Freitag, 19. Dezember 2014

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Farbenblinde Arbeit (UA) – Robert Teufel setzt Dietmar Daths neuestes Stück am Nationaltheater Mannheim in Szene

Beim Zeus, wie schwer ist doch die Kunst

von Martina Senghas

Mannheim, 17. Dezember 2014. Dietmar Dath ist Mitte 40, Autor von dreizehn Romanen, Feuilletonist und Filmkritiker, Übersetzer und Verfasser von Hörspielen, Sachbüchern und Theaterstücken – er schreibt also viel und er schreibt gerne über das große Ganze: über Herrschaft und Befreiung, Produktionsbedingungen und Erkenntnistheorie, technischen Fortschritt und Kunst. Dath ist bekennender Marxist, entsprechend geht es auch in seinem neuen Theaterstück "Farbenblinde Arbeit" von Anfang an politisch zur Sache. Also rein ins Milieu der kulturell und gesellschaftlich Engagierten, in dem das Stück angesiedelt ist.

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2071 – Katie Mitchell inszeniert eine Lecture Performance des britischen Klimaforschers Chris Rapley am Hamburger Schauspielhaus

Es wird warm

von Falk Schreiber

Hamburg, 17. Dezember 2014. Für morgen Mittag werden für die Hamburger Innenstadt bis zu elf Grad vorhergesagt. Wenige Tage vor Heiligabend. Überhaupt wird 2014 als ein Jahr in die Geschichte eingehen, in dem es deutlich zu warm war, was den Inhalt von "2071" ein Stück weit bestätigt: Der britische Klimaforscher Chris Rapley erzählt in der Koproduktion zwischen Londoner Royal Court Theatre und Deutschem Schauspielhaus Hamburg, wie er zur Klimawissenschaft kam, er referiert, wie sich das Klima im Laufe der Zeiten veränderte, und er wagt einen Ausblick, wie die Welt im Jahre 2071 aussehen mag. Dann nämlich wird die älteste Enkelin Rapleys so alt sein wie er heute, 67 Jahre, und sie wird in einer Welt leben, die wahrscheinlich nicht allzu lebenswert sein dürfte. In einer Welt, deren Infrastruktur auf heutige Temperaturen eingestellt ist, während die Durchschnittstemperatur des Planeten um mindestens zwei Grad gestiegen sein wird, mit den dazugehörigen sozialen Verwerfungen, Dürren, Überschwemmungen. (Zumindest, wenn alles gut geht: Eine 40-prozentige Chance besteht auch auf eine Temperaturerhöhung von über vier Grad. Als Klimaforscher sollte man nicht allzu sentimental auf die Menschheit blicken.)

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die unverheiratete – Uraufführung eines (Nach-)Kriegsfrauenstücks von Ewald Palmetshofer im Wiener Akademietheater

Viel Pinsel, viel Keule, viel Vorschlag

von Reinhard Kriechbaum

Wien, 14. Dezember 2014. Bedeutungsvoll hat sich "die Mittlere" an die Bühnenrampe gekauert, bereit, Großes hinauszurufen. Um noch Farbe draufzusetzen, ist "die Junge" herbeigeeilt und hat ihrer zum Antiken-Lamento anhebenden Mutter einen halben Eimer Blut über den Kopf geleert. Und da geht es auch schon los: "Ich bin Elektra", orgelt Christiane von Poelnitz. Diese Facette hat zu dem Zeitpunkt gerade noch gefehlt in der großen Abrechnung mit der Genealogie. Aber ach: "Der Apfel fällt man sagt nicht weit / das ist ein Pech / verfaul nicht weit von ihrem Stamm gefallen ich..." Derweil versucht im Bühnenhintergrund "die Alte" (vorerst) vergeblich, auf einen Sessel zu klettern und sich am Telefonkabel aufzuhängen.

