Sonntag, 01. Februar 2015

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Maria Stuart – An den Münchner Kammerspielen schnürt Andreas Kriegenburg Schillers Monarchinnendrama ins Deklamationskorsett

Der Sound der Kerkereinsamkeit

von Cornelia Fiedler

München, 31. Januar 2015. Das sieht schwer nach Hospitalismus aus: die Schritte schleppend, die Gesten seltsam eng, immer wieder fahren die Hände wie suchend über den kurzgeschorenen Kopf. Wenn Brigitte Hobmeier die ersten Sätze ihrer Maria Stuart spricht, monoton und leicht gehetzt, ist es Sprache gewordene Kerkereinsamkeit, was da auf der schummrigen Bühne der Kammerspiele erklingt. Logisch, denkt man, nach 19 Jahren Haft ist das wenig verwunderlich.

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Viel Lärm um nichts – Das Bochumer Ensemble verlegt Shakespeare auf die Krankenstation

Vor dem Sanatorium Europa

von Sascha Westphal

Bochum, 31. Januar 2015. Wenn ihm schon nicht das letzte Wort gehört, so doch wenigstens das erste. Don John, dieser Intrigant aus Leidenschaft, der nur glücklich sein kann, wenn alle anderen unglücklich sind, ist erzürnt. Er will beim Spielen seine Ruhe haben und nicht von irgendwelchen Dahergelaufenen (oder in diesem Fall eher Dahergeschwommenen) beobachtet werden. Schließlich habe er 10.000 Euro für seinen Aufenthalt bezahlt.

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Frühstück bei Tiffany – Christoph Rüping verpasst in Zürich Truman Capote und verirrt sich auf Herrenpartys

Männer kommen, Männer gehen

von Christoph Fellmann

Zürich, 31. Januar 2015. Es lässt sich also ein New York beschreiben, in dem man vor Langeweile stirbt. So begibt es sich jedenfalls in diesem "Frühstück bei Tiffany", an diesem Abend im Schauspielhaus in Zürich. Das Nachtleben ist hier so glamourös ist wie eine Einzelfahrt im Autoscooter, der heiratsfähige Mann so charmant wie eine ungebügelte Trainingshose, und die Musik so frei von Swing, als befinde man sich in einem ökumenischen Jazzgottesdienst der 70er-Jahre. Und nicht in einer der verwegensten Erzählungen aus dem alten New York, in der Holly Golightly als frühes It-Girl die Stadt verrückt macht.

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Der schwarze Obelisk – Marco Štorman schreddert in Osnabrück Erich Maria Remarques Roman

Im Trümmerfeld

von Michael Laages

Osnabrück, 31. Januar 2015. Der Dichter schaut auf seine Stadt. Tag für Tag und vieldutzendfach – quasi an jeder bedeutenderen Straßenecke in Osnabrück erinnert derzeit das Profil des Schriftstellers Erich Maria Remarque an die bedeutendste literarische Stimme, die von hier aus die Welt eroberte; und wie im Jahr des Gedenkens an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren zahlreiche Bühnen Remarques berühmten Roman "Im Westen nichts Neues" neu erarbeiteten, so verschrieb sich die Heimatstadt des Autors einem "Stadtprojekt Remarque". In unterschiedlichsten Variationen wird darin vor allem vom Theater seit Beginn der Spielzeit versucht, das Werk des Dichters neu zu erkunden – so mit einem Tanzabend auf der Basis von Remarques berühmten Liebesbriefen an Marlene Dietrich und jetzt mit der Bühnenfassung von Remarques 1956 erschienenem Roman "Der schwarze Obelisk".

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Dämonen – Sebastian Hartmann wagt sich in Frankfurt doch an Dostojewski

Schwarz auf schwarz

von Wolfgang Behrens

Frankfurt am Main, 30. Januar 2015. Vor einigen Jahren bekannte Sebastian Hartmann im Interview mit dem Berliner Stadtmagazin zitty, "seit zehn Jahren einen riesigen Bogen um Dostojewski" zu machen, und zwar "wegen diesem ganzen Quatsch mit dem Epigonentum. Macht ja keinen Spaß, wenn man immer in Bezug zu Castorf gesetzt wird." Nun allerdings, da Hartmann am Schauspiel Frankfurt anheuerte, um als zweiten Teil der dort entstehenden Dostojewski-Trilogie die "Dämonen" zu inszenieren, hat er den ewigen Unkerichen, die in ihm immer wieder blöde den Castorf-Epigonen zu sehen vermeinen, doch noch Tür und Tor geöffnet – schließlich war die "Dämonen"-Produktion aus dem Jahre 1999 eine epochale Tat, eine der Selbsthäutungen Castorfs, mit denen er sich damals, als erste Abgesänge auf den immerwährenden Volksbühnen-Intendanten angestimmt wurden, noch einmal neu erfand.

