Montag, 01. September 2014

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Die Leiden des jungen Werthers – Am Theater Bielefeld geht Caroline Stolz Goethes Briefroman mit dem Laubpuster an

Die Perücke rutscht!

von Kai Bremer

Bielefeld, 31. August 2014. Nachdem Eva König im Juli 1772 die Premiere von "Emilia Galotti" in Wien besucht hatte, schrieb sie ihrem zukünftigen Ehemann Gotthold Ephraim Lessing, sie habe in ihrem Leben noch in keiner Tragödie so viel Lachen gehört. Seit dieser Zeit kämpfen Regisseure immer wieder damit, eine angemessene Balance zwischen der Komik und Tragik des Stücks zu finden.

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Your Lover Forever – Lily Sykes inszeniert beim Kunstfest Weimar die nachgedichteten Briefe der Charlotte von Stein an Goethe

An den werthen, werthesten, allerwerthesten Goethe

von Frauke Adrians

Weimar, 29. August 2014. Mehr als 1770 Briefe und Notizen hat Johann Wolfgang von Goethe an Charlotte von Stein geschrieben, liebevolle, banale, freundschaftliche, ratsuchende. Und sie an ihn? Niemand weiß es. Charlotte hat einen Großteil ihrer Briefe später zurückgefordert und vernichtet. Welch ein Verlust – und andererseits: Welch eine Gelegenheit für Schriftstellerinnen von heute, sich auszumalen, was Frau von Stein ihrem Freund, ihrem Vielleicht-auch-Liebhaber Goethe mitgeteilt haben könnte, der für die "liebe Lotte" gelegentlich mit "your lover for ever. G." unterzeichnete.

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I am – Bei der Ruhrtriennale ruft Lemi Ponifasio mit einem Remix aus Klagegesängen die Gespenster des ersten globalen Krieges auf den Plan

Anklagegesänge

von Friederike Felbeck

Bochum, 28. August 2014. Vielleicht ist die Aufführung auch eine perfide Falle. Zu Beginn werden schwarze Kisten, die wie Särge oder schwarz getünchte Überseekisten aussehen, geheimnisvoll von rechts nach links geschoben und verschwinden hinter einer riesigen Wand. Vorne lamentiert ein elegant in Schwarz gekleideter Sänger in einer unbekannten Sprache, begleitet von Gesten, die an die Signale erinnern, die sich Seeleute mit zwei Flaggen geben. Vielleicht ist die Aufführung eine Zauberkiste, aus der sich maorische Gesänge in europäische Veranstaltungssäle schmuggeln lassen, die nur so tun, als seien sie fremdes Liedgut – wobei sie tatsächlich Beschwörungsformeln sind und magischen Ritualen dienen.

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The Civil Wars – Milo Rau erkundet beim Zürcher Theaterspektakel die alte, wunde Seele Europas

Bürgerkriege auf dem Sofa

von Christoph Fellmann

Zürich, 27. August 2014. Er hat minutiös den Schauprozess gegen das rumänische Diktatorenpaar rekonstruiert (Die letzten Tage der Ceausescus). Er hat den coolen Sound des Genzoids in Ruanda abgehorcht (Hate Radio), die Rede eines Attentäters auf die Bühne gebracht (Breiviks Erklärung) und das Gerichtsverfahren gegen Pussy Riot neu inszeniert (Moskauer Prozesse). Und jetzt also "The Civil Wars". Es wäre leicht, das neue Stück von Milo Rau und seines International Institute of Political Murder (IIPM) vor dem Hintergrund dieser letzten Arbeiten als einen Relaunch zu beschreiben: Der dokumentaristische Zugriff aufs Thema, die titelgebenden Bürgerkriege, er ist gebrochen.

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Diesseits vom Kulissenpark – Jörg Lukas Matthaei schickt sein Publikum auf Wanderschaft durch Weimar beim Kunstfest 2014

Lob der Freikörperkultur

von Frauke Adrians

Weimar, 24. August 2014. Mit dem Theater ist es wie mit dem richtigen Leben: Gut, dass man nicht weiß, was einen erwartet. Sonst würde man vielleicht von vornherein wegbleiben.

