Der Stoff, aus dem der Osten ist?

25. April 2019. Muss man eigentlich immer in die Großstadt, um was Tolles zu erleben? "Nö", denkt sich Ende der 1980er ein junger Mann in einem Kaff in Ostbrandenburg – und macht aus der Dorfkneipe einen Szeneklub. Davon handelt Alexander Kühnes autobiographischer Roman "Düsterbusch City Lights", der kürzlich am Theater Magdeburg auf die Bühne kam. Für Folge 14 des Theaterpodcast sind Susanne Burkhardt und Elena Philipp zur Premiere gefahren.

Zeige deine Angst

von Axel Sichrovsky

22. April 2019. Ein Ensemble ergreift das Wort. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch abseits. Es artikuliert seine Vorstellungen von guter Theaterleitung, von dem, wofür man in der Kunst einstehen möchte. Es formuliert sich intern und in öffentlichen Stellungnahmen. Dieser Vorgang war bis vor nicht allzu langer Zeit selten. Jetzt häufen sich die Fälle, so scheint mir. Zuletzt und mit großer Strahlkraft in Schwerin.

Wachstum oder Zukunft

von Christian Tschirner

17. April 2019. Seit etwa einem Jahr bereite ich für das Hamburger Schauspielhaus das "Hamburger Menetekel" vor, ein partizipatives Projekt, bei dem Jugendliche die Zukunft der Stadt von den Wänden lesen, um sie dann auf einem Kongress mit Expert*innen zu diskutieren. Diese Zukunft, soviel kann man jetzt schon sagen, sieht nicht besonders rosig aus. In den vielen Gesprächen dazu – mit Lehrer*innen, Stiftungen, Künstler*innen – war immer wieder zu hören: Die Jugendlichen mit einer geballten Ladung alarmierender Nachrichten zu konfrontieren, sei doch gerade jetzt – gemeint ist das Erstarken rechtspopulistischer Parteien – das falsche Signal. Gerade jetzt müsse man doch das Vertrauen in Politik und Gesellschaft stärken, alles andere füttere ja die von rechts geschürte Hysterie. Ich bin anderer Meinung. Es gibt keinen Grund, das Vertrauen in Politik und Gesellschaft zu stärken. Wir stecken in einer zivilisatorischen Krise und gerade der hilflose Versuch, das zu leugnen, beschleunigt den Erfolg der Rechten. Warum?

Triumph des Kleinmuts

Von Regine Müller

23. Februar 2019. Doch, sie können Theater in Halle, und wie! Die Dramaturgie ist selbst in der Niederlage auf fast gespenstische Weise perfekt, als sich am Freitagabend wenige Stunden nach Bekanntgabe des Votums des Aufsichtsrats der Vorhang ausgerechnet zur Premiere von Richard Strauss’ Oper "Ariadne auf Naxos" hebt. "Träum ich? Wach ich? Leb’ ich? Bin ich bei Sinnen?" ist als Zitat aus Hugo von Hofmannsthals Libretto auf den Vorhang projiziert, und nicht wenige der Premierenbesucher fragen sich wohl, ob die Entscheidung des Aufsichtsrats, Florian Lutz' Vertrag nicht zu verlängern, nicht doch nur ein aberwitziger Traum ist, aus dem man schleunigst aufwachen möchte.

"Mobbing gedeiht in Vetternwirtschaft"

Juliana da Costa José im Interview mit Sophie Diesselhorst

11. April 2019. An den Bühnen Halle schwelt seit Längerem ein Personalkonflikt. Im Zentrum die Spartenleiter Matthias Brenner (Schauspiel), Florian Lutz (Oper) und der Geschäftsführer Stefan Rosinski. In den letzten Wochen eskalierte der Streit: in Offenen Briefen und in Medienberichten über die PR-Managerin Juliana da Costa José, die nach drei Tagen Arbeit an den Bühnen Halle das Haus wieder verließ. Im Interview mit Sophie Diesselhorst spricht Juliana da Costa José über das Binnenklima und die Probleme am Haus.

