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archiv » Hessisches Staatstheater Wiesbaden (24)
Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Jesus in der Zwangsjacke

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 17. Juni 2017. Wenn politische Utopien ihren Reiz verlieren, suchen Menschen ihr Heil im Jenseits. So kommt es, dass Fragen der Metaphysik derzeit vermehrt in den öffentlichen Raum drängen. Und ins Theater. In Mainz spüren sie der Mystikerin Hildegard von Bingen nach, in Mannheim bietet Signa die Möglichkeit zur Gruppen-Transzendenz, in München zelebriert Susanne Kennedy den Tod als Bewusstseinserweiterung, um nur wahllos einige Beispiele zu nennen.


Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Im Herzen von Roulettenburg

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 16. Januar 2017. So wie Schiller ohne den Geruch faulender Äpfel nicht gut dichten konnte, umgibt sich Dostojewski gern mit Orangen. Zumindest im Wiesbadener Kurhaus, genauer gesagt im prachtvollen Salon Ferdinand Hey'l. Nur ein paar Roulettetisch-Längen entfernt lauert die Spielbank Wiesbaden. Ein Ort, der in zweifacher Hinsicht Literaturgeschichte geschrieben hat: Weil Dostojewski dort Geld verprasste und weil große Teile seines 1867 erschienenen Romans "Der Spieler" dort angesiedelt sind. Im Buch freilich ist nur von Roulettenburg die Rede.


Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Die Märtyrer sind Marionetten

von Alexander Jürgs

Wiesbaden, 25. August 2016. Die Bühne ist schwarz, spartanisch eingerichtet. Eine helle Pressspanplatte hängt in der Luft, daneben ein Tisch mit weißer Oberfläche und schwarzen Beinen, in den Tisch eingelassen ein durchsichtiges Behältnis mit einer Flüssigkeit. Lina Majdalanie steht da, mit roten Korkenzieherlocken, und beginnt zu erzählen. Sachlich, unaufgeregt, lakonisch. Sie berichtet von einem Gefangenenaustausch zwischen Israel und der PLO, im Jahr 1971. Die Überreste eines Soldaten der israelischen Armee werden eingetauscht gegen acht palästinensische Gefangene und den toten Körper von Deeb Al-Asmar. Er gilt als der erste Libanese, der für die Sache der Palästinenser den Märtyrertod gestorben ist. Die Heimkehr seines Leichnams setzt ein riesiges Brimborium in Gang. In den Straßen wird der Gefallene gefeiert, in Beirut wird eine Statue für ihn errichtet.


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Kirschgärtchen in New Orleans

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 23. April 2016. Wenn Lebenslügen Tiere wären, könnte man sie sich durchaus als kleine miese Moskitos denken, die den Menschen um den Verstand schwirren und einfach keine Ruhe geben. Nervtötend, enervierend, nicht auszuhalten. Die "Puppenstube" bevölkern die Biester in Massen, ständig wedeln die Akteure mit den Händen herum, um sie zu verscheuchen.


Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Sex and Crime, frei ab 14

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 31. März 2016. Der dämlichste Moment ereignet sich gleich zu Beginn. Da krächzt Karlheinz Stockhausens berühmt berüchtigtes Verdikt über die Anschläge des 11. September 2001 aus den Lautsprechern. Von Geistern sprach er da, die in einem Akt etwas vollbrächten, was man in der Musik nie träumen könnte. Im Fanatismus der Täter und in ihrem Sterben nach der Tat, sah er dann das größte Kunstwerk überhaupt am Werk oder so. Das Zitat dient dem Abend als merkwürdiger Prolog. Gewiss, auch Hedda wird am Ende des Stücks die Schönheit des Selbstmordes Eilert Løvborgs preisen, doch stellt sie das in eine Reihe mit Stockhausens Verherrlichung der Terroranschläge? Scheint mir zu weit hergeholt. Was Stockhausen bewogen hat, sich derart zu äußern, ist unsicher. Bei Hedda Gabler indes, der stolzen Tochter eines Generals, ist von Beginn an klar, dass nur ihre abgöttisch geliebten Pistolen ein bisschen Schönheit in ihr vermaledeites Leben bringen.


Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Brecht goes Bowie

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 30. Januar 2016. Womöglich taugt die betuliche Didaktik des Anti-Kriegs-Dramas "Mutter Courage" nur noch als Schullektüre. Nicht nur der belehrende Impetus wirkt heute empfindlich graustichig, sondern auch die ganze Dramaturgie der nur schwerfällig in die Gänge kommenden Chronik. Die Inszenierung von Thorleifur Örn Arnarsson am Hessischen Staatstheater kommt zwar von Beginn an groovig und bunt daher, findet aber auch ziemlich langwierig zu ihren starken Momenten.


