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archiv » Schauspielhaus Graz (51)
Schauspielhaus Graz

Die Welt, eine Heimat für Herren und Sklaven

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 3. März 2017. "Unsere Firma steht nicht mehr im Handelsregister", sagt Debuisson mit drastischer Geste, auf dass auch seinen "Geschäftspartnern" die Augen aufgehen: "Der Auftrag" in Sachen exportierter Revolution ist obsolet. Im Mutterland hat sich Napoleon aufgeschwungen zum Alleinherrscher, und die "schwarze" Revolution am karibischen Rand-Schauplatz, in Jamaika, ist nun auch zum Scheitern verurteilt. Eine solche wäre, laut Auftrag, anzuzetteln gewesen – von Leuten, denen man besser nicht über den Weg traute. Aber es bestätigt sich, was die Pseudo-Revolutionäre zumindest schon zwischendurch mal ahnten: "Immer bleiben die Engel aus am Ende."


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Herzzeit im Big Apple

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 14. Januar 2017. Der lange, intensive Kuss zweier Unbekannter, die auf dem Bahnsteig wie Magnete aneinander gezogen werden: schäumende Hollywood-Seife, würde sich darum nicht ein tendenziell beängstigendes Wortspiel um das Getrennt-Sein, ein Drama um das Die-Welt-um-sich-Vergessen abspielen.


Schauspielhaus Graz

Sprintrennen um die West-Wurst

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 1. Dezember 2016. "Nur ein Sowjetmensch kann einen Sowjetmenschen verstehen", heißt es einmal etwas pessimistisch. Erklärung vielleicht dafür, dass die Bücher der Swetlana Alexijewitsch, immerhin Literaturnobelpreisträgerin 2015, doch etwas für Menschen mit ausgeprägter Neugier für osteuropäische Befindlichkeit geblieben sind. Welcher "Westler" hat denn schon wirklich wenigstens eines aus ihrer gewaltigen Prosa-Fünfergruppe (beginnend mit "Der Krieg hat kein weibliches Gesicht", endend mit "Secondhand-Zeit") durchgeackert?


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Shakespeare as Shakespeare can

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 18. November 2016. Kaum hat das freundliche Mädchen im roten Plisseerock den Prolog gesprochen, ändert es den Gesichtsausdruck. Fast wutentbrannt rammt die junge Dame (ziemlich genau im Alter, wie Shakespeare Julia festschreibt) Blume um Blume in den Boden. Es sind Mohnblumen und nicht Rosen. Das Mädchen ist eher nicht Amor, sondern ein getarnter Psychopompos. Eine neugierige Beobachterin der Handlung, die dann Mercutio, Tybalt, Graf Paris und schließlich die beiden Hauptfiguren durch eine Tür ganz hinten ins Jenseits führen wird.


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Die Sehnsucht nach dem Nutella-Brot

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 3. Juni 2016. Keiner protestiert, wenn Beamte Citybags durchkramen und aus Handtaschen Dinge für alle Umstehenden sichtbar herausziehen. Wie ist das doch mit den Menschenrechten? Unsere Toleranzgrenze liegt eh erstaunlich hoch. Ist das schon die erste Szene von Clemens Bechtels theatralem Feldversuch?


Schauspielhaus Graz

Kanonenfeuer auf die Spatzen der Einbildungskraft

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 12. März 2016. Ein Synästhet, der die Woche mit Dienstag beginnen lässt, weil's der Montag einfach nicht verdient: So einer ist Alexander Kerfuchs, Hauptperson in dem Roman "Die Frequenzen" von Clemens J. Setz. Aber was heißt es bei diesem Autor schon, Hauptfigur zu sein? Es tummeln sich derer viele in Setz' umfänglichen Texten. Eines ihrer Charakteristika ist, dass die Leute alle intensiv denken und empfinden, oft quer und verschroben, in Vergangenheit und (Vor-)Zukunft, handfest handelnd oder vage irrlichternd. Kurz: Es geht unrund rund in Setz' dicken Büchern.


Schauspielhaus Graz

Kein Brett, die Weltesche vor dem Kopf

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 24. September 2015. Gut kann man es meinen und doch voll daneben hauen. Der runde Tisch, die Basis aller Gespräche und Diskussionen auf gleicher Augenhöhe wäre eine so tolle Sache, und einer der Tischler hätte ja auch das optimale Maß dafür errechnet: Zwölf Meter Durchmesser, weil "es geht um den Durchschnitt der durchschnittlichen Ritter", wie es so schön heißt im Text von Tankred Dorst.


Schauspielhaus Graz

Piss er ins Publikum, Woyzeck!