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What if they went to Moscow – Christiane Jatahy lässt Tschechows Drei Schwestern ins Aquarium abstürzen beim Zürcher Theater Spektakel 2014

"Mein Fest war fürchterlich"

von Charles Linsmayer

Zürich, 25. August 2014. Mit ihrem schonungslosen und freien Umgang mit Dramenklassikern ist die Brasilianerin Christiane Jatahy beim Zürcher Theaterspektakel keine Unbekannte. 2013 zeigte sie mit ihrer Companhia Vértice de Teatro aus Rio de Janeiro hier eine eigenwillig exzessive Adaption von Strindbergs "Fräulein Julie" und löste am Ende stürmischen Beifall aus, als ihre blutjunge Julie, die sich in einer gefilmten Swimmingpool-Szene das Leben nimmt, aus dem nahen Zürichsee noch einmal klitschnass auf die Bühne rannte.

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Sänger ohne Schatten – Boris Nikitin spürt mit seinem für die Ruhrtriennale entstandenen Projekt der Macht der menschlichen Stimme nach

Über das Singen

von Sascha Westphal

Gladbeck, 22. August 2014. Die gigantische und dabei feudale Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Zweckel in Gladbeck gehört sicher zu den eindruckvollsten Spielstätten der Ruhrtriennale. Doch davon ist in Boris Nikitins "Sänger ohne Schatten" erst einmal nichts zu spüren.

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Golem – Bei den Salzburger Festspielen versetzt Suzanne Andrade die jüdische Legende in eine bunte Großstadt-Welt

Meister Proper dreht durch

von Elisabeth Maier

Salzburg, 22. August 2014. Der Golem des 21. Jahrhunderts putzt die Wohnung und macht Frühstück. In Suzanne Andrades moderner Lesart der jüdischen Legende von der Lehmkreatur des Rabbi Löw, die den Menschen am Ende völlig beherrscht, ist die Fantasiegestalt ein Comic-Held. Die Performerin aus London, die mit ihrem Ensemble 1927 Schnittstellen zwischen Schauspiel und Computeranimation auslotet, entrollt bei den Salzburger Festspielen den atemberaubenden Bilderbogen einer Großstadt im 21. Jahrhundert. Alles in dieser Welt ist automatisiert. Selbst geheiratet wird auf Knopfdruck.

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Taksim forever - #Rüyalar parki – Die Neuköllner Oper in Berlin bemächtigt sich der Istanbuler Proteste vom Taksim-Platz

Mutter, Tupper, Rebellion

von Eva Biringer

Berlin, 21. August 2014. In "Taksim forever", Nicole Oders erster Regiearbeit an der Neuköllner Oper, werden Gewissenskonflikte und retardierende Momente mit einem bedrohlichen Brummton unterlegt. Kerem Can (Text) und Can Erdogan-Sus (Komposition) verarbeiten in ihrem Stück die Istanbuler Geschehnisse des vergangenen Sommers. Dem auf Theaterbühnen inflationär eingesetzten Kunstnebel kommt zur Abwechslung einmal die Bedeutung von Tränengas zu. Später, als der die Bühne überspannende Gazevorhang gefallen ist, geben Leyla (Pinar Erincin mit überwiegend glaubhaftem Revolutionsfuror), Ben (Johannes Hubert als Soundfrickler mit Glaubwürdigkeitsproblem) und das übrige Ensemble eine Rockstarshow. Dazu wird der Bühnennebel wieder seiner ursprünglichen Funktion zugeführt, auch wenn die sich weder Rockkonzertbesuchern noch Theatergängern jemals vollständig erschließen wird.

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Noise and Darkness | Nufonia must fall – Miss Revolutionary Idol Berserker und Kid Koala beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel in Hamburg

Chaos & Naivität

von Falk Schreiber

Hamburg, 22. August 2014. Das Reich der Zeichen ist ein Irrgarten. Oder: ein unübersichtliches Knäuel von Verweisen, bei denen man nicht einmal im Ansatz versteht, auf was sie sich beziehen – bis man nur noch Lärm wahrnimmt, Lärm und Dunkelheit. Willkommen bei "Noise and Darkness", dem neuen Stück der japanischen Radikaltheatergruppe Miss Revolutionary Idol Berserker beim Internationalen Sommerfestival Hamburg.