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Irgendwo hinterm Regenbogen

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 24. September 2015. Aus zwei kurzen Geschichten von Alice Munro, die ebenso nüchtern wie spannend vom Fortgehen erzählen, generiert dieser Abend ein Untergangsszenario, das keinen Stein auf dem anderen lässt. Während sich bei Munro das Unheil oft in Nebensätzen versteckt, wie die Literaturkritikerin Verena Auffermann einmal treffend schrieb, stürzen die Figuren auf der Bühne in ihr Unglück wie in eine Naturkatastrophe. Drastisch, düster und beinahe unausweichlich entgleisen hier die Leben der beiden Mütter. In ihrer Kurzgeschichte "Die Kinder bleiben hier" erzählt Munro von einer Frau, die ihren Mann und ihre zwei Töchter verlässt, um an der Seite eines Regisseurs ein neues Leben anzufangen, ohne zu ahnen, dass das Leben nie wieder neu anfängt. In "Dimensionen" indes verabschiedet sich eine Mutter erst gar nicht von ihren drei Kindern, weil sie nur eine Nacht wegbleibt. Doch als sie wieder nach Hause kommt, sind die Kinder schon nicht mehr am Leben.


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"Ausgerechnet heute!"

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 12. April 2015. Philipp Löhles neues Stück spielt hier, aber nicht heute, sondern am Tag, an dem die Welt untergeht sowie am Tag danach. Das Internet geht nicht mehr, es gibt kein Wasser und keinen Strom, Gift liegt in der Luft, die Vögel stürzen kopfüber vom Himmel, die Gerüchte kochen: Islamismus, Terrorismus, Weltrevolution. Doch nach einem Tag ist alles vorbei, das Internet geht wieder, es gibt wieder Wasser sowie Strom, und Gift liegt auch nicht mehr in der Luft. Dazwischen überlegen sich ein paar Leute, was sie tun würden, wenn ihnen nichts mehr übrig bliebe, und kommen dabei zu keinem richtigen Ergebnis.


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Karrieristen in Dubai

von Anja Baumgart-Pietsch

Wiesbaden, 7. März 2015. Die Weiber, die Weiber! Man vertändelt gar zu viel Zeit mit ihnen. So eine Sentenz am Vorabend des Internationalen Frauentages! Sie stammt von Goethe. Sein Clavigo, der diesen Ausspruch tätigt, ist wahrhaftig kein "Mann mit Eiern", wie es sein Freund Carlos von ihm verlangt. In der bearbeiteten Neufassung des gleichnamigen Trauerspiels von Hakan Savaş Mican und Oliver Kontny am Wiesbadener Staatstheater ist Clavigo ein eher larmoyanter, unentschiedener und unausgesetzt weinerlich dreinblickender Möchtegern-Karriere-Junkie, der über die Leiche seiner Beziehung zu Marie gehen will, um es in Dubai ordentlich zu etwas zu bringen. Dubai? Ja, Regisseur Mican hat das bürgerliche Trauerspiel Goethes nicht nur um ein paar Jahrhunderte in die Gegenwart transportiert, sondern auch um den halben Erdball, von Madrid in die Nahost-Boomtown der heutigen Zeit, wo alle möglichen Europäer versuchen, vom Geld der Ölmagnaten Honig zu saugen.


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Launige Luxusgeschöpfe

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 13. Dezember 2014. Jonas Lüschers Novelle "Frühling der Barbaren" ragte aus den deutschsprachigen Neuerscheinungen des Frühjahrs 2013 wundersam heraus. Dabei ist es nur eine kurze Geschichte, nicht einmal 120 Seiten, die aber gleich mit mehreren unerhörten Begebenheiten aufwartet und dabei ins Herz der gegenwärtigen Finsternis zielt. Es ist eine moralische Geschichte, in der das Menschsein zur Mutprobe gerät. Im Zentrum steht Preising, ein wohlsituierter Schweizer Fabrikerbe, der sich gewählt und immer ein bisschen altmodisch auszudrücken versteht. Dieser Preising unterhält sich mit einem anderen Mann und Lüscher deutet an, dass die beiden sich in einer psychiatrischen Anstalt befinden. Doch beim Lesen vergisst man das und denkt, sie könnten ebenso gut im Gefängnis oder vor Gericht auf und ab gehen. Ein dritter Erzähler erweist sich bei Lüscher dann als allwissend und weiß naturgemäß alles besser.


Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Die neue Kraft

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 13. September 2014. Dass Thorleifur Örn Arnarsson in Wiesbaden ein paar kräftige Buhs kassieren würde, konnten sich all jene leicht ausrechnen, die seine Inszenierungen kennen und Wiesbaden auch. Dabei hatte seine "Dreigroschenoper" gar kein Buh nötig, auch nicht die zwanglos hingeworfenen Verfremdungseffekte; der mittelmäßige Klang und die damit einhergehende Unverständlichkeit des Gesagten und Gesungenen schon eher.


Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Wasserspiele im faulen Sumpf

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 28. September 2012. Dieses Stück bringt noch die letzte Hoffnung an das Gute im Menschen zum Erlöschen, und es bleibt ein Rätsel der Theatergeschichte, warum ausgerechnet dieser Gorki vergleichsweise selten gespielt wird. Schon beim Lesen besticht das Stück mit seiner wuchtigen Allgegenwart. Seine eigentliche grausame Kraft entwickelt es dann aber erst auf der Bühne, zumindest in dieser Inszenierung von Markus Dietz.


Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Angst in der Fremde oder Angst der Fremden

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 1. Dezember 2012. In seinem Stück mit dem schönen Titel "foreign angst" schickt Konradin Kunze einen namenlosen Protagonisten ins Herz der Finsternis. Ort: eine Kleinstadt in Afghanistan. Zeit: ungefähr heute. Der junge Mann ist angehender Journalist, heißt es. Als solcher möchte er einen so genannten Vorfall recherchieren, bei dem deutsche Soldaten während einer Straßenkontrolle Zivilisten töteten. Schauplatz des Stücks ist ein eigentlich geschlossenes Hotel, in dem bloß noch ein Portier und seine Tochter hausen. Ab und zu schneit eine Gin-selige Sanitäterin hinein, die dem jungen Mann erklärt, wo es langgeht. Sechs Tage sieht das Stück ihm dabei zu, wie sein Trip ins Ausland sich zum afghanischen Alptraum wandelt.


Hessisches Staatstheater Wiesbaden

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Die Liebesnöte der Alten

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 3. Juni 2012. In erster Linie ist es ihrer fabelhaften Schauspielkunst zu verdanken, dass der Versuch, aus dem Roman "Lotte in Weimar" ein Bühnenstück zu generieren, nicht scheitert. Monika Kroll spielt die in die Jahre gekommene Charlotte Kestner, geborene Buff, nämlich als wunderbar verblühtes Fräulein mit missmutiger Schnute, die nölt, blafft, keift und bellt. Gekränkt heult sie ihrer vergangenen Jugend hinterher, wobei der Abend weniger die Geschichte einer unmöglichen Liebe erzählt als die einer ausgeblichenen Erinnerung.


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Die Liebe in den Zeiten der Zollstock-Charts

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 6. November 2011. Dem deutsch-isländischen Autor Kristof Magnusson ist mit seinem Roman "Das war ich nicht" im vergangenen Jahr ein leicht verdaulicher Unterhaltungsroman gelungen, der vor dem Hintergrund einer Finanzmarktkrise eine hinreißende Dreiecksgeschichte schildert.


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Wo rohe Menschennatur sinnlos waltet

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 7. Oktober 2011. Auch nach diesem Abend sind die Kinder Agamemnons eigene Dramen wert und doch hat die Wiesbadener Alles-auf-einmal-Light-Version ihren Reiz. Regisseurin Konstanze Lauterbach und Dramaturgin Dagmar Borrmann, ein eingespieltes Team, haben aus der antiken Splatter-Dramenfolge ein eigenes Stück in vier Akten generiert. "Iphigenie in Aulis", "Orestes" und "Iphigenie im Land der Taurer" von Euripides sowie "Elektra" von Sophokles bildeten die Vorlagen. Den ersten und vierten Teil bestimmt Iphigenie, den zweiten Elektra und den dritten Orest. Das Ganze rinnt in zweieinhalb bildstarken Stunden vorbei.


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Camelot? Ist nur eine Kulisse!

von Marcus Hladek

Wiesbaden, 11. Juni 2011. Ist "Prinz Eisenherz" komisch? In Wiesbaden ist er es. Vor allem wohl, um die Schwierigkeit zu überspielen, die es aufwirft, wenn zehn großformatige Sammelbände aus 43 Jahren Comicgeschichte zum episodischen Abend von 80 Minuten Dauer werden sollen, ohne den roten Faden zu verlieren. Der Comic "Prinz Eisenherz" ist ja, anders als die "Funnies" vor ihm, bildstark in seinem romantischen Realismus, kennt keine Sprechblasen und hält sich textlich zurück.


Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Iokaste – Wat haste?