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 19. März 2015. Zwei Frauen und vier Männer sind in Frauenkleider geschlüpft. Sechs Marien also gleich. Keine wird Woyzecks Kuss überleben, eine nach der anderen sinkt zu Boden. Woyzeck greift sich wieder das Blumensträußchen und geht zur Nächsten.


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Wie die Köpfe mit uns umspringen

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 15. Januar 2015. "Ich klarinettiere ohne dieses Hilfsgestell einer Klarinette verwenden zu müssen!" Es ging Gert Jonke, der Stücktitel so gerne aus der Welt der Musik gezogen und ihr auch so manches einprägsame Sprachbild abgewonnen hat, nicht zuletzt darum, unerhörte Musik im Ohr flott zu kriegen: So sollen auch die Gäste des Herrn Diabelli "die virtuoseste der nie gehörten Lautlosigkeiten“ mitbekommen – jene Gäste, die der Fotograf zu einem ganz besonderen sommerlichen Gartenfest eingeladen hat: Es soll jenem vom Vorjahr aufs Haar gleichen, "dieselben Gesten, Blicke und Sentimentalitäten".


Schauspielhaus Graz

Auf dem Hamsterfahrrad

von Leopold Lippert

Graz, 20. Dezember 2014. Das Vorspiel beginnt schon im Foyer: Sebastian Klein und Michael Ronen treten mit Megaphon vors Publikum. Sie sind Hausbesetzer und haben das Schauspielhaus Graz in Beschlag genommen. "Sie werden heute Abend kein Stück sehen", verkünden die beiden. Stattdessen sollen die Zuschauer Teil der "Community" werden, und deshalb dürfen sie auch gleich mal auf die Bühne, um die famose Do-it-yourself-Recycling-Selbstversorger-Einrichtung (Bühnenbild von Sylvia Rieger) aus der Nähe zu bestaunen: eine fahrradbetriebene Waschmaschine, ein selbstgebautes Klo mit Gas-Wärme-Generator, ein überbordendes Gewächshaus, Dusche mit Trampelantrieb, Feldbetten auf Holzpaletten (mit Laken aus den Stoffbannern früherer Schauspielhaus-Produktionen), und dazwischen jede Menge Gerümpel aus dem Fundus.


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Kosmologische Welt- und Zeitreise

von Martin Pesl

Graz, 12. Dezember 2014. Kurz nachdem Benjamin Lee Baumgartner seine Frau geheiratet hat, und zwar nur um sie später uncharmant "die Baum" nennen zu können, verabschiedet er sich auf der Heimfahrt schon wieder von ihr: Er wolle noch schnell zum Nullmeridian, wo man gleichzeitig in zwei Zeitzonen stehen könne. "Und dann verschwand er zwischen den Zeitzonen", sagt die Baum.


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Furzend die Zeit verformen

von Leopold Lippert

Graz, 24. Oktober 2014. Zu Beginn stottert die Technik gewaltig. Das Licht im Saal geht aus, dann wieder an. Nach ein paar Sekunden ist es erneut dunkel. Aus den Boxen tönt kratzige Musik, bricht ab, läuft ein paar Takte weiter. Wieder Licht im Saal. Verwunderte Blicke im Publikum. Die enorme Theatermaschine, die Viktor Bodó während der nächsten zwei Stunden zum Schnurren bringen wird, braucht eben eine Weile, bis sie warmläuft. Schließlich hebt sich der Vorhang und gibt den Blick auf eine Hotelrezeption frei, die Details freilich als Trompe-l'œil: Es kann losgehen.


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Fromm durchgeprügelt

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 30. April 2014. Was für ein Panoptikum, wenn sie zum Schlussapplaus gemeinsam auf der Bühne stehen: Superman, der Pappkamerad, der auch eine (kleine) Rolle als Ausstattungsstück gespielt hat – und Andreas Altmann, Autor des Bestsellers in eigener Sache, schlecht rasiert, in Lederkluft, mit der obligaten Schiebermütze; einer mit dem Anstrich des Outlaws. Die beiden sind dann noch umgeben vom Schauspieler-Quartett, den vier Altmann-Darstellern, die man auf der Probebühne des Grazer Schauspielhauses ins turbulente Uraufführungsrennen geschickt hat für die Dramatisierung von Oliver Kluck.


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Raus aus dem Avatar, rein ins Familienleben

von Leopold Lippert

Graz, 23. März 2014. "Entnetzt euch!" hat der Soziologe Urs Stäheli Ende Januar kurz vor Einbruch der Dunkelheit einem wohlwollend kritischen Volksbühnen-Netzkonferenzpublikum zugerufen. Man solle doch diesen permanenten Vernetzungsaufrufen endlich mal ein paar handfeste Praktiken der Anschlusslosigkeit entgegensetzen! Verzögern, Verstecken, Entfolgen, so Stäheli, wären doch die wahren Strategien zur Selbstermächtigung in einer Welt, in der man permanent online und befreundet ist.


