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Dürfen Theater aus demokratischen Staaten in Diktaturen gastieren? Streitfall: das BE in Teheran
Zwischen Mahnern und Mullahs
von Claudius Lünstedt
Berlin, 20. Februar 2008. Auf der diesjährigen Berlinale beflügelte der Dokumentarfilm Football Under Cover von David Assmann und Ayat Najafi Publikum und Kritik: eine Kreuzberger Frauenfußballmannschaft hatte es sich in den Kopf gesetzt, nach Teheran zu reisen und dort gegen die iranische Frauennationalmannschaft zu spielen. Nach irrwitzigen Mühen kommt die Begegnung tatsächlich zustande – die Teams trennen sich eins zu eins unentschieden. Assmann und Najafi hatten die iranischen Behörden überrumpelt und viel dafür getan, dass aus diesem geschundenen Land endlich einmal gerechtere Bilder zu sehen sind.
Theaterlandschaft Iran – das Theater an der Ruhr in Mülheim zeigte drei Tage lang iranisches Theater
Die Gesellschaft frisst sich selbst
von Dorothea Marcus
Mülheim an der Ruhr, November 2007. Was man so alles zum Foltern braucht: Zangen, Hämmer, Schraubzwingen. Leuchtend hängen sie auf dem Bild vor dem OP-Tisch. "Doktor, bitte in den letzten Raum", tönt eine Lautsprecherstimme. "Ich würde gern erstmal mit der Theorie beginnen", sagt der Folterschüler, als sein Lehrer angekommen ist.
Eindrücke vom Teheraner Fadjr-Festival 2006
Regimekritik unter Fußballfans
von Dorothea Marcus
Teheran, Februar 2006. Warum gab es in Teheran letztens eine Wasserknappheit? Der Präsident hat endlich ein Bad genommen! Warum gab es Cholerafälle, als Ahmadinedschad an die Macht kam? Weil er zur Feier des Tages seine alten Socken in den Kanal warf! Das Erste, wovon uns Iraner erzählen, sind die Witze. Sie kursieren in 90 Prozent aller SMS-Botschaften. Nun versucht der iranische Präsident, ein Kontrollsystem für Mobiltelefone zu entwickeln - aber er hat genug damit zu tun, das Internet zu kontrollieren und die NGOs zu bespitzeln. Im Iran werden immer neue Webseiten blockiert, allein 90 Prozent der feministischen Seiten - während wir da waren, kam die persische BBC-Seite dazu.
Glauben Sie, dass alle Iraner Terroristen sind? Das Fadjr-Festival 2005
Hotdogs und Hamlet
von Dorothea Marcus
Teheran, März 2005. Rauchschwaden ziehen durch das Theatercafé, als gäbe es in der verschmutztesten Stadt der Welt nicht schon genug Staub in der Luft. Anfang Januar hat die Stadtregierung die Kindergärten wegen Smog geschlossen. Nichts, was jemanden abhalten würde, am Wochenende auf die Skipiste in den nahen Bergen zu gehen - und das süße Leben der jeunesse dorée zu feiern, so westlich aussehend, als hätte es nie eine Revolution gegeben. Wenn man dagegen nach unten in den armen Süden fährt, ein U-Bahn-Ticket kostet 7,5 Cent, erstrecken sich kilometerweit die Gräber der „Märtyrer“ im Iran-Irak-Krieg. Zehntausende junge Männer mit Samtblicken, jeder hat ein Foto in einem Schränkchen unter einem Areal von Wellblechdächern. Die gleichen, die noch vor sechzehn Jahren als Kanonenfutter dienten, stürmen heute das Theater in Teheran.
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