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Die lächerliche Finsternis – Daniela Löffner vertraut am Deutschen Theater Berlin ganz auf Wolfram Lotz' Oberflächenschabernack

Eine Flussfahrt, die ist lustig

von André Mumot

Berlin, 14 Dezember 2014. "Ups", sagt Kathleen Morgeneyer. Beinahe wäre sie nämlich auf einer der Bananenschalen ausgerutscht, die am Bühnenrand liegen. Ach – aber selbst wenn! Gestört hätte das gewiss keinen. Gut, Kathleen Morgeneyer vielleicht, aber womöglich nicht mal die. Lachen muss sie bloß, so wie die Darsteller oft an diesem Abend kaum das Prusten unterdrücken können. Nachdem sie angekaute Pizzareste in die ersten Reihen geschmissen haben zum Beispiel. Oder nachdem sich Alexander Khuon versprochen hat. Da grinst er dann sehr schelmisch und lacht noch ein bisschen, und im Publikum stimmen alle froh und glücklich mit ein. Überhaupt herrscht 'ne Bombenstimmung in den Kammerspielen des Deutschen Theaters.

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Seymour – Am Theater Bern inszeniert Dominic Friedel Anne Leppers absurdes Kindersanatoriums-Stück

Fett und federleicht

von Geneva Moser

Bern, 14. Dezember 2014. Dünn werden um endlich gesehen zu werden, das sollen die kugligen Kinder in "Seymour oder Ich bin nur aus Versehen hier". Von ihren Eltern in ein Kurhaus in den Bergen verfrachtet, kämpfen sie um den Weg zurück ins Zentrum der Gesellschaft: Optimierungswahn und Zwangsformierung machen auch vor Kindern keinen Halt. Der Neuankömmling Leo glaubt zu Beginn noch, mit ihm sei alles völlig in Ordnung, die Eltern würden ihn bald holen und der englische Cousin Seymour, der nun das Zimmer zuhause bewohnt, sei auch nur vorübergehend da.

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Antigone – Wojtek Klemm zeigt einen ruppig-klugen Sophokles in einem Flüchtlingsbunker am Theater Luzern

Kriegszitterer ohne Krieg

von Christoph Fellmann

Luzern, 13. Dezember 2014. Wir befinden uns in einem jener Bunker, welche die Schweiz ab den Sechzigerjahren gebaut hat, damit ihre Bevölkerung darin einen Atomunfall oder den Dritten Weltkrieg überleben kann. Betonwände, Metallrohre, Maschendraht. Heute werden diese Bunker zwar gelegentlich noch beübt, vor allem aber bringt die Schweiz hier, metertief unter der Erde, die Asylsuchenden unter. Neun von ihnen, alle aus Afrika und derzeit wohnhaft in einer Unterkunft im Kanton Zug, stehen hier nun auf der Bühne des Luzerner Theaters im Nachbau eines solchen Bunkers. Man versteht nicht, was sie reden, nur einmal eine Frage: "Das ist ein Bunker?" – Und die Antwort: "Nein, das ist ein Theater."

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André & Dorine – Das Theaterkollektiv Kulunka Teatro macht aus einer Alzheimer-Biographie ein Maskentheaterstück voller ergreifender Miniaturen

Geschichte einer vergessenen Liebe

von Tim Slagman

München, 13. Dezember 2014. Sie streicht, er tippt, und das Cello gewinnt dabei jedes Mal über die Schreibmaschine. Was einfach ein kleines, zur Routine gewordenes Gekabbel unter alten Eheleuten darstellen könnte, wird auf der Theaterbühne des Münchner Winterfestivals Tollwood zu einem wortlosen Austausch voller Witz, voller gemeinsamer Lebenserfahrung und, auch das, voller Sinnlichkeit.