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Die Zeitentänzer

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 16. März 2014. Drei Schwingtüren, ein beflissener Kellner. Welche er auch offen hält, das herein tanzende Paar kommt akkurat durch eine der anderen. Das Leben geht eben ein wenig anders im Tanzpalais, aber das sind Marginalien und Aperçus. Natürlich ist das Treiben hier nicht losgelöst von der Welt. Die Protagonisten sind Kinder ihrer Zeit und umgekehrt. Das Draußen stolpert herein als ein unvermeidlicher Slapstick, manchmal erheiternd, manchmal bedrohlich. Die Moden ändern sich und mit ihnen der Tanzschritt. Was bleibt, ist die unlösbare Verlinkung zwischen realem Leben und Unterhaltung. Oder anders gesagt: Seiner Zeit davon tanzen zu wollen, ist eine zwar reizvolle Aussicht und sie beschert jeder Generation aufs Neue Lebensfreude – aber das Unternehmen ist so Lust spendend wie aussichtslos.


Schauspielhaus Graz

Mit Traumatrommelwirbel

von Leopold Lippert

Graz, 13. Februar 2014. Am Ende sind die meterhohen Kulissenteile über die ganze Drehbühne des Grazer Schauspielhauses verstreut. Wie Ruinen ragen sie in Peter Handkes Kärntner Nacht, in der gerade ein ganzes Jahrhundert geträumt worden ist. Dicke Pinselstriche verraten noch die deutschen und slowenischen Parolen, die da einmal geschrieben waren, doch kein Sinn ist mehr erkennbar.


Schauspielhaus Graz

Eine schlechte Zeit für Gefühle

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 19. Januar 2014. End-Teenies anno 1968 – Gärkraft pur, junge Menschen im Sog jenes Strudels, von dem bald neue, befreiende Weltanschauungen frei gespült werden? Überhaupt keine Rede davon. Rainer Werner Fassbinder hat damals eine Gruppe von Jugendlichen vorgeführt, die mit trübem Blick in eine nebelverhangene Zukunft blicken. Depressiv und aggressiv (beides Kehrseiten einer Medaille), bereitwillig resignierend allemal.


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Thomas, schreib nicht darüber!

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 10. Januar 2014. Drängen lässt er sich gar nicht, der polnische Theatermann Krystian Lupa. Bernhard ist seine Leidenschaft, ihm gilt – seit vielen, vielen Jahren schon – sein missionarisches Bewusstsein. Und so stellt sich nicht erst Punkt halb zwölf, nach geschlagenen vier Stunden, im Grazer Schauspielhaus das Gefühl ein, jede der 320 Seiten des Romans "Holzfällen" doppelt gelesen zu haben.


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Zombies der Zeitgeschichte

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 27. September 2013. Das muss einem erst einmal einfallen: Da haben sich Gefallene des Ersten Weltkriegs gut sechshundert Kilometer durch die Erde gebuddelt, von der ehemaligen Galizischen Ostfront (Ostpolen, Ukraine) nach Graz. Dort tauchen diese Zombies der Zeitgeschichte auf dem Flughafen auf, graben sich zwischen gläsernen Gängen aus der heimatlichen Scholle und machen im Gleichschritt Randale: ein wacker-jämmerliches Grüppchen Kaisertreuer, die von den heutigen Passagieren aus gutem Grund scheel angeschaut werden. Gesindel aus dem Osten, mutmaßen einige. Und was ist nun mit dem alten Kaiser? Der kommt auch daher, im Rollstuhl – und endlich sagt er seinen untoten Getreuen, was Sache ist: Die Monarchie ist begraben wie er selbst und sie. Nicht mehr nötig zu sterben. Alles schon in die Erde versenkt, endgültig...


Schauspielhaus Graz

Europa Horror Picture Show

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 27. April 2013. "Was ist Deine Vision von Europa?" Die Terroristin will eine Antwort und hält dem Befragten die Knarre vors Gesicht. Gleich drauf kreischt sie: "Sag etwas Poetisches über Europa!" Da liegen drei Geiseln schon mausetot da, eine nette kleine Familie. Dem Kandidaten hat es die Sprache verschlagen bei dieser Radikalvernehmung in Sachen EU. So wie vielleicht dem Publikum in manch anderer Radikalszene an dem kurzen, aber krassen Theaterabend.


