zurück zur Übersicht

archiv » Oper Halle (3)
Oper Halle

Eine Runde geht noch

von Matthias Schmidt

Halle, 16. September 2018. Die Bühnen Halle haben in ihrem Opernhaus eine neue Raumbühne installiert – BABYLON heißt sie, und wie auch schon die preisgekrönte Vorgängerin HETEROTOPIA hat Sebastian Hannak sie entworfen. Das Theater preist sie mit feinster Formulierungsleistung; "Spuren vergangenen Zusammenlebens und verlorener Solidarität" soll sie zu rekonstruieren helfen, "Möglichkeiten neuer Gesellschaftlichkeit" entdecken. Unter anderem.


Oper Halle

Die rosa Fassade des Bösen

von Matthias Schmidt

Halle, 6. Mai 2017. "Das ist einfach nur furchtbar", flüstert eine Dame vor mir ihrem Mann ins Ohr. Seit einer Stunde wird Rainer Werner Fassbinders "Bremer Freiheit" gespielt, nur ist von dem Stück um die Bremer Serienmörderin Geesche Gottfried, vom Autor eine bürgerliche Tragödie genannt, quasi nichts zu verstehen. Weil man erstens das Gefühl hat, hier wird, warum auch immer, in einer falschen Kulisse gespielt, einer rosaroten Papp-Burg. Stand wohl noch vom Vortag auf der Bühne. Weil man sich zudem daran zu gewöhnen hat, dass das Saallicht 45 Minuten lang brennt, und man, als es plötzlich doch noch ausgeht, erleichtert denkt, hat also endlich jemand den Schalter gefunden.


Oper Halle

Jana und Henny fahren zur Hölle

von Janis El-Bira

Halle, 5. März 2017. Es scheppert und die Fahrt beginnt. Im Rücken wuselt das Orchester, auf der Hinter-, den Seitenbühnen und im Zuschauerraum öffnen sich kleine Welten und mittendrin wir, kreiselnd, wie Willenlose von Szene zu Szene geworfen. Vielleicht gibt es im Theater keine größere Machtentfaltung als die, das Publikum nicht vor, sondern auf einer Drehbühne zu platzieren, es somit ungefragt in Bewegung zu setzen, seinen Blick zu lenken. Der Schwindel wird dabei im doppelten Wortsinn zum Prinzip. Denn wer immerfort im Kreis sich dreht, dem verschwimmen Anfang und Ende, Wirkung und Ursache.


zurück zur Übersicht