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 14. Januar 2011. Lange schon bestückt der Kabarettist Bodo Wartke die Bühnen mit "König Ödipus" als One-Man-Show. Nun hat er daraus eine gereimte Revue rund um den unglücksseligen "Motherfucker" gemacht. Das Menschheitsdrama als Lachnummer. Die Regisseurin und Leiterin der Spielstätte Wartburg, Caroline Stolz, die jetzt die Uraufführung der Theaterfassung besorgte, verteilt den Text auf drei weibliche Schultern: Evelyn M. Faber, Stefanie Hellmann und Friederike Ott. Drei Frauen, drei Stimmlagen, drei Temperamente. Jede spielt jeden, und jede mimt mal Ödipus.


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Wenn Iglus schmelzen

von Marcus Hladek

Wiesbaden, 20. November 2010. Die Uraufführung des Wenderomans "Der Turm" (Deutscher Buchpreis 2008) in der Fassung von Jens Groß und Armin Petras fand im September in Dresden statt. Guten Sinn hatte der zeitliche Vorrang vor Wiesbaden vor allem stofflich. Zwar setzt die Wiesbadener Bearbeitung durch den Schriftsteller und Thomas-Mann-Dramatisierer John von Düffel jetzt Maßstäbe, denen sich eigentlich nur nachhinken lässt – doch der stark autobiografisch geprägte Roman spielt nun einmal zwischen 1982 und 1989 in einem Dresdner Villenviertel, genauer in einem Milieu aus Ärzten, Lektoren, Musikern und sonstigen Bildungsbürgern, die sich bei Hausmusik und zweckfreier Kulturschwärmerei so gut es geht von den Zumutungen des DDR-Systems abschotten. Im Zentrum stehen der Abiturient Christian Hoffmann (Michael von Burg), der sich das Medizinstudium durch drei Jahre NVA erkaufen wird, und seine Eltern: der Arzt Richard Hoffmann (Lars Wellings) und Anne (Doreen Nixdorf, auch als Vera).


Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Mein ist die Rache, redet der Rosshändler

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 30. Januar 2010. Die Prognosen standen nicht gut. Die meisten versprachen sich wenig von einer Dramatisierung des "Kohlhaas". Was sollte das auch bringen? Heinrich von Kleist hat schließlich in seiner meisterlichen Novelle alles gesagt – und das in feinnerviger Umständlichkeit, die sich nicht ohne weiteres im Theater auf den Punkt bringen lässt. Doch schon 1828, keine 20 Jahre nach dem Erscheinen der Erzählung, kam die erste Dramatisierung heraus, und es sollten viele folgen.


Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Action acting und Apfelsaft

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 8. November 2009. "Als commedia dell'arte zu spielen, leicht, rasch, eher karikaturistisch als naturalistisch, Tempo: allegro con brio." So lautet die Spielanweisung von Stefan Zweig, der Ben Jonsons Komödie "Volpone" 1927 neu übersetzte. Der Regisseur Herbert Fritsch hält sich in seiner Wiesbadener Inszenierung strikt daran und setzt noch manches drauf. Ein Abend in Dauererregung. Ein durchgeknalltes, buntes Spektakel, mit Karacho inszeniert und spielwütig auf die Spitze getrieben von einem außer Rand und Band und wie aufgezogen agierenden Ensemble.


Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Die Aufklärung im Kerzenleuchter

von Marcus Hladek

Wiesbaden, 14. Juni 2009. Als Manfred Beilharz neu war als Wiesbadener Staatstheater-Intendant und es mit einem eher braven, von landeshauptstädtischen Beamten durchsetzten Publikum zu tun hatte, das nicht ohne Vorwarnung erheitert sein wollte, gehörte Tilman Gerschs "Herr Lehmann" nach Sven Regener zu den ersten und schönsten Lockerungsübungen.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Die Wirklichkeit gegen sich selbst ausspielen

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 24. April 2009. In Texas darf Amerika bekanntlich noch Amerika sein: dort trägt man schwergewichtige Cowboyboots, trinkt den Whiskey aus der Flasche, spricht rauen Umgangston und richtet seine Verurteilten gerne so schnell hin, dass Gnadengesuche zu spät kommen. In Texas, genauer im wohl fiktiven Desertstone, siedelt Jörg Graser auch seine böse Justizirrtumsposse "Jailhouse Blues" an.


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Ein Sack voller Knallfrösche

von Esther Boldt

Wiesbaden, 19. April 2008. Kommt ein Pantomime auf die Bühne. Mit einer roten Blume am Hut und weißen Wangen. Wird sofort von seinen Schauspielerkollegen als veraltetes Theatermodell identifiziert und ausgelacht, tastet sich aber weiter unbeirrt die Vierte Wand entlang – bis einer ruft: "Inspizienz! Vierte Wand deaktivieren!" Der Pausenclown verliert seinen Halt und fällt der Länge nach hin.


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