Samstag, 01. November 2014

Anzeige

    

@nachtkritik

test


Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Gaza-Monologe – Das Ashtar Theatre aus Ramallah gastiert am Jungen Schauspielhaus Düsseldorf mit Geschichten von palästinensischen Jugendlichen

Trümmer-Träume aus dem Gazastreifen

von Friederike Felbeck

Düsseldorf, 29. Oktober 2014. Anwältin, Kinderärztin oder Schauspielerin wollten sie werden. Sie tragen noch einen Teddybär im Arm oder fürchten sich vor Prüfungen, die immer Schlag 12 Uhr beginnen. Aber ihre Schulen sind geschlossen, das Dach über dem Kopf ist ihnen weggesprengt und die besten Freunde und Verwandten von Bomben in Stücke gerissen, deren fleischliche Einzelteile in Plastiktüten gesammelt und ins Krankenhaus gebracht werden. Sie haben gesehen, was kein Mensch in ihrem Alter sehen sollte und gelernt, eine Phosphor-Bombe an ihrem typischen Klang zu erkennen.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Herrinnen – In Mannheim inszeniert Burkhard C. Kosminski Theresia Walsers neues Stück über Karrierefrauen

Zeitgeistvampire, Kampfstuten, Karrierehyänen

von Esther Boldt

Mannheim, 29.10.2014. Das letzte Wort im Kampf der Geschlechter ist noch nicht gesprochen. Angesichts dieser Wortspielperlen wäre es auch schade drum: Männer sind da Entwicklungsländer, eingelagerte Eizellen Gefrierschrank-Engelchen und eine Handvoll herumstehender Frauen ein Geschlechtskränzchen. Es hagelt Durchsetzungsmechanismen mit Kampfstuten und Karrierehyänen. In ihrem neuen Stück "Herrinnen" umkreist Theresia Walser die Untiefen des heutigen Frauseins, tappt aber auch tief hinein – auf High-Heels oder barfüßig. Am Nationaltheater Mannheim hat Hausherr Burkhard C. Kosminski das Stück nun uraufgeführt, das sechste Auftragswerk seit 2006, das er der jüngsten Tochter Martin Walsers vergab.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Gespenster des Kapitals – Hermann Schmidt-Rahmer präsentiert in Bochum eine scharfe Finanzmarkt-Horror-Show nach Balzac

Dead Bank Walking

von Stefan Keim

Bochum, 25. Oktober 2014. Der lange, schlaksige Mann im dunklen Anzug erinnert an Nosferatu. Doch Mercadet ist kein Phantom der Nacht, sondern des Finanzmarktes. Ein Dämon der Derivate mit bösem Blick und bleichen Gesicht, bis über die großen Ohren verschuldet. Doch das macht nichts, denn Geld ist bloß Spielmasse und "Steuerzahler" ein Schimpfwort. Ein bisschen Humankapital hat Mercadet noch, Julie, sein Tochter-Unternehmen, das er mit einem anderen Geldhai fusionieren, vulgo verheiraten will.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Der Ring: Rheingold / Walküre – Am Hamburger Thalia Theater serviert Antú Romero Nunes Wagners Nibelungenversion als Fantasy-Pulp ohne Musik

Willkommen im Neandertal

von Falk Schreiber

Hamburg, 25. Oktober 2014. Stumpf starrt die Horde vor sich hin. Mal grunzt einer, mal faucht eine zurück, aber viel ist nicht zu erwarten von diesem Haufen. Und als sich endlich die Erkenntnis verbreitet, nutzen die Figuren das neu gewonnene Wissen als erstes, um einander an die Gurgel zu gehen. Respekt: So schlüssig wie Antú Romero Nunes hat wohl bislang noch niemand die Anfangsszene von Stanley Kubricks "2001" in Richard Wagners "Ring des Nibelungen" hineininterpretiert. Keine Götter und Halbgötter agieren hier, sondern Neandertaler, die sich 30 Minuten lang nicht einmal halbwegs zu artikulieren verstehen – und deren Persönlichkeitsentfaltung als Sprachfindung schon die Richtung der Inszenierung vorgibt.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Lilli / HEINER Intra Muros – Brit Bartkowiak inszeniert die Uraufführung des Sportstücks von Lucie Depauw in Mainz mit leichter Hand

