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kolumne janis el-bira

Quatsch mit Sauce

von Janis El-Bira

2. Februar 2021. Der Eintopf, den die Algorithmen von Twitter und Co. in den vergangenen Tagen aufkochten, hinterließ seltsame Kleckse auf so mancher Timeline: Überall ging es plötzlich um Würzsaucen und ein Talkformat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, um M*****-Apotheken und N****-Könige, blonde Frauen mit großen Brüsten und alte weiße Männer, um Jimi Hendrix, Thomas Gottschalk, Sinti und Roma und die türkischen, arabischen und sonstigen Freund:innen eines Schlagersängers. Doch selbst wer den Anlass der zahllosen Tweets und Posts ausnahmsweise nicht mitbekommen hatte, verstand trotzdem das Entscheidende: Es ging offenbar um Rassismus. Genauer um jene komplizierte Art von Rassismus, bei dem Menschen sich regelmäßig um Kopf und Kragen reden. Sie also standhaft beteuern, keinesfalls Rassist:innen zu sein, nur um sich im Gegenzug nicht von einem rassistischen Sprachgebrauch (Z*******-Sauce, M*****-Kopf, …) trennen zu müssen. Kurzum: Es geht um den Rassismus in uns allen.


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Ein beinahe wärmendes Erlebnis

von Janis El-Bira

15. Dezember 2020. In den vielen theaterlosen Monaten dieses elenden Jahres habe ich das Theater selten mehr vermisst als dort, wo es ganz nah schien. Wo alles wirkte, als ginge es jetzt gleich los oder würde doch wenigstens aufhören. Man also hoffen konnte, bald mit einem Fußtritt aus der unseligen Vorstellung entlassen zu werden, in die man sich hier verirrt hatte. Etwa so wie damals in Köln, als ich nach einem vielstündigen Signa-Exzess, schlecht riechend und mit allerlei Flüssigkeiten an der Kleidung, wieder auf der Straße stand, während die Performance-Zombies zum Abschied von innen an der gläsernen Einlasstür kratzten. Sie würden vielleicht auf alle Zeit dort drinnen und in meinem Gedächtnis bleiben, aber ich war wieder frei – so viel war sicher.


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Nonstop-Performance

von Janis El-Bira

3. November 2020. Darf man den Vorhersagen trauen (darf man?), dann müsste heute eigentlich ein weiterer in der zuletzt langen Reihe schlechter Tage für die Theater anbrechen. Denn mit dem absehbaren Ende der Präsidentschaft Donald Trumps verlieren Regisseur*innen und Dramaturg*innen jetzt auch noch ihren ziemlich besten Feind. Auf den Bühnen war Trump Witz- und Hassfigur, Symbol und Symptom und nicht zuletzt auch Distinktionsmarker für ein dem amerikanischen Ungeist sowieso verständnislos gegenüberstehendes Kulturbürgertum. Obendrein bescherte er den Theatern auch noch ungleich weniger Arbeit als den sich rührend abstrampelnden politischen Kommentator*innen: Orangenes Haar, roter Schlips – fertig war das Trump-Gesicht. Kurzum, ein Geschenk für Macher*innen und Publikum, das so billig lange nicht mehr zu haben sein wird.


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Geschichte als Beute

von Janis El-Bira

22. September 2020. Man soll ja nicht gleich mit Shakespeare kommen, aber dieser Satz ist natürlich zu schön: Dass die ganze Welt eine Bühne sei und alle Menschen bloße Spieler. Also fängt man doch mit Shakespeare an. Lieber jedenfalls als mit einem Wortungetüm wie "Inszenierungsgesellschaft", obwohl diese Kolumne der Theoriebildung rund um Theatralität und Performativität immer mal wieder die Stichworte verdanken wird. Aber eigentlich will ich mich bloß umschauen, tatsächlich oder virtuell, und mich mit Ihnen, liebe Leser*innen, einigen Orten und Situationen aussetzen, die starke Behauptungen vor sich hertragen. Denn aus Behauptungen ist das Theater schließlich gezimmert. Aus der Behauptung zum Beispiel, ein*e Andere*r zu sein oder ganz man selbst, weit weg oder im Hier und Jetzt, alles neu zu machen oder einer Tradition dienen zu wollen. Die Lagerkämpfe, die entlang dieser Behauptungen regelmäßig aufwallen (etwa rund um den Begriff der Authentizität), interessieren mich weniger.


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