"Ich muss verunsichern"

16. November 2016. Für die Stuttgarter Zeitung treffen sich Noch-Schauspielintendant Armin Petras und einer seiner schärfsten Kritiker, der Journalist Roland Müller, zu einem höchst lebhaften Gespräch über Petras' vorzeitiges Ausscheiden 2018.

Es geht in dem Interview viel um die Kritik an Petras' Arbeit, auf die Petras u.a. mit dem Verweis auf die Einladungen verschiedener Inszenierungen zum Berliner Theatertreffen und zu anderen großen Festivals reagiert. "In der Summe habe ich die Reaktionen und Einschätzungen schlicht als ambivalent empfunden", so Petras. Er habe sich, wie zum Intendanzstart versprochen, auf die Stadt Stuttgart und ihre lokalen Stoffe eingelassen und den in der Berufung formulierten Auftrag der Politik erfüllt, "neue Ästhetiken auszuprobieren".

Theater soll fragwürdig sein

Mit Inszenierungen von Jan Bosse, Stephan Kimmig und demächst auch Claus Peymann biete sein Programm auch Arbeiten, die "gewiss nicht zum hochexperimentellen Teil unseres Angebots" zählen. Manche experimentellere Arbeit empfindet Petras selbst als "fragwürdig" im "positiven Sinne" und legt dann seine Grundüberzeugung dar, dass "überhaupt alles, was im Theater geschieht, fragwürdig sein muss. Jeder Abend muss ein Experiment sein, sonst ist er nicht gültig. Er muss offene Auseinandersetzungen und Überraschungen bieten, er muss die Zuschauer erfreuen und beglücken, aber auch verunsichern und schocken – das ist meine Aufgabe als Regisseur."

Für die laufende Spielzeit prognostiziert Petras einen "Turnaround" im Publikumszuspruch und den Anstieg, der zuletzt auf 74 Prozent abgesunkenen Auslastungszahlen auf 80 Prozent. "Unabhängig davon bin ich aber überzeugt, dass es nicht notwendig ist, ein Theater zu neunzig Prozent auszulasten. Das ist schön, klar, aber notwendig ist vor allem, dass das Theater Diskussionen anregt (...)."

(Stuttgarter Zeitung / chr)

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