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archiv » Badische Landesbühne Bruchsal (3)
Badische Landesbühne Bruchsal

Quälende Fragen

von Harald Raab

Bruchsal, 4. Februar 2017. Ein stilisiertes gläsernes Gewächshaus, darin ein Schreibtisch, ein paar Plastikkübel, rote und weiße Blumen: die Bühne von Tilo Schwarz ist ein Denkraum ohne große Bildfindungen. Der Schlagzeuger Ulrich Hartmann pointiert mit harten Trommelwirbeln die rasche Szenenfolge. So muss es sein. Auch wenn hier Theater der Realität sehr nahekommen will, ist die Handlung des hochdramatischen Stoffs eigentlich nur Material zum Weiterdenken und Verstehen. Es geht darum, menschliche Reaktion auf Zumutungen des Schicksals deutlich zu machen, das radikale Wechselbad der Gefühle, dem die Betroffenen ausgesetzt sind. Eine Frau, die ihren Mann, eine Tochter, die ihren Vater verloren hat. Es war Mord. Was macht das mit den Hinterbliebenen? Durch welche Höllen der Polizeiverhöre werden sie geschickt?


Badische Landesbühne Bruchsal

altDie unerträgliche Leichtigkeit des Sterbens

von Dennis Baranski

Bruchsal, 7. März 2012. "Schulze-Boysen?" Vorsichtig richtet die junge Frau ihre Frage an das geöffnete Fenster, von wo eben noch deutlich der aufgebrachte Zellennachbar zu vernehmen war. Rainer kennt die Antwort: "Harro", Vorname des entschlossenen Kopfes der zerschlagenen Widerstandsgruppe und gleichsam Beleg ihrer geistigen Zusammengehörigkeit. Ihr Zellennachbar sollte Cato Bontjes van Beeks letzte Freundschaft werden. Mit sechzehn weiteren Anhängern der "Roten Kapelle" wurde sie zweiundzwanzigjährig am 5. August 1943 von den Nationalsozialisten hingerichtet. Die bekannte Dokumentarfilmerin Dagmar Brendecke begab sich bereits in zwei Filmen auf die Spuren der beinahe vergessenen Widerstandskämpferin und entwickelte nun gemeinsam mit Walter Brun ein bewegendes Theaterstück für Jugendliche ab zwölf Jahren: "Fliegen will ich" wurde jetzt im Hexagon der Badischen Landesbühne uraufgeführt.


Badische Landesbühne Bruchsal

Endzeitstimmung in der Industrieruine

von Sibylle Orgeldinger

Bruchsal, 4. Februar 2010. Ursprünglich sollte allein Goethes "Faust" Teil I und II Gegenstand der ersten Koproduktion zwischen der Badischen Landesbühne Bruchsal und dem Deutschen Staatstheater Temeswar sein. Während ihrer Recherchen zu dem in der europäischen Literatur so viel bearbeiteten Stoff stießen die Dramaturgen dann auf das wenig gespielte dramatische Gedicht "Faust" des aus der Gegend von Temeswar stammenden Nikolaus Lenau. So kam es zu dem Versuch, das vielschichtige Drama des modernen Menschen schlechthin mit der radikalen Darstellung eines innerlich zerrissenen, von Unsicherheit und Zweifeln geplagten Individuums zu verbinden: "Goethe Lenau Faust".


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