Kunst in unsicheren Zeiten

von Dorothea Marcus

Köln, 11. Februar 2019. Sollte politisches Theater auf Mitleidserzeugung ausgerichtet sein? Kann man überhaupt mit Leiddarstellung auf der Bühne Empathie – und letztlich Weltverbesserung – erreichen, ohne Gefahr zu laufen, Teil einer pornografischen Mitleidsindustrie zu werden? Eine, die ohnehin nur das präsentiert, was wir hören wollen? Und können sich Theatermacher*innen mit Weltverbessungsfragen überhaupt glaubwürdig beschäftigen, solange sie Baumwolle tragen und Schokolade essen – Produkte, die unter härtesten neokolonialen Bedingungen hergestellt werden? Knifflige Fragen, aufgeworfen von der Spezialistin schlechthin für globale Gerechtigkeit und Dekolonisierung Nikita Dhawan, Professorin für Politische Theorie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, zum Auftakt des 2. "Flausen"-Bundeskongresses am Freien Werkstatt Theater Köln. Zu ihren Antworten später, denn das Hauptthema war ein anderes.

Für die Kunstfreiheit
Keine Kriminalisierung kritischer Kunst!

Berlin, 11. April 2019. Gegen das "Zentrum für politische Schönheit" ist wegen "Bildung einer kriminellen Vereinigung" ermittelt worden. Das ist ein bedrohlicher Angriff auf die Meinungs- und Kunstfreiheit. Wir protestieren!

Auf zweiter Stufe

von Christian Rakow

6. Februar 2019. Ziel jeder Erziehung ist es, den Erzieher überflüssig zu machen. So hat es Kant der Pädagogik mit auf den Weg gegeben. Und wenn man erst einmal aus der Obhut der Erzieher in Familie und Schule entlassen ist, was nichts anderes bedeutet, als im emphatischen Sinne mündig geworden zu sein, dann graust es einen doch eigentlich, weiterhin Bildungsprozeduren an sich zu erfahren. Zumal in der Kunst, von der man nach dem Durchgang durch die Avantgarden des 20. Jahrhunderts nun alles Mögliche erwartet: Verstörung, Subversion, Provokation, oder weiterhin auch ästhetische Finesse, handwerkliche Meisterschaft und dergleichen Formenaspekte. Aber wohl nicht zuvorderst den Transport eines politischen Bildungsauftrags.

Der lange Schatten des Spardiktats

von Georg Kasch

4. April 2019. Wenn sich gleich mehrere Ensembles und Gruppen eines Hauses gegen ihren Intendanten wehren, ist irgendetwas richtig schief gelaufen. So wie in Schwerin. Im Januar 2018 protestierten die Schauspieler des Mecklenburgischen Staatstheaters zum ersten Mal gegen Generalintendant Lars Tietje, weil er ihnen per Aushang verbot, beim Theaterball "eigenmächtige politische Äußerungen" zu machen. Im November 2018 wandten sie sich erneut an die Öffentlichkeit, ebenso Ballett und Orchester, jetzt wieder. Ihr Vorwurf: Tietje habe sich für den Maulkorberlass nie richtig entschuldigt, er habe führende Mitarbeiter entlassen, andere seien wegen des Drucks freiwillig gegangen; zugesagte Produktionen – und zwar ausgerechnet die politisch brisanten – und Stellen seien gestrichen, das Repertoire ausgedünnt worden.

Notlösung ohne Not

von Dorothea Marcus

Köln, 1. Februar 2019. Der Rücktritt von Carl Philip von Maldeghem ist eine Erleichterung. Und das nicht, weil er ein schlechter Intendant geworden wäre – im Gegenteil, er hätte wohl ein solides, theaterpädagogisch gestütztes, konservatives und unterhaltsames Abonnenten-Programm garantiert. Gestern Nachmittag hatten wir für nachtkritik.de noch ein Interview geführt, Carl Philip von Maldeghem war aufgeräumt, überaus freundlich und schien sich wirklich auf Köln zu freuen.

