Es ist so laut hier

von Eva Biringer

Januar 2014. René Pollesch, der Unermüdliche, schreibt und inszeniert gefühlt vierzig Stücke pro Jahr, bespielt mit hohem Output einen Twitter-Account und wird von klugen Menschen in wichtigen Redaktionen um Gegenwartsdiagnosen gebeten. Und was wären die theaterwissenschaftlichen Seminare dieses Landes ohne ihn? Das Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaften ist zu einem Synonym für Bühnenavantgarde geworden und Pollesch als ehemaliger Student zur Gallionsfigur des vielzitierten postdramatischen Theaters.

Gerüche, Geschichten, Gegenstände

von Dirk Pilz

Januar 2014. Seit 450 Jahren auf der Welt, und noch immer ist des Erstaunens kein Ende. Shakespeare. Geboren am 26. April 1564 in Stratford-upon-Avon, gestorben 52 Jahre später an selbigem Ort. Schauspieler, Theaterbesitzer, Dichter. Verfasser von 38 Dramen, 154 Sonetten und einigen Versepen. Viel gelesen, sehr viel gespielt, noch sehr viel mehr beforscht. Wer sämtliche Shakespeare-Texte gelesen und wenigstens die wichtigste Forschungsliteratur studiert hat (was ist die wichtigste?), also meint, Bescheid zu wissen, kann jetzt gern wegklicken. Allen anderen sei dieses Buch auf den Tisch empfohlen.

Traurigerweise schwer zu finden

von Dirk Pilz

November 2013. Noch eine Biographie über Büchner? Für die meisten steht doch längst fest, mit wem man es bei Büchner zu tun hat. Im Theater ist er heute in stupider Selbstverständlichkeit sowieso fast immer der Sozialrevolutionäre, der Vorzeigelinke, mit dem sich prima die Verhältnisse wahlweise bejammern oder anklagen lassen.

Wirths Welt

von André Mumot

5. November 2013. ATW. Seine Initialen und die des von ihm ins Leben gerufenen Studienganges sind dieselben. 1982 war es, als Andrzej Tadeusz Wirth in Gießen das Institut für Angewandte Theaterwissenschaften gründete. Aus jener Institution, die FAZ-Wutbürger Gerhard Stadelmaier dann später sehr zu Unrecht als "Unglücksschmiede des deutschen Theaters" bezeichnete, gingen bekanntlich Künstler wie Moritz Rinke, René Pollesch, Rimini Protokoll hervor – allesamt wissenschaftlich sozialisiert mit den Vorstellungen des postdramatischen Theaters, mit Begriffen wie Praxeologie und dem stereometrischen Denken.

Bitte kapitulieren Sie!

von Sophie Diesselhorst

29. Oktober 2013. "Ladies and Gentlemen, while you are with us here tonight, we'd like to ask you to try to forget about the outside world completely" begannen Forced Entertainment vor zwölf Jahren ihre Performance "First Night": "Meine Damen und Herren, für die Dauer dieses Abends hier mit uns möchten wir Sie bitten, alles, was mit der Welt da draußen zu tun hat, zu vergessen."

Das Geisterschloss

von Nikolaus Merck

Oktober 2013. Das Buch sieht schön aus, im Stil der zehner Jahre des 20. Jahrhunderts, mit Lesebändchen, Goldprägung auf Textil und ebenso luftig wie kostbar gesetzt. Ein Handschmeichler, ein Augenschmaus für die Leute seiner Generation. Der Autor Ulrich Tukur, geboren im südhessischen Viernheim, was man ihm manchmal noch anhört, ist Jahrgang 1957. Mithin ein Angehöriger der herrschenden Generation, Angela Merkel, Sigmar Gabriel, die Mehrzahl der Oberherren der DAX-Konzerne, solche Leut'.

Das ist bekannt

von Thomas Rothschild

Oktober 2013. Wann fängt die Gegenwart an? Für Andreas Englhart in den 1960er Jahren. Vielleicht wurde ihm diese willkürliche Setzung durch den Umstand aufgenötigt, dass er "Das Theater der Gegenwart" auf 125 kleinformatigen Seiten unterbringen musste, aber einen geschichtlichen Überblick, nicht einen Essay zur aktuellen Lage liefern wollte. Mehr als eine elementare Einführung konnte und sollte das dem Format der Reihe entsprechend nicht werden. Dass nur das deutschsprachige Theater gemeint ist, unterschlägt der Titel. Versteht es sich von selbst, dass Ariane Mnouchkine oder Robert Lepage nicht zur Gegenwart gehören? Andererseits ignoriert Englhart regionale und sogar nationale Besonderheiten, wenn er etwa Johann Nestroy für das Unterhaltungstheater in Anspruch nimmt, ohne dessen Verwurzelung im Wiener Volkstheater zu erwähnen, die aus benennbaren Gründen außerhalb Österreichs keine Entsprechung fand.

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