Schauspielhaus Graz

Gottgleicher Märchenonkel

von Leopold Lippert

Graz, 15. März 2013. Schauspielhaus-Intendantin Anna Badora hat sich einiges vorgenommen. Gemeinsam mit dem österreichischen Autor und erfahrenen Antike-Neuschreiber Michael Köhlmeier will sie die Orestie nach Aischylos neu erzählen, diesmal aus dem Blickwinkel der Frauenfiguren. Im Programmheft spricht Badora von einer "Aneignung", die mit der Männerzentriertheit der antiken Vorlage rund um Tochter-, Ehegatten- und Muttermord bricht. Logischerweise bringt diese Verschiebung auch eine Titeländerung mit sich: Die Version im Grazer Schauspielhaus heißt schlicht "Klytaimnestra".


Schauspielhaus Graz

Punktejagd mit Bombenstimmung

von Leopold Lippert

Graz, 19. Januar 2013. Genau durchnummeriert nehmen die fünfzehn Spieler am hinteren Bühnenrand Aufstellung. In schlabbrigen Arbeitsuniformen treten sie zu einer schweißtreibenden Gameshow an, bei der nur einer übrig bleiben wird – der letzte Mensch in Graz. Zehn weiße und fünf schwarze Spieler gibt es: die weißen Kandidaten sind Mitglieder von Viktor Bodós ungarischer Szputnyik Shipping Company, die "schwarze Minderheit" stammt aus dem Ensemble des Grazer Schauspielhauses.


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Gott am Apparat

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 15. Dezember 2012. "Ich hab hier eine Karte für Goethes Faust", reklamiert Mephisto, Parkett Mitte sitzend, nach gut einer Viertelstunde. Recht hat er. Goethes Verse kommen im Grazer Schauspielhaus nicht ganz so schnell in Fahrt. Dann aber umso rasanter. Doch zuerst hören wir Faust die längste Zeit hinter dem Vorhang mit sich hadern, während vorne ein Typ steht, der gerne telefoniert. "Gott?" - "Ja, am Apparat." Über Gott und die Welt plaudern die beiden, über Europa, Selbstmord und Gutmenschen. Der Mensch sei die Krone der Schöpfung, befindet der sächselnde Gott fast trotzig, während man Faust von hinten toben hört: "… und leider auch Theologie ..."


Schauspielhaus Graz

Heimat als Begriff und Gefühl

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 13. Oktober 2012. "Ich glaube, ich bin …", beginnt sie zögerlich. Er drauf: "Schwanger?". Sie: "… Jüdin." Fragt sich, was schlimmer ist. Für sie, für ihn, überhaupt. – Ein Beispiel für den pointierten Witz der israelische Theatermacherin Yael Ronen, der nicht dort Halt macht, wo gemeinhin die Political Correctness einsetzt. Dritte Generation hieß eine ihrer heftig diskutierten Arbeiten (eine Zusammenarbeit des Israelischen Nationaltheaters Habima mit der Ruhrtriennale und der Schaubühne Berlin). Immigration ist nicht mit ein, zwei Lebensaltern abgehakt. Hehre Ideen scheuern sich auch nach langen Zeitspannen an der Praxis wund. Genau das interessiert Yael Ronen.


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Im tumben Gleichschritt zum Plansoll

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 28. September 2012. Die Combo wächst aus dem Erdboden heraus, verliert aber gleich alle Bodenhaftung und fliegt himmelwärts: der Bassist, die Geigerin, der Sopransaxophonspieler und sogar der Pianist mitsamt Instrument. Sanft jazzelnd vertschüssen sie sich in Richtung Schnürboden und lassen die Zuschauer verblüfft zurück – da will der Schlussbeifall erst mal wieder geerdet sein…


Schauspielhaus Graz

altEmpört euch, Wutbürger!

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 10. Mai 2012. In Boris Nikitins Kleist-Paraphrase Der Fall Dorfrichter Adam (in Graz uraufgeführt 2010) sind ein Notlicht und ein Erste-Hilfe-Koffer explodiert. Das hat Effekt gemacht. Vielleicht deshalb knallen und funken diesmal auf der Probebühne des Schauspielhauses nacheinander ein Reisekoffer, eine Venusstatue und ein Papierhäuschen. Es knallt in einer Episode, da tiefgründig philosophiert wird. Die Detonation folgt einer physikalischen Versuchsanordnung. Wir sollen nachdenken darüber, ob und wie Wahrscheinlichkeit und Möglichkeit, Erwartung und Option einander bedingen. Nicht einleuchtend? Egal. Hauptsache es kracht und es ist was los auf der Bühne.