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Alan Smithee Directed This Play – Das New Yorker Big Dance Theater erstmals in Berlin beim Festival Tanz in August

Tanz der Cineasten

von Christian Rakow

Berlin, 21. August 2014. Preisfrage für Programmkinonarren: Aus welchem oscarprämierten Hollywood-Klassiker stammen Wendungen wie diese: "Our destinies seem to be interwoven, don't they. I was a close friend of your father." Oder: "I disagree with Bolshevism. But, I can still admire Bolsheviks, as men. Shall I tell you why? They may win."

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Don Juan kommt aus dem Krieg – Andreas Kriegenburg inszeniert erstmals bei den Salzburger Festspielen und zeigt Ödön von Horváths Verlustmenschen

Hurra, wir lieben noch

von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, 17. August 2014. Laut Mozart/Da Ponte waren es allein in Spanien eintausendunddrei Frauen. In Inflationszeiten muss es sparsamer hergehen: Bei Ödön von Horváth sind fünfundzwanzig Frauen hinter jenem Don Juan her, der dem Ersten Weltkrieg entronnen ist. Andreas Kriegenburg, der Ödön von Horváths "Don Juan kommt aus dem Krieg" auf der Halleiner Pernerinsel inszeniert hat – seine erste Regiearbeit für die Salzburger Festspiele – schickt deren neun ins Rennen.

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Sâl Sâniye – Der iranische Regisseur Hamid Pourazari inszeniert die Nöte von zehn iranischen Frauen beim Zürcher Theater Spektakel

Schachbrett mit zehn Damen

von Kaa Linder

Zürich, 16. August 2014. Es ist ein seltenes Glück, Theater aus dem Iran zu sehen. Noch dazu als Uraufführung an einem der bestdotierten Theaterfestivals der Schweiz – am Zürcher Theater Spektakel. "Sâl Sâniye" ist überdies ein Stück, das sich mit Frauenthemen auseinandersetzt und von jungen Frauen gespielt wird. Umso erstaunlicher und umso enttäuschender, dass es für eine deutsche Übersetzung des in Farsi gesprochenen Theaterabends nicht gereicht hat. Denn die jüngste Arbeit des iranischen Regisseurs Hamid Pourazari und seiner Papatiha Theatre Group lebt von den Dialogen und Erzählungen.

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Le Sacre du Printemps – Bei der Ruhrtriennale choreographiert Romeo Castellucci Knochenstaub-Kübel zu Strawinsky

Das gestische Repertoire ist beschränkt

von Martin Krumbholz

Duisburg, 16. August. 2014. Die Uraufführung 1913 war ein Skandal. Das Pariser Publikum konnte die rhythmischen Kaskaden und die provokanten Dissonanzen des "Frühlingsopfers" von Igor Strawinsky nicht ertragen, und Nijinskys Choreografie machte es anscheinend nicht besser. Romeo Castellucci – der kein Choreograf ist – erzählt auf dem Programmzettel, wie ihn diese Musik, dargeboten von Männern mit Seitenscheitel und im Frack, als Siebzehnjährigen begeistert habe: erschütternder als eine Punkband und radikaler als der Schrei von Sid Vicious. Mit einer vergleichbaren Reaktion ein Jahrhundert später hat der Performer Castellucci nicht gerechnet; wie denn auch, das Ganze sei eher kontemplativ. Und die Tänzer fehlen.

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De Materie – Louis Andriessens wiederentdeckte Oper als packendes Objekt- und Maschinentheater bei der Ruhrtriennale in der Kraftzentrale Duisburg

Schafe statt Atomraketen

von Friederike Felbeck

Duisburg, 15. August 2014.Wenn der Regisseur Heiner Goebbels ankündigt, auf der Bühne seien kaum Menschen zu sehen, klingt das wie ein verheißungsvolles Versprechen. Und hier sind es tatsächlich erstmal sechs Flüchtlingszelte, die dominieren und eine Flucht bilden in den 160 Meter tiefen Bühnenraum. Über ihren weißen Giebeln geht der Mond auf, der sich bald als Zeppelin entpuppt, der leise summend durch den Raum segelt. Ein zweites und ein drittes Luftschiff fliegen hinein und formen zusammen eine genau choreografierte Flugshow. Kurze rabiate und immer schneller werdende Schläge aus dem Orchester peitschen durch die riesige Halle.

