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archiv » Festival Theaterformen (44)
Festival Theaterformen

June 16th, 2018

Becoming the eyes and ears of the masses

by Heba El-Sherif

Last week, I walked out of the inadequate and slightly awkward space at the entrance of the Staatstheater Grosses Haus, where 1.000 questions on race are currently clipped across three walls, with several questions of my own. Beyond the particulars, the show — the most recent version of Selina Thompson’ Race Cards — evokes queries that lie at the intersection of the artists’ proposition, as an artwork concerned with archiving, and the trajectory of critical African cultural writing, a disempowered breed of journalism.


Festival Theaterformen

June 17th, 2018

Pity At What Price?

by Ayodeji Rotinwa

Dear Timehin,

I am writing to you with fatigue.

As you know, I am in Braunschweig attending a workshop set within the town’s major art calendar event, Festival Theaterformen. I have seen more plays here than I have in my entire life, in an amount of days I have lost count of. I am enjoying the experience but worry I’m getting too tired to appreciate all of it. I am taking solace in following what’s new with you on Instagram. It appears you have found love while I have been in a hopeless place.

Anyway, I saw something I felt I must share with you and we can discuss when I return. A play by a celebrated (here, at least) Swiss theatre director, Milo Rau.


Festival Theaterformen

17. Juni 2018

Mitleid um welchen Preis?

von Ayodeji Rotinwa

Liebe Timehin,

Ich schreibe Dir in großer Erschöpfung.

Wie Du weißt, bin ich in Braunschweig bei einem Workshop im Rahmen des großen Festivals Theaterformen. In diesen ich weiß nicht wie vielen Tagen habe ich mehr Theaterstücke gesehen als bisher in meinem ganzen Leben. Es ist eine gute Erfahrung, aber ich werde allmählich derart müde, dass ich es gar nicht mehr genießen kann. Ich tröste mich mit Deinen neuesten Nachrichten auf Instagram. Dir ist offenbar die Liebe begegnet, während ich hier keine Hoffnung finde.

Ich muss dir aber etwas erzählen, was ich gesehen habe und worüber wir sprechen können, wenn ich zurück bin. Ein Stück von dem – zumindest hier – gefeierten Schweizer Theaterregisseur Milo Rau.


Festival Theaterformen

 June 16th, 2018

Little Kids, Big Hits

by Monica Nkodo

Six actors on stage. Three men, three women. Three Cameroonians, three Germans. A striking parity expressed by the play "Do you understand? Verstehste?” played in November 2017 in Yaoundé and Douala, the two largest cities of Cameroon (in Central Africa). From that show for children created by the companies Théâtre du Chocolat (Cameroon) and Theaterhaus Ensemble (Germany), a message of acceptance, understanding and incomprehension results. How to live together when we are not of the same origin, we do not have the same education, the same past?


Festival Theaterformen

16. Juni 2018

Bildung für alle

von Monica Nkodo

Sechs Schauspieler auf der Bühne. Drei Männer, drei Frauen. Drei Kameruner, drei Deutsche. Spürbare Gleichberechtigung zeigt die Inszenierung "Tu comprends? Verstehste?", die im November 2017 in Yaoundé und Douala, den beiden größten Städten Kameruns, gespielt wurde. Das Kinderstück, eine Koproduktion des Théâtre du Chocolat (Kamerun) und des Theaterhaus Ensembles (Deutschland), erzählt von Akzeptanz, Verständnis und Unverständnis. Wie können Menschen zusammenleben, die nicht dieselbe Herkunft, Bildung, Vergangenheit haben?


Festival Theaterformen

Die Perspektive verschieben

von Jan Fischer

15. Juni 2018. Am beeindruckendsten ist am zweiten Freitag der Theaterformen die Inszenierung, die auf der Bühne den geringsten Aufwand betreibt: "Fractured Memories". Ogutu Muraya steht alleine auf der Bühne und erzählt. Murayas Geschichten beginnen mit dem ersten "Congrès des écrivains et artistes noirs" im Jahr 1956. Die Versammlung Afrointellektueller in Paris befasste sich mit Kolonialismus, Sklaverei und der kolonialkritischen Denkströmung, die sich unter dem Begriff "Négritude" seit den 30ern etabliert hatte. James Baldwin hielt den Kongress in einer essayartigen Reportage fest – das ist die Quelle, aus der Muraya sich bedient. Gegen Ende der Vorstellung ruft er eine große Projektion des Schriftstellers um Hilfe und Rat an.


