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archiv » Theater in der Josefstadt Wien (27)
Theater in der Josefstadt Wien

Paradise Lost

von Martin Pesl

Wien, 16. März 2017. Lange bevor der Vorhang hochgeht, hört man das Meer rauschen. Man erwartet ein Südseeparadies. "Galápagos" heißt das Stück, und schon der Titel will so gar nicht passen zum verdienten Tiroler Volksdramatiker Felix Mitterer, dessen Geschichten gefühlt in dörfliche Enge und alpine Tristesse gehören. Überraschend gibt der Vorhang dann die nackte Bühnenwand des Theaters in der Josefstadt frei, der Boden ist voll mit zerknüllten Papieren, Beweisen fürs Scheitern.


Theater in der Josefstadt Wien

Fürchtet euch nicht!

von Martin Thomas Pesl

Wien, 2. Februar 2017. "Phrasen werden unterschätzt, sie sind sehr nützlich", sagt der Vernehmungsbeamte, von dem wir nur aus dem Programmheft wissen, dass er Thomas heißt. Hier also eine Phrase: Die Zeit hat Daniel Kehlmanns neues Stück eingeholt! Echtweltereignisse verleihen der Uraufführung von "Heilig Abend" im Theater an der Josefstadt eine noch aktuellere Aura, als Kehlmann und der Regisseur und Direktor Herbert Föttinger hoffen durften.


Theater in der Josefstadt Wien

Hui, ein Sodom und Gomorra

von Theresa Luise Gindlstrasser

Wien, 10. November 2016. "Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt", singen die jungen Mädchen Thilde und Erika, dirigiert von Hauptsturmführer Wolf von Aschenbach. Die Inszenierung "Die Verdammten" am Theater in der Josefstadt versucht sich am in sich geschlossenen historischen Drama. Dabei kommt die Vorlage zum Abend, der gleichnamige Film von Luchino Visconti, ohne homophobe Hetze oder antisemitische Witzchen aus. Dabei verfällt der Film aufgrund seiner artifiziellen Opulenz nicht in den Versuch, geschichtlich zu sein. Die Bühnenfassung von Ulf Stengl in der Regie von Elmar Goerden gönnt sich keinen solchen kunstvollen Zugriff auf nationalsozialistische Geschichte. Sondern scheint diese vordergründig ernsthaft erzählen, also ohne deutlich gemachten Zugriff ausbreiten zu wollen.


Theater in der Josefstadt Wien

Being Ödön oder Seid doch bitte peinlich!

von Gabi Hift

Wien, 1. September 2016. "Heute schreiben wir Theatergeschichte!", heißt es im Foyer. Eine Sensation steht bevor: die Welturaufführung eines Stücks von Horváth, von dem bisher keiner wusste. Die Wege, über die "Niemand" aus der Versenkung aufgetaucht ist, sind ein Krimi für sich (nachtkritik.de berichtete). Das Theater in der Josefstadt hat den Zuschlag erhalten, weil Herbert Föttinger, der Regisseur und Direktor des Hauses, derjenige war, der die größte Texttreue versprochen hat. Noch ohne das Stück gelesen zu haben, war er bereit, sich auf Gedeih und Verderb auf alles einzulassen, was die Phantasie des 23-jährigen Horváth produziert haben mochte. Und was das sein würde, war nicht vorherzusehen. Horváths Kopf war bisher eine Black Box. In keinem seiner Stücke taucht ein Alter Ego auf. Es gibt keine Briefe von ihm, keine Tagebücher. Sein Innenleben: ein Rätsel.


Theater in der Josefstadt Wien

"Begräbniskunst ist die höchste Schauspielkunst!"

von Theresa Luise Gindlstrasser

Wien, 26. Februar 2016. In Bernhard-Sätzen hallt Genuss und Ekel an der Sprache. Die renitente Wiederholung von Worten rückt diese aus einem Alltags-Zusammenhang heraus. Sie schrumpfen zu monströsen Klanggebilden zusammen; was ihr Inhalt sein soll, wird grotesk, wird "gähnende Leere". "Schopenhauer", zum Beispiel, immer wieder "Schopenhauer", bis dass das Wort selber zum Vorwurf gerät.


