Die Klangvollen

3. Januar 2011. Argumente, Spitzfindigkeiten, Erbsenzählerei, Interpretationen, Begeisterungsrufe, Häme, Polemiken – das nachtkritik-Forum ist ein Ort des schillernden Theaterdiskurses. Ein guter Teil der Energie fließt dabei zumeist schon in den Kommentatorennamen. Hier einige der klangvollsten Signaturen im Kommentarwesen 2010:

Die geborgte Prominenz

3. Januar 2011. Wenn Einträge unter dem Namen von Personen des öffentlichen Lebens in den Kommentaren auftauchen, überprüft nachtkritik.de die Authentizität des Beitrags. Falls der Name geborgt ist, gibt's Anführungszeichen (ansonsten ist es wirklich Hermann Beil, wenn der Name des BE-Chefdramaturgen drunter steht). Im weiten Feld der Anführungszeichen aber mag man fröhlich siedeln. Hier einige der Prominenten, die sich im Forum auf nachtkritik.de im Jahr 2010 versammelten – und eben doch nicht:

Was ist das für ein Theater?

30. Dezember 2010. Es müssen ja nicht die interessantesten, aufregendsten, schönsten Theaterereignisse sein, die auf die höchsten Klickzahlen kommen. Oder etwa doch? Wie auch immer, hier jedenfalls die Liste der zehn meist gelesenen Texte des Jahres 2010 auf nachtkritik.de:

 

Die nachtkritik-Redaktion empfiehlt



Ding
Speise
Dirk
Pilz

Das Rinderzüchtermesser mit Olivenholzschaft von Laguiole.

Die Kürbissuppe im Wiener Café Central.

Nikolaus Merck

eine Bambuskratzhand aus Laos, wenn es nicht mehr weitergeht beim Nachdenken


Madeira Gelee

Anne
Peter

Zickzackförmiger Zettelhalter "Tabula rasa", hilft bei ausufernder Zettelwirtschaft

Lakritzsorten für jeden Spezialgeschmack im Lakritzfachgeschäft "Kadó" in der Gräfestraße, Berlin


Esther
Slevogt
ein Revolving Bookcase für den allernötigsten Lese- und Arbeitsstoff im Schreibtischnähe
Salzige Heringe (Katjes)

Wolfgang
Behrens

Christbaumkerzen aus echtem Bienenwachs (leider selten geworden)

die idealen Zutaten für ca. 70 Florentiner: 50g Butter, 200g Zucker, 2 x Vanillezucker, 300g Mandelblättchen, 250 ml Sahne, fakultativ Kuvertüre, traditionelle Herstellung


Simone
Kaempf

Knotenbeutel von "Akiko", Hamburg, die mit japanischen Überraschungsgeschenken gefüllt sind

Bisher ohne Zahn: Nr. 136 im Asia-Restaurant "Mao Thai", Berlin


Christian Rakow Spiralblock
Misosuppe





Georg Kasch Überlebenswichtig: die Bialetti-Espressokannen

Die Besten: Nürnberger Elisen-Lebkuchen von Fraunholzer








Trank
Film
Dirk
Pilz

Laphroaig, Whisky von der schottischen Insel Islay

Das weiße Band von Michael Haneke


Nikolaus Merck Auxerrois von Castel Peter


Anne
Peter
Heiße weiße Schokolade im "Molinari" in der Riemannstraße, Berlin-Kreuzberg

alle "Tatort"-Folgen, in denen Theaterschauspieler mitwirken. Das macht das Täterraten zur entspannten Angelegenheit – meistens sind sie die Mörder.


Esther
Slevogt
Römerquelle, prickelnd
"Lebanon" von Samuel Maoz oder der Krieg aus der Perspektive eines Zielfernrohrs im Innern eines Panzers gesehen.

Wolfgang
Behrens
Ein Fläschchen "Soma" aus der gleichnamigen Installation von Carsten Höller im Hamburger Bahnhof zu Berlin; wegen der performenden Rentiere ist die Ausstellung übrigens sehr kinderkompatibel, und der Kaffee bei Sarah Wiener schmeckt auch.
"Carlos" in der höchst kurzweiligen Langfassung (5 1/2 Stunden). Nora von Waldstätten und Alexander Scheer sind natürlich der Hammer, Udo Samel als Bruno Kreisky ist aber auch nicht übel.

Simone
Kaempf

Schweizer Ovo

"Rêves de Babel" über Sidi Larbi Cherkaoui

JibJab-Jahresrückblicke

2010 coming soon!