Festival Theaterformen

15. Juni 2018

Theater als revolutionäre Praxis

von Sérgio Raimundo

Theater ist eine Kunstform, die wie jede andere eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielt, indem es als strukturierendes Element für das kollektive Bewusstsein von Identität und Wandel in der Gesellschaft wirkt.


Festival Theaterformen

14. Juni 2018

Teilhabe: Die kulturelle Trennung in Kapstadt herausfordern

von Carla Lever

Wenn das Dramatische Sie interessiert, dann sind Sie in Kapstadt richtig. Diese Stadt, gelegen zwischen Berg und Meer auf einer Halbinsel zwischen zwei Ozeanen, quillt über vor künstlerischem Talent. Vergessen wir kurz die begabten Schauspieler*innen: Kapstadt selbst sorgt für einen großen Auftritt.


Festival Theaterformen

June 14th, 2018

Taking Part: Callenging cultural segregation in Cape Town

by Carla Lever

If you're interested in the dramatic, Cape Town is for you. Teeming with artistic talent, it's a city built between mountain and sea, built on a jut of peninsula piercing two oceans. Forget for a moment those talented actors: Cape Town herself makes quite the entrance.


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12. Juni 2018

Kleine Geschichte der Demokratisierung des senegalesischen Theaters

von Aboubacar Demba Cissokho

Eine Studie zur Entstehung der Theaterpraxis zeigt, dass es im vorkolonialen Senegal zahlreiche theatrale Ausdrucksformen gab, meist volkstümliches Schauspiel für ein breites Publikum. In der Kolonialzeit, die bis 1960 andauerte, traf das Genre in seiner afrikanischen Ausprägung auf ein westliches Modell, das von der europäischen Schule geprägt worden war. Und so existierten im Senegal nebeneinander eine französischsprachige Theaterpraxis und das Theater in den hiesigen Nationalsprachen, vor allem Wolof.


Festival Theaterformen

Braunschweig, 10. Juni 2018

Finding New Meanings of Performance Spaces

by Enos Nyamor

Kenyan Theater has been in neglect for years. But has it ever existed? A description of colonial and postcolonial influences on performance spaces.

The greatest obsession of this century is, perhaps, the intersection between space and time. Topics of diversity, of cultural exchange, and of migration and globalization dominate contemporary narratives. These elements of our post-modern time, for Kenya, as well as most former colonies, are shrouded in the mist of imperial legacies.


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Braunschweig, 11. Juni 2018

Colonialism Sweet and Sour

by Ismael Fayed

In Feburary 2017, then presidential candidate Emmanuel Macron, apologized for his comments on French colonialism in Algeria. During a previous trip to Algeria, Macron had called French colonization a "crime against humanity" – a term that proved controversial amongst many back home. Macron did not apologize to an Algerian audience, nor did he apologize for the devastating effects of French colonialism (which lasted 132 years) on Algeria. He apologized to the French people of the city of Toulon saying, "I am sorry to have offended you, to have hurt you". Yes, French people were hurt by being confronted with the bloody, horrible past of colonialism. Perhaps this is the fragility of the colonizer.


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Braunschweig, 11. Juni 2018

Kolonialismus süß-sauer

von Ismael Fayed

Im Februar 2017 entschuldigte sich der damalige Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron für seine Bemerkungen über den französischen Kolonialismus in Algerien. Er hatte während einer Algerienreise den französischen Kolonialismus als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" bezeichnet – ein Ausdruck, der in Frankreich eine kontroverse Diskussion entfachte. Doch Macron entschuldigte sich weder bei einem algerischen Publikum, noch entschuldigte er sich für die katastrophalen Folgen des französischen Kolonialismus (der 132 Jahre andauerte) für Algerien. Er entschuldigte sich bei der französischen Bevölkerung von Toulon, indem er sagte: "Es tut mir leid, dass ich Sie beleidigt habe, dass ich Sie verletzt habe". Ja, das französische Volk wurde verletzt, indem es mit der blutigen, schrecklichen Kolonialvergangenheit konfrontiert wurde. Vielleicht ist dies die Sensibilität der Kolonisatoren.


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Braunschweig,10. Juni 2018

Auf der Suche nach neuer Bedeutung für Spielorte

von Enos Nyamor

Das kenianische Theater wird seit Jahren vernachlässigt. Hat es überhaupt jemals existiert? Eine Beschreibung kolonialer und postkolonialer Einflüsse auf Theaterorte.

