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Festspiele Reichenau

Mit glühender Sehnsucht

von Gabi Hift

Reichenau, 4./5. Juli 2018. Das Theaterfestival in Reichenau hat dreißigsten Geburtstag. Aber wenn man hier ist, sieht es so aus als müsse es seit hundert Jahren genauso gewesen sein wie es jetzt ist: Ein kleines, altes Theater, schönbrunnergelb, steht an der Straße inmitten eines malerischen Bergtals, im Hintergrund das Raxgebirge mit seinen schroffen Felsen, grüne Hügel, grasende Kühe. Vor dem Theater hunderte Menschen, nicht mehr jung, die Damen in Samt und Seide, Herren mit hellen Hüten, Sekt in den Händen – es könnte ein lebendes Museum sein, in dem man die Sitten und Gebräuche der Sommerfrische um 1900 studieren kann. Sobald es klingelt, stellen die Herrschaften ihre Sektgläser ab, die Damen sehen jetzt aus wie junge Mädchen, wenn sie in den Saal hineinströmen, das Licht geht aus, und sie treffen gleich auf das erste süße Mädl, das unbedingt hineinwill in die ersten Kreise, das den schönen jungen Mann aus gutem Haus liebt, aber weiß, dass sie nicht gut genug für ihn ist.


Festspiele Reichenau

Wirklichkeiten wie Wursthäute

von Gabi Hift

Reichenau, 4. Juli 2016. "Hoch die dicken Damen!" Mit diesem Schlachtruf stößt eine Gruppe junger Leute, "die Unsrigen", auf ihre Weltanschauung an. Freilich sitzen auch Damen im Publikum, die genauso sind, wie Doderers Alter Ego Schlaggenberg sie sich wünscht: reif, über 45, mindestens 85 Kilo, in denen ein Feuer brennt, die bereit wären, sich in eine zweite Jugend zu stürzen. Sie lachen unsicher bei dieser ungewohnten Lobrede. Aber obwohl Kajetan/Doderer es ganz ernst meint, und sie auch genau die Richtigen wären, werden sie betrogen: auf der Bühne sind sie nicht vertreten.


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