Mühlen der Macht

von Georg Petermichl

Wien, 30. Mai 2007. Der Moment der Ernüchterung stellt sich ein, wenn sich die Saalpforten schließen, und der Journalist ist vorher nicht hindurch geschritten: Spätestens dann nämlich wird klar, dass die gesammelten Erfahrungen des Theaterabends nicht für eine Kritik ausreichen werden. Ein seltenes Dissonanzerlebnis beim gestrigen Festwochen-Premierenabend von "König Lear" im Wiener Burgtheater.

Alice und all die anderen Als-Obs

von Esther Slevogt

Berlin, 29. Mai 2007. Seit es das Internet gibt, gibt es immer wieder Versuche, die virtuellen Welten des www auch theatralisch zu erkunden. Sei es, dass das älteste aller Medien in seinem Guckkasten von Beklemmungen gepackt wird. Und Ängsten, nicht mehr zeitgemäß zu sein. Sei es, dass die unterschiedlichen virtuellen Spielwiesen, Chats, Foren und Online-Rollenspiele eigentlich nach dem Vorbild des Theaters strukturiert sind und schon deswegen nach Kommunikation und Auseinandersetzung mit ihrem Vorbild schreien.

Nachtkritik ohne Sofa

von Robin Detje

Berlin, 4. Mai 2007. Münchner Kammerspiele, mittlere Großpremiere. In der Pause drückt der Jungkritiker den Mund an den Hörer des an die Wand geschraubten Münzfernsprechers und versucht, ganz in der Wand zu verschwinden, damit kein Kollege ihm die ungeheuerliche Story ablauschen kann, die er schwitzend der Textaufnahme diktiert: "Blablabla, blablabla, blablabla, zur Pause verhaltener Applaus."

Tatsächlich geschieht das Wunder, und am nächsten Morgen stehen die drei Sätze Wort für Wort auf Seite Eins der großen und berühmten Tageszeitung. Kurz darauf befindet die Redaktion, das Theater habe seinen Nachrichtenwert verloren, und die Nachtkritik wird abgeschafft.

Chaos hinter den Kulissen

von Dirk Pilz

Thessaloniki/Griechenland, 29. April 2007. Gut vierhundert Theatermacher, Bühnenfunktionäre und Journalisten sind in den Süden gereist. Zum elften Mal wurde letztes Wochenende dort der "Europa-Preis für das Theater" und zum neunten Mal der "Preis für Neue Theaterwirklichkeiten" verliehen.

Zähne zeigen

Eine Zeitungs-Umschau von Nikolaus Merck

30. März 2007. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung diskutiert Claus Peymann mit Gabriele von Lutzau, im Oktober 1977 Stewardess auf der Lufthansa-Maschine "Landshut", die von palästinensischen Terroristen entführt wurde.

Warum beschäftigt sich die Kunst mehr mit den Tätern als den Opfern fragt die ehemalige Stewardess. Und Peymann antwortet: die Faszination an den Tätern ist einfach größer, tja, "es liegt in der menschlichen Psyche", aber, stimmt ja, es wäre ganz wichtig die Geschichte der Opfer aufzugreifen, aber es wäre ja doch wohl sehr langweilig.

Ohne Gott und Sonnenschein

Eine Vermutung von Dirk Pilz

Berlin, 4. Mai 2007. Der Konsens macht staunen. Das deutsche Theater spielt antike Stoffe und lässt die Götter außen vor. Als wären sie alte Onkels mit weißem Bart, die immer Bescheid wissen und das arme Menschenvolk gängeln. Auf solche Götter kann durchaus verzichtet werden. Nur sind und waren sie das nie.

Könnte Lara Croft die Ophelia spielen?

von Esther Slevogt

November 2001. Das Theater ist groß, und in schlechtem Zustand. Wie man hineinkommt, ist nicht auf Anhieb zu erkennen. Auch die letzte Premieren-Ankündigung wirkt ziemlich veraltet. Der Aphra-Behn Theaterkomplex, von dem hier die Rede ist, gehört zum enormen Tagungsgeländes der Association for Theatre in Higher Education (ATHE), und hat schon bessere Tage gesehen. Die ATHE ist eine Art Dachverband, in dem etwa 2.000 US-amerikanische Theaterwissenschaftler, Hochschullehrer und darstellende Künstler organisiert sind.

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