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archiv » Theater Naumburg (6)
Theater Naumburg

Tussi wacht auf

von Kornelius Friz

Naumburg, 26. Oktober 2018. Naumburg spielt jetzt auf der ganz großen Bühne mit: Am vergangenen Sonntag wurde der Naumburger Dom offiziell als Weltkulturerbe in die Liste der UNESCO aufgenommen. Anders als in dem im September 2017 uraufgeführten Historiendrama "Ich, Uta" ist die Protagonistin auf der Bühne des Theaters Naumburg heute jedoch nicht die berühmte Stifterfigur Uta aus dem Dom, sondern Henrik Ibsens Nora.


Theater Naumburg

Vor den Keksen und danach

von Matthias Schmidt

Naumburg, 2. März 2018. In der Pause wird fast ausschließlich über Kekse gesprochen. An der Bar kann man sie kaufen, auf jedem Tisch steht ein Teller voll. Othello-Kekse. Kennen Sie nicht? Dann kommen Sie aus dem Westen. Oder haben die Gnade der späten Geburt. So einfach ist das. Und so kompliziert. Denn Othello-Kekse sind dunkle Kekse, und wir befinden uns in Sachsen-Anhalt. Gefühlt schon in Thüringen, natürlich. An diesem Gesprächsthema ist nicht Shakespeare allein schuld, schon klar, doch dazu später.


Theater Naumburg

Selbstzweifel einer schönen Frau

von Kornelius Friz

Naumburg, 8. September 2017. Uta tritt aus einer der vier Silhouetten, die aus einer Spanplatte ausgesägt sind. Auf die Platte ist ein Wald aufgedruckt, ein deutscher Eichenwald, durch dessen Blätter in Sepiatönen die Sonnenstrahlen fallen. "Alles gut, ich sehe ja gut aus", sagt Uta: "...noch!" Und damit hat die mittelalterliche Protagonistin, dargestellt von Marie Nasemann, den Inhalt der Inszenierung auch schon abgesteckt. Der Plan ihres Gatten Ekkehard, seine eigene Sterblichkeit durch den Bau eines Doms auszusetzen, dient nur als Rahmenhandlung für die Selbstbespiegelung der ebenso klugen wie schönen Uta.


Theater Naumburg

Intimes Spiel im Kirchenschiff

von Tobias Prüwer

Naumburg, 18. September 2015. Osterspaziergang? Gestrichen! Auerbachskeller und Walpurgisnacht ebenso. Stefan Neugebauers Inszenierung in Naumburg basiert auf einer stark gekürzten "Faust"-Fassung, reduziert auf ein Kammerspiel, auf die Zerrissenheit des forschenden und des liebenden Faust und auf das Schicksal Gretchens. Der Tragödie Kern ist bewahrt.


Theater Naumburg

Siehe, der Mensch im Glaskasten

von Christian Baron

Naumburg, 23. Februar 2013. Zerzaust und sichtlich verwirrt sieht er aus, der alte Mann auf der Bühne. Wie er den Worten lauscht, die dieser kleine grüne Gnom mit riesigem Kopf über den Zauber des Dionysischen schwülstig formuliert. Interessiert, aber auch irgendwie stumpfsinnig. "Der Mensch ist nicht mehr Künstler, er ist Kunstwerk geworden: die Kunstgewalt der ganzen Natur, zur höchsten Wonnebefriedigung des Ur-Einen, offenbart sich hier unter den Schauern des Rausches". Dass es dieser trostlose Greis selbst war, der einst als Jungspund jene pathetischen Sätze abfasste, kann er nicht wissen. Seine geistige Zurechnungsfähigkeit kam ihm schon vor elf Jahren abhanden. So bleibt er nunmehr sprachlos, als berufsmäßiger Unruhestifter im erzwungenen Ruhestand: Friedrich Nietzsche (Holger Vandrich) in seinen letzten Lebensstunden.


Theater Naumburg

altAm Ende ein Schummelreiter

von Matthias Schmidt

Naumburg, 18. Februar 2012. Dass sie Geld für ein Theater ausgibt, macht die Stadt Naumburg / Saale überaus sympathisch. 13 Mitarbeiter hat das Haus insgesamt, das Ensemble besteht aus vier Schauspielern. Ein sehr kleines Theater, aber Naumburg ist ja auch nicht groß. Und klein ist besser als gar nicht, erst recht in einem Landkreis, in dem die NPD im Kreistag sitzt und mit Hüpfburgen und dem Bekenntnis zum Breitensport den Eindruck zu erwecken versucht, sie sei zu etwas Nutze.


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