Und was ist mit mir?!

von Wolfgang Behrens

23. September 2016. Vor einer Woche hat der Berliner Noch-Kulturstaatssekretär Tim Renner in einem Interview mit der taz die eigentliche Kernkompetenz benannt, die zur Berufung eines Nachfolgers von Frank Castorf im Amt des Volksbühnen-Intendanten geführt hat: Der Kandidat musste Christoph Schlingensief persönlich gekannt und mit diesem gearbeitet haben, und zwar möglichst früh. Am besten noch vor Frank Castorf! Wie Tim Renner darauf kam, dass eben dieses Kriterium für Chris Dercon spreche – weil dieser angeblich "bereits vor Frank Castorf mit Christoph Schlingensief inszeniert und ihm eine Plattform geboten" habe – wird allerdings sein Geheimnis bleiben.

Der gute Mensch vom Schiffbauerdamm

von Dirk Pilz

20. September 2016. Diesmal zu Claus Peymann. Der Mann ist Künstler und Intendant, Jahrzehnte schon, und immer Garant für Streit und Stress. Peymann? Kunst? Dem Gros der theaterkritischen Kolleginnen und Kollegen gelten seine Inszenierungen inzwischen als so wenig diskussionswürdig, dass sie im Kopf bereits abgehakt sind, noch bevor Peymann mit den Proben begonnen hat. Er hat oft beklagt, vornehmlich die Berliner Presse begegne ihm mit Hass. Die Wahrheit ist, sie begegnet ihm mit Häme und Herablassung. Das ist peinlich, man schämt sich für die eigene Zunft. Mir fallen auch wenige Peymann-Inszenierungen der vergangenen zehn Jahre ein, die ich zu loben gewusst hätte, ja. Aber man hüte sich vor abschließenden Urteilen. Was heute als verstaubt gilt, wird morgen schon hochgejubelt. Die Kunst hat keine naturgegebenen Kriterien für Gelungenheit, ihre Geschichte keinen Begriff von Fortschritt.

Perücke

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Perücke auf nachtkritik.de bisher: 385 Mal

13. September 2016. Eine neue Saison beginnt am Theater. Und bis Ihre Kolumnistin sich in diesem Herbst wieder unters Theaterpublikum mischen wird, versteckt unter einer aschblonden Pagenschnittperücke, zehrt sie noch von der Erinnerung an das dramatische Ereignis ihres Sommers.

Caitlyn Jenner auf Usedom

von Georg Kasch

6. September 2016. Am Tag nach der Mecklenburg-Wahl fragte ein Bekannter: Gut 20 Prozent für die AfD, und in meinem Freundeskreis gibt’s kaum Kommentare dazu? Ich finde das nicht erstaunlich, denn das Resultat ist nicht so dramatisch ausgefallen, wie ich befürchtet hatte – ich habe es für möglich gehalten, dass die AfD stärkste Kraft wird. Ich komme aus Mecklenburg-Vorpommern, da muss ich mir nichts vormachen. Schauen Sie sich mal die Zahlen von Usedom an, dann wissen Sie, was ich meine.

Der Toaster ist schuld!

von Esther Slevogt

28. Juni 2016. Das hatte doch mal was, dieses bürgerliche Repräsentationssystem. Man wählt jemanden, der etwas besser kann oder weiß als man selber und vertraut dann darauf, dass der oder die einigermaßen so denkt und handelt wie man selbst. Natürlich nicht ganz genau: Immerhin ist diese*r Repräsentant*in Ergebnis der Vielen, die ihn oder sie gewählt haben und die ebenfalls darauf vertrauen, dass ihre Interessen berücksichtigt werden. Doch dieses Vertrauen ist offenbar weg.

Die Regisseurin hat den Zuschauer nicht verstanden

von Wolfgang Behrens

21. Juni 2016. Und dann wollte mir Andrea Breth so richtig wehtun. Gerade noch war eine Dramaturgin eingeschritten und hatte gesagt: "Ich glaube, das ist ein Missverständnis, er hat doch etwas Anderes gemeint." Die Breth aber sendete ein paar Blitze in meine Richtung und giftete: "Nein, kein Missverständnis! Wir haben einander schon ganz gut verstanden." Ich versuchte, mit einem grimmigen Lächeln zu antworten, es kam aber wohl nur ein jämmerliches Grinsen dabei heraus. So ein Mist! Ich hatte doch recht, verdammt nochmal! Aber gefühlt blieb Andrea Breth Siegerin. Irgendwie hatte sie mich klassisch ausgekontert.

Herren und Knechte

von Dirk Pilz

14. Juni 2016. Der Bühnenverein hat mitgeteilt, die Arbeitsbedingungen für darstellende Künstler in den Stadt- und Staatstheatern sowie Landesbühnen seien "weitgehend zufriedenstellend". Das hätten die Beratungen der diesjährigen Jahreshauptversammlung ergeben. Beraten musste man also immerhin, um festzustellen, dass die Bezüge der darstellenden Künstler mit durchschnittlich 2.700 bis 3.100 Euro brutto das Urteil "weitgehend zufriedenstellend" verdienen.