Der Traum, kein Leben

von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, 28. Juli 2012. Der Obrist Kottwitz kommt an der Spitze einer Delegation von Offizieren mit einer Petition zum Kurfürsten. Die Militärs wollen dem Prinzen Friedrich das Leben geschenkt sehen. Der hat zwar gegen den Befehl gehandelt, aber doch eine Schlacht glänzend gewonnen. Der Kurfürst, schlingernd zwischen Menschlichkeit und kriegsrechtlicher Vollzugs-Maschinerie, ist zu dem Zeitpunkt mehr als gesprächsbereit, vielleicht sogar verunsichert, ideologisch angeschlagen gar. Da bricht es aus dem alten Kottwitz heraus, es kommen in ihm urplötzlich die verdrängten Fragen hoch nach persönlichem Engagement, nach Mitverantwortung und Beteiligung. Wahrscheinlich hat Kottwitz sein ganzes Leben nur gebuckelt. Man sieht ihm jetzt die Angst, ja Panik vor der eigenen Courage an, eben das auszusprechen, was er bis dato vielleicht nicht mal zu denken wagte. Hans-Michael Rehberg lässt das in jeder Faser, in jeder Geste spüren und liefert die intensivste Schauspielerszene dieses Abends.

Analytische Sicht, zwischen allen Stühlen

Regisseurin Andrea Breth wartet mit einer scharf analytischen Sicht auf ein Stück auf, mit dem sich Kleist zwischen alle Stühle setzte. Unbedingter Kadavergehorsam, strenge Selbstdisziplin – da steht einer wie Friedrich von Homburg, ein sanguinischer Tag- und Nachtträumer, weit daneben, so sympathisch man ihn auch finden mag. Ein preußischer Offizier, der haltlos nach dem Leben winselt und sogar seine Braut, des Kurfürsten Tochter, flugs aufzugeben bereit ist, um bloß heil davon zu kommen? Das sah man 1809/10 nicht so gerne, aber auch späterhin nicht. Heute stehen die Zeichen ganz anders, Gehorsam um jeden Preis ist kein Thema mehr – und Kleists Drama somit erst recht irgendwie aus der Zeit gefallen.Homburg2 560 BerndUhlig uAm Boden: Pauline Knopf und August Diehl         © Bernd Uhlig

Wirklich? Andrea Breth lässt es auf den Versuch ankommen. Sie schickt die Burgtheater-Mimen mit Kleists sperriger Sprache gleichsam ohne vorgefasste Meinung aufs theatrale Schlachtfeld. In diesen Nahkämpfen um die Hintergedanken – wer behauptete schon zu durchschauen, was der einsilbige Kurfürst mit dem Hitzkopf Friedrich wirklich vor hat? – darf und muss sich jede Figur bewähren.

Nach hinten zweigeteilt die schlichte, aber immens poesietragende Bühne von Martin Zehetgruber: vorne von unten leuchtende Quadrate und weißgraue Stellwände, vor denen die einheitlich tiefschwarz gekleidete Gesellschaft (Kostüme: Moidele Bickel) scherenschnittartig agiert. Wird das Licht vorne abgedreht, sieht man im Hintergrund einen Wald von Baumstummeln. Der Krieg hat der Natur arg mitgespielt – und vielleicht den Menschen noch mehr als den Bäumen.

Ein gutes Stück Gendergerechtigkeit

Peter Simonischek ist der Kurfürst. In der ersten Szene haben er und die Hofgesellschaft den schlafwandelnden, entschieden zu beredt träumenden Prinzen Friedrich beobachtet. Da hat er ein wenig zu viel von seinem persönlichem Ehrgeiz preisgegeben, als seiner Karriere förderlich ist. Misstraut der Kurfürst dem "Karrieristen", ist gar Eifersucht im Spiel? Der leicht abzulenkende, impulsive junge Mann – August Diehl – hat nur Augen für Prinzessin Natalie, anstatt genau aufzupassen, was der Feldmarschall Dörfling in Sachen Schlachtablauf diktiert (ein menschlicher Panzer in jedem Schritt: Udo Samel). Obwohl Friedrich einen schönen Erfolg im Scharmützel von Fehrbellin einfährt, wird er doch zum Tode verurteilt, wegen eigenmächtigen Handelns. Selbst in der Soldateska ist dieser Entscheid durchaus umstritten.