Christian Rakow
Rostocker Pilsner

Klassisch, aber stets neu: "Super Night Shot" von Gob Squad





Georg Kasch

Berliner Leitungswasser

Moon (Duncan Jones)







CD
Buch
Dirk
Pilz

J.S. Bach: "Goldberg Variations", mit Keith Jarrett; Owen Pallett: "Heartland"

Roberto Bolaño: 2666. Hanser Verlag 2009

 


Nikolaus Merck

David Foster Wallace: Unendlicher Spaß. Kiepenheuer & Witsch 2009


Anne
Peter

Wir sind Helden: "Bring mich nach Hause" (Columbia). Sogar Judith Holofernes besingt jetzt die dramatische Zunft: "In den Bibliotheken städtischer Ballungen /
stapeln sich Bücher über läppische Wallungen /
neben Bänden voller Lieder über Beulen und Schräglagen /
und die Wände hallen wieder von Heulen und Wehklagen".

Felicia Zeller: Einsam lehnen am Bekannten. Kurze Prosa. Lilienfeld Verlag 2008. Dramatikerin Felicia Zeller übers Dramen-Schreiben bzw. Dramen-Nicht-Schreiben, über Schreibblockaden, freischwebendes Schreiberinnen-Dasein und sehr viel Zunixkommen. Außerdem ein Muss für alle Neu-Neuköllner.


Esther
Slevogt

Lyrikstimmen, 100 Jahre und 122 AutorInnen im O-Ton (Der Hörverlag). Wer mal Karl Kraus oder Paul Celan, Johannes R. Becher oder Hugo von Hofmannsthal eigene Texte lesen hören will. Es gibt allerdings einen Fehler! Wer findet ihn?

Christa Wolfs "Stadt der Engel" (Suhrkamp), auch in seinem Scheitern ein Buch des Jahres. Christa Wolf, die so gerne Sulamith wäre, aber erkennen muss, dass sich die Margarete, die sie ist, nicht abschütteln läßt.


Wolfgang
Behrens

Für Opernfreunde: Bejun Mehta, "Ombra Cara" (harmonia mundi).
Für Weihnachtsjunkies: Bob Dylan, "Christmas in the Heart" (Coulumbia).
Für Entdeckungsfreudige: Barbara Sukowa and The X-Patsys, "Devouring Time" (Winter & Winter).

 

Hansjörg Schneider: Hunkeler und die Augen des Ödipus. Diogenes 2010. (Endlich ein Krimi im Regietheatermilieu für Verehrer und Verächter desselben; die geschilderte "Ödipus"-Aufführung würde ich wirklich gerne sehen.)


Simone
Kaempf

"Moonstruck" mit Barbara Buchholz am Theremin

Peter Zadek: Die Wanderjahre. 1980-2009,
Kiepenheuer & Witsch 2010, weil von Kunst hier selten die Rede ist, und sich doch alles um ihre Mittel dreht


Christian Rakow
Arcade Fire: The Suburbs

Immergrün: Wilhelm Raabe: Die Akten des Vogelsangs (1896), bei Reclam für nur 5,60 Euro zu haben.

Und vom Neueren: Wolf Haas/Teresa Präauer: Die Gans im Gegenteil. Hoffmann und Campe 2010. "Von einer Glückssträhne beglückt / wird hier eine Glücksträne verdrückt."






Georg Kasch

Chopin: Sämtliche Nocturnes, von Amir Katz; The Gentleman's Flute, von Stefan Temmingh


Alison Bechdel: Fun Home. Eine Familie von Gezeichneten. Kiepenheuer & Witsch 2008

Vitales Protestforum

Berlin, 30. Dezember 2010. Diese Seite wird von ihren Lesern mitgeschrieben. Das zeigt sich auch 2010 in zahlreichen Debatten und Kommentaren, in denen KommentatorInnen in Vielem immer wieder erheblich zur Wahrheitsfindung beitragen, witzige Bonmots oder wichtige Argumente einzubringen haben. Das muss an Tagen wie diesen auch einmal gewürdigt werden. Nicht zuletzt deshalb, weil sich in den Kommentaren dieses Jahr starker wie wortmächtiger Widerstand gegen die Sparszenarien der Politik artikulierte und die Redaktion manchmal kaum nachkam mit dem Veröffentlichen all der Offenen Briefe, die sie erreichten. Und so hat die nachtkritik-Redaktion, höchst subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ein paar Höhepunkte des vergangenen Jahres zusammengetragen.