Dienstag, 03. März 2015

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Wolken.Heim. – Am Schauspiel Essen suchen Bernd Freytag und Mark Polscher in Elfriede Jelineks Stück nach den Wurzeln von Pegida

Wir-o-wir, wir waschen unsere Hände in Bier

von Friederike Felbeck

Essen, 1. März 2015. Das einzige Missverständnis der Aufführung ist ihr Anstrich. Oder wie konnte es dazu kommen, dass Lodenmantel, Gamsbart und giftgrünes Hemd zum Äquivalent für Nationalismus, Fremdenhass und Faschismus wurden? So tritt auch an diesem Abend in der Casa vom Schauspiel Essen ein zwölfstimmiger Chor aus sechs Frauen und sechs Männern mit brennenden hohen Altarkerzen in den Händen und in Trachtenlook aus den zwölf Türen eines Arkadengangs, intoniert Elfriede Jelineks idealistischen Schlachtruf "Wir-o-wir" und schaut dabei aus, als handele es sich um einen skurrilen Verein von Gartenzwergen.

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Das Reich der Tiere – Roland Schimmelpfennig inszeniert sein Stück am Wiener Akademietheater und der Kritiker schreibt ihm einen wütenden Brief

Lieber Roland Schimmelpfennig, ...

von Kai Krösche

Wien, 28. Februar 2015.Ich bin heute aus dem Theater gekommen und war wütend. Ich habe die österreichische Erstaufführung Ihres Stücks "Das Reich der Tiere" am Akademietheater gesehen, unter Ihrer Regie. Das Stück handelt von einer Gruppe von Schauspielerinnen und Schauspielern an einem Theater, das seit sechs Jahren allabendlich eine Tierfabel mit demselben Titel wie Ihr Stück gibt – die Schauspieler treten als Löwe, Zebra, Antilope, Ginsterkatze und Marabu auf, es geht darum, den neuen König des Tierreichs zu finden: Ist es der listige, aggressive Löwe oder das sanftmütige Zebra, bedarf es überhaupt eines Königs, nachdem sich klar gezeigt hat, dass die Solidarität unter den Tieren (das Zebra rettet den Löwen, der Löwe wiederum das Zebra) einen König überflüssig macht?

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Ab jetzt – Am Hamburger Schauspielhaus bleibt Karin Beier mit Alan Ayckbourns selten gespieltem Stück dem Spielzeitmotto treu

Glaskugelei im Smarthouse

von Falk Schreiber

Hamburg, 28. Februar 2015. "Eine Komödie als Endspiel" sei Alan Ayckbourns "Henceforward", schrieb Matthias Matussek 1989 im Spiegel, anlässlich der deutschsprachigen Erstaufführung der Science-Fiction-Boulevardkomödie unter dem Titel "Ab jetzt". Passt ja: Endspiele sind das übergreifende Spielzeitthema am Hamburger Schauspielhaus, man blickt in die Zukunft unserer Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft. Es gab diese Saison schon ein melancholisches Endspiel mit Tschechow, ein bitteres mit Beckett, ein kapitalismuskritisches mit Ibsen. Mit Ayckbourns selten gespieltem Stück bringt die Schauspielhaus-Intendantin jedenfallls keinen übertriebenen Optimismus in die Glaskugelei – eher Galgenhumor.

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Der Idiot – Am Stuttgarter Staatstheater zieht Martin Laberenz Dostojewski in die Länge

Wunder sind nicht zu erwarten

von Verena Großkreutz

Stuttgart, 1. März 2015. Sie quarzen, was das Zeug hält. Vor allem der todkranke Ippolit raucht eine nach der anderen. Das ganze Theater ist zudem eine einzige mit Kunstnebel befeuerte Dunstwolke, und später kommt noch ein qualmendes Öfchen dazu. Dostojewski selbst soll beim Schreiben ja auch eine Zigarette nach der anderen geschmaucht haben. Die verbliebenen elf Protagonisten von Dostojewskis Roman "Der Idiot" in der Stuttgarter Inszenierung und Bühnenbearbeitung von Martin Laberenz umweht also so etwas wie der Urnebel ihrer Schöpfung.

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Report – Michael Talke bringt Ulrike Syhas Stück in der Diskothek des Schauspielhauses Leipzig zur Uraufführung

Ausgrabungen im oberen Stockwerk

von Hartmut Krug

Leipzig, 1. März 2015. Es ist ein merkwürdiger Text, den Ulrike Syha als Auftragsarbeit für das Schauspiel Leipzig vorgelegt hat: Thematisch weit ausgreifend, aber oft nur andeutend oder behauptend in seinen kleinpusselig bedeutungsvollen Szenen. Und, wohl bewusst, recht vage in den Figurenbeschreibungen. Es ist eine Art Krimi und zugleich ein Beziehungsstück, das versucht, Surrealität herzustellen.