"Der Kurfürst hat getan was Pflicht … nun wird er auch dem Herzen folgen" – so sicher ist das alles nicht. Im Grafen Hohenzollern (Roland Koch) hat er einen Fürsprecher, und natürlich im alten Obristen Kottwitz. Auch Natalie (Pauline Knof) wird aktiv, so weit das einer jungen Dame überhaupt möglich war. "So erhaben, dass man es fast unmenschlich nennen könnte", sagt Natalie zu ihrem Vater, dem Kurfürsten, und entkräftet in dem Moment auch den Verdacht, dass der "Prinz von Homburg" ein Stück aus extremer Männerperspektive sei. Die genaue Analyse durch Andrea Breth setzt ein gutes Stück Gendergerechtigkeit frei.

Bild einer im Wandel begriffenen Weltordnung

A propos Frauen: Wie mag die in den höfischen Szenen omnipräsente, aber stille Gräfin Bork – die streng dreinblickende Elisabeth Orth – über den Gang der Dinge denken? Von der Kurfürstin selbst (Andrea Clausen) gibt's ja nur diplomatische Äußerungen. Ein zentraler Moment: Natalie ist eben im Begriff, dem auf Knien lamentierenden Delinquenten Friedrich zärtlich übers Haar zu streicheln, da sagt dieser Feigling geradeheraus, dass er eh nichts mehr mit ihr, des Kurfürsten Töchterlein, am Hut hat. Die junge Dame erstarrt. Solche Szenen sind präzis gearbeitet und es entstehen differenzierte Rollenbilder, auch bei den Randfiguren. Wie sich die Protagonisten anziehen und abstoßen, wie Sympathie-Allianzen wachsen, aber auch zwingende Ablehnung aufbricht – das ergibt in Summe das Bild einer im Wandel begriffenen Wertordnung.

"Ein Traum, was sonst?" Es bleibt alles beim Alten, laut Kleist – aber Andrea Breth wendet die Schlussszene in abgrundtiefe Trauer. Laut Kleist sänke Prinz Friedrich, für den sich alles zum Guten gewendet hat, in eine Ohnmacht, hier ereilt ihn der Tod. "Zum Sieg, zum Sieg", mahnt der Feldmarschall mit monotoner Stimme. Es hat niemand etwas gelernt aus der Sache, der Krieg geht weiter. Händels berühmte Klavier-Sarabande ist der insistierende Trauergesang auf eine vergebene Option.

Die zweieinhalb Theaterstunden ohne Pause fordern vom Publikum Sitzfleisch und Konzentration. Die Mühe lohnt sich. Die Zustimmung für Andrea Breth war widerspruchslos, und für das Ensemble natürlich auch.

 

Prinz Friedrich von Homburg
von Heinrich von Kleist
Regie: Andrea Breth, Bühne: Martin Zehetgruber, Kostüme: Moidele Bickel, Dramaturgie: Wolfgang Wiens
Mit: August Diehl, Peter Simonischek, Udo Samel, Hans-Michael Rehberg, Roland Koch, Pauline Knof, Andrea Clausen, Elisabeth Orth.

www.salzburgerfestspiele.at

Mehr dazu im Lexikon-Eintrag zu den Salzburger Festspielen, inklusive letzter Nachtkritiken.

 

Kritikenrundschau

In Andrea Breths Inszenierung des "Prinz Friedrich von Homburg" sehe man ein Ensemble, "das bis in die kleinen Rollen voller Charakterköpfe ist, das eine Macht und Diplomatie gnadenlos enttarnende, tief schürfende Inszenierung perfekt umsetzt", schreibt Norbert Mayer in der Presse (30.7.2012). Der komplexe Text bedinge zwar Längen, "die nicht bequem sind (…), aber gerade diese Unbedingtheit trägt wesentlich zum Erfolg dieser Interpretation bei, die kunstvoll Schein und Sein verwebt, die das Drängende in Kleists Sprache virtuos zur Geltung bringt."