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Wallenstein – Hasko Weber bringt Schillers Trilogie am Ort ihrer Uraufführung in Weimar auf die Bühne

Krieg hat eben immer Saison

von Frauke Adrians

Weimar, 30. Januar 2015. "Ich denke einen langen Schlaf zu tun", spricht Wallenstein. Da haben die Zuschauer den langen Premierenabend im Deutschen Nationaltheater fast schon hinter sich. Doch Gründe zum Einschlafen gab es für sie in den gut viereinhalb Stunden eigentlich nicht. Denn mit seiner Inszenierung der gekürzten "Wallenstein"-Trilogie hat Weimars Intendant Hasko Weber einen soliden Theaterabend abgeliefert.

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Hamlet – Alexander Nerlich schickt Shakespeares Dänenprinzen in Potsdam durch Seelenkraterlandschaften

Narziss im Spiegelwald

von Christian Rakow

Potsdam, 30. Januar 2015. Im Sounddesign, ja da liegt's. Diese eisig rieselnden Einsamkeitsnoten, die sich in endlosem Elektro-Hall verlieren, diese fragmentierten Akkordfolgen – sie haben ihr Geheimnis. In minimalistischer Schönheit entrückt Klangkünstler Malte Preuß die Szenen, reißt ganze Weltenahnung auf, so zwischen Ton und Ton.

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Richard III – Wann ist das Morden nicht mehr cool, fragt Krzysztof Minkowski in Konstanz

Wenn der Kotzbrocken tanzt

von Valeria Heintges

Konstanz, 30. Januar 2015. "Der Marsch der Kriege weicht dem Tanzschritt", prophezeit Richard, Herzog von Gloucester. Und dann beginnt er seinen Tanz der Gewalt. Es ist kein Friedenstanz, das merkt man sofort, so wie Ralf Beckords Richard da auf der Bühne des Konstanzer Stadttheaters steht, wie er jedes Wort genau setzt, sich seiner eigenen Fähigkeit zur Lüge und zur Täuschung voll bewusst. Das Wort "Friedenstrallalla" in der kalten, genauen Übersetzung von Thomas Brasch spuckt er aus wie etwas Faules, Ekelhaftes, Ansteckendes.

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Leben des Galilei – Zur Eröffnung des Augsburger Brechtfestivals inszeniert Julia von Sell das Stück mit Thomas Thieme in allen Rollen

"Ich bin alle"

von Willibald Spatz

Augsburg, 30. Januar 2015. Beinahe glücklich wirkten die Redner während ihrer Eröffnungs-Ansprachen darüber, dass das Thema "Exil" gerade in aller Munde ist. Man muss ein Festival lange im Voraus planen und das Motto festlegen, und jetzt will es der Zufall, dass das öffentliche Geschehen sich so passend entwickelt. Tatsächlich gibt es in den kommendem Tagen Veranstaltungen dort, wo es angebrachter erscheint, über Flucht und Vertreibung zu reden, als an den üblichen Orten der Hochkultur. Darunter sind zum Beispiel Lesungen in Heimen, in denen Augsburger Asylsuchende untergebracht sind. Mal sehen, ob das Publikum dieser Schritt hinaus in die Realität stärker berührt als eine herkömmliche Aufführung am gewohnten Platz.

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Der Boxer – Im Theater in der Josefstadt inszeniert Stephanie Mohr die Uraufführung von Felix Mitterers Stück über Johann Trollmann

Schwere Gegner

von Kai Krösche

Wien, 29. Januar 2015. Dieser junge, ungestüme Mann, er kann nicht anders als dem neugewählten Regime ein Dorn im Auge sein: Johann "Rukeli" Trollmann, der aufmüpfige, lebensfrohe und wendige Boxer mit seinem flinken Kampfstil verkörpert all das, was die Nationalsozialisten in ihrem verkrampften Strammheitswahn verabscheuen – da kommt es nur gelegen, dass dieser junge Mann zur Volksgruppe der Sinti gehört, die nach und nach in einem schleichenden Prozess von den Nazis entrechtet, verfolgt und schließlich ermordet werden. Erst will man ihm nicht den Titel verleihen, schließlich versucht man, ihn durch die Auflage eines ihm nicht eigenen Kampfstils zu bändigen – schon bald folgen Zwangssterilisation, KZ-Internierung und schließlich, kurz vor der Befreiung durch die Alliierten, der Tod im Lager.

