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archiv » Meininger Staatstheater (3)
Meininger Staatstheater

Zickenkrieg mit Flüchtling

von Henryk Goldberg

Meiningen, 13. Dezember 2018. Spiegelglatt, laborrein die gelbe Fläche, Lamellen die Wände, kühl und praktisch. Im Dunkel flimmern Lichtpunkte, ein Kosmos. Dann kommen sie, deren Kosmos das ist. Drehen Runde um Runde, ein lebendes Laufrad. "Hier sind WIR, Wir sind viele …" Die sind das Volk. Die sind auch: Barbara und Mario. Die Fläche, auf der sie stehen, neigt sich, wippt: Aha, sie stehen auf schwankendem Grund. Dann die neuen Nachbarn. Prosecco und Rose, und vom unentkalkten Wasser bekommen die Babys einen Seifenstuhlgang. Paul ist eine arme Sau und Linda eine dumme Zicke, sie führt sich auf, als würden sie die Schweine beißen. Und kein Aas weiß warum.


Meininger Staatstheater

In der Leere

von Henryk Goldberg

Meiningen, 8. März 2018. Alles ist da, wie später immer alle da sein werden. Die Bäumchen, das Bett mit dem roten Laken, Hammer & Sichel darauf, die Schreibtische mit den Maschinen, der Billardtisch, der Kühlschrank, der rote Stern, ein hölzerner Wachturm, so standen sie an den Grenzen und den Lagern. Der Lautsprecher kündet das Manifest dazu und die berühmte Feuerbachthese von den Philosophen, die die Welt nur interpretiert hätten, wo es doch darauf ankomme, sie zu verändern. Es ist beinahe gerümpelig, was Christian R. Müller da gebaut hat, eine Kammer voll Erinnerungsgerümpel. Es ist genau der rechte Raum für dieses Stück, denn da gehört es hin: in die Rumpelkammer der verschlissenen Kostbarkeiten, dort, wohin die Ideologien entsorgt wurden. Und draußen vor der Tür dieser Deponie historischer Altlasten leben nun wir, entspannt, fröhlich und leer.


Meininger Staatstheater

Kotzen und grübeln

von Henryk Goldberg

Meiningen, 13. April 2017. Gleich wird er kotzen. Und wenn er riecht, wie er aussieht, dann stinkt er zum Himmel. Selbst wenn er sich nicht in die Hose gemacht haben sollte, worauf es aber vermutlich nicht mehr ankäme. Dann kriecht, windet, wühlt er sich die Treppe runter, so wie ein Schwein aus dem Mist. Doch so besoffen ist kein Schwein. Nur ein russischer Trinker. Nur ein russischer Dichter wie Wenedikt Jerofejew.


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