altFurchtlose Ehrlichkeit

von Iwona Uberman

Mai 2012. Sie sind jung, sie sind klug, sie sind schön. Und sie haben Mut und Mumm. Wobei der letzte Satz wahrscheinlich eine Untertreibung ist. Die Sicht der polnischen Dramatikerinnen auf die Welt ist schonungslos und ihre Art, diese auszudrücken, kennt kein Pardon. Sie stehen damit zum Teil in der Tradition des Spötters Witold Gombrowicz und des stets mit polnischer Geschichte und Gegenwart beschäftigten Andrzej Wajda, dessen Erzählweise "ohne Betäubung" nicht nur in seinem gleichnamigen Spielfilm, sondern auch in seinem übrigen filmischen Werk Spuren hinterlassen hat.

"Theater ist keine Ware, der Zuschauer ist kein Kunde"

altWarschau, April 2012. Die Theaterwelt in Polen ist im Alarmzustand. Denn die jüngsten Maßnahmen staatlicher Stellen könnten einen wesentlichen Qualitätsverlust des Angebots der Theater im Land zur Folge haben.

Das Warschauer Theatertreffen, eins der wichtigsten Theaterereignisse im Lande, das seit 24. März stattfindet und am heutigen 4. April zuende geht, ist der richtige Augenblick, um unseren Ärger, unsere Besorgnis auszudrücken und unseren entschiedenen Widerstand anzukündigen. Trotz unserer sehr unterschiedlichen Ästhetiken und Theatersprachen schließen wir Theatermacher uns zusammen, um Widerstand zu leisten gegen die extreme Unterfinanzierung der Theater und gegen alle Versuche, die Satzungen der Theater zu ändern, um künftig die Theaterintendanzen mit Managern zu besetzen. Letzteres ist gerade der Fall in Breslau am Teatr Polski und an der Oper, sowie am Theater Legnica. Manager können Unternehmen leiten, keine kulturellen Einrichtungen. Anlässlich des Internationalen Theatertages Ende März schlugen die Theaterleute in Polen Alarm. Auf die Pläne der Regierung antworten sie nun mit einem lauten NEIN und bitten die internationale Theaterwelt um Unterstützung.

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Panzersoldaten, ein Hund und Jelineks Sofa

von Thomas Irmer

Warschau, 6. April 2011. Ein riesiges Banner wirbt für das Theatertreffen am nicht eben kleinen Kulturpalast, der inzwischen von modernen Hochhäusern umbaut ist. Um das wievielte Warszawskie Spotkania Teatralne es sich handelt, dafür ist die Zählung ins Stocken gekommen. Denn letztes Jahr, es war schon alles rundum vorbereitet, wurde es kurzfristig abgesagt wegen des Absturzes der Regierungsmaschine bei Smolensk. An diesem Sonntag jährt sich das Unglück, und der Direktor des polnischen Theaterinstituts Maciej Nowak verwendet sein Grusswort auf eine nochmalige Verteidigung dieser Entscheidung, die in Theaterkreisen nicht unumstritten war. Offiziell sei es nun, so schlägt er vor, die 30./31. Ausgabe der renommierten Veranstaltung, und tatsächlich werden auch Inszenierungen gezeigt, die 2010 eingeladen waren.

Theater des Lebens, Theater des Todes

zusammengestellt, übersetzt und eingeleitet von Wojtek Klemm

Warschau, April 2010. Nicht nur die Intellektuellen kritisieren die von der katholischen Kirche gelenkte und politisch ausgemünzte Staatstrauer in Polen nach dem Flugzeugunglück von Smolensk, bei dem der Präsident der Republik, seine Frau, die Spitze des Militärs und zahlreiche andere Würdenträger des Nachbarlandes starben. Auch unter Künstlern gibt es teilweise heftigen Widerspruch.

Künstler gegen Kämmerer

von Magda Piekarska

Jelenia Góra, Februar 2009. Die schlesischen Theater nehmen in künstlerischer Hinsicht landesweit vordere Plätze ein. Das aktuelle Ranking des Wochenmagazins "Wprost" listet gleicht fünf schlesische Bühnen unter den ersten zehn. Führend sind die Theater aber auch, was Affären und Konflikte zwischen Intendanten und Lokalpolitikern betrifft. Nach gerichtlich ausgefochtetenen Streitigkeiten zwischen dem Intendanten des Modrzejewska-Theaters in Legnica, Jacek Głomb, und Stadtpolitikern tobt derzeit in Jelenia Góra ein Kampf um das Norwid-Theater und seinen Direktor Wojtek Klemm.

Die Kreuzigung der bärtigen Jungfrau

von Anna R. Burzyńska

Krakau, September 2008. Wie in Deutschland, gleichen Theaterlaufbahnen auch in Polen dem Erklimmen einer Leiter. Die Sprossenfolge markiert eine historisch gewachsene Theaterhierarchie, an deren Spitze Warschau mit dem Teatr Narodowy und an zweiter Stelle Krakau mit dem Stary Teatr, das heißt die ältesten, noch vor dem Verlust der Eigenstaatlichkeit im 18. Jahrhundert gegründeten Bühnen Polens stehen. Dahinter rangieren mit Wrocław, Poznań, Gdańsk, Łódź und Szczecin Regionalzentren, deren Theater im 19. Jahrhundert als deutsch- oder russischsprachige Bühnen entstanden. Und dann folgt der große Rest, die sogenannte Provinz, wo die Theater meist erst im sozialistischen Polen gegründet wurden.

Vom Aufladen der Denkbatterie

von Szymon Wróblewski

Krakau, Juni 2008. In Lexika der polnischen Sprache wird das Wort "Dramaturg" als Synonym für "Dramatiker" geführt, und auch Theaterexperten machen oft keinen Unterschied zwischen den beiden Begriffen. Das entspricht den Verhältnissen im polnischen Theater, das bis vor kurzem die Position des Dramaturgen nicht kannte. Es gab und gibt zwar den Posten des Literarischen Leiters, der für die Textauswahl zuständig ist und bei der Erarbeitung von Inszenierungen assistiert. Ein Charakteristikum des polnischen Theaters, auch was die Auswahl und Bearbeitung von Texten angeht, ist aber bis heute die weitgehende Autonomie des Regisseurs.