Dieses Jahrhundert ist vielleicht auf kaum etwas so fixiert wie auf die Schnittfläche von Raum und Zeit. Zeitgenössische Narrative werden beherrscht von Themen wie Diversität, kulturellem Austausch, Migration und Globalisierung. In Kenia wie auch in den meisten anderen ehemaligen Kolonien liegen diese Aspekte unserer postmodernen Zeit verborgen im Nebel des imperialen Erbes.


Festival Theaterformen

Hedgefonds und Pflege

von Jan Fischer

Braunschweig, 8. Juni 2018. Es sind die kleinen, leisen Gesten, die in der Inszenierung "Independent Living" des japanischen Regisseurs Takuya Murakawa zwei unterschiedliche Länder greifbar machen. Drei Pflegesituationen zeigt die Inszenierung: Eine in China, eine in Südkorea und eine in Japan. Die Pfleger werden dargestellt von – so die Behauptung – Menschen, die tatsächlich im Pflegesystem des jeweiligen Landes arbeiten. Die Bepflegten – jeweils Menschen, die sich nur eingeschränkt mitteilen und bewegen können – werden von einer Frau gespielt, die Murakawa vor der Aufführung aus dem Publikum ausgewählt hat. Die darf auf dem Bett in der Mitte der Bühne liegen, sich umdrehen lassen oder in einen Rollstuhl hieven.


Festival Theaterformen

9. Juni 2018

Theater des entgrenzten Denkens

von Stéphanie Dongmo

Er wäre gern Philosoph geworden. Er hätte Landwirt werden können. Er hätte Friseur sein sollen. Aber er ist Regisseur. Sein Name steht für ein Theaterschaffen, in das er als Schauspieler, Regisseur, Dramatiker, Theaterpädagoge und Begründer des Theater-Rechercheprojekts Othni investiert. Er hätte sich mit bequemen, konformistischen und allgemein verständlichen Arbeiten abfinden können. Doch er will keine geebneten Wege, er will einen Stolperpfad, auf dem er sich neu erfinden kann.


Festival Theaterformen

Braunschweig, 8. Juni 2018

Have you eaten today?

by Yvon Edoumou

A few days ago, I attended the latest edition of the Kinshasa international theatre festival. 10 US dollars was the admission price to see one show, "Les Bonnes" ("The Housemaids"), a fabulous piece on two housemaids who want to kill their vicious employer. In Kinshasa, 10 US dollars for a show doesn't sound too much – or does it?

Or how about 20 dollar for the African classic "When Things Fall Apart" at Kinshasa's best bookstore? How about 50 dollar for a Koffi Olomide concert? How about for free? Remember: We are in Kinshasa, capital of DR Congo, a country that has occupied the lower ranks of all human development reports in over a decade.

Musee National de Kinshasa 560 Yvon Edoumou uConstruction is underway for a new museum in Kinshasa © Yvon Edoumou

For the past years, I've been having an ongoing debate with a good friend on the place and importance of arts in Congolese society, and how poverty affects, influences the ability to enjoy arts for millions of people. To put it bluntly, leaving aside for a minute political correctness: Can poor people enjoy arts and culture?

By "poor", I am talking about housemaids – not the President's housemaids, but the ones that mere mortals employ who earn just enough for food and rent; those for whom having one decent meal is a daily challenge. I am thinking about the average Congolese police officer who earns about 100 dollar per month. And how about the millions of jobless young men and women with no prospect?

My friend has been arguing that until the majority of Congolese are able to satisfy their basic human needs, arts and culture remain a far-fetched dream, a thing only for ceux qui sont rasassiés –  those whose bellies are full. Only them can afford to turn to less material things.

To support his opinion, I told him about Abraham Maslow and his famous Maslow pyramid of needs – talk about giving the stick so that your foe can beat you with it! Never heard of Maslow?

This theory is based on the assumption that there is a hierarchy of five needs within each individual. As each of these needs is satisfied, it drives the next need to emerge. The theory assumes that it is difficult to meet the next need if the previous one hasn't been significantly satisfied. These five needs are:

1. Physiological needs – the basic needs of air, water, food, clothing and shelter.

2. Safety needs – those include physical, environmental and emotional safety and protection. For instance Job security, financial security, protection from animals, family security, health security, etc.

3. Social needs – the need for love, affection, care, belonging, and friendship.

4. Esteem needs – esteem needs are of two types: internal esteem needs (self-respect, confidence, competence, achievement and freedom) and external esteem needs (recognition, power, status, attention and admiration).

5. Self-actualization need – This includes the urge to become what you are capable of becoming / what you have the potential to become. It includes the need for growth and self-contentment. It also includes desire for gaining more knowledge, social service, creativity and being aesthetic. The self-actualization needs are never fully satiable. As an individual grows psychologically, opportunities keep cropping up to continue growing.

