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archiv » Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau (8)
Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau

Halt dich an deiner Flasche fest

von Lukas Pohlmann

Zittau, 10. Februar 2017. Blanche DuBois hat Geburtstag und was macht ihr Schwager? Schaufelt sich den Kuchen mit bloßen Händen rein und erklärt sich zum König seiner kleinen Wohnung. Seiner Welt aus Sehnsucht und Bedürfnissen. Aus Alkohol und Abgehängtsein.


Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau

Farce ohne Lacher

von Lukas Pohlmann

Zittau, 5. Februar 2016. Die einen sind integriert: Der Eine-Welt-Laden Afrikaner, der Besitzer vom Asia-Shop und Ali von der Müllabfuhr sind steuerzahlende Mitbürger. Die anderen leidlich akzeptiert: Eine kleine Gruppe von Flüchtlingen ist in der alten Textilfabrik untergebracht, die vor einiger Zeit Pleite ging. Lebt also dort, wo die Ortsansässigen arbeiten sollten, hätten es die Zeitläufte besser mit ihnen gemeint. Doch nun sollen in den namenlosen Ort, irgendwo im Osten der Republik, noch mehr Asylbewerber kommen. Einunddreißig!, sagen die Anwohner. Wo sollen die hin? Wäre es nicht besser, sie würden gar nicht kommen? Oder auf den Mond geschossen werden, da ist doch so viel Platz, sagen die Anwohner.


Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau

Das Labor in der Kampfzone

von Michael Bartsch

Zittau, 20. Februar 2015. Was ist der Krieg? Sein äußeres Gesicht zeigten in diesen Tagen die Bilder aus dem ostukrainischen Debalzewe. Wie Krieg auch ohne unmittelbare Todesgefahr Menschen deformiert, schildert der erst 25-jährige georgische Autor Data Tavadze in seinem aufrüttelnden Kammerspiel "Kriegsmutter". Das Stück erhielt im Vorjahr gemeinsam mit "Angry Bird" den ersten Preis des zum neunten Mal ausgeschriebenen osteuropäischen Dramen-Wettbewerbs "Talking about borders".


Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau

Ost-Indianer und Western-Ganoven

von Michael Bartsch

Zittau, 7. November 2014. Unerlöste Seele West trifft auf materiellen Erlösungsbedarf Ost. Auf diese knappe Formel ließe sich ein heftiger Theaterabend in Zittau bringen, der sich vom organisierten Jubel dieser Wochen nach 25 Jahren Mauerfall erheblich unterscheidet. Oliver Bukowskis "Indianer", so der doppelbödige Titel, ist als Beitrag des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau zu eben diesem Jahrestag deklariert. Aber zu sehen und zu hören ist alles andere als eine sentimentale Geisterbeschwörung. Man fühlt sich an die subversive Theaternische der späten DDR erinnert, als die Bühne aussprach, was außerhalb der herrschenden Lehrmeinung lag.


Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau

Der Brüste-ab-Babyblues

von Lukas Pohlmann

Zittau, 7. März 2014. Julie ist niedergekommen. Und will jetzt runterkommen. Das Kind im Bettchen neben ihrem hat noch nicht mal einen Namen und nervt schon. Auf der Seitenbühne des Gerhart Hauptmann-Theaters in Zittau stehen Versatzstücke einer Mütterstation. Bett, Beistelltisch, Babybettchen. Das ist die Ausstattung der Deutschsprachigen Erstaufführung von Catherine Grosvenors "Gabriel". Angerichtet vom polnischen Regisseur Łukasz Witt-Michałkowski.


Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau

Kassandra und die Hofschranzen

von Lukas Pohlmann

Zittau, 13. Oktober 2013. Ein Bettler hofft auf eine Gabe und klopft vorsichtig an ein eisernes Tor. Darin öffnet sich eine Pforte, doch statt einer Gabe bekommt er nur einen unnachgiebigen Tritt, der den Bettler auf den harten Vorbühnenboden zurückwirft. Hier nicht, meint der Tritt. Keine Chance. Denn hinter der Pforte spaziert der Hofstaat, angeführt von König und Königin. Als sich der Eiserne Vorhang kurz darauf hebt, wollen die Wohlgeborenen dem Volk aber doch ihre Güte zeigen. So darf der Bedürftige mit 15 Gute-Gaben-Talern abgehen.


Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau

altHauptmanns Geist(er)

von Nadja Lauterbach

Zittau, 25. Februar 2012. Am Anfang steht der Schreck. Völlig unvermittelt betritt nach dem verschneit-düsteren Prolog von Gerhart Hauptmanns "Winterballade" am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau – Gerhart Hauptmann selbst die Bühne. Keineswegs in Form einer Videoinstallation oder einer Puppe. Dafür ist die Inszenierung des Regisseurs und Schauspielintendanten Carsten Knödler von Beginn an zu minimalistisch. "Lebt wohl, ihr guten Kinder", spricht Hauptmann, und erst in diesem Moment wird klar, dass Trug im Spiel sein muss. Dass kein wiederauferstandener Dichter diese Worte sagt, sondern die Figur Arnesohn, gespielt von einem Schauspieler (Christian Ruth), der dem Dichter auf gruselig frappierende Weise ähnelt. Innerhalb einer Viertelstunde hat Knödlers Inszenierung bereits so viel mystische Atmosphäre aufgebaut, dass man ihr sogar Gerhart Hauptmann auf der Bühne zutraut.


Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau

Ich Wurst, du Kippe

von Dirk Pilz

Zittau, 25. Januar 2008. Die meistgenannten Klischees über Deutschland? Genau. Bockwurst, Dirndl, Gartenzwerg. Und über Polen? Schnauzbärtige Trainingshosenmänner, bunte Mariengipsfiguren und billige Zigaretten. Seien wir ehrlich: die Klischeevorstellungen halten sich hartnäckig. Und sie kommen an diesem kurzen Abend auf der kleinen Bühne des Gerhart-Hauptmann-Theaters alle vor.


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