Abschaffung der Arten". Plötzlich wünscht man sich das goldene Zeitalter des Löwen zurück, eines Herrschers mit Seele, welcher versucht, uns aus den gedankenlosen Tiefen herauszureißen, eines Maklers unserer Transzendenz.
Inga , 20. August 2012 - 14:43 Uhr
98. Meese nach Bayreuth: Video zum Thema
Hier noch das Video, u.a. zum Thema "geiles Geschäft":

http://www.youtube.com/watch?v=ykCHjssb7xw
Inga , 20. August 2012 - 14:45 Uhr
99. Meese nach Bayreuth: Stolperpfad
Liebe Inga,

das Reden schwingen können sie bald so gut wie Meese. Jetzt müssen sie nur noch die entsprechenden Kunstwerke produzieren. Und dann dürfen sie sich all die kunstkritischen Fragen selber stellen.

Aber Herrn Meese werden sie auf diesem Weg nicht überführen. Denn den Pfad, den sie ihm unterstellen wollen, auf dem maschieren sie selbst recht gut, auch wenn sie hie und da noch stolpern.
martin baucks , 20. August 2012 - 21:50 Uhr
100. Meese nach Bayreuth: ich marschiere nicht
@ martin baucks: Nee, tschuldigung, ich marschiere nicht. Und die Umwertung aller Werte überlasse ich künftig auch lieber dem schreienden Meese, welcher damit wahrscheinlich bloß demonstrieren will, dass es nicht allein um das abstrakte Wort, sondern immer auch um den Willen zur Macht bzw. den Körper geht, in welchen sich historische Erfahrung einschreibt. Schreien ist da also nur logisch, nicht moralisch. Was meinen Sie mit dem Stolpern?
Inga , 21. August 2012 - 11:26 Uhr
101. Meese nach Bayreuth: Meese überführen?
@ martin baucks: Und das Wichtigste habe ich natürlich vergessen: Was meinen Sie damit, Herrn Meese "zu überführen"?
Inga , 21. August 2012 - 11:47 Uhr
102. Meese nach Bayreuth: stop, bitte!
Bitte keine weiteren privatistischen Monologe,baucks und Inga,es ist eine Qual!!!!!
SALZ , 21. August 2012 - 11:49 Uhr
103. Meese nach Bayreuth: Vorschlag einer Kommentarordnung
im zuge dessen könnte sich nachtkritik überlegen, die seitenleiste mit den "letzten kommentaren" zu verändern und die überhaupt 10 letztdiskutierten themen/artikel listen samt einer kleinen Zahl, wieviele kommentare es in den letzten 168 stunden (aka 7 tagen) gab; so würde ein verdrängen der etwas niedrigfrequenter diskutierten threads gehemmt. aktuell sehe ich fast nur Meese... aufgrund dieses hochfrequenzhandelns hier und das ist wirklich eine Qual


schema:

Hermanis 4
Meese 52
Leysen 3
Intendantengehälter 2
Susanne Lothar 5
...

PS: ggf. noch ergänzt um den jeweils letzten kommentartitel

(Lieber Hans Uwe Zisch, vielen Dank für Ihren Vorschlag. Falls das technisch möglich ist (und das müssen wir erstmal prüfen), werden wir es diskutieren. Herzliche Grüße aus der Redaktion)
Hans Uwe Zisch , 21. August 2012 - 12:04 Uhr
104. Meese nach Bayreuth: Klatsch statt Information
@ Hans Uwe Zisch: Das halte ich für keinen guten Vorschlag. Denn genau darüber funktioniert doch auch der Marketingeffekt von nachtkritik.de. Anstatt zu informieren, hält man sich vor allem aufgrund bzw. mit Hilfe des folgenlosesten Klatsches über Wasser. Und dann auch noch diese maschinengestütze Kommunikation zwischen den Menschen. Das ist sicher nicht das Dionysos-Theater der antiken Polis-Gemeinschaft.

"Soll der Geist ein öffentlicher Schauplatz sein, wo vornehmlich die Angelegenheiten der Straße und der Teetische erörtert werden? Oder soll er ein Bezirk des Himmels sein, ein offener Tempel, dem Dienst an den Göttern geweiht? [...] Es ist sehr wichtig, in dieser Hinsicht die Unschuld des Geistes zu bewahren. Bedenke nur, du könntest die Details eines einzigen Falles aus einem Strafgericht in deine Gedanken aufnehmen, sie ganz profan eine Stunde lang durch das Allerheiligste stampfen lassen - oder gar für mehrere Stunden! Aus den innersten Bezirken des Geistes eine Kneipe machen, als ob der Staub der Straße uns so beschäftigt hätte - ja, die Straße selbst mit ihrem Verkehr, Gehaste, Dreck über den Altar der Gedanken hinweggegangen wäre! Wäre das nicht geistiger und moralischer Selbstmord?"
"H.D. Thoreau, "Leben ohne Prinzipien", in: "Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat")