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Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny – Johanna Schall schöpft am Volkstheater Rostock noch mal aus dem Vollen eines Vier-Spartenhauses

Drohender Hurrikan

von Frank Schlößer

Rostock, 28. Februar 2014. Kein Regisseur muss künstliche Bezüge zur Realität aufbauen, wenn er die Brecht-Weill-Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" an einem Stadttheater inszeniert – schon gar nicht in Rostock: Diese Oper über eine Stadt, wo jedem die Todestrafe droht, der kein Geld hat. Der Beschluss des Stadtparlamentes, den jahrzehntelangen schleichenden Personalabbau am Volkstheater nun auch durch strukturelle Kürzungen des Tanztheaters und der Opernsparte zu beschleunigen, war zur gestrigen Premiere gerade drei Tage alt. Das Publikum teilt den Trotz, mit dem sich Intendant Sewan Latchinian nach dem ersten Schock des Beschlusses der Rostocker Bürgerschaft für's Weiterkämpfen ausspricht.

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Hexenjagd – In Bochum kann Daniela Löffner das aus der Zeit gefallene Stück nicht rehabilitieren

Terror der Ungenauigkeit

von Martin Krumbholz

Bochum, 28. Februar 2015. Ein Gericht also. In einer Art Frontaloffensive geht die Regisseurin Daniela Löffner Arthur Millers "Hexenjagd" von 1953 an, schon beim Betreten des Zuschauerraums erblickt man eine rampenbreite moderne Gerichtsanlage mit Mikrofonen, Laptops und allem Pipapo, in der ein rundes Dutzend Richter, Angeklagte und Zeugen Platz nehmen werden, um herauszufinden, ob 1692 an der amerikanischen Ostküste der Teufel umgeht. Schließlich hat Miller ja mit seinem Erfolgsstück nicht zuletzt dem Amerika seiner Zeit den Prozess gemacht, einem Land, das unter dem berüchtigten Senator McCarthy eine Unzahl von Bürgern – und vor allem Intellektuelle – in den Fängen des Kommunismus moralisch vor die Hunde gehen sah.

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Hamlet – In Oberhausen richtet Pedro Martins Beja Shakespeares Prinzendrama an

Auf der Schädelstätte

von Andreas Wilink 

Oberhausen, 27. Februar 2015. In Elias Canettis brandgefährlichem Roman "Die Blendung" heißen die drei Teile: "Ein Kopf ohne Welt" – "Kopflose Welt" – "Welt im Kopf". Auf der von Volker Hintermeier gestalteten Bühne des Theaters Oberhausen dreht sich fortwährend das Gestell eines riesigen Globus', aus dessen zweiter Halbseite ein ebenso gewaltiger Totenkopf modelliert ist. Ein Schwert mit Kreuzgriff steckt darin. Yoricks Schädel, gewiss, aber auch das Bild für Hamlets Welt im Kopf und für die kopflose Welt um ihn her, die – hier nach der Pause zunehmend verrückt – aus den Fugen gerät ("The time is out of joint..." steht in gotischen Lettern am unteren Rand der Rampe), sich in ihrer gefassten Form auflöst, Klarheit und Sinn einbüßt. Der Text taugt nur noch als Material für psychodynamische Schübe. "Hamlet" – eine Zersetzung.

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Was ihr wollt – Stefan Pucher amüsiert sich mit Shakespeare am Deutschen Theater Berlin wie Bolle

Säugetiere in der Unterwasserwelt

von Christian Rakow

Berlin, 27. Februar 2015. Im Spätsommer ihres Schaffens wird die unvergleichliche Schauspielerin Margit Bendokat noch zum echten Musicalstar. Immer leicht widerstrebend, immer nah am Sprechgesang, eckig, kratzig – so erlebte man sie schon letzte Saison als eine Art sinistere Lady Gaga im Besuch der alten Dame. Jetzt legt sie in "Was ihr wollt" als formstrenger Narr ihr reibungsreiches Organ über die Indie-Akkorde, die Masha Qrella (E-Gitarre) und Michael Mühlhaus (Keyboarder, u.a. bei Blumfeld und Kante) in den Raum verströmen: "Herbei, herbei, dich ruf ich, Tod, lass mich in die Kiste schauen. / Hinfort, hinfort, in Atemnot, ein Mädchen hat mich umgehauen."

