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archiv » Theater Pforzheim (5)
Theater Pforzheim

Das Gespenst Afrikas

von Thomas Rothschild

Pforzheim, 3. Juni 2016. Ein Romanstoff aus den Eingeweiden von Paris ist nun abseits der Metropolen in einer Bühnenfassung sehen. Es handelt sich um Aufzeichnungen aus einem Auto, in dem der Ich-Erzähler zu verharren beschlossen hat, nachdem ihm seine Wohnung gekündigt worden ist. Von hier aus entdeckt er eine ansonsten verborgene Welt, die Welt der Erniedrigten und Beleidigten, die Welt "Am Boden“, wie Maxim Gorkis Obdachlosen-Drama "Nachtasyl“ im Original heißt. Und er bleibt nicht Beobachter: er wird Teil von ihr.


Theater Pforzheim

In der Sperrzone

von Verena Großkreutz

Pforzheim, 23. Januar 2015. Wer verlässt schon seine Heimat, seine Familie, seine Freunde freiwillig, begibt sich grundlos aufs dünne Eis der Fremde? In ein Land, dessen Sprache er nicht mächtig ist? "Ohne Sprache ist man tot", sagt die irakische Chemikerin, die mit ihrer Familie 2001 vor dem Krieg in ihrem Lande floh, "man kann gar nichts machen. Sprache ist wie die Augen, Sprache ist Sehen". Sie landete in Pforzheim. Ihre Flucht fand ein gutes Ende. Sie und ihre Familie wurden eingebürgert. "Ich wollte Sicherheit für uns. Die haben wir", sagt sie. Jeden Tag träume sie aber von Bagdad, "von Bagdad wie es früher einmal war". Jetzt ist ihre Herzensstadt zerstört.


Theater Pforzheim

Revolution in pechschwarz

von Steffen Becker

Pforzheim, 8. November 2014. Der Tag ist gut gewählt, um über Revolutionen zu sinnieren. Am Vorabend des 9. November gießt Murat Yeginers Inszenierung von "Dantons Tod" ein bisschen Wasser in den Wein des Gedenkens an den letzten friedlichen Umbruch in Europa. In Pforzheim verheißt eine pechschwarze, leere Bühne, die sich in der Flucht verengt auf einen schmalen Schlitz mit grellem Licht, schon rein optisch nichts gutes. Darauf versammeln sich Georg Büchners Unglücksraben, um die Perversion eines Umbruchs entweder voranzutreiben oder zu beklagen.


Theater Pforzheim

Die Sprache der Dating-Profile

von Steffen Becker

Pforzheim, 8. Februar 2014.Die ungebrochene Aktualität des William Shakespeare ist ein oft verwendeter Gemeinplatz. 450 Jahre ist es jetzt her, dass er das Licht der Welt erblickte, aber sein Werk sei trotzdem "immer noch hochmodern, immer noch heutig", sagt auch Pforzheims Intendant Murat Yeginer. An seinem Haus bringt er die Komödie "Was ihr wollt" auf die Bühne. Und schafft es tatsächlich, den Klassiker mit dem Leben der Zuschauer sehr eng zu verknüpfen.


Theater Pforzheim

Ja zum Klischee

von Steffen Becker

Pforzheim, 1. Juni 2013. Dass Deutschland auf allen Ebenen ein Einwanderungsland ist, wird beim Stück "Döner zweier Herren" auf der Premierenfeier im Pforzheimer Stadttheater am deutlichsten. Der Schauspieldirektor mit türkischem Namen dankt dem Türkendarsteller mit französischem Vornamen für die gute Repräsentation. Er erwähnt, dass nur der Schwabendarsteller auch wirklich ein Schwabe sei und holt sich dafür den Rüffel ab, dass dessen Geburtsort in Baden liege, also in einer anderen Welt.


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