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archiv » Westfälisches Landestheater Castrop-Rauxel (3)
Westfälisches Landestheater Castrop-Rauxel

Keine Spur von Babylon

von Sascha Westphal

Castrop-Rauxel, 17. Oktober 2020. Es ist wie ein Rausch, der Gereon Rath erfasst. Er, der den deutschen Gruß ablehnt und ihn meist nicht einmal andeutet, kann gar nicht mehr aufhören, "Heil" zu brüllen. Den rechten Arm stramm nach oben gestreckt steht der von Maximilian von Ulardt gespielte Berliner Kriminaloberkommissar allein im Zentrum der Bühne und gibt sich der Inszenierung der Macht hin. Es hat ihn im September 1935 nach Nürnberg auf den Reichsparteitag der Nationalsozialisten verschlagen. Aus einem Lautsprecher dröhnte eben noch eine Rede Adolf Hitlers, und nun kann auch Rath nicht mehr an sich halten. Er fällt ein in die "Sieg Heil"-Rufe, bis er sich gänzlich verausgabt hat. Dann verstummt er, und es ist, als wache er aus einem finsteren Traum auf. Plötzlich beginnt er, wie verrückt zu würgen. Etwas muss wieder aus ihm raus und lässt sich doch nicht einfach so ausspeien.


Westfälisches Landestheater Castrop-Rauxel

Stationengehumpel

von Gerhard Preußer

Castrop-Rauxel, 8. Dezember 2018. Mit Wanderberichten ist es wie mit Kochshows: Wer nicht kocht, sieht Kochshows. Wer nicht wandert, liest Wanderbücher oder lauscht Wanderhörbüchern beim Autofahren oder noch besser: sieht Wanderfilme im Kino, am besten: sieht die Bühnenversion des Wanderfilms des Wanderbuchs von einem, der gewandert ist. Das Theater steht am Ende der Verwertungskette der Unterhaltungsindustrie. Und den letzten beißen die Hunde.


Westfälisches Landestheater Castrop-Rauxel

Pension zum vorübergehenden Weltuntergang

von Friederike Felbeck

Castrop-Rauxel, 6. Dezember 2014. Es ist wie in einem Setting von Agatha Christie. Draußen tobt ein Schneesturm, der Verkehr bricht zusammen, die Stromleitungen erzittern unter der Schneelast, die Handynetze kollabieren und im Radio fordert der Sprecher mit Weltuntergangsstimme die Menschen eindringlich auf, zuhause zu bleiben. Für (fast) zwei Tage und zwei Nächte finden sich zwei Handelsvertreter, eine promovierte Unternehmensberaterin und die Pensionswirtin "Guddi" alias Gudrun vom Schnee eingeschlossen in einer Absteige in der westfälischen Pampa wieder.


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