Das nobelste Ziel des Theaters

1. August 2015. In einem langen, lesenswerten Interview mit Martin Knaul in der tageszeitung erklärt Philip Ruch, Gründer des Zentrums für Politische Schönheit, das "gesellschaftliche Schauspiel", das das ZPF zu inszenieren versuche: "Ein klassischer Bildhauer versucht sein Werk zu reinigen. Aktionskunst versucht das nicht. Bei uns laufen massenhaft Politiker mit zweifelhaften Überzeugungen ins Werk, die nicht mal bei ihrem Abgang die Scheinwerfer entdecken. [...] Sie rennen mitten ins Stück und merken gar nicht, dass die Rolle, die sie einnehmen, auf sie zugeschnitten war. Wenn Sie so etwas wie den Marsch der Entschlossenen betrachten, der gegen die Inhumanität der deutschen Abschottungspolitik auf die Straße gegangen ist, werden Sie irgendwann erkennen, dass im Medium der Kunst das stattfinden kann, was wir eigentlich 'Gesellschaft' nennen. Das war zu allen Zeiten das oberste und nobelste Ziel des Theaters."

Außerdem stellt er die ZPS-Aktionen in Zusammenhang mit denen von Christoph Schlingensief: "Es gibt Menschen in dieser Republik, die haben nicht erwartet, dass sich die CDU von Kunst und Theater noch mal so aus dem Häuschen locken lässt. Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass die Zeiten für solche Dinge vorbei sind, dass diese Reaktionen vielleicht mit Christoph Schlingensief in den Neunzigerjahren möglich waren, dass die Politiker aber heute zu abgeklärt sind, um auf Theater zu reagieren. Sagen wir es so: Unser Theater zwingt die Politik, zu reagieren."

(geka)

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