Sonntag, 23. November 2014

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Theaterbrief aus Polen (11) – Michał Zadaras Inszenierung von Schillers "Die Räuber" in Warschau steht beispielhaft für ein neues politisches Theater

Die politische Dimension des Erinnerns

von Anna R. Burzyńska

Warschau, 30. Mai 2014. Vor fünfzehn Jahren entdeckte das polnische Theater, maßgeblich beeinflusst durch das deutsche Theater und insbesondere Frank Castorf, die Politik neu für sich. Ein großes Problem für die Theaterschaffenden war allerdings das Fehlen einer entsprechend aktuellen Dramatik, die Regisseure hofften sehnsüchtig auf einen polnischen Mark Ravenhill, Marius von Mayenburg oder Nikolaj Kolada. In der Zwischenzeit bereiteten sie klassische, dem Publikum wohlbekannte Texte für die Gegenwart auf. Man übersetzte die alten Stücke in eine zeitgemäße Sprache und ergänzte sie um populärkulturelle Zitate aus Videoclips, Computerspielen oder Kultfilmen.

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Theaterbrief Polen (10) – Jan Klata, Intendant des Krakauer Stary Teatr, wird vom ultrakonservativen Lager unter Druck gesetzt

Brennender Regenbogen

von Anna R. Burzyńska

Krakau, 18. Dezember 2013. "In Polen haben Nationalisten einen Regenbogen verbrannt." Was wie ein Bild aus einem Ionesco-Stück klingt, beschreibt leider ein reales Ereignis von beträchtlichem Symbolwert. Am 11. November, dem polnischen Unabhängigkeitstag, randalierte in Warschau eine Schar vermummter Nationalisten. Sie attackierten ein links-alternatives Kulturzentrum, die russische Botschaft und den "Regenbogen" auf dem Plac Zbawiciela, eine als Symbol der Toleranz konzipierte Installation der Künstlerin Julita Wójcik. Damit gaben sie zu klar verstehen, wer in "ihrem" Polen nicht willkommen ist.

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Theaterbrief aus Polen (9) – Neue Theaterstücke untersuchen die revolutionäre Bewegung der Solidarność

Mythos auf dem Prüfstand

von Iwona Uberman

9. April 2013. Wenn man aus polnischer Perspektive die deutsche Theaterlandschaft betrachtet, fällt auf, dass viele Inszenierungen derzeit einen Wunsch nach Veränderung der Gesellschaft artikulieren. Die Serie an "Volksfeind"-Inszenierungen in Berlin und Brandenburg in dieser Saison oder das Spielzeit-Motto im Maxim-Gorki-Theater "Aufstand proben" gehen gezielt politische und soziale Themen an. Der Begriff der Revolution oder der des "kommenden Aufstands" machen die Runde.

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Theaterbrief aus Polen (8) – Die polnischen Dramatikerinnen Julia Holewińska und Magdalena Fertacz

altFurchtlose Ehrlichkeit

von Iwona Uberman

Mai 2012. Sie sind jung, sie sind klug, sie sind schön. Und sie haben Mut und Mumm. Wobei der letzte Satz wahrscheinlich eine Untertreibung ist. Die Sicht der polnischen Dramatikerinnen auf die Welt ist schonungslos und ihre Art, diese auszudrücken, kennt kein Pardon. Sie stehen damit zum Teil in der Tradition des Spötters Witold Gombrowicz und des stets mit polnischer Geschichte und Gegenwart beschäftigten Andrzej Wajda, dessen Erzählweise "ohne Betäubung" nicht nur in seinem gleichnamigen Spielfilm, sondern auch in seinem übrigen filmischen Werk Spuren hinterlassen hat.

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Theaterbrief aus Polen (7) – Ein Offener Brief Polnischer Theaterschaffender

"Theater ist keine Ware, der Zuschauer ist kein Kunde"

altWarschau, April 2012. Die Theaterwelt in Polen ist im Alarmzustand. Denn die jüngsten Maßnahmen staatlicher Stellen könnten einen wesentlichen Qualitätsverlust des Angebots der Theater im Land zur Folge haben.

Das Warschauer Theatertreffen, eins der wichtigsten Theaterereignisse im Lande, das seit 24. März stattfindet und am heutigen 4. April zuende geht, ist der richtige Augenblick, um unseren Ärger, unsere Besorgnis auszudrücken und unseren entschiedenen Widerstand anzukündigen. Trotz unserer sehr unterschiedlichen Ästhetiken und Theatersprachen schließen wir Theatermacher uns zusammen, um Widerstand zu leisten gegen die extreme Unterfinanzierung der Theater und gegen alle Versuche, die Satzungen der Theater zu ändern, um künftig die Theaterintendanzen mit Managern zu besetzen. Letzteres ist gerade der Fall in Breslau am Teatr Polski und an der Oper, sowie am Theater Legnica. Manager können Unternehmen leiten, keine kulturellen Einrichtungen. Anlässlich des Internationalen Theatertages Ende März schlugen die Theaterleute in Polen Alarm. Auf die Pläne der Regierung antworten sie nun mit einem lauten NEIN und bitten die internationale Theaterwelt um Unterstützung.

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Theaterbrief Polen (6) – Ein Bericht vom Showcase im Rahmen des 30./31. Warschauer Theatertreffens

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Panzersoldaten, ein Hund und Jelineks Sofa

von Thomas Irmer

Warschau, 6. April 2011. Ein riesiges Banner wirbt für das Theatertreffen am nicht eben kleinen Kulturpalast, der inzwischen von modernen Hochhäusern umbaut ist. Um das wievielte Warszawskie Spotkania Teatralne es sich handelt, dafür ist die Zählung ins Stocken gekommen. Denn letztes Jahr, es war schon alles rundum vorbereitet, wurde es kurzfristig abgesagt wegen des Absturzes der Regierungsmaschine bei Smolensk. An diesem Sonntag jährt sich das Unglück, und der Direktor des polnischen Theaterinstituts Maciej Nowak verwendet sein Grusswort auf eine nochmalige Verteidigung dieser Entscheidung, die in Theaterkreisen nicht unumstritten war. Offiziell sei es nun, so schlägt er vor, die 30./31. Ausgabe der renommierten Veranstaltung, und tatsächlich werden auch Inszenierungen gezeigt, die 2010 eingeladen waren.

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Theaterbrief aus Polen (5) – Theater und Staatstrauer

Theater des Lebens, Theater des Todes

zusammengestellt, übersetzt und eingeleitet von Wojtek Klemm

Warschau, April 2010. Nicht nur die Intellektuellen kritisieren die von der katholischen Kirche gelenkte und politisch ausgemünzte Staatstrauer in Polen nach dem Flugzeugunglück von Smolensk, bei dem der Präsident der Republik, seine Frau, die Spitze des Militärs und zahlreiche andere Würdenträger des Nachbarlandes starben. Auch unter Künstlern gibt es teilweise heftigen Widerspruch.

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