Theater in der Josefstadt Wien

Wohlige Untergangsfolklore

von Johannes Siegmund

Wien, 21. Januar 2016. Im Sanatorium treffen sich die Gescheiterten, die Zermürbten. Alles erodiert hier. Selbst das Dach hat ein Loch, die soziale Kälte rieselt melancholisch in den Bühnenraum und lässt die Herzen erfrieren. Weltraumkälte. Dieser Abend mit Thomas Arzts "Totes Gebirge" im Theater der Josefstadt gerät wie eine österreichische Bühnenvariation von Lars von Triers "Melancholia": In großen Naturmetaphern wird auf der Bühne ein gesellschaftliches Unbehagen mystifiziert und bleibt dabei ungreifbares und damit auch unabänderliches Schicksal. Die messianische Hoffnung auf den Einschlag eines Kometen, von der der sterbender Junkie Nepomuk (Stefan Gorski) faselt, ist der einzige Lichtblick an einem Abend, der sich etwas zu wohlig in seiner folkloristischen Untergangsstimmung einmummelt und damit die Möglichkeit wirksamer Gesellschaftskritik verspielt.


Theater in der Josefstadt Wien

Schwere Gegner

von Kai Krösche

Wien, 29. Januar 2015. Dieser junge, ungestüme Mann, er kann nicht anders als dem neugewählten Regime ein Dorn im Auge sein: Johann "Rukeli" Trollmann, der aufmüpfige, lebensfrohe und wendige Boxer mit seinem flinken Kampfstil verkörpert all das, was die Nationalsozialisten in ihrem verkrampften Strammheitswahn verabscheuen – da kommt es nur gelegen, dass dieser junge Mann zur Volksgruppe der Sinti gehört, die nach und nach in einem schleichenden Prozess von den Nazis entrechtet, verfolgt und schließlich ermordet werden. Erst will man ihm nicht den Titel verleihen, schließlich versucht man, ihn durch die Auflage eines ihm nicht eigenen Kampfstils zu bändigen – schon bald folgen Zwangssterilisation, KZ-Internierung und schließlich, kurz vor der Befreiung durch die Alliierten, der Tod im Lager.


Theater in der Josefstadt Wien

"... wenn diese Schweinerei in Sarajewo nicht passiert wäre."

von Reinhard Kriechbaum

Wien, 15. Mai 2014. "Oft nützt im Leben der beste Wille nicht", sagt Eugen zu Agnes – ein herzensguter Mensch zu einer jungen Frau, die sich unter normalen Umständen auch nichts vorwerfen lassen müsste. Aber was sind schon normale Umstände, wenn beide nicht die leiseste Aussicht auf abgesicherte Existenz haben in Zeiten der Depresssion?


Theater in der Josefstadt Wien

In mir regt sich kein Muskel

von Martin Thomas Pesl

Wien, 6. Februar 2014. Der Tod einer Hure ist erfolgt, das letzte Wort gefallen, Zeit für den klarsten Regieakzent dieser Aufführung: Valmont und die Merteuil bewegen sich kantig auf ihre symmetrisch angeordneten Designertotenbetten zu, trinken imaginäres Gift, spucken Blut und sind dahin.


Theater in der Josefstadt Wien

Nicht für diese Verbrecher!

von Martin Thomas Pesl

Wien, 20. Juni 2013. Der eiserne Vorhang ist schon einen Spaltbreit hinaufgezogen: Stuhlbeine zeichnen sich dahinter ab, lose verteilt in einem mit Holz ausgekleideten Raum, einer auf die große Bühne hochskalierten Bauernstube. Gleich darauf 24 schwarz gekleidete Menschenbeine dazu. Eine Hand hebt langsam einen Brief vom Boden auf, im gleichen Tempo hebt sich nun auch feierlich der Eiserne. Die Hand gehört Franziska Jägerstätter, der Brief enthält die Bekanntgabe des an ihrem Mann am 9. August 1943 in Brandenburg vollstreckten Todesurteils. Sie nimmt sich Zeit beim Verlesen, rundherum Totenstille. Dann die Schwiegermutter: "Du hast ihn umbracht." Die übrigen, ein Chor (fast) aus Männern, skandieren es ihr nach.