Schauspielhaus Graz

altRaus aus der Kiste

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 16. Februar 2012. Mit versteinertem Gesicht steht Nora da und lässt uns ohne jede Seelenregung die erste Regieanweisung hören, die Beschreibung des "Puppenhauses", von dem wir nichts zu sehen bekommen, weil es bestenfalls in der Vorstellung der Protagonisten existiert (oder in der Performance, die diese Leute nach außen geben wollen). So schneidig, wie ihre Stimme klingt, ist sogleich klar: Nichts da mit heimeliger Vor-Heiligabend-Stimmung. Nora weiß natürlich schon im Voraus, was Thorwald Helmer sagen wird, wenn er jetzt gleich bei der Tür hereinkommt: Hat mein Vögelchen wieder…


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Von wegen Traum

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 14. Januar 2012. Zettel heißt schon wirklich Zettel, aber die anderen sind ein bunt zusammengewürfeltes Ost- und Süd-Völkchen: Ratislav und Vassilij, Hilmi und Yoshka heißen sie, und solche Menschenbewegung auf einen Platz hin hätte sich der gute alte Shakespeare auf seiner Insel auch in einem damals durchaus kräftig durchmischten Europa nicht träumen lassen. Jetzt sind sie also da, und wenn es dann ernst wird mit der Aufführung von "Pyramusch und Tischbi", wie sie sagen, wird der feinen Gesellschaft (die dafür in den Proszeniumslogen des Grazer Schauspielhauses Platz nimmt) sehr plausibel gemacht: Das hier ist Theater von "Menschen mit Migrationshintergrund".


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Vom Flirten und Lieben im Brunnen

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 5. Januar 2012. Phädra, Frau des Theseus, eine Kokotte? Ihre lüsternen Augen sind auf Hippolytos gefallen, den Sohn des Königs. Sie flirtet überhaupt gerne, die junge, ultra-leichtgeschürzte Dame. Zum Beispiel mit einem Zuschauer aus der zweiten Reihe, dem sie schöne Augen macht und mit auffordernder Geste eine Konfektschüssel hinhält. Doch wenn der danach greift, zieht sie das Ding weg. So eine ist das.


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Die Vermessung des Ego

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 2. Oktober 2011. "Wann schreibst Du auch so was?", fragt nicht nur die Mutter den hoffnungsvollen Autor – und meint Daniel Kehlmanns "Vermessung der Welt". Einen Theaterabend lang erleben wir, wie Thomas, Autor des Romans "Die Arbeit der Nacht", zusehen muss, wie Freund Daniels Verkaufszahlen astronomisch in die Höhe klettern. Selbst krebst er bei achttausend herum (diese Auflage ist ihm vom Hanser-Verlag jedenfalls angekündigt), was andere für durchaus respektabel halten. Aber: "So viel verkauft Daniel am Tag". Grund genug, in einen Fieber-Albtraum zu taumeln, der in diesem Fall eher ein Alk-Traum ist.


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"Sie wissen, dass es kein Hier gibt!"

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 24. September 2011. "Für eine kurze Zeit war ich glücklich", seufzt Frau Gödel, und ihr Mann, der große Zeit-Theoretiker, kontert wie aus der Pistole geschossen: "Das ist viel!" Nicht nur da fällt einem Loriot und das Viereinhalb-Minuten-Ei ein.


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Schwarzweiß, aber nicht ganz furchtbar

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 21. Mai 2011. Der Papst wäre auch eingeladen, aber der kommt nicht einfach so. Bei Theaterleuten ist es viel unkomplizierter, die sind beweglicher. Und so machten sich vor zwei Wochen ein Grüppchen Grazer Schauspieler und die österreichische Regisseurin Christine Eder für drei Tage auf nach Lampedusa. Dorthin fahren sonst eher Mitarbeiter humanitärer Organisationen und, wenn's gut geht, Politiker, auf dass sie sich vor Ort jene Bilder machen, die möglichst gut ins je eigene Weltbild passen.


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Locker dümpeln

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 30. April 2011. Zu mehreren Grillpartys unter befreundeten Ehepaaren sind sie eingeladen worden, die beiden Singles "Er" und "Sie": "integriert – ich weiß zwar nicht in was", aber jedenfalls tief "hinein in ihr Soziales, in ihren Gemeinschaftskörper", weil "den Volksmund öffnen wir und laden ein"! So ätzt "Er". "Sie" kennt "Liebe eigentlich nur aus dem Kino", gibt sich voll emanzipiert und selbstbewusst und wundert sich dann doch, "warum jeder Zentimeter dieses Körpers verrät, dass ich in der Provinz geboren wurde". Aber "der Körper ist ein Gift solang er lebt", möglicherweise ja schon deshalb, weil "ein Frauenkörper immer zu viel Materie hat für eine Idee".