Of course the theory has its limitations, and interesting enough some critics have said that the theory is not applicable in case of "starving artist as even if the artist's basic needs are not satisfied, he will still strive for recognition and achievement."1

It's not only about the money

Yes, my friend is right: the poor has priorities and arts is not one of them. Hard to spend money on a 20-dollar-book when that amount represents two-weeks' worth of food for your family.

However, the debate should not only revolve on money and the cost of a play, a book or a painting. The bigger issues are having access to these cultural goods, promoting public and private initiatives so that the poor can enjoy arts, and more importantly breaking down the mental barriers around arts.

Yes, poor people can enjoy arts in Kinshasa.

In Kinshasa, there are numerous places and initiatives where one can enjoy arts, starting with the galleries at the Academie des beaux Arts de Kinshasa. The French and Belgian cultural centers regularly offer free entrance to shows and concerts. The Texaf Bilembo Cultural Center, a former textile factory, offers free access to its exhibits. Last month, Congolese artists and aficionados were able to listen to a talk by internationally renowned Cameroonian artist, Barthelemy Toguo. The latest kid on the block, the Kin ArtStudio, an arts residence managed by artist Vitshois Mwilambwe Bondo, where one can meet and talk with emerging artists such Eddy Ilunga and Francis Tenda, is open to the public all the week long. For five dollars – fees for nationals – one can visit the Kinshasa museum.

Galerie Kinshasa 560 Yvon Edoumou uWho ist coming here? One of the few galleries in Kinshasa © Yvon Edoumou

Across Africa, there are many initiatives intended to reduce the gap between the art world and those for whom art remains a distant planet. All the examples link back to access, making the enjoyment of arts accessible to the masses as much as possible. It's nothing less than an attempt to democratize art.

Yes, poor people can enjoy arts in Kinshasa.

Taking the arts closer to the people

There's a need to take the access issue further by actually taking the arts closer to the people, taking it to their neighborhood so that they understand that art doesn't have to be only for elitist families, living in posh neighborhoods, but that it can take place – and should take place – in the suburbs, slums and less-affluent neighborhoods.

Createquity, a now defunct website that was created to study the arts world, has an article on the reasons behind the lack of engagement with arts of low-income and less educated people. Among other things, the article says:

"People with lower incomes and less education (low-SES) participate at lower rates in a huge ranges of activities, including not just classical music concerts and plays, but also less 'elitist', forms of engagement like going to the movies, dancing socially, and even attending sporting events. (...) Cost is a barrier for some low-SES individuals who want to participate in the arts, but not as many as you might think. If we could somehow make it so that low-SES adults were no more likely to decide not to attend an exhibit or performance because of cost than their more affluent peers, it would hardly change the socioeconomic composition of audiences at all."

Collective therapy

Yes, poor people can enjoy arts in Kinshasa.

However, one of the biggest obstacles has been the way Congolese society, from the school system to the few in-country buyers, views arts.

To the Congolese government, I ask: Why are arts so invisible in the curriculum? To the directors of schools, I ask: When was the last time your school organized an outing to go visit an arts space? To the families, I ask: When was the last time you took your kids to an event? To the buyers, I ask: When was the last time you bought a painting without bargaining, negotiating so that the artist significantly cut the price on the painting?

Participation in cultural life is a human right

The issue of accessing and enjoying arts needs to be placed within the framework of changing the way the society as a whole approaches arts and culture, the value we give it, the overt and subvert messages that we transmit on the value of arts, particularly to those who are poor and less affluent who see arts as a remote, unattainable, far-flung planet.

It also needs to be placed in a human rights debate with the articles 19 and 27 that relate to the enjoying of arts, freedom of expression, participation in cultural life, and measures being taken to ensure that this cultural right is preserved and promoted at the same level as all other rights.

The Kinshasa arts scene is alive. It may be embryonic, but it does have something to offer: both to the rich and to the poor – with the poor needing it more.

 

1) https://www.managementstudyguide.com/maslows-hierarchy-needs-theory.htm

 

Yvon Edoumou 80Yvon Edoumou, a national of Côte d'Ivoire, lives in Kinshasa, DR Congo. He runs a blog on https://medium.com/@malabofame


 

Hier die deutsche Übersetzung dieses Artikels.

Here Milisuthando Bongela writes about the situation of cultural journalism on the African continent.

 

This text is a product of "Theaterformen" festival's journalistic project "Watch & Write" and is being published on nachtkritik.de in the context of a media cooperation with the festival. It is not part of the regular programme on nachtkritik.de.