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Der Abschied – Walter Kappachers Text über Georg Trakl beim Young Directors Project der Salzburger Festspiele uraufgeführt

Stumme Schreie

von Hartmut Krug

Salzburg, 15. August 2014. Menschenleer die von einem mächtigen schwarzen Kubus beherrschte Bühne. Das Gebilde steht wie eine Bockwindmühle auf einer beweglichen Spitze und schwankt hin und her. Dieser Raum scheint voller Eigenleben und Erfahrungen. Man hört Krach, vielleicht Kriegslärm. Und dann bahnt sich ein in diesem Bewusstseinsraum eingesperrter Mann mit einem Beil den Weg ins Freie. Es ist der Schauspieler Paul Herwig als Georg Trakl, der während des ersten Weltkriegs in einer Nervenklinik in Krakau festgehalten wird. Man untersucht ihn wegen eines Selbstmordversuches im Felde nach schlimmen Kriegserlebnissen im ostgalizischen Grodek.

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Civilisation and its discontent – Beim Nordwind Festival bittet die schwedische Gruppe Poste Restante zum Küchendienst

Keine Sorgen, kein Likör

von André Mumot

Berlin, 14. August 2014. Wenn man ein "Stefan" ist, hält man sich zurück in der Gruppe. Man schlägt wahrscheinlich die Beine übereinander und lehnt sich vor. Wenn man ein "Stefan" ist, hört man gut zu, man ist Beobachter, man wagt sich nicht gern mit Vorschlägen vor. Man stützt das Kinn auf die Faust, und wenn um einen herum dummes Zeug geredet wird, verkrampft man sich ganz furchtbar, wird aber vermutlich nicht sagen: "So jetzt reicht's aber auch mal, Schluss mit dem Quatsch." Und statt zu fürchten, dass die Kollegen die Arbeit nicht schätzen, die man macht, fürchtet man, dass sie die Augen verdrehen, wenn man den Raum verlässt, und einen einfach nur blöd finden.

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Fierrabras – Peter Stein setzt Franz Schuberts vergessene Oper bei den Salzburger Festspielen als statische Rampenschau in Szene

Hand aufs Herz

von Thomas Rothschild

Salzburg, 14. August 2014. Das ist selten geworden: Die Ouvertüre wird bei geschlossenem Vorhang gespielt. Es gibt nichts zu sehen, kein stummes Spiel, keine Aktion. Das Publikum wird ausschließlich der Musik überlassen. Die ist immerhin von Schubert. Da braucht man keine Ablenkung. Nicht einmal in der Oper.

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Orpheus – Das britische Little Bulb Theatre zeigt seine Version des mythischen Stoffs beim YDP in Salzburg

Wenn Hades zum Sopransaxophon greift

von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, 11. August 2014. "Talkie" hat man zu dem sich in den dreißiger Jahren allmählich den Weg bahnenden Tonfilm auch gesagt. Das Little Bulb Theatre hat den Orpheus-Stoff in eine teils grelle, teils verspielte Revue im Paris der Zwischenkriegszeit verwandelt. Optisch reitet man die Stummfilm-Ästhetik zu Tode, aber es ist ein netter "Soundie".

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Il trovatore – Alvis Hermanis inszeniert Verdis Oper in Salzburg als eine im Museum erwachende Klamotte

Aus dem Museum, im Museum, fürs Museum

von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, am 10. August. "Ich möchte der altmodischste Regisseur des 21. Jahrhunderts werden." Den überraschenden Satz hat Alvis Hermanis vorab in einem Zeitungsinterview von sich gegeben. "Gelungen", muss man ihm jetzt, nach der Premiere von Verdis "Il trovatore" bei den Salzburger Festspielen zurufen.

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