Kurz: Ich verstehe auch nicht, warum Martin Baucks sich hier so sehr auf mich einschießt. Irgendetwas scheint ihn zu stören, aber leider ist er noch nie öffentlich auf mich zugekommen, obwohl ich meine, ihn vor Kurzem, anlässlich von Constanza Macras' "Open for everything", im Schaubühnenfoyer gesehen zu haben, wenn er es denn war.
Inga , 21. August 2012 - 13:21 Uhr
105. Meese nach Bayreuth: Vorschlag von dritter Seite
@ Inga
Wie soll denn Herr Baucks auf Sie zukommen, wenn er Sie gar nicht kennt? Oder haben sie bereits auch privat so ein lustiges Techtelmechtel? Vielleicht laden Sie Herrn Baucks ja mal zu einem ausgedehnten Waldspaziergang. Es wird bald wieder herbstlich, und bunte Blätter sollen ja so inspirierend sein auf Künstler. Das Ergebnis dann bitte an Herrn Meese schicken, er arbeitet es sicher in sein Konzept zum Parsifal, um den ging es glaube ich, ein. Also, seien Sie auch weiterhin "Open for everything", Inga.
Stefan , 21. August 2012 - 16:12 Uhr
106. Meese nach Bayreuth: Qual?
Qual? Wie kann jemand von etwas gequält sein, dass man so leicht abstellen kann?
martin baucks , 21. August 2012 - 16:45 Uhr
107. Meese nach Bayreuth: Wer hindert Sie an der Wahrheit?
@ SALZ: Ja, SALZ, wenn es (für Sie, warum eigentlich?) so eine Qual ist, dann haben Sie doch einfach mal Mut zum Politischen und sagen die Wahrheit. Wer oder was hindert Sie daran?
Inga , 21. August 2012 - 16:58 Uhr
108. Meese nach Bayreuth: Résumé von Baucks
Der Grund für diesen Thread war meinerseits die ausgestellte Feindlichkeit von Frau Inga gegenüber Herrn Meese, die ich schlecht, als sehr schlecht begründet empfand.

Der Umstand, dass ich hier unter Klarnamen schreibe, macht mich natürlich auf ganz andere Weise angreifbar. Damit kann ich leben.

Nicht widerspruchslos leben möchte ich mit schlecht oder unbegründeter Feindlichkeit gegenüber Künstlern. Deshalb debattierte ich hier. Mehrfach suchte ich nach einem Endpunkt.

Nun, ich bleibe dabei, auch wenn die Redaktion lieber Schlüpfriges von Herrn Stefan postet: Qual? Wie kann einen etwas quälen, dass man so leicht abstellen kann.

Lieber Stefan, ich habe hin und wieder Lieben, sehr schöne Lieben. Aber die suche ich mir nicht im Internet. Und schon gar nicht auf Nachtkritik. Ich habe zunehmenst Probleme mit Nachtkritik, weil man hier in den Kommentaren schon latent Kunstfeindlichkeit empfinden könnte.

Liebe Inga, sie meinen mich erkannt zu haben. Aber mein letzter Besuch in der Schaubühne ist lange her. Sie können mich jederzeit in der Öffentlichkeit ansprechen, wann immer sie wollen. Damit habe ich kein Problem.

Ich habe ein Problem damit, dass sie hier unter Pseudonym einen Künstler primitiv angreifen. Ihm seine finanziellen Möglichkeiten neiden, ihn pathologisieren, obwohl sie nicht mal im Stande sind ein einfaches Bild von ihm halbwegs sinnvoll und fair zu beschreiben.

Meese wird wahrscheinlich eine interessante Arbeit abliefern. Natürlich gibt es Alternativen zu ihm. Aber er hat wenigstens ein Werk vorzuweisen. Was haben sie Frau Inga?

Vielleicht hat Herr Meese ja recht und sie sollten mal stramm stehen und der Kunst dienen? Vielleicht hat er auch Unrecht?

Wahr ist in jedem Fall, dass sie uns ihren Klarnamen schulden. Dann können wir eventuell auf Augenhöhe miteinander reden.
martin baucks , 21. August 2012 - 18:16 Uhr
109. Meese nach Bayreuth: Ende der Debatte
Liebe Debattierer und Kommentatorinnen,
weil wir annehmen, dass nun alles einmal ausgesprochen wurde, was ausgesprochen werden musste, beenden wir diesen Debatten-Strang und bedanken uns für die engagierten Mitteilungen.
nikolaus merck
nikolaus merck , 21. August 2012 - 21:37 Uhr

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