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Von den Beinen zu kurz – Katka Schroth führt Katja Brunners Missbrauchsstück in Würzburg in ein Stimmgewitter

Zu klein zum Weglaufen

von Elisabeth Michelbach

Würzburg, 29. Januar 2015. Drei Puppenkörper empfangen den Zuschauer an diesem Donnerstagabend in den Kammerspielen des Mainfrankentheaters Würzburg. In dem mit Neonröhren brutal ausgeleuchteten Bühnenraum sehen sie aus wie die nackten Schaufensterpuppen, die gerade überall den Winterschlussverkauf bezeugen. Als sie dann aber zu sprechen beginnen, erinnern sie in den hautfarbenen Rollkragenpullovern und Feinstrumpfhosen eher an die androgynen Stoffkörper unbekleideter Spielzeugpuppen.

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Wir sind keine Barbaren! – Ronny Jakubaschk zeigt Philipp Löhles Xenophobie-Farce am Neuen Theater Halle

Gute Menschen, schlechte Menschen

von Ute Grundmann

Halle/Saale, 29. Januar 2015. Keine brüllenden Wutbürger, sondern scharf artikulierende Schauspieler. Keine Straße mit Demonstrationszügen und ausländerfeindlichen Plakaten, sondern ein ödes, bürgerliches Wohnzimmer. Obwohl in Philipp Löhles Stück die Parallelen zu den derzeitigen "Pegida"-Kampagnen und Demonstrationen auf der Hand liegen, hat Ronny Jakubaschk "Wir sind keine Barbaren!" genau ohne diese Parallelen inszeniert: als rasante Spirale von Vorurteilen zwar, aber ohne das allzu Offensichtliche zu zeigen. Und das bekommt der 90 Minuten kurzen Aufführung gut.

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Die Sirenen des Titan – Brigitte Helbling und Niklaus Helbling reanimieren Kurt Vonnegut am Staatstheater Mainz

Nichts ergibt Sinn, schon gar nicht das Leben

von Grete Götze

Mainz, 29. Januar 2015. Kurt Vonnegut, so wagt die Kritikerin in steiler These zu behaupten, kennt heute kein Mensch mehr. Zumindest keiner unter 30. Aber für die, die heute so um die 50 sind, war der amerikanische Autor eine echte Hausnummer. Sein bekanntester Roman, "Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug", in den seine Erfahrungen als amerikanischer Kriegsgefangener während der Luftangriffe auf Dresden einflossen, wurde zum Kultbuch der Vietnamkriegsgegner. Doch Herr Vonnegut ließ sich nicht vereinnahmen. Er schrieb Satirisches, Phantastisches, Eigensinniges, immer vor dem prägenden Hintergrund von Kriegserfahrung.

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Was zu sagen wäre warum – In Stralsund inszeniert André Rößler die zweite Uraufführung des Stücks von Oliver Kluck

Wie es dem Autor gefällt

von Juliane Voigt

Stralsund, 29. Januar 2015. Es war die "Uraufführung der Autorenfassung", die im Gustav-Adolph-Saal, der kleinen Bühne des Theaters Vorpommern in Stralsund, Premiere hatte. Der Autor Oliver Kluck ließ sich beim Schlussapplaus von den Schauspielern auf die Bühne holen, diesmal gab er also seinen Segen. Die erste Uraufführung des Stücks war im Mai 2013 als "Frankfurter Fassung" ohne den Autor über die Bühne gegangen, nachdem Kluck den Text in der Strichfassung nicht mehr als seinen wiedererkannt und sich von der Inszenierung zurückgezogen hatte.

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Together – In der Kaserne Basel steckt Marcel Schwald spielerisch ein Laborfeld der Gesellschaftsforschung ab

Wenn der Pesttod klopft

von Claude Bühler

Basel, 28. Januar 2015. Wir leben in Zeiten, wo der Ellbogen als wesentliches Überlebensorgan ebenso normal erscheint wie die Ausgrenzung Anderer zur Verbesserung der eigenen Chancen. Wer da mit dem programmartigen Titel "Together" (Zusammen) ankommt, dürfte schnell als Gutmensch gelten. Oder als doktrinär. Zumal wenn er sich dabei auf den Bestseller Together: The Rituals, Pleasures and Politics of Cooperation des US-Soziologen Richard Sennett bezieht, in dem dieser für "verlässliche und ritualisierte Formen des Miteinanders" plädiert. Werden uns da neue Rezepte eingepaukt? Ist das nicht alles ziemlich naiv? Wer soll denn mit dem besagten Miteinander beginnen?

