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archiv » Theater Koblenz (7)
Theater Koblenz

Wehrhafte Werftarbeiter

von Gerhard Preußer

Koblenz, 2. Juni 2021. Endlich ist das große Ding vom Stapel gelassen. Aber wie! "The Last Ship", das autobiografische Musical des Pop-Musikers Sting von 2014, war international nicht besonders erfolgreich. Nun ist es in Deutschland ins Wasser gelassen worden – nach längerer Zeit im Trockendock.


Theater Koblenz

Lügen als Privatangelegenheit

von Dorothea Marcus

Koblenz / online, 30. Mai 2021. Eine Mutter erschießt den Vergewaltiger ihrer Tochter im Gericht, weil er Unwahrheiten über sie verbreitet. Ereignet hat sich dieser Fall tatsächlich – und wurde im Jahr 1981 durch die Medien getrieben, so schön die Mutter, so spektakulär dieser Akt der Selbstjustiz. Sarah Amanda Dulgeris macht in "Beretta Kaliber 22" eine Art multiperspektivisches, überzeitliches Tribunal aus dem Fall Marianne Bachmeier von 1981. Im Schwarzweiß-Film, der historische Distanz und Allgemeingültigkeit suggeriert, sitzen sieben Schauspieler in Anzug oder Arztkittel in einem Bühnenraum, der mit projizierten Strukturen eine Art Gitter andeutet, ein (inneres) Gefängnis, in das von Weitem Licht fällt und das nun nicht mehr direkt erlebt werden kann.


Theater Koblenz

Vor Männerbünden gibt's kein Entkommen

von Dorothea Marcus

Koblenz, 28. April 2019. Da steht er, der neue Kanzler Angelo, frisch aus dem Männerbund gekürt vom Präsidenten Vicentio, und macht im blauen Business-Anzug ein paar Dehnübungen. Zuvor hatte sein Darsteller Frank Röder, der dem smarten österreichischen Sebastian Kurz vom Typ her ziemlich ähnlich ist, uns lässig improvisierend dazu aufgefordert, genau hinzusehen. Nicht allzu neidisch auf das Bier zu sein, das auf der Bühne beständig burschentreu geöffnet wird, und uns dennoch eins zu fühlen mit dem Bühnengeschehen.


Theater Koblenz

Entrümpeln der Erinnerung

von Dorothea Marcus

Koblenz, 29. April 2018. Hier sieht es aus, als sei gerade ein nahes Familienmitglied gestorben – und wir müssten entrümpeln, wo wir gestern noch gemütlich Tee getrunken haben. Oben, fast unter dem Dach des Hauses, auf der Probebühne Zwei des schönen alten Koblenzer Theaters, hat das Produktionsteam die knarrend alten Dielen mit Perserteppichen belegt, den Raum vollgestopft mit Erinnerungsinventar und plüschiger Behaglichkeit: Lampen, viele Bilder, Paravents, Nippes, Grünpflanzen – und viele Kartons.


Theater Koblenz

Abgang auf blutigen Knien

von Shirin Sojitrawalla

Koblenz, 9. September 2017. "König Lear" ist ein Stück über das Alter, den Wahnsinn, den Undank und die Gemeinheit in Reinnatur. Ein Stück über vieles und über das Nichts. Daneben ist diese Familientragödie von jeher ein Stück über die Täuschung, das Schau-Spielen, die Ent-Täuschung. Der Schriftsteller und Dramaturg John von Düffel betont diesen Aspekt, indem er in seiner Bearbeitung einige wichtige Figuren zwar streicht, aber doch spielen lässt, nur eben von anderen Figuren. Gloster und seine zwei ungleichen Söhne Edmund und Edgar sind so eigentlich gestrichen und doch präsent, weil Tochter Cordelia auch Edgar spielt und der Narr auch Edmund und Kent auch Gloster.


Theater Koblenz

Fluchtpunkt Griechenland

von Dorothea Marcus

Koblenz, 12. März 2016. Es ist, wie man weiß, ein Splatter-Plot aus Mord, Macht und Sex, dem die Atriden nicht entrinnen können. Immer wieder ist zutiefst nachvollziehbar: dass Orest, von der extremistischen Elektra zum Muttermord getrieben, anschließend in schwerster Reue versinkt – und dann einfach mit dem Morden weitermacht. Dass Klytämnestra ihren Ehemann Agamemnon bei seiner Rückkehr lieber umbringt – schließlich hatte der einst ihre Tochter geopfert und setzt ihr nun eine neue Frau vor. Dass Menelaos, der Bruder des getöteten Agamenon, wieder mit seiner eigentlich verstoßenen, untreuen Frau Helena anbändelt – will er doch, machtbewusst und pragmatisch, den vakanten Thron besetzen.


Theater Koblenz

'74, '90, 2006 – werden wir erwachsen sein

von Andreas Pecht

Koblenz, 15. September 2012. John von Düffel hat ein neues Stück geschrieben. "Alle sechzehn Jahre im Sommer" ist ein Auftragswerk des Theaters Koblenz zu seinem 225. Geburtstag. Gestern kam es dort in einer Inszenierung des Intendanten Markus Dietze zur Uraufführung. Gewünscht hatten sich die Koblenzer etwas über den Fluss der Zeiten und die Wandlungen der Menschen darin. Geliefert hat der Autor eine "Trilogie des veränderten Lebens", deren Teile 1974, 1990 und 2006 spielen – jeweils angedockt an die Fußballweltmeisterschaften jener Jahre.


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