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archiv » Radialsystem Berlin (4)
Radialsystem Berlin

Rausch der Repetition

von Sarah Heppekausen

Berlin, 6. März 2021. Ja, das geht gut zusammen. Diese Pulsschläge, die sich einhämmern in Ohr und Hirn, die sich durch Variationen und neue Muster zu einem weitschweifigen Klanggewebe knüpfen. Und dann die Bewegungen der Tänzer*innen, die sich entsprechend wiederholen, ineinander übergehen, sich überkreuzen, voranschreiten und wieder denselben Rhythmus finden. Mal ist es ein Fingertrommeln am Hals, mal sind es Drehungen und Sprünge. Musik und Tanz begeben sich gemeinsam in einen Rausch der Repetition.


Radialsystem Berlin

Flucht und Party

von Frauke Adrians

Berlin, 23. August 2018. Fluchtreflexe hat das Publikum schon, ehe Sasha Waltz' "Exodos" überhaupt beginnt. Zwei schmale Gänge führen auf die beiden Säle des Radialsystems zu, die Augusthitze staut sich und macht das Atmen schwer. Zu viele Menschen in zu engen Tunneln: Duisburg! Love Parade! Es ist fast perfide, wie gut Sasha Waltz es versteht, mit Assoziationen zu spielen und mit dem Unwohlsein, das sie auslösen können.


Radialsystem Berlin

altEin Mordsstück

von Wolfgang Behrens

Berlin, 30. April 2012. Am 26. Oktober 1590 erschlug Carlo Gesualdo, Fürst von Venosa, seine Gemahlin Maria d'Avalos und deren Liebhaber Fabrizio Carafa, den Herzog von Andria. Der Fürst hatte sich für diese Tat der Hilfe einiger Bediensteter versichert, und es ging, glaubt man den Quellen, recht blutig zu. Derselbe Carlo Gesualdo war aber auch ein Musiker von Rang, er verstand sich exzellent aufs Lautenspiel und komponierte Madrigale und Motetten, deren eigenartige, mitunter nahezu bizarre harmonische Kühnheiten spätere Generationen immer wieder von neuem verblüfften. Was aber haben diese beiden Tatsachen miteinander zu tun, was verbindet Mord und Werk?

Radialsystem Berlin

Und weiter geht's

von Christian Rakow

Berlin, 4. August 2009. Schwüle 20 Grad sind es am Spreeufer, und der Fluss strömt zu später Kaffeestunde seicht vorbei. Wer möchte da in die dunkle Fabrikhalle des alten Pumpenwerkes gehen, ins Radialsystem V? Alle! Alle, die wissen, was sie von dem leisen Komödianten und Meistermusikanten Jürg Kienberger erwarten dürfen: Entschleunigung in Wort und Tat, dafür Beschleunigung in den Klavierfingern. Dazu gibt's zarten Liebesschmelz mit Graubündner Akzent und teils spitzer Kopfstimme vorgetragen.


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