Festival Theaterformen

Braunschweig, 8. Juni 2018

Heute schon was gegessen?

von Yvon Edoumou

Vor ein paar Tagen war ich bei der jüngsten Ausgabe des Internationalen Theaterfestivals in Kinshasa. 10 US-Dollar kostete der Eintritt für eine Vorstellung von "Die Zofen", diesem großartigen Stück über zwei Hausmädchen, die ihre boshafte Arbeitgeberin töten wollen. 10 Dollar für eine Karte, das scheint erstmal nicht viel – oder etwa doch?


Festival Theaterformen

Braunschweig, 7. Juni 2018

Whose culture is it?

by Milisuthando Bongela

“Why is my culture in a museum instead of on me?” This is question that informs all the work that I do.  It is a sentiment that I return to whether I am writing, editing, reading, listening, filming, responding to or involved in any form of personal and professional cultural production. It is a kind of saudade around which my interest in archiving and documenting pivots.  Without an interrogation of what constitutes the status quo for me as an African, a black person, a cisgender feminist woman, a worker, an English speaking person with a postcolonial and post-apartheid condition, I cannot begin to try to make sense of the myriad realities that constitute contemporary Africa.  In other words, I cannot do my work.


Festival Theaterformen

Braunschweig, 7. Juni 2018

Wo die Deutungshoheit herkommt

von Milisuthando Bongela

Warum gehört meine Kultur einem Museum und nicht mir? Diese Frage durchzieht alle meine Arbeiten. Egal ob ich schreibe, herausgebe, lese, höre, Filme mache, auf die ein oder andere Art Kultur rezipiere oder produziere, immer kehre ich zu ihr zurück. Sie ist eine Art Saudade, eine Sehnsucht, um die sich mein Interesse dreht, wenn ich Dinge archiviere und dokumentiere. Ohne meinen Status quo zu hinterfragen, als Afrikanerin, als Schwarze, als feministische Cis-Frau, als Arbeiterin, als Englischsprechende in postkolonialen und post-Apartheids-Verhältnissen, kann ich mich in dieser Unzahl von Realitäten, die das heutige Afrika ausmachen, unmöglich zurechtfinden. Anders gesagt, ich kann meinen Job nicht machen.


Festival Theaterformen

Einmal Flüchtlingskrise mit allem

von Jan Fischer

Hannover, 14. Juni 2017. Womit beginnen? Mit den nüchternen Zahlen? Mit dem Meta-Diskurstheater? Mit dem bedrückenden Endbild? Mit dem Pinguin auf Rollschuhen? "Mare Nostrum", die mexikanisch-kolumbianische Koproduktion auf dem Festival Theaterformen, macht es einem nicht leicht.


Festival Theaterformen

Widerspenstig, instabil

von Jan Fischer

Hannover, 10. Juni 2017. Das erste Hindernis liegt gleich im Eingang: Wer die Inszenierung "Portrait of myself as my father" aus Zimbabwe bei den Theaterformen in Hannover besuchen möchte, muss über einen der Performer hinwegsteigen, der breitbeinig im Eingang liegt. Laute Musik knallt durch den Saal. In der Mitte des Raumes ist mit weißen Spanngurten ein Boxring markiert, in dessen äußerer Ecke ein weiterer Performer lümmelt, nackt bis auf ein paar Lederriemen um den Bauch, eine Boxershorts und ein Ledersuspensorium mit Nieten. Die Regisseurin und dritte Performerin der Inszenierung, Nora Chipaumire, deklamiert derweil in Football-Schulterpads mit einem Holzpenis, der ihr in der Wadengegend baumelt, über die Musik hinweg "This is a manifesto" ins Mikro. Die ersten Zuschauer stecken sich die neonfarbenen Ohrstöpsel in die Ohren, die beim Einlass vorsorglich ausgeteilt wurden.


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Flüchten oder bleiben?

von Michael Laages

Braunschweig, 17. Juni 2016. Weit mehr Facetten hat die syrische Tragödie als sich das die Bürgerkriegsbeobachter im friedlichen Europa vorstellen mögen – der Damaszener Autor Mohammad Al Attar fokussiert das in seinem Stück, beim Kunstenfestival in Brüssel vor gut drei Wochen uraufgeführt, auf eine Familie, in deren Lebensläufen sich viele Wege kreuzen. Die aber sämtlich münden in jenes Chaos, dessen Auswirkungen die Welt erschüttern. Wobei gerade die einfachsten Fragen überhaupt nicht zu beantworten sind – warum zum Beispiel liegt Taim, ein junger Mann Ende 20, im Koma? "Während ich wartete" erzählt von dem, was geschieht in seiner An- und Abwesenheit.