Theater in der Josefstadt Wien

New Yorker Alten-WG später

von Christian Desrues

Wien, 22. November 2012. Der rüstige siebenundachtzigjährige Edek, (unglaubliche 82 Jahre alt, Otto Schenk, wie immer genial komödiantisch und wienerisch-jiddisch grantelnd, und ja, voller Chuzpe!), kommt von Melbourne zu seiner Tochter Ruth (Sandra Cervik, neurotisch, hilflos aber liebevoll ihrem Vater gegenüber) nach New York. Er hat das Ghetto und die Vernichtungslager in Polen überlebt, aber nichts von seiner Lebenslust eingebüßt. Im gut gehenden "Korrespondenz Unternehmen" Ruths – sie schreibt Briefe für andere Leute – richtet Edek ein ziemliches Durcheinander an. Er kauft Unmengen an Dingen, wie Kopier-und Toilettenpapier, "weil man das immer brauchen kann und sie billig sind!" "Wie billig?" fragt Ruth, die alles bezahlt. "Sehr billig!"


Theater in der Josefstadt Wien

Kunst ist subjektiv

von Hartmut Krug

Wien, 8. November 2012. Es geht um Geld und Ehre. Für das Geld kommen ein junger und ein älterer Autor für eine Woche zu einem Arbeitstreffen zusammen. Dabei streiten sie miteinander um die Ehre, gute Schriftsteller zu sein. Zuerst trifft der alte, einst berühmte Schriftsteller Benjamin Rubin im Landhaus der Stiftung ein. Heute würde man ihn eine Schriftstellerlegende nennen. Er hat sich für ein fünfstelliges Honorar als Mentor anheuern lassen und soll mit dem jungen Autor Martin Wegner über dessen neuestes Werk diskutieren und ihm Anregungen vermitteln.


Theater in der Josefstadt Wien

altElemente menschlicher Schrulligkeit

von Thomas Askan Vierich

Wien, 1. März 2012. So viel gleich vorweg: Dies ist kein Stück zur aktuellen Finanzkrise. Das hatte Regisseur Elmar Goerden für seine erste Wiener Regiearbeit an der Josefstadt schon im Vorfeld betont. Obwohl die Vermutung nahe liegen würde. Schließlich handelt Henrik Ibsens vorletztes Stück, uraufgeführt 1896, von einem Bankdirektor, der ihm anvertraute Gelder veruntreut und dafür in den Knast geht.


Theater in der Josefstadt Wien

alt

Am Rande des Nervenzusammenbruchs

von Martin Pesl

Wien, 26. Januar 2012. Ella (Hilde Dalik), ist so dumm, dass sie denkt, Autistin sei ein Beruf. Natürlich vergeht nicht viel Zeit, bis sie von ihren Freundinnen im Streit als Blondine beschimpft wird. Das ist witzig, weil sie ja auch tatsächlich blond ist. Nathalie (Alexandra Krismer) kommentiert ihre Freundinnen stets mit zynischer Zunge und sagt über ihr klein geratenes Söhnchen Max: "Mini ist das neue Maxi!" Sobald das Wort "Sex" fällt, schickt sie ihn panisch zum Ententeich spielen.


Theater in der Josefstadt Wien

alt

Die Synthetik-Sphinx tanzt keinen Walzer

von Martin Pesl

Wien, 27. Februar 2011. Uraufführungen bringen einem Theater Prestige. Das in der Josefstadt hat aber ein Publikum, das lieber Klassiker mag. Einmal mehr hat das Haus unter Direktor Herbert Föttinger ein kompliziertes Manöver unternommen, um beides gleichzeitig zu haben: zu tanzen auf einem Vulkan, von dem alle wissen, dass er längst erloschen ist. Der altgediente Regisseur Günter Krämer bringt den neuesten Text seiner langjährigen künstlerischen Begleiterin Friederike Roth auf die Bühne: "Lebenstanz. Die Eifersucht der Pharaonen". Vor der Pause ergänzt er ihr Stück mit Szenen aus Strindbergs "Dödsdansen" (bekannt als "Totentanz", hier mit "Todestanz" übersetzt).


Theater in der Josefstadt Wien
alt

Im Schatten des Chihuahuas

von Kai Krösche

Wien, 27. Januar 2011. Eine Geschichte über die Liebe und gleichzeitig eine Geschichte über das Altern, mit dem mittlerweile 80-jährigen Otto Schenk in der Hauptrolle – eine Geschichte über Treue, Einsamkeit und Sehnsucht, die keine Altersschwäche kennt – schließlich, ganz im Kleinen: die Geschichte eines italienischstämmigen Witwers in New York, der auf dem nahegelegenen Hundespielplatz eine einsam scheinende, adrette Dame in seinem Alter kennen- und liebenlernt. Joe DiPietros im Original stark betiteltes "The Last Romance" hätte in seiner deutschsprachigen Erstaufführung in den Kammerspielen des Theaters in der Josefstadt Potential zum bewegenden, auf- und mitreißenden Schauspielertheater gehabt.