Die erogenen Zonen der Menschlichkeit

von Shirin Sojitrawalla

Mainz, 24. Oktober 2014. Barren, Bock und Bälle, ein Siegerpodest, stapelweise blaue Matten, ein paar Spinde, eine Bank und allerlei Sportzeug mehr: Die Bühne von Nikolaus Frinke versammelt, was vom Turnen übrig bleibt. Das hat sich fürs Sportstück der Französin Lucie Depauw unbedingt angeboten, dient ihr doch das Dopingsystem der DDR als Ausgangspunkt für ihre Geschichte über Transsexualität und Geschlechteridentität. Aus der willigen Sportskanone Lilli wird peu à peu ein Mann, erst unfreiwillig, später mutwillig. Dabei schickt das kurze Stück Mutterliebe und Vaterlandsliebe zusammen in den Kampf.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Die Verwandlung – Andriy Zholdak macht am Theater Oberhausen aus Kafkas Erzählung ein bitteres Untergangsspiel

Wenn die Parasiten nagen

von Sascha Westphal

Oberhausen, 24. Oktober 2014. Wäre da nicht dieses Skelett von einem Haus, das sich U-förmig um die gesamte Bühne zieht und verschiedene Zimmer andeutet, könnte man zunächst fast glauben, man wäre in einer Leseprobe gelandet. Zumindest steht im Zentrum des von Andriy Zholdak zusammen mit Tita Dimova entworfenen Bühnenbilds ein langer, mit Wasserflaschen, Mikrophonen und kleinen Videokameras bedeckter Tisch, an dem nach und nach die Schauspieler Platz nehmen. Die Stimmung ist in diesen ersten Momenten gelöst. Man wechselt leise ein paar Worte, scherzt ein wenig. Eben alles ganz so wie bei einer Probe. Währenddessen erscheinen oberhalb der Bühne auf einer schmalen, die gesamte Breite einnehmenden Leinwand die ersten Videobilder. Schauspielerporträt reiht sich an Schauspielerporträt.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Dantons Tod – In Wien von Jan Bosse auf die Drehbühne des Burgtheaters inszeniert

Keiner dreht sich nie

von Kai Krösche

Wien, 24. Oktober 2014. Die Bühne hört kaum auf sich zu drehen an diesem Abend im Burgtheater, mal langsamer, mal schneller; nur kurz steht sie still, um sich dann doch wieder in Bewegung zu setzen, stets unterlegt von den grollenden Geräuschen eines, so scheint es, gigantischen Getriebes. Der Lauf der Dinge ist in Jan Bosses Inszenierung von Georg Büchners "Dantons Tod" keine unsichtbare Maschinerie: Das (Burg-)Theater und seine Bühne mit den Traversen, Scheinwerfern und den unzähligen auf der Bühne verteilten Kostümen, Requisiten und Theatermöbeln wird zum Sinnbild einer undurchdringlichen Kraft, die die Menschen mit sich reißt, egal was sie tun, sagen oder wollen. Später werden Danton und seine Mitgefangenen wie Marionetten an Stricken hängen, die sie wie leere und willenlose Hüllen immer wieder Richtung Schnürboden ziehen, mit langsamer, aber unaufhaltsamer Gewalt aufrichten und dann wieder zu Boden sacken lassen.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Motel – Victor Bodó zerlegt nach und nach das Schauspielhaus Graz

Furzend die Zeit verformen

von Leopold Lippert

Graz, 24. Oktober 2014. Zu Beginn stottert die Technik gewaltig. Das Licht im Saal geht aus, dann wieder an. Nach ein paar Sekunden ist es erneut dunkel. Aus den Boxen tönt kratzige Musik, bricht ab, läuft ein paar Takte weiter. Wieder Licht im Saal. Verwunderte Blicke im Publikum. Die enorme Theatermaschine, die Viktor Bodó während der nächsten zwei Stunden zum Schnurren bringen wird, braucht eben eine Weile, bis sie warmläuft. Schließlich hebt sich der Vorhang und gibt den Blick auf eine Hotelrezeption frei, die Details freilich als Trompe-l'œil: Es kann losgehen.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Der Untergang der Nibelungen – Am Berliner Gorki Theater versucht Sebastian Nübling den Mythos umzukehren

