Passen

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Passen auf nachtkritik.de bisher: 771 Mal

7. Juni 2016. Ich bin mit meiner Freundin M. im Charlottenburger Zwiebelfisch gesessen, und wir haben darüber beraten, ob die Zeit fortschreitet: ja oder nein. Vor 16 Jahren haben wir uns beim Studieren in Berlin kennengelernt, heute trinken wir zusammen zwei Asahi und acht kleine Kölsch. Alte Kleider wegwerfen: ja oder nein?

Das Lachen des Teiresias

von Georg Kasch

31. Mai 2016. Teiresias war ein blinder Seher mit Bühnenkarriere bis heute. Seine Sehergabe, so sagt die Legende, hatte er dem größten Stresstest seines Lebens zu verdanken: Als er sich auf die Frage von Hera und Zeus, Chefgötter im Dauereheclinch, welches Geschlecht die meiste Lust beim Sex empfinden würde, zu einer Antwort hinreißen ließ, kostete ihn das das Augenlicht. Zum Ausgleich gab’s die Prophetie.

Das große Eintauchen

von Esther Slevogt

Berlin, 24. Mai 2016. In der letzten Zeit wird im Theaterwesen viel mit einem neuen Wort gewedelt, das eigentlich so neu nicht ist. "Immersion" ist das Wort, es bedeutet ungefähr so viel wie Einbettung oder Eintauchen. Und es ist anscheinend ein neues Zauberwort. Sogar auf dem Netzkongress "Republica" (der bisher nicht durch besonderes Kunstinteresse aufgefallen ist) hat man sich in diesem Jahr dieses neuen Trends angenommen und die "Performersion" erfunden: ein Programm, das die "Immersion" mit der "Performance" amalgamiert und das als Kontakthof für Leute aus der künstlerischen Praxis, Theoretiker und digitale Forscher*innen und Technologieentwickler*innen gedacht war.

Die Angst des Fußballfans vorm Theater

von Wolfgang Behrens

10. Mai 2016. In einer Woche wird Jürgen Klopp seine Liverpooler ins Europa-Cup-Endspiel gegen den FC Sevilla führen, und unter normalen Umständen würde ich da am Fernseher kleben, eine Flasche Bier in der Hand, und laut "Trust in Klopp" brüllen. Tatsächlich aber werde ich irgendeine Vorstellung des Theatertreffens abhocken. Anderthalb Wochen später ist dann das Champions-League-Endspiel, anstatt jedoch, wie es natürlich wäre, Atletico in einer Fußball-Kneipe die Daumen gegen den Erzfeind Real zu drücken, werde ich in der "Zauberberg"-Premiere am Deutschen Theater sitzen, um danach die Nachtkritik zu schreiben. Ehrlich gesagt, ich verstehe die UEFA nicht: Wie kann sie diese wichtigen Spiele parallel zum Theatertreffen und zu einer großen Theaterpremiere legen? Und wie soll das, bitteschön, erst während der Europameisterschaft werden?

Knien oder strampeln

von Dirk Pilz

3. Mai 2016. Heute vor vierhundert Jahren ist William Shakespeare von uns gegangen. Das ist traurig, wieder einer tot. Wir wollen seiner deshalb gedenken. Shakespeare ist der Größte. Der Beste. Der Unbegreiflichste. Niemand wird so oft zitiert, außer die Bibel. Er ist der Autor mit der höchsten Auflage, abgesehen von Bibel und Koran. Er ist der am meisten besungene, bestaunte, belobigte Mensch auf Erden, nach Jesus, Mose und Mohammed.

Die Freiheit des Draußen

von Georg Kasch

26. April 2016. Jetzt also auch noch Prince. Nach David Bowie, dem Identitätsjongleur, hat der nächste androgyne Großkünstler die Bühne verlassen. "Wenn man irgendwo lernen kann, dass Grenzen Blödsinn sind, sexuell, ästhetisch, ethnisch, dann bei Prince", schrieb der geschätzte Kollege @zahnwart auf Facebook. Peaches, selbst eine queere Ikone, fasste ihn so: "Er ist weder eine Drag Queen, noch ist er eine Frau, die ihre maskuline Seite betont. Nein, er ist trotz allem dieser absolute Machotyp, der sich aber wie selbstverständlich aufrüscht und in High Heels und Reizwäsche herumstolziert."

Puppen

von Teresa Präauer

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19. April 2016. Puppen am Theater: gibt es wohl, seit es Theater gibt. Die Bedenken gegen Puppen am Theater, sie hätten etwas Kindisches oder Verstaubtes an sich, wird man rasch ausräumen, wenn man aktuell, neben vielen anderen Beispielen, an Nikolaus Habjans Handpuppen auf deutschen und österreichischen Bühnen denkt oder, weiter zurückliegend, an die monströse Jelinek-Puppe, die 1995 bei Castorf ihren Auftritt hatte. Ist sie wirklich so groß gewesen? Ich glaube mich zu erinnern, sie sei übergroß gewesen. Vielleicht war ich damals aber selbst einfach so klein. Oder man wird, im Publikum sitzend, so sehr zum Hinaufschauen vergattert.