Theater in der Josefstadt Wien

Gefährliche Liebschaften mit dem ausgesetzten Kind

von Kai Krösche

Wien, 9. Dezember 2010. Irgendwas stimmt von Beginn an nicht. Zu glatt, zu hilfsbereit und schleimig kommt dieser Mann, Anfang 40, daher, wenn er der alten, reichen Cléo zuerst die Hütte am See abkaufen möchte, dann plötzlich eine vermeintliche Verschwörung des gesamten Dorfs gegen sie wittert und sie schließlich ausgerechnet mit einer gemeinsamen Heirat vor den fiesen Erbschleichern zu retten sucht. Nein, dieser personifizierten Midlife-Crisis mit ihren neu-spießbürgerlichen Ansichten und Sehnsüchten nach freier Entfaltung in der Natur, weit weg von den ihr unerträglichen Gegebenheiten einer Arbeitswelt, die ihr nur Geld und dabei zu wenig Selbstverwirklichung bietet - diesem Kerl in seinem schicken Anzug und dem lässigen, offenen Hemd mag man einfach nicht so recht die ehrliche Hilfsbereitschaft abnehmen.


Theater in der Josefstadt Wien

Ein Fest für Otti

von Thomas Askan Vierich

Wien, 10. Juni 2010. Am Ende regnete es rote Rosen auf den unumstrittenen Star des Abends Otto Schenk, den alle "Otti" nannten. Herbert Föttinger, der Direktor des Theaters in der Josefstadt, erklärte ihn zum "Theatergiganten", der Kulturstadtrat Mailath-Pokorny zum "Bürger der Stadt Wien". Was natürlich ein Scherz war. Der "Theatergigant" wohl eher nicht. Rudolf Buchbinder brachte dem Geburtstagskind ein Ständchen am Piano, "Rigoletto" in der Bearbeitung von Franz Liszt.


Theater in der Josefstadt Wien

Einen Jux wollten sie sich machen

von Thomas Askan Vierich

Wien, 25. Februar 2010. Die Österreicher lieben ihren Hans Moser. Der "Volksschauspieler" steht für den hierzulande gerne beschworenen Eigensinn, die "unbestechliche Souveränität des kleinen Mannes", wie Franzobel formuliert. Für ihn ist Moser ein Wiener Bruder Gustaf Gründgens': "An ihm lassen sich Hoffnungen und Ängste, Couragiertheit und Durchlavieren zeigen, Macht und Ohnmacht des Einzelnen in den Mühlen der Geschichte."


Theater in der Josefstadt Wien

Aus dem Beipackzettel von "Computer Love"

von Georg Petermichl

 

Wien, 7. Mai 2009. In der Liebe ziehen sich Gegensätze bekanntlich an. In Daniel Glattauers E-mail-Roman und Bestseller "Gut gegen Nordwind" (2006) können sie daher buchstäblich durch Wände gehen: Ausschließlich per E-mail schaffen sich Leo und Emmi eine energiegeladene Beziehungsblase, die sie zu einem der "zauberhaftesten und klügsten Liebesdialoge der Gegenwartsliteratur" aufblähen, wie der "Spiegel" einst befand.


Theater in der Josefstadt Wien

Allmählich funkelt die Psychostätte

von Georg Petermichl

Wien, 5. März 2009. Peter und Katharina Egerman müssen untergehen. Niemand könnte den so ausgeklügelten wie destruktiven Totentanz, den sie in Ingmar Bergmans "Aus dem Leben der Marionetten" (1980) aufführen, aufrechterhalten. Die hochspezialisierte Hassliebe dieser beiden Vertreter des gehobenen Mittelstands hat Bergman in seinem einzigen deutschen TV-Spielfilm in enge, starre Ausschnitte gepresst. Samt ihrem Umfeld scheuern sie als blank polierte Monolithen gegeneinander und starren sich entgegen, wie hinter dickem Sicherheitsglas. Als ehrlichen Gefühlsausdruck haben sie sich ausschließlich Herablassung oder Hysterie zu bieten.