Wollt ihr wohl artig sein!

von Esther Slevogt

Berlin, 23. Oktober 2014. Das Gemetzel fällt also aus. Mit bösen Ahnungen kommen die gewaltbereiten Burgunder in ihren prollig-protzigen Outfits (bei deren Design Ausstatterin Eva-Maria Bauer sich von Labels wie Versace oder Moschino inspirieren ließ) bei der neuen Familie von Schwester Kriemhild im Land der Heunen an. So heißen in Friedrich Hebbels Nibelungen-Trilogie die Hunnen, deren König Etzel die Burgunderprinzessin Kriemhild nach dem gewaltsamen Tod ihres ersten Mannes Siegfried geehelicht hat.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Erdbeerwaisen – Die werkgruppe2 erzählt in Braunschweig bewegend vom Leben alleingelassener Kinder von rumänischen Wanderarbeitern

Geld oder Kinder?

von Jan Fischer

Braunschweig, 23. Oktober 2014. Die Hausbar ist – für alle, die nicht so oft im Staatstheater Braunschweig sind – nicht ganz einfach zu finden. Vier Treppen hoch zum zweiten Rang, einmal abbiegen, noch zwei Treppen hoch, der unscheinbare Eingang ganz rechts, irgendwo dort, wo es sich anfühlt, als sei das nun das Ende des Säulengebäudes, da ist sie.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Eines langen Tages Reise in die Nacht – Roberto Ciulli macht an seinem Theater an der Ruhr Eugene O'Neills Stück zum Schauspielfest

In der Tropfsteinhöhle des Dämmerungs-Magiers

von Martin Krumbholz

Mülheim an der Ruhr, 23. Oktober 2014. "Was schaust du mich so an?" Es ist der Satz, der in diesem Stück am häufigsten fällt. Da sind vier Personen, Vater, Mutter, zwei Söhne, die einander kaum einmal aus den Augen lassen – es sei denn, der ältere Sohn James verschwindet für ein paar Stunden in irgendeinen Club, "zu den Weibern und zum Whisky", oder Mary, die Mutter, macht sich ins "Gästezimmer" davon, um sich einen Schuss zu setzen. Sie alle fühlen sich unbehaglich, wenn sie von ihresgleichen beobachtet werden, dabei hat Ibsens Lebenslüge in diesem autobiographisch motivierten Drama von Eugene O'Neill jede Scham abgeworfen. Es gibt nichts mehr zu verschleiern, es ist offensichtlich, dass alle drei Männer Alkoholiker sind, die Mutter Morphinistin ist, man könnte sich hemmungslos gehenlassen und tut es auch, und doch bleibt ein Rest von Unbehagen, genährt durch fahle Erinnerungen an die drittklassigen Hotels, in denen der Schauspieler James Tyrone, begleitet von seiner Familie, die aktive Zeit seines Lebens verbracht hat. Die Verzweiflung ist die letzte Etappe vor dem Delirium, vor dem Absturz.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Woyzeck – Abullah Kenan Karaca gräbt am Münchner Volkstheater nach dem großen Gefühl in Büchners Dramenfragment

Von der Lust, die wehe tat

von Tim Slagman

München, 23. Oktober 2014. Die Liebe plätschert, das Verderben brummt. Keine Frage, Abdullah Kenan Karacas Inszenierung am Theater hat Sound: Der junge, in Oberammergau aufgewachsene Regisseur und sein Dramaturg David Heiligers holen aus dem Büchner'schen Dramensteinbruch die Brocken hervor, mit denen der Dichter zum Empfindsamen, ja vielleicht gar zum Romantiker machen zu wäre. Ihr Woyzeck am Münchner Volkstheater geht in den Bauch, bestenfalls ins Herz.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Der Argentinier – Das Theater Marie in Aargau zeigt Klaus Merz' Novelle dicht am Text

