Donnerstag, 24. April 2014

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Theaterbrief aus Ungarn – Das Budapester Theaterfestival M.I.T.E.M. und seine Suchbewegungen in Richtung einer Neuformulierung der Nationaltheateridee

Theater gegen die Mcdonaldisierung der Welt

von Esther Slevogt

Budapest, April 2014. Putin-Witze machen die Russen am liebsten selber: Es sei natürlich nur eine Frage der Zeit, bis Wladimir Putin sich auch Alaska zurückholen werde, sagt ein junger Dramaturg vom St. Petersburger Bolschoi Drama Theater und grinst: "Putin's Ice-Krim" sozusagen. Die Halbinsel wäre schließlich 1867 vom dummen Zaren zu einem Schleuderpreis an die USA verhökert worden und natürlich von extremer strategischer Bedeutung. Er ist im Gefolge von Andrej Mogutschis St. Petersburger Lewis-Caroll-Abend "Alice" nach Budapest gekommen, eines der Highlights der ersten Ausgabe des neuen Theaterfestivals M.I.T.E.M. am Nationaltheater.

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Theaterbrief aus Großbritannien – Das vom "German theatre" inspirierte Experiment "Secret Theatre" des Lyric Hammersmith London

Avantgarde food for a starving audience

by Andrew Haydon

26 March 2014. In May 2012 Sebastian Nübling's collaborative production of Simon Stephens's Three Kingdoms landed in London. The effect felt like a massive explosion within British theatre. The mainstream, and broadsheet critics, either hated it ("You'd have to be debauched beyond redemption in order to conclude that you were actually enjoying the spectacle while it happened" – Michael Coveney, WhatsOnStage.com) or politely dismissed it ("It's an unsettling piece that pulses with menace and demented humour yet slips at times into self-indulgence." – Henry Hitchings, Evening Standard). The Guardian's Michael Billington tried to bury it ("The plot is made harder to follow by Nübling's grossly self-advertising production, in which everything is overstated and overheated... his production is always trying to tell us how idiosyncratically clever it is.").

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Theaterbrief Finnland – Wie sich die finnische Theaterlandschaft in Zeiten schrumpfender Etats behauptet

Strukturwandel im hohen Norden

von Friederike Felbeck

Finnland, 12. Februar 2014. Raija-Liisa Seilo räumt ihr Büro leer. Zu den Hinterlassenschaften ihrer siebenjährigen Amtszeit zählen etliche Präsente, die sie auf diverse Taschen verteilt aus dem kleinen vollgepackten Zimmer hinausmanövriert. 2008 kam Seilo ans Theater in Turku, zuvor leitete sie zwölf Jahre lang das Theaterfestival von Tampere, und in all dieser Zeit war es Seilo ein wichtiges Anliegen, die Türen nach Europa zu öffnen und die Theaterszene in Finnland aus der geografischen Randexistenz hin zu internationalen Kooperationen zu bewegen. Im Jahr 2011, Turku und Tallin waren zeitgleich Kulturhauptstadt Europas, überraschte das Turkuer Stadttheater mit Gastspielen von den Rändern Europas: Seilo lud Inszenierungen aus krisengeschüttelten Ländern wie Portugal, der Türkei und der Ukraine ein.

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Theaterbrief aus Iran – Bericht vom 32. Fadjr-Festival

Die Morgenröte hinter dem Smog

von Ralf-Carl Langhals

Teheran, 27. Januar 2014. "Das Kopftuch bleibt!" Für das Gastspiel des Nationaltheaters Mannheim in Teheran hat Nicole Heesters diesen eigentlich gestrichenen Lorca-Satz wieder aufgenommen. Sie spielt die Titelrolle in Calixto Bieitos Mannheimer Inszenierung "Bernarda Albas Haus". Nirgends passt er besser als hier, gilt er doch auch für die neun Schauspielerinnen und ihre Kolleginnen der NTM-Abteilungen, die mit zum Fadjr-Festival in den Iran gereist sind. Es ist das einzige deutsche Gastspiel dieses 32. Festival-Jahrgangs und seit Jahren auch wieder der erste Festivalbeitrag aus Deutschland.

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Theaterbrief aus Paris (10) – Die Pariser Theater zeigen Inszenierungen, die dem schimärischen Illusionsspiel huldigen

Das Blau der Gauloises

von Ute Nyssen

4. Februar 2014. Paris im Winter. Im Licht des fortlaufend milden Wetters ist die Stadt überwältigend in ihrer Schönheit. Der Himmel leuchtet in ganz unwirklichen Farben. Ist das echt oder unecht? Fragen, die von außen auch ins Theater wirken. "Ravel", im sympathischen Privattheater Artistic Athévains im 11. Arrondissement, passt zu dem irrealen Licht der Stadt. Vielleicht hat das Blau der Abenddämmerung, die Stunde zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit, die Regisseurin Anne-Marie Lazarini und den Ausstatter Francois Cabanat inspiriert, den gesamten Bühnenraum mit allen Lebensrequisiten des Komponisten Maurice Ravel blau anzustreichen. Konkret ist es das Blau einer Packung Gauloises, der Zigaretten, die Ravel bis zu seinem Tode 1937 exzessiv rauchte. Die Inszenierung von Jean Echenoz' gleichnamigem Roman, 2006 erschienen, umkreist die letzten zehn Lebensjahre des Musikers.

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Theaterbrief Polen (10) – Jan Klata, Intendant des Krakauer Stary Teatr, wird vom ultrakonservativen Lager unter Druck gesetzt

Brennender Regenbogen

von Anna R. Burzyńska

Krakau, 18. Dezember 2013. "In Polen haben Nationalisten einen Regenbogen verbrannt." Was wie ein Bild aus einem Ionesco-Stück klingt, beschreibt leider ein reales Ereignis von beträchtlichem Symbolwert. Am 11. November, dem polnischen Unabhängigkeitstag, randalierte in Warschau eine Schar vermummter Nationalisten. Sie attackierten ein links-alternatives Kulturzentrum, die russische Botschaft und den "Regenbogen" auf dem Plac Zbawiciela, eine als Symbol der Toleranz konzipierte Installation der Künstlerin Julita Wójcik. Damit gaben sie zu klar verstehen, wer in "ihrem" Polen nicht willkommen ist.

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