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Die Seele? Unauffindbar

von Esther Slevogt

19. Januar 2012. Am Anfang war das Fleisch. Endlose Gedärme, die ein sezierender Gelehrter in seiner düsteren Kammer einem grauen, toten Leib entnimmt. Dessen Haut ist ledern, auf beiden Seiten eines Schnitts auseinander geklappt und die Abgründe des menschlichen Innern offenlegend: Blut, Dreck, verwesendes Fleisch. Doch das, wonach der Renaissancegelehrte Heinrich Faust in diesem Leib sucht, bleibt unauffindbar: die Seele nämlich. Und so weiß dieser Mann, dass er betrügt, wenn er später für das Versprechen einer Liebesnacht mit einer jungen Frau namens Margarethe einem dubiosen Pfandleiher seine Seele verkauft. Es gibt keine Seele. Alles ist nur Fleisch, tote Materie, kaltes Geld, Dreck, worauf der Mensch seine Begierden richtet. Seine Unterschrift unter dem Dokument mit dem er Mephisto seine Seele verkauft, ist nicht gedeckt. Eine Spekulationsblase der Metaphysik sozusagen, die schließlich auch platzt.

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Der Verwaltungsangestellte des Bösen

von Sophie Diesselhorst

23. November 2011. Ein klarer Nachmittag, im Park, eine größere Gruppe Kinder. Sie stehen herum und unterhalten sich. Plötzlich kommt Bewegung in die Sache. Die Kinder spalten sich in zwei Gruppen auf, zwei legen sich miteinander an, einer nimmt einen Stock in die Hand und schlägt zu. Während sein Kontrahent sich krümmt und sich dabei ins Gesicht greift, verlässt der Schläger mit seiner Gruppe die Szenerie. Der beobachtende Blick bleibt ruhig. Schnitt. Und auf einmal ist alles umgekehrt: Wir sind drinnen, beobachten wenige Leute, diese Leute sind erwachsen und sehr höflich zueinander. Der beobachtende Kamerablick ist unruhig.

Brauch ich nimmer

von Dirk Pilz

13. März 2008. Josef Bierbichler sitzt in einem abgewetzten Sessel am Fenster. Die Kamera schaut ihm direkt ins Gesicht, auf die Stirnfalten und seine Hände, die immer den Mund umspielen, als müssten sie die Worte aus dem Innern mühsam heraufziehen. Er spricht von "Holzschlachten. Ein Stück Arbeit", seinem selbst inszenierten Solo-Abend an der Berliner Schaubühne im Juni 2006. Eine Inszenierung, in der er die Erinnerungen des KZ-Arztes Hans Münch mit einem Traumtext von Florian List verband.