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archiv » Theater Paderborn Westfälische Kammerspiele (9)
Theater Paderborn Westfälische Kammerspiele

2020 – Odyssee im Theaterweltraum

von Karin E. Yeşilada

Paderborn, 28. Juni 2020. Endlich wieder eine Uraufführung der Westfälischen Kammerspiele! Wie aber wird das Aufeinandertreffen von Theaterleuten und ihrem Publikum nach wochenlanger Zwangstrennung ausfallen? Überraschend. Denn Katharina Kreuzhages Uraufführung der Erzählung "Bericht über eine unbekannte Raumstation" von James Graham Ballard, zunächst als Online-Produktion geplant und nach Aufhebung des Lockdowns blitzschnell zur Live-Produktion umgearbeitet, wird zu einer Wiederbegegnung der dritten Art, in der Schauspieler und Publikum elliptisch umeinanderkreisen und schließlich als Supernova miteinander verschmelzen. Ein Abend, der nicht nur emotional bewegt.


Theater Paderborn Westfälische Kammerspiele

Geerbter Krieg

von Gerhard Preußer

Paderborn, 19. Januar 2020. Herein kommen vier Frauen in Alltagskleidung, sprechen rhythmisiert über Kriege und ihre getöteten Verwandten. Dann ziehen sie die Kleidung aus und tragen nun nur noch beigefarbene, hautenge Ganzkörperanzüge. Es sind Frauen, die in den Krieg ziehen. Und es folgt der Merksatz des Abends: "Ich weiß nicht, was schlimmer ist, töten zu müssen oder getötet zu werden."


Theater Paderborn Westfälische Kammerspiele

Der Schoß ist fruchtbar noch

von Sascha Westphal

Paderborn, 16. November 2019. Es gibt Berührungspunkte. Das lässt sich nicht leugnen. Manche der politischen Phänomene und Entwicklungen der vergangenen Jahre wecken tatsächlich fatale Erinnerungen an die späten 1920er und frühen 30er Jahre. Und so wirkt auch die Geschichte von dem zu lange zögernden Lehrer, die Ödön von Horváth in seinem 1938 veröffentlichten Roman "Jugend ohne Gott" erzählt, heute auf erschreckende Weise gegenwärtig. Man denke an die Netz-Portale der AfD, auf denen Schüler und ihre Eltern ihnen unliebsame Lehrer denunzieren können. Von derartigen Versuchen, Schulen und Lehrer unter Druck zu setzen, ist es nur noch ein kleiner Schritt zu der Verweigerung der Horváthschen Schüler, sich von einem Lehrer unterrichten zu lassen, der den rassistischen Äußerungen eines seiner Zöglinge widersprochen hat.


Theater Paderborn Westfälische Kammerspiele

Vom Donnern der Revolution

von Karin E. Yeşilada

Paderborn, 7. Juni 2019. Die "Revolution" hat schon vor zwei Wochen stattgefunden, als bei der Europawahl ein Drittel der Stimmberechtigten im schwarzen Paderborn die Grünen wählte. Werden die ihr Versprechen halten? Während draußen ein Gewittersturm über Paderborn hinwegtobt, rumst es auch drinnen ganz gewaltig. Das Scheitern und der Verrat an der französischen Revolution werden in Alice Buddenbergs Inszenierung gewaltvoll und leidenschaftlich durchexerziert.


Theater Paderborn Westfälische Kammerspiele

Fürchtet die Studentinnen!

von Karin E. Yeşilada

Paderborn, 15. September 2018. Nicht wenige der Paderborner Zuschauerinnen äußern sich am Ausgang des Theaters kritisch gegenüber der Studentin, die ihren Professor der sexuellen Belästigung bezichtigt. "Das war doch Manipulation!" Womöglich lag es aber auch wieder mal am grandiosen Spiel von David Lukowczyk, dass der Professor als Opfer einer Intrige dasteht und die Sympathien des Publikums einkassiert.


Theater Paderborn Westfälische Kammerspiele

Dreckskerl mit Charme

von Karin E. Yeşilada

Paderborn, 2. Juni 2018. Kaum ist die prächtige Fronleichnamsprozession durch die kleine Bischofsstadt zum Dom gezogen, da verfallen die Paderborner in den nahegelegenen Westfälischen Kammerspielen schon wieder lustvoll dem Bösen. Da mordet und meuchelt einer der größten Antihelden der Theaterliteratur auf der Bühne, und das Publikum lauscht hingerissen und quittiert jeden seiner bösartigen Kommentare mit schmunzelnder Anerkennung. Wie kann das sein? Spektakuläre Kulisse, spielstarkes Ensemble, starker Stoff – und dann feiert das Publikum den Schuft.


Theater Paderborn Westfälische Kammerspiele

Endlich beim IS!

von Karin E. Yeşilada

Paderborn, 16. September 2016. Der Vorhang hebt sich und allein auf der dunklen Bühne sitzt ein Mann im Brautkleid (Denis Wiencke). Er erzählt ein Märchen vom Touristen, der mit seiner Gier nach Erdöl den Konflikt in Irak und Syrien auslöst. Die Kriegsgenese des Islamischen Staates als Parabel sich gegenseitig bekriegender Bauern, Schäfer und Fischer, erzählt vom Märchenonkel im Hochzeitsplüsch. Der IS, mächtigstes Terrornetzwerk mit starker Medienpräsenz, würde sich so niemals inszenieren. Das Theater verrückt die gängigen Bilder, und Intendantin Katharina Kreuzhage landet damit gleich zu Beginn einen ersten Coup, eine Ohrfeige gegen die totalitäre islamistische Genderdoktrin.


Theater Paderborn Westfälische Kammerspiele

Mama, Mode, Wirklichkeit

von Karin E. Yesilada

Paderborn, 3. November 2015. Mama ist einfach nicht totzukriegen. Ihre Stimme schallt aus allen Lautsprechern: aus dem Radio-Kassettenrekorder ebenso wie aus dem Loewe-Opta-Empfänger, und ganz gleich, ob der arme Sohn die Batterien aus dem Gerät schüttelt oder das Kabel zieht, ertönt sie immer weiter. Ihr Sohn, der Autor, sei schon immer schüchtern gewesen und habe sich spät entwickelt, berichtet sie halb gleichmütig, halb teilnahmsvoll, und dass er, als andere längst mit Mädchen knutschten, noch immer mit Playmobil und mit Ameisen gespielt habe, ein sehr sensibler und phantasiebegabter Junge also, und so fort. "Wolfi" bleibt stumm und hört's mit Grausen, aber auch mit Stolz, denn Mama lobt ihn.


Theater Paderborn Westfälische Kammerspiele

Spannung auf Eis

von Karin E. Yesilada

Paderborn, 30. Mai 2015. Tagsüber hatte es tatsächlich gehagelt, auf dem Marktplatz vor dem Dom froren die Marktverkäufer, abends blies ein kalter Wind ums Stadttheater. Die Paderborner Dramaturgie hätte sich kein besseres Wetter wünschen können für die Premiere von "Die Reise ins Eis" nach Christoph Ransmayrs Roman "Die Schrecken des Eises und der Finsternis".


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