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Europas Spukhaus

von Jan Fischer

Braunschweig, 16. Juni 2016. Wollte man jemanden, der nicht in der Vorstellung war, beschreiben, wie "Haus der Hunde" ist, das Wort wäre: Spukhaus. Nicht die Geisterbahnen auf den Jahrmärkten mit ihren lächerlichen animatronischen Figuren, diese Spukhäuser, die es jetzt immer häufiger gibt, in denen Darsteller einem aus dem Dunkel mit einem blutigen Messer in der Hand anspringen, in denen untot geschminkte Schauspieler zu drückender Musik kreischen. Sondern echte Beklemmung. Echte Furcht.


Festival Theaterformen

Mythen ohne Grenzen

von Alexander Kohlmann

Braunschweig, 14. Juni 2016. Am Ende weint der riesige Baseball, der über der leeren Bühne des Kleinen Hauses im Staatstheater Braunschweig wie ein gigantischer Mond hängt. Unmengen von Wasser plätschern auf den Bühnenboden. Die Beschichtung löst sich auf, bildet kleine Klümpchen, die platschend und schleimig zu Boden tropfen, während ein junger Mann mit seinem Vater spricht. Alles sei ein Missverständnis gewesen, sagt er Richtung Riesen-Baseball. Als Junge habe er gedacht, er müsse Baseball toll finden, weil auch er, der Vater, Baseball geliebt habe. Nur deshalb habe er all die Regeln des amerikanischen Spiels auswendig gelernt, das auch die beiden jungen Frauen neben ihm auf der Bühne nicht verstehen. Es geht um ein kompliziertes Regelwerk und das Verschmelzen des eigenen Körpers mit dem Schläger.


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Das Unkunstvolle, hier wird's Ereignis

von Tim Schomacker

Hannover, 9. Juli 2015. Am Anfang ist der Plattenteller. Erstaunliches wird akustisch aus der Auslaufrille gekratzt, klangelektronisch geschichtet und getürmt. Dass man aus Staub und Kratzern so viel herausholen kann. Es ist nicht die letzte Überraschung auf der Wenig/Viel-Achse an diesem Abend.


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Kaltführung zur Liebe und ein explodierender Dampfkochtopf

von Jan Fischer

Hannover, 3. Juli 2015. Sie schlurfen über das braune Herbstlaub, sechs Darsteller des "Teater NO99" aus Estland, es knistert, es riecht auch ein wenig, die ganze Bühne ist damit ausgelegt, weiter ist da nichts, außer sechs Stühlen. Zuerst wirkt alles noch harmlos.


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Herzscheiße

von Jan Fischer

Braunschweig, 12. Juni 2014. Draußen leuchtet ein Sommerabend, drinnen sagt eine der Figuren "Was gibt es schöneres als die Liebe?" Das passiert in der Mitte des Stückes, und selbst da schon müsste man sagen: eigentlich alles. Von irgendwo her weht ein sibirischer Windhauch in den Zuschauerraum und wahrscheinlich lässt sich währenddessen gerade wieder jemand auf der Bühne trockenvögeln. Aber dazu später.


Festival Theaterformen

Das Raunen der Geschichte

von Michael Laages

Hannover, 29. Juni 2013. Der Alte, und das Alte, überlebt. Bei der Siegesparade am 9. Mai 1945 jedenfalls, am Tag nach dem Sieg der alliierten Mächte über das nationalsozialistische Deutschland, steht der herrschende Potentat wieder vor der Kreml-Mauer und grüßt huldvoll Volk und Publikum. Das Reich wurde doch noch nicht geteilt, und auch all die Toten, die üblicherweise am Ende der theatralischen Aneignung von William Shakespeares finstrer Fabel vom fatal verwirrten König Lear das finale Tableau bevölkern, sind wieder wohlauf, haben das inner- und außerfamiliäre Gemetzel um die Nachfolge des Potentaten überlebt.


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Arabischer Frühling als Greenscreen

von Jan Fischer

Hannover, 28. Juni 2013. Ein alter Film, schwarzweiß, sagen wir, Humphrey Bogart und irgendeine femme fatale sitzen im Auto – ist aber egal, wer genau. Sie fahren durch die Stadt, und, klar, man sieht ganz genau, dass sie nicht wirklich Auto fahren, dass sie in in einem stehenden Auto sitzen, hinter dem ein Film eingespielt wird. Behalten wir dieses Bild kurz im Kopf. Es wird noch wichtig.