Andrea Breths Inszenierung, "weit davon entfernt, dem Text irgendwelche neuen 'Entdeckungen' abzupressen", wühle "tiefer in den Versen, als es manchem behagen mag", meint Ronald Pohl im Standard (30.7.2012). Ihr Homburg sei, "noch ehe er zum 'Täter' werden kann, vom Krieg restlos zerstört". Und sie zeige, wie eine "Gesellschaft, die doch ganz aus dem Krieg heraus existiert", nicht fähig sei, "mit ihren Versehrten menschenfreundlich umzugehen". Diese "bestürzend kluge, tarierte Kleist-Inszenierung" sei "ein verlockendes Konzertstück der Dissonanzen", und Peter Simonischek als Kurfürst bilde "das dunkle, vulkanisch schimmernde Rätsel des ingeniösen Abends".

Schluss und Anfang der Aufführung bildeten "eine bezwingend starke Klammer", beobachtet Barbara Villiger Heilig in der Neuen Zürcher Zeitung (30.7.2012). "Was die scharf, fast hektisch geschnittene Szenenfolge zwischen Anfang und Schluss angeht, löst sie leider die bildgewaltig-inhaltsschwere Vorgabe der Klammer nicht überall ein." Man sehe tolle Schauspieler, die "sich in rhetorische Verlegenheitsgesten flüchten" und zeitweise wie "Schattenrisse, Zeichen, keine Menschen" die Bühne dekorierten. Doch es gebe eine "allfällige Schwächen triumphal überragende Stärke der Aufführung: Ihr Potenzial ist das vielschichtige, sich überkreuzende, widersprechende und ins Gehege geratende Gespinst von bewussteren und unbewussteren Gedanken, welches die Handlung vorantreibt – und sie der behaupteten Kontrolle durch den Kurfürsten entzieht." Und so erlebe man "grossartige Momente, in denen solche gedankliche Kollisionen spektakuläre Funken sprühen – oder aber sich blockieren. Oder beides in einem."

"Warum", fragt Ulrich Weinzierl in der Welt (30.7.2012), "sind wir, trotz Ensemble-Luxus, so wenig fasziniert?" Die Liebe der Regie gelte "nicht dem jungen Prinzen, sie gilt den alten Männern: dem Kottwitz und Brandenburgs Kurfürsten Friedrich. Hans-Michael Rehberg und Peter Simonischek sind die Stars des Abends." Und August Diehls Homburg? "Absolut Unzurechnungsfähige, also Schuldunfähige" hätten "in Theater und Dichtung nichts zu suchen, sie interessieren uns auf der Bühne bedingt. Deshalb hat auch die Todesfurchtszene kaum Bewegendes: Kein tiefer Fall aus Träumen von Größe in den Abgrund der Angst, wo Würde und Stolz sich in Winseln auflösen." Irritierend wirke sich "noch etwas anderes aus: Andrea Breth, stets Verteidigerin der Dichtersprache, erweist Kleist hochkomplexen Satzgebilden einen schlechten Dienst, indem sie sämtliche Zäsuren der Blankverse gleichsam zelebrieren lässt. Nichts fließt da, Stockendes verwandelt sich in Gestocktes."