Erzählen und erzählen lassen

von Julia Stephan

Aarau, 22. Oktober 2014. Es gibt Theaterabende, nach denen man es als Kritkerin bitter bereut, den Bühnenstoff wie eine Musterschülerin vorbereitet zu haben. So passiert bei der Uraufführung des "Argentiniers", einer Novelle des Schweizer Schriftstellers Klaus Merz aus dem Jahr 2009. Der Lakoniker Merz, der 1997 mit dem Fast-Roman "Jakob schläft" international bekannt wurde, zeichnet im "Argentinier" in zarten Skizzen die Lebensgeschichte eines Schweizers nach, der in der Nachkriegszeit nach Argentinien auswandert, um Gaucho zu werden, in Buenos Aires eine Karriere als Tango-Tänzer startet, und schliesslich für seine Jugendliebe in die Schweiz zurückkehrt. Dort fristet er bis zum Tod ohne weitere Ausreisser ein sehr mittelmässiges und sehr schweizerisches Leben als Dorfschullehrer. Trotzdem bleibt er in den Augen der Dorfbewohner auf Lebenszeit ein Fremder, der die volle Integration in das sozialen Gefüge des Dorflebens geschickt vermeidet.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Viel gut essen – Sibylle Berg hat ätzende Tiraden Marke Internetkommentar vertextet und Rafael Sanchez bringt ihr Stück in Köln zur Uraufführung

Die Hassbürger greifen an

von Sascha Westphal

Köln, 18. Oktober 2014. Da sind sie, diese Sätze, die jeder nur zu gut kennt. Sei es nun aus Gesprächen im Büro und der Kneipe, oder – und dort fallen sie mit schauriger Regelmäßigkeit – aus den Kommentarspalten im Internet. Sätze wie: "Ich bin ein verdammt normaler Bürger, und ich habe nie ein Vorurteil gehabt. Aber ich habe doch Augen im Kopf." Oder drastischer: "Man muss die Frage stellen dürfen, ob Schwule und Lesben überhaupt Öffnungen haben, die diese Bezeichnung verdienen. Und ob sie das Recht haben, ihre Perversionen an unsere Kinder weiterzugeben." Oder auch: "Wir verstehen, dass ein paar Juden und Russen immer mehr Geld haben und wir sind egal."

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Ein Sommernachtstraum – Daniela Löffner streicht Shakespeare am Schauspielhaus Zürich das Happy End

Zettels Version

von Claude Bühler

Zürich, 18. Oktober 2014. Das Publikum war hörbar erleichtert, als die Aufführung beim fünften Akt ankam, jenem Spiel im Spiel, wo die naive Handwerkerstruppe zur Hochzeit des Königs und zum Happyend all der Liebeswirren die Tragödie von Pyramus und Thisbe radebrecht. Und das Ensemble bewies Komödienlust. Claudius Körber als Liebhaber Pyramus näselt mit süddeutschem Akzent durch die Wand, die Klaus Brömmelmeier mörtelverschmiert und mit stoischem Ernst verkörperte, seiner Thisbe (Anna Blomeier) schwülstig-hohle Liebesphrasen zu, die als schauspielender Handwerksgeselle mit dem Mörtel am angeklebten Schnurbart kämpfte. Und mit heiligem Ernst vollzog Körber mit einem Klappmeter als Dolch Pyramus’ Liebesselbstmord, als er die Geliebte von einem Löwen (Katharina Schmidt, mit fürchterlichem Gebrüll) gerissen wähnte. Shakespeares Verse, eine Parodie auf die Lyrik seiner Tage, stachen wie am ersten Tag, das Publikum war hingerissen.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Geschichten aus dem Wiener Wald – An den Münchner Kammerspielen ordnet Stephan Kimmig die Gefühle dem Walzertakt unter

Sekündlich grüßt die Wachau

von Michael Stadler

München, 18. Oktober 2014. Ein Lied kann ein Gefängnis sein, kann den Menschen einschließen mit seiner Melodie und seinem Rhythmus, kann ihn verfolgen und bis ins Mark durchdringen, bis nichts weiter bleibt als mitzusingen. Oder mitzutanzen. Ach, klingt es nicht sirupsüß und wienerisch schön, das Lied "Da draußen in der Wachau"?  "Wo blühen die Bäume so rot und so weiß, und wo sind die Nächte so duftig und heiß…", singt Peter Brombacher im Dunkeln. Ein älteres Paar hat zum Auftakt elegant ein paar Walzerrunden auf die Bühne der Kammerspiele hineingezwirbelt, und diesem singenden Peter Brombacher nun, der mit Kopftuch die Großmutter, mit Messer den Metzgersgehilfen Havlitschek und rot behütet den Nachtclub-Conférencier geben wird, ihm kann man einfach nicht widerstehen.

