Kraft der Emotionen

6. Juli 2018. Im Interview mit Alexandra Kedves im Zürcher Tages-Anzeiger spricht Dramatikerin Nino Haratischwili über ihr Verständnis von Theater. Sie finde es "wichtig, dass Figuren zur Sprache kommen, die normalerweise in der Gesellschaft keine Stimme haben. Es ist ein wenig erschreckend, dass post­migrantisches Theater nicht automatisch als Teil der Theaterlandschaft verstanden wird.“

Blackfacing ohne Farbe

4. Juli 2018. Die kanadische Tageszeitung National Post berichtet von öffentlichem Streit um die Ende Juni im Rahmen des Montreal International Jazz Festival herausgekommene Inszenierung "SLĀV" des international bekannten kanadischen Theatermachers Robert Lepage. Das Musical basiert auf Sklavenliedern aus den US-amerikanischen Südstaaten, die von einem fast ausschließlich weißen Cast auf die Bühne gebracht werden.

Jetzt is' auch mal gut, Alter!

3. Juli 2018. Widerstand regt sich gegen die Sprüche, die Frank Castorf jüngst in der Süddeutschen Zeitung von sich gegeben hat (hier unsere Zusammenfassung).

Zusammenarbeit zwischen festen Häusern und freier Szene erwünscht

2. Juni 2018. Die Stadt Zürich hat ihre Tanz- und Theaterlandschaft untersuchen lassen, das Ergebnis beschreibt Alexandra Kedves im Tages-Anzeiger (online 31.5.2018, 10:29 Uhr).

"Männlicher Zugriff"

1. Juli 2018. Sebastian Hartmanns Inszenierung von "In Stanniolpapier" hat gleich zwei Debatten ausgelöst: die um einen potentiellen Sexismus und die Autoren-Regie-Frage. Den gespielt wird eine stark veränderte Fassung. Woraufhin im Programmzettel das Wort Uraufführung durchgestrichen wurde. Im Interview mit dem "Spiegel" spricht dazu nun Stückautor Björn SC Deigner.

Blödsinniges Schema

1. Juni 2018. In der Film- und Theaterbranche der Schweiz regt sich Widerstand gegen den im Juli in Kraft tretenden Inländervorrang bei der Besetzung neuer Stellen. Das berichtet der Schweizer Rundfunk SRF (30.5.2018).

"Das ist mir zu wenig Kunst"

29. Juni 2018. In der Süddeutschen Zeitung erklärt Frank Castorf im Interview mit Christine Dössel, warum während seiner langen Volksbühnenintendanz so wenig Frauen inszeniert haben. "Wir haben eine Frauen-Fußballweltmeisterschaft und eine Männer-Fußballweltmeisterschaft, und in der Qualität des Spiels unterscheidet sich das schon sehr." Regieführende Frauen müssten "dieselbe Qualität haben" wie Regisseure: "Ich war ein großer Verehrer von Pina Bausch, oft kopiert, nie ist einer rangekommen. Nicht jeder, der ein Diplom in Theaterwissenschaft hat, ist dafür prädestiniert, Kunst ausüben zu dürfen und andere Menschen damit zu belästigen. Oder sich schlau hinzustellen und zu sagen: Dieses Stück von Shakespeare geht heute aber gar nicht mehr. Wenn eine Frau besser ist, habe ich nichts dagegen. Nur habe ich so viele nicht erlebt."

Die Zeichen sind nicht frei

31. Mai 2018. In Michael Talkes Strawinsky-Operninszenierung "The Rake's Progress" am Theater Bremen wird Blackfacing eingesetzt. Auf Kritik an dem rassistisch konnotierten Stilmittel sagte der Bremer Generalintendant Michael Börgerding, das Blackfacing sei mit allen Beteiligten, "insbesondere natürlich mit dem Sänger selbst", besprochen und für unproblematisch befunden worden.

Kunst bewegt sich in riskanten Zonen

Berlin, 27. Juni 2018. Im Tagesspiegel äußert sich der Intendant des Deutschen Theater Ulrich Khuon zu den Vorwürfen gegen Sebastian Hartmanns Inszenierung "In Stanniolpapier", die im Rahmen der Langen Nacht der Autoren am DT nicht als Uraufführung, sondern als freie Regie-Version herauskam (zu den Vorwürfen siehe hier die Kritikenrundschau und die Kommentare zur Inszenierung).

Unter Theatergartenzwergen

31. Mai 2018. Den Überfluss an Projekten, dokumentarischen Stückentwicklungen und postdramatisch performativen Abenden auf den Gegenwartsbühnen und damit einhergehend den Verlust der klassischen Sprechstücke beklagt Theaterkritikerin Irene Bazinger in der aktuellen Ausgabe des Cicero (6/2018). Die Bühnen würden heute "von hochgeschraubten Thesenträgern und unverbindlichen Sprechblasen bevölkert, von sinnfreien Schreihälsen und sich jeder intellektuellen Blähung anbiedernden Zeitgeistern, von denkfaulen postmodernen Theatergartenzwergen und sich völlig privat gebenden Schwadroneuren und Schwadroneurinnen."