Christine Dössel stellt sich in der Süddeutschen Zeitung (30.7.2012) "die Regisseurin Breth über das Stück gebeugt vor: Kleists Drama in unermüdlicher Fiesel- und Deutungsarbeit bis in die letzten Fasern und Sprachnuancen ausforschend – dann aber damit nicht spielend, lockend und verführend (…), sondern jedes Detail als für so heilig, groß und schwer erachtend, dass das Ganze auf der Bühne zu erstarren droht." Zwar verheiße der Anfang "noch Wunder. Später wundert man sich, dass so wenig davon eingelöst wird." Die Inszenierung sei "seltsam unausgegoren. Auch langatmig. Es geht ihr, was fatal ist bei diesem Stück, jede Leichtigkeit, alles Empathische, Traumwandlerische ab." Zudem sei August Diehls Homburg "einfach nicht zurechnungsfähig – und damit auch kein ernstzunehmender Gegenspieler für den sich von ihm bedroht fühlenden Kurfürsten, den Peter Simonischek mit lässig-lächelnder Souveränität als Mohrrüben knabbernden Machttaktiker gibt – er ist die modernste Figur auf der Bühne."

August Diehl schmeiße sich "derart schonungs- und hemmungslos ins Zeug eines unsympathischen, verachtungswürdigen struwwelpetresken Ego-Psychopatho-Prinzen, dass er im hohen Durchgeknalltheitsbogen von der Schaukel des Balance-Dramas" fliege, schreibt Gerhard Stadelmaier in der Frankfurter Allgemeinen (30.7.2012). Der Prinz komme, "je länger, je mehr, als Hauptfigur nicht in Betracht. Er tobt sich aus dem Spiel." Das aber sei "ein genial ausgräberischer Spielzug Andrea Breths. Denn hier dominiert ein anderer Held. Der Kurfürst." Den Peter Simonischek als einen "dem Prinzen von Homburg im Geiste weit überlegenen Seelenbruder" spiele. Simonischek sei "eine Balance-Sensation. Eine Entdeckung. Denn der Kurfürst als Vertreter des Staates und des Rechts hatte auf dem Theater bisher kaum eine Chance. Er stand auf der falschen Seite." Seine "Liebes- und Gerechtigkeitsarbeit an dieser bisher so schnöde behandelten Kurfürstenfigur" führe Simonischek "hier so hinreißend wie diskret vor. So wird der Abend zum Triumph eines edlen Schauspielers."

Wenn das Publikum am Ende das Paar des Prinzen von Homburg und der Prinzessin von Oranien bejuble, "dann auch deshalb, weil deren Weg zueinander ein schwer erarbeiteter war", meint Gerald Heidegger auf ORF.at (29.7.2012). "Und vielleicht, so muss man sagen, trifft Breth genau in der Erarbeitung der Personenverhältnisse die Ursprungsintention. In ihrer Fokussierung schimmert auch immer wieder das Schicksal des Autors Kleist durch." Breth setze "sehr auf die Versuchsanordnung, die den Einzelnen ihre Position erkämpfen lässt." In aller Mitte sehte "Peter Simonischek, der an diesem Abend eine ganz eigenwillige Idealbesetzung zu sein scheint (…). Simonischek trägt das Machtspiel des Fürsten auch als ausgestellten innerlichen Prozess aus". August Diehl als Prinz wiederum kämpfe "mit Bravour gegen die Kälte der Szenerie." Die Kunst, "mit der Diehl das Rasen bis zum Moment der Erschöpfung trägt, hat sich die Zustimmung des Publikums wohl verdient".

"Es ist eine bei aller handwerklichen Qualität doch merkwürdig spannungs- und leblose Inszenierung, deren didaktische Erklärungsweise nichts offen lässt", sagt Hartmut Krug in der Sendung "Fazit" auf Deutschlandradio Kultur (28.7.2012). So wie August Diehl seinen Prinzen von Homburg mit einer "Spielweise zwischen Virtuosität und unfreiwilliger Komik" anlege, so sei Breths gesamte Inszenierung: "von absichtsvoller Eindeutigkeit". Kleists Stück werde "als zeitloses Gedankentheater gegeben". In klinisch weißem Ambiente würden "die Figuren zu ordentlichen Stehtableaus arrangiert". Die meisten von ihnen seien "vor allem dramaturgische Funktionsträger und Theaterkunstfiguren". Darstellerisch ragten heraus: Peter Simonischek, der den Kurfürsten "als sinnliche Figur mit individuellem Profil" anlege, und Hans-Michael Rehberg, der seinem Kottwitz "eine knorrige Lebendigkeit" verleihe.