Theater in der Josefstadt Wien

Weinen in der Winterkälte

von Georg Petermichl

Wien, 10. Dezember 2008. Ein Aktenordner, ein Aschenbecher, eine Mineralwasserflasche. Manchmal braucht das Theater nur den Bruchteil seiner üblichen Requisite, um den Bogen zum wahrhaftigen Leben zu schließen. Das Wiener Theater in der Josefstadt ist zwar berüchtigt für gut ausstaffierten, farbenfrohen Boulevard mit Nostalgieeffekten. Mit der Eröffnung seiner Probebühne hat es aber soeben einen neuen Seitenweg eingeschlagen. Raphael Schuchter steht hier auf den roh belassenen Brettern einer Sockelbühne, wenn er als Friedrich Zawrel aus dem Leben eines Folteropfers der NS-Kinder-Euthanasieanstalt "Am Spiegelgrund" berichtet.


Theater in der Josefstadt Wien

Senioren im Sitzstreik

von Georg Petermichl

Wien, 6. November 2008. Es ist, als orientierten sich die Wiener Theater bei der Publikumspflege neuerdings an der Jahreszeit. Sowohl das Wiener Volkstheater als auch die Kammerspiele des Theaters in der Josefstadt bieten in diesem Herbst Stücke übers Altsein mit altbekannten Wiener Publikumslieblingen. Wiedererkennung soll die Herzen eines betagten Publikums öffnen, wenn sich Altstars in Zweierkonstellationen gegenseitig angiften. Sie tun das natürlich liebevoll: im Volkstheater Harald Serafin und Peter Weck als ausgediente Komödianten in "Sonny Boys" und jetzt auch Helmuth Lohner und Otto Schenk (Jahrgang 1933 bzw. 1930) in Lionel Goldsteins "Halpern & Johnson" in den Kammerspielen.


Theater in der Josefstadt Wien

Kriegsschiff an der Bühnenrampe

von Peter Schneeberger

Wien, 11. September 2008. Es war eine gelungene Überraschung. Die Theaterwelt staunte nicht schlecht, als der Suhrkamp-Verlag 2006 zum 50. Todestag Bertolt Brechts ein neues Stück des deutschen Theatergenies präsentierte: In der Zeit seines finnischen Exils (1940/41) hatte Brecht gemeinsam mit seiner Kollegin Hella Wuolijoki an einem neuen Drama gearbeitet. In Brechts Nachlass jedoch waren nur fünf der elf Szenen gefunden worden (die 1997 am Berliner Ensemble zu sehen waren).


Theater in der Josefstadt Wien

Rezaistische Anti-Idylle

von Peter Schneeberger

Wien, 10. April 2008. Richard Dresser ist ein zynischer Beobachter der amerikanischen Gesellschaft. Immer wieder lenkt der Dramatiker seinen scharfen Blick auf die Schattenseiten der Finanzmetropole New York, doch in "Wonderful World" (2001) bringt der Amerikaner statt kalter Portfolio-Manager eine ‚dysfunktionale’ Familie auf die Bühne. Anders als im gleichnamigen Song von Louis Armstrong sind die Beziehungen zwischen Max, Jennifer, Barry und Patty nämlich alles andere als "wunderbar".


Theater in der Josefstadt Wien

Wenig Philosophie und viel Spaghetti

von Lena Schneider

Wien, 15. November 2007. Kurz vor Schluss passiert es dann doch. Unverhofft, als der bunte Abend im Wiener Josefstadt Theater sich schon merklich dem nicht unwillkommenen Ende nähert, ahnt man plötzlich, was Peter Turrini an dem alten Stoff von Goldonis "Diener zweier Herren" interessiert haben mag: zu zeigen, dass in heutiger Zeit Goldonis Lustspiel bei aller Lustbarkeit nicht lustig enden kann.


Theater in der Josefstadt Wien

Endlose Loops der Demenz

von Peter Schneeberger 

Wien, 8. November 2007. Einmal noch ist alles so, wie es immer war. Als Elfriede Ott und Fritz Muliar die Bühne der traditionsverliebten Wiener Kammerspiele betreten, um das neue Stück von Felix Mitterer zur Uraufführung zu bringen, brandet im Parkett Applaus auf. Das Publikum ignoriert unbekümmert die Vereinbarung, dass am Theater die Fiktion beginnt, sobald das Saallicht ausgeht, und heißt Muliar und Ott als Lieblingsschauspieler willkommen. Erst danach sind die zwei ein gewisser Georg Altmann und Frau Marion Liebherr, die zwei Protagonisten.


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