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Der extravagante Liebhaber – Stefan Otteni zeigt in Münster Pierre Corneilles Bindungsstörungskomödie

Die amourösen Grundrechenarten

von Tim Schomacker

Münster, 27. Februar 2015. Es ist erstaunlich wenig von Ständischem die Rede oder von Standesgemäßem in diesen neunzig Minuten. Kaum einmal kommt die Familie ins Spiel oder das Geld, wenn es um die Partnerwahl (oder auch -abwahl) geht. Für einen Text von 1634 sind die Figuren überraschend bei sich in Liebesdingen. Beziehungsweise Unliebesdingen: So greint und jault Lilly Groppers Angelique krabbelnd über den Boden – "er war mein ganzes Leben!" – um dann in überspanntem Lachen sich selbst zu richten für den Moment: "Ist das peinlich!" Und spätestens ab hier weiß man nicht mehr, was Angelique schwerer wiegt: der Herzschmerz – oder das Bild, dass sie unter Herzschmerz abgibt.

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Haben – Róbert Alföldi inszeniert Julius Hays Dorfpanorama am Wiener Volkstheater

Gift in der Marienstatue

von Martin Thomas Pesl

Wien, 27. Februar 2015. Das Dorf selbst ist hier die Hauptfigur, sagt der Regisseur. Hier inmitten von Kukuruzstengeln und selbst gebranntem Schnaps, wo umgehend die Kirchenglocken läuten, sobald jemand nur laut genug ruft, dass jemand anderer gestorben ist. Und es ist schon wieder einer gestorben. Wieder ein Mann, wieder ein Reicher und wieder ein "Beweibter", das fällt langsam auf.

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Unser Dorf soll schöner werden – An den Münchner Kammerspielen zelebrieren Wunderbaum den Moment vor der Sintflut

Gemeinsam sind wir schwach

von Michael Stadler

München, 26. Februar 2015. Wenn schon die Welt vor dem Untergang steht, sollte man die Chance zum geselligen Beisammensein im Vorfeld der Apokalypse wenigstens noch nutzen, um ausgiebig zu dinieren, ja, ein saftiges Stück Rindfleisch zu essen, und sich gegen jede Wahrscheinlichkeit über die Zukunft zu unterhalten. Viel zu sagen hatten sie jedenfalls, die Zukunftsexperten, die in einem Joint Venture des niederländisch-flämischen Kollektivs Wunderbaum und der Münchner Kammerspiele zum Schwof eingeladen wurden. Wunderbaum hat ein ähnliches Gespräch und einen ähnlichen Abend schon in Rotterdam veranstaltet. Hier in München trafen sich die Futuristen am Abend des 30. Januar 2015 im Glasspitz der Kammerspiele, wie man dank Übertiteln auf einem hoch hängenden Holzbalken erfährt.

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Aleksandra Zec – Zur Eröffnung des ersten Festivals "Offene Welt" in Ludwigshafen rührt Oliver Frljic an alte Wunden

Vier Hasen am Grabe

von Ralf-Carl Langhals

Ludwigshafen am Rhein, 26. Februar 2015. Den Namen hat man schon mal gehört. Irgendwann, irgendwo. Aleksandra Zec – da war doch mal was. Namen sind Schall und Rauch, sagt der deutsche Volksmund und hat wie immer nur sehr bedingt Recht: Die serbische Schülerin Alksandra Zec hat während des kroatischen Unabhängigkeitskrieges miterlebt, wie ihr Vater 1991 von einer fünfköpfigen Miliz in Zagreb vor der eigenen Haustür erschossen wurde. Sie und ihre Mutter wurden daraufhin in die Berge verschleppt und als Zeuginnen ebenfalls erschossen, nur ein Bruder und eine Schwester, die sich versteckt hatten, überlebten.

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Adolf Südknecht. The Improvised Alternate History Show – Die Leipziger Impro Doku-Show wirft sich in die deutsche Geschichte

Volkstheater am Kneipentresen

von Tobias Prüwer

Leipzig, 24. Februar 2015. "Kein Wunder, dass sie nicht wehrtauglich sind": Freundlicher ist man als Kritiker auch schon begrüßt worden. Muss wohl der Hakenkreuzbeflaggung geschuldet sein. Kaum hat man den Veranstaltungssaal des 'Horns Erben' in Leipzig betreten, schon ist man mittendrin in "Adolf Südknecht", einem theatralen Impro-Doku-Mix. Es trägt den sperrigen Beinamen "The Improvised Alternate-History-Show", hat sich als eigenes und eigenartiges Veranstaltungskonzept fest etabliert. Das improvisierte Theater in Serie führt seit 2012 in Verbindung mit der Stadtgeschichte zum fesselnden Format, bei dem jeder Abend anders ist.

