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archiv » Théâtre National du Luxembourg (4)
Théâtre National du Luxembourg

Warten auf Amerika

von Stefan Schmidt

Luxemburg, 5. Februar 2015. Ausgrabungen sind mit Risiken verbunden. Nicht immer lässt sich dabei ein Schatz zu Tage fördern. Manche vielversprechende Grabkammer entpuppt sich nach ihrer Öffnung als leer. Insofern beweist Frank Hoffmann, der Direktor des Luxemburger Nationaltheaters, durchaus Forschermut, wenn er sich auf seiner Erkundungsreise durch die theatralen Räume des George Tabori jetzt auch noch dessen Frühwerk "Flucht nach Ägypten" zuwendet, das bei seiner Uraufführung 1952 am Broadway gefloppt ist und überhaupt erst neuerdings auf Deutsch zu kaufen ist. Dass ein gleichwohl keineswegs verschollenes Stück eines derart profilierten Autors und Spielmachers (wie er sich selbst gern nannte) erst Jahre nach dessen Tod seine Europäische Erstaufführung erlebt, ist natürlich kein Zufall und liegt wohl nicht nur in einer möglicherweise unglücklichen Ur-Inszenierung in den USA (durch Elia Kazan) begründet.


Théâtre National du Luxembourg

altSchuld und Sühne im abstrakten Dschungel

von Rainer Nolden

Luxemburg, 27. Januar 2012. "In verschiedenen Ländern Südostasiens werden nach unterschiedlichen Schätzungen immer noch zwischen 3500 und 10 000 japanische Weltkrieg-II-Soldaten vermutet", schrieb der Spiegel – im Jahr 1974. Soldaten wie Shoichi Yokoi, Hiroo Onoda oder Nakamura Teruo, die es wirklich gegeben hat. Irgendwo in den Tiefen des fernöstlichen Dschungels haben sie das Ende des Zweiten Weltkriegs verpasst und ihre private Schlacht weitergeführt: aus Wut auf den Gegner, Angst vor Kriegsgefangenschaft, vor der Schmach, Verlierer zu sein, oft geplagt von Schuldgefühlen, weil sie überlebt haben und die Kameraden gestorben sind.


Théâtre National du Luxembourg
alt

Am Kindertotenfjord

von Rainer Nolden

Luxemburg, 27. April. Die Welle türmt sich bedrohlich auf. Jeden Moment wird sie brechen und alles unter sich begraben. Aber sie bricht nicht. Sie bricht nie. Wie eine ewige Bedrohung schwebt sie über den Köpfen der Menschen, denen dazu auch noch der Boden unter den Füßen entzogen wird. Es sind Verlorene und Verlassene, Getriebene und Gescheiterte, Einsame und Erfolglose. Und sie haben Schuld auf sich geladen; Schuld, an der sie zugrunde gehen werden. Kein Lichtblick, nirgendwo. Keine Erlösung in Sicht. Das karge Bühnenbild (von Christoph Rasche), das beherrscht wird von ebenjener Welle, ein Nirgendwo an irgendeinem Fjord, ist ein unwirtlicher Ort, an dem sich gut Selbstmord begehen ließe, wie es die Inszenierung ein oder zwei Mal andeutet.


Théâtre National du Luxembourg

Ein Strand für die Gestrandeten

von Rainer Nolden

Luxemburg, 30. Juni 2010. "Wir liegen alle in der Gosse", sagt Sascha, "doch einige von uns blicken auf zu den Sternen." So kann man sich das Elend auch schön reden, wenn nichts mehr geht, selbst bergab nicht. Sascha ist der Boss einer Drückertruppe, eines seltsamen Haufens auf unterschiedliche Weise abgehalfteter Menschen. Angelockt hat er sie mit dem Versprechen, sie für einen Film zu casten, aber die "Probeaufnahmen" dienen lediglich dazu, ihr Verkaufstalent zu testen. Da sie aber ohnehin keine Chance haben, weder beim Film noch im Leben oder sonstwo, können sie genauso Zeitungsabos für ihn an Haustüren anbieten wie Sauerbier.


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