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Hinter dem Spiegel

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 21. Januar 2011. Mit einem Fingerschnipser kann Werther Szenen, die ihm wichtig sind, wiederholen. Sie für sich noch einmal herbeizaubern. Das Erlebte gleichsam repetieren. Da verwandelt sich der vermeintliche Spiegel – neben einem Schreibtisch einziges Dekorationsstück dieser Aufführung – in eine durchsichtige Scheibe. Hinter dem Glas Lotte, die unerreichbare Angebetete. Sie tut eigentlich nichts, sie ist nur. Ein bodenlanges weißes Unterkleid trägt sie und ein weißes Mieder darüber. Eine pausbäckige junge blonde Dame, eigentlich ohne besondere Eigenschaften. Wenn sie Werther zuwinkt, dann freundschaftlich. Nicht mal schüchtern, aber ohne wirkliche Emotion meist. Wenn die beiden aufeinander zugehen, die Hände an den Spiegel legen, sind das von ihrer Seite zurückhaltende Gesten von Sympathie, nicht mehr. Und immer ist ja das Glas dazwischen, selbst in der hübschen (natürlich auch nur pantomimisch angedeuteten) Kanarienvogel-Szene.


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Gott und die ganze Welt

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 13. Januar 2011. Da steht sie also, Judith, im blutbesudelten weißen Hemd, wie es einer Mörderin wohl zukommt. Aber sie trägt das Haupt des Holofernes im Sackerl, als ob sie gerade aus der Gemüseabteilung eines Supermarkts käme. Die Dinger sind halt praktisch, wenn man schnell was reintun muss, was tropft. Die Öko-Diskussion über die Plastiktüte bekommt eine neue Dimension. Und das Erlösungswerk der Judith ebenfalls. Sie hat sich und ihren Körper hingegeben. Der schier unbezwingbare Feldherr Holofernes hat die als letzte widerständische und gottgläubige Stadt Betulia belagert. Judith hat sich ihm angedient, mit ihm geschlafen und ihm das Haupt abgeschlagen. Aber jetzt erst recht zweifelt sie an sich und ihren eigenen möglicherweise gar nicht so hehren Absichten. Am göttlichen Auftrag sowieso. War nicht auch Lust (oder genauer: der aufgestaute und jetzt vehement abgearbeitete Frust einer nicht vollzogenen früheren Ehe) dabei? So weit ist's nicht her mit der Selbst-"Aufopferung".


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Der Teufel schlägt Stalin mit den eigenen Waffen

von Reinhard Kriechbaum

Graz, am 12. Dezember 2010. Das Team ist innig zusammengeschweißt: der ungarische Regisseur Viktor Bodó und seine Dramaturgin Anna Veress, der österreichische Bühnenbildner Pascal Raich, die ungarische Kostümbildnerin Fruszina Nagy und der deutsche Komponist und Arrangeur Klaus von Heydenaber. Mit Peter Handkes Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten waren sie zum Berliner Theatertreffen 2010 und zum Moskauer NET-Festival eingeladen. Kafkas "Schloss", Carolls "Alice in Wonderland", zuletzt Molnárs Liliom – all diese Inszenierungen verbindet die Kombination aus Alltag und Magie, aus spielerischem Ernst und todtraurigem Humor. Solche Geschichten liegen diesem Grüppchen von ambitionierten Fabulierern. Indem Bodó die Grazer Ensemblemitglieder mit Darstellern aus seiner Budapester Szputnyik Shipping Company zusammenbringt, hat er ein schier unerschöpfliches Reservoir an schrägen Typen, komischen Käuzen und tragischen Alltags-Clowns beisammen. Seit fünf Jahren realisiert der 1978 geborene Viktor Bodó jährlich eine Produktion in Graz. In diese Serie fügt sich fugenlos die neue Bühnenfassung von Bulgakows Roman "Der Meister und Margarita" ein.


Schauspielhaus Graz

Zum Straucheln brauchts den Strauch nicht

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 27. November 2010. "Ich arbeite letztlich an der Glaubwürdigkeit", erklärt Michael Jackenkroll in einer der ersten Szenen. Leute wie er stehen normalerweise nicht auf der Bühne, nicht mal im Programmheft. Er ist Sprecherzieher. Einmal in der Woche, so erfahren wir, kommt er nach Graz und arbeitet mit den Schauspielern: einer der unbedankten Berufe im Theater, mit wenig Chance, vom Publikum wahrgenommen und je mit einem Gesicht verknüpft zu werden. Der Schauspieler hat in der Hinsicht entschieden bessere Karten.


Schauspielhaus Graz

In Wahrheit ist alles die harte Tour

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 30. April 2010. Mit Smirnoff hat David, der Ehemann, nachgeholfen, als er seine Frau Jess so da liegen sah. Eine Überdosis Schlaftabletten hatte sie genommen, auf den Alkohol vergessen. Den Smirnoff hat er ihr schließlich mit einem Schlauch eingeflößt. Die Gelegenheit war günstig, beim Selbstmord nachzuhelfen. Von einer Probefahrt mit einem chicken Auto war David eben heimgekommen - wohl wissend, dass er sich ob der Schulden, die seine Frau angehäuft hatte, ein solches Auto abschminken werde können. "Jetzt kann ich mir dieses Auto leisten!" Das ging ihm durch den Kopf, als er nicht den Krankenwagen, sondern den Vodka holte.