Andrea Breth, die "Meisterin der Tiefenauslotung" zeige, "wie lange vor ihr keiner, um was es geht in diesem Stück: auch um spontanes Handeln oder die Einhaltung der Befehlskette, auch um Leben oder Tod, vor allem aber um Recht, Ratio und Erkenntnis versus träumerische Verwirrtheit und menschliche Abgründe", sagt Karin Fischer auf Deutschlandfunk (29.7.2012). "Den Grat zwischen diesen vielen Polen beschreitet Andrea Breth mit zauberischer Sicherheit, indem sie – in einer fast nur schwarz-weißen Szene – im Text und in den Figuren jene vielen Grautöne sichtbar werden lässt, die jedes Drama Heinrich von Kleists ausmachen." August Diehl als Prinz sei "eine wirkliche Provokation: unbeherrscht intensiv, übergriffig, voller Hybris, neben sich stehend, unverantwortlich abgelenkt." Alles in allem werde an diesem "großen Theaterabend" Handwerk "in einer Art alchemistischer Werkstatt zur großen Seelenerkundung."

Andrea Breth möchte, so meint es Peter Michalzik in der Frankfurter Rundschau / Berliner Zeitung (30.7.2012) zu entschlüsseln, "die schaurige Kriegszurichtung am Hof von Preußen bloßlegen. So kann man den 'Homburg' lesen. Nur dass Kleist das nicht aufdecken wollte, sondern in diesem Stück verbissen daran arbeitete, bedingungslosen Gehorsam und heißes Gefühl im Zeichen eines neuen, perfekten Kriegers, eben Homburgs, zu vereinen. Der Soldat als Terrorist sozusagen." Je länger die Aufführung gehe, "desto mehr bekommt Kleist die Oberhand, desto mehr scheint es in Salzburg darum zu gehen, wie man das 'heilige Gesetz des Krieges' erfüllen kann". Und dadurch, "dass die Aufführung Kleist nahe kommt, gefährlich nahe, gerade weil im Kern des Stücks die leidenschaftliche Kriegsverherrlichung steckt, bekommt sie Wucht.  Breths Aufführung denkt mit Kleist intensiv über die bittere Logik des Kriegführens nach, eine Logik, die Kleist in diesem Stück uns und vor allem auch sich selbst so gern als süße Frucht schmackhaft gemacht hätte." Das habe "schaurige Größe, gleichzeitig erstarrt es aber in ferner Zeitlosigkeit. Was Kleists Krieg mit unseren Kriegen zu tun hat, darüber denkt die Aufführung keinen Moment nach."

Als ungeduldigen, bösen Träumer spielt August Diehl den Prinzen von Homburg, schreibt Peter Kümmel in der Zeit (2.8.2012). Als einen Mann der Nachwelt, der voller Verachtung auf die Mitwelt schaut. "Diehl als Homburg – das müsste die perfekte Besetzung sein. Warum geht die Sache dann doch nur halb gut?" Weil Diehl seine Figur allzu sehr ins Pathologische verzerre. Andrea Breth lasse den Prinzen in ihrer Inszenierung unter "lauter szenischen Untoten" umherirren. Die meisten in "Breths Hofstaat von großen Schauspielern" zeigten sich hier "eher als Gebärdendarsteller denn als Charakterdarsteller". Den Kleistschen Kampf zwischen Gefühl und Vernunft materialisiere vor allem das Bühnenbild von Martin Zehetgruber, unterteilt in Tag- und Nachtwelt – letztere "eine Kraterlandschaft, ein rauchendes Schlachtfeld, ein von Granaten zerfetzter Wald". Andrea Breth versetze den Prinzen an einen Ort, der ihm, wenn er denn ganz wach wäre, das Ziel und Ende siner Träume schon vor Augen führen müsste. "Dies ist das Ende aller Geschichte, es ist die Welt von Becketts 'Endspiel'."

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