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archiv » Internationale Schillertage Mannheim (8)
Internationale Schillertage Mannheim

Sag mir, wo Du stehst

von Michael Laages

Mannheim, 22. Juni 2017. Friedrich, der Namensgeber und Patron der "Schillertage" in Mannheim, spielt ja im Rahmen dieses biennalen Festivals ganz persönlich und in Schrift und Wort oft nur eine ganz kleine Nebenrolle, wie gedanklich präsent auch immer er sein mag – in "Second Exile" nun, der an den kroatischen Regisseur Oliver Frljić vergebenen Auftragsarbeit, taucht er als ziemlich ulkiges Zitat auf: Boris Koneczny, Mitstreiter im Mannheimer Ensemble für die Arbeit des kroatischen Gastes, erzählt vom Vorsprechen, das er (vielleicht so ähnlich) in frühester Nachwendezeit am Berliner Ensemble absolvierte.


Internationale Schillertage Mannheim

Klippschule der Revoluzzer

von Harald Raab

Mannheim, 20. Juni 2017. "Ihr habt wirklich nichts verstanden", stöhnt gegen Schluss der Aufführung Anja Dargatz. Im richtigen Leben ist sie Landesvertreterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bolivien. Bei den Schillertagen am Mannheimer Nationaltheater tritt sie in "Demetrius (Exporting Freedom)" als mitwirkende Politikberaterin und gestrenge Seminarleiterin auf. Und sie hat wahrscheinlich recht: Denn es wird dem Publikum bei dieser mit der Mannheimer Bürgerbühne erarbeiteten Adaption des schillerschen Demetrius-Fragments nicht leicht gemacht.


Internationale Schillertage Mannheim

Manson Family für Anfänger

von Alexander Kohlmann

Mannheim, 16. Juni 2017. Da liegt eine junge Frau mit entblößtem Unterkörper in einer schmuddeligen, engen Kammer. Nur ein Waschlappen klemmt zwischen ihren Beinen. Um das Bett herum knien Besucher*innen. Auf ihrem Bauch sind vier gefüllte Schnapsgläser abgestellt. "Die müsst ihr jetzt trinken. Und dann Euren Mund-Inhalt in den Bauchnabel der Göttinnen-Hülle spucken", sagt ein Mann mit beschwörender Stimme. Und das Seltsame geschieht: Alle Zuschauer befolgen die Anweisung.


Internationale Schillertage Mannheim

Ein dickes "Wow"

von Steffen Becker

Mannheim, 12. Juni 2015. Zum Auftakt der Schillertage mit der Premiere von "Die Räuber" begrüßt das Nationaltheater Mannheim seine Besucher mit der Optik eines Möbeldiscounters. Farbflächen, auf denen einem in Form von Schnäppchen-Schildern unzählige "Wow" und "Amazing" entgegenspringen. Dass es auch im Theater knallig werden wird, dafür trägt Regie-Enfant terrible Calixto Bieito Sorge.


Internationale Schillertage Mannheim

MacGyvers Patenkinder

von Bernd Mand

Mannheim, 24. Juni 2013. Also gut, dass Schiller die Menschen schon allein um ihrer selbst willen gerne hat spielen sehen, muss wirklich nicht noch einmal erwähnt werden. Der Homo Ludens, der den Weg durch die Schönheit zur Freiheit findet, gehört zum apfeltrunkenen Zopfträger wie die Gasse zum Tell und die Limonade zum Schatz. Daher soll an dieser Stelle der kurze Querverweis zum 27-teiligen Brieflehrgang "Über die ästhetische Erziehung des Menschen" genügen – wir fangen einfach gleich an zu spielen. Und wo könnte man das besser als in einem dunklen Kellergeschoss im Hafenviertel, fern ab von elterlicher Fürsorge und rundgelobten Hochglanzprospekten vor saturiertem Publikum in plüschigen Theatersesseln.


Internationale Schillertage Mannheim

Im Intrigantenstadl

von Dennis Baranski

Mannheim, 21. Juni 2013. Er ist ein Parvenü par excellence: Mit dem verantwortungsbewussten Amtmann, der er vorgibt zu sein, eint Selicour nur wenig. Auf Kosten anderer erschlich er sich Posten und Einfluss – und nun eröffnet er gar die 17. Internationalen Schillertage. "Der Parasit oder Die Kunst sein Glück zu machen" bescherte dem Theaterfest zu Mannheim einen ebenso leichten wie willkommenen Auftakt. Regisseur Stefan Bachmann versetzte Friedrich Schillers Lustspiel nach Louis-Benoît Picard um einen machthungrigen Opportunisten als Koproduktion des Staatsschauspiels Dresden mit dem Nationaltheater Mannheim in einen klischeebesetzten Beamtenapparat der siebziger Jahre.


Internationale Schillertage Mannheim
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United Colors of Schiller

von Bernd Mand

Mannheim, 8. Juni 2011. Eine Stunde bezeichnet nüchtern betrachtet den vierundzwanzigsten Teil eines Tages, aber der hat im Theater bekanntlich seine eigenen Gesetze. Nach dreieinhalb Stunden fadem Auf- und Abgehen mit ausufernder Textlastigkeit in modischem Aschgrau bekommt ein Vierundzwangistel des Tages rasch eine komplett neue Bedeutung.


Internationale Schillertage Mannheim
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Weniger ist leer

von Bernd Mand

Mannheim, 2. Juni 2011. Der US-amerikanische Architekt Robert Venturi formulierte in den späten 60er Jahren mit den Worten "Less is a bore" die postmoderne Antithese zu Mies van der Rohes modernistischem "Less is more", das sich zum Leitmotiv der klassischen Moderne mit ihren Kästen aus Glas, Beton und Metall entwickelt hatte. Weniger ist langweilig – ein polemischer Ausruf, der sich tief in die Köpfe der nachfolgenden Generationen von Architekten einbrannte. Und ein tröstliches Bonmot, das einem nach dem Eröffnungsabend der diesjährigen Schillertage am Mannheimer Nationaltheater eine wärmende Stütze ist.


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