Schauspielhaus Graz

Der Strizzi mit der sanften Seele

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 12. März 2010. Wie einen Galgenstrick hat er die Schnur eines Gasluftballons um seinen Hals gelegt, als schlacksiger Guignol in gestreifter Hose kommt er daher und macht billige Taschenspieler-Tricks: Liliom, der Erz-Strizzi, dem aus unerfindlichen Gründen die Frauen nachlaufen. Im konkreten Fall Julie, das Dienstmädel, und Frau Muskat, die Karussellbesitzerin. Sie täte der Jungen am liebsten die Augen auskratzen in ihrer Eifersucht.


Schauspielhaus Graz

Jedermann im Bordell

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 11. Februar 2010. "Ich habe immer gewusst, wer ich bin", sagt Wessely gern, und im gleichen Atemzug versichert er: "Sonst machen sie mit Dir, was sie wollen." Gebetsmühlenartig wird der Mann diese Sätze wiederholen. Wessely ist Nachtclub-König, Besitzer von gleich elf Etablissements. Einer also, der es zu etwas gebracht hat. Einigermaßen clean scheint die Sache gelaufen zu sein. Familie und Beruf hat er immer strikt auseinander gehalten.


Schauspielhaus Graz

Rotkäppchens Verletzungen

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 7. Januar 2010. Als fortgeschrittenes Semester täte unsereiner freilich misstrauisch werden, wenn einen die vermeintliche Oma auffordert, sich der Kleider zu entledigen und zu ihr ins Bett zu kriechen. Aber das Mädchen tut's natürlich. Großmutter, warum hast du so viele Haare (und andere Dinge, die unerwartet üppig ausfallen)?


Schauspielhaus Graz

Bilder aus dem urbanen Ameisenhaufen

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 14. Mai 2009. Ein junger Mann wacht auf einer Parkbank auf, man hört Vögel zwitschern, eine aufdringliche Blondine im roten Kleid steht da wie eine, die noch Überstunden machen muss, während der Elektriker mit seinem Werkzeugkoffer seiner Arbeit entgegen strebt. Was mag es mit der Ritterrüstung auf sich haben, die man rechts auf der Bühne sieht? Einem Touristen im weißen Käppi fehlt es offenbar an geographischem Durchblick, aber wenn er mit dem Stadtplan in der Hand um Rat fragt, setzt ohrenbetäubendes Glockengeläut ein; er wird die Antwort nicht verstehen.


Schauspielhaus Graz

Wie im Leben, so in der Stube

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 20. März 2009. Der Ortsgruppenleiter im steirischen Eisenerz sagt von sich, er sei "wirklich eine arme Sau: keine Juden zu deportieren, nicht mal Zigeuner". Ein anderer heißt Wenzel, will aber Adolf genannt werden und hat es über die Maßen eilig mit dem Hitlergruß. Der österreichische Roman- und Bühnenautor Franzobel spart nicht mit deftigem Personal.


Schauspielhaus Graz

Mit Lear dankt die Welt ab

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 24. Februar 2009. Einen Zettel mit der Aufschrift "I am Lear" hat er umgehängt, der kleine Mann im schwarzen Anzug. Darin sieht er aus wie all die anderen. Und doch behauptet er von sich, er sei "in jedem Zoll ein König". Aber zu diesem Zeitpunkt ist die Sache gelaufen für Lear, der längst nicht mehr Spielmacher ist, sondern eine geschlagene Spielfigur, aufgestellt irgendwo neben dem Brett, auf dem jetzt ein gar grausiges Spektakel um Machtgewinn oder Machterhalt stattfindet. Eines, das längst keinen vorhersehbaren Gesetzmäßigkeiten mehr gehorcht.


Schauspielhaus Graz

Das Latex-Ich ist ein anderes

von Hermann Götz

Graz, 29. Januar 2009. Also das Bier ist echt. Das lässt sich in den vorderen Reihen der Probebühne leicht feststellen. Des Geruches wegen. Und weil es bei "wirkinderdesnetzes" so richtig großzügig über die Bühne verschüttet und verspritzt wird. Für die theatralische Verwertung polnischer Kult-Blogs aus dem Rechner von @linka ließen sich Christina Rast (Regie) und Franziska Rast (Bühne und Kostüme) auf ein Spiel der Schein-Welten ein. Und auf die Referenzhölle medial gefütterter Jugendkulturen.

