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Hamburger Theaterfestival

Mit Realitätseinbruch

von Falk Schreiber

Hamburg, 31. Mai 2019. Nach ungefähr 45 Minuten bricht die Realität in die Aufführung ein. 45 Minuten, in denen der "Macbeth"-Stoff routiniert von zwei Starschauspielern als Kammerspiel einer toxischen Ehe performt wurde: Wer hat Angst vor Virginia Macbeth? Der Mann (Oliver Masucci) ist ein skrupulöser Jammerlappen, die Frau (Catrin Striebeck) ein manipulatives Miststück, die beiden belauern sich auf minimalistischer Bühne (Volker Hintermeier) und mit wuchtiger Soundspur, und plötzlich fällt Masuccis Mikroport aus. Das Spiel mit Hall und Lautstärke war das einzige, was dieser etwas blutleeren Dreiviertelstunde Schrumpf-Shakespeare einen gewissen Reiz verliehen hatte. Regisseur Matthias Hartmann unterbricht die Premiere.


Hamburger Theaterfestival

Schlagwortwolke der Niedertracht

von Falk Schreiber

Hamburg, 7. Oktober 2018. Im antiken Theater ist der Chor der Begleiter des Stücks. Der Chor kommentiert, er erklärt und beschreibt, aber er agiert nicht selbst. In "Chor des Hasses" ist der Chor vor allem ein Pöbler. Ein Pöbler, ein Leserbriefschreiber, ein Internettroll, der Politikern Hassmails schickt, mal an den Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir (Grüne), mal an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), an Außenminister Heiko Maas (SPD) und an Andreas Hollstein, CDU-Bürgermeister des sauerländischen Städtchens Altena, der vor knapp einem Jahr von einem Rechtsradikalen mit einem Messer attackiert wurde.


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