Es lebe der Beitragszahler

von Dirk Pilz

3. März, 2015. Heute das Neueste von unserem Deutschen Bühnenverein. Die letzte Wortmeldung dieser mächtigen Kölner Institution ist auf den 20. Februar 2015 datiert, zwei Wochen her. Rolf Bolwin, der Bühnenvereinsdirektor, ließ wissen: "Seit Jahren weigert sich der Gesetzgeber, die für die Theater drängenden Fragen des geltenden Urheberrechts anzugehen. Das kann so nicht weitergehen."

Missverständnis Liebe

von Esther Slevogt

24. Februar 2015. Ins Theater gehen, das war ja mal was. Ich denke nur daran, wie mein eigener erster Theaterbesuch zelebriert worden ist: Das pubertierende Kind in eine Samtbluse der Mutter gesteckt und mit dem Schauspielführer in der Hand vor der heimischen Bücherwand fotografiert. (Man traut sich kaum noch, das so aufzuschreiben). "Minna von Barnhelm" stand bevor, und ihre Zofe Franziska wurde von Ilse Ritter gespielt, in den 1970er Jahren am Düsseldorfer Schauspielhaus. An die Inszenierung kann ich mich kaum erinnern. Nur das Tellheims Diener Just dauernd die Treppe herunterfiel und dies mit der bewunderungswürdigen Präzision eines Stuntmans absolvierte. Die Stimmung im Theater war festlich, der Piccolo in der Pause Teil des Theaterrituals. Betreutes Trinken unter mütterlicher Aufsicht.

In der Unisex-Toilette

von Georg Kasch

17. Februar 2015. Neulich stand ich in einer Bar vor den Toiletten. Es passiert ja öfter mal, dass man wegen unklarer oder überklebter Symbole rätselt: Männlein oder Weiblein? Diesmal gab's kein Rätsel, weil keine Wahl, denn die Klos waren unisex: Man steht da schon mitten im gekachelten Labyrinth, wenn man kapiert, dass man in jede Kabine kann, die da ist. Händewaschen, quatschen, flirten geht hinterher querbeet. Nach dem Selbstversuch lässt sich vermelden: läuft.

Glitzer

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Glitzer auf nachtkritik.de bisher: 246 Mal

10. Februar 2015. Wenn es Glitzer schneit, stehen die Schauspielerinnen und Schauspieler manchmal auf der Bühne wie Goldmarie und Pechmarie. Die winzigen, reflektierenden Partikel aus Plastik sind beharrlich aus der Trickkiste der kleinen Kindergeburtstage und der großen Tanz-Revuen geflattert, hinüber ins zeitgenössische Theater.

Sie merken's nicht mal!

von Wolfgang Behrens

3. Februar 2015. Als ich noch ein Zuschauer war, da hasste ich die Kritiker. Nicht alle, aber doch viele von ihnen. Denn sie waren alt, und sie schrieben nicht über das Theater, das ich sah. Das heißt, natürlich schrieben sie über das Theater, das ich sah, aber sie sahen es nicht. Was sie sahen, diese Herren Iden, Henrichs und Stadelmaier (die Ältesten unter uns werden sich ihrer noch entsinnen, etwa dann, wenn sie morgens die Frankfurter Allgemeine aufschlagen), das war ihre Erinnerung an Aufführungen, die sie vor langer, langer Zeit gesehen hatten. Für das großartige, fantastische, bewegende, aufregende, bewunderungswürdige, grundstürzende, einfach nur geile Theater, das gerade hier – HIER! – und jetzt – JETZT! – stattfand, hatten sie kein Auge und kein Ohr.

Jetzt wird nicht mehr gebrabbelt!

von Dirk Pilz

27. Januar 2015. Kürzlich hat Ulrich Matthes mit der "FAS" gesprochen, das ist eine Wochenzeitung. Er hat gesagt, das RTL-Dschungelcamp gehöre "zu den absolut gelungenen Formen von Unterhaltung". Interessant. Kurz davor hat Matthes mit dem Spiegel geredet, ein Nachrichtenmagazin. Ähnlich wie in der Kunst, meinte Matthes, solle es im Journalismus um die Förderung von "Empathie" gehen, darum, "den Menschen und die Dinge in ihrer Widersprüchlichkeit zu zeigen, in der Reichheit dessen, was möglich ist". Genau. Das sollten sich alle Dschungelcampberichterstatter dringend zu Herzen nehmen, Theaterkritiker sowieso.