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Das unmöglich mögliche Haus – Im Theater an der Parkaue inszenieren Forced Entertainment die deutschsprachige Erstaufführung ihres ersten Kinderstücks

Im Loch der Geschichte

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 22. Februar 2015. Sind wir im Kasperletheater? "Liebe Kinder!" sind die ersten Worte von Johannes Hendrik Langer. Ein roter Samtvorhang ist auch da. Zwei rote Samtvorhänge! Auf geht allerdings nur einer von ihnen, und zwar der, den Langer kraft seiner Phantasie und eines Beamers vom Theater auf eine Pappscheibe zaubert. Langer steht an einem Tisch, vor sich diese Pappscheibe und Pappboxen, die er als Projektionsflächen anordnet für die gezeichneten Abbilder der Wesen, die er erzählend beschwört. Außerdem ist da seine Kollegin Caroline Erdmann. Er führt sie als Assistentin ein, die für die Erzeugung "möglichst seltsamer Geräusche" zuständig sei. Auf dem kleineren Tisch, an dem sie an der Seite sitzt, stehen ihr dafür ein Keyboard, Gläser, Papierblätter und weitere Instrumente zur Verfügung.

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Jagdszenen aus Niederbayern – Martin Kušej formt an den Münchner Kammerspielen aus dem kritischen Volksstück einen schaurigen Totentanz

Geboren aus Blut und Hass

von Tim Slagman

München, 21. Februar 2015. Hier geht es sofort um Leben und Tod – nun, um ehrlich zu sein, vor allem um den Tod. Katja Bürkle hetzt an einer riesigen Wand entlang auf die Bühne, ein gleißender Lichtkegel erfasst sie, es knallt, sie stürzt. Abram ist tot.

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Das Käthchen von Heilbronn – Am Thalia Theater Hamburg ist die Kleist-Welt bei Bastian Kraft ein Zelt

Stoffschablonen für Großstadtneurotiker

von Katrin Ullmann

Hamburg, 21. Februar 2015. "Ein großes historisches Ritterschauspiel in fünf Akten" versprach Heinrich von Kleist im Untertitel seines 1810 uraufgeführten Stücks, ein massiver, effekt- und wendungsreicher (Sprach-)Brocken ist das "Käthchen von Heilbronn" für die Bühne. Naiver Liebeswahn, Traumdeutung oder Schicksal – was treibt die Hauptfigur an, diesem Graf Friedrich von Strahl so hemmungslos nachzulaufen und bei jedweder Gelegenheit in Ohnmacht zu fallen?

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Kaspar – Am Berliner Ensemble widmet sich Sebastian Sommer der sprach- und gesellschaftskritischen Partitur von Peter Handke

Sehnsucht nach der Ordnung der Welt

von Esther Slevogt

Berlin, 21. Februar 2015. Die Sache mit den Regeln und Gesetzen, die sich eine Gesellschaft gibt, kann ja durchaus etwas Sinn- und Gemeinschaftsstiftendes haben. In einer zunehmend von Wirtschaftsinteressen deregulierten Gesellschaft erst recht. Manche beginnen sogar, sich heute wieder nach den Regeln zu sehnen, die Peter Handke und seine Generation in den westdeutschen 1960er Jahren der Revolte als repressiv bekämpften.

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Hiob – Peter Wittenberg erzählt in Linz von der Entwurzelung eines längst wurzellos gewordenen Menschen

Vom Fremdsein in der eigenen Haut

von Reinhard Kriechbaum

Linz, 21. Februar 2015.Eine vornüber hängende Wand aus altem Karton. Das Haus der Singers im Schtetl hat die Anmutung einer Favela. Die paar Sessel stehen im Wasser. Zehn Zentimeter sind es vielleicht, aber in Wahrheit steht es der jüdischen Familie bis zum Hals.

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Die Orestie – Alexander May stellt in Trier mit Aischylos' Familientragödie unserer Gegenwart eine traurige Diagnose

Die Krise der Herrscher

von Rainer Nolden

Trier, 21. Februar 2015. Der Orchestergraben vor der Bühne ist zu einem schmalen Gang geschrumpft. Unentwegt schieben sich Menschen hindurch, in beide Richtungen und dennoch ziel- und orientierungslos. Ein Fluchttunnel für Kriegsgeschädigte oder Terroristen, ein Schützengraben für welche Armee auch immer? Oder nur die Senke vor dem Palast des Agamemnon, dessen Bewohner sich das lästige Volk vom Hals halten wollen? Denn das Haus, bevölkert von einer Familie zum Fürchten, hat bekanntermaßen einiges zu verbergen – Mord und Totschlag, blutige Fehden, Hass, der Hass gebiert, Rache, auf die Rache folgt. Ein Ende ist nicht abzusehen. Die "Orestie" des Aischylos in unseren Tagen – als wär's ein Stück von den Brandherden im Nahen und nicht ganz so nahen Osten, die Tag für Tag einen Gutteil der weltweiten Nachrichtenzeit für sich beanspruchen.

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