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archiv » Ernst Deutsch Theater Hamburg (5)
Ernst Deutsch Theater Hamburg

Neonröhren royal

von Katrin Ullmann

Hamburg, 18. Januar 2018. Der eine ist voller Tatendrang, der andere voller Heuchelei, der eine will Maria Stuart befreien, der andere will sie besitzen. Es ist eine der stärksten Szenen des Abends, wenn Neffe Mortimer und Graf Leicester einen irgendwie gemeinsamen Plan schmieden – angetrieben aus ganz unterschiedlichen Motiven.


Ernst Deutsch Theater Hamburg

Achtung, Weltuntergang!

von Katrin Ullmann

Hamburg, 31. August 2017. "Ziemlich schlau für eine Siebenjährige", bemerkt Parsons und wankt blutüberströmt durch den Raum. Gefoltert offensichtlich und doch dabei lachend vor Ungläubigkeit. Ein "Gedankenverbrechen" hatte er im Traum begangen, Dinge gesagt, die staatswidrig waren. Denunziert wurde er von seiner eigenen Tochter. Sieben Jahre alt. Und selbst jetzt ist er noch stolz auf sie. War sie doch schon immer so begabt, so genau, geradezu geschaffen für die Riege der Gedankenpolizei in diesem totalitären Überwachungsstaat des Jahres 1984. Ausgedacht und aufgeschrieben von George Orwell 1946-48 auf einer entlegenen Hebrideninsel.


Ernst Deutsch Theater Hamburg

Ein Metasturm

von Falk Schreiber

Hamburg, 15. Oktober 2015. Auf der Bühne steht eine Windmaschine, und wenn man die einschaltet, dann hebt ein Sturm an. Das ist keine Zauberei, das ist Theatertechnik. Und gibt gleich zu Beginn die Richtung vor, mit der Mona Kraushaar Shakespeares spätes Drama am Hamburger Ernst Deutsch Theater zu fassen versucht: Prosperos Insel ist eine Bühne. Prospero, den Frank Röder mit wilder Lockenmähne, Drei-Tage-Bart und Nerdbrille recht jugendlich anlegt, ein Regisseur. Und Shakespeares schwer zugängliche, verrätselte Handlung – eine Inszenierung.


Ernst Deutsch Theater Hamburg

Im Erinnerungsspeicher

von Falk Schreiber

Hamburg, 27. August 2015. Die Geschichte hätte auch anders verlaufen können. Dann würde man eine junge Frau im Nachkriegsparis sehen, sie scherzt, sie ist auf reizende Weise exaltiert, sie trinkt. Sie flirtet mit einem Mann am Nebentisch. Der ist Verleger, sie erzählt ihm von ihrem Tagebuch, das sie als 13-Jährige geschrieben hat: Wie sie sich als Jüdin im von den Nazis besetzten Amsterdam jahrelang auf einem Dachboden in der Prinsengracht versteckte, gemeinsam mit ihrer Familie und weiteren Verfolgten. Die Geschichte hätte anders verlaufen können, sicher.


Ernst Deutsch Theater Hamburg

Ein Aug' voll Blut und Hass

von Falk Schreiber

Hamburg, 23. April 2015. Das ist doch mal ein ökonomischer Umgang mit Stofffülle: Karin Beier benötigte für Die Rasenden, ihren Antiken-Marathon aus "Iphigenie in Aulis", "Die Troerinnen", "Elektra" und einer verkürzten "Orestie" vor zwei Jahren am Hamburger Schauspielhaus, noch sechseinhalb Stunden, Torsten Fischer schafft es wenige Kilometer weiter östlich, am privaten Ernst Deutsch Theater, in gerade mal gut zwei Stunden, die (bei Beier nur angerissene) Iphigenie-Tragödie zu erzählen. Goethes "Iphigenie auf Tauris", Hofmannsthals "Elektra", Aischylos' "Agamemnon" und Euripides' "Iphigenie in Aulis" im Schnelldurchlauf, Respekt.


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