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archiv » Theater Chur (5)
Theater Chur

Ein Tyrann namens Brecht

von Sascha Westphal

Chur, 24. Oktober 2018. Die Anweisung ist eindeutig. In dem Moment, in dem die Tür in den Theatersaal geöffnet wird, soll ich in die Reihe 6 zu Sitz 119 gehen. Der ganze Zuschauerraum ist leer. Aber es muss genau dieser eine Platz sein, von dem die Sicht auf die Bühne des Churer Theaters ideal ist. Wahrscheinlich sitzt während des Probenprozesses der Regisseur auf eben diesem Platz, der ihn alles sehen und damit gottgleich werden lässt. Doch für mich gibt es nichts zu sehen außer den leeren Reihen vor mir und dem schweren roten Samtvorhang, der die Bühne verdeckt. Was bleibt, ist der Zauber des Theaters und die Frage, was hier eigentlich gespielt wird. Schließlich erklingt eine männliche Stimme aus den Lautsprechern und erfüllt den Raum. Sie will wissen, was ich hier suche, und führt dann aus, dass Antigone längst weg sei.


Theater Chur

Patriotischer Schmelz

von Valeria Heintges

Chur, 7. Januar 2015. "Tief in diesem Berg drin tobt die Hölle", sagte der Germanist Peter von Matt in seiner Festansprache 2009 auf dem Schweizer Rütli. "Da unten donnern die Eurolaster durch den Tunnel. 40-Tönner. Bald vielleicht 60-Tönner. Da dröhnt Tag und Nacht die Autobahn Hamburg-Rom." Peter von Matts Rede zum Nationalfeiertag der Schweiz hat es nun im Theater Chur auf die Bühne geschafft. Dort wollen die Politiker, Honoratioren und die Dame vom Jodelfest die Eröffnung der neuen Autobahnröhre durch den Gotthardtunnel feiern.


Theater Chur

Wuchtige Worte

von Valeria Heintges

Chur, 8. Januar 2013. Auf der Bühne sechs Frauen, alle in weißen Hosen, weißem Oberteil, braunen Stiefeln. Sie sind Pompeius und Cäsar, Julia und Cornelia, Erichtho und Sextus. Und sie sind der Chor. Bürger, Boten, Trauernde, Überlebende. Sie berichten vom römischen Bürgerkrieg, in dem sich 49 bis 45 vor Christus die Armeen von Julius Cäsar und von Pompeius niedermetzeln und das Land verwüsten. Sie sprechen den Text "Der Bürgerkrieg" von Marcus Annaeus Lucanus am Theater Chur.


Theater Chur

Besuch beim gealterten Ich

von Beat Mazenauer

Chur, 18. November 2009. Der Zeitpunkt scheint ideal getroffen. Während draußen die Schweinegrippe tobt – zumindest medial – steht drinnen im Theater Chur die Typhus-Mary auf der Bühne. Die Autorin Ruth Schweikert hat den – von Jürg Federspiels "Ballade von der Typhoid Mary" her – bekannten Stoff neu für die Bühne bearbeitet. Die zeitliche Aktualität ist dabei wohl eher Zufall. Schweikert interessiert sich nicht für pandemische Aspekte.


Theater Chur

Heldenverulkung mit George Clooney

von Charles Linsmayer

Chur, 24. Oktober 2009. Als die Zeitung "Il Progress" 1881/82, sechs Jahre nach der deutschen Erstveröffentlichung, C. F. Meyers Roman "Jürg Jenatsch" in rätoromanischer Übersetzung abdruckte, musste sie die Serie nach dem zweiten Buch abbrechen, weil eine Leserumfrage zum Resultat gelangt war, der Roman sei "zu langweilig".


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