 


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Geklonte Frauen mit Leberfleck rechts

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 4. Januar 2009. "Wenn er nicht gleich etwas sagt, ist es Mord!" Aber die Ich-Erzählerin in Ingeborg Bachmanns Roman "Malina" wartet vergebens, und so wird sie ihr Gesicht auf die Herdplatte legen, "um Feuer zu bekommen für eine letzte, eine allerletzte Zigarette". Es ist eine jener Passagen, die gruseln machen: Zwei Jahre nach Erscheinen ihres einzigen fertiggestellten Romans, 1973, ist die Autorin in Rom durch einen Brandunfall zu Tode gekommen, dessen nähere Umstände nie wirklich geklärt werden konnten.


Schauspielhaus Graz

Troja - das war echt Scheiße

von Reinhard Kriechbaum

Graz, 15. November 2008. Da steht sie also, die Amazone Prothoe, in der einen Hand ein Messer, in der anderen eine Pistole. Aber was soll sie machen, wo doch die Königin Penthesilea und der Grieche Achill einander in den Armen liegen, frisch verliebt, anstatt erz-verfeindet, die Welt um sich vergessend, anstatt einander bis aufs Blut zu bekämpfen. Da sind zwei Leute ausgeschert aus dem System festgeschriebener, aber doch mehr als fragwürdiger Werte. Sie sind nicht mehr bereit, mitzutun im bitterernsten Kriegs-Spiel. Was also tun? Schließlich piekt Prothoe den verliebten Achill ein klein wenig in den Hintern, auf dass er aufwache - ohne zu wissen, was sie ihm eigentlich sagen soll, wenn er dann zur Räson gekommen sein wird.


Schauspielhaus Graz

Deutlich didaktisch

von Hermann Götz

Graz, 11. April 2008. Eines war bei der Premiere von Sophokles Antigone in Graz nicht zu übersehen. Intendantin Anna Badora, die hier auch für die Inszenierung verantwortlich zeichnet, hat eine didaktische Ader. Das zeigte sich schon an der Spielplangestaltung. Denn diese Antigone war dramaturgisch gut eingeführt. Zu Beginn der Spielzeit hatte das Grazer Schauspielhaus in Kooperation mit dem "steirischen herbst" Gerhild Steinbuchs "Verschwinden oder die Nacht wird abgeschafft" zur Uraufführung gebracht, ein Stück, das sich zur Antigone als Ausgangspunkt und Inspirationsquelle bekennt. Im November folgte auf der Probebühne "Oedipus", die Vorgeschichte also, die von Ingo Berk sehr schlicht und ernsthaft in ein kühles Bühnenlicht gesetzt wurde.  


Schauspielhaus Graz

An die Zielgruppe denken

von Hermann Goetz

Graz, 19. März 2008. Stimmt schon, der durchschnittliche Theaterbesucher ist weder jung noch sportlich noch trendbewusst. 55 Jahre ist er alt, wenn wir dem Dramatiker Simon Stephens glauben wollen. Nicht nur in England. Und, stimmt schon, bei dem Altersschnitt könnte das Theater irgendwann ein Problem bekommen. Theaterhäuser werden folglich auch daran gemessen, ob es ihnen gelingt, bis zur U-40-Liga vorzudringen. Beim Publikum. Bei den Regisseuren. Und bei den Autoren.


Schauspielhaus Graz

Im Chor Richtung Kohle

von Gregor Schenker

Graz, 7. März 2008. Mit "Go West – eine Familie wandert aus" widmet sich das Schauspielhaus Graz einer Durchleuchtung der Aufschwungsparolen der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. "Go west, life is peaceful there, go west in the open air", sangen einst die Village People zur Melodie der russischen Nationalhymne. Nicht dieser Gassenhauer wird in dem Auftragswerk des Grazer Schauspielhauses  geträllert, dafür aber in Dirndl und Krachlederner der Kanon "Hätt i di, hob i di" gejodelt. Dennoch wird im Laufe des Stückes Erzengel Gabriel der bibelfesten Durchhaltemutter Maria zur Verkündigung erscheinen und dabei frappant an den "Indianer" Felipe Rose der New Yorker Discotruppe erinnern.


Schauspielhaus Graz
Subtil bedrohter Realismus

von Hermann Götz 

Graz, 18. Januar 2008. Anna Badora hat nun bereits die Hälfe ihrer zweiten Spielzeit als Intendantin in Graz hinter sich. Es ist also wirklich nicht mehr nötig ihre Arbeit mit der des Vorgängers zu vergleichen. Im Fall von Cornelia Crombholz' David-Greig-Inszenierung geht es aber nicht ganz ohne einen Hinweis auf das – künstlerisch durchweg konträre – Wirken von Matthias Fontheim.


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