Blüh’n im Glanze ihrer Jugend

25. September 2017. Zwei Inszenierungen sind beim ostdeutschen Kinder- und Jugendtheaterfestival Wildwechsel ausgezeichnet worden: "Beate Uwe Uwe Selfie Klick" vom Theater Chemnitz und "Mein ziemlich seltsamer Freund Walter" vom Thalia Theater Halle. Das gab der diesjährige Ausrichter des Festivals, das Dresdner tjg. theater junge generation, bekannt.

Gewählt wurden die Inszenierungen mit insgesamt drei Voten von der Fachjury, der Kinder- und der Jugendjury. Alle drei Jurys vergaben einen mit jeweils 1.000 Euro dotierten Preis. Auswählen konnten sie aus den sieben vorab von einer Auswahljury zum Wildwechsel-Festival eingeladenen Inszenierungen. 

Dokumentarisches Figurentheater zum NSU

Von der Jugendjury ausgezeichnet wurde die dokumentarische Figurentheater-Inszenierung Beate Uwe Uwe Selfie Klick. Am Theater Chemnitz haben sich die Regisseurin Laura Linnenbaum und die Autorin Gerhild Steinbuch mit der NSU-Aufarbeitung auseinandergesetzt. In der Begründung lobt die Jugendjury unter anderem die "schier unendlichen Interpretationsmöglichkeiten", die besondere Ausdrucksstärke und Emotionalität der Inszenierung für Jugendliche ab 16 Jahren, das Zusammenspiel des Ensembles und "die intensive Anregung, sich nach dem Theaterbesuch weiter mit dem Thema NSU auseinanderzusetzen".

Ungewöhnlicher Blick auf Freundschaft

Auf den gleichen Gewinner einigten sich die Kinder- und die Fachjury: Beide kürten Katharina Brankatschks Inszenierung von Sibylle Bergs Mein ziemlich seltsamer Freund Walter vom Thalia Theater Halle zu ihrem Sieger. In ihrer Begründung lobte die Kinderjury das Bühnenbild der Schauspiel-Inszenierung für Kinder ab acht Jahren, die "lustige und gleichzeitig spannende Geschichte" und die Art und Weise, wie sich die Inszenierung mit dem Thema Freundschaft beschäftige: Lisa interessiert sich für den Weltraum, aber in der Schule wird sie nur gemobbt; erst als sie sich mit dem Außerirdischen Walter befreundet, lernt sie, sich zu behaupten. Die Fachjury lobte, Text, Regie und Dramaturgie verbänden sich "kongenial" zu einer Inszenierung, die einen "erfrischend ungewöhnlichen Blick aufs Fremde" ermögliche, so das tjg in seiner Pressemitteilung.

Junges Theater im Osten

Initiiert hat das Wildwechsel-Festival der Arbeitskreis Ost der Kinder- und Jugendtheater Deutschlands. Ihm gehören 38 Kinder- und Jugendtheater aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Berlin an. Unterstützt wird das für Fachbesucher*innen wie das Publikum gedachte Festival von den Landesverbänden Ost, Thüringen, Sachsen und Berlin des Deutschen Bühnenvereins. Ziel ist es, "den Scheinwerfer auf die (blühende) Kinder- und Jugendtheaterlandschaft in der Region" zu richten, ästhetische Erfahrungen zu ermöglichen und künstlerische Impulse zu setzen. Das Wildwechsel-Festival möchte fand in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Die nächste Ausgabe ist für 2019 geplant.

(tjg. theater junge generation / eph)

 

Berichtet hat nachtkritik.de über beide Stücke: die jetzt ausgezeichnete Uraufführung von Gerhild Steinbuchs und Laura Linnenbaums Beate Uwe Uwer Selfie Klick in Chemnitz und die Uraufführung von Sibylle Bergs Mein ziemlich seltsamer Freund Walter, die 2014 am Consol Theater Gelsenkirchen stattgefunden hat.

Kommentar schreiben