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Frühling der Barbaren – Am Staatstheater Wiesbaden versucht Ulrike Arnold die Adaption Jonas Lüschers Novelle mit Humor

Launige Luxusgeschöpfe

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 13. Dezember 2014. Jonas Lüschers Novelle "Frühling der Barbaren" ragte aus den deutschsprachigen Neuerscheinungen des Frühjahrs 2013 wundersam heraus. Dabei ist es nur eine kurze Geschichte, nicht einmal 120 Seiten, die aber gleich mit mehreren unerhörten Begebenheiten aufwartet und dabei ins Herz der gegenwärtigen Finsternis zielt. Es ist eine moralische Geschichte, in der das Menschsein zur Mutprobe gerät. Im Zentrum steht Preising, ein wohlsituierter Schweizer Fabrikerbe, der sich gewählt und immer ein bisschen altmodisch auszudrücken versteht. Dieser Preising unterhält sich mit einem anderen Mann und Lüscher deutet an, dass die beiden sich in einer psychiatrischen Anstalt befinden. Doch beim Lesen vergisst man das und denkt, sie könnten ebenso gut im Gefängnis oder vor Gericht auf und ab gehen. Ein dritter Erzähler erweist sich bei Lüscher dann als allwissend und weiß naturgemäß alles besser.

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Hamlet – Bühnen-Veteran Gralf-Edzard Habben trotzt in Kassel mit Shakespeare den Lockungen der Moderne

Kein Anschluss unter dieser Handy-Nummer

von Alexander Kohlmann

Kassel, 13. Dezember 2014. Nur kurz fahren die schwarzen Schiebetüren auseinander wie elektrische Türen in einem Krankenhaus. Dahinter ein Gang mit Kacheln und ein Mann mit Krone und grünem Klinik-Leibchen. Dann gehen die Türen wieder zu und der Geist ist verschwunden, als sei er nie dagewesen. Vieles in Gralf-Edzard Habbens Inszenierung deutet darauf hin, dass wir hier drei Stunden lang nur einen Traum von einem Hamlet erleben, der längst in einer geschlossenen Einrichtung sein Dasein fristet.

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Das weite Land – Am Deutschen Theater seziert Jette Steckel das Schnitzler-Personal mit einem All-Star-Team

Auf der Mitte-Couch

von Wolfgang Behrens

Berlin, 12. Dezember 2014. Ein Gesprächsfetzen vom Ende der Pause, aus der Reihe hinter mir: "Es würde mich schon interessieren, wie viel Prozent des Publikums erkennen, dass das da alles Sofas sind auf der Bühne. Und, ja, auch wie viele sich wohl darüber Gedanken machen, was das bedeuten könnte." Hm, denke ich, also ehrlich gesagt: Dass diese kubistische Skulptur von Florian Lösche, die da turmhoch in der Mitte der Drehbühne emporragt, nur aus schwarzen Ledersofas besteht, das haben, glaube ich, alle, wirklich alle mitgekriegt. Aber sollte man sich darüber allzu viele Gedanken machen?

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Der Menschenfeind – Moritz Sostmann zeigt Molière in Köln mit Puppen und Menschen

Aus dem Renaissance-Zirkus in die Stephen-King-Arena

von Stefan Schmidt

Köln, 12. Dezember 2014. Ja, sie ist etwas angestaubt, diese Komödie von Molière aus dem 17. Jahrhundert. Auch wenn sie nach wie vor gerne mal auf die deutschsprachigen Spielpläne gehievt wird, sei es zur allgemeinen Volksbelustigung oder zur gutmenschlichen Erbauung angesichts der Verlogenheit der Welt. Und so ist es nur konsequent, dass es in dieser Kölner Inszenierung vom "Menschenfeind" ab und zu von der Decke rieselt auf Mobiliar und Personal. Das kann passieren, wenn man so wenig zimperlich mit dergleichen Antiquitäten umgeht wie Regisseur Moritz Sostmann. Am Ende dieses Abends liegt der ganze Altbau in Trümmern, und nur ein paar dummen Augusten ist das blöde Lachen noch nicht vergangen.

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Rocco Darsow – René Pollesch sucht am Hamburger Schauspielhaus Wahrheit, Liebe und Substanz

Jenseits der Tortenschräge

von Dirk Pilz

Hamburg, 12. Dezember 2014. Das hatten wir noch nicht: Martin Wuttke als Dirigent. Macht er schön. Baut sich im feinen Schwarzen plus hübscher Fliege auf, fingert in der Luft herum, wedelt mit den Armen und schaut gebührend ernst.

