zurück zur Übersicht

archiv » Schlosstheater Celle (6)
Schlosstheater Celle

Druckerschwärze statt Filterblase

von Jan Fischer

Celle, 7. April 2017. Das Internet. Unendliche Weiten. Wir befinden uns im Jahr 2067. Die ganze Cellesche Zeitung befindet sich fest im Griff einer App, die besser als der Leser weiß, was dieser lesen will. Die ganze Zeitung? Nein. Eine Jungredakteurin leistet Widerstand. Sie möchte eine Journalistin werden, eine, "die von allen gelesen wird".


Schlosstheater Celle

Rattatá!

von Jan Fischer

Celle, 2. Mai 2014. "Seelandschafft mit Pocahontas" muss man im Zug lesen, das ist der Rhythmus: dieses Rattatá, ein ICE, der mit Höchstgeschwindigkeit durch Sprachebenen und die Niedersächsische Ebene knallt, der Refrain des Zuges, des Buches, bei Schmidt auch der Refrain des Krieges, und im Schlosstheater Celle das Geräusch der Schreibmaschine, auf der der alte Autor tippt, der eigentlich Friedhelm Ptok heißt und einsam vorne am Bühnenrand darauf einhackt, an seinem Tisch im Scheinwerferlicht sich in der Helligkeit suhlt und in den Erinnerungen an eine flüchtige Liebe.


Schlosstheater Celle

Lebenslügen, prä- und postmortal

von Stephanie Drees

Celle, 5. April 2013. Die personifizierte Rache trägt Weiß. Über ihrer Brust verläuft ein Plastikpanzer. Mit dem Engel Svea stimmt etwas gewaltig nicht. Zu fokussiert der Blick, zu geschliffen die Rhetorik. Ralf, ihr vorgeblicher Schützling, spürt recht bald, dass an der ganzen Nummer etwas faul ist. Doch wenn man viel Zeit damit verbracht hat, sich die eigene Rolle schön zu spielen, hievt einen der Selbstbetrug noch eine Zeit lang über die Lebensabgründe – die eigenen und die der anderen.


Schlosstheater Celle

Gefängniswärterinnen der eigenen Gefangenschaft

von Stephanie Drees

Celle, 1. Februar 2013. Ein Text für Atemlose. Wallnusseis und Aufmacherstory, Fettpolster und Politik – es gibt viele Themen, über die Jessica nachdenkt. In Celle liegt sie mit weißem Leibchen und schwarzer Strumpfhose auf der Bühne, hält das Mikro phallisch in die Höhe und spricht. Ein postorgasmischer Bewusstseinstrom. Der Liebhaber ist grade fort gegangen. Doch die Fragen bleiben: Wie weitermachen? Wie das Leben ordnen? Wie den Körper vor der Fettsucht schützen?


Schlosstheater Celle

Im sanften Wellengang

von Jan Fischer

Celle, 11. Januar 2013. Ein Papierschiffchen. Eines, dass sich sich vor orangenem Hintergrund über zart angedeutete Wellen kämpft. Das ist das Plakatmotiv, das man im Celler Schlosstheater gewählt hat, um Rosemarie Vogtenhubers Inszenierung von Botho Strauß' "Ithaka. Schauspiel nach den Heimkehr-Gesängen der Odyssee" zu bewerben. Das macht Sinn: Wer "Ithaka" inszeniert, Botho Strauß' Nacherzählung des letzten Teils der Odyssee, muss sein Schauspielschiffchen über harten Diskurswellengang führen, wenn er sicher irgendwo ankommen will.


Schlosstheater Celle

Erzählen, solange es noch geht

von Jan Fischer

Celle, 13. Oktober 2012. Ein Brocken. Ein Brocken Text. Ein Brocken Geschichte. Es sprudelt aus dem Vater heraus. Es bricht aus ihm heraus, wie er da in seinem Loch sitzt, auf der runden Bühne mitten im Raum, umgeben von den Zuschauern, und weiß: Diese Geschichte ist sein Leben. Er hat nicht mehr viel Zeit. Blind ist er schon. Seine Geschichte, das ist das einzige, was von ihm bleibt. Der Sohn soll mitschreiben.


zurück zur Übersicht