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Auf der Straße nach Nirgendwo

von Jan Fischer

Hannover, 22. Juni 2013. Am Anfang laufen sie, die Schauspieler, auf der Stelle, vor unsichtbaren Wände, schwitzen sich ein, für das, was da noch kommen soll. Lange. So lange, bis der Schweiß so richtig schön läuft, im Scheinwerferlicht glänzt, noch riecht man ihn nicht, noch ist er frisch. Nein, das ist nicht der Anfang.


Festival Theaterformen

Die Farbe der Revolution

von Stephanie Drees

Hannover, 19. Juni 2013. In der Aufführungspraxis von Tschechows "Iwanow" gibt es die Tradition der gepflegten Tee-Melancholie. Gemeinschaftlich um den Samowar sitzend lässt es sich gut depressiv sein – so wurde das Selbstmitleid des verarmten Landadels schon von manchem Regisseur illustriert.


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altShow mit gekaperter Kuh

von Michael Laages

Braunschweig, 10. Juni 2012. Schlicht zu bedauern war das Festival-Team, das sich da gerade elf Tage lang – und diesmal wieder in Braunschweig – um "Theaterformen" bemüht hatte; das kleine und sehr besondere Treffen internationaler Theatermacher kommt ja so konzentriert wie zielstrebig (und mal mit mehr, mal mit weniger Glück) der recht klar definierten Aufgabe nach, extrem unterschiedliche Spielarten des theatralischen Ausdrucks zu präsentieren.


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Von Handys und anderen Waffen

von Michael Laages

Hannover, 1. Juli 2011. Seit mobile Telefone die Macht übernommen haben in der Kommunikationsgesellschaft, ist dies eine eherne Theaterregel: Handys ausschalten, wenn das Stück beginnt! In der jüngsten Produktion des iranischen Regisseur Amir Reza Koohestani, der lange Zeit im Londoner Exil lebte und mit diesem Stück nach Teheran zurück kehrte, ist es genau umgekehrt: Handys einschalten! Und zwar alle – jedenfalls auf der Bühne. Sechs Personen, vier Frauen, zwei Männer, sind abendfüllend damit beschäftigt, mobil zu telefonieren. Nur in einigen wenigen, ganz kurzen Gesprächspassagen existiert die Vertrautheit eines "richtigen" Kontaktes.


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Schönen Dank auch für den Krieg

von André Mumot

Hannover, 25. Juni 2011. Es gibt eine Wirklichkeit, die diesen Abend inspiriert hat, und die kann es nicht auf die Bühne schaffen. Es wäre auch nicht auszuhalten. "Sometimes reality is too much", sagt Sarah Eisa in die aufgestellten Mikrofone und lächelt. Im Abendkleid steht sie auf einem roten Teppich und vergibt mit ihrer Kollegin Julia Clever, die ebenso breit lächelt, kleine Oscar-Statuetten. Den "award für best victim" an Ahmed Khaled. Und den "award for best fear" an Duraid Abbas.


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Gemeinschaft der Verlotterten

von Esther Boldt

Hannover, 24. Juni 2011. Verzweiflung ist ein denkbar schlechter Ratgeber: Sie frisst sich tief ins Gemüt und untergräbt das Urteilsvermögen. Oder wie sonst lässt es sich erklären, dass Attila und Irén in kopfloser Hast zwei 15jährige Mädchen adoptieren, weil sie gerade erfahren haben, dass Irén nach zahlreichen Versuchen, ein Kind zu bekommen, die Gebärmutter entfernt werden musste? Sie könnten auch ein Baby adoptieren, aber die Wartelisten sind so lang, dass dies gut und gern zwei Jahre dauern könnte.


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Man sieht nur die im Dunkeln

von André Mumot

Hannover, 24. Juni 2011. Es ist ein Akt der Gerechtigkeit, aber ganz leise nimmt er seinen Lauf. Fast stumm. Immer mal wieder hört man das Knacken der Walkie Talkies, das undeutliche Aufforderungs-Flüstern, das aus den Geräten dringt. Auch ein Murmeln zwischen den Akteuren. Und dann ruft einer von ihnen plötzlich etwas, das sich anhört wie: "Maschine! Eins und zwei – 75 auf!" Woraufhin sich die Bühne ein stückweit hebt.