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Katzelmacher – In Dresden verortet Robert Lehninger Fassbinders Drama in Sachsen

Salafistenhass im Plattenbau

von Tobias Prüwer

Dresden, 13. Dezember 2014. Wenn in Dresden montäglich "gegen die Islamisierung des Abendlandes" (PEGIDA) demonstriert und im nahen Großröhrsdorf ein Überfall durch Migranten erfunden wird, erübrigt sich die Frage, was Rainer Werner Fassbinders "Katzelmacher" auf dem Spielplan des Dresdner Staatsschauspiels zu suchen hat. Das undramatische Drama ist eine schnelle Aneinanderreihung von sozialem Elend und Kleinkonflikten: Marie arbeitet in Laden und drückt Geld an ihren kleinkriminellen Stecher Erich ab. Der träumt vom großen Deal, den er zusammen mit Paul landen will, der gerade dabei scheitert, seine schwangere Freundin zu verlassen. Geld für Sex nimmt Rosy, während sie von einer Fernsehkarriere träumt. Peter liegt Kleinunternehmerin Elisabeth auf der Tasche, die ihn drangsaliert, ist aber wie alle anderen mit der Gesamtsituation unzufrieden, ohne etwas ändern zu wollen. Gewalt und Seitensprünge gehören zum Alltag, der ansonsten vor allem durch Nichts geprägt ist.

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Das Paradies der Damen – In Stuttgart inszeniert Mareike Mikat den Kaufhausroman von Émile Zola

Im Wirbelwind der Lüste

von Thomas Rothschild

Stuttgart, den 12. Dezember 2014. Eine junge Frau im strengen schwarzen Kleid mit weißem Krägelchen, wilder Mähne und einer Plastikreisetasche an der Schulter wie eine Touristin aus Osteuropa kommt mit ihren zwei Brüdern nach Paris. Es ist Denise Baudu, und weil ihr Onkel keine Arbeit für sie hat, sucht sie eine Anstellung im Warenhaus "Paradies der Damen" gleich gegenüber, wo sie erst einmal von ihren Kolleginnen getriezt wird. Sandra Gerling spielt diese Denise, und sie ist das Abenteuer des Abends. Sie beherrscht die Meisterschaft der Andeutung, ist bis zur Pause der ruhende Pol inmitten grotesker Übertreibung.

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Verteidigung der Missionarsstellung – Susanne Lietzow bringt in Graz einen Romanstoff von Wolf Haas auf die Bühne

Kosmologische Welt- und Zeitreise

von Martin Pesl

Graz, 12. Dezember 2014. Kurz nachdem Benjamin Lee Baumgartner seine Frau geheiratet hat, und zwar nur um sie später uncharmant "die Baum" nennen zu können, verabschiedet er sich auf der Heimfahrt schon wieder von ihr: Er wolle noch schnell zum Nullmeridian, wo man gleichzeitig in zwei Zeitzonen stehen könne. "Und dann verschwand er zwischen den Zeitzonen", sagt die Baum.

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KoNGOland – Im Stuttgarter Theater Rampe enthüllen Nina Gühlstorff und Lorenz Leky wieder einige Vorurteile über Afri-Afri-Afrikaaaa

Die Welt wird schwarz

von Steffen Becker

Stuttgart, 12. Dezember 2014. "I have a dream, Malcolm X, Patrice Lumumba: was kann ich sagen: I have a guilt - als weißer, heterosexueller deutscher Mann, der als solcher nie um seine Identität kämpfen musste?" Antworten auf seine Frage nach der Schuld gibt der Schauspieler Lorenz Leky in der theatralen Fallstudie KoNGOland - als Brunnenbauer, Expat, NGO-Mitarbeiter, Entsendeorganisation, Aussteiger und Kulturbotschafterm, alles in einer Person.