Gute Aussichten

Bern, 20. Juni 2018. Lena Rittmeyer schreibt in der Berner Zeitung Der Bund über die Zukunft des Berner Theaterfestivals "Auawirleben". Dabei zieht sie einige interessante Vergleiche zu anderen Schweizer Festivals.

Toxische Atmosphäre

Köln, 28. Mai 2018. Schwere Vorwürfe erheben Mitarbeiter*innen und ehemalige Mitarbeiter*innen des Schauspiel Köln gegen die Schauspielerin und Regisseurin Melanie Kretschmann sowie ihren Ehemann, den Kölner Intendanten Stefan Bachmann. Das meldete Spiegel Online am Wochenende. Heute werden die Mobbing-Vorwürfe von WDR und Kölner Stadt-Anzeiger untermauert.

Belehrungen statt Visionen

20. Juni 2018. Gestern trennten sich die Wiener Festwochen einvernehmlich von ihrem Intendanten Tomas Zierhofer-Kin. Die Zeitungen sind im Wesentlichen einverstanden mit diesem Schritt.

Festival ohne Ausstrahlung

23. Mai 2018. In einem wortgleich im St. Galler Tagblatt, der Luzerner Zeitung und der Aargauer Zeitung erschienenen Artikel setzt sich Valeria Heintges mit der mangelnden Strahlkraft des heute in Zürich beginnenden Schweizer Theatertreffens auseinander.

Kein Castorf-Klon-Theater

14. Juni 2018. In der Stuttgarter Zeitung spricht Klaus Dörr, Interims-Intendant der Berliner Volksbühne, im Interview mit Roland Müller über das zukünftige Programm des Hauses, das er bis 2020 verantworten wird. Zunächst werde es noch von den Verabredungen Chris Dercons und Marietta Piekenbrocks geprägt sein: Gastpiele während "Tanz im August", danach eine Uraufführung von Anne Teresa De Keersmaeker.

Leute, die auf Bremsen treten

22. Mai 2018. "Wenn die Aufführungen, die ich gesehen habe, das Beste oder Interessanteste oder künstlerisch Gelungenste des Gegenwartstheaters sein sollen, könnte man leicht in einen Zustand der Depression stürzen", sagt Fabian Hinrichs im Interview mit Peter Laudenbach in der Süddeutschen Zeitung über das Theatertreffen, bei dem er Juror des Alfred-Kerr-Darstellerpreises war, der Tagesspiegel dokumentiert seine Preisrede für Benny Claessens. "Meistens wäre ich am liebsten schon nach einer Viertelstunde wieder gegangen, weil klar war, wie es weitergeht."

Dieser Preis ist heiß

7. Juni 2018. Die Vergabe des "St. Galler Kulturpreis" führt zu Streit in der Ostschweiz. Mitten drin: der Regisseur Milo Rau. Die Kulturkommission der Stadt schlug ihn als Preisträger der alle vier Jahre vergebenen Auszeichnung vor. Aber der Stadtrat folgte der Empfehlung nicht und ehrte stattdessen den Kunstgießer Felix Lehner.

Entwicklung im Schneeballsystem

16. Mai 2018. "Wir haben viel geschafft in den zehn Jahren", die Freie Szene in Basel habe sich gut entwickelt: diese Bilanz zieht im Interview mit der Basler Zeitung Carena Schlewitt, Künstlerische Leiterin der Kaserne Basel und ab nächster Spielzeit Intendantin des "Europäischen Zentrums der Künste Hellerau" in Dresden.

Der Intendant macht sich ein Bild der Atmosphäre an seinem Haus

2. Juni 2018. Die neue Ausgabe des Spiegel (Nr. 23, 2.6.2018) veröffentlicht ein Interview mit dem Kölner Schauspielintendanten Stefan Bachmann, in dem dieser zu den Vorwürfen des Mobbing an seinem Haus Stellung nimmt. Für den Spiegel sprach diesmal neben Laura Backes mit Anke Dürr auch eine Theaterexpertin.

Zuwenig Welttheater

5. Mai 2018. "Wie steht es heute um Profile, Ziele und Aufgaben der Berliner Theater?" fragt Eberhard Spreng im Tagesspiegel und bemängelt zuwenig Engagement der Berliner Festspiele fürs Theater der Hauptstadt: Das Haus der Festspiele, derzeit während des Theatertreffens Herz des deutschsprachigen Theaterbetriebs, stehe nach der Abschaffung der internationalen Festivals Foreign Affairs und Spielzeit Europa übers Jahr zu oft leer.