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Eine (mikro)ökonomische Weltgeschichte, getanzt – Pascal Rambert erarbeitet sein Laienchortanzprojekt am Hamburger Thalia Theater

Unsere Lieblingsdinge

von Katrin Ullmann

Hamburg, 26. Januar 2015. Am Ende von Pascal Ramberts "Eine (mikro)ökonomische Weltgeschichte, getanzt" greift Johanna Link zur Gitarre und singt: "Knockin' on Heavens Door". Ein Chor mit 50 Laiendarstellern stimmt mit ein. Es ist ein Gänsehautmoment. Nicht etwa, weil er berührt, sondern weil sich die ganze körpereigene Wahrnehmung sträubt gegen diese geballte Plumpheit, gegen diese schlimme Rührseligkeit, gegen dieses schlechte Pathos.

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Das Käthchen von Heilbronn – David Bösch taucht Kleists großes Ritterschauspiel am Wiener Burgtheater ins Dunkel des Gefühls

Heiliger Ernst, ein Kinderspiel

von Theresa Luise Gindlstrasser

Wien, 24. Januar 2015. Diese Welt ist schwarz und weiß. Auch grau, aber mehr schwarz und mehr weiß. Und alles, was glänzt, und alles, was Farbe hat, das gehört zur Welt der Kunigunde. Zur Welt der Lüge, des Truges, des Scheines also. Der gegenüber steht das Käthchen von Heilbronn. Die Tochter vom Schmied Theobald Friedeborn erblickt Friedrich Wetter Graf vom Strahl, und wie ein Blitz durchzuckt sie eine Gewissheit, der sie nicht eigentlich Ausdruck verleihen kann. Etwas bestimmt sie von da an wie eine Naturgewalt. Eben: Wetter, Blitz, und später Feuer.

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Life of N in a Nutshell – machina eX entwerfen als Artists in Residence am Schauspiel Leipzig ein interaktives Erinnerungspuzzle

Glücklich scheitern mit Bob Dylan

von Tobias Prüwer

Leipzig, 25. Januar 2015. "Es ist ein Würfel, also würfle!" So wird unter Anweisung eines Nachtkritikers ein Requisit zerstört, denn gesagt, getan – und der Holzwürfel zerbricht. Zur Premiere tobt sich die denkbar rabiateste Rollenspielgruppe aus, mit der die machina eX-Macher rechnen konnten. Doch ihr analoges Point-and-Click-Abenteuer übersteht den Härtetest und bietet unterhaltsames Mitmachtheater.

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Sammy und die Nacht – Annette Pullen bringt Azar Mortazavi in Osnabrück zur Uraufführung

Beleidigung des Glücks

von Jens Fischer

Osnabrück, 24. Januar 2015. Wir befinden uns in den 1970er Jahren. Also flankieren ganz fiesfarbig bekringelte Tapetenmuster den Ort, die Bodenwelle, das Bühnenbild. Kindlich Verspielte und übermütig ineinander Verknallte animiert das zum ganz realen Herunterrutschen – was natürlich auch symbolisch gemeint ist. Denn hinab geht's, eine Beleidigung des Glücks. Wir sollen einer Liebe beim Scheitern zusehen und den Grund dafür in den Traumata eines Flüchtlings erkennen. Nur müsste sie dafür erstmal himmelhoch jauchzen, die Liebe, um dann in einer Lebenssenke losheulen zu können.

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Der Volkshai – Die in Bonn uraufgeführte Korruptionsklamotte des Autorenduos Nolte Decar surft an Ibsen, "Pretty Woman" und Spielbergs "Weißem Hai" entlang

Etwas ist faul im Ferienparadies

von Dorothea Marcus

Bonn, 24. Januar 2015. In Rimini geht der Bürgermeister sogar zu Beerdigungen in quietschbuntem Bademantel. Ein junger Mann ist ums Leben gekommen, vielleicht durch eine Schiffsschraube – sauber hat sie Arme, Beine und fast sogar den Kopf abgetrennt. Seine Trauer kann Bürgermeister-Darsteller Sören Wunderlich gut unter Kajalstrich und blondiertem Schopf verbergen. Jovial und mit großer Geste spricht er zunächst von Rache, dann von einem bedauerlichen Unfall – und dankt danach erstmal seinen Wählern. Um schließlich über den Toten herzuziehen, der das "Gen der Einwanderer trug: Verbrechen und Chaos". Sören Wunderlich, erst eine Woche vor der Premiere für den erkrankten Bernd Braun eingesprungen, schwenkt erfrischend souverän zwischen fürsorglichem Stadtvater, schmierigem Wahlkämpfer und betroffenem Trauergast. Entrüstet gucken sich die drei Trauergäste an, bevor sie sich dann doch mit ihm auf dem schwarzen Holzsarg lümmeln: Giulia, die liebreizende Bademeisterin, ihr Freund Dino mit blondem Rauschebart und noch so ein halbseidener Journalist.

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