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Lichtjahre von zu Hause entfernt

von Esther Boldt

Hannover, 22. Juni 2011. Die Theaterformen eröffnen mit einer Reise in die Nacht. Mit einem Schweigegebot. Und mit der Aufforderung: "Don't look back." Doch der Blick in die Vergangenheit ist ein verlockender, die Wiederholung in der Rückschau, die notwendig scheitert und tödlich enden kann. Wie etwa bei Lots Frau, die zurückblickt auf ihre verdammte Heimat Sodom und zur Salzsäule erstarrt. Und wie bei Orfeus, dem Sänger und großen Liebenden, der seine Frau Eurydike von den Toten zurückholt und doch der Versuchung nicht widerstehen kann, sich nach ihr umzuwenden – um sie für immer zu verlieren.


Festival Theaterformen

Eine Ehrenrunde für die Menschenzeiger

von André Mumot

Braunschweig, 10. Juni 2010. Dieses Land, so wird geunkt, hat uns etwas voraus. "Schaut mal lieber besonders gut hinl!", sagen die Theaterformen, denn Argentinien hat ihn bereits 2001 erlebt, den Staatsbankrott, den totalen Zusammenbruch der Wirtschaft. "Mit mehreren Stücken aus der überaus lebendigen Theaterszene aus Buenos Aires werfen wir einen Blick in eine mögliche zukünftige Gesellschaft nach der Krise", stellt das Festival in seiner Ankündigung fest.


Festival Theaterformen

Miss Soweto und der Gott des David Beckham

von André Mumot

Braunschweig, 9. Juni 2010. Man könnte jetzt ins höfliche mitteleuropäische Drucksen kommen und so was sagen wie: Die Dame, um die sich hier alles dreht, sei etwas vollschlank. Aber das ist schon mal absoluter Blödsinn, denn Pinkie Mtshali ist einfach dick. Eine gewaltige schwarze Braut aus Südafrika, die knallrote Chucks trägt, einen Schleier und ein weißes Kleid, das sich straff um ihre Körperkurven legt. Sie sei hier hergekommen, erklärt ihr Begleiter, Boyzie Cekwana, um einen Bräutigam zu finden. Einen, der nicht unter "Frauenphobie oder Fettphobie oder Fickphobie" leidet. Einen, der Manns genug ist für sie.


Festival Theaterformen

Eine Probe ist eine Probe ist eine Probe

von Michael Laages

Hannover, 14. Juni 2009. "Jetzt geht's los!" ... Moment, geht's nicht auch knapper, kürzer, prägnanter? "Los geht's!" vielleicht? Oder einfach: "Los!" ... Aber ist das nicht alles ohnehin viel zu platt und banal – und muss denn hier überhaupt zu lesen sein, dass es jetzt los geht, wenn's ja ohnehin los geht?


Festival Theaterformen

Faul sind wir und guter Hoffnung 

von André Mumot

Hannover, 12. Juni 2009. "Also ich bin Marleny, und das ist meine Minute in diesem Stück." Das Mädchen im Harlekinkostüm kommt lächelnd nach vorn, echauffiert sich dann ganz unvermittelt über "die momentane Lage" und drischt dabei mit einem Jonglierkegel wie wild auf eine der zahlreichen Holzkisten des Bühnenbilds ein.


Festival Theaterformen

Menschen im Sarg

von Michael Laages

Braunschweig, 11. Juni 2008. Auch in Argentinien, und in spanischer Übersetzung, dürfte Fjodor Michailowitsch Dostojewskis Roman "Der Idiot" das Format eines Wälzers erreichen. Doch Alejandro Tantanian, Autor und Regisseur jener Dostojewski-Aneignung, die jetzt erstmals in Europa beim Braunschweiger Festival "Theaterformen" gezeigt wird, kommt mit gut einer Stunde Spielzeit aus und stellt damit mehr als jede irgendwie um Vollständigkeit bemühte Dramatisierung den fragmentarischen Charakter aus, dem im Umgang mit literarischen Welt- und Lebens- und Geistespanoramen dieses Kalibers vermutlich niemand wirklich entgehen kann.


Festival Theaterformen

Masse und Wucht

von Wolfgang Behrens

Braunschweig, 6. Juni 2008. Bei der Uraufführung der "Perser" des Aischylos, 472 v. Chr. in Athen, sollen es 12 Mann gewesen sein. Heute, zweieinhalb Jahrtausende später, sind es über 300, die den Chor bilden: Das darf doch einmal Fortschritt heißen, zumal hier in Braunschweig nicht nur Männer dabei sind, sondern auch Frauen: Bürgerinnen und Bürger aus der Region, die willig Claudia Bosses Aufruf – "Sei Perser! Demokratie erproben im Chor der 500!" – folgten.


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