Konfetti und Konflikte

27. März 2019. Konfetti, Nebel, Schaumstoffquader: Minimale Mittel nutzt die Bühnenbildnerin Katrin Brack, um frei bespielbare Theaterräume zu erschaffen. Mit der vielfach ausgezeichneten Künstlerin sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp über die Kunst des Bühnenbilds. Außerdem fragt das Theaterpodcast-Duo in Folge #13 mit Blick auf den Konflikt an den Bühnen Halle, wie viel Experimente das Stadttheater verträgt.

Literatur als Provokation der Theaterkritik

von Kai Bremer

30. Januar 2019. Als vor Kurzem Simon Strauß in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" dazu aufgerufen hat, vergessene Theaterstücke für die Gegenwart wiederzuentdecken, hat das auch hier für einige Reaktionen gesorgt. Bemerkenswert ist jedoch nicht nur das Anliegen an sich, sondern auch der Umstand, dass der Theaterkritiker damit indirekt daran erinnert, dass solide Textkenntnis und wohl begründete literaturkritische Kompetenzen zu den Fundamenten der Theaterkritik zählen.

"Fusionen sollte man im Winter beschließen"

Volker Arnold im Interview mit Georg Kasch und Christian Rakow

20. März 2019. Theaterfusionen sind der spitze Faustkeil der Kulturpolitik. Wann immer Politiker radikal zum Sparen am deutschen Stadttheatersystem ansetzen, bringen sie die Zusammenlegung von Theatern aufs Tapet. Zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern, wo man probierte, das bereits fusionierte Theater Vorpommern (Greifswald, Stralsund, Putbus) mit dem ebenfalls schon zusammengezwungenen Verbund Neubrandenburg-Neustrelitz zum Staatstheater Nordost zusammenzuspannen. Die Pläne liegen inzwischen auf Eis.

Von Vielfalt und Verstärkung

26. Januar 2019. Flüstern, Raunen, Intimität: Mit Mikroports geht das auch auf dem Theater. Als technische Verstärkung von Schauspielerstimmen sind sie mittlerweile Standard. Wie Regisseur*innen aber auch ästhetisch und inhaltlich mit Mikroports umgehen, ist Thema in Folge 11 von "Der Theaterpodcast". Außerdem sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp mit Sandrine Micossé-Aikins vom Berliner Projektbüro Diversity Arts Culture über Vielfalt auf und hinter den Bühnen, Stichwort: Diversität.

Ministrant oder Agnostiker?

von Martin Krumbholz und Sascha Westphal

21. März 2019. Kritik heißt Beschreiben, Interpretieren, Werten, Einordnen, Empfehlen, mitunter auch Ausmisten. Und Kritik heißt Innehalten können, die eigenen Maßstäbe befragen. Diesem Innehalten dient die kleine nachtkritik.de-Reihe "Positionen der Kritik", in der in loser Folge Texte zur Praxis der gegenwärtigen Theaterkritik erscheinen. Martin Krumbholz und Sascha Westphal sind als Kritiker für diverse Medien tätig und sie sind feste Größen im Autorenstamm von nachtkritik.de in Nordrhein-Westfalen. Im Anschluss an die jüngste Bochumer Herbert Fritsch-Inszenierung ("Philosophie im Bourdoir") trafen sie sich zum Streitgespräch.

Die als erste in den Kampf ziehen

von Sophie Diesselhorst und Elena Philipp

Berlin, 25. Januar 2019. Was ist eigentlich mit der Volksbühne? Erstaunlich ruhig ist es geworden um den Aufreger der letzten drei Jahre. Mit Gastspielen bewährter Erfolgs-Inszenierungen aus Hamburg, Hannover und Stuttgart füllt Interimsintendant Klaus Dörr das Haus und hält Berlins Kultursenator Klaus Lederer den Rücken frei, damit der in Ruhe eine*n Nachfolger*in bestimmen kann. Zu sagen, dass die Entscheidung mit Spannung erwartet wird, wäre eine gehörige Untertreibung.