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Die große Verweigerung – Ligna lassen auf Kampnagel Hamburg die Zuschauer historische Verhaltensweisen reenacten

Wer mögen die Spitzel sein?

von Falk Schreiber

Hamburg, 11. Dezember 2014. Natürlich kann man sich Lignas "Die große Verweigerung" verweigern. Man hat nur nichts davon, man sitzt dann im Zuschauerraum des Hamburger Kulturzentrums Kampnagel, starrt auf eine Bühne und sieht deren Bespielung, Darsteller, die den Raum durchmessen – aber man versteht nicht, was sie da tun. Auf der Bühne derweil sind die Zuschauer, die sich nicht verweigert haben, die sich mittels Headset durch den Raum leiten lassen. "Die große Verweigerung" ist zumindest in der ersten Hälfte das, was man von Ligna kennt: eine Publikumschoreographie mit politischem Überbau.

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Das Wintermärchen – im Mülheimer Theater an der Ruhr stößt Roberto Ciulli allzu viele Türen zu Shakespeares Spätwerk auf

Die Tatze des Mafioso

von Martin Krumbholz

Mülheim an der Ruhr, 11. Dezember 2014. Ein Wintermärchen sei eine alte Geschichte, die am Kaminfeuer erzählt wird, während schneidende Winde ums Haus pfeifen, erklärt uns der große Shakespeare-Deuter Harold Bloom und will damit sagen, dass der Erfinder einer solch schaurigen Schnurre alle Freiheiten hat: also beispielsweise auch die, eine Statue sprechen und umgekehrt eine schöne Frau mitten in ihrer Rede zur Mumie erstarren zu lassen. Genau so hat Roberto Ciulli das originelle Spätwerk auch angefasst: als eigentümlich melancholisches Geisterstück.

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Der Idiot – Frank Abt zähmt in Bremen eine starke Dostojewski-Figur

Das Männlein ohne Eigenschaften

von Tim Schomacker

Bremen, 11. Dezember 2014. Wo die Bühne leer ist, sind nicht selten die Herzen voll. Voller Liebe und Hass und Sehnsucht und Gier. Als Kammerspiel im Fast-Nichts inszeniert Frank Abt seinen Dostojewski. Dunkle Podeste. Zunächst mittig, später weiter hinten, abgeteilt durch einen flirrenden Lametta-Vorhang. Links steht ein Klavier, daneben ein Plattenspieler. Eine Reihe von Stühlen steht erst hinterm Vorhang in Reihe, in der zweiten Hälfte dann locker gruppiert um die Podeste herum. Die Requisiten wirken winzig: der Dolch, mit dem Nastassja Filippowna später vielleicht ermordet wird oder die Kreuzketten, die Myschkin und Rogoschin austauschen. Viel Platz also für große Gefühle. Und wenig Ablenkung.

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Weihnachten an der Front – Klaus Hemmerle inszeniert Jérôme Savarys Realmärchen-Revue an der Esslinger Landesbühne

Heidschi Bumbeidschi – nix bum

von Verena Großkreutz

Esslingen, 11. Dezember 2014. 160 000 Engländer, 300 000 Franzosen, 300 000 Deutsche waren bereits von Granaten zerfetzt, von Gewehrfeuern durchsiebt oder beim Bajonettangriff aufgespießt worden. An Heiligabend 1914 aber war an der Westfront plötzlich alles ganz anders. Jetzt verbrüderten sich für wenige Stunden viele der verfeindeten deutschen, britischen und französischen Soldaten, nahmen sich die Freiheit zum Waffenstillstand. Sangen gemeinsam Weihnachtslieder, kickten zwischen den Schützengräben, klappten die Mini-Weihnachtsbäume aus und teilten Schnaps, Zigaretten, Kuchen. Dann ging's zurück in die Schützengräben, und sie schossen wieder aufeinander. Auf obersten Befehl. Bis heute jedoch haben diese kleinen Leuchtfeuer des Friedens Symbolkraft.

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