Samstag, 19. April 2014

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Festival Internationale Neue Dramatik (F.I.N.D.) – die Schaubühne Berlin blickt panoramatisch aufs politische Theater

Bankrott und Wiederauferstehung

von Georg Kasch

Berlin, 14. April 2014. Wie politisch ist das Private? Ziemlich, wenn man dem gerade zu Ende gegangenen Festival Internationale Neue Dramatik F.I.N.D. an der Berliner Schaubühne glaubt. Das begann schon mit der Bühnenfassung des Bolaño-Romans "2666", dieser virtuosen Höllenfahrt in die Grabkammern der Gegenwart, auch wenn die Umsetzung schwächelte. Das ging weiter mit der 240-Stunden-Performance "Meat" und der menschenleeren Installation "33 RPM and a few Seconds" von Rabih Mroué und Lina Saneh – in beiden wurde Facebook zur virtuellen Spur, auch wenn sie in verschiedene Richtungen wies (nämlich in die von kapitalistischer Narzissmus-Mimikry einerseits, von biografischen Spuren andererseits, aus denen sich Bilder politischer Realitäten puzzeln lassen).

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Radikal jung 2014 – beim Regienachwuchs-Festival am Münchner Volkstheater gab's diesmal viele Formexperimente

Geknutscht wird ohne Klassiker

von Michael Stadler

München, 13. April 2014. Vielleicht sollte man tatsächlich mit so etwas Schönem wie dem Küssen anfangen, um sich einen Überblick über das gerade vergangene Festival Radikal jung im Volkstheater zu verschaffen. Auf dem Plakat sieht man zwei Nazis, im Kuss vertieft, hinter ihnen, hart, eine Backsteinmauer. Körper- und Lippenkontakte konnte man viele beim zehnten Festival junger Regisseure beobachten. Das Publikum selbst kam bei Life & Strive und besonders bei "The Lottery" ins Spiel: auf sich gestellt, allein mit einem Computerterminal, das Handlungsanweisungen gibt. Zum Beispiel: "Spiel mit Nr. 25 Doktor und Patient". Oder der Befehl, dass man jeden, den man berührt, küssen soll. Endlich durfte man.

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Das Landestheater Schleswig-Holstein spielt mit Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" gegen seine eigene Existenzbedrohung an

Im Räderwerk der Parteipolitik

von Jens Fischer

Schleswig, 6. April 2014. Passt gut hierher, Bertolt Brechts Parabelstück über die Dialektik von Anstand und Besitz "Der gute Mensch von Sezuan". Partysilbrig glitzert die Brechtgardine auf der Bühne im Schleswiger Slesvighus, mit ernster Miene benennen die Darsteller aktuelle Krisenplätze: Teheran, Istanbul, Sotchi und, ja, Schleswig. Denn auch am Premierenort sorgen Widersprüche zwischen Wollen und Tun, Reden und Handeln, Ansprüchen und Wirklichkeit für gute Politkomik mit bösen Folgen.

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Herbert Fritsch probt Molières "Schule der Frauen" am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Eva Biringer hospitiert.

Voll Karacho aus dem Ruder

von Eva Biringer

Hamburg, 1. April 2014. Für Herbert Fritsch bedeutet der Wechsel von der Probebühne auf die große Bühne ein Vielfaches an Laufweg. Wenn er, selten genug, auf seinem Platz in der fünften Reihe sitzt, dann in Erdmännchenhaltung, pfeilgerade auf der Sesselkante, die Hände auf dem Vordersitz. Wenn er, wie meistens, nicht auf seinem Platz sitzt, rast er durchs Parkett. Gäbe es so etwas wie "Kilometergeld", Fritsch wäre ein reicher Mann.

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Das Festival "Szene Ungarn – Ausschnitte einer Theaterlandschaft" am Wiener Burgtheater

Im Schatten der Krise

von Martin Thomas Pesl

Wien, 20. März 2014. Etwas Einzigartiges hat am Burgtheater stattgefunden: ein Festival mit Schwerpunkt auf einem anderen Land. Wie sehr das Ungarn-Festival angesichts anderer Geschehnisse ins Hintertreffen geraten würde, war nicht zu ahnen, als sein Programm Mitte Februar in einer Pressekonferenz des Burgtheaters im Detail angekündigt wurde. Die Reporter kamen in großer Zahl, ihre Fragen blieben auch brav ungarnzentriert, eigneten sich aber nicht dazu, Burgchef und Festivalmitanstoßer Matthias Hartmann als Retter der ungarischen Kultur zu profilieren, sondern gingen eher in Richtung: Warum lädt man gerade diese Gruppen ein, die eh schon fleißig touren und daher vielleicht nicht so stark existenzbedroht sind wie andere? Und: Was kostet das denn jetzt? Kurz zuvor hatte Attila Vidnyánszky, der Intendant des Ungarischen Nationaltheaters, das Gastspiel seiner "Johanna auf dem Scheiterhaufen", die im Programm schon mit leicht naserümpfender Konnotation als "spektakuläre Inszenierung mit großen Chören" annonciert worden war, wegen der finanziellen Unsicherheit am Burgtheater abgesagt.

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Gehen oder Bleiben? – Eine Podiumsdiskussion und das HOPPart-Gastspiel "Hungari" beim Ungarn-Festival "Leaving is not an option?" im HAU Berlin

"Der Ungar hat sein Elend immer mit Humor gepfeffert"

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 14. März 2014. Das Festivalmotto auf großer Leinwand ließ die vier Diskutanten auf der Bühne des HAU1 klein erscheinen. "Leaving is not an option?" ("Gehen kommt nicht in Frage?") stand da, mit riesigem Fragezeichen. Aber dieses Fragezeichen hätte man bei dem, was der Regisseur Béla Pintér, der Intendant György Szabó vom Trafó (einer dem HAU äquivalenten Spielstätte in Budapest) und der Musiker und Universalkünstler Sickratman in der Moderation des Journalisten Márton Gergely dazu zu sagen hatten, auch weglassen können.

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Das Budapester Theater Krétakör begründet die Absage seiner Teilnahme am Ungarn-Festival in Wien

Krétakör will not join the festival

Yesterday, Josef Ostermayer, the Secretary of State for Culture of Austria has discharged Matthias Hartmann, the intendant of Burgtheater. This morning we discussed this situation, which we closely followed in the recent weeks, in detail and due to shared aversions, we decided not to participate in the theatre's festival with our play titled 'Corruption'.

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