weiterlesen...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Faust hoch zehn – Am Theater Bremen lassen Felix Rothenhäusler und Tarun Kade Faust eigene Schritte tun

Was würde Faust tun?

von Andreas Schnell

Bremen, 18. Oktober 2014. Wenn Goethe und sein Wirken nun also wirklich so wesentlich für unsere Kultur sein sollten, dann dürfte es kaum nötig sein, sich ständig seinen "Faust" vorführen zu lassen. Dessen Zeitgenossenschaft müsste sich, so knapp gefasst der Gedanke von Felix Rothenhäusler und Tarun Kade, auch anders nachweisen lassen, das Faustische an sich die kulturelle Matrix so weit durchdringen, dass es sich im heutigen Individuum und seiner Umwelt zeigen lassen müsste.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Foxfinder – Die deutschsprachige Erstaufführung von Dawn Kings raffinierter Überwachungsstaatsparabel in Ingolstadt

Zeit der Füchse

von Willibald Spatz

Ingolstadt, 18. Oktober 2014. Mit "Foxfinder" hat die Autorin Dawn King einen Hit geschrieben. Das Stück spielt in keinem bestimmten Land zu keiner bestimmten Zeit und lässt gerade daduch Deutungsspielraum; es weist ebenso parabelhaft auf zeitgenössische Überwachungsstaatstendenzen wie auf Ängste, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren. Es zeigt, wie die Möglichkeit, nur ein wenig Macht über einen Mitmenschen zu gewinnen, ein faschistisches System stützen kann, wie Aberglaube in der Lage ist, eine technokratische Welt ins Chaos zu stürzen, und wie der Mensch seinem Mitmenschen ein Wolf oder besser: ein Fuchs sein kann.

weiter...

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

A Párt – Die Partei – The Party – Mit Ingrimm reflektiert Árpád Schilling sich selbst und das heutige Ungarn beim Steirischen Herbst

Auf der nackten Haut der Verzweiflung

von Reinhard Kriechbaum

Bad Gleichenberg, 17. Oktober 2014. Zwei Seelen, wohnen, ach, in seiner Brust. Die zweite, die in seiner ungarischen Heimat ortsansässige, wird gerade arg malträtiert. Der derzeit vor allem als Opernregisseur international nachgefragte Árpád Schilling arbeitet ja immer noch, wie seit zwei Jahrzehnten, mit seinem Ur-Ensemble Krétakör (Kreidekreis). So eine freie Gruppe mit subversivem Gespür für politischen Ungeist hätte im Ungarn Orbáns alle Hände voll zu tun, wenn man sie nur ließe. Aber gerade dieses Ungarn meint es – logischerweise – nicht gut mit Schilling und Krétakör: Man hat ihnen und anderen aufsässigen Theatermachern schlichtweg den Geldhahn zugedreht.

weiter …

 
 

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

Das Käthchen von Heilbronn – Stefan Bachmann bietet am Schauspiel Köln für Kleists Ritterspektakel viel Physik und wenig Chemie auf

Nackte Seelen mit eigentümlichen Ergüssen

von Martin Krumbholz

Köln, 17. Oktober 2014. Theaterdramaturgien geben gelegentlich Rätsel auf. Dass Kleists "Käthchen von Heilbronn" sich häufiger auf den Spielplänen findet als etwa der "Prinz Friedrich von Homburg" – doch das bei weitem brisantere Stück – und fast so häufig wie der unverwüstliche "Zerbrochne Krug", ist eines dieser dramaturgischen Rätsel. Aber schließlich geht es um einen akuten Fall von Liebe – die Liebe von Regisseuren zu einem Stück –, und die lässt sich meistens nicht recht erklären. Leider ist es so, dass Kleists großes historisches Ritterschauspiel diese Liebe partout nicht erwidert; es wird unterschätzt wie eine launische Geliebte.

weiter...

 
 

Seite 1 von 6