Die problematische Mitte

Bianca Klose im Interview mit Matthias Dell

11. März 2019. Mitte Februar hat die Berliner Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) gemeinsam mit Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters (DT) und Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke), eine Handreichung "Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts" vorgestellt. Die Broschüre entstand als Folge eines gestiegenen Beratungsbedarfs in den letzten beiden Jahren: Theater und andere Kulturinstitutionen sehen sich immer häufiger Angriffen von rechten Akteur*innen ausgesetzt. Vom inflationären Gebrauch parlamentarischer Anfragen durch die AfD bis zu Bombendrohungen reicht das Spektrum der Störaktionen. Die Broschüre erntete Lob für ihren Ratgeberteil, aber auch starke Kritik für ihre theoretischen Positionsbestimmungen und die Einschätzung, der "Kulturkampf von rechts" werde bereits in den Feuilletons der großen Zeitungen geführt. Die Bro­schü­re mache letztlich kei­nen Un­ter­schied "zwi­schen kon­ser­va­ti­ven, li­be­ral­kon­ser­va­ti­ven, rechts­ex­tre­men, ras­sis­ti­schen, Gen­der­theo­rie-skep­ti­schen oder rechts­po­pu­lis­ti­schen Po­si­tio­nen", urteilte die Wochenzeitung "Die Zeit". Im theoretischen Teil der Broschüre wurde fälschlicherweise behauptet, Zeit-Autor Ul­rich Grei­ner ha­be die zu­wan­de­rungs­kri­ti­sche "Er­klä­rung 2018"un­ter­zeich­net. Der Fehler wurde umgehend korrigiert und bedauert. Im Interview mit Matthias Dell erklärt sich MBR-Geschäftsführerin Bianca Klose und spricht über ihre Sicht auf die Presse-Reaktionen.

Wie? Ach!

von Andreas Wilink

24. Januar 2019. Eine kleine, vielleicht unwesentliche Akzentverschiebung, aber doch wohl bezeichnend. In seiner Vita und desgleichen bei seiner Vorstellung am heutigen Donnerstag im Kölner Rathaus las und hörte man von dem designierten Schauspielhaus-Intendanten (ab Sommer 2021) etwas über seine Zeit als Intendant der Schauspielbühnen Stuttgart. Wie, ach? Ein gewisses Erstaunen. Aber es ist eben nicht das Staatsschauspiel Stuttgart gemeint, sondern eigener Aussage nach "das Sprechtheater mit dem höchsten Publikumszuspruch in Baden-Württemberg". Nun, ein Schelm usw.

Wilmersdorfer Witwen und Kulturkampf

1. März 2019. "Fahr mal wieder U-Bahn, dann ahnst'e, wie das Leben läuft": Diesem Liedtext folgt "Der Theaterpodcast" – in die Inszenierung "Linie 1" am Berliner Kinder- und Jugendtheater GRIPS, das in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. In Folge #12 geht es zudem um die Frage, ob sich das Theater in einen von rechtsnationalen Kräften erklärten "Kulturkampf" verwickeln lässt.

 

Krach vor den Kulissen

von Tobias Prüwer

Halle, 22. Januar 2019. "Natürlich gab es auch mal Krach unter uns, aber wir haben vermieden, dass es in der Zeitung stand.“ Der Ex-Intendant und sein Ex-Verwaltungschef auf dem Podium ernten viel Applaus für eine simple Einsicht. Konflikte in der Öffentlichkeit auszutauschen, ist für die Bühnen Halle jedoch seit Jahren an der Tagesordnung. Denn der Betrieb, offiziell städtische Theater-, Oper- und Orchester GmbH (kurz TOOH) genannt, verfügt nicht nur über einen komplizierten Namen, sondern eine ebenso schwierige Entscheiderkonstruktion. Um über diese zu diskutieren, luden